TV-Tipp für den 13. April: Panic Room

April 12, 2019

Super RTL, 20.15

Panic Room (Panic Room, USA 2002)

Regie: David Fincher

Drehbuch: David Koepp

Die frisch geschiedene Meg Altman entdeckt mitten in Manhattan ihr Traumhaus. In ihm ist sogar, letzter Schrei der Sicherheitsindustrie für ängstliche, stinkreiche Großstädter, ein Panic Room. In diesen sicheren Raum kann sich der Hausbesitzer während eines Einbruchs zurückziehen und abwarten bis die Polizei anrückt. Meg hält den Raum für überflüssig, aber als in der Nacht drei Einbrecher auftauchen, flüchtet sie mit ihrer Tochter in den Panic Room. Dummerweise wollen die Einbrecher die in diesem Zimmer versteckten Millionen des Vorbesitzers stehlen.

Das mag jetzt neu klingen, aber im Kern erzählt „Panic Room“ eine uralte, aus jedem zweiten Western bekannte Story. Tauschen Sie einfach den Panic Room gegen ein Fort oder eine Wagenburg; die Einbrecher gegen Indianer aus und Sie wissen genau, in welchem Moment die Kavallerie auftaucht. Oh, und in welchem Zustand das Haus ist.

David Koepp und David Fincher machen daraus einen spannenden Hightechthriller.

Oder sagen wir es mit den Worten von Georg Seeßlen: Panic Room „ist vor allem ein reduzierter, ebenso brillant konstruierter wie fotografierter Thriller, ein Kammerspiel des Terrors, das alle Elemente, die am Anfang eingeführt wurden, beständig transponiert, wendet und variiert. Insofern ist Panic Room ein Stück reiner Film-Komposition, in der Sujets, Objekte und Einstellungen die Rollen von Melodien, Takten und Tönen übernehmen (…). Und wie für eine musikalische Komposition, so gilt auch für Panic Room: Es kommt nicht allein auf die Erfindung einer Melodie an, sondern auch darauf, was ein Interpret mit ihr anzustellen weiß.“ (in Frank Schnelle [Hrsg.]: David Fincher)

Mit Jodie Foster, Kristen Stewart, Forest Whitaker, Dwight Yoakam, Jared Leto, Patrick Bauchau, Andrew Kevin Walker (der „Se7en“-Drehbuchautor spielt den verschlafenen Nachbarn)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Panic Room“

Wikipedia über David Fincher (deutsch, englisch) und „Panic Room“ (deutsch, englisch)

Die Welt: Interview mit David Fincher zu „Panic Room“

Süddeutsche Zeitung: Interview mit David Fincher zu „Panic Room“

Drehbuch „Panic Room“ von David Koepp

The Works and Genius of David Fincher (Fan-Blog – mit einem „Panic Room“-Special)

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 21. Juni: Street Kings

Juni 20, 2018

Kabel 1, 23.10

Street Kings (Street Kings, USA 2008)

Regie: David Ayer

Drehbuch: James Ellroy, Kurt Wimmer, Jamie Moss

LV: James Ellroy: Watchman/The night Watchman (Originalgeschichte)

Die Story klingt nach einem typischen Ellroy – oder dem typischen Cop-Thriller der Marke „Korrupter Cop sitzt in der Scheiße; entdeckt, (Überraschung!) dass die Polizei korrupt ist und stellt sich auf die Seite der Guten“. Denken Sie nur an die Ellroy-Verfilmung „Dark Blue“ (für die Ayer das Drehbuch schrieb), ersetzen Kurt Russell durch Keanu Reeves, lassen den Rookie Scott Speedman weg und wir haben den nächsten düsteren, bleihaltigen LA-Copthriller.

Ellroys Story ist eine nicht veröffentlichte Originalgeschichte und sollte bereits vor Jahren als „Watchman“ oder auch „The night Watchman“ verfilmt werden. David Fincher, Spike Lee und Oliver Stone waren als Regisseure im Gespräch. Für den Film wurde Ellroys Drehbuch dann von mehreren Autoren (zwei schafften es in die Credits, aber Ayer soll und John Ridley hat vor Jahren an dem Drehbuch gearbeitet) bearbeitet.

Mit Keanu Reeves, Forest Whitaker, Hugh Laurie, Chris Evans, Martha Higareda, Cedric the Entertainer, Amaury Nolasco

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Street Kings“

Wikipedia über „Street Kings“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der James-Ellroy-Verfilmung “Rampart – Cop außer Kontrolle” (Rampart, USA 2011)

Meine Besprechung von James Ellroys Underworld-USA-Trilogie (Ein amerikanischer Thriller, Ein amerikanischer Albtraum, Blut will fließen)

Meine Besprechung von James Ellroys „Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau“ (The Hilliker Curse – My Pursuit of Women, 2010)

Meine Teilbesprechung von James Ellroys “Perfidia” (Perfidia, 2014)

James Ellroy zum siebzigsten Geburtstag

James Ellroy in der Kriminalakte

Meine Besprechung von David Ayers „End of Watch“ (End of Watch, USA 2012)

Meine Besprechung von David Ayers “Sabotage” (Sabotage, USA 2014)

Meine Besprechung von David Ayers „Herz aus Stahl“ (Fury, USA 2014)

Meine Besprechung von David Ayers „Suicide Squad“ (Suicide Squad, USA 2016)


TV-Tipp für den 9. Juni: Panic Room

Juni 8, 2018

RTL II, 23.05

Panic Room (Panic Room, USA 2002)

Regie: David Fincher

Drehbuch: David Koepp

Die frisch geschiedene Meg Altman entdeckt mitten in Manhattan ihr Traumhaus. In ihm ist sogar, letzter Schrei der Sicherheitsindustrie für ängstliche, stinkreiche Großstädter, ein Panic Room. In diesen sicheren Raum kann sich der Hausbesitzer während eines Einbruchs zurückziehen und abwarten bis die Polizei anrückt. Meg hält den Raum für überflüssig, aber als in der Nacht drei Einbrecher auftauchen, flüchtet sie mit ihrer Tochter in den Panic Room. Dummerweise wollen die Einbrecher die in diesem Zimmer versteckten Millionen des Vorbesitzers stehlen.

Das mag jetzt neu klingen, aber im Kern erzählt „Panic Room“ eine uralte, aus jedem zweiten Western bekannte Story. Tauschen Sie einfach den Panic Room gegen ein Fort oder eine Wagenburg; die Einbrecher gegen Indianer aus und Sie wissen genau, in welchem Moment die Kavallerie auftaucht. Oh, und in welchem Zustand das Haus ist.

David Koepp und David Fincher machen daraus einen spannenden Hightechthriller.

Oder sagen wir es mit den Worten von Georg Seeßlen: Panic Room „ist vor allem ein reduzierter, ebenso brillant konstruierter wie fotografierter Thriller, ein Kammerspiel des Terrors, das alle Elemente, die am Anfang eingeführt wurden, beständig transponiert, wendet und variiert. Insofern ist Panic Room ein Stück reiner Film-Komposition, in der Sujets, Objekte und Einstellungen die Rollen von Melodien, Takten und Tönen übernehmen (…). Und wie für eine musikalische Komposition, so gilt auch für Panic Room: Es kommt nicht allein auf die Erfindung einer Melodie an, sondern auch darauf, was ein Interpret mit ihr anzustellen weiß.“ (in Frank Schnelle [Hrsg.]: David Fincher)

Mit Jodie Foster, Kristen Stewart, Forest Whitaker, Dwight Yoakam, Jared Leto, Patrick Bauchau, Andrew Kevin Walker (der „Se7en“-Drehbuchautor spielt den verschlafenen Nachbarn)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Panic Room“

Wikipedia über David Fincher (deutsch, englisch) und „Panic Room“ (deutsch, englisch)

Die Welt: Interview mit David Fincher zu „Panic Room“

Süddeutsche Zeitung: Interview mit David Fincher zu „Panic Room“

Drehbuch „Panic Room“ von David Koepp

The Works and Genius of David Fincher (Fan-Blog – mit einem „Panic Room“-Special)

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. April: Southpaw

April 14, 2018

Pro7, 20.15

Southpaw (Southpaw, USA 2015)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Kurt Sutter

Billy Hope ist ein erfolgreicher Boxer. Bis eine persönliche Katastrophe sein bisheriges Leben auf den Kopf stellt und er auch an ganz anderen Fronten kämpfen muss.

Überzeugender Boxerfilm, der innerhalb der bekannten Genrekonventionen interessante Akzente setzt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jake Gyllenhaal, Rachel McAdams, Forest Whitaker, Naomie Harris, Curtis `50 Cent`Jackson, Oona Laurence, Miguel Gomez, Skylan Brooks, Beau Knapp, Victor Ortiz

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Southpaw“
Moviepilot über „Southpaw“
Metacritic über „Southpaw“
Rotten Tomatoes über „Southpaw“
Wikipedia über „Southpaw“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Southpaw” (Southpaw, USA 2015)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „Die glorreichen Sieben“ (The Magnificent Seven, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: „Black Panther“ bringt eine neue Farbe in die Superheldenwelt

Februar 16, 2018

Derzeit – und viel dürfte sich nicht änderen – hat „Black Panther“ bei Rotten Tomatoes einen fast hundertprozentigen Frischegrad. Damit ist der neueste Marvel-Film der, neben Pixars „Die Unglaublichen – The Incredibles“, am besten bewertete Superheldenfilm. Weil die kumulierte Bewertung bei Rotten Tomatoes immer einen leichten Hang zu den Extremen hat, empfiehlt sich ein Blick auf die ausgewogener bewertende Metacritic-Seite. Deshalb hat „Black Panther“ dort nur einen Metascore von aktuell 87 Prozent. Bei ausschließlich positiven Bewertungen. Und die Vorverkäufe sind astronomisch hoch. Damit ist „Black Panther“ für Marvel schon vor dem Kinostart ein weiterer Gewinner, der in den ersten Tagen sein Budget einspielen wird.

