TV-Tipp für den 29. Februar: Tödliche Entscheidung

Februar 28, 2020

Servus TV, 22.00

Tödliche Entscheidung (Before the devil knows you’re dead, USA 2007)

Regie: Sidney Lumet

Drehbuch: Kelly Masterson

Andy, der für Drogen Geld aus der Firmenkasse nahm, kann seinen Bruder Hank überreden, das elterliche Juweliergeschäft zu überfallen. Der Überfall, auch weil die Mutter gar nicht daran denkt, irgendwelchen hergelaufenen, maskierten Verbrechern die Juwelen zu geben, geht schief – und dann bröckelt die heile Fassade der Familie verdammt schnell ab.

Mit seinem letzten Film drehte Sidney Lumet, nach einigen schwächeren Werken, mit einer Familientragödie noch einmal so richtig voll auf. Er seziert, wieder einmal, die Kehrseite des amerikanischen Traums anhand. Dieses Mal am Beispiel einer ziemlich kaputten, weißen Mittelstandsfamilie.

Der Pitch war vielleicht: „Family Business“, aber ohne Lacher.

„Tödliche Entscheidung“ ist ein feiner Noir und, kein Wunder bei der Besetzung, großes Schauspielerkino. Ein potentieller Klassiker.

mit Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke, Albert Finney, Marisa Tomei, Aleksa Palladino, Michael Shannon, Amy Ryan, Sarah Livingston, Brían F. O’Byrne, Rosemary Harris

Wiederholung: Sonntag, 1. März, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Tödliche Entscheidung”

Wikipedia über „Tödliche Entscheidung“ (deutsch, englisch)

Die Zeit: Katja Nicodemus trifft Sidney Lumet (12. April 2008)

Mein Nachruf auf Sidney Lumet (25. Juni 1924 – 9. April 2011)


TV-Tipp für den 18. November: Boyhood

November 17, 2019

Arte, 20.15

Boyhood (Boyhood, USA 2014)

Regie: Richard Linklater

Drehbuch: Richard Linklater

„Boyhood“ erzält eine Geschichte vom Erwachsenwerden. Allerdings anders gewohnt. Denn Richard Linklater drehte den Film über zwölf Jahre. Jedes Jahr holte er die Schauspieler für einige Drehtage zurück.

So sehen wir wie Mason junior (Ellar Coltrane) und seine Filmeltern langsam älter werden und wie Mason junior vom Kind zum Mann wird.

Die Kritiker waren begeistert.

Mit Patricia Arquette, Ethan Hawke, Ellar Coltrane, Lorelei Linklater, Tamara Jolaine, Nick Krause

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Boyhood“

Wikipedia über „Boyhood“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Before Midnight“ (Before Midnight, USA 2013)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Everybody wants some!!“ (Everybody wants some!!, USA 2016)

Richard Linklater in der Kriminalakte

Bonushinweis: am Donnerstag läuft sein neuer Film an:


TV-Tipp für den 2. März: Good Kill – Tod aus der Luft

März 1, 2019

ZDFneo, 23.45

Good Kill – Tod aus der Luft (Good Kill, USA 2015)

Regie: Andrew Niccol

Drehbuch: Andrew Niccol

Ruhiges, äußerst intensives Drama über die Gewissenskonflikte von einem Ex-Kampfpiloten (Ethan Hawke), der jetzt Drohnenpilot ist und, wie viele Kollegen, seelische Probleme mit dem Töten per Drohne und seinem normalen Leben, nach Feierabend, in Las Vegas (das hätte Hollywood sich nicht besser ausdenken können: die echten Basen sind in der Nähe des Spielerparadieses) hat.

Das Drehbuch ist straff und facettenreich (auch wenn das Militär etwas nachdenklicher, selbtreflexiver und vernünftiger rüberkommt, als es wohl in der Realität der Fall ist), die Schauspieler überzeugend, und Andrew Niccol („Gattaca“, „Lord of War“, beide ebenfalls mit Hawke) zeigt nach dem Totalausfall „Seelen“, dass er nichts verlernt hat. Für einen Kinostart hat es trotzdem nicht gereicht und der Film (es ist der erste Spielfilm über den Drohnenkrieg) ist aufklärerisch im besten Sinne. Unbedingt sehenswert!

Mit Ethan Hawke, Zoë Kravitz, January Jones, Bruce Greenwood, Jake Abel, Dylan Kenin

Hinweise
Moviepilot über „Good Kill“
Metacritic über „Good Kill“
Rotten Tomatoes über „Good Kill“
Wikipedia über „Good Kill“
Meine Besprechung von Andrew Niccols „Seelen“ (The Host, USA 2013)
Andrew Niccol in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. Februar: Maggies Plan

Februar 14, 2019

3sat, 22.25

Maggies Plan (Maggie’s Plan, USA 2015)

Regie: Rebecca Miller

Drehbuch: Rebecca Miller (nach einer Geschichte von Karen Rinaldi)

Die New Yorkerin Maggie (Greta Gerwig) will ein Baby und sie hat auch schon den perfekten Samenspender gefunden. Da trifft die Akademikerin zufällig einen Literaturprofessor (Ethan Hawke), verliebt sich in ihn und ihr erster Plan geht in die Binsen. Als drei Jahre später das Zusammenleben mit John nicht so traumhaft ist, wie sie sich erhofft hat, entwirft sie einen neuen Plan.

TV-Premiere: Wunderschöne Screwball-Comedy im New Yorker Intellektuellenmilieu. Das erinnert natürlich an Woody Allen, aber Rebecca Miller hat eine ganz andere Handschrift.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Greta Gerwig, Ethan Hawke, Julianne Moore, Bill Hader, Maya Rudolph, Travis Fimmel, Ida Rohatyn, Wallace Shawn

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Berlinale über „Maggies Plan“

Moviepilot über „Maggies Plan“

Metacritic über „Maggies Plan“

Rotten Tomatoes über „Maggies Plan“

Wikipedia über „Maggies Plan“

Meine Besprechung von Rebecca Millers „Maggies Plan“ (Maggie’s Plan, USA 2015)


TV-Tipp für den 29. Januar: Das Ende – Assault on Precinct 13

Januar 28, 2019

Tele 5, 20.15

Das Ende – Assault on Precinct 13 (Assault on Precinct 13, USA/Frankreich 2005)

Regie: Jean-François Richet

Drehbuch: James DeMonaco (nach dem Drehbuch von John Carpenter)

Jahreswende in Detroit: In einem abgelegenem Polizeirevier, das demnächst aufgelöst werden soll, muss wegen eines Schneesturms über die Nacht ein berüchtigter Gangster untergebracht werden. Einige korrupte Polizisten, die verhindern wollen, dass der Gangster redet, wollen ihn umbringen. Sie belagern das Revier. Der Revierleiter nimmt den Kampf auf – und muss dabei auch dem Gefangenen vertrauen.

Fetziges Remake von John Carpenters gleichnamigem Film; wobei John Carpenter die Story auch geklaut hat (und nie ein Geheimnis daraus gemacht hat).

Drehbuchautor James DeMonaco schrieb und inszenierte anschließend die „The Purge“-Filme.

Jean-François Richet inszenierte das aus zwei Kinofilmen bestehende Biopic „Public Enemy No. 1″ über den Verbrecher Jacques Mesrine.

mit Ethan Hawke, Laurence Fishburne, Gabriel Byrne, Maria Bello, John Leguizamo, Brian Dennehy, Kim Coates, Hugh Dillon

Wiederholung: Mittwoch, 30. Januar, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Das Ende – Assault on Precinct 13“

Rotten Tomatoes über „Das Ende – Assault on Precinct 13“

Wikipedia über „Das Ende – Assault on Precinct 13“ (deutsch, englisch


TV-Tipp für den 15. Januar: Daybreakers

Januar 14, 2019

Pro 7 Maxx, 22.00

Daybreakers (Daybreakers, Australien/USA 2009)

Regie: Michael Spierig, Peter Spierig

Drehbuch: Michael Spierig, Peter Spierig

2019 (also ungefähr jetzt [in einer anderen Galaxis?]): Vampire beherrschen die Welt. Weil es aber nicht mehr genug Menschenblut gibt, forscht Vampir Edward Dalton für Bromley an einem Blutersatz. Als er auf einige Menschen, die im Untergrund leben, trifft, muss er sich zwischen den Menschen und den Vampiren entscheiden.

Daybreakers“ ist ein feiner Film, der trotz Ethan Hawke, Willem Dafoe und Sam Neill und der guten Einspielergebnissen in anderen Ländern bei uns keinen Kinostart erhielt. Das führt zu der traurigen Erkenntnis, dass Vampirfilme damals nur als Biss-Filme genug kommerzielles Appeal für eine Kinoauswertung haben. Eine in sich glaubwürdige Dystopie, die detailreich eine Welt zeichnet, in der durchaus kultivierte Blutsauger die Macht übernommen haben, gehört nicht dazu.

mit Ethan Hawke, Willem Dafoe, Sam Neill, Claudia Karvan, Michael Dorman, Isabel Lucas

Wiederholung: Mittwoch, 16. Januar, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Wikipedia über „Daybreakers“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über “Daybreakers”

Fearnet telefoniert mit den Spierig-Brüdern (19. Oktober 2007)

Killerfilm trifft die Spierig-Brüder (8. Januar 2010)

Meine Besprechung von Michael und Peter Spierigs „Daybreakers“ (Daybreakers, Australien/USA 2009)

Meine Besprechung von Michael und Peter Spierigs „Predestination (Predestination, Australien 2014)

Meine Besprechung von Michael und Peter Spierigs „Winchester – Das Haus der Verdammten“ (Winchester, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „Juliet, Naked“, ein verschwundener Musiker, sein größter Fan und seine Frau

November 18, 2018

Tucker Crowe war in den Neunzigern ein bekannter Musiker. Nicht so bekannt wie Kurt Cobain, eher so, auch stilistisch, in Richtung Jeff Buckley und Elliott Smith. Dann verschwand er.

Heute hat er immer noch einige fanatische Fans. Einer von ihnen ist Duncan Thomson (Chris O’Dowd), dessen Leben eine Tucker-Crowe-Gedächtnisveranstaltung ist. Er tauscht sich mit anderen Fans über kleinste Kleinigkeiten aus. Der College-Dozent schreibt und reden auf allen elektronischen Kanälen über sein großes Idol. Seine Frau Annie Platt (Rose Byrne) erträgt sein Fantum mit stoischer Gelassenheit. Sie leitet, wie ihr Vater, das Museum des englischen Küstendorfs Sandcliff. Von ihrem Leben hatte sie mehr erwartet.

Als Duncan die bislang unbekannte Demoaufnahme „Juliet, Naked“ erhält, ist er begeistert. Er schreibt sofort einen langen Text, in dem er die Demos zu Tucker Crowes Albumklassiker „Juliet“ frenetisch abfeiert. Annie ärgert sich darüber und sagt im Tucker-Crowe-Fanforum, dass die Aufnahme nicht so gut sei.

Während der Haussegen bei ihnen in Sandcliff schief hängt, pflichtet ihr elektronisch der seit 25 Jahren von der Bildfläche verschwundene Tucker Crowe höchstpersönlich bei. Eine Brieffreundschaft entwickelt sich zwischen Annie und dem in New Jersey in einer wohnlichen Garage hausenden Tucker.

Als er wegen einiger familiärer Probleme (wie es sich für einen Rockstar gehört, hat er teils erwachsene Kinder von mehreren Frauen, die sich nicht alle kennen) nach England muss, treffen sich Annie und Tucker Crowe (Ethan Hawke). Er verbringt einige Tage bei ihr…

Fanatische Musikfans. Männer, die nicht erwachsen werden wollen. Willkommen in der Welt von Nick Hornby. Von ihm stammt auch die Vorlage für „Juliet, Naked“. Jesse Peretz inszenierte den Film und er ist der perfekte Mann dafür. Denn bevor er Regisseur wurde, vor allem für TV-Serien wie „Girls“, „Nurse Jackie“ und „Glow“, war er Musiker bei der Indie-Band „The Lemonheads“. Dummerweise vor ihrem Durchbruch. Danach blieb er ihnen als Fotograf und Musikvideo-Regisseur verbunden. Er inszenierte auch für andere Band, vor allem für die „Foo Fighters“, Musikvideos. Er gehört zu der Szene, zu der auch Tucker Crowe gehört hätte, wenn er damals Musik gemacht hätte. Und das merkt man bis zum letzten Bild im Abspann.

Der Film selbst ist ein feinfühlig erzähltes Porträt mit liebenswerten Männern, die nicht erwachsen werden wollen, und einer Frau, die schon deutlich erwachsener ist. Dass die Filmgeschichte dabei vorhersehbar wie ein gut abgehangener Folksong ist, stört nicht. Denn die Hauptdarsteller Rose Byrne, Ethan Hawke und Chris O’Dowd, die eine Dreiecksbeziehung der etwas anderen Art haben, und die Nebendarsteller ergänzen sich vorzüglich. Dazu gibt es Humor, Drama, beiläufige eingestreute Lebensweisheiten und gute Musik. Und fertig ist die angenehm unaufgeregte, sehr wahrhaftige RomCom; – wenn wir schon ein Genre nehmen und nicht auf Richard Linklaters Trilogie „Before Sunrise“/“Before Sunset“/“Before Midnight“ hinweisen wollen.

Juliet, Naked (Juliet, Naked, Großbritannien/USA 2018)

Regie: Jesse Peretz

Drehbuch: Evgenia Peretz, Tamara Jenkins, Jim Taylor

LV: Nick Hornby: Juliet, Naked, 2009 (Juliet, Naked)

mit Rose Byrne, Ethan Hawke, Chris O’Dowd, Lily Brazier, Ayoola Smart, Azhy Robertson, Phil Davis

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Juliet, Naked“

Metacritic über „Juliet, Naked“

Rotten Tomatoes über „Juliet, Naked“

Wikipedia über „Juliet, Naked“


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