TV-Tipp für den 11. November: Tod den Hippies!! Es lebe der Punk

November 11, 2017

One, 22.00

Tod den Hippies – Es lebe der Punk! (Deutschland 2015)

Regie: Oskar Roehler

Drehbuch: Oskar Roehler

Robert kommt in den frühen achtziger Jahren aus der Provinz nach Westberlin und lernt das punkige Nachtleben kennen.

Autobiographisch gefärbte Nummernrevue, die vor allem kurzweilig, mehr oder weniger gelungene Anekdoten und Stimmungsbilder aneinanderreiht und all die bekannten Berlin- und Subkulturklischees bestätigt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Schilling, Wilson Gonzalez Ochsenknecht, Emilia Schüle, Frederick Lau, Hannelore Hoger, Samuel Finzi, Alexander Scheer, Rolf Zacher, Götz Otto, Oliver Korittke, Julian Weigend

alternative Schreibweise „ Tod den Hippies!! Es lebe der Punk!“

Wiederholung: Montag, 13. November, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Film-Zeit über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Moviepilot über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Rotten Tomatoes über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (noch keine Kritiken)
Wikipedia über Oskar Roehlerund den Film
RBB: Interview mit Oskar Roehler über den Film

Meine Besprechung von Oskar Roehlers „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (Deutschland 2015)

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Neu im Kino/Filmkritik: „High Society“, Plattenbau und zwei vertauschte Kinder

September 15, 2017

Die Prämisse von „High Society – Gegensätze ziehen sich an“ ist altbekannt und, auch wenn Regisseurin Anika Decker im Presseheft sagt, sie sei vor zweieinhalb Jahren durch die Lektüre eines Zeitungsartikels über vertauschte Babys in Frankreich darauf gekommen, schon in zahlreichen Spielfilmen durchgespielt worden. Denn sie ist ein wundervolles „was wäre wenn“-Gedankenexperiment: Was wäre, wenn du nach deiner Geburt vertauscht worden wärst? Üblicherweise sind die Familien vollkommen gegensätzlich. Üblicherweise ist eine Familie sehr arm und die andere sehr reich. Die Fragen und Konflikte ergeben sich aus dieser Prämisse fast von selbst: Was ist Erziehung? Was Vererbung? Wer sind deine Eltern? Die biologischen oder die, die dich erzogen haben? Soll der Tausch wieder rückgängig gemacht werden? Oder wäre das ein noch größeres Unrecht? Undsoweiter, undsofort. Eigentlich ist es kaum möglich, eine solche Verwechslungsgeschichte zu vergeigen.

Anika Decker gelingt das in ihrem neuen Film „High Society“, den sie eine Familien- und Gesellschaftskomödie nennt, mit einer fast schon beeindruckenden Konsequenz.

In „High Society“ werden Anabel und Aura in der Geburtsklinik vertauscht. 25 Jahre später wird der Tausch entdeckt und, schwuppdiwupp, ist die reiche Anabel (Emilia Schüle) in der Familie von Carmen Schlonz (Katja Riemann) im Plattenbau (mit importiertem Ghetto-Feeling) und die arme Aura (Caro Cult) in der Familie von Trixie von Schlacht (Iris Berben) in der noblen Industrieellenvilla, in der Menschen mit offensichtlichen Geschmacksverirrungen leben dürfen. Wie im Plattenbau am anderen Ende von Berlin.

Beginnen wir mit dem Positiven: Iris Berben und Katja Riemann werfen sich mit einer Verve in ihre Rollen, dass man sich schnell fragt, warum sie das tun. Vielleicht wollten sie einfach ihren Spaß haben. Denn, und schon sind wir beim Negativen, das Drehbuch ist eine willkürliche Aneinanderreihung von Szenen, die höchstens für einen unlustigen Sketchabend taugen. Die gezeigten Milieus und Konflikte stammen dann auch aus genau dieser wirklichkeitsfernen TV-Soap- und Sketch-Welt mit ihren billigen Kulissen und unglaubwürdigen Charakteren. Stringenz in der Geschichte und Figurenzeichnung sind hier Fremdworte. Der Film ist ein einziger Kladderadatsch, der wirkt, als habe man einfach Szenen aus verschiedenen Drehbüchern zusammengeworfen und danach nicht einmal geprüft, ob das irgendwie auch nur halbwegs stimmig ist. Dass keine einzige Pointe zündet, verwundert in dieser kopflosen Fremdschäm-Veranstaltung, nicht. Wegen des Timings, wegen der Qualität der Pointen und wegen der Abwesenheit irgendeiner Idee, wie das Material sinnvoll angeordnet werden kann.