Die hohen Bewertungen verraten natürlich auch etwas über Erwartungshaltungen bei den Kritikern und das gesellschaftliche und politische Umfeld, in dem Filme präsentiert werden. Denn in „Black Panther“ steht erstmals, wenn wir Marvels „Blade“-Trilogie (mit Wesley Snipes) ignorieren, in einem Superheldenblockbusterfilm ein schwarzer Superheld im Zentrum der Geschichte. Weiße haben nur Statistenrollen haben und die Geschichte spielt fast vollständig im Herzen Afrikas.

Der titelgebende Superheld ist Prinz T’Challa. Er ist, nach dem Tod seines Vaters T’Chaka in „The First Avenger: Civil War“ (Captain America: Civil War, 2016) sein designierter Nachfolger und damit der titelgebende Black Panther. Aber so einfach ist das mit der Nachfolge im Königreich Wakanda nicht.

Wakana ist ein im Herzen Afrikas liegender Staat, der eine konsequent isolationistische Politik betreibt. Seit Ewigkeiten hält das Land sich aus allen Konflikten und dem Weltgeschehen heraus. Seine Bewohner führen ein einfaches, aber glückliches und friedliches Leben. Allerdings hat Wakanda durch das undurchdringliche Metall Vibranium (aus dem Material besteht auch das Schild von Captain America) seit Ewigkeiten den Zugriff auf unglaubliches technologisches Wissen. Die so entstandenen futuristischen Technologien und Geräte verbergen sie vor der Welt hinter der Tarnkappe eines malerischen Postkartenafrikalandes, das sogar auf jeglichen Tourismus verzichtet.

So fortschrittlich die in Wakanda benutzte Technologie ist, so archaisch ist die Gesellschaft aufgebaut. Es gibt Stämme. Es gibt eine dem Königshaus gegenüber absolut loyale Amazonen-Palastwache, die Dora Milaje, die gerne wie anno dunnemals mit Speeren kämpft. Es gibt eine durch Geburt geregelte Nachfolge, die nur in einem ehrlichen Kampf verändert werden kann. Als T’Challa gekrönt werden soll, wird er von Jabari-Anführer M’Baku herausgefordert. T’Challa gewinnt den Kampf und bringt, entgegen den Regeln, den Unterlegenen nicht um. Dafür – und das ist keine große Überraschung – hilft er ihm später.

Denn Erik Stevens, aka Killmonger, hat zusammen mit Ulysses Klaue in London aus einem Museum ein aus Vibranium bestehendes historisches Artefakt gestohlen. Über einige Umwege kommt Stevens nach Wakanda, um T’Challa die Krone streitig zu machen. Das kann er, weil er beweisen kann, dass er bzw. seine Vorfahren aus Wakanda sind.

Der nun zwischen T’Challa und Killmonger entbrennende Kampf geht dabei nicht nur um die Macht in Wakanda, sondern vor allem um die künftige politische Ausrichtung von Wakanda. Soll Wakanda weiterhin eine isolationistische Politik betreiben? Oder soll Wakanda eine interventionistische Politik betreiben und den unterdrückten schwarzen Brüdern und Schwestern in anderen Ländern (vor allem natürlich den USA) helfen? Die nötigen Mittel dazu hätten sie in Wakanda. Und wie sollen sie in anderen Ländern eingreifen? Killmonger bevorzugt dabei eindeutig die gewalttätige Methode.

Mit diesem Setting und Konflikt begibt „Black Panther“ sich tief in den Afrofuturismus und die Diskussion, wie Afroamerikaner in den USA für ihre Rechte kämpfen sollen. Und damit ist der Film in den Trump-USA unverkennbar ein hochpolitisches Statement.

Es ist allerdings auch ein Film mit einem wenig charismatischen Protagonisten. T’Challa ist der edle, vernünftige Langweiler, den jeder gern hat. Er ist ein weichgespülter Dr. Martin Luther King, ohne dessen Sendungsbewusstsein. Er ist, jedenfalls am Filmanfang, ein weitgehend selbstgenügsamer Anführer, der in Wakanda und der Welt wenig verändern möchte.

Die Filmgeschichte spielt vor allem in Wakanda und bedient damit all die schönen Afrika-Klischees, die wir aus den alten Tarzan-Filmen kennen und die auch in den „Black Panther“-Comics seit seinem ersten Auftritt 1966 verarbeitet wurden. Es ist die in Fantasy- (mehr) und Science-Fiction-Geschichten (weniger) nicht unübliche Mischung aus Zauberkräften und utopischen technischen Errungenschaften und einer Gesellschaft, die im Mittelalter stecken blieb. Dabei hätten die Macher in ihrem „Black Panther“-Film doch endlich mal eine Gesellschaft entwerfen können, die nicht blind hoffnungslos veraltete, überkommene und nicht zukunftsfähige Stammesrituale herunterbetet, die schon vor hundert Jahren vor allem der Fantasie des weißen Mannes entsprangen.

Die Action ist, verglichen mit der Action in der vor zwei Wochen gestarteten Dystopie „Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone“, eher konfus als packend und oft einfach zu übertrieben. Auch weil vieles aus oder mit der Hilfe des Computers entstand und einige der Spezialeffekte so künstlich aussehen, dass sie wahrscheinlich bewusst so schlecht sind, um an ältere SF-Filme zu erinnern.

Mein Unbehagen an dem Film liegt sicher auch daran, dass mir Ryan Cooglers vorheriger Film „Creed“ so gut gefiel, dass Chadwick Boseman als Jackie Robinson in „42“ und als James Brown in „Get on up“, beides afroamerikanische Helden (Brown taugt ja nur bedingt zum Vorbild), so überzeugend war und dass der Trailer einen wirklichen afroamerikanischen Superhelden versprach, der den Weißen voller „Shaft“-Selbstbewusstsein so richtig in den Arsch tritt. Ich meine, was gibt es cooleres als einen Mann in Schwarz, der auf einem durch die Großstadt rasendem Auto auf dem Dach kniet und von schmissigen HipHop-Klängen begleitet wird?

Dagegen ist „Black Panther“ dann nur eine doch eher brave Origin-Geschichte einer schon durch seine Geburt auserwählte Person aus einem weit, weit entfernten Land. Ohne Sun Ra, aber mit James-Bond-Anspielungen und – und das ist das Neue – durchgehend erzählt aus afroamerikanischer Perspektive.

P. S.: Ohne Maske ist Andy Serkis kaum zu erkennen.

Black Panther (Black Panther, USA 2018)

Regie: Ryan Coogler

Drehbuch: Ryan Coogler, Joe Robert Cole

LV: Charakter von Stan Lee und Jack Kirby

Mit Chadwick Boseman, Michael B. Jordan, Lupita Nyong’o, Martin Freeman, Forest Whitaker, Angela Bassett, Andy Serkis, Daniel Kaluuya, Danai Gurira, Florence Kasumba, John Kani, Stan Lee

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Marvel-Facebook-Seite

Moviepilot über „Black Panther“

Metacritic über „Black Panther“

Rotten Tomatoes über „Black Panther“

Wikipedia über „Black Panther“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ryan Cooglers „Creed“ (Creed, USA 2015)


TV-Tipp für den 20. April: Nicht auflegen!

April 20, 2017

Kabel 1, 20.15/23.35
Nicht auflegen! (USA 2002, Regie: Joel Schumacher)
Drehbuch: Larry Cohen
Als Stuart Shepard das Telefon in der Telefonzelle abnimmt, wird sein Tag zum Alptraum. Denn es meldet sich ein Erpresser, der sagt, er werde ihn erschießen, wenn er die Telefonzelle verlässt.
Spannender Thriller, dessen erste Idee („ein Film, der in einer Telefonzelle spielt“) Larry Cohen („Die Wiege des Bösen“ [It’s alive], Maniac Cop“, „Final Call“) bereits in den Sechzigern Alfred Hitchcock erzählte. Aber sie wussten nicht, wie sie den Protagonisten in der Telefonzelle festhalten sollten. Michael Bay, dem die Idee auch einmal erzählt wurde, wollte nur wissen, wie man den Protagonisten aus der Telefonzelle bringt. Joel Schumacher („Falling Down“, „Batman forever“) ließ den Protagonisten in der Telefonzelle und inszenierte einen straffen kleinen, herrlich gemeinen Thriller.

Anschließend, um 21.50 Uhr, zeigt Kabel 1 „Final Call – Wenn er auflegt, muss sie sterben“, ebenfalls nach einem Drehbuch von Larry Cohen, und wieder geht es um Probleme mit dem Telefon.
mit Colin Farrell, Forest Whitaker, Katie Holmes, Radha Mitchell, Kiefer Sutherland (Stimme des Erpressers im Original)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Nicht auflegen!“
Wikipedia über „Nicht auflegen!“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Rumms, bumms, gähn – „Rogue One: A Star Wars Story“

Dezember 14, 2016

Das soll ja wieder eine Besprechung sein, in der es für die Fans, die sich den Film eh ansehen werden, keine Spoiler gibt.

Allgemein bekannt ist, dass „Rogue One: A Star Wars Story“ ein Spin-Off ist, das außerhalb der bekannten „Star Wars“-Filme spielt, die die Geschichte der Familie Skywalker erzählen; dass „Rogue One“ vor „Krieg der Sterne“ (1977) spielt und dass erzählt wird, wie die Rebellen, Luke Skywalker und Prinzessin Leia Organa die Pläne für den Todesstern erhalten, den sie in „Krieg der Sterne“ vernichteten.

