TV-Tipp für den 21. Februar: Monsieur Klein

Februar 21, 2016

Arte, 21.45

Monsieur Klein (Frankreich/Italien 1976, Regie: Joseph Losey)

Drehbuch: Franco Solinas, Fernando Morandi, Joseph Losey

Paris 1942: Robert Klein verdient als Kunsthändler gut an der Not der Juden. Eines Tages liegt vor seiner Haustür ein an ihn adressiertes Exemplar der „Les informations juives“. Klein will herausfinden, warum er die Zeitung zugeschickt bekommen hat. Er erfährt von einem gleichnamigen Juden, der sich anscheinend seiner Identität bemächtigen will.

Kafkaesker Alptraum ohne die Hoffnung auf ein Happy End, von Losey karg und sehr stilbewusst inszeniert. Delons zurückhaltendes Spiel passt perfekt zur Rolle des emotionslosen Mitläufers, der nur an sich denkt und dabei zielsicher ins Verderben läuft.

Delon war für einen Cesar als bester Schauspieler nominiert, Losey erhielt einen für die Regie und der Film gewann den Cesar für bester Film.

Davor, um 20.15 Uhr, zeigt Arte die Dokumentation „Alain Delon, persönlich“ und die Tage einige weitere Delon-Filme, im Rahmen eines Schwerpunktes.

mit Alain Delon, Jeanne Moreau, Michel Lonsdale, Juliet Bertot, Suzanne Flon, Jean Bouise

Wiederholung: Dienstag, 23. Februar, 13.50 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Monsieur Klein“ (deutsch, englisch, französisch)

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TV-Tipp für den 11. Februar: Hanna K.

Februar 11, 2016

Arte, 22.50
Hanna K. (Frankreich/Israel 1983, Regie: Constantin Costa-Gavras)
Drehbuch: Franco Solinas, Constantin Costa-Gavras
Die israelische Anwältin Hanna Kaufman soll den illegal ins Land gekommenen, unter Terrorverdacht stehenden Palästinenser Selim Bakri verteidigen. Er behauptet allerdings, keinen Anschlag geplant zu haben, sondern er will nur das illegal beschlagnahmte Haus seiner Eltern wieder haben. Hanna fragt sich, ob Selim die Wahrheit sagt.
Die deutsche Premiere erlebte „Hanna K.“ am 12. Oktober 1990 in der ARD und der „Fischer Film Almanach“ schrieb damals: „In der emotionalen Betroffenheit unabhängiger Frauen (…) werden politische und gesellschaftliche Probleme in allen Facetten ihrer Widersprüchlichkeit greifbar. Im Engagement der Protagonistinnen treffen sich die Argumente aller beteiligten Parteien. Ihr Entscheidungskonflikt zwingt auch den Zuschauer zu Identifikation und Stellungnahme.“
Das Lexikon des internationalen Films meint: „Melodram vor dem Hintergrund der oft tabuisierten israelischen Besiedlungspolitik, in dessen Verlauf das Private das Politische überlagert. Eindrücklich und ohne Klischees werden die Probleme einer Frau gezeigt, die versucht, gegen gesellschaftliche Normen und die Widerstände der offiziellen Politik ihren eigenen Weg zu gehen.“
Costa-Gavras zeigte in einem Film erstmals die palästinensische Seite des Konflikts, viele Kritiker warfen ihm sofort eine Anti-israelische Haltung vor, in den USA wurde der Film kaum besprochen und er verschwand dort und in anderen Ländern rasend schnell aus den Kinos. In die deutschen Kinos kam er überhaupt nicht. Da scheint Costa-Gavras einige Jahre zu früh gewesen zu sein.
mit Jill Clayburgh, Jean Yanne, Gabriel Byrne, Mohammed Bakri, David Clennon
Hinweise
Arte über die Costa-Gavras-Filmreihe
Rotten Tomatoes über „Hanna K.“
Wikipedia über „Hanna K.“ (englisch, französisch)


DVD-Kritik: Damiano Damianis Italo-Western „Töte Amigo“

Dezember 1, 2014

Später, in den Siebzigern und Achtzigern, war Damiano Damiani einer der führenden und genreprägenden Vertreter des italienischen Polit-Thrillers. Er inszenierte „Der Tag der Eule“ (der ja öfters im TV läuft), „Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert“ (der nie im TV läuft), „Warum musste Staatsanwalt Traini sterben?“/“Der Terror führt Regie“ und die TV-Serie „Allein gegen die Mafia“, die damals ein weltweiter Erfolg war.

Der Italo-Western „Töte Amigo“ ist eines seiner Frühwerke, in dem die Revolution in Mexiko der Hintergrund für eine explosions- und bleihaltige Geschichte ist. Wobei Geschichte fast schon übertrieben ist. Im Mittelpunkt stehen die Kämpfe, die durch eine Geschichte, die inzwischen archetypisch für den Italo-Western ist, zusammengehalten werden. Denn es geht um die Freundschaft zwischen El Gringo Bill Tate (Lou Castel) und dem Banditenanführer El Chuncho (Gian Maria Volonté), der Waffen für General Elias, den sich in den Bergen versteckt haltenden Anführer der Revolution, sammelt und dafür Züge, die Waffen transportieren, überfällt. Weil der Gringo sich mit einer Lüge in Chunchos Bande einschleicht, wissen wir, dass er mindestens ein doppeltes Spiel treibt (was ja typisch für einen Italo-Western ist) und er etwas von General Elias will (was im US-Titel und US-Trailer verraten wird). Und dass in einer von Gier und Dummheit beherrschten Welt Freundschaften und Koalitionen schnell wechseln, gehört zum festen Inventar eines Italo-Western. Ebenso der interessante Spagat zwischen Verklärung der Revolution, dem Kampf gegen die korrupten Herrscher und einem, spätestens am Ende, illusionslosen Blick auf den Menschen als von Gier getriebenem Wesen.

Töte Amigo“ ist kraftvoll, kurzweilig, mit burlesken Übertreibungen, sehr unterhaltsam und brutal. Wobei die „ab 18 Jahre“-Freigabe aus heutiger Sicht doch etwas übertrieben ist. Dass die Geschichte eher grob gestrickt ist, stört dabei kaum.

Koch Media veröffentlichte den Film jetzt erstmals in einer vollständig synchronisierten Fassung auf DVD und Blu-ray. Im Kino lief er in einer um zwanzig Minuten gekürzten Fassung; was aber damals, in den Sechzigern und Siebzigern nicht ungewöhnlich war. Denn damals veränderte der Verleih in der Synchronisation öfters die Handlung und Stimmung des Films und kürzte auch gerne wild herum.

In der IMDB und dem „Western-Lexikon“ von Joe Hembus wird eine Originallänge von 135 Minuten genannt. Eine solche Fassung scheint allerdings nirgends zu existieren.

Töte Amigo - DVD-Cover

 

Töte Amigo (Quien Sabe, Italien 1966)

Regie: Damiano Damiani

Drehbuch: Salvatore Laurani, Franco Solinas

mit Gian Maria Volonté, Lou Castel, Klaus Kinski, Martine Beswick, Jaime Fernadez, Andrea Checchi

DVD

Koch Media

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (alte und neue Synchronisation), Italienisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interview mit Regisseur Damiano Damiani, Interview mit Darsteller Lou Castel, 3 Kinotrailer, Bildergalerie

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Töte Amigo“

Wikipedia über „Töte Amigo“ (deutsch, englisch)

Damiano Damiani in der Kriminalakte


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