DVD-Kritik: Nominiert als bester europäischer Film: Christian Petzolds „Undine“

November 19, 2020

Zum Kinostart schrieb ich, im ersten Absatz nah an den damals aktuellen Schlagzeilen und Unterhaltungen, über Christian Petzolds neuen Film „Undine“:

Mit dem Känguru verabschiedete das Kino sich in die Corona-Auszeit. Mit Undine wird diese Zwangspause, unter Einhaltung der Abstandsregeln, beendet und wenn die Infektionszahlen in Deutschland so bleiben, wie sie im Moment sind, können die Kinos in den kommenden Wochen und Monaten geöffnet bleiben. Möglicherweise werden die Regeln demnächst sogar gelockert und Kinos (und auch Theater und bestuhlte Konzertsäle) nähern sich langsam wieder einem normaleren Betrieb. Denn die aktuellen Abstandsregeln hier in Berlin – jede zweite Reihe bleibt leer, zwischen den Gästen sind immer mindestens zwei Plätze frei – ermöglichen keinen gewinnbringenden, sondern, sogar unter den allergünstigsten Bedingungen nur einen nicht zu verlustreichen Betrieb. Aktuell rechnen alle Kinobetreiber, die sich in den Medien äußerten und mit denen ich mich unterhalten habe, mit einer Höchstauslastung zwischen zwanzig und dreißig Prozent. Wenn in der Hauptstadt der Singles für eine Vorstellung nur abstandsbewusste Singles Eintrittskarten kaufen, sitzen natürlich noch weniger zahlende Zuschauer im Kino.

In diesem Umfeld startet Christian Petzolds neuer Film „Undine“, in dem er den Mythos der Wasserfrau Undine in die Gegenwart und, jedenfalls zu einem großen Teil, nach Berlin, einer Stadt mit einem sehr feuchten Untergrund und vielen Flüssen, verlegt.

Petzolds Undine (Paula Beer) ist eine typische junge Großstadtfrau. Sie lebt allein in einem anonymen Apartment und erklärt als Stadthistorikerin (per Honorarvertrag) in der Senatsstelle für Stadtentwicklung an Miniaturmodellen Berlin-Besuchern die Baugeschichte Berlins. Ihrem letzten Freund hat sie gerade, nachdem er sie für eine andere Frau verlassen hat, Himmel und Hölle an den Hals gewünscht.

Kurz darauf trifft sie den Industrietaucher Christoph (Franz Rogowski), ein riesiges Aquarium in einem Restaurant zerbirst und die altbekannte Geschichte von Undine beschreitet über und unter Wasser zwischen Berlin und einem Staudamm in der Nähe von Köln neue Wege. In dem Stausee soll auch ein riesiger Wels leben, der sich in einem der gefluteten Gebäude und Höhlen versteckt.

Auf der Berlinale wurde „Undine“ abgefeiert. Paula Beer erhielt für ihr Spiel einen Silbernen Bären. Und „Undine“ hat auch alles, was man von einem Petzold-Film erwarten kann. Das Drehbuch verknüpft geschickt mehrere Bedeutungsebenen und Interpretationsfolien miteinander. In diesem Fall trifft die mythische Welt des Märchens auf den prosaischen Großstadtalltag der Twenty/Thirty-Somethings.

Undine ist in der Mythologie die Wasserfrau, die zum Mann kommt, der unglücklich verliebt ist. Sobald der Mann sie verrät, muss er sterben. Er ertrinkt in einer Wasserblase. Und Undine muss zurück ins Wasser. Petzold ließ sich bei seiner Interpretation des Undine-Mythos von Peter von Matts „Liebesverrat“ (in dem es ein Kapitel über den Undine-Mythos gibt) und Ingeborg Bachmanns Erzählung „Undine geht“ inspirieren. Bachmann erzählt in ihrer Neuinterpretation die Geschichte von Undine aus Undines Sicht und bei Bachmann sind die Männer niemals treu, weil sie sich nur selber lieben. Petzolds Undine versucht ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Sie will nicht wieder zurück in das Wasser.

Im Film gibt es klug platzierte Zitate. Schließlich ist Petzold ein stilbewusster Regisseur, der die Filmgeschichte kennt. Die Schauspieler sind gewohnt gut. Die Inszenierung ebenso. Da gibt es nichts zu mäkeln.

Aber mich hat die Geschichte von Undine vollkommen kalt und desinteressiert zurückgelassen. Das Liebesdrama berührte mich nicht. Weder im Positiven, noch im Negativen – und dabei haben mir Petzolds frühere Filme ausnahmslos gut gefallen.

Das ändert nichts daran, dass „Undine“ sehenswert ist. Es ist halt nur kein Film für mich.

 

Auch beim zweiten Sehen ändert sich an dieser Einschätzung nichts. „Undine“ ist unbestritten gut gemacht und absolut sehenswert. Aber emotional packt mich Christian Petzolds neuer Film immer noch nicht richtig. Ich kann einfach mit der für den Film essentiell wichtigen Welt deutscher Märchen, Mythen und Sagen wenig anfangen.

Das Bonusmaterial ist knapp, aber sehr informativ. Das sechzehnseitige Booklet enthält ein ausführliches Interview mit Christian Petzold und zwei Seiten über den Undine-Mythos. In der halbstündigen Berlinale-Pressekonferenz spricht Petzold ausführlich über die verschiedenen Aspekte des Films.

Vor einer Woche wurden die Nominierungen für den Europäischen Filmpreis verkündet. „Undine“ ist als „Bester Film“ und Paula Beer als „Beste Darstellerin“ nominiert. Der Preis wird zwischen dem 8. und 12. Dezember 2020 verliehen. Die ursprünglich in Island geplante Gala zur Preisverleihung entfällt aus offensichtlichen Corona-Gründen.

Undine (Deutschland/Frankreich 2020)

Regie: Christian Petzold

Drehbuch: Christian Petzold

mit Paula Beer, Franz Rogowski, Maryam Zaree, Jacob Matschenz, Anne Ratte-Polle, Rafael Stachowiak

DVD

Piffl Medien/good!movies

Bild 16:9 (2.39:1)

Ton: Deutsch (DD 5.1/2.0)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Berlinale-Pressekonferenz, Trailer, Booklet

Länge: 86 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Undine“ ist als DVD, Blu-ray, Stream und bei den verschiedenen Plattformen zum Kauf erhältlich.

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Undine“

Moviepilot über „Undine“

Metacritic über „Undine“

Rotten Tomatoes über „Undine“

Wikipedia über „Undine“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Undine“

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Phoenix“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Transit“ (Deutschland/Frankreich 2018)

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Undine“ (Deutschland/Frankreich 2020)

Christian Petzold in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 9. November: Transit

November 8, 2020

Arte, 20.15

Transit (Deutschland/Frankreich 2018)

Regie: Christian Petzold

Drehbuch: Christian Petzold

LV (frei nach): Anna Seghers: Transit, 1944/1947

Georg Seidler will aus Europa nach Mexiko flüchten. In Marseille wartet er auf das rettende Transitvisum und trifft auf die Frau des Mannes, dessen Identität er angenommen hat.

TV-Premiere. Christian Petzold verlegt Anna Seghers während des Zweiten Weltkriegs spielenden Roman in die Gegenwart. Mit einem sehr überzeugendem Ergebnis.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Franz Rogowski, Paula Beer, Godehard Giese, Lilien Batman, Maryam Zaree, Barbara Auer, Matthias Brandt, Sebastian Hülk, Antoine Oppenheim, Ronald Kukulies, Justus von Dohnányi, Alex Brendemühl, Trystan Pütter

Die lesenswerte Vorlage

ist in verschiedenen Ausgaben erhältlich, u. a.

 

Anna Seghers: Transit

Aufbau Taschenbuch, 2018

416 Seiten

12 Euro

Der Roman erschien zuerst 1944 in den USA auf englisch, anschließend in Mexiko auf spanisch und 1947 auf deutsch als Fortsetzungsroman in der Berliner Zeitung.

Spätere deutsche Veröffentlichungen bearbeiteten den Text.

Erst 2001 erschien im Rahmen der Werkausgabe die erste authentische deutsche Buchausgabe.

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Transit“

Moviepilot über „Transit“

Metacritic über „Transit“

Rotten Tomatoes über „Transit“

Wikipedia über „Transit“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Transit“

Meine Besprechung von Christian Petzolds “Phoenix” (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Transit“ (Deutschland/Frankreich 2018)

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Undine“ (Deutschland 2020)

Christian Petzold in der Kriminalakte

Bonushinweis

Seit einigen Tagen kann Christian Petzolds neuer Film „Undine“ online bei den einschlägigen Plattformen gekauft werden. Am 19. November veröffentlicht Piffl Medien/good!movies den Film als Stream, DVD- und Blu-ray.


Neu im Kino/Filmkritik: Zwei Schwestern in der Mongolei in „Schwarze Milch“

Juli 24, 2020

Die gebürtige Mongolin Wessi lebt seit Ewigkeiten in Deutschland. Ihre frühere Heimat ist ihr inzwischen so fern, dass ihr dominanter Mann Franz sogar glaubt, dass Wessis Gerede von ihrer Schwester nur Gerede sei. Aber eines Tages hat Wessi genug von Franz. Sie packt ihre Tasche und fliegt in die Mongolei zu ihrer Schwester Ossi.

Ossi lebt noch das traditionelle, harte Mongolenleben mitten in der menschenleeren Steppe, in der es deutlich mehr Tiere als Menschen gibt.

Es ist ein Leben, zu dem Wessi keine Verbindung mehr hat. Auch ihre Schwester kennt sie eigentlich nur aus Erinnerungen.

Das Selbstfindungsdrama „Schwarze Milch“ wird vom Verleih „semibiographisch“ genannt. Regisseurin, Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin Uisenma Borchu (sie spielt Wessi) kam als Kind aus der Mongolei in die damals noch existierende DDR. „Ich bin mongolisch und bin in den Jahren auch deutsch geworden. Damit beginnt für mich eine wahnsinnig interessante Kollision zweier Kulturen. Ob ich es wollte oder nicht, diese Kollision hat bisher mein Leben bestimmt“, sagt Borchu.

Gut dreißig Tage drehte sie in der Mongolei in der Wüste Gobi und einige Tage in der Hauptstadt Ulaanbaatar mit vielen Laiendarstellern, die sie teilweise schon länger kennt.

Es gibt viele semidokumentarische Aufnahmen vom harten Leben der Mongolen, inclusive einer Schlachtung (Keine Panik. Es war eine professionelle Schlachtung.). Es gibt etwas Sex in der Jurte. Es gibt Bilder, die auch in einem Softporno nicht weiter auffielen. Es gibt, selbstverständlich, etwas Streit zwischen den beiden Schwestern, die sich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen haben. Und Wessi verstößt, unwissentlich, gegen hehre Traditionen.

Nur fehlt die leitende, die Szenen und Ereignisse zusammenhaltende Frage und die damit verbundene emotionale Reise. Die Szenen reihen sich aneinander, ohne dass erkennbar ist, warum sie in dieser und nicht in irgendeiner anderen Abfolge gezeigt werden und wie sie Wessis in irgendeiner Weise näher an ihr Ziel bringen. Auch weil unklar ist, was sie sich genau von ihrer Reise zu ihrer Schwester erhofft.

Es ist halt einfach unklar, worum es in diesem weiblichen Selbstfindungsdrama gehen soll.

Aber vielleicht fehlt mir im Moment einfach die Sensibilität für weibliche Selbstfindungsdramen und ich bin mit harmlos-herzigen Komödien wie „Master Cheng in Pohjanjoki“ (läuft nächsten Donnerstag an) besser bedient.

Schwarze Milch (Khar Suu, Deutschland 2020)

Regie: Uisenma Borchu

Drehbuch: Uisenma Borchu

mit Uisenma Borchu, Gunsmaa Tsogzol, Terbish Demberel, Franz Rogowski, Borchu Bawaa, Bud-Ochir Tegshee, Bayarsaikhan Renchinjugder

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Schwarze Milch“

Moviepilot über „Schwarze Milch“

Rotten Tomatoes über „Schwarze Milch“

Berlinale über „Schwarze Milch“


Neu im Kino/Filmkritik: Christian Petzold erzählt die Geschichte von „Undine“ neu

Juli 5, 2020

Mit dem Känguru verabschiedete das Kino sich in die Corona-Auszeit. Mit Undine wird diese Zwangspause, unter Einhaltung der Abstandsregeln, beendet und wenn die Infektionszahlen in Deutschland so bleiben, wie sie im Moment sind, können die Kinos in den kommenden Wochen und Monaten geöffnet bleiben. Möglicherweise werden die Regeln demnächst sogar gelockert und Kinos (und auch Theater und bestuhlte Konzertsäle) nähern sich langsam wieder einem normaleren Betrieb. Denn die aktuellen Abstandsregeln hier in Berlin – jede zweite Reihe bleibt leer, zwischen den Gästen sind immer mindestens zwei Plätze frei – ermöglichen keinen gewinnbringenden, sondern, sogar unter den allergünstigsten Bedingungen nur einen nicht zu verlustreichen Betrieb. Aktuell rechnen alle Kinobetreiber, die sich in den Medien äußerten und mit denen ich mich unterhalten habe, mit einer Höchstauslastung zwischen zwanzig und dreißig Prozent. Wenn in der Hauptstadt der Singles für eine Vorstellung nur abstandsbewusste Singles Eintrittskarten kaufen, sitzen natürlich noch weniger zahlende Zuschauer im Kino.

In diesem Umfeld startet Christian Petzolds neuer Film „Undine“, in dem er den Mythos der Wasserfrau Undine in die Gegenwart und, jedenfalls zu einem großen Teil, nach Berlin, einer Stadt mit einem sehr feuchten Untergrund und vielen Flüssen, verlegt.

Petzolds Undine (Paula Beer) ist eine typische junge Großstadtfrau. Sie lebt allein in einem anonymen Apartment und erklärt als Stadthistorikerin (per Honorarvertrag) in der Senatsstelle für Stadtentwicklung an Miniaturmodellen Berlin-Besuchern die Baugeschichte Berlins. Ihrem letzten Freund hat sie gerade, nachdem er sie für eine andere Frau verlassen hat, Himmel und Hölle an den Hals gewünscht.

Kurz darauf trifft sie den Industrietaucher Christoph (Franz Rogowski), ein riesiges Aquarium in einem Restaurant zerbirst und die altbekannte Geschichte von Undine beschreitet über und unter Wasser zwischen Berlin und einem Staudamm in der Nähe von Köln neue Wege. In dem Stausee soll auch ein riesiger Wels leben, der sich in einem der gefluteten Gebäude und Höhlen versteckt.

Auf der Berlinale wurde „Undine“ abgefeiert. Paula Beer erhielt für ihr Spiel einen Silbernen Bären. Und „Undine“ hat auch alles, was man von einem Petzold-Film erwarten kann. Das Drehbuch verknüpft geschickt mehrere Bedeutungsebenen und Interpretationsfolien miteinander. In diesem Fall trifft die mythische Welt des Märchens auf den prosaischen Großstadtalltag der Twenty/Thirty-Somethings.

Undine ist in der Mythologie die Wasserfrau, die zum Mann kommt, der unglücklich verliebt ist. Sobald der Mann sie verrät, muss er sterben. Er ertrinkt in einer Wasserblase. Und Undine muss zurück ins Wasser. Petzold ließ sich bei seiner Interpretation des Undine-Mythos von Peter von Matts „Liebesverrat“ (in dem es ein Kapitel über den Undine-Mythos gibt) und Ingeborg Bachmanns Erzählung „Undine geht“ inspirieren. Bachmann erzählt in ihrer Neuinterpretation die Geschichte von Undine aus Undines Sicht und bei Bachmann sind die Männer niemals treu, weil sie sich nur selber lieben. Petzolds Undine versucht ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Sie will nicht wieder zurück in das Wasser.

Im Film gibt es klug platzierte Zitate. Schließlich ist Petzold ein stilbewusster Regisseur, der die Filmgeschichte kennt. Die Schauspieler sind gewohnt gut. Die Inszenierung ebenso. Da gibt es nichts zu mäkeln.

Aber mich hat die Geschichte von Undine vollkommen kalt und desinteressiert zurückgelassen. Das Liebesdrama berührte mich nicht. Weder im Positiven, noch im Negativen – und dabei haben mir Petzolds frühere Filme ausnahmslos gut gefallen.

Das ändert nichts daran, dass „Undine“ sehenswert ist. Es ist halt nur kein Film für mich.

Undine (Deutschland/Frankreich 2020)

Regie: Christian Petzold

Drehbuch: Christian Petzold

mit Paula Beer, Franz Rogowski, Maryam Zaree, Jacob Matschenz, Anne Ratte-Polle, Rafael Stachowiak

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Undine“

Moviepilot über „Undine“

Metacritic über „Undine“

Rotten Tomatoes über „Undine“

Wikipedia über „Undine“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Undine“

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Phoenix“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Transit“ (Deutschland/Frankreich 2018)

Christian Petzold in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 20. Mai: Happy End

Mai 19, 2020

Arte, 20.15

Happy End (Happy End, Frankreich/Deutschland/Österreich 2017)

Regie: Michael Haneke

Drehbuch: Michael Haneke

Bitterböses Porträt einer Bauunternehmerfamilie, in der der Patriarch sich umbringen will, die Tochter die Geschäfte führt, der Sohn fremdgeht und ihre Kinder sich so überhaupt nicht für die Firmennachfolge empfehlen.

Böswillig gesagt ist „Happy End“ ein Haneke Best-of. Schlecht ist das nicht, aber halt nicht so wahnsinnig innovativ und nicht so grandios, wie seine besten Werke.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Isabelle Huppert, Jean-Louis Trintignant, Mathieu Kassovitz, Fantine Harduin, Franz Rogowski, Laura Verlinden, Toby Jones, Hassam Ghancy, Nabiha Akkari

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Happy End“

Filmportal über „Happy End“

Moviepilot über „Happy End“

Metacritic über „Happy End“

Rotten Tomatoes über „Happy End“

Wikipedia über „Happy End“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Thomas Assheuers Interviewbuch “Nahaufnahme: Michael Haneke” (2010)

Michael Haneke in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Michael Hanekes „Liebe“ (Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)

Meine Besprechung von Michael Hanekes „Happy End“ (Happy End, Frankreich/Deutschland/Österreich 2017)

Buchtipp

Schon vor über einem Jahr erschienen und mit deutlich über eintausendreihundert Seiten kein leichtes Buch: „Die Drehbücher“ von Michael Haneke. Es enthält die Drehbücher der Kinofilme von Michael Haneke. Das sind „Der siebente Kontinent“ (1989), „Benny’s Video“ (1992), „71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls“ (1994), „Der Kopf des Mohren“ (1995, verfilmt von Paulus Manker), „Funny Games“ (1997, US-Remake 2008), „Code: Unbekannt“ (2000), „Die Klavierspielerin“ (2001), „Wolfzeit“ (2003), „Caché“ (2005), „Das weiße Band“ (2009), „Liebe“ (2012), „Flashmob“ (noch nicht verfilmt) und „Happy End“ (2017).

Für Cineasten ein Pflichtkauf.