Bekannt ist außerdem, dass „Rogue One“ ein Einzelfilm sein wird. Ende November schloss Lucasfilm-Präsidentin Kathleen Kennedy in einem Interview definitiv aus, dass es weitere Filme mit der „Rogue One“-Heldin Jyn Erso geben werde. Das nährte sofort Spekulationen, dass sie und die gesamte „Rouge One“-Besatzung am Ende des Films sterben.

Und es ist bekannt, dass es umfangreiche Nachdrehs gab. „Bourne“-Autor Tony Gilroy wurde dafür als Script-Doctor und Autor engagiert. Aber, auch wenn Kritiker da sofort und oft zu recht massive Storyprobleme wittern, sagt das erst einmal nichts. Denn es kann sich auch einfach um das Beheben von Storylücken und Anschlussfehlern handeln und den Film wirklich besser machen.

Ein Grund scheidet allerdings als Grund für den Nachdreh aus: den Film humorvoller zu machen.

Regisseur Gareth Edwards („Monsters“, „Godzilla“) wollte einen Kriegsfilm drehen. Da ist Humor Mangelware. Auch in dem jetzt präsentierten Film, der die Geschichte von Jyn Erso (Felicity Jones), der Tochter von Galen Erso, dem Schöpfer des Todessterns, erzählt. Als Kind wurde sie von ihrem Vater getrennt.

Jetzt soll er eine Nachricht für sie haben. Sie macht sich mit einer kleinen Truppe ethnisch äußerst gemischter Rebellen und einem blinden Mönch auf die Suche nach der Botschaft, ihrem Vater und den Bauplänen.

Und eigentlich ist das genug Story für ein buntes, zweistündiges Weltraumabenteuer.

Eigentlich.

Denn „Rogue One“ ist ein erstaunlich und erschreckend schlechter Film. In den ersten Minuten werden auf einem halben Dutzend Planeten ein gutes Dutzend Charaktere eingeführt, ohne dass die Filmgeschichte in Gang kommt. Dabei wird Jyn Erso aus einem Gefängnis des Imperiums befreit. Warum und wie sie dahin kam, wird nie erklärt und ist auch für die Filmgeschichte vollkommen unerheblich. Danach wird eine furchtbar komplizierte Begründung, warum sie sich ins Abenteuer stürzt, herbeigeschrieben. Als hätte es nicht ein einfaches „Tochter will ihren Vater retten“ getan.

Ab da gibt es zahllose Anspielungen auf Kriegsfilme und Kriege, vor allem den Korea- und Vietnam-Krieg (wie wir ihn aus Filmen kennen) und den Afghanistan-Krieg (wie wir ihn aus den Nachrichten und Filmen kennen), ohne dass diese Anspielungen irgendwohin führen. Es sind einfach nur beliebig austauschbare Bilder, die in „Rogue One“ für nichts stehen. Sie haben keinerlei Bedeutung, machen aber, wenn den Gefangenen immer wieder ein Stoffsack über den Kopf gestülpt wird oder unsere Helden durch eine heilige Stadt laufen, die erkennbar vom alten Jerusalem, der Wüstenfestung Masada und dem Gewusel arabischer und afghanischer Städte inspiriert ist, bewusst, welche Chancen und erzählerische Möglichkeiten verpasst wurden zugunsten eines unwitzigen Witzes oder eines weiteren Action-Set-Pieces.

Dazwischen laufen ab und an Stars wie Mads Mikkelsen (dessen Auftritte als Galen Erso fast vollständig in den verschiedenen Trailer enthalten sind) und Forest Whitaker durch das Bild. Ben Mendelsohn hat als Direktor Orson Krennic, der Schöpfer des Todessterns und der Bösewicht des Films, mehr Leinwandzeit. Aber seine Rolle ist so schlecht geschriebenen, dass der sonst immer beeindruckende Mendelsohn seine blasseste Performance seit Ewigkeiten, wahrscheinlich sogar seit seinem Filmdebüt, abliefert. Trotzdem gelingt es ihm, Krennic so zu porträtieren, dass man mit ihm mitfühlt.

Darth Vader (im Original wieder von James Earl Jones gesprochen) taucht zwar auch auf, aber – wir reden hier von dem Darth Vader, der in „Krieg der Sterne“, „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ dabei war – er wirkt wie ein Hänfling in einem viel zu großem Kostüm, kurz vor einer kleinen Tanznummer. Wohl niemals, abgesehen von „Spaceballs“ sah Darth Vader weniger bedrohlich aus.

Die „Star Wars“-Technik – die originale Trilogie entstand vor fast vierzig Jahren – wirkt inzwischen mit den großen Schalthebeln, schlechten Hologrammen und riesigen Datenträgern nur noch anachronistisch. Jyn Erso muss nämlich in der großen und epischen Schlussschlacht, die Pläne, die in einer buchgroßen Box enthalten sind, aus einem riesigen Datenschacht stehlen und, nun, in dieser Galaxie gibt es kein Internet und keine Cloud, in die man die Daten schnell uploaden könnte. In der Schlacht wird auch alles an Material und Menschen aufgeboten, was das Herz des „Star Wars“-Fans erfreut. Ohne Luke Skywalker, Han Solo und Chewbacca; – wobei, ich glaube, in einem Raumschiff kurz ein riesiges behaartes Wesen gesehen zu haben.

Aber all die prächtigen Landschaften – es wurde in Island, Jordanien, den Malediven und den Pinewood Studios gedreht -, die tollen Spezialeffekte und die vielen durchaus beeindruckenden Actionszenen sind machtlos gegen die banalen Dialoge (die man oft schon Minuten vorher sprechen kann), das schleppende Erzähltempo (immer wieder hätte man etliche Szenen mühelos kürzen können) und, das ist das größte Problem des Films, die skizzenhaften Charaktere, bei denen es, wie bei „Soldat Nummer 5“ und „Soldat Nummer 6“ egal ist, ob sie leben oder sterben. Dabei geht in einem Film nichts über eine große Sterbeszene, die uns unwillkürlich zum Taschentuch greifen lässt. Vor allem wenn der Charakter uns vorher durch seine Taten ans Herz gewachsen ist. Gerade bei einem Einzelfilm, der auch ohne das Wissen der anderen Filme und der „Star Wars“-Saga funktionieren muss, ist das besonders wichtig.

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Rogue One: A Star Wars Story (Rogue One: A Star Wars Story, USA 2016)

Regie: Gareth Edwards

Drehbuch: Chris Weitz, Tony Gilroy (nach einer Geschichte von John Knoll und Gary Whitta, basierend auf Charaktere von George Lucas)

mit Felicity Jones, Diego Luna, Ben Mendelsohn, Donnie Yen, Jiang Wen, Mads Mikkelsen, Alan Tudyk, Riz Ahmed, Forest Whitaker, Jimmy Smits

Länge: 134 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Der galaktische „Krieg der Sterne“-YouTube-Kanal

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Rogue One: A Star Wars Story“

Metacritic über „Rogue One: A Star Wars Story“

Rotten Tomatoes über „Rogue One: A Star Wars Story“

Wikipedia über „Rogue One: A Star Wars Story“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Vor dem Erwachen“ (Star Wars: Before the Awakening, 2015)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2015)

Meine Besprechung von Michael Kogges „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Jugendroman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2016)

Meine Besprechung von Gareth Edwards‘ „Godzilla“ (Godzilla, USA 2014)

Noch ein Hinweis

Im Mai, ziemlich pünktlich zum DVD-Start, erscheinen zwei Bücher, die vielleicht einige Storylücken erklären und Hintergründe vertiefen: einerseits der von Alexander Freed geschriebene Roman zum Film, der mit einigen Ergänzungen die Filmgeschichte nacherzählt; andererseits „Der Auslöser“ von James Luceno. Er erzählt, so die Verlagsankündigung, eine „bisher unbekannte Geschichte um eine Gruppe von Kämpfern und Kopfgeldjägern (…), die sich aufmacht, die Pläne des Todessterns zu stehlen.“ Das klingt jetzt nicht unbedingt nach der direkten Vorgeschichte zu „Rogue One“, sondern eher nach einem zünftigem Weltraumabenteuer, bei dem die Jungs keinen Erfolg haben dürfen. Denn dann gäbe es ja nicht die Geschichte von Jyn Erso und ihres dreckigen Dutzends.

Star Wars Rogue One von Alexander Freed

Alexander Freed: Rogue One – Eine Star Wars Story

(übersetzt von Andreas Kasprzak)

Penhaligon, 2017

400 Seiten

14,99 Euro

(angekündigt für den 22. Mai 2017)

Originalausgabe

Star Wars™ Rogue One

DelRey, New York 2017

Star WarsDer Ausloeser von James Luceno

James Luceno: Star Wars: Der Auslöser – A Rouge One Story

(übersetzt von Andreas Kasprzak)

Blanvalet, 2017

400 Seiten

13 Euro

(angekündigt für den 15. Mai 2017)

Originalausgabe

Star Wars™ Catalyst: A Rogue One Story

DelRey, New York 2016


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Arrival“ erzählt irgendwie nicht die „Geschichte deines Lebens“

November 29, 2016

Erinnern Sie sich an „Independence Day: Wiederkehr“? Oder irgendeinen anderen Invasions- oder Marvelfilm, in dem die Erde am Filmende regelmäßig wie ein Kinderzimmer nach einer Geburtstagsfeier aussieht? Gut.

Und jetzt stellen Sie sich das Gegenteil davon vor.

