TV-Tipp für den 18. Februar: Victoria

Februar 17, 2020

WDR, 22.10

Victoria (Deutschland 2015)

Regie: Sebastian Schipper

Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz

Eine Nacht in Berlin: vier Jungs treffen eine Spanierin. Sie zeigen ihr ihren Kiez, reden mit ihr, nehmen sie zu einem Banküberüberfall mit, der schiefgeht und müssen flüchten.

Inzwischen dürfte der große Clou von Schippers Film bekannt sein: er drehte die Liebes- und Gangstergeschichte ohne einen einzigen Schnitt.

Dafür hat Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der mit der schweren Kamera die Protagonisten an all die Orte begleiten musste, ein Extra-Lob verdient.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André Hennicke

Hinweise
Homepage zum Fillm
Berlinale über „Victoria“
Filmportal über „Victoria“
Film-Zeit über „Victoria“
Moviepilot über „Victoria“
Wikipedia über „Victoria“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Victoria“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Roads“ (Deutschland/Frankreich 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „Dem Horizont so nah“, wo Kitsch auf Kitsch trifft

Oktober 12, 2019

1999 lernt die achtzehnjährige Jessica den etwas älteren Danny kennen. Es ist, jedenfalls von ihr, die sprichwörtliche Liebe auf den ersten Blick. Das liegt auch daran, dass Danny der in jeder Beziehung den Dorfjungen, die sie seit ihrer Kindheit kennt, überlegene Traumprinz ist. Er sieht gut aus, ist witzig, vernünftig, wenn nötig auch wehrhaft und er fährt einen tollen Sportwagen. Gut, dieser Punkt ist für Jessica eher ein Minuspunkt. Später erfährt sie, dass er keine Eltern mehr hat, eine sehr problematische Kindheit hatte, als Fotomodell gut Geld verdient und als Kickboxer Meister werden könnte. Oh, und er ist HIV-positiv.

Tim Trachtes Schnulze „Dem Horizont so nah“ basiert auf Jessica Kochs gleichnamigem, auf einer wahren Geschichte basierenden Bestseller. Wie nah an der wahren Geschichte die Filmgeschichte jetzt ist, weiß ich nicht. Aber es ist auch egal. Denn der Film erzählt, ohne irgendeinen weitergehenden Anspruch oder den Versuch einer zweiten Ebene, eine typische Kitsch-Geschichte für pubertierende Mädchen.

Alle anderen können getrost auf die nächste Nicholas-Sparks-Verfilmung warten. Da sind auch die schlechten Verfilmungen besser, interessanter und vielschichtiger als „Dem Horizont so nah“.

Dem Horizont so nah (Deutschland 2019)

Regie: Tim Trachte

Drehbuch: Ariane Schröder

LV: Jessica Koch: Dem Horizont so nah, 2016

mit Luna Wedler, Jannik Schümann, Luise Befort, Victoria Mayer, Stephan Kampwirth, Denis Moschitto, Frederick Lau

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Dem Horizont so nah“

Moviepilot über „Dem Horizont so nah“

Wikipedia über „Dem Horizont so nah“


TV-Tipp für den 9. Februar: Victoria

Februar 8, 2019

3sat, 20.15

Victoria (Deutschland 2015)

Regie: Sebastian Schipper

Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz

Eine Nacht in Berlin: vier Jungs treffen eine Spanierin. Sie zeigen ihr ihren Kiez, reden mit ihr, nehmen sie zu einem Banküberüberfall mit, der schiefgeht und müssen flüchten.

Inzwischen dürfte der große Clou von Schippers Film bekannt sein: er drehte die Liebes- und Gangstergeschichte ohne einen einzigen Schnitt.

Dafür hat Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der mit der schweren Kamera die Protagonisten an all die Orte begleiten musste, ein Extra-Lob verdient.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André Hennicke

Hinweise
Homepage zum Fillm
Berlinale über „Victoria“
Filmportal über „Victoria“
Film-Zeit über „Victoria“
Moviepilot über „Victoria“
Wikipedia über „Victoria“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Victoria“ (Deutschland 2015)


TV-Tipp für den 26. Mai: Oh Boy

Mai 25, 2018

Arte, 00.40
Oh Boy (Deutschland 2012, Regie: Jan-Ole Gerster)
Drehbuch: Jan-Ole Gerster
Der Endzwanziger und gescheiterte Langzeitstudent Niko driftet durch Berlin. Er trifft seltsame Menschen und fragt sich nach dem Sinn des Lebens.
Wunderschöne Berlin-Komödie, die bei Kritik und Publikum gleichermaßen gut ankam. Wir warten immer noch auf Jan-Ole Gerstes zweiten Spielfilm.
mit Tom Schilling, Marc Hosemann, Friederike Kempter, Justus von Dohnány, Ulrich Noethen, Katharina Schüttler, Frederick Lau, Michael Gwisdek
Hinweise
Filmportal über „Oh Boy“
Film-Zeit über „Oh Boy“
Moviepilot über „Oh Boy“
Rotten Tomatoes über „Oh Boy“
Wikipedia über „Oh Boy“


Neu im Kino/Filmkritik: Deutsche Genreversuche: Der „Spielmacher“ manipuliert den Fußball

April 13, 2018

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis rutscht der ehemalige Fußballspieler und Deutsch-Kroate Ivo schnell…und hier kommen wir schon zu dem zentralen Problem von „Spielmacher“. In seinem Spielfilmdebüt verschenkt Timon Modersohn grundlos viel von dem Potential, das seine Geschichte hat. Am Ende ist „Spielmacher“ nur ein okayer Gangsterfilm über illegale Sportwetten, in dem ein deutlich besserer Film versteckt ist.