Michael Haneke: Die Drehbücher

Hoffmann und Campe, 2019

1344 Seiten

54 Euro


TV-Tipp für den 18. Februar: Victoria

Februar 17, 2020

WDR, 22.10

Victoria (Deutschland 2015)

Regie: Sebastian Schipper

Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz

Eine Nacht in Berlin: vier Jungs treffen eine Spanierin. Sie zeigen ihr ihren Kiez, reden mit ihr, nehmen sie zu einem Banküberüberfall mit, der schiefgeht und müssen flüchten.

Inzwischen dürfte der große Clou von Schippers Film bekannt sein: er drehte die Liebes- und Gangstergeschichte ohne einen einzigen Schnitt.

Dafür hat Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der mit der schweren Kamera die Protagonisten an all die Orte begleiten musste, ein Extra-Lob verdient.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André Hennicke

Hinweise
Homepage zum Fillm
Berlinale über „Victoria“
Filmportal über „Victoria“
Film-Zeit über „Victoria“
Moviepilot über „Victoria“
Wikipedia über „Victoria“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Victoria“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Roads“ (Deutschland/Frankreich 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Terrence Malick erzählt „Ein verborgenes Leben“

Januar 30, 2020

Nachdem die letzten Filme von Terrence Malick immer esoterisch-religiös verschwurbelter wurden und sie nur noch für einen immer kleineren Kreis restlos Überzeugter genießbar sind, waren meine Erwartungen an seinen neuen Film denkbar gering. Auch wenn es hieß, dass „Ein verborgenes Leben“ wieder traditioneller erzählt sei. Malick erzählt die wahre Geschichte von Franz Jägerstätter, einem österreichischen Bauern, der 2007 von der römisch-katholischen Kirche zum Seligen ernannt wurde. Er verweigerte den Kriegsdienst. Dafür wurde er wegen Wehrkraftzersetzung am 9. August 1943 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Das klingt, angesichts von Malicks vorherigen Filmen „The Tree of Life“, „To the Wonder“, „Knight of Cups“ und „Song to Song“, schon auf dem Papier nach einem denkbar ungenießbarem religiösen Traktat. Und das war wahrscheinlich auch genau das, was Terrence Malick vor und während der Dreharbeiten, die im Sommer 2016 waren, plante. Aber irgendwann während des Schnitts scheint sich seine Einstellung zum Glauben zu einer wesentlich distanzierteren, möglicherweise sogar atheistischen Position verändert zu haben.

So ist „Ein verborgenes Leben“ jetzt ein Film über einen zutiefst religiösen Menschen, der sich weigert, die Geschichte eines zutiefst religiösen Menschen zu erzählen. Immer dann, wenn Malick Jägerstätters Glauben thematisieren könnte, immer dann, wenn er Jägerstätters Motive aus seinem Glauben erklären könnte, immer dann, wenn er aus diesem Glauben heraus ein kraftvolles Argument für die Ablehnung des Krieges machen könnte, schreckt er zurück. Sicher. Sein Glaube und die Gründe für seine Kriegsdienstverweigerung werden angesprochen. Es wird auch gebetet und einige Geistliche reden mit Jägerstätter über seine Handlungen. Aber es sind keine tiefgründigen Dialoge. Es sind eher lästige Pflichterfüllungen, die ein überwältigendes Desinteresse am Leben und den Ansichten des Porträtierten zeigen. Weil Malick Jägerstätter zu einem großen Schweiger werden lässt, wird auch kaum deutlich, warum er als Vorbild dienen könnte und warum er Jahrzehnte nach seinem Tod, nachdem sein Schicksal bekannter wurde, andere Menschen inspirierte.

Das spricht jetzt nicht gegen den Film. Im Gegenteil! Schließlich umgeht Malick so die inhaltlichen Fallen eines naiven Faith-based-Films. Optisch spielt Malick sowieso in einer ganz anderen Liga.

Weil Malick dieses Mal seine Geschichte weitgehend chronologisch erzählt, ist der Film deutlich zugänglicher als seine vorherigen Filme. Diese wurden seit „The new World“ immer assoziativer und damit auch offen für jede Interpretation. Das beliebige Potpourri aus Bildern und Tönen war immer schön anzusehen, aber auch todsterbenslangweilig. Das kann über „Ein verborgenes Leben“ nicht gesagt werden.

Trotzdem ist „Ein verborgenes Leben“ meilenweit von einem konventionellem Hollywood-Biopic entfernt. Malick bricht die Chronologie immer wieder auf. Er schweift ab. Immer wieder scheint die Geschichte in einer Wiederholungsschleife gefangen zu sein. Das trifft besonders auf die Szenen im Gefängnis zu, wenn Jägerstätter der Monotonie des Gefängnisalltags ausgesetzt ist. Malick nimmt sich Zeit, Jägerstätter, seine Frau und seine Kinder lange Zeit zu beobachten, wenn sie ihrer alltäglichen Arbeit auf ihrem abgelegenem Hof in St. Radegund, Oberösterreich, nachgehen oder mit ihren drei Töchtern Blinde Kuh spielen. Kameramann Jörg Widmer verfolgt dabei die Schauspieler so schwebend, wie man es aus Malicks vorherigen Filmen „The new World“, „The Tree of Life“, „To the Wonder“, „Knight of Cups“ und „Song to Song“ kennt. Für die war Emmanuel Lubezki der stilbildende Kameramann. Widmer war der Steadicam-Operator. Entsprechend vertraut ist er mit diesem sehr leicht wieder zu erkennendem Stil des Teams Lubezki/Malick.

Es gibt, selbstverständlich, viel Voice-Over und in der Originalfassung wird immer wieder willkürlich zwischen Deutsch und Englisch gewechselt. Im Gegensatz zu anderen Filmen, wo mich das wahnsinnig störte, störte es mich hier nicht. Es passt zu der medidativen Malick-Stimmung.

Ein verborgenes Leben“ ist Malicks zugänglichster und auch bester Film seit „Der schmale Grat“ (The thin red Line).

Ein verborgenes Leben (A hidden life, Deutschland/USA 2019)

Regie: Terrence Malick

Drehbuch: Terrence Malick

mit August Diehl, Valerie Pachner, Maria Simon, Karin Neuhäuser, Tobias Moretti, Ulrich Matthes, Matthias Schoenaerts, Franz Rogowski, Karl Markovics, Bruno Ganz, Michael Nyqvist, Martin Wuttke, Sophie Rois, Alexander Fehling, Joel Basman, Jürgen Prochnow

Länge: 174 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „Ein verborgenes Leben“

Moviepilot über „Ein verborgenes Leben“

Metacritic über „Ein verborgenes Leben“

Rotten Tomatoes über „Ein verborgenes Leben“

Wikipedia über „Ein verborgenes Leben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „To the Wonder“ (To the Wonder, USA 2012)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Knight of Cups“ (Knight of Cups, USA 2015)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Song to Song“ (Song to Song, USA 2017)

Meine Besprechung von Dominik Kamalzadeh/Michael Peklers “Terrence Malick” (2013)

Terrence Malick in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 9. Februar: Victoria

Februar 8, 2019

3sat, 20.15

Victoria (Deutschland 2015)

Regie: Sebastian Schipper

Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz

Eine Nacht in Berlin: vier Jungs treffen eine Spanierin. Sie zeigen ihr ihren Kiez, reden mit ihr, nehmen sie zu einem Banküberüberfall mit, der schiefgeht und müssen flüchten.

Inzwischen dürfte der große Clou von Schippers Film bekannt sein: er drehte die Liebes- und Gangstergeschichte ohne einen einzigen Schnitt.

Dafür hat Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der mit der schweren Kamera die Protagonisten an all die Orte begleiten musste, ein Extra-Lob verdient.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André Hennicke

Hinweise
Homepage zum Fillm
Berlinale über „Victoria“
Filmportal über „Victoria“
Film-Zeit über „Victoria“
Moviepilot über „Victoria“
Wikipedia über „Victoria“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Victoria“ (Deutschland 2015)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über Christian Petzolds Anna-Seghers-Verfilmung „Transit“

April 5, 2018

Georg, ein Mittzwanziger, hängt in Marseille fest. Wie unzählige andere Flüchtlinge. Er wartet und steht in Schlangen bei verschiedenen Konsulaten, um an Visa und Transitbescheinigungen zu gelangen. Denn er darf nur dann in der Hafenstadt bleiben, wenn er sie verlassen will. Das ist allerdings leichter gesagt, als getan, denn die verschiedenen Bescheinigungen, die unterschiedliche Gültigkeitstage haben, erhält er nur nacheinander von verschiedenen Staaten, die sich untereinander nicht absprechen, und er kann erst dann abreisen, wenn er einen lückenlosen Reiseweg nachweisen kann. Dieses kafkaeske Labyrinth schildert Anna Seghers in ihrem Roman „Transit“, den sie während ihrer Flucht schrieb und der erstmals 1944 veröffentlicht wurde, ausführlicher als Christian Petzold in seiner grandiosen Verfilmung, in der er frei mit der Vorlage umging, aber ihrem Geist treu blieb.

Die größte und augenfälligste Veränderung ist dabei Petzolds Entscheidung, den Film nicht während des Zweiten Weltkriegs, sondern in der Gegenwart spielen zu lassen. Das fällt, wegen der historischen Kulisse, den zeitlosen Kleidern und dem Verzicht auf fast alles, was den Film eindeutig in der Gegenwart verortet, kaum auf. Auch die Dialoge, teils aus Seghers Roman, teils in diesem Stil, sind eher im Duktus der vierziger Jahre als in dem der Gegenwart gehalten. Hier gibt es die zweite große Veränderung zum Roman. Der Roman wird von einem Ich-Erzähler, von dem wir nur den Nachnamen Seidler kennen, erzählt. Im Film gibt es einen Voice-Over-Erzähler. Es ist ein Barkeeper. Die Verlegung der Geschichte in die Gegenwart wirkt daher eher wie ein Verfremdungseffekt, der mühelos die Geschichte aus ihrem historischen Korsett befreit und in die Gegenwart transportiert. Petzold muss die aktuellen Flüchtlingsbewegungen im Film nicht ansprechen. Durch die Filmgeschichte sind sie immer präsent.

Das gilt auch für den Rechtsruck und die verschiedenen Renationalisierungstendenzen. Durch den einfachen Trick, Gegenwart und Vergangenheit übereinanderzulegen, wird die Vergangenheit erschreckend lebendig.

Ich konnte mir vorstellen, dass jemand mit einem Anzug und einem Seesack am Hafen von Marseille langläuft, sich einmietet in ein Hotel und sagt: ‚In drei Tagen kommen die Faschisten, ich muss hier raus.‘ Das hat mich überhaupt nicht irritiert. Und das irritiert mich, dass es mich nicht irritierte. Das hieß für mich, dass die Fluchtbewegungen, die Ängste, die Traumata, die Geschichten der Menschen, die vor über 70 Jahren in Marseille festhingen, sofort verständlich sind. Die müssen überhaupt nicht erklärt werden. Das fand ich überraschend. (…)

Transiträume sind immer Balanceakte. Wir mussten immer die Balance halten zwischen etwas, das man heute noch findet, und etwas, das die Zeichen nicht zu modern macht. Wir wollten keine Blase von alten Gespenstern, die durch das heutige Marseille laufen, sondern diese Gespenster sind von heute.“ (Christian Petzold)

Während der Roman vor allem eine Ode an den Stillstand ist, werden im Film stärker Beziehungen und Geschichten herausgearbeitet. Die Personen, die im Roman immer flüchtig sind, werden konkreter und plastischer. Sie haben Geschichten, die schon im Buch vorhanden sind. Zum Beispiel die von Marie, die jetzt bei einem Arzt lebt, für den sie ihren Mann, den Schriftsteller Weidel, verlassen hat. Trotzdem möchte sie zurück zu Weidel und, weil sie hörte, dass er in Marseille sei, sucht sie ihn in den Cafés und Gassen der Hafenstadt. Auf ihrer Suche trifft sie Georg, der in Paris durch einen Zufall an den letzten, noch nicht veröffentlichten Roman und einige Briefe von Weidel gelangt ist. Es dauert lange, bis Georg erfährt, wenn Marie sucht. Bis dahin gelangt er, als bekannter Schriftsteller, mühelos an die benötigten und schon genehmigten Papiere für seine Reise nach Mexiko. Er begegnet einem Komponisten, der für verschiedene Transitvisa ansteht und einer Frau mit zwei Hunden. Er spielt Fußball mit einem Jungen, der zu seinem Begleiter wird.

Es sind oft wiederholte Begegnungen, aus denen sich im herkömmlichen Sinn keine Geschichte ergibt und es ist, im Roman stärker als im Film, auch die Beschreibung eines Vakuums. Eigentlich ist Georg in dem Alter, in dem er Erfahrungen machen sollte, an die er sich später erinnern möchte und die sein späteres Leben bestimmen. Aber in Marseille hängt er, wie die anderen Flüchtlinge, nur herum. Wie Zombies in einer Wartehalle.

Transit (Deutschland/Frankreich 2018)

Regie: Christian Petzold

Drehbuch: Christian Petzold

LV (frei nach): Anna Seghers: Transit, 1944/1947

mit Franz Rogowski, Paula Beer, Godehard Giese, Lilien Batman, Maryam Zaree, Barbara Auer, Matthias Brandt, Sebastian Hülk, Antoine Oppenheim, Ronald Kukulies, Justus von Dohnányi, Alex Brendemühl, Trystan Pütter

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die lesenswerte Vorlage

ist aktuell in verschiedenen Ausgaben erhältlich

Anna Seghers: Transit

Aufbau Verlag

304 Seiten

10 Euro (Taschenbuch)

3,49 Euro (Ebook)

Umfangreicher (wegen fast hundert Seiten Bonusmaterial) als Teil der Werkausgabe (Das erzählerische Werk I/5) von 2001

384 Seiten

30 Euro

Der Roman erschien zuerst 1944 in den USA auf englisch, anschließend in Mexiko auf spanisch und 1947 auf deutsch als Fortsetzungsroman in der Berliner Zeitung.

Spätere deutsche Veröffentlichungen bearbeiteten den Text.

Erst 2001 erschien im Rahmen der Werkausgabe die erste authentische deutsche Buchausgabe.

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Transit“

Moviepilot über „Transit“

Metacritic über „Transit“

Rotten Tomatoes über „Transit“

Wikipedia über „Transit“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Transit“

Meine Besprechung von Christian Petzolds “Phoenix” (Deutschland 2014)

Christian Petzold in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 18. November: Victoria

November 17, 2017

One, 21.45

Victoria (Deutschland 2015)

Regie: Sebastian Schipper

Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz

Eine Nacht in Berlin: vier Jungs treffen eine Spanierin. Sie zeigen ihr ihren Kiez, reden mit ihr, nehmen sie zu einem Banküberüberfall mit, der schiefgeht und müssen flüchten.

Inzwischen dürfte der große Clou von Schippers Film bekannt sein: er drehte die Liebes- und Gangstergeschichte ohne einen einzigen Schnitt.

Dafür hat Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der mit der schweren Kamera die Protagonisten an all die Orte begleiten musste, ein Extra-Lob verdient.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André Hennicke

Wiederholung: Montag, 20. November, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Homepage zum Fillm
Berlinale über „Victoria“
Filmportal über „Victoria“
Film-Zeit über „Victoria“
Moviepilot über „Victoria“
Wikipedia über „Victoria“

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Victoria“ (Deutschland 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: Muxmäuschenstill ist jetzt „Fikkefuchs“

November 16, 2017

Vor dreizehn Jahren spielte Jan Henrik Stahlberg in dem von ihm mitgeschriebenen Film „Muxmäuschenstill“ Mux, einen gescheiterten Philosophiestudent, der jetzt den Menschen wieder Verantwortung beibringen will. Er geht gegen Ordnungswidrigkeiten und schlechtes Benehmen vor. Er stellt die über seine Aktionen gedrehten Filme ins Internet und wird zum Gründer einer Bewegung. Und so nett und sympathisch, wenn auch etwas rechthaberisch Mux am Anfang ist, so schnell wird auch das hinter seinen Aktionen stehende faschistoide und reaktionäre Gedankengut offensichtlich. Auch wenn jeder manchmal gerne wie Mux wäre und viele Szenen in der in schönster Guerilla-Manier gedrehte,n tiefschwarzen Berlin-Komödie unglaublich komisch sind.

Danach war Stahlberg auf diese Rolle festgelegt.

Für seinen neuesten, ähnlich kompromisslosen, aber deutlich weniger publikumsträchtigen Film griff er auf die aus „Muxmäuschenstill“ bewährten Strategien zurück. Auch „Fikkefuchs“ entstand als No-Budget-Produktion. Er musste keine Kompromisse mit irgendwelchen Geldgebern, Produzenten oder Redakteuren machen. Er geht, wieder, vollkommen in seiner Rolle auf. Er spielt Richard Ockers, genannt „Rocky“. Er nennt sich den „größten Stecher von Wuppertal“. Inzwischen lebt der End-Vierziger allein in Berlin in einer abgeranzten Wohnung. Überall prahlt er mit seinen wahrscheinlich schon immer imaginären Sex-Abenteuern mit jungen Frauen. Ebenso wortreich pflegt er seinen Hass auf Frauen und den Rest der Welt. Er ist, selten durch etwas Bildungsbürgertum getarnt, ein frauenfeindliches Arschloch, das sich für den Größten hält, immer noch sehr jungen Frauen hinterhersteigt und aussieht, wie ein ungewaschen aus dem Klo gezogener Zwillingsbruder von Michel Houellebecq. Ohne dessen intellektuelle Brillanz.

Eines Tages liegt Thorben (Franz Rogowski) vor seiner Tür. Er ist sein Sohn. Bis jetzt wusste Rocky nicht, dass er überhaupt einen Sohn hat. Zögernd nimmt er ihn bei sich auf und will ihm dann erklären, wie das so mit dem Aufreißen von Frauen geht. Denn Thorben floh aus der Psychiatrie. Dort war der Mittzwanziger wegen versuchter Vergewaltigung. Seine sexuellen Erfahrungen beziehen sich bis jetzt auf den maßlosen Konsum von Pornos, während seine Gedanken, die er normalerweise ungefiltert äußert, sich nur um Sex mit Frauen drehen.

Vater und Sohn sind also ein Traumgespann der Misogynie, mit dem man im echten Leben nicht mehr Zeit als nötig verbringen möchte. Stahlberg, der auch die Regie übernahm und zusammen mit Krimiautor Wolfram Fleischhauer das Drehbuch schrieb, und Franz Rogowski, der seinen Sohn spielt, werfen sich hundertfünfzigprozentig in ihre Rollen und die daraus permanent entstehenden, abstoßenden Fremdschäm-Momente.

Das ist der große Unterschied zwischen „Muxmäuschenstill“ und „Fikkefuchs“. In „Muxmäuschenstill“ konnte man mit Mux mitfühlen und auch Gemeinsamkeiten erkennen. Man konnte über das Thema des Films miteinander ins Gespräch kommen. Die Satire und die daraus resultierenden Überspitzungen waren immer erkennbar.

In „Fikkefuchs“ ist der satirische Aspekt unklar. Damit ist auch unklar, wie sehr Stahlberg sich selbst darstellt beziehungsweise seine eigenen Gefühle und Ansichten äußerst; – diese Frage stellt sich ja auch bei den Werken von Michel Houellebecq, der – wahrscheinlich – genau die Ansichten hat, die seine Figuren haben.

Es gibt in „Fikkefuchs“ auch keine Möglichkeit zur Identifikation. Man kann und will sich nicht mit den gezeigten Männern, vor allem dem Vater-und-Sohn-Gespann identifizieren. Sie sind sex- und notgeile, unbefriedigte, ihre Unsicherheit durch frauenfeindliche Sprüche tarnende Männlein. Da ist während des gesamten Films keine Entwicklung und auch keine zweite Ebene spürbar.

Es gibt auch nie eine filmische Überhöhung. Das liegt weniger an dem schmalen Budget, sondern daran, dass der quasi-dokumentarische, schäbige, mit seinen blassen Farben fast schon krank aussehende Look gewollt ist.

In „Fikkefuchs“ gibt es ein, zugegeben, kompromissloses und in sich geschlossenes Gemisch von Frauenhass, selten getarnt als Vergötterung der jungen, quasi jungfräulichen Frau, Dummheit und Selbstverblendung.

Dass Stahlberg nicht davor zurückschreckt, dem Publikum diesen Brocken vor die Füße zu werfen und dass er dabei einer Vision folgt, ist ihm hoch anzurechnen. Aber wirklich sehenswert oder erkenntnisreich ist der polarisierende Film nicht.

Fikkefuchs (Deutschland 2017)

Regie: Jan Henrik Stahlberg

Drehbuch: Jan Henrik Stahlberg, Wolfram Fleischhauer

mit Jan Henrik Stahlberg, Franz Rogowski, Thomas Bading, Susanne Bredehöft, Jan Pohl, Hans Ullrich Laux, Roald Schramm, Saralisa Volm

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Fikkefuchs“

Moviepilot über „Fikkefuchs“

Wikipedia über „Fikkefuchs“

Homepage von Wolfram Fleischhauer


Neu im Kino/Filmkritik: Ein „Happy End“ bei Michael Haneke???

Oktober 12, 2017

Einen typischen Feelgood-Film erwartet niemand von Michael Haneke, dem Regisseur von „Benny’s Video“, „Funny Games“ und, zuletzt, den Erfolgen „Das weiße Band“ und „Liebe“. Der Film erhielt vorn fünf Jahren die Palme d’Or in Cannes und in einem kurzen Moment, auch weil Isabelle Huppert wieder die Tochter von Jean-Louis Trintignant spielt, kann man glauben, dass „Happy End“ eine Fortsetzung von „Liebe“ ist. Es wird nämlich ein Ereignis erwähnt, das es auch in „Liebe“ gab: George erstickte seine todkranke Frau. In dem Moment erscheint „Happy End“ die Geschichte von „Liebe“ über die letzten Tage eines großbürgerlichen Pariser Ehepaares fortzusetzen.

Aber das ist Quatsch.

Denn im Mittelpunkt von „Happy End“ steht die Familie Laurent. Seit Jahrzehnten besitzt sie in Calais ein Bauunternehmen und lebt in einem Anwesen. Der Patriarch Georges (Jean-Louis Trintignant) leidet an Demenz und hegt Suizidgedanken, die er beharrlich, aber erfolglos in die Tat umsetzen will. Seine Tochter Anne (Isabelle Huppert) führt das Unternehmen straff und zielgerichtet. Ihr Sohn Pierre (Franz Rogowski) ist der designierte, aber ungeeignete Nachfolger. Ihr Bruder Thomas (Mathieu Kassovitz) ist Arzt, der jetzt seine zwölfjährige Tochter Ève (Fantine Harduin) bei sich und damit den Laurents aufnimmt. Èves Mutter hat sich mit Tabletten vergiftet.

Georges erblickt in ihr eine Verbündete. Dabei passt sie, wie er erst später feststellt, hervorragend in die dysfunktionale Familie Laurent, in der Humanität sich als gutes Angebot für eine außergerichtliche Einigung an die Angehörigen eines bei einem Bauunfall umgekommenen Arbeiters versteht.

Über zwei Stunden entwirft Haneke die „Momentaufnahme einer bürgerlichen europäischen Familie“. Es ist ein satirisches Porträt. Eine Abfolge von mehr oder weniger eindeutig zuordenbarer Szenen, die in sich gelungen sind, insgesamt aber emotional wenig bewegen oder neue Erkenntnisse liefern. Die Reichen sind amoralisch und unfähig zu irgendeiner Form von Mitgefühl oder menschlicher Nähe. Das kennt man aus älteren Haneke-Filmen. Aber dieses Mal verzichtet er auf eine Geschichte. Fast alle für die Handlung wichtigen Ereignisse sieht man nicht, sondern erfährt erst später von ihnen, wenn eine Person einer anderen davon erzählt. Nie schält sich so etwas wie ein Hauptplot heraus, weil „Happy End“ überhaupt nicht daran interessiert ist. Und selbstverständlich ist kein Mitglied der Familie Laurent sympathisch oder taugt zum Sympathieträger. Das war auch in den anderen Haneke-Filmen nicht anders. Aber dieses Mal interessiert man sich für keinen Charakter und keiner hat im Film eine dramaturgische Fallhöhe oder macht eine Entwicklung durch. Das würde Hanekes Botschaft stören und würde natürlich auch der Absicht eines durch und durch pessimistischen Sittenbildes einer normalen bürgerlichen, sich selbst genügenden Familie zuwiderlaufen. Oder in den Worten der offiziellen Synopse: „’Rundherum die Welt und wir mittendrin, blind.‘ Die Momentaufnahme einer bürgerlichen europäischen Familie.“

Bei Michael Haneke weiß man, was man erhält. Auch wenn sein neuester Film die Geschlossenheit früherer Werke vermissen lässt zugunsten eines Haneke-Best-of, bei dem selbstverständlich auch die Medienkritik nicht fehlt. Das ist nicht schlecht, aber auch enttäuschend.

Happy End (Happy End, Frankreich/Deutschland/Österreich 2017)

Regie: Michael Haneke

Drehbuch: Michael Haneke

mit Isabelle Huppert, Jean-Louis Trintignant, Mathieu Kassovitz, Fantine Harduin, Franz Rogowski, Laura Verlinden, Toby Jones, Hassam Ghancy, Nabiha Akkari

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Happy End“

Filmportal über „Happy End“

Moviepilot über „Happy End“

Metacritic über „Happy End“

Rotten Tomatoes über „Happy End“

Wikipedia über „Happy End“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Thomas Assheuers Interviewbuch “Nahaufnahme: Michael Haneke” (2010)

Michael Haneke in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Michael Hanekes „Liebe“ (Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)


TV-Tipp für den 3. Mai: Victoria

Mai 3, 2017

Arte, 20.15

Victoria (Deutschland 2015)

Regie: Sebastian Schipper

Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz

Eine Nacht in Berlin: vier Jungs treffen eine Spanierin. Sie zeigen ihr ihren Kiez, reden mit ihr, nehmen sie zu einem Banküberüberfall mit, der schiefgeht und müssen flüchten.

Inzwischen dürfte der große Clou von Schippers Film bekannt sein: er drehte die Liebes- und Gangstergeschichte ohne einen einzigen Schnitt.

Dafür hat Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der mit der schweren Kamera die Protagonisten an all die Orte begleiten musste, ein Extra-Lob verdient.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André Hennicke

Hinweise
Homepage zum Fillm
Berlinale über „Victoria“
Filmportal über „Victoria“
Film-Zeit über „Victoria“
Moviepilot über „Victoria“
Wikipedia über „Victoria“

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Victoria“ (Deutschland 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Victoria“ – ein Film ohne Schnitte

Juni 11, 2015

Zum Film gehört der Schnitt. Mit Schnitten werden Geschichten erzählt. Sie akzentuieren das Geschehen, sie stellen Zusammenhänge her, sie vermitteln Informationen. Und genau deshalb sind Filmemacher immer wieder von der Idee fasziniert, einen Film ohne einen einzigen Schnitt herzustellen. Solange das technisch unmöglich war, wurde mit Tricks gearbeitet. Das bekannteste Bespiel dürfte Alfred Hitchcocks „Rope – Cocktail für eine Leiche“ (USA 1948) sein. Ein verfilmtes Theaterstück, das schon deshalb die Einheit von Raum und Zeit hatte.
Fast unbekannt ist Josh Beckers „Running Time – Der fast perfekte Überfall“ (USA 1997), ein siebzigminütigr SW-Gangsterfilm mit Bruce Campbell, der zu einem großen Teil auf den Straßen von Los Angeles spielt und die Geschichte eines schief gehenden Überfalls erzählt. Eine sehr gelungene, fast unbekannte Fingerübung; wobei auch hier, wie bei „Rope“, etwas geschummelt wurde.
Ein jüngeres Beispiel ist Aleksandr Sokurovs „Russian Ark – Eine einzigartige Zeitreise durch die Eremitage“ (Russland/Deutschland 2002). In einer einzigen Kamerafahrt durch die Räume der Eremitage werden drei Jahrhunderte russischer Geschichte lebendig. Der Film war, wegen der 2000 beteiligten Schauspieler, eine logistische Herausforderung.
Vor einem halben Jahr kam Alejandro González Iñárritus „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ (USA 2014) in unsere Kinos. Ein mitreisender Film, der ohne einen erkennbaren Schnitt von den hektischen Stunden und den Ängsten des Regisseurs vor der Premiere eines Theaterstücks erzählt.
Und jetzt „Victoria“, ein einhundertvierzig-minütiger Brocken von einem Film, der die Geschichte eines schief gehenden Überfalls erzählt, der in Berlin spielt und der ohne einen einzigen Schnitt gedreht wurde, was vor allem für den Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der bei der ganzen Lauferei auch immer die Kamera schleppen musste, auch eine physische Herausforderung war.
Dabei beginnt die Nacht eigentlich ganz ruhig. Victoria (Laia Costa) aus Madrid tanzt selbstvergessen in einer Disco und will sich gerade auf den Heimweg machen, als sie Sonne (Frederick Lau), Boxer (Franz Rogowski), Blinker (Burak Yigit) und Fuß (Max Mauff) trifft und spontan beschließt, mit den vier Berliner Jungs noch etwas abzuhängen. Die Jungs blödeln, zeigen ihr ihre Welt, reden über Gott und die Welt und dass sie noch etwas vor haben.
Durch ein, zwei dumme Zufälle soll Victoria ihnen dann bei einem Banküberfall helfen.
Sebastian Schipper („Absolute Giganten“) erzählt hier in einer kurzen Zeitspanne einen großen emotionalen Bogen von jugendlicher Unbeschwertheit bis hin zu tiefster Verzweiflung und er scheut dabei niemals die großen Gefühle.
Mit 140 Minuten ist „Victoria“ allerdings auch zu lang geraten, was auch daran liegt, dass das Vorspiel ziemlich lange dauert, schon die Länge eines Spielfilms hat und als Nouvelle-Vague-artige Beobachtung einiger kleinkrimineller Jugendlicher der bessere Teil des Films ist. Hier lässt Schipper sich und den Schauspielern Zeit. Sie streunen angenehm ziellos durch die letzten Nachtstunden. Es sind die Stunden, in denen man noch nicht nach Hause gehen will. Auch wenn man es sollte.
Die Verbrechergeschichte wird erst spät wichtig und vor allem nach dem Banküberfall (den wir nicht sehen) werden einfach die bekannten Situationen aus einem Gangsterfilm abgespult. Es gibt Streit um die Beute, die Polizei verfolgt sie, es fallen Schüsse, Menschen sterben, andere Menschen werden verletzt, Wohngebäude werden abgeriegelt, eine Flucht funktioniert und am Ende sind fast alle Hauptdarsteller tot. Das hat dann nicht mehr die spielerische Leichtigkeit des ersten und längeren Teils, sondern ist das pflichtschuldige Abhaken aller Gangsterfilmklischees.
Nachvollziehbar, aber für uns deutsche Kinozuschauer problematisch, ist Schippers Entscheidung, die Geschichte fast ausschließlich auf Englisch zu erzählen. Das begünstigt sicher die internationale Verkäuflichkeit von „Victoria“, aber die deutschen Kinozuschauer müssen sich einen „Original mit Untertitel“-Film, mit wenigen, wie Fremdkörper wirkenden deutschen Sätzen ansehen und wir Berliner müssen glauben, dass eine Gruppe kleinkrimineller Jugendlicher, die wahrscheinlich kaum die Hauptschule geschafft hat, besser Englisch als ein Simultandolmetscher spricht.
Obwohl „Victoria“ eine deutsche Geschichte, eine Berliner Geschichte mit viel Berliner Flair, erzählt, fühlt man sich beim Ansehen des Films fremd im eigenen Land. Trotzdem ist der Film nicht nur als formales Experiment, sondern als emotional packendes Kino sehenswert. Erfrischend undeutsch, aber auch etwas maßlos in seiner Laufzeit.

Victoria - Plakat

Victoria (Deutschland 2015)
Regie: Sebastian Schipper
Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz
mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André Hennicke
Länge: 140 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

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