Neu im Kino/Filmkritik: „Krampus“ ist da

Dezember 4, 2015

Neben den Heile-Welt-Weihnachtsfilmen gibt es auch die anderen Weihnachtsfilme und dass „Krampus“, benannt nach einer heute vor allem in Österreich und den umliegenden Gebieten bekannten Schreckgestalt, die als böser Nikolaus unartige Kinder bestraft, in die zweite Kategorie fällt, dürfte niemand überraschen.
Nachdem der junge Max wutentbrannt, nach einem Streit mit der blöden bis grenzdebilen Verwandtschaft, die jedes Jahr über die Weihnachtstage zu Besuch kommt, seinen Wunschzettel an den Nikolaus zerreißt und aus dem Fenster wirft, hält Krampus das für eine Aufforderung Max, dessen Familie und die ganze Kleinstadt zu besuchen. Denn, so die Filmsage, Krampus bestraft all jene, die nicht mehr an das Fest der Liebe und den Geist der Weihnacht glauben. Dass Krampus nach dieser Auftragsbeschreibung viel zu tun hat, muss uns nicht stören. Der Nikolaus und das Christkind kriegen das mit dem Geschenke-Verteilen ja auch hin. Und dann gibt es noch die aus Österreich kommende Oma, die das Kaminfeuer hütet und so einen Besuch von Krampus verhindern will. Sie erzählt eine weitere leicht abweichende Krampus-Geschichte.
In dem Film geschieht dann das, was wir aus unzähligen Alien-Invasionsfilmen kennen. Menschen flüchten. Sie schreien. Sie sterben. Und am Ende kämpfen einige der Überlebenden erfolgreich gegen die alptraumhaft aussehenden Aliens, die hier als kreischend-mordlüsterne Lebkuchenmänner (Nein, keine Gremlins!) kommen, Hörner und maskenhafte Gesichter (was dann an, nun, Männer mit Masken erinnert) haben und auch mal einige Familienmitglieder im Boden verschwinden lassen. Das sorgt für durchaus kurzweiliges Vergnügen, bei dem die Motivation der Bösewichter für ihr Schlachtfest nebensächlich ist.
Letztendlich ist „Krampus“, sparsam garniert mit einigen wenigen Witzen, nur ein weiterer Alien-Invasionsfilm. Denn der weihnachtliche Hintergrund, der das Potential für satirische Spitzen hätte, wird komplett verschenkt. Das Ende hat dann seine eigenen Probleme, die vor allem darin liegen, dass die Macher mit einer uralten, sehr einfallslosen und entsprechend mutlosen Pointe enden.
Als halbstündige „The Twilight Zone“-Episode hätte „Krampus“ sicher besser funktioniert.

Krampus - Teaserplakat

Krampus (Krampus, USA 2015)
Regie: Michael Dougherty
Drehbuch: Michael Dougherty, Zach Shields, Todd Casey
mit Adam Scott, Toni Collette, Alllison Tolman, David Koechner, Emjay Anthony, Lolo Owen, Stefania Owen, Krista Stadler, Conchata Ferrell, Queenie Samuel
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Krampus“
Moviepilot über „Krampus“
Metacritic über „Krampus“
Rotten Tomatoes über „Krampus“
Wikipedia über „Krampus“ (deutsch, englisch)

Advertisements

Neu im Kino/Filmkritik: „Kiss the Cook“ und iss das Essen

Mai 28, 2015

Wer möchte kann „Kiss the Cook – So schmeckt das Leben“ von Jon Favreau (Regie, Drehbuch, Hauptrolle) als Metapher auf seine Hollywood-Erfahrungen sehen. Er begann mit kleinen Independent-Filmen, wie „Swingers“ und „Made“, stieg dann mit seinen beiden „Iron Man“-Filmen und dem Science-Fiction-Western „Cowboys & Aliens“ in die Blockbuster-Regie auf und dreht jetzt wieder einen kleinen Film, der von der ersten bis zur letzten Sekunde den Geist des unabhängigen Independent-Kinos atmet.
Favreau erzählt die Geschichte von Carl Casper, der vor zehn Jahren zum Chefkoch eines Nobelrestaurants aufstieg. Aber anstatt seine eigenen Mahlzeiten zu kreieren, muss er den konservativen Kochplan seines Chefs ausführen. Immerhin lieben die Gäste seit Jahrzehnten genau diese Gerichte, die immer auf die gleiche Art zubereitet werden. Also bitte keine Experimente.
Nach einer missgünstigen Kritik eines Restaurantkritikers, der Carl vorwirft, dass er seinen Esprit verloren habe, flippt Carl aus. Der Streit zwischen ihnen führt letztendlich zu seiner Entlassung.
Mit etwas Hilfe von seiner Ex-Frau entschließt Carl sich zu einem Zurück-zu-den-Wurzeln-Programm. In Florida organisiert er sich einen Imbisswagen, bringt ihn, mit seinem elfjährigem Sohn Percy und seinem Sous-Chef Martin, wieder in Schuss. Gemeinsam machen sie sich von Miami aus auf den Weg quer durch die USA zurück nach Los Angeles.
Auf dem Weg durch die Südstaaten wird, auch dank der sozialen Medien, aus der Schnapsidee, mit der Carl seinem Sohn die regionale amerikanische Küche näher bringen will, ein Triumphzug. Denn überall stehen die Leute Schlange, um seine Variationen südamerikanischer und kubanischer Leckerbissen zu essen.
„Kiss the Cook“ ist ein sympathisches Feelgood-Movie, in dem etliche Stars kurze, oft prägnante Auftritte haben und man mit den drei Männern im Imbisswagen „El Jefe“ gerne seine Zeit verbringt. Da verzeiht man auch, dass diese Reise gänzliche konfliktfrei abläuft und das präsentierte Essen nicht sonderlich gesund ist.
Beim Tribeca-Filmfestival erhielt „Kiss the Cook“ den Publikumspreis.

Kiss the Cook - Plakat

Kiss the Cook – So schmeckt das Leben (Chef, USA 2014)
Regie: Jon Favreau
Drehbuch: Jon Favreau
mit Jon Favreau, Emjay Anthony, Sofia Vergara, John Leguizamo, Scarlett Johansson, Oliver Platt, Bobby Cannavale, Amy Sedaris, Dustin Hoffman, Robert Downey jr.
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Englische Facebookseite zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Kiss the Cook“
Moviepilot über „Kiss the Cook“
Metacritic über „Kiss the Cook“
Rotten Tomatoes über „Kiss the Cook“
Wikipedia über „Kiss the Cook“
Meine Besprechung von Jon Favreaus „Cowboys & Aliens“ (Cowboys & Aliens, USA 2011)


%d Bloggern gefällt das: