DVD-Kritik: Der Western-Klassiker „Der große Bluff“

April 25, 2014

Western und Komödie passen nicht zusammen, heißt es und der kundige Filmfan kann dann auch einige Western nennen, die als Komödie so zündend wie ein nasser Silvesterkracher sind. Jüngstes Beispiel: „Lone Ranger“ mit Johnny Depp.
Dabei gibt es durchaus gelungene Westernkomödien: eine der ersten und bekanntesten ist „Der große Bluff“, im Original „Destry rides again“, mit James Stewart und Marlene Dietrich. Der im Original titelgebende Destry ist Thomas Jefferson Destry jr., der Sohn eines legendären Gesetzeshüters, der jetzt in Bottleneck das Gesetz verteidigen soll. Wyatt Earp soll gegen ihn ein Waisenknaben und Hasenfuß sein. Einen so unbestechlichen und tapferen Gesetzeshüter braucht Bottleneck. Denn die gesamte Stadt steht unter dem Regime des verbrecherischen Saloon-Besitzers Kent. Der vorherige Sheriff wurde von ihm erschossen und als neuer Sheriff wurde der städtische Trunkenbold ernannt. Der ruft nun Destry um Hilfe. Destry kommt – und sorgt gleich für heftiges Erstaunen bei den rauflustigen Dorfbewohnern. Denn Destry ist keine das Gesetz verteidigende, Kollateralschäden billigend in Kauf nehmende Dampframme, sondern ein Gentleman, der Damen höflich aus der Kutsche hilft. Auch zu den Freudenmädchen ist er ausgesucht höflich und respektvoll, Er trinkt Milch, trägt keine Waffe und Gewalt lehnt er generell ab. Kurz: er ist eine so komplette Fehlbesetzung, dass Kent entzückt ist.
Aber er hat sich geirrt – und wie Destry dann in Bottleneck aufräumt, macht auch heute noch Spaß.
Für James Stewart war diese Rolle der Durchburch in Hollywood und der erste Auftritt in einem Western. In den nächsten Jahren wurde er, neben John Wayne, zu einem der das Genre prägenden Western-Darsteller. Marlene Dietrich, die sich damals in einem Karrieretief befand, erhielt danach wieder Rollen.
Und der augenscheinlich konfliktscheue, intelligente Destry war so beliebt, dass es später eine TV-Serie und einige Remakes, die man heute nicht mehr kennt, gab.
Mit dem Roman von Max Brand hat der Film, außer dem Titel und der Idee, dass der Held auf Gewalt nicht mit Gewalt reagiert, nichts zu tun. Wobei der Roman-Destry nur am Anfang den Feigling spielt. Denn er ist ein verurteilter Verbrecher und Raufbold, der nach seiner Rückkehr nach Wham die Männer sucht, die ihn damals ins Gefängnis schickten. Schnell erschießt er in Notwehr die ersten beiden Männer auf seiner Todesliste. Danach knöpft er sich die anderen Männer mit ähnlich finalen Ergebnissen vor. Naja, „Destry rides again“ ist ja auch ein Rachewestern. Marshalls Verfilmung hat damit, wie schon der Vorspann verrät, nichts zu tun. Denn da steht „suggested by“, was als „uns hat der Titel gefallen“ gelesen werden kann, und der Film wurde ein Kassenhit. Inzwischen ist er ein zu Recht immer wieder gern gesehener Western-Klassiker.
Als Bonusmaterial gibt es bei der jetzt veröffentlichten DVD ein 52-minütiges Radiohörspiel und eine Bildergalerie. Außerdem sind alle drei Synchronfassungen enthalten. Die Fassung von 1947 in der restaurierten und der nicht restaurierten Fassung und die 1987 und 2006 entstandenen Neusynchronisationen.

Der große Bluff - DVD-Cover

Der große Bluff (Destry rides again, USA 1939)
Regie: George Marshall
Drehbuch: Felix Jackson, Gertrude Purcell, Henry Myers (nach einer Geschichte von Felix Jackson)
LV: Max Brand: Destry rides again, 1930 (Destry reitet wieder)
mit James Stewart, Marlene Dietrich, Brian Donlevy, Charles Winninger, Micha Aer, Una Merkel

DVD
Koch Media (Edition Western-Legenden #28)
Bild: 1.33:1 (4:3)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Radiospecial „Der große Bluff“, Bildergalerie, 3 Synchronfassungen (1947, 1987 und 2006)
Länge: 90 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Rotten Tomatoes über „Der große Bluff“
TCM über „Der große Bluff“
Wikipedia über „Der große Bluff“ (deutsch, englisch)

Homepage von Max Brand

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