Um das zu erklären, müssen wir uns kurz mit den Grundlagen des Erzählens beschäftigen. In einer Geschichte, jedenfalls in der Theorie, präsentiert der Erzähler Informationen so, dass sie einen sinnvollen Zusammenhang ergeben. Eine Handlung ergibt die nächste und wir sind emotional involviert, weil wir wissen, was für die einzelnen Personen auf dem Spiel steht und was sie wollen. Die Grundstruktur ist dabei immer, dass jemand ein genau definiertes Ziel gegen große Widerstände erreichen will. Dafür müssen wir wissen, was der Protagonist erreichen will, was für eine Person er ist und gegen welche Widerstände er kämpfen muss. In einem „Tatort“ will der Kommissar den Fall aufklären. Dafür muss er unter all den Verdächtigen den Täter finden.

Manchmal gibt es am Ende eine Überraschung, die dazu führt, dass wir all die vorherigen Ereignisse unter einem anderen Blickwinkel betrachten. Die bekanntesten Beispiele dafür dürften immer noch „Die üblichen Verdächtigen“ und „The Sixth Sense“ sein. Meistens, und das ist gut so, verzichtet der Erzähler auf eine solche Überraschung. Auch „Spielmacher“, und das kann ich verraten, verzichtet auf eine solche Pointe, die wir hätten, wenn Ivo zum Beispiel ein Undercover-Polizist wäre und wir das in der letzten Minute erfahren.

Wenn ich jetzt den begonnen Satz mit „wieder“ weiterführe, verrate ich, dass Ivo bereits Kontakte zum kriminellen Wettmilieu hatte. Wenn ich stattdessen nur schreibe „lernt einen Mann kennen, der illegale Wetten im großen Stil organisiert“, behaupte ich, dass Ivo bislang keinen Kontakt zu dem Milieu hatte, dass er verführt wird und in ein ihm bislang unbekanntes kriminelles Milieu abrutscht.

In jedem Fall ist jede Geschichte möglich. Aber die eine Geschichte schließt die andere aus.

Und das ist kein Punkt, der am Filmanfang unklar sein sollte. Immerhin geht es um das zentrale Handlungsmotiv des Protagonisten in einer ziemlich einfachen Geschichte. Denn Ivo, der es in keinem Job lange aushält, soll für Dejan, eine Halb- und Unterweltfigur, die illegale Fußballwetten organisiert, arbeiten. Er soll Fußballspieler beobachten, Empfehlungen geben und kleine Botengänge erledigen.

Während er das tut, befreundet er sich mit Lukas, einem jungen aufstrebendem Spieler in seinem alten Fußballclub, und verliebt sich in dessen alleinerziehende Mutter Vera.

Dieses schlechte Informationsmanagement betrifft nicht nur den Protagonisten. Es zieht sich durch den gesamten Film. So gibt es, um nur ein Beispiel zu nennen, eine Szene, in der ein Spielbeobachter, der über den Aufstieg von Spielern in andere Vereine entscheidet, Lukas beim Spielen beobachtet. Eigentlich ist Lukas gut genug für den anderen Verein. Aber er erhält die erhoffte Empfehlung dann doch nicht. Danach sehen wir, wie der Spielbeobachter Geld erhält. Es handelt sich selbstverständlich um die Bezahlung für die vorher erfolgte Nicht-Empfehlung.

So erzählt ist das eine langweile Abfolge von Ereignissen. Wenn wir allerdings zuerst sehen, dass der honorige Spielbeobachter Geld erhält, damit er etwas tut, wird die anschließende Szene, in der er die Spieler beobachtet, plötzlich spannend. Wir fragen uns in dem Moment, ob er den Jungen aufgrund seiner Leistungen empfehlen wird oder ob er das Schmiergeld annimmt. So erzählt ist diese Szene plötzlich dramatisch. Dafür hätten die Macher nur zwei Szenen umstellen müssen.

Und damit kommen wir zum Bösewicht, der von Oliver Masucci überzeugend gespielt wird. Es gibt nur ein Problem: Dejan lebt die aus schlechten Gangsterfilmen bekannte Hollywood-Marotte exzessiv aus, alle Menschen schwer zu verletzen oder umzubringen, die seine Befehle nicht zu seiner Zufriedenheit ausführen. Das ist keine effektive Form der Personalrekrutierung und -fortentwicklung. Auch wenn nächtliche Mitarbeitergespräche in einem Steinbruch, inklusive der bewährten ‚in die Grube werfen‘-Entsorgungsmethode, das Auge des Cineasten erfreuen.

So ist „Spielmacher“ ein Gangsterthriller, der ein interessantes Thema hat (illegale Wetten im Fußball), glaubwürdig in der Milieuzeichnung ist, gute Schauspieler hat und überzeugend inszeniert ist. Aber er ist ganz schlecht im Erzählen seiner Geschichte. Sie funktioniert immer noch. Schließlich sind alle wichtigen Teile vorhanden. Nur meistens am falschen Platz.

Wie es besser geht zeigte Özgür Yildirim vor wenigen Wochen in seinem Gangsterfilm „Nur Gott kann mich richten“.

Spielmacher (Deutschland 2018)

Regie: Timon Modersohn

Drehbuch: Christian Brecht, Timon Modersohn

mit Frederick Lau, Oliver Masucci, Antje Traue, Mateo Wansing Lorrio, Paul Faßnacht, Karl Markovics

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Spielmacher“

Moviepilot über „Spielmacher“

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Der Hauptmann“ Willi Herold ist ein Massenmörder

März 17, 2018

Nach mehreren Hollywood-Filmen, wie „Flightplan“, „R. E. D. – Älter Härter, Besser“, „Die Bestimmung – Unsurgent“ und „Die Bestimmung – Allegiant“, kehrt Robert Schwentke mit seinem neuen Film „Der Hauptmann“ wieder zurück nach Deutschland, um eine sehr deutsche Geschichte zu erzählen. Nämlich die Geschichte eines deutschen Soldaten, der in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs desertiert, in einem Auto eine Hauptmannsuniform findet, sie anzieht und als Offizier Karriere macht.

Das klingt nach einer Variante des allseits beliebten Hauptmanns von Köpenick und auch Schwentke erzählt eine wahre Geschichte. Und damit enden die Gemeinsamkeiten zwischen dem Schuhmacher Wilhelm Voigt und Willi Herold.

Herold, geboren am 11. September 1925 in Lunzenau, Mittelsachsen, macht nach seiner Volksschule eine Lehre als Schornsteinfeger, wird 1943 zur Wehrmacht eingezogen, dient an verschiedenen Kriegsfronten und wird Anfang April 1945 bei Gronau an der Nordwestfront von seiner Einheit getrennt. In einem liegen gebliebenem Militärfahrzeug entdeckt er eine Uniform, zieht sie an und wird von einem anderen Soldaten sofort als Hauptmann angesprochen. Herold nimmt diese Rolle an. In den nächsten Tagen scharrt er eine Gruppe von Soldaten um sich, die willig seinen Befehlen gehorchen.

Im Film ist dabei unklar, ob sie Herold als Schwindler erkennen und mitspielen oder nicht. Wobei die Schauspieler in ihrem Spiel oft die erste Interpretation nahe legen. Also dass sie sofort erkennen, dass Herold ein Hochstapler ist. Aus verschiedenen, mehr oder weniger naheliegenden Gründen Schweigen sie, spielen die Charade mit, gehorchen Herolds Befehlen und benutzen ihn, manchmal, für ihre Interessen.

Auf ihrer Irrfahrt durch das Emsland gelangen Herold und seine Männer in das Straflager Aschendorfmoor (aka Lager II). Dort lässt Herold über hundert gefangene Soldaten ermorden. Schwentke zeigt das Morden mit Vor-, Nach- und Zwischenspielen in detailfreudiger Ausführlichkeit.

Davor und danach morodieren Herold und die Kampfgruppe Herold durch das Emsland.

Nach dem Krieg wurde der Kriegsverbrecher Herold von einem britischen Militärgericht wegen der Ermordung von 125 Menschen verurteilt und am 14. November 1946, zusammen mit fünf seiner Helfer, hingerichtet.

Der Hauptmann“ zeigt erschreckend deutlich, wenn technisches Vermögen auf eine fehlende Haltung zu seinem Stoff und, in diesem Fall, zur realen Person trifft. Über die Schauspieler, die Kamera (Florian Ballhaus), die Ausstattung kann nicht gemeckert werden. Auch jede einzelnen Szene ist für sich genommen gut inszeniert. Nur fügen sie sich nie zu einer Einheit zusammen, weil Schwentke keine Haltung zu seinem Stoff hat. Es ist auch unklar, für was Herolds Geschichte stehen soll. Soll sie die Geschichte einer einzelnen Person sein, eines geborenen Sadisten, der einfach in dem festen Glauben dafür nicht bestraft zu werden, sich ihm bietende Gelegenheiten ausnutz, um seine sadistischen Triebe zu befriedigen? Oder geht es um einen Typus, beispielsweise den des deutschen Untertans, der blind, den Befehlen von Uniformträgern gehorcht? Oder, was Schwentke im Presseheft mit der Frage „Wie hätte ich mich verhalten?“ andeutet, will der Film eine Geschichte über die normalen Männer, die zu Täter werden erzählen? Dafür ist Herold angesichts der von ihm verübten Taten allerdings das denkbar ungeeignetste Beispiel.

Eine Köpenickiade ist „Der Hauptmann“ jedenfalls nicht. Auch wenn das Filmende, in dem die Schauspieler in Uniform und Militärfahrzeug durch eine deutsche Kleinstadt fahren und Fußgänger schikanieren, in dieser vollkommen deplatzierten Szene versucht, den humoristischen Tonfall des Filmanfangs wieder aufzunehmen. Diese Szene passt, egal wie man sie interpretieren will, nicht zu dem vorher gezeigten.

Das ist keine Kleinigkeiten. Denn eine Haltung und eine damit verknüpfte Botschaft zwingt zu einer bestimmten Anordnung des Materials. Sie gibt Vorgaben, wie man seine Geschichte erzählt. Sie sagt, was in die Geschicht hineingehört und was nicht. Und über sie kann gestritten werden. Über einen Film, der tonal alles bedient und dessen Protagonist, mehr oder weniger gleichzeitig ein zweiter ‚braver Soldat Schweijk“ (vor allem in den ersten Minuten), ein typisch deutscher ‚Untertan‘ (wie man es aus Heinrich Manns Roman und Wolfgang Staudtes Verfilmung kennt) und, ziemlich schnell, weil er das schon von Anfang an war, eine seine Macht genießender und über Gebühr ausnutzender Sadist ist, kann nicht gestritten werden. Es ist auch kein Film, der zu irgendeiner Erkenntnis führt. Er porträtiert nur einen Sadist, der ein Sadist ist, weil er ein Sadist ist, und den wir trotzdem mögen sollen, weil er doch ein Schlawiner ist, der die Dummheit des Systems vorführt.

Stefan Ruzowitzky, um nur ein Beispiel, wie man es besser macht, zu nennen, hatte in seiner Dokumentation „Das radikal Böse“ LINK eine Frage, eine Haltung und eine Botschaft. Er fragte sich, wie ganz gewöhnliche deutsche Männer im Zweiten Weltkrieg zu Mördern wurden. Mit auch der für uns Zuschauer unangenehmen Botschaft, dass auch wir zu diesen Taten in der Lage wären.

Der Hauptmann“ ist dagegen nur edel inszenierte Gewaltpornographie mit einigen witzigen Szenen. Damit ist diese „Studie in Sachen Sadismus und Menschenverachtung“ (epd Film) dann doch erstaunlich nah an den „Saw“-Filmen.