Dass es Anika Decker nicht gelingt, aus der Prämisse eine Geschichte zu entwickeln, verwundert dann doch. Denn bei der Prämisse schreibt sich die Geschichte wie von selbst. Wenn man denn ein Thema hat.

Anika Decker schrieb die Drehbücher für „Keinohrhasen“, „Zweiohrhasen“, „Rubbeldiekatz“ und „Traumfrauen“, ihrem Regiedebüt.

High Society – Gegensätze ziehen sich an (Deutschland 2017)

Regie: Anika Decker

Drehbuch: Anika Decker

mit Emilia Schüle, Jannis Niewöhner, Iris Berben, Katja Riemann, Caro Cult,Jannik Schümann, Manuel Rubey, Marc Benjamin, Rick Kavanian

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „High Society“

Moviepilot über „High Society“

 


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über Ödön von Horvárths „Jugend ohne Gott“ als Dystopie

August 31, 2017

Dass Alain Gsponer in seiner Verfilmung die Geschichte von Ödön von Horváths „Jugend ohne Gott“ aus der Nazi-Zeit in die Zukunft verlegt, ist nicht das größte Problem des Films. Im Gegenteil. Diese Verlegung der Handlung aktualisiert die Geschichte und macht sie auch für ein neues Publikum zugänglich.

Das gleiche gilt für den Wechsel des Protagonisten. Im Roman ist es der Lehrer. Ein Ich-Erzähler, der seinen Schülern etwas beibringen will und in Konflikt mit der herrschenden Ideologie gerät. Danach soll er, wie ihm sein Schuldirektor sagt, seine Schüler „moralisch zum Krieg erziehen“.

Im Film ist er eine Nebenfigur. Zach, einer seiner Schüler, ist der Protagonist. Um ein junges Publikum zu erreichen, ist das eine kluge Entscheidung. Schließlich identifiziert man sich als Jugendlicher eher mit einem Gleichaltrigen als mit einem Lehrer. Vor allem mit einem Lehrer, der an seiner Aufgabe hadert und von Selbstzweifeln darüber geplagt ist.

Diese beiden Änderungen und einige weitere, zu denen ich gleich komme, machen dann aus Gsponers Film eine freie Verfilmung des Romans.

In dem Film – und ich muss jetzt in Teilen der Filmhandlung weit vorgreifen – fährt die Schulklasse des namenlosen Lehrers (Fahri Yardim) in die Berge zu einem Zeltlager. Durch verschiedene Tests ihrer Persönlichkeit sollen die Schüler ausgewählt werden, die sich für einen Platz an Eliteuniversität qualifizieren.

Alle bis auf Zach (Jannis Niewöhner) folgen willig und ohne darüber nachzudenken, der in der Gesellschaft propagierten Leistungsideologie. Er ist, obwohl beliebt, schon in der Klasse ein hochintelligenter Außenseiter. Sein wertvollster Besitz ist ein Tagebuch, dem er seine Gedanken und Gefühle anvertraut. Im Gegensatz zu seinen Klassenkameraden denkt er nach. Er nimmt die gesellschaftlichen Veränderungen wahr und sie gefallen ihm nicht. Denn hinter dem schönen Schein der egalitären Wohlstandswelt gibt es bittere Armut. Letztendlich ist die von Gsponer gezeichnete Welt eine dystopische Zwei-Klassen-Gesellschaft. Es ist eine diktatorische Leistungsgesellschaft, die gnadenlos unliebsame, nicht angepasste oder nicht leistungsfähige Menschen aussortiert.