Das ungefähr ist „Arrival“. In seinem neuen Meisterwerk erzählt Denis Villeneuve, wie eine Begegnung zwischen Menschen und Außerirdischen stattfinden könnte, in der nicht von der ersten bis zur letzten Minute alles zerstört wird, sondern in dem eine Verständigung zwischen Menschheit und Aliens versucht wird. Sein Film basiert auf der mit dem Nebula Award und dem Sturgeon Award ausgezeichneten Kurzgeschichte „Geschichte deines Lebens“ (Story of your Life) von Ted Chiang.

Als Autor ist Ted Chiang nicht sonderlich produktiv. Fünfzehn Erzählungen seit 1990. Keine Romane. Dafür sammelt er Preise, wie Freiberufler Quittungen für die nächste Steuererklärung sammeln. Für die fünf Geschichten, die der Golkonda Verlag in dem Sammelband „Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“, in dem auch „Geschichte deines Lebens“ enthalten ist, zusammenstellte, erhielt Chiang zehn renommierte Science-Fiction-Preise. Für Science-Fiction-Fans ist das Empfehlung genug.

In Buch und Film tauchen an zwölf verschiedenen Orten rund um den Globus außerirdische Raumschiffe auf, die nichts tun. Sie schweben einfach wenige Meter über der Erde. Während die Menschen mehr oder weniger in Panik ausbrechen, sichert das Militär die Gegend um die Raumschiffe ab. Alle fragen sich, was die Aliens wollen. Und wie die Menschen mit den schweigsamen Aliens in Kontakt treten können. Dafür fragt Colonel Weber (Forest Whitaker) im Auftrag der US-Regierung die Linguistin Louise Banks (Amy Adams) an. Ihr zur Seite steht Ian Donnelly (Jeremy Renner), ein Physiker und Mathematiker. Denn Verständigung beruht, neben der Sprache, auf den universell gültigen Regeln der Mathematik (und Physik) beruht.

Und wirklich: Banks kann sich im Raumschiff in einem von der Welt abgeschlossenem Raum, mehr ein quadratisch-brutalistischer Höhlenraum als irgendetwas, was wir aus SF-Filmen als Raumschiff kennen, mit den Heptapoden, die sie Abbott und Costello nennt, verständigen, indem die beiden Heptapoden kreisförmige Zeichen malen. Dabei erfährt sie, dass deren Sprache zyklisch aufgebaut ist. Sie also immer am Anfang eines Satzes (oder Kreises) schon das Ende des Satzes (oder Kreises) kennen. Diese Art der Sprache, jedenfalls wenn man, wie die Sapir-Whorf-Hypothese annimmt, dass Sprache Denken bestimmt, verändert auch Banks‘ Denken und ihre Sicht auf die Welt.

Unklar ist allerdings immer noch, was die Aliens wollen. Also, warum sie die Erde besuchen.

Im Mittelpunkt von „Arrival“ steht der Prozess der Verständigung mit den Aliens und damit der Prozess, der in der Realität viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Die ähnlich gelagerte, sehr sehenswerte, im Kino hoffnungslos untergegangene „Dokumentation“ „The Visit – Eine außerirdische Begegnung“ (ab dem 17. Februar 2017 auf DVD) zeigt, anhand von Interviews mit verschiedenen Fachleuten und Verantwortlichen, die bei einem solchen Ereignis die Verhandlungen führen würden, wie das in der Realität geschehen könnte. Insofern ist „Arrival“ die Spielfilmversion von „The Visit“ oder, umgekehrt, „The Visit“ die dokumentarische Ergänzung zu „Arrival“. In jedem Fall wäre genau dieser Prozess, des gegenseitigen Erlernens der Sprache, der Kommunikation miteinander und dem Versuch, herauszufinden, was die Außerirdischen auf der Erde wollen, spannend, weil wir nichts über ihre Absichten wissen. Und Missverständnisse ungeahnte Folgen haben können.

Warum Abbott und Costello zur Erde gekommen sind, wird im dritten Akt von „Arrival“ dann, notgedrungen, etwas hastig mit einigen überraschenden Drehungen und Wendungen abgehandelt, die einen zunächst etwas ratlos zurücklassen. In dem Moment empfiehlt sich die Lektüre von Ted Chiangs „Geschichte deines Lebens“, der sich ausführlich auf die Frage, wie Sprache und Denken miteinander zusammenhängen, konzentrieren kann.

Über das Ende sprechen wir am Besten beim Erscheinen der DVD des sehr sehenswerten Science-Fiction-Films, der Fragen stellt, über die man nach dem Kinobesuch noch lange diskutieren und nachdenken kann.

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Arrival (Arrival, USA 2016)

Regie: Denis Villeneuve

Drehbuch: Eric Heisserer

LV: Ted Chiang: Story of your Life, 1998 (Geschichte deines Lebens, in „Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“)

mit Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg, Mark O’Brien

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Geschichte deines Lebens“ ist mit fast sechzig Seiten die längste Geschichte des speziell für Deutschland zusammengestellte Sammelbandes „Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“ und jede einzelne Geschichte ist sehr lesenswert und regt zum Nachdenken an. Denn die Erzählungen von Ted Chiang sind mehr philosophische Essays als traditionelle, nach dem Lehrbuch aufgebaute Geschichten (wobei Chiang der Lehrbuchstruktur schon folgt).

Nur die Fans von epischen Raumschlachten werden enttäuscht sein.

Der Sammelband enthält folgende Geschichten:

– Der Turmbau zu Babel (Tower of Babylon, Erstveröffentlichung: Omni, November 1990)

– Geschichte deines Lebens (Story of Your Life, Erstveröffentlichung: Starlight 2, 1998)

– Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes (Hell is the Absence of God, Erstveröffentlichung: Starlight 3, 2001)

– Der Kaufmann am Portal des Alchemisten (The Merchant and the Alchemist’s Gate, Erstveröffentlichung: Fantasy and SF, September 2007)

– Ausatmung (Exhalation, Erstveröffentlichung: Eclipse 2, 2008)

In einem zweiten Sammelband, „Das wahre Wesen der Dinge“, veröffentlichte Golkonda dann die restlichen von Ted Chiang bis dahin veröffentlichten Geschichten.

Sollte man sich zu Weihnachten wünschen; falls man die Geschichten nicht vorher, beim Warten auf den Weihnachtsmann, lesen will.

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Ted Chiang: Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes

(übersetzt von molosovsky)

Golkonda, 2011

184 Seiten

14,90 Euro

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Arrival“

Metacritic über „Arrival“

Rotten Tomatoes über „Arrival“

Wikipedia über „Arrival“ (deutsch, englisch) und Ted Chiang (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Enemy“ (Enemy, Kanada/Spanien 2013)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Sicario“ (Sicario, USA 2015) und der DVD und des Soundtracks

Das tolle Teaserplakat

arrival-teaserplakat

Ein Gespräch mit Ted Chiang zum Film, nach einer Präsentation des Films (Ich gebe mal eine allgemeine Spoiler-Warnung für alle Interviews aus.)

Ein Interview mit Drehbuchautor Eric Heisserer

und eines mit Denis Villeneuve

 


TV-Tipp für den 10. November: 8 Blickwinkel

November 10, 2016

Kabel 1, 22.25

8 Blickwinkel (USA 2008, Regie: Pete Travis)

Drehbuch: Barry L. Levy

Salamanca, Spanien, großer Antiterrorgipfel: der amerikanische Präsident will auf dem Marktplatz eine Rede halten. Da wird er erschossen und eine Bombe explodiert. Sein Leibwächter Thomas Barnes hat aber etwas gesehen und er nimmt die Spur auf.

„8 Fremde, 8 Sichtweisen, 1 Wahrheit“ lautet der Werbespruch, der ziemlich genau die erzählerische Pointe des Films verrät. Denn das Ereignisse vor, während und nach dem Attentat werden aus acht verschiedenen Sichtweisen erzählt und am Ende gibt es eine atemberaubende Autoverfolgungsjagd. Das unterhält prächtig über die knapp neunzig Minuten und ist filmisch und darstellerisch auch sehr gut gelöst. Denn mit den verschiedenen Blickwinkeln ändert sich auch immer der Blick auf die Ereignisse und die beteiligten Personen.

Dass der ganze Attentatsplan, wenn man genauer darüber nachdenkt, ziemlich konstruiert ist, fällt einem erst nach dem Abspann auf.

mit Dennis Quaid, Matthew Fox, Forest Whitaker, Sigourney Weaver, William Hurt, Edgar Ramirez, Ayelet Zurer, Bruce McGill, Zoe Saldana

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „8 Blickwinkel“

Los Angeles Times über Barry Levy

Meine Besprechung von Pete Travis’ “Dredd” (Dredd, GB 2012)


TV-Tipp für den 19. September: Zulu – Blutiges Erbe

September 18, 2016

ZDF, 22.15

Zulu – Blutiges Erbe (Zulu, Frankreich/Südafrika 2013)

Regie: Jérôme Salle

Drehbuch: Julien Rappeneau, Jérôme Salle

LV: Caryl Férey: Zulu, 2008 (Zulu)

Kapstadt: im Botanischen Garten wird die bestialisch zugerichtete Leiche einer jungen, zur oberen Gesellschaftsschicht gehörenden Frau gefunden. Polizeichef Ali Sokhela und seine Mitarbeiter stoßen bei ihren Ermittlungen auf ein Komplott, das bis in die Zeit der Apartheid zurückreicht.

Toller, von wahren Ereignissen inspirierter Polit-Thriller, grandios besetzt, vor Ort gedreht und von „Largo Winch“-Regisseur Jérôme Salle straff erzählt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Forest Whitaker, Orlando Bloom, Conrad Kemp, Tanya van Graan, Patrick Lyster, Tinary van Wyk Loots, Iman Isaacs

Wiederholung: Mittwoch, 21. September, 00.20 Uhr (Taggenau! Ungekürzt, weil FSK-18)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Zulu“

Moviepilot über „Zulu“

Rotten Tomatoes über „Zulu“

AlloCine über “Zulu”

Wikipedia über „Zulu“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von „Largo Winch – Tödliches Erbe“ (Largo Winch, Frankreich 2008)

Meine Besprechung von „Largo Winch II – Die Burma-Verschwörung“ (Largo Winch II, Frankreich/Belgien/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von Jérôme Salles „Zulu“ (Zulu, Frankreich/Südafrika 2013) und der DVD


TV-Tipp für den 19. September: Ghost Dog – Der Weg des Samurai

September 19, 2015

EinsFestival, 22.00

Ghost Dog – Der Weg des Samurai (USA 1999, Regie: Jim Jarmusch)

Drehbuch: Jim Jarmusch

Poetisch-meditativer, mit Hip-Hop-Klängen unterlegter Gangsterfilm über einen nach dem Kodex der Samurai lebendem Killer, der auf die Abschussliste seiner Auftraggeber gerät. Jarmusch ist dabei gänzlich desinteressiert an der Story, aber sehr interessiert an dem Spiel mit Stimmungen, Symbolen, Zeichen und Motiven.

„Durch ‘Ghost Dog’ hindurch blicken wir wie durch ein Vergrößerungsglas in die Filmgeschichte. (…) Mit ‘Ghost Dog’ variiert Jarmusch einmal mehr sein Lieblingsthema, die Differenz der Kulturen und die wunderbaren, auch komischen Momente, die durch den Zusammenstoß verschiedener Mentalitäten entstehen können. Besonders bizarr sieht seine filmische Synthese von HipHop und italienischer Vorstadt-Mafia aus.“ (Nils Meyer in Rolf Aurich/Stefan Reinecke, Hrsg.: Jim Jarmusch, 2001 – ein empfehlenswertes Buch)

mit Forest Whitaker, John Tormey, Cliff Gorman, Henry Silva, Isaach de Bankolé, Gary Farmer, The RZA (Cameo; er schrieb auch die Musik)

Wiederholung: Sonntag, 20. September, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Ghost Dog”

Wikipedia über „Ghost Dog“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema: Marco Lanzagorta über „Ghost Dog“ (September 2002)

Wikipedia über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

The Jim Jarmusch Resource Page

Senses of Cinema über Jim Jarmusch

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Über Antoine Fuquas Boxerfilm „Southpaw“

August 21, 2015

Die Regeln des Boxerfilms sind ja bekannt und „Southpaw“ folgt ihnen auch mit einem Boxkampf am Anfang, der Herausforderung eines Konkurrenten, einer krachenden Niederlage, dem langen Training für den nächsten Kampf und schließlich dem Schlußkampf, bei dem der Held siegreich den Ring verlässt. Das kennt man spätestens aus den „Rocky“-Filmen.
Aber Regisseur Antoine Fuqua (zuletzt „The Equalizer“) und Drehbuchautor Kurt Sutter („The Shield“, „Sons of Anarchy“) setzen eigene Akzente, die „Southpaw“ innerhalb des Genres zu einem sehr interessanten Film machen. Dabei ist die Besetzung der Hauptrolle mit Jake Gyllenhaal der uninteressanteste Punkt. Immerhin spielte schon Robert De Niro in Martin Scorseses grandiosem SW-Boxerfilm „Raging Bull – Wie ein wilder Stier“ einen Boxer.
Der interessante Punkt ist, wie viel Zeit sich Fuqua nimmt, um das Leben abseits des Boxkampfes und abseits des Boxrings zu zeigen. Es geht um die Einsamkeit nach dem Kampf in ranzigen Hinterzimmer, in denen man sich wenige Minuten früher auf den Kampf vorbereitete. Nach dem Lärm der jubelnden Menge in dem bis zum letzten Platz gefüllten Veranstaltungssaal ist die Stille und Einsamkeit in dem anonymen, funktionalem und fensterlosen Zimmer noch bedrückender. Es geht um die Schmerzen, die man nach einem Boxkampf am ganzen Körper spürt. So stolpert Billy Hope wie ein Schwerverletzter durch sein mondänes Anwesen. Es geht um die Geschäfte, die das Profiboxen begleiten. Also um das Abschließen von Verträgen, Auftritte bei Wohltätigkeitsveranstaltungen und Entscheidungen über das Leben nach der Sportkarriere. Es geht auch um die große Entourage, die man hat, so lange man Geld hat.
Diese Gefolgschaft verlässt Billy ‚The Great‘ Hope (Jake Gyllenhaal), ein impulsiv-jähzorniges Waisenkind, das sich von ganz unten aus dem Kinderheim nach oben zum Halbschwergewichtsmeistertitel boxte, mit seiner Jugendliebe Maureen (Rachel McAdams), die sein Leben in jeder Beziehung organisiert, glücklich verheiratet ist und mit ihr eine zehnjährige Tochter (Oona Laurence) hat, die er abgöttisch liebt, nachdem Maureen während einer Wohltätigkeitsveranstaltung bei einer Rangelei mit einem anderen Boxer durch einen Schuss tödlich verletzt wird. Ohne Maureen ist Billy ein vom Leben überfordertes Häufchen selbstmitleidiges Elend, das nach einem missglückten Boxkampf, der für ihn mit einer einjährigen Kampfsperre endet, auch schnell sein Vermögen verliert. Seine Tochter Leila kommt in ein Heim und er weiß nicht, wann er wieder mit ihr zusammen leben darf.
Weil Leila sein einziger Halt ist, will er für sie ein anständiger Vater sein. Deshalb nimmt er bei dem Amateur-Boxtrainer Titus ‚Tick‘ Wills (Forest Whitaker), der für die Kinder im Viertel auch ein Sozialarbeiter ist, eine Arbeit als Putzmann an. Und selbstverständlich trainiert er dort für seinen nächsten Kampf.
Wichtiger als die furios inszenierten Boxkämpfe sind in „Southpaw“, wie gesagt, die sonst nicht gezeigten Momente, die den Film, innerhalb der bekannten Regeln und absolut ironiefrei, zu einer intensiven und düsteren Charakterstudie machen. Und Jack Gyllenhaal überzeugt nach „Nightcrawler“, wo er ebenfalls einen – höflich formuliert – schwierigen Charakter spielte, wieder einmal als ein auch an seine körperlichen Grenzen gehender Schauspieler restlos.

Southpaw - Plakat

Southpaw (Southpaw, USA 2015)
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: Kurt Sutter
mit Jake Gyllenhaal, Rachel McAdams, Forest Whitaker, Naomie Harris, Curtis `50 Cent`Jackson, Oona Laurence, Miguel Gomez, Skylan Brooks, Beau Knapp, Victor Ortiz
Länge: 125 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Southpaw“
Moviepilot über „Southpaw“
Metacritic über „Southpaw“
Rotten Tomatoes über „Southpaw“
Wikipedia über „Southpaw“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)


TV-Tipp für den 28. Februar: Street Kings

Februar 28, 2015

Pro7, 23.20

Street Kings (USA 2007, Regie: David Ayer)

Drehbuch: James Ellroy, Kurt Wimmer, Jamie Moss

LV: James Ellroy: Watchman/The night Watchman (Originalgeschichte)

Die Story klingt nach einem typischen Ellroy – oder dem typischen Cop-Thriller der Marke „Korrupter Cop sitzt in der Scheiße; entdeckt, (Überraschung!) dass die Polizei korrupt ist und stellt sich auf die Seite der Guten“. Denken Sie nur an die Ellroy-Verfilmung „Dark Blue“ (für die Ayer das Drehbuch schrieb), ersetzen Kurt Russell durch Keanu Reeves, lassen den Rookie Scott Speedman weg und wir haben den nächsten düsteren, bleihaltigen LA-Copthriller.

Ellroys Story ist eine nicht veröffentlichte Originalgeschichte und sollte bereits vor Jahren als „Watchman“ oder auch „The night Watchman“ verfilmt werden. David Fincher, Spike Lee und Oliver Stone waren als Regisseure im Gespräch. Für den Film wurde Ellroys Drehbuch dann von mehreren Autoren (zwei schafften es in die Credits, aber Ayer soll und John Ridley hat vor Jahren an dem Drehbuch gearbeitet) bearbeitet.

Mit Keanu Reeves, Forest Whitaker, Hugh Laurie, Chris Evans, Martha Higareda, Cedric the Entertainer, Amaury Nolasco

Wiederholung: Sonntag, 1. März, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Meine Besprechung der James-Ellroy-Verfilmung “Rampart – Cop außer Kontrolle” (Rampart, USA 2011)

Meine Besprechung von James Ellroys Underworld-USA-Trilogie (Ein amerikanischer Thriller, Ein amerikanischer Albtraum, Blut will fließen)

Meine Besprechung von James Ellroys „Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau“ (The Hilliker Curse – My Pursuit of Women, 2010)

James Ellroy in der Kriminalakte

Meine Besprechung von David Ayers „End of Watch“ (End of Watch, USA 2012)

Meine Besprechung von David Ayers “Sabotage” (Sabotage, USA 2014)

Meine Besprechung von David Ayers „Herz aus Stahl“ (Fury, USA 2014)

Bonushinweis

Ellroy - Perfidia - 4

Druckfrisch und schwer in der Hand liegend: die deutsche Übersetzung von „Perfidia“, dem neuen Opus von James Ellroy, das der Auftakt zu einem neuen „L. A. Quartett“ ist, das zeitlich vor seinen bereits in Los Angeles spielenden Romanen, wie „Die schwarze Dahlie“, „Blutschatten“, „L. A. Confidential“ und „White Jazz“ spielt.
James Ellroy sagt zu seinem neuen Werk: „Besessenheit steht mir gut. Die Liebe zur Sprache definiert mich. Diesbezüglich fordere ich andauernd mein Geburtsrecht ein. Ich bin ein in Los Angeles geborener Amerikaner. Die Geschichte hat mich einmal mehr an meinen Schreibtisch gerufen. Mein Roman heißt “Perfidia“. Der Titel bedeutet auf Spanisch “Verrat“ und verweist auf ein klagendes Lied der späten Dreißigerjahre. Der Roman ist 960 Seiten lang und in jeder Hinsicht groß angelegt. Die Geschichte erstreckt sich vom 6. bis zum 29. Dezember 1941. Männer und Frauen mit großen Seelen geraten in Los Angeles im Monat von Pearl Harbor aneinander. Sie hab en große Überzeugungen, große Träume und ein tief gestörtes Pflichtbewusstsein. Sie arbeiten mit- und gegeneinander, um ein großes Verbrechen aufzuklären , und streben groß und ruchlos nach Liebe. “Perfidia“ ist die Quintessenz dessen, was ich über die Kunst und das Handwerk des Geschichtenerzählens, was ich über Geschichte, über Männer und Frauen weiß, und über die immer wieder drängende Frage, warum Menschen tun , was sie tun. Ich bin in die Vergangenheit hinabgestiegen und mit einem Geschenk für Sie zurückgekehrt. Das ich mit meinen allerbesten Wünschen anzunehmen bitte.
Auf meiner Leseliste für die nächsten Tage steht das gut tausendseitige Werk.

James Ellroy: Perfidia
(übersetzt von Stephen Tree)
Ullstein, 2015
960 Seiten
25 Euro

Originalausgabe
Perfidia
Alfred A. Knopf, 2014


TV-Tipp für den 21. Januar: Nicht auflegen!

Januar 21, 2015

Kabel 1, 20.15/23.35
Nicht auflegen! (USA 2002, Regie: Joel Schumacher)
Drehbuch: Larry Cohen
Als Stuart Shepard das Telefon in der Telefonzelle abnimmt, wird sein Tag zum Alptraum. Denn es meldet sich ein Erpresser, der sagt, er werde ihn erschießen, wenn er die Telefonzelle verlässt.
Spannender Thriller, dessen erste Idee („ein Film, der in einer Telefonzelle spielt“) Larry Cohen („Die Wiege des Bösen“ [It’s alive], Maniac Cop“, „Final Call“) bereits in den Sechzigern Alfred Hitchcock erzählte. Aber sie wussten nicht, wie sie den Protagonisten in der Telefonzelle festhalten sollten. Michael Bay, dem die Idee auch einmal erzählt wurde, wollte nur wissen, wie man den Protagonisten aus der Telefonzelle bringt. Joel Schumacher („Falling Down“, „Batman forever“) ließ den Protagonisten in der Telefonzelle und inszenierte einen straffen kleinen, herrlich gemeinen Thriller.
mit Colin Farrell, Forest Whitaker, Katie Holmes, Radha Mitchell, Kiefer Sutherland (Stimme des Erpressers im Original)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Nicht auflegen!“
Wikipedia über „Nicht auflegen!“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/FIlmkritik: „96 Hours – Taken 3“, jetzt wird es wirklich persönlich

Januar 8, 2015

Nachdem „Taken“, der bei uns „96 Hours“ hieß, ein Überraschungserfolg war, der Liam Neeson als Actionhelden etablierte, gab es natürlich „Taken 2“, der ebenfalls sehr erfolgreich lief und, trotz der Beteuerungen der Macher, dass es kein „Taken 3“ geben werde, gibt es jetzt „Taken 3“, weil man natürlich nicht wirklich gegen die nackten Zahlen argumentieren will. Denn an der Kinokasse war der Film sehr erfolgreich und für „Taken 3“ sehen die Prognosen ähnlich gut aus. Was natürlich nichts über die Qualität des Films sagt.
Jedenfalls ist das alte Team, vor und hinter der Kamera, wieder zusammen gekommen und dieses Mal wird auch wirklich eine andere Geschichte erzählt. Allerdings keine bessere als in „Taken 2“ oder in den zahllosen anderen Luc-Besson-Produktionen.
In „96 Hours – Taken 3“ wird Lenore Mills (Famke Janssen), die Ex-Frau von Bryan Mills (Liam Neeson), ermordet. In seinem Bett und, als hätten die Bösewichter sich nicht schon genug Mühe gegeben, ihn zum Täter zu machen, fasst der Ex-CIA-Agent mit den besonderen letalen Fähigkeiten die Tatwaffe, ein großes Messer, an. Sofort taucht die Polizei auf und nach einer Verfolgungsjagd über mehrere Hinterhöfe kann Mills durch die Kanalisation entkommen. Er wird jetzt den Mörder seiner Frau jagen, während er von der Polizei gejagt wird.
Das ist natürlich ein klassischer Krimiplot, der hier mit einer ordentlichen Portion Action aufgebrezelt wird. Es ist allerdings auch ein Plot, der wohl selten so lieblos und so unlogisch erzählt wurde. Das mündet in der Schlussszene, wenn Mills und Frank Dotzler (Forest Whitaker), der Polizist, der ihn verfolgte, zusammensitzen und Dotzler Mills sagt, dass er von Anfang an gewusst habe, dass er nicht der Mörder sei. Nur, warum hat er dann den ganzen Film damit verbracht, die halbe Polizei von Los Angeles hinter einem Unschuldigen hinterherlaufen zu lassen? Warum hat er nicht nach dem wirklichen Täter gesucht?
Immerhin haben wir bis dahin die Kameraden von Mills, die dieses Mal eine größere Rolle übernehmen dürfen, besser kennen gelernt.
Aber wegen des diffizilen Plots sieht sich niemand einen „Taken“-Film an. Schon im ersten „Taken“-Film war die Entführung von Mills‘ Tochter in Paris die Entschuldigung für ein brachiales Actionfeuerwerk der eher altmodischen Sorte, das genau deshalb gefiel. In „Taken 3“ enttäuschen die wenigen Actionszenen. Sie sind wieder einmal so zerschnipselt, dass letztendlich nichts wirklich erkennbar ist. Die ganzen Abläufe sind nur noch erahnbar und wenn dann auf einem Highway etliche Autos geschrottet werden, fragt man sich, warum das nicht wie früher gezeigt wird, als man sich an den Zerstörungsorgien erfreuen konnte. Jetzt ist man damit beschäftigt, den Ablauf zu rekonstruieren.
Da bleibt Olivier Megaton („Transporter 3“, „Columbiana“, „Taken 2“) sich treu. Viele Schnitte und Farbfilter – wie man es bei Michael Bay und den anderen Filmen der Besson-Fabrik kennt.
Und, auch wenn viel geballert wird, sterben, so mein Eindruck, in „96 Hours – Taken 3“ deutlich weniger Menschen als in den vorherigen „Taken“-Filmen. Was sicher daran liegt, wie wir spätestens seit „The Rock – Fels der Entscheidung“ wissen, dass ein guter Amerikaner keine Landsleute tötet. Jedenfalls keine Unschuldigen.
Letztendlich ist „96 Hours – Taken 3“ ein weiteres liebloses Produkt aus der Besson-Fabrik, das dieses Mal sogar den Humor des zweiten Teils vermissen lässt. Denn die Standortbestimmung mit Handgranaten tagsüber im Zentrum von Istanbul und die von Bryn Mills für seine fahrunerfahrene Tochter gegebene Fahrstunde, sie sie wie eine Rennfahrerin durch die Innenstadt brettern lässt, waren hirnverbrannt, dass sie schon wieder witzig waren.
Aber, auch wenn die Macher im Presseheft betonen, dass „Taken 3“ das Ende einer Trilogie sei, wird es, wenn die Kasse stimmt, einen vierten Teil geben. Dann ist es halt eine aus vier Teilen bestehende Trilogie. Mit Tochter und Enkeltochter gibt es am Ende von „Taken 3“ ja noch genug Familienmitglieder, die von Bösewichtern belästigt werden können. Zum Beispiel mexikanische Drogenkartellbabyhändler, die das Baby wegen irgendwelcher Organe oder eine extrem seltenen Blutgruppe entführen…

96 Hours - Taken 3 - Plakat

96 Hours – Taken 3 (Taken 3, Frankreich 2014)
Regie: Olivier Megaton
Drehbuch: Luc Besson, Robert Mark Kamen
mit Liam Neeson, Forest Whitaker, Maggie Grace, Famke Janssen, Dougray Scott, Sam Spruell, Leland Orser
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „96 Hours – Taken 3“
Moviepilot über „96 Hours – Taken 3“
Metacritic über „96 Hours – Taken 3“
Rotten Tomatoes über „96 Hours – Taken 3“
Wikipedia über „96 Hours – Taken 3“
Meine Besprechung von Olivier Megatons „96 Hours – Taken 2“ (Taken 2, Frankreich 2012)


DVD-Kritik: „Zulu“ – Orlando Bloom in Südafrika im Hobbit-Urlaub auf Verbrecherjagd

November 3, 2014

Als der Polit-Thriller „Zulu“ vor einem halben Jahr in einigen Kinos gezeigt wurde, dachte ich, dass der Verleih schnell die DVD hinterherschiebt und so von den Erinnerungen der breiten Massen an die Filmbesprechungen zum Kinostart noch profitieren kann. Jetzt hat es doch länger als erwartet, gedauert. Aber sehenswert ist der in Südafrika spielende Film mit Forest Whitaker (demnächst „96 Hours – Taken 3“) und Orlando Bloom (bald „Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“) immer noch.
Zum Kinostart schrieb ich ziemlich begeistert:
Schon in seinen beiden „Largo Winch“-Filmen reiste Regisseur Jérôme Salle um die halbe Welt. Aber das waren bunte Abenteuerfilme, so eine Art französischer James Bond im eigenen Auftrag. Sein neuester Film „Zulu“ ist dagegen ein knallharter Polit-Thriller, der in Südafrika spielt und ohne die Apartheid und deren Nachwirkungen nicht denkbar wäre.
In Kapstadt wird im botanischen Garten die übel zugerichtete Leiche einer jungen Frau der Kapstadt-High-Society gefunden. Die Polizisten Ali Sokhela (Forest Whitaker), Brian Epkeen (Orlando Bloom) und Dan Fletcher (Conrad Kemp) übernehmen die Ermittlungen. Ali ist ein in den Townships aufgewachsener Zulu, der heute ein ruhiger, analystischer Ermittler ist, der keine Familie hat und der immer noch an den Nachwirkungen eines Polizeieinsatzes von 1978, den er als Kind erlebte, leidet. Dennoch versucht er, wie Nelson Mandela und Desmond Tutu, den früheren Peinigern zu vergeben. Seine beiden Kollegen sind Weiße. Brian ist ein geschiedener Alkoholiker, der keinen Kontakt zu seinem Sohn hat und der nur von Ali wegen seiner Fähigkeiten als Ermittler im Team gehalten werden kann. Dan ist glücklich verheiratet. Allerdings ist seine Frau unheilbar an Krebs erkrankt. Und alle Drei werden unterschiedlich von den Ermittlungen beeinflusst.
Denn sie finden heraus, dass die Tote an einer synthetischen Droge starb, die, wie bei ihr, in hoher Dosierung zu mörderschen Aggressionen führt. Ursprünglich wurde die Designerdroge von Dr. Oppermann während der Apartheid im Rahmen des „Project Coast“ (das es wirklich gab) entwickelt, um sie an die in den Townships lebenden Schwarzen zu verteilen. Mit dem Ende der Apartheid wurde auch das „Project Coast“ beendet.
Jetzt scheint die Droge in einem gigantischen Feldversuch in den Townships verteilt zu werden. Denn Ali findet sie auch bei Straßenkids.
Salle und sein Drehbuchautor Julien Rappenau, mit dem er schon die beiden „Largo Winch“-Geschichten schrieb, beweisen wieder einmal ihr Händchen für behutsame Genreinovationen. Denn „Zulu“ steht knietief im Siebziger-Jahre-Polit-Thriller mit seinem ungeschönten Blick auf die Realität und seinem schonungslosem Umgang mit den Charakteren. So hat jeder der drei Polizisten seine Fehler und persönlichen Probleme. Zum klassischen Helden taugt keiner. Und ihre Überlebensaussichten sind höchst ungewiss. Aber das kennen wir auch aus den Siebziger-Jahre-Polit-Thrillern und spätestens seit dem Neo-Noir „L. A. Confidential“ kennen wir das auch aus dem Polizei-Thriller. Salle verbringt mit den privaten Problemen seiner Ermittler so viel Zeit, dass der sowieso etwas austauschbare Krimiplot öfter vernachlässigt wird.
Dennoch ist „Zulu“ ein straff erzählter, grimmiger Polizei-Thriller, der dank seiner guten Schauspieler, dem Drehbuch (dem es letztendlich gelingt, die verschiedenen Erzählstränge souverän zusammenzuhalten), seinem Schauplatz und der Geschichte Südafrikas, die immer im Hintergrund präsent ist, viel gewinnt und ihn zu einem sehenswerten Thriller vor exotischer Kulisse macht.

Bonusmaterial ist kaum vorhanden. Es gibt ein vierminütiges Featurette über den Film, in dem vor allem Regisseur Jérôme Salle zu Wort kommt, und ein knapp zehnminütiges Interview mit Orlando Bloom.
Dabei wären doch gerade Informationen über den Realitätsgehalt des Thrillers interessant gewesen.

Zulu - DVD-Cover

Zulu (Zulu, Frankreich/Südafrika 2013)
Regie: Jérôme Salle
Drehbuch: Julien Rappeneau, Jérôme Salle
LV: Caryl Férey: Zulu, 2008 (Zulu)
mit Forest Whitaker, Orlando Bloom, Conrad Kemp, Tanya van Graan, Patrick Lyster, Tinary van Wyk Loots, Iman Isaacs

DVD
Studio Hamburg
Bild: 16:9
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Featurette, Interview mit Orlando Bloom, Deutscher Kinotrailer
Länge: 111 Minuten
FSK: ab 18 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Zulu“
Moviepilot über „Zulu“
Rotten Tomatoes über „Zulu“

AlloCine über “Zulu”
Wikipedia über „Zulu“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von „Largo Winch – Tödliches Erbe“ (Largo Winch, Frankreich 2008)

Meine Besprechung von „Largo Winch II – Die Burma-Verschwörung“ (Largo Winch II, Frankreich/Belgien/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von Jérôme Salles „Zulu“ (Zulu, Frankreich/Südafrika 2013)


TV-Tipp für den 5. Juli: Nicht auflegen!

Juli 4, 2014

Sat.1, 22.10
Nicht auflegen! (USA 2002, Regie: Joel Schumacher)
Drehbuch: Larry Cohen
Als Stuart Shepard das Telefon in der Telefonzelle abnimmt, wird sein Tag zum Alptraum. Denn es meldet sich ein Erpresser, der sagt, er werde ihn erschießen, wenn er die Telefonzelle verlässt.
Spannender Thriller, dessen erste Idee („ein Film, der in einer Telefonzelle spielt“) Larry Cohen („Die Wiege des Bösen“ [It’s alive], Maniac Cop“, „Final Call“) bereits in den Sechzigern Alfred Hitchcock erzählte. Aber sie wussten nicht, wie sie den Protagonisten in der Telefonzelle festhalten sollten. Michael Bay, dem die Idee auch einmal erzählt wurde, wollte nur wissen, wie man den Protagonisten aus der Telefonzelle bringt. Joel Schumacher („Falling Down“, „Batman forever“) ließ den Protagonisten in der Telefonzelle und inszenierte einen straffen kleinen, herrlich gemeinen Thriller.
mit Colin Farrell, Forest Whitaker, Katie Holmes, Radha Mitchell, Kiefer Sutherland (Erpresserstimme im Original)
Widerholung: Sonntag, 6. Juli, 01.40 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Nicht auflegen!“
Wikipedia über „Nicht auflegen!“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Der ziemlich sehenswerte Südafrika-Polizei-Thriller „Zulu“

Mai 10, 2014

Schon in seinen beiden „Largo Winch“-Filmen reiste Regisseur Jérôme Salle um die halbe Welt. Aber das waren bunte Abenteuerfilme, so eine Art französischer James Bond im eigenen Auftrag. Sein neuester Film „Zulu“ ist dagegen ein knallharter Polit-Thriller, der in Südafrika spielt und ohne die Apartheid und deren Nachwirkungen nicht denkbar wäre.
In Kapstadt wird im botanischen Garten die übel zugerichtete Leiche einer jungen Frau der Kapstadt-High-Society gefunden. Die Polizisten Ali Sokhela (Forest Whitaker), Brian Epkeen (Orlando Bloom) und Dan Fletcher (Conrad Kemp) übernehmen die Ermittlungen. Ali ist ein in den Townships aufgewachsener Zulu, der heute ein ruhiger, analystischer Ermittler ist, der keine Familie hat und der immer noch an den Nachwirkungen eines Polizeieinsatzes von 1978, den er als Kind erlebte, leidet. Dennoch versucht er, wie Nelson Mandela und Desmond Tutu, den früheren Peinigern zu vergeben. Seine beiden Kollegen sind Weiße. Brian ist ein geschiedener Alkoholiker, der keinen Kontakt zu seinem Sohn hat und der nur von Ali wegen seiner Fähigkeiten als Ermittler im Team gehalten werden kann. Dan ist glücklich verheiratet. Allerdings ist seine Frau unheilbar an Krebs erkrankt. Und alle Drei werden unterschiedlich von den Ermittlungen beeinflusst.
Denn sie finden heraus, dass die Tote an einer synthetischen Droge starb, die, wie bei ihr, in hoher Dosierung zu mörderschen Aggressionen führt. Ursprünglich wurde die Designerdroge von Dr. Oppermann während der Apartheid im Rahmen des „Project Coast“ (das es wirklich gab) entwickelt, um sie an die in den Townships lebenden Schwarzen zu verteilen. Mit dem Ende der Apartheid wurde auch das „Project Coast“ beendet.
Jetzt scheint die Droge in einem gigantischen Feldversuch in den Townships verteilt zu werden. Denn Ali findet sie auch bei Straßenkids.
Salle und sein Drehbuchautor Julien Rappenau, mit dem er schon die beiden „Largo Winch“-Geschichten schrieb, beweisen wieder einmal ihr Händchen für behutsame Genreinovationen. Denn „Zulu“ steht knietief im Siebziger-Jahre-Polit-Thriller mit seinem ungeschönten Blick auf die Realität und seinem schonungslosem Umgang mit den Charakteren. So hat jeder der drei Polizisten seine Fehler und persönlichen Probleme. Zum klassischen Helden taugt keiner. Und ihre Überlebensaussichten sind höchst ungewiss. Aber das kennen wir auch aus den Siebziger-Jahre-Polit-Thrillern und spätestens seit dem Neo-Noir „L. A. Confidential“ kennen wir das auch aus dem Polizei-Thriller. Salle verbringt mit den privaten Problemen seiner Ermittler so viel Zeit, dass der sowieso etwas austauschbare Krimiplot öfter vernachlässigt wird.
Dennoch ist „Zulu“ ein straff erzählter, grimmiger Polizei-Thriller, der dank seiner guten Schauspieler, dem Drehbuch (dem es letztendlich gelingt, die verschiedenen Erzählstränge souverän zusammenzuhalten), seinem Schauplatz und der Geschichte Südafrikas, die immer im Hintergrund präsent ist, viel gewinnt und ihn zu einem sehenswerten Thriller vor exotischer Kulisse macht.