Der Hauptmann (Deutschland/Frankreich/Polen 2017)

Regie: Robert Schwentke

Drehbuch: Robert Schwentke

mit Max Hurbacher, Milan Peschel, Frederick Lau, Bernd Hölscher, Waldemar Kobus, Alexander Fehling, Samuel Finzi, Wolfram Koch, Britta Hammelstein, Sascha Alexander Geršak

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Der Hauptmann“

Moviepilot über „Der Hauptmann“

Rotten Tomatoes über „Der Hauptmann“

Wikipedia über „Der Hauptmann“ (deutsch, englisch) und Willi Herold

Meine Besprechung von Robert Schwentkes „Die Bestimmung – Insurgent“ (The Divergent Series: Insurgent, USA 2015)

Meine Besprechung von Robert Schwentkes „Die Bestimmung – Allegiant“ (The Divergent Series: Allegiant, USA 2016)


TV-Tipp für den 18. November: Victoria

November 17, 2017

One, 21.45

Victoria (Deutschland 2015)

Regie: Sebastian Schipper

Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz

Eine Nacht in Berlin: vier Jungs treffen eine Spanierin. Sie zeigen ihr ihren Kiez, reden mit ihr, nehmen sie zu einem Banküberüberfall mit, der schiefgeht und müssen flüchten.

Inzwischen dürfte der große Clou von Schippers Film bekannt sein: er drehte die Liebes- und Gangstergeschichte ohne einen einzigen Schnitt.

Dafür hat Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der mit der schweren Kamera die Protagonisten an all die Orte begleiten musste, ein Extra-Lob verdient.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André Hennicke

Wiederholung: Montag, 20. November, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Homepage zum Fillm
Berlinale über „Victoria“
Filmportal über „Victoria“
Film-Zeit über „Victoria“
Moviepilot über „Victoria“
Wikipedia über „Victoria“

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Victoria“ (Deutschland 2015)


TV-Tipp für den 11. November: Tod den Hippies!! Es lebe der Punk

November 11, 2017

One, 22.00

Tod den Hippies – Es lebe der Punk! (Deutschland 2015)

Regie: Oskar Roehler

Drehbuch: Oskar Roehler

Robert kommt in den frühen achtziger Jahren aus der Provinz nach Westberlin und lernt das punkige Nachtleben kennen.

Autobiographisch gefärbte Nummernrevue, die vor allem kurzweilig, mehr oder weniger gelungene Anekdoten und Stimmungsbilder aneinanderreiht und all die bekannten Berlin- und Subkulturklischees bestätigt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Schilling, Wilson Gonzalez Ochsenknecht, Emilia Schüle, Frederick Lau, Hannelore Hoger, Samuel Finzi, Alexander Scheer, Rolf Zacher, Götz Otto, Oliver Korittke, Julian Weigend

alternative Schreibweise „ Tod den Hippies!! Es lebe der Punk!“

Wiederholung: Montag, 13. November, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Film-Zeit über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Moviepilot über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Rotten Tomatoes über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (noch keine Kritiken)
Wikipedia über Oskar Roehlerund den Film
RBB: Interview mit Oskar Roehler über den Film

Meine Besprechung von Oskar Roehlers „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (Deutschland 2015)


TV-Tipp für den 30. Juni: Oh Boy

Juni 30, 2017

Arte, 00.40
Oh Boy (Deutschland 2012, Regie: Jan-Ole Gerster)
Drehbuch: Jan-Ole Gerster
Der Endzwanziger und gescheiterte Langzeitstudent Niko driftet durch Berlin. Er trifft seltsame Menschen und fragt sich nach dem Sinn des Lebens.
Wunderschöne Berlin-Komödie, die bei Kritik und Publikum gleichermaßen gut ankam. Wir warten immer noch auf Jan-Ole Gerstes zweiten Spielfilm.
mit Tom Schilling, Marc Hosemann, Friederike Kempter, Justus von Dohnány, Ulrich Noethen, Katharina Schüttler, Frederick Lau, Michael Gwisdek
Wiederholung: BR, Samstag, 1. Juli, 23.30 Uhr
Hinweise
Filmportal über „Oh Boy“
Film-Zeit über „Oh Boy“
Moviepilot über „Oh Boy“
Rotten Tomatoes über „Oh Boy“
Wikipedia über „Oh Boy“


TV-Tipp für den 3. Mai: Victoria

Mai 3, 2017

Arte, 20.15

Victoria (Deutschland 2015)

Regie: Sebastian Schipper

Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz

Eine Nacht in Berlin: vier Jungs treffen eine Spanierin. Sie zeigen ihr ihren Kiez, reden mit ihr, nehmen sie zu einem Banküberüberfall mit, der schiefgeht und müssen flüchten.

Inzwischen dürfte der große Clou von Schippers Film bekannt sein: er drehte die Liebes- und Gangstergeschichte ohne einen einzigen Schnitt.

Dafür hat Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der mit der schweren Kamera die Protagonisten an all die Orte begleiten musste, ein Extra-Lob verdient.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André Hennicke

Hinweise
Homepage zum Fillm
Berlinale über „Victoria“
Filmportal über „Victoria“
Film-Zeit über „Victoria“
Moviepilot über „Victoria“
Wikipedia über „Victoria“

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Victoria“ (Deutschland 2015)


TV-Tipp für den 22. Februar: Tod den Hippies!! Es lebe der Punk

Februar 22, 2017

Arte, 23.15

Tod den Hippies – Es lebe der Punk! (Deutschland 2015)

Regie: Oskar Roehler

Drehbuch: Oskar Roehler

Robert kommt in den frühen achtziger Jahren aus der Provinz nach Westberlin und lernt das punkige Nachtleben kennen.

Autobiographisch gefärbte Nummernrevue, die vor allem kurzweilig, mehr oder weniger gelungene Anekdoten und Stimmungsbilder aneinanderreiht und all die bekannten Berlin- und Subkulturklischees bestätigt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Schilling, Wilson Gonzalez Ochsenknecht, Emilia Schüle, Frederick Lau, Hannelore Hoger, Samuel Finzi, Alexander Scheer, Rolf Zacher, Götz Otto, Oliver Korittke, Julian Weigend

alternative Schreibweise „ Tod den Hippies!! Es lebe der Punk!“

Wiederholung: Samstag, 4. März, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Film-Zeit über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Moviepilot über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Rotten Tomatoes über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (noch keine Kritiken)
Wikipedia über Oskar Roehlerund den Film
RBB: Interview mit Oskar Roehler über den Film

Meine Besprechung von Oskar Roehlers „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (Deutschland 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: Deutscher Humor: „Frauen“ „Schrotten“

Mai 9, 2016

Deutsche Komödien – – – – nach dem Genuss einiger US-Komödien, deren Humor verklemmt unter der Gürtellinie bleibt und der ungefähr so witzig wie eine Gürtelrose ist, erscheinen deutschsprachige Komödien nicht mehr so schlimm. Gut sind sie trotzdem nicht, wie „Frauen“ und „Schrotten“ zeigen.