In dem Zeltlager werden sie von dem Aufseher vor einer im Wald lebenden Bande Jugendlicher, die außerhalb ihrer Zone leben und sich mit Diebstählen über Wasser halten, gewarnt. Zach lernt das im Wald lebende Mädchen Ewa (Emilia Schüle) kennen. Er verliebt sich in die Wilde.

Dann verschwindet Zachs Tagebuch (Leser des Romans kennen den Dieb) und ein Klassenkamerad, mit dem er schon in den vergangenen Tage handgreifliche Auseinandersetzungen hatte, wird ermordet im Wald aufgefunden. Aber hat er ihn auch ermordet?

Das größte Problem von Gsponers von-Horváth-Verfilmung ist die Erzählweise. Anstatt die Geschichte, wie im Roman, einfach chronologisch vom Anfang bis zum Ende zu erzählen, gibt es zahlreiche Rückblenden, die einem zum Verständnis notwendige Informationen erst sehr spät geben und das Geschehen aus einer anderen Perspektive schildern. Das erschwert das Hineinfinden in die Geschichte und die Identifikation mit den Figuren. Das zeigt sich schon in den ersten Minuten. Der Film beginnt mit der Ankunft im Zeltlager und es wirkt, als ob sich die Jugendlichen nicht kennen. Dabei sind sie Klassenkameraden, die mit ihrem Klassenlehrer zu dem Camp gefahren sind und vor der Fahrt schon einen unliebsamen (vulgo nicht leistungsfähigen) Schüler aussortiert haben. Das setzt sich später fort, wenn wir erst später erfahren, wer das Tagebuch geklaut hat und ob der oder die Mordverdächtigen die Tat begangen haben.

Ein anderes Problem ist die zu sparsam gezeichnete dystopische Gesellschaft. Entsprechend diffus bleibt die Gesellschaftskritik.

Am Ende ist „Jugend ohne Gott“ ein weiterer gescheiterter Versuch eines deutschen Science-Fiction-Films, der nicht an seinem Budget, sondern an seinem Drehbuch und seiner Inszenierung scheitert. Jedenfalls in der Form, die im Kino läuft.

Jugend ohne Gott (Deutschland 2017)

Regie: Alain Gsponer

Drehbuch: Alex Buresch, Matthias Pacht

LV: Ödön von Horváth: Jugend ohne Gott, 1937

mit Jannis Niewöhner, Fahri Yardim, Emilia Schüle, Alicia von Rittberg, Jannik Schümann, Anna Maria Mühe, Rainer Bock, Katharina Müller Elmau, Iris Berben

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Ödön von Horváth: Jugend ohne Gott

Suhrkamp, 2017 (Movie Tie-In)

160 Seiten

5 Euro

Erstausgabe

Exil-Verlag, Amsterdam, 1937

Die aktuelle Suhrkamp-Ausgabe basiert auf „Gesammelte Werke. Kommentierte Werkausgabe in Einzelbänden – Band 4: Prosa und Werke 1918 – 1938“ (Suhrkamp, 1988)

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „Jugend ohne Gott“

Moviepilot über „Jugend ohne Gott“

Wikipedia über „Jugend ohne Gott“ (die aktuelle Verfilmung, der Roman) und Ödön von Horváth (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 22. Februar: Tod den Hippies!! Es lebe der Punk

Februar 22, 2017

Arte, 23.15

Tod den Hippies – Es lebe der Punk! (Deutschland 2015)

Regie: Oskar Roehler

Drehbuch: Oskar Roehler

Robert kommt in den frühen achtziger Jahren aus der Provinz nach Westberlin und lernt das punkige Nachtleben kennen.

Autobiographisch gefärbte Nummernrevue, die vor allem kurzweilig, mehr oder weniger gelungene Anekdoten und Stimmungsbilder aneinanderreiht und all die bekannten Berlin- und Subkulturklischees bestätigt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Schilling, Wilson Gonzalez Ochsenknecht, Emilia Schüle, Frederick Lau, Hannelore Hoger, Samuel Finzi, Alexander Scheer, Rolf Zacher, Götz Otto, Oliver Korittke, Julian Weigend

alternative Schreibweise „ Tod den Hippies!! Es lebe der Punk!“

Wiederholung: Samstag, 4. März, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Film-Zeit über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Moviepilot über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Rotten Tomatoes über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (noch keine Kritiken)
Wikipedia über Oskar Roehlerund den Film
RBB: Interview mit Oskar Roehler über den Film

Meine Besprechung von Oskar Roehlers „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (Deutschland 2015)


Neu im Kino (nach Kinotour)/Filmkritik: „Boy 7“ – der nächste Versuch im deutschen Genrekino

August 15, 2015

Vor fünf Jahren, nachdem fast zeitgleich einige gute deutsche Kriminalspielfilme und Dominik Grafs TV-Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ erschienen, wurde auf einer Tagung von der „Lust am Genre“ gesprochen und auch gefragt, warum es kein deutsches Genrekino gibt. Krimis laufen im Fernsehen in verschiedenen Serien und Reihen bis zum Abwinken. Science-Fiction und Horror existieren vor allem als Erinnerung an die seeligen Stummfilm- und frühen Tonfilmtage, als „Das Cabinet des Dr. Caligari“, „Dr. Mabuse, der Spieler“, „Das Testament des Dr. Mabuse“, „Metropolis“ und „M – Mörder unter uns“ gedreht wurden. In den Sechzigern und frühen Siebzigern waren dann die Edgar-Wallace-Filme und ihre zahlreichen mehr oder weniger direkten Ableger (Jerry Cotton, Kommissar X, St.-Pauli-Filme) an der Kinokasse erfolgreich, während Horror und Science-Fiction schon lange in andere Länder abgewandert waren.
Seitdem gab es immer wieder Versuche, deutsche Genrefilme zu drehen. Die meisten waren und sind höchstens schlechte Imitate besserer Filme. Meistens liegt es am Drehbuch und einem nervigen Stilwillen des Regisseurs, der überhaupt nicht zur Handlung passt. Da ist dann das pseudo-coole Spiel der Schauspieler auch egal.
Vor dieser Folie ist Özgür Yilderims dritter Spielfilm, nach dem Gangsterfilm „Chiko“ und der Musikkomödie „Blutzbrüdaz“, eine durchaus erfreuliche Überraschung. Das heißt jetzt nicht, dass „Boy 7“ ein Film ist, den man sich unbedingt ansehen muss. Dafür ist die Story dann doch zu bekannt und zu sehr auf ein jugendliches Publikum zugeschnitten.
Der PC-Nerd Samuel ‚Sam‘ Lubota („Knallhart“ David Kross) wird, nachdem er beim Manipulieren der Abi-Noten einer Klassenkameradin erwischt wurde, in eine ländlich gelegene Besserungsanstalt, die Kooperation X, geschickt. Dort werden sie nur noch mit ihrem Geschlecht und einer Nummer angesprochen. Er wird zu ‚Boy 7‘. Er fügt sich schnell in die hierarchisch strukturierte Gesellschaft ein. Immerhin sollen hier seine Fähigkeiten so eingesetzt werden, dass er zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft wird. Der Anstaltsleiter, Direktor Thomas Fredersen, verspricht ihm sogar, wenn er das Programm erfolgreich absolviert, eine gut dotierte Stelle in einer Bank.
Aber dann bemerkt Sam, dass einige seiner Mitinsassen unter seltsamen Umständen sterben oder ihr Gedächtnis verlieren.
Yilderim erzählt diese Geschichte in mehreren Rückblenden, die einen in die Geschichte hineinziehen. Denn der Film beginnt gleich mitten in der Geschichte: Sam wird in einem U-Bahn-Schacht wach. Er erinnert sich an nichts. Aber er wird von der Polizei als Mörder gejagt. Auf einer Toilette entdeckt er ein von ihm geschriebenes Buch, das er dort vorher versteckte. In dem Tagebuch erzählt er sich und uns die Vorgeschichte. Garniert mit einigen hübschen Spitzen, denn er liest sein Buch Emilia (aka Girl 8) vor, die ebenfalls in der sektenähnlichen Besserungsanstalt war und die sich ebenfalls an nichts erinnern kann. Diese Konstruktion ist ein kluger erzählerischer Schachzug, weil wir wissen wollen, wie Sam in diese Situation kommen konnte und ob er der jungen Frau, die er auf seiner Flucht getroffen hat, vertrauen kann.
Dennoch geraten die Rückblenden, wenn Details aus dem Internatsleben breit ausgebreitet werden, etwas zu lang. Was auch daran liegt, dass die Charaktere eher blass geraten sind. Aber die Schauspieler spielen unverkrampft, die Dialoge sind natürlich (es handelt sich also nicht um hölzern-papierne Beamtensprache und die Jugendlichen müssen nicht in einem hippen Jugendslang sprechen), die Sets sehen gut aus (so befindet sich die Kooperation X im – Reisetipp – Schloss Nordkirchen) und die Story steht im Mittelpunkt.
Sogar den Stilwillen von Yildirim, der seine Kamera gerne in einer Schräglage hält, um ein expressionistisches „Dr. Caligari“-Gefühl heraufzubeschwören, verzeiht man da. Immerhin nervt es weniger als eine Wackelkamera und die Bilder (Kamera: Matthias Bolliger) und zahlreiche Anspielungen im Film und bei den Namen verweisen auf die deutschen Filmklassiker, in deren Tradition Yildirim seinen Film sieht. Und das ist nicht die schlechteste Referenz. Auch wenn in „Boy 7“ die Manipulation der Insassen nicht mehr mittels Hypnose erfolgt.
Natürlich ist „Boy 7“ eine weitere Variation der bekannt-erfolgreichen Dystopien, in denen ein Jugendlicher (oft weiblich) gegen eine verbrecherische Erwachsenenwelt kämpfen muss. „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ und „Die Bestimmung“ (The Divergent Series), beides Romantrilogien, die als vier Filme ins Kino kommen, sind die erfolgreichsten. Weniger erfolgreich waren, um nur zwei Filme zu nennen, „Maze Runner“ (der zweite Teil läuft am 24. September an) und „Seelen“. Und, wie die genannten Filme, basiert „Boy 7“ auf einem Jugendbuch-Bestseller, der eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt. Eine Fortsetzung ist ziemlich ausgeschlossen.
Unter den deutschen Genreexperimenten der letzten Jahre gehört „Boy 7“ zu den gelungeneren Filmen. Auch wenn er sich an ein jugendliches Publikum richtet und er mit den zahlreichen, deutlich höher budgetierten Vorgängern zu kämpfen hat. Aber immerhin bewahrt uns das vor einem CGI-Gewitter.
P. S.: Zeitgleich inszenierte Lourens Blok mit einer anderen Besetzung eine niederländische Version der Geschichte.

Boy 7 - Plakat

Boy 7 (Deutschland 2015)
Regie: Özgür Yildirim
Drehbuch: Philipp Delmaar, Marco van Geffen, Özgür Yildirim
LV: Mirjam Mous: Boy 7, 2009 (Boy 7)
mit David Kross, Emilia Schüle, Jens Harzer, Jörg Hartmann, Liv Lisa Fries, Ben Münchow, Nina Petri
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Kinostart: 20. August 2015

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Boy 7“

Film-Zeit über „Boy 7“

Moviepilot über „Boy 7“

Wikipedia über Özgür Yildirim

Die Kinotour – oder, wo ich einen Film und die Macher schon vor dem Kinostart sehen kann:
Samstag, 15. August
CINESTAR Ingolstadt (Am Westpark 2, 85057 Ingolstadt)
Vor Ort: David Kross, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 16:00 Uhr

Samstag, 15. August
CINEMAXX Augsburg (Willy-Brandt-Platz 2, 86153 Augsburg)
Vor Ort: David Kross, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 17:00 Uhr

Samstag, 15. August
MATHÄSER München (Bayerstraße 3-5, 80336 München)
Vor Ort: David Kross, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 19:30 Uhr

Sonntag, 16. August
Premiere im COMMERZ REAL CINEMA Düsseldorf (Robert-Lehr-Ufer, 40479 Düsseldorf)
Vor Ort: David Kross, Emilia Schüle, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim, Romanautorin Mirjam Mous
Filmstart: 21:25 Uhr

Montag, 17. August
CINEMAXX Mannheim (N7 17, 68161 Mannheim)
Vor Ort: David Kross, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 18:00 Uhr

Montag, 17. August
KINOPOLIS Sulzbach (Taunus) (Am Main-Taunus-Zentrum, 65843 Sulzbach (Taunus))
Vor Ort: David Kross, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 20:30 Uhr

Dienstag, 18. August
ASTOR GRAND CINEMA Hannover (Nikolaistraße 8, 30159 Hannover)
Vor Ort: David Kross, Emilia Schüle, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 19:30 Uhr

Dienstag, 18. August
C1 CINEMA Braunschweig (Lange Straße 60, 38100 Braunschweig)
Vor Ort: David Kross, Emilia Schüle, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 20:00 Uhr

Mittwoch, 19. August
CINEMAXX DAMMTOR Hamburg (Dammtordamm 1, 20354 Hamburg)
Vor Ort: David Kross, Emilia Schüle, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 19:00 Uhr

Donnerstag, 20. August
CUBIX Berlin (Rathausstraße 1, 10178 Berlin) (Endlich!!!)
Vor Ort: David Kross, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 19:30 Uhr

Donnerstag, 20. August
CINESTAR Leipzig (Petersstraße 44, 04109 Leipzig)
Vor Ort: David Kross, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 20:30 Uhr


Neu im Kino/Filmkritik: Film mit klarer Ansage: „Tod den Hippies -Es lebe der Punk!“

März 26, 2015

Vor ein, zwei Jahren habe ich irgendwo gelesen, dass es keine Filme über die Musik und die Jugendkultur der achtziger Jahre gebe. Es sei ein aus dem kollektiven Gedächtnis gefallenes Jahrzehnt, während die sechziger und siebziger Jahre in der Popkultur immer noch lebendig seien.
Jetzt, mit Oskar Roehlers greller und sehr kurzweiliger Nummernrevue „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ und Mark Reeders „B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin“ (läuft am 21. Mai an und sollte unbedingt als Ergänzung zu Roehlers Film gesehen werden) scheint sich da etwas zu ändern. Beide Filme spielen im Westberlin der Achtziger. Beide porträtieren die damalige Kunst- und Subkulturszene. Beide Filme sind autobiographisch. Während der Engländer Reeder sich in „B-Movie“ ungeniert und sympathisch selbst inszeniert und der Dokumentarfilm aus einer erstaunlichen Menge damals gedrehter Filme schöpfen kann, verbirgt Oskar Roehler sich in seinem Spielfilm hinter dem Kunstcharakter Robert (Tom Schilling, grandios stoisch), der in Westdeutschland Anfang der achtziger Jahre auf einem von Hippies belagertem Internat ist. Sein einziger Freund ist der pickelige Nazi Gries (Frederick Lau), der, wie er später in Berlin erfährt, auch noch schwul und masochistisch ist. Für Robert ist angesichts der ganzen Kiffer in der Schule klar: „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Er schneidet sich seine eh schon kurzen Haare, randaliert ein wenig, fliegt unverzüglich von der Schule und macht sich auf den Weg nach Berlin, der Stadt, in der alles möglich ist und der Punk lebt. Im gelobten Land kommt er bei seinem Kumpel Schwarz (Wilson Gonzalez Ochsenknecht, ebenfalls stoisch) in einem besetztem Haus unter und er hat auch gleich einen Job. Während Schwarz in der Peepshow die Gäste empfängt und die Attraktionen anpreist, darf er als Mädchen für alles Scheiben putzen (Unangenehm!) und Essen für die Damen (Angenehm!) holen.
Aber viel wichtiger als dieser Brotjob, der auch seine Reize hat, ist für Robert die damalige Kulturszene. Gleich am ersten Abend trifft er Blixa Bargeld und Nick Cave. Sie gehen in das „Risiko“, wo Blixa Bargeld als Barkeeper arbeitet, im Hinterzimmer Konzerte stattfinden und viel zu viele, mehr oder weniger flüssige Drogen konsumiert werden.
Und so reiht sich eine Episode an die nächste. Schnell entsteht ein Bild des damaligen Berlins, das sich sehr locker an einer klassischen Bildungsgeschichte entlanghangelt, aber das vor allem mit durchaus groben Strichen die damalige Zeit verklärt und auch das heutige Bild des damaligen Berlins bedient als aus der Zeit gefallenes Dorf, in dem man gut Leben konnte und in dem sich alle Spinner und Künstler des Universums in dem „Schutzraum für Verrückte“ (Oskar Roehler) trafen und, im Angesicht des nahenden Weltuntergangs, kreativ waren. So will Robert Schriftsteller werden. Über Blixa Bargeld und Nick Cave, die beide vor allem sehr abwesend blicken, muss nichts gesagt werden. Gegen Ende hat auch Rainer Werner Fassbinder (uh, am 30. April startet die Doku „Fassbinder“) einen Auftritt, in dem er, in Lederjacke, sehr dem populären Bild von RWF entspricht.
Es geht auch um Roberts Beziehung zu seinen geschiedenen und ziemlich abgedrehten Eltern. Sie (Hannelore Hoger) will, um an Geld zu kommen, einen nichtsnutzigen Verwandten umbringen und erklärt nonchalant in einer Talkshow, dass sie ihr Kind nie wollte. Er (Samuel Finzi) verwahrt in seiner Wohnung RAF-Geld, das Robert und Schwarz während eines extrem dilletantisch ausgeführten Einbruchs klauen wollen. Und Robert verliebt sich in eine der Tänzerinnen aus der Peepshow, die natürlich höhere Ambitionen hat und eine bezaubernde Mischung aus Englisch und Deutsch spricht.
Roehlers Tonfall ist dabei immer anekdotisch und auf eine mal mehr, mal weniger gelungene Pointe, die mal mehr, mal weniger derb ist, getrimmt. Einige Anekdoten sind auch Stimmungsbilder. Und immer sind es Geschichten, die man sich nach dem dritten Bier erzählt oder erzählt bekommt. Dabei hat Roehler vor allem die Indie-Rock-Gemeinde im Visier, die etwas über Nick Cave, Blixa Bargeld, die Einstürzenden Neubauten und die damals wilden und zügellosen Jahre in der Ruinenstadt Berlin und ihrem pulsierendem Kulturleben gehört haben. Deshalb ist „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ im Studentenkino bestimmt ein großer Spaß.
Den Abgleich zwischen Roehlers Film und seinem Leben, das er hier, wieder einmal, kaum verschleiert be- und verarbeitet, kann man dann ja im Seminar machen.

Tod den Hippies Es lebe der Punk - Plakat

Tod den Hippies – Es lebe der Punk! (Deutschland 2015)
Regie: Oskar Roehler
Drehbuch: Oskar Roehler
mit Tom Schilling, Wilson Gonzalez Ochsenknecht, Emilia Schüle, Frederick Lau, Hannelore Hoger, Samuel Finzi, Alexander Scheer, Rolf Zacher, Götz Otto, Oliver Korittke, Julian Weigend
Länge: 105 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
alternative Schreibweise „ Tod den Hippies!! Es lebe der Punk!“

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Film-Zeit über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Moviepilot über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Rotten Tomatoes über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (noch keine Kritiken)
Wikipedia über Oskar Roehler
RBB: Interview mit Oskar Roehler über den Film

Ein schon etwas älteres Gespräch (2012) mit Oskar Roehler


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