Zulu - Plakat

Zulu (Zulu, Frankreich/Südafrika 2013)
Regie: Jérôme Salle
Drehbuch: Julien Rappeneau, Jérôme Salle
LV: Caryl Férey: Zulu, 2008 (Zulu)
mit Forest Whitaker, Orlando Bloom, Conrad Kemp, Tanya van Graan, Patrick Lyster, Tinary van Wyk Loots, Iman Isaacs
Länge: 111 Minuten
FSK: ab 18 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Zulu“
Moviepilot über „Zulu“
Rotten Tomatoes über „Zulu“

AlloCine über „Zulu“
Wikipedia über „Zulu“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von „Largo Winch – Tödliches Erbe“ (Largo Winch, Frankreich 2008)

Meine Besprechung von „Largo Winch II – Die Burma-Verschwörung“ (Largo Winch II, Frankreich/Belgien/Deutschland 2011)

 


TV-Tipp für den 7. Mai: Ghost Dog – Der Weg des Samurai

Mai 7, 2014

Eins Plus, 22.45

Ghost Dog – Der Weg des Samurai (USA 1999, R.: Jim Jarmusch)

Drehbuch: Jim Jarmusch

Poetisch-meditativer, mit Hip-Hop-Klängen unterlegter Gangsterfilm über einen nach dem Kodex der Samurai lebendem Killer, der auf die Abschussliste seiner Auftraggeber gerät. Jarmusch ist dabei gänzlich desinteressiert an der Story, aber sehr interessiert an dem Spiel mit Stimmungen, Symbolen, Zeichen und Motiven.

„Durch ‘Ghost Dog’ hindurch blicken wir wie durch ein Vergrößerungsglas in die Filmgeschichte. (…) Mit ‘Ghost Dog’ variiert Jarmusch einmal mehr sein Lieblingsthema, die Differenz der Kulturen und die wunderbaren, auch komischen Momente, die durch den Zusammenstoß verschiedener Mentalitäten entstehen können. Besonders bizarr sieht seine filmische Synthese von HipHop und italienischer Vorstadt-Mafia aus.“ (Nils Meyer in Rolf Aurich/Stefan Reinecke, Hrsg.: Jim Jarmusch, 2001 – ein empfehlenswertes Buch)

mit Forest Whitaker, John Tormey, Cliff Gorman, Henry Silva, Isaach de Bankolé, Gary Farmer, The RZA (Cameo; er schrieb auch die Musik)

Wiederholung: Donnerstag, 7. Mai, 03.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Ghost Dog”

Wikipedia über „Ghost Dog“ (deutsch, englisch)

Arte über „Ghost Dog“

Senses of Cinema: Marco Lanzagorta über „Ghost Dog“ (September 2002)

Wikipedia über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

The Jim Jarmusch Resource Page

Senses of Cinema über Jim Jarmusch

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

„Ghost Dog“ ist der heutige Tagestipp, weil am Donnerstag der spannende Polit-Thriller „Zulu“ mit  Forest Whitaker in der Hauptrolle anläuft. Hier ist schon einmal der Trailer. Aber der Film von Jerome Salle („Fluchtpunkt Nizza“ und die beiden „Largo Winch“-Filme) selbst steht in der Tradition der 70er-Jahre-Polit-Thriller, die ja in erster Linie Gehirnfutter sind.


Neu im Kino/Filmkritik: Der top besetzte Rural-Noir „Auge um Auge“

April 6, 2014

Der deutsche Titel „Auge um Auge“ klingt alttestamentarisch martialisch, während der Originaltitel „Out of the furnace“, wie der Film, nachdenklicher ist. Denn auch wenn es in „Auge um Auge“ eine Rachegeschichte gibt, beginnt sie extrem spät, irgendwann nach der Filmmitte, und sie steuert dann so gradlinig auf diese letzte Konfrontation zwischen Russell Baze (Christian Bale) und Harlan DeGroat (Woody Harrelson) zu, dass offensichtlich ist, dass sie wirklich nicht im Zentrum des Interesses von Regisseur und Drehbuchautor Scott Cooper steht.
Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen den beiden gegensätzlichen, durch ihre Hölle gehenden Brüdern Russell und Rodney Baze Jr. (Casey Affleck), der als Soldat viermal im Irak war, jetzt seine Zeit in Wettbüros verbringt, dort meistens verliert, und sich mit illegalen Faustkämpfen Geld verdient, um seine Schulden zu bezahlen. Russell ist das vernünftige Gegenteil: er arbeitet in Braddock, Pennsylvania, wie schon sein Vater, im Stahlwerk, schiebt Doppelschichten und will mit der Kindergärtnerin Lena Taylor (Zoe Saldana) eine Familie gründen. Er ist vielleicht nicht wirklich zufrieden mit seinem Leben, aber er weiß, was er erreichen kann und eine Anstellung im Stahlwerk ist ja nicht das schlechteste. Er versucht auch seinen Bruder Rodney vor dem Hinterzimmer-Geldverleiher John Petty (Willem Dafoe) zu schützen.
Das gelingt ihm auch ziemlich gut, bis Rodney in den Wäldern von New Jersey kämpfen will. Dort soll um das wirklich große Geld gekämpft werden und er könnte mit einem Kampf schuldenfrei sein. Soweit die Theorie. Die Wirklichkeit endet mit seinem Tod und der besonnene Russell will den psychopathischen Gangsterboss Harlan DeGroat, der auch die Kämpfe veranstaltet, zur Rechenschaft ziehen.
Das ist wahrlich keine neue Geschichte, aber sie gewinnt durch den präzisen Blick auf das Milieu der kleinen Leute und ihrer Sorgen – auch wenn sie alle von Hollywood-Stars gespielt werden.
„Auge um Auge“ ist ein Noir, wie er von Daniel Woodrell geschrieben sein könnte, und es ist der Versuch, die filmische Version des großen amerikanischen Romans zu erzählen, mit Reminiszenzen an „Die durch die Hölle gehen“ (The Deer Hunter, USA 1978), und der als Epos gerade keine Thriller-Spannung entfalten will. Deshalb gibt es in der ersten Hälfte auch einen längeren Gefängnisaufenthalt von Russell, der betrunken für einen Autounfall mit zwei Toten verantwortlich war. Nach dem Gefängnis hat Lena ihn verlassen, sein Vater ist gestorben, für die Beerdigung hat er keinen Freigang erhalten und natürlich wurde er als Stahlwerker entlassen. Die Stelle erhält er wieder.
Cooper erzählt trotz der Länge – und der für die Rachegeschichte verzichtbaren Gefängnisepisode, – oft elliptisch. So gibt es zwischen dem tödlichen Autounfall und Russells erstem Bild aus dem Gefängnis (das zuerst nur erkennbar an dem Schriftzug auf seiner Kleidung ist) keine verbindenden Szenen. Dass Russells Vater gestorben ist, erfahren wir auch auch erst, nachdem er nach seinem längeren Gefängnisaufenthalt (wie lange, erfahren wir nicht) das Grab besucht. In diesen Momenten hinterlässt Coopers elliptische Erzählweise das Gefühl, dass einige verbindende Szenen wenig elegant herausgeschnitten wurden, damit der Film nicht zu lang wird. Auch die Rolle von Forest Whitaker als Lenas neuer Freund und Ortssheriff ist für so einen bekannten und guten Schauspieler sehr klein ausgefallen.
Letztendlich hat „Auge um Auge“ vieles, was für ihn spricht, ohne wirklich hundertprozentig zu überzeugen, was auch an der extrem vorhersehbaren Geschichte, die eigentlich erst nach einer Stunde beginnt, liegt.
In der in seinem Blick auf die Schattenseite des amerikanischen Traums ähnlich düsteren Daniel-Woodrell-Verfilmung „Winter’s Bone“ beginnt die Hauptgeschichte viel früher und der Film ist auch viel kraftvoller als „Auge um Auge“. Aber Woodrell und Debra Granik, die den Roman verfilmte, wollten auch nur eine Geschichte erzählen, während Cooper eindeutig nach Höherem strebt.

Auge um Auge - Plakat - 4

Auge um Auge (Out of the Furnace, USA 2013)
Regie: Scott Cooper
Drehbuch: Scott Cooper, Brad Ingelsby
mit Christian Bale, Casey Affleck, Woody Harrelson, Willem Dafoe, Forest Whitaker, Zoe Saldana, Sam Shepard
Länge: 116 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Auge um Auge“
Moviepilot über „Auge um Auge“
Metacritic über „Auge um Auge“
Rotten Tomatoes über „Auge um Auge“
Wikipedia über „Auge um Auge“ (deutsch, englisch)

Und die immer hörenswerten DP/30-Interviews

mit Scott Cooper und Woody Harrelson

Christian Bale

Casey Affleck

 

 


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