In „Frauen“ steigt K. O. Schott (Heiner Lauterbach) in die falsche Miet-Limousine. Er muss zu einem wichtigen Termin nach Bad Honnersheim. Viel später erfahren wir, dass er ein Millionär ist und zu seinem jüngsten Scheidungstermin gefahren werden will.

Sein Fahrer Rüdiger Kneppke (Martin Brambach) ist, egal welchen Standard man ansetzt, kein guter Chauffeur. Schlecht gekleidet, latent desorientiert, dumm wie Brot und nur am Quatschen, solange er nicht sein Blödel-Lieblingslied singt.

Kurz darauf springt Liz Tucha (Blerim Destani) in ihre Limousine. Der junge Mazedonier ist, wie wir erst viel später erfahren, ein Bräutigam auf der Flucht. Die betrogene Hochzeitsgemeinschaft verfolgt ihn und dass die Brüder der sitzengelassenen Braut Polizisten sind, verschlimmert die Situation von Tucha, Schott und Kneppke.

Ab jetzt ist das Trio, zusammengehalten durch den Willen des Drehbuchautors, auf einer ziemlich planlosen Reise durch Deutschland. Immer wieder unterhalten sie sich über Frauen, welche Probleme sie verursachen und warum Männer nicht von ihnen lassen können.

Aber öfter geht es um andere Dinge, krude Verwicklungen und, angesichts des Alters der beiden Hauptverantwortlichen, Regisseur Nikolai Müllerschön und Hauptdarsteller Heiner Lauterbach, die beide, wie schon bei dem letztendlich misslungenem Gangsterfilm „Harms“ auch zu den Produzenten gehören, einen Altherren- und Kneipenhumor, der selten amüsiert. Auch weil alle Charaktere mindestens grenzdebil sind.

Immerhin ist Tucha der Intelligenteste des Trios.

In „Schrotten“ wird Mirko Talhammer (Lucas Gregorowicz), ein halbseidener Versicherungsvertreter, der von seiner Familie, einer Schrotthändler-Dynastie, nichts mehr wissen will, von ebendiesen Familienmitgliedern bei seiner Arbeit besucht und zusammen geschlagen. Nur so können sie Mirko zur Beerdigung seines Vaters bringen und ihm seinen letzten großen Plan präsentieren: den Diebstahl eines mit wertvollem Schrott gefüllten Zuges. Dafür wollen sie in den Wald ein zweites Gleis legen.

Nach kurzem Zögern beschließt Mirko seinem Bruder Letscho (Frederick Lau) bei dem Diebstahl zu helfen. Denn Letscho beschwört zwar lautstark den Schrotthändler-Ethos, aber mit ihm als Kopf der Bande wird der Plan in einem Desaster enden.

Gleichzeitig verhandelt Mirko, der hoch verschuldet ist, hinter dem Rücken seiner Familie (Ganovenehre ist ja so etwas von 20. Jahrhundert) mit dem gegnerischen Schrotthändler Kercher (Jan-Gregor Kremp) über einen Verkauf des Thalheimerschen Erbe.

Das ist ähnlich ausgedacht wie die Drei-Männer-im-Auto-Idee von „Frauen“ und der geniale Plan in „Schrotten“ ist so bescheuert, dass es einen sprachlos macht.

Aber immerhin sind die Talhammers und ihr Clan ganz sympathisch in ihrem Zusammenhalt und Max Zähle rückt in seinem Spielfilmdebüt, nach seinem Oscar-nominiertem Kurzfilm „Raju“, ein Milieu in den Mittelpunkt, das vor einigen Jahrzehnten noch fest zum Landschaftsbild gehörte. Heute, seitdem Schrott Wertstoff ist, sind Schrotthändler ja eine aussterbende Spezies.

Der Humor ist beide Male eher grob. Die Zahl der Lacher beide Male überschaubar. Die Story beide Male unglaubwürdig.

Immerhin wurde beide Male versucht, keine typisch deutsche Schweiger/Schweighöfer-Familienkomödie abzuliefern.

Frauen - Plakat 4

Frauen (Deutschland 2016)

Regie: Nikolai Müllerschön

Drehbuch: Nikolai Müllerschön

mit Heiner Lauterbach, Blerim Destani, Martin Brambach, Victoria Mirovaya, Mark Keller, André Hennicke

Länge: 87 Minuten

FSK: ?

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Frauen“

Moviepilot über „Frauen“

Meine Besprechung von Nikolai Müllerschöns „Harms“ (Deutschland 2013)

schrotten_plakatA0_160304_RZ_ZW.indd

Schrotten (Deutschland 2016)

Regie: Max Zähle

Drehbuch: Max Zähle, Johanna Pfaff, Oliver Keidel

mit Lucas Gregorowicz, Frederick Lau, Anna Bederke, Lars Rudolph, Heiko Pinkowski, Jan-Gregor Kremp, Rainer Bock, Alexander Scheer

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Schrotten“

Moviepilot über „Schrotten“

 


TV-Tipp für den 4. Februar: Wir waren Könige

Februar 4, 2016

Arte, 22.40
Wir waren Könige (Deutschland 2014, Regie: Philipp Leinemann)
Drehbuch: Philipp Leinemann
Irgendwo in Deutschland: Nach einem fehlgeschlagenem Einsatz läuft ein Sondereinsatzkommando Amok und gerät zwischen zwei verfeindete Jugendgangs.
Ein deutscher Polizeithriller. Schön düstere Bilder, gut besetzt und es gab auch, so meine Erinnerung, etliche gute Kritiken, wie im epd Film: „Endlich einmal ein gelungener deutscher Polizeifilm.“
Ganz anders das Lexikon des deutschen und internationalen Films: „Ein zwar hochkarätig besetzter, aber lauter und holzschnittartiger Polizeifilm, der vorrangig auf Macho-Gehabe und Testosteron setzt, worüber alle Zwischentöne verloren gehen.“
mit Ronald Zehrfeld, Mišel Matičević, Hendrik Duryn, Thomas Thieme, Godehard Giese, Frederick Lau, Simon Werner, Torben Liebrecht, Jorres Risse, Felix Goeser
Hinweise
Filmportal über „Wir waren Könige“
Moviepilot über „War waren Könige“
Wikipedia über „Wir waren Könige“


TV-Tipp für den 13. November: Oh Boy

November 13, 2015

Eins Festival, 21.05
Oh Boy (Deutschland 2012, Regie: Jan-Ole Gerster)
Drehbuch: Jan-Ole Gerster
Der Endzwanziger und gescheiterte Langzeitstudent Niko driftet durch Berlin. Er trifft seltsame Menschen und fragt sich nach dem Sinn des Lebens.
Wunderschöne Berlin-Komödie, die bei Kritik und Publikum gleichermaßen gut ankam.
mit Tom Schilling, Marc Hosemann, Friederike Kempter, Justus von Dohnány, Ulrich Noethen, Katharina Schüttler, Frederick Lau, Michael Gwisdek
Wiederholung: Samstag, 14. November, 01.15 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Filmportal über „Oh Boy“
Film-Zeit über „Oh Boy“
Moviepilot über „Oh Boy“
Rotten Tomatoes über „Oh Boy“
Wikipedia über „Oh Boy“


Neu im Kino/Filmkritik: „Victoria“ – ein Film ohne Schnitte

Juni 11, 2015

Zum Film gehört der Schnitt. Mit Schnitten werden Geschichten erzählt. Sie akzentuieren das Geschehen, sie stellen Zusammenhänge her, sie vermitteln Informationen. Und genau deshalb sind Filmemacher immer wieder von der Idee fasziniert, einen Film ohne einen einzigen Schnitt herzustellen. Solange das technisch unmöglich war, wurde mit Tricks gearbeitet. Das bekannteste Bespiel dürfte Alfred Hitchcocks „Rope – Cocktail für eine Leiche“ (USA 1948) sein. Ein verfilmtes Theaterstück, das schon deshalb die Einheit von Raum und Zeit hatte.
Fast unbekannt ist Josh Beckers „Running Time – Der fast perfekte Überfall“ (USA 1997), ein siebzigminütigr SW-Gangsterfilm mit Bruce Campbell, der zu einem großen Teil auf den Straßen von Los Angeles spielt und die Geschichte eines schief gehenden Überfalls erzählt. Eine sehr gelungene, fast unbekannte Fingerübung; wobei auch hier, wie bei „Rope“, etwas geschummelt wurde.
Ein jüngeres Beispiel ist Aleksandr Sokurovs „Russian Ark – Eine einzigartige Zeitreise durch die Eremitage“ (Russland/Deutschland 2002). In einer einzigen Kamerafahrt durch die Räume der Eremitage werden drei Jahrhunderte russischer Geschichte lebendig. Der Film war, wegen der 2000 beteiligten Schauspieler, eine logistische Herausforderung.
Vor einem halben Jahr kam Alejandro González Iñárritus „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ (USA 2014) in unsere Kinos. Ein mitreisender Film, der ohne einen erkennbaren Schnitt von den hektischen Stunden und den Ängsten des Regisseurs vor der Premiere eines Theaterstücks erzählt.
Und jetzt „Victoria“, ein einhundertvierzig-minütiger Brocken von einem Film, der die Geschichte eines schief gehenden Überfalls erzählt, der in Berlin spielt und der ohne einen einzigen Schnitt gedreht wurde, was vor allem für den Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der bei der ganzen Lauferei auch immer die Kamera schleppen musste, auch eine physische Herausforderung war.
Dabei beginnt die Nacht eigentlich ganz ruhig. Victoria (Laia Costa) aus Madrid tanzt selbstvergessen in einer Disco und will sich gerade auf den Heimweg machen, als sie Sonne (Frederick Lau), Boxer (Franz Rogowski), Blinker (Burak Yigit) und Fuß (Max Mauff) trifft und spontan beschließt, mit den vier Berliner Jungs noch etwas abzuhängen. Die Jungs blödeln, zeigen ihr ihre Welt, reden über Gott und die Welt und dass sie noch etwas vor haben.
Durch ein, zwei dumme Zufälle soll Victoria ihnen dann bei einem Banküberfall helfen.
Sebastian Schipper („Absolute Giganten“) erzählt hier in einer kurzen Zeitspanne einen großen emotionalen Bogen von jugendlicher Unbeschwertheit bis hin zu tiefster Verzweiflung und er scheut dabei niemals die großen Gefühle.
Mit 140 Minuten ist „Victoria“ allerdings auch zu lang geraten, was auch daran liegt, dass das Vorspiel ziemlich lange dauert, schon die Länge eines Spielfilms hat und als Nouvelle-Vague-artige Beobachtung einiger kleinkrimineller Jugendlicher der bessere Teil des Films ist. Hier lässt Schipper sich und den Schauspielern Zeit. Sie streunen angenehm ziellos durch die letzten Nachtstunden. Es sind die Stunden, in denen man noch nicht nach Hause gehen will. Auch wenn man es sollte.
Die Verbrechergeschichte wird erst spät wichtig und vor allem nach dem Banküberfall (den wir nicht sehen) werden einfach die bekannten Situationen aus einem Gangsterfilm abgespult. Es gibt Streit um die Beute, die Polizei verfolgt sie, es fallen Schüsse, Menschen sterben, andere Menschen werden verletzt, Wohngebäude werden abgeriegelt, eine Flucht funktioniert und am Ende sind fast alle Hauptdarsteller tot. Das hat dann nicht mehr die spielerische Leichtigkeit des ersten und längeren Teils, sondern ist das pflichtschuldige Abhaken aller Gangsterfilmklischees.
Nachvollziehbar, aber für uns deutsche Kinozuschauer problematisch, ist Schippers Entscheidung, die Geschichte fast ausschließlich auf Englisch zu erzählen. Das begünstigt sicher die internationale Verkäuflichkeit von „Victoria“, aber die deutschen Kinozuschauer müssen sich einen „Original mit Untertitel“-Film, mit wenigen, wie Fremdkörper wirkenden deutschen Sätzen ansehen und wir Berliner müssen glauben, dass eine Gruppe kleinkrimineller Jugendlicher, die wahrscheinlich kaum die Hauptschule geschafft hat, besser Englisch als ein Simultandolmetscher spricht.
Obwohl „Victoria“ eine deutsche Geschichte, eine Berliner Geschichte mit viel Berliner Flair, erzählt, fühlt man sich beim Ansehen des Films fremd im eigenen Land. Trotzdem ist der Film nicht nur als formales Experiment, sondern als emotional packendes Kino sehenswert. Erfrischend undeutsch, aber auch etwas maßlos in seiner Laufzeit.

Victoria - Plakat

Victoria (Deutschland 2015)
Regie: Sebastian Schipper
Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz
mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André Hennicke
Länge: 140 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Homepage zum Fillm
Berlinale über „Victoria“
Filmportal über „Victoria“
Film-Zeit über „Victoria“
Moviepilot über „Victoria“
Wikipedia über „Victoria“


Neu im Kino/Filmkritik: Film mit klarer Ansage: „Tod den Hippies -Es lebe der Punk!“

März 26, 2015

Vor ein, zwei Jahren habe ich irgendwo gelesen, dass es keine Filme über die Musik und die Jugendkultur der achtziger Jahre gebe. Es sei ein aus dem kollektiven Gedächtnis gefallenes Jahrzehnt, während die sechziger und siebziger Jahre in der Popkultur immer noch lebendig seien.
Jetzt, mit Oskar Roehlers greller und sehr kurzweiliger Nummernrevue „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ und Mark Reeders „B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin“ (läuft am 21. Mai an und sollte unbedingt als Ergänzung zu Roehlers Film gesehen werden) scheint sich da etwas zu ändern. Beide Filme spielen im Westberlin der Achtziger. Beide porträtieren die damalige Kunst- und Subkulturszene. Beide Filme sind autobiographisch. Während der Engländer Reeder sich in „B-Movie“ ungeniert und sympathisch selbst inszeniert und der Dokumentarfilm aus einer erstaunlichen Menge damals gedrehter Filme schöpfen kann, verbirgt Oskar Roehler sich in seinem Spielfilm hinter dem Kunstcharakter Robert (Tom Schilling, grandios stoisch), der in Westdeutschland Anfang der achtziger Jahre auf einem von Hippies belagertem Internat ist. Sein einziger Freund ist der pickelige Nazi Gries (Frederick Lau), der, wie er später in Berlin erfährt, auch noch schwul und masochistisch ist. Für Robert ist angesichts der ganzen Kiffer in der Schule klar: „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Er schneidet sich seine eh schon kurzen Haare, randaliert ein wenig, fliegt unverzüglich von der Schule und macht sich auf den Weg nach Berlin, der Stadt, in der alles möglich ist und der Punk lebt. Im gelobten Land kommt er bei seinem Kumpel Schwarz (Wilson Gonzalez Ochsenknecht, ebenfalls stoisch) in einem besetztem Haus unter und er hat auch gleich einen Job. Während Schwarz in der Peepshow die Gäste empfängt und die Attraktionen anpreist, darf er als Mädchen für alles Scheiben putzen (Unangenehm!) und Essen für die Damen (Angenehm!) holen.
Aber viel wichtiger als dieser Brotjob, der auch seine Reize hat, ist für Robert die damalige Kulturszene. Gleich am ersten Abend trifft er Blixa Bargeld und Nick Cave. Sie gehen in das „Risiko“, wo Blixa Bargeld als Barkeeper arbeitet, im Hinterzimmer Konzerte stattfinden und viel zu viele, mehr oder weniger flüssige Drogen konsumiert werden.
Und so reiht sich eine Episode an die nächste. Schnell entsteht ein Bild des damaligen Berlins, das sich sehr locker an einer klassischen Bildungsgeschichte entlanghangelt, aber das vor allem mit durchaus groben Strichen die damalige Zeit verklärt und auch das heutige Bild des damaligen Berlins bedient als aus der Zeit gefallenes Dorf, in dem man gut Leben konnte und in dem sich alle Spinner und Künstler des Universums in dem „Schutzraum für Verrückte“ (Oskar Roehler) trafen und, im Angesicht des nahenden Weltuntergangs, kreativ waren. So will Robert Schriftsteller werden. Über Blixa Bargeld und Nick Cave, die beide vor allem sehr abwesend blicken, muss nichts gesagt werden. Gegen Ende hat auch Rainer Werner Fassbinder (uh, am 30. April startet die Doku „Fassbinder“) einen Auftritt, in dem er, in Lederjacke, sehr dem populären Bild von RWF entspricht.
Es geht auch um Roberts Beziehung zu seinen geschiedenen und ziemlich abgedrehten Eltern. Sie (Hannelore Hoger) will, um an Geld zu kommen, einen nichtsnutzigen Verwandten umbringen und erklärt nonchalant in einer Talkshow, dass sie ihr Kind nie wollte. Er (Samuel Finzi) verwahrt in seiner Wohnung RAF-Geld, das Robert und Schwarz während eines extrem dilletantisch ausgeführten Einbruchs klauen wollen. Und Robert verliebt sich in eine der Tänzerinnen aus der Peepshow, die natürlich höhere Ambitionen hat und eine bezaubernde Mischung aus Englisch und Deutsch spricht.
Roehlers Tonfall ist dabei immer anekdotisch und auf eine mal mehr, mal weniger gelungene Pointe, die mal mehr, mal weniger derb ist, getrimmt. Einige Anekdoten sind auch Stimmungsbilder. Und immer sind es Geschichten, die man sich nach dem dritten Bier erzählt oder erzählt bekommt. Dabei hat Roehler vor allem die Indie-Rock-Gemeinde im Visier, die etwas über Nick Cave, Blixa Bargeld, die Einstürzenden Neubauten und die damals wilden und zügellosen Jahre in der Ruinenstadt Berlin und ihrem pulsierendem Kulturleben gehört haben. Deshalb ist „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ im Studentenkino bestimmt ein großer Spaß.
Den Abgleich zwischen Roehlers Film und seinem Leben, das er hier, wieder einmal, kaum verschleiert be- und verarbeitet, kann man dann ja im Seminar machen.

Tod den Hippies Es lebe der Punk - Plakat

Tod den Hippies – Es lebe der Punk! (Deutschland 2015)
Regie: Oskar Roehler
Drehbuch: Oskar Roehler
mit Tom Schilling, Wilson Gonzalez Ochsenknecht, Emilia Schüle, Frederick Lau, Hannelore Hoger, Samuel Finzi, Alexander Scheer, Rolf Zacher, Götz Otto, Oliver Korittke, Julian Weigend
Länge: 105 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
alternative Schreibweise „ Tod den Hippies!! Es lebe der Punk!“

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Film-Zeit über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Moviepilot über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“
Rotten Tomatoes über „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (noch keine Kritiken)
Wikipedia über Oskar Roehler
RBB: Interview mit Oskar Roehler über den Film

Ein schon etwas älteres Gespräch (2012) mit Oskar Roehler


Neu im Kino/Filmkritik: Ist „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ nichts für Feiglinge?

April 18, 2013

 

Nachdem die anscheinend allseits beliebte Mutter bei einem Unfall stirbt, stehen ihr Ehemann Markus Färber (Wotan Wilke Möhring), seine Mutter Gerlinde (Christine Schorn) und seine Tochter Kim (Helen Woigk) vor der Frage, wie sie mit dem plötzlichen Verlust umgehen sollen.

 

Markus versucht die Normalität aufrecht zu erhalten. Dass er eine Catering-Firma leitet hilft ihm etwas. Kim, die ihre Klassenkameraden und Lehrer gerne mit ihrem Gruftie-Look und ihrer Ihr-könnt-mich-alle-am-Arsch-lecken-Attitüde verstört, zieht sich noch weiter zurück. Denn für sie war ihre Mutter auch eine Vertraute und Freundin und jetzt kümmert sich niemand mehr um sie. Gerlinde erfährt, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist und demnächst sterben wird. Sie will ihrem Sohn nicht zur Last fallen und schwindelt ihm etwas von einer Reise vor, während sie versucht sich mit Paula (Rosalie Thomass), einer Altenpflegerin, die gerne Schauspielerin wäre und immer Zeit hat, zu arrangieren.

 

Kim findet in Alex (Frederick Lau), einem Schulabbrecher aus reichem Haus mit einer kleinkriminell-punkigen Attitüde, einen Gleichgesinnten, in den sie sich auch verliebt und mit ihm nach Dänemark flüchtet.

 

Markus frisst den Verlust weiter in sich hinein und, als er erfährt, dass seine Mutter todkrank ist und seine Tochter gerade Richtung Dänemark auf einem Bonnie-and-Clyde-Trip unterwegs ist, bricht er mit seiner Mutter und ihrer Pflegerin nach Norden auf. Zur Familienzusammenführung.

 

Das Leben ist nichts für Feiglinge“, der neue Film von „Arschkalt“-Regisseur André Erkau, nach dem Roman von Gernot Gricksch, der auch das Drehbuch schrieb, ist ein Ensemblestück, das als Dramödie unentschlossen zwischen Drama und Komödie pendelt und einige Lebensweisheiten verkaufen will. Dummerweise nicht gelungen. Denn Erkau kann sich nicht entscheiden, welche Geschichte die Hauptgeschichte ist. Also erzählt er die drei Geschichten fast gleichwertig, mit viel zu vielen vorhersehbaren Wendungen und einer nie stimmigen Mischung aus Komödie und Drama. Vor allem die Szenen mit Markus wirken immer eine Spur zu gewollt. Mit Gerlinde geht es dann in Richtung Tapfere-Alte-trotz-der-Welt-Komödie, während es mit Kim in Richtung sattsam bekanntes Teenager-Drama geht.

 

Die ach so beliebte Mutter bleibt ein Phantom, das schon vor dem Filmbeginn gestorben ist und im Film höchstens in Halbsätzen erwähnt wird. Entsprechend schlecht kann gerade bei Kim nachvollzogen werden, warum für sie ihre Mutter so wichtig war und warum die Beziehung zu ihrem Vater so zerrüttet ist. Denn eigentlich wirkt Markus ziemlich okay. Es bleibt auch unklar, warum Gerlinde – abgesehen von dem göttlichen Willen des Autors, der seine Figuren wie Schachfiguren auf seinem Spielbrett bewegt – diese Charade mit dem Urlaub durchzieht.

 

So wirkt „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ wie eine papierne Versuchsanordnung, die sich nie entscheiden kann, wessen Geschichte sie erzählen und welches Genre sie primär bedienen will.

 

Das Leben ist nichts für Feiglinge - Plakat

 

Das Leben ist nichts für Feiglinge (Deutschland 2012)

 

Regie: André Erkau

 

Drehbuch: Gernot Gricksch

 

LV: Gernot Gricksch: Das Leben ist nichts für Feiglinge, 2010

 

mit Wotan Wilke Möhring, Helen Woigk, Christine Schorn, Frederick Lau, Rosalie Thomass

 

Länge: 98 Minuten

 

FSK: ab 12 Jahre

 

 

Hinweise

 

Deutsche Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

 

Film-Zeit über „Das Leben ist nichts für Feiglinge“

 

Droemer-Knaur-Verlagsseite über Gernot Gricksch

 

Meine Besprechung von André Erkaus „Arschkalt“ (Deutschland 2011)

 

 


%d Bloggern gefällt das: