TV-Tipp für den 23. Januar: Im Labyrinth des Schweigens

Januar 22, 2019

3sat, 21.45

Im Labyrinth des Schweigens (Deutschland 2014)

Regie: Giulio Ricciarelli

Drehbuch: Elisabeth Bartel, Giulio Ricciarelli

Die spannend wie ein Polit-Thriller erzählte Vorgeschichte zum Auschwitz-Prozess, der von 1963 bis 1967 unter großer öffentlicher Anteilnahme in Frankfurt am Main vor Gericht verhandelt wurde.

In dem Film versucht ein junger Staatsanwalt, unter der Aufsicht von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, in jahrelanger mühseliger Kleinarbeit die nötigen Beweise für eine Anklage gegen die Täter in dem Konzentrationslager Auschwitz zu bekommen, während in Deutschland gerade das Wirtschaftswunder und das kollektive Vergessen gefeiert wurden.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung der heutigen TV-Premiere.

mit Alexander Fehling, André Szymanski, Friederike Becht, Gert Voss, Johannes Krisch, Hansi Jochmann, Johann von Bülow, Robert Hunger-Bühler, Lukas Miko, Lisa Martinek

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Im Labyrinth des Schweigens“
Film-Zeit über „Im Labyrinth des Schweigens“
Moviepilot über „Im Labyrinth des Schweigens“
Wikipedia über „Im Labyrinth des Schweigens“ (deutsch, englisch)
taz: Interview mit Ex-Staatsanwalt Gerhard Wiese (einer der Ankläger im Auschwitz-Prozess und eines der Vorbilder für Johann Radmann) über die historischen Hintergründe (6. November 2014)

Meine Besprechung von Giulio Ricciarellis „Im Labyrinth des Schweigens“ (Deutschland 2014)

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TV-Tipp für den 30. März: Im Labyrinth des Schweigens

März 30, 2018

ZDF, 22.50

Im Labyrinth des Schweigens (Deutschland 2014)

Regie: Giulio Ricciarelli

Drehbuch: Elisabeth Bartel, Giulio Ricciarelli

Die spannend wie ein Polit-Thriller erzählte Vorgeschichte zum Auschwitz-Prozess, der von 1963 bis 1967 unter großer öffentlicher Anteilnahme in Frankfurt am Main vor Gericht verhandelt wurde.

In dem Film versucht ein junger Staatsanwalt, unter der Aufsicht von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, in jahrelanger mühseliger Kleinarbeit die nötigen Beweise für eine Anklage gegen die Täter in dem Konzentrationslager Auschwitz zu bekommen, während in Deutschland gerade das Wirtschaftswunder und das kollektive Vergessen gefeiert wurden.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung der heutigen TV-Premiere.

mit Alexander Fehling, André Szymanski, Friederike Becht, Gert Voss, Johannes Krisch, Hansi Jochmann, Johann von Bülow, Robert Hunger-Bühler, Lukas Miko, Lisa Martinek

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Im Labyrinth des Schweigens“
Film-Zeit über „Im Labyrinth des Schweigens“
Moviepilot über „Im Labyrinth des Schweigens“
Wikipedia über „Im Labyrinth des Schweigens“ (deutsch, englisch)
taz: Interview mit Ex-Staatsanwalt Gerhard Wiese (einer der Ankläger im Auschwitz-Prozess und eines der Vorbilder für Johann Radmann) über die historischen Hintergründe (6. November 2014)

Meine Besprechung von Giulio Ricciarellis „Im Labyrinth des Schweigens“ (Deutschland 2014)


TV-Tipp für den 27. März (und DVD-Kritik): Der gleiche Himmel – Teil 1

März 26, 2017

ZDF, 20.15 (Nachtwiederholung um 02.30 Uhr)

Der gleiche Himmel – Teil 1 (Deutschland 2017)

Regie: Oliver Hirschbiegel

Drehbuch: Paula Milne

Berlin, 1974: Lars Weber (Tom Schilling) wird von der Stasi als Romeo-Agent nach West-Berlin geschickt. Er soll die vierzigjährige Alleinerziehende Lauren Faber (Sofia Helin, „Die Brücke“) verführen und wichtige Informationen über ihre Arbeit entlocken. Sie arbeitet als Analystin in der britisch-amerikanischen Abhörstation auf dem Teufelsberg.

Als sie in der Mitte der zweiten von drei Episoden einen tödlichen Schlaganfall hat, wird Webers Zielobjekt geändert. Jetzt soll er die ebenfalls auf dem Teufelsberg arbeitende US-Amerikanerin Sabine Cutter (Friederike Becht) verführen. Aber er und seine Auftraggeber ahnen nicht, wer Sabine Cutter ist.

Wir als Zuschauer haben dagegen schon ziemlich früh eine ziemlich genau Vorstellung davon und den entstehenden Konflikten, wenn Weber, Cutter und alle anderen das entdecken.

Der gleiche Himmel“ ist eine Mischung aus Event-Produktion und Miniserie, je nach Rechnung als Dreiteiler (3 x 90 Minuten, im TV und auf DVD) oder als Sechsteiler (6 x 45 Minuten auf dem internationalen Markt und bei Netflix), deren Geschichte nach viereinhalb Stunden mitten in der Geschichte abbricht. Als habe man bei einem Agatha-Christie-Krimi nach dem Auffinden der Leiche oder eine Seite vor der Versammlung der Verdächtigen in einem Zimmer aufgehört; – oder, nein, weil „Der gleiche Himmel“ seine Geschichte sehr offen erzählt, wie ein James-Bond-Film, der nach der ersten Begegnung von James Bond mit dem Bösewicht einfach aufhört mit dem Kommentar: „Ach, eigentlich könnt ihr euch den Rest denken.“

Dieses offene Ende ist eine bodenlose Frechheit.

Der Weg bis zum Ende ist dabei gar nicht so schlecht. Oliver Hirschbiegel erzählt betulich eine Agentengeschichte mit viel Zeitkolorit und, immerhin muss die Geschichte auf 270 Minuten gestreckt werden und es werden nur die Fundamente für kommende Konflikte gelegt, vielen, vielen Nebengeschichten, die mit dem Auftrag von Lars Weber nichts zu tun haben und dessen Geschichte immer wieder in den Hintergrund verdrängen. Dafür ist Webers ganze Ostfamilie in verschiedene Geschichten verwickelt, die ein Best-of-DDR sind: es geht um Homosexualität, um den Bau eines Fluchttunnels (am Ende gibt es die Idee für eine andere Möglichkeit der Republikflucht), um eine potentielle Teilnehmerin an der Schwimmolympiade und damit verbundenes Doping, um Spitzelgeschichten, Verhöre im Stasi-Knast Hohenschönhausen und regimekonformen Schulunterricht. Alles das ist nicht uninteressant, aber für den Hauptplot überflüssig. Auch weil bis zum Ende der ersten Staffel (das ist die nicht offen ausgesprochene Idee der Macher) kein sich konflikthaft befruchtendes Verhältnis zwischen den Geschichten vorhanden ist.

Die Schauspieler holen oft Facetten aus den Rollen heraus, die die reinen Dialoge so nicht hergeben. Das gilt, zum Beispiel, für Ben Becker als Führungsoffizier von Lars Weber, der leicht zu einem kettenrauchendem Hardboiled-Proll-Klischeedetektiv hätte werden können. Er bringt auch etwas Humor in den gleichen Himmel. Oder für Jörg Schüttauf, der sein Leben lang für den Sozialismus kämpfte und dafür sein Umfeld ausspäht und ausspähen lässt. Oder für Anja Kling als vom Ehrgeiz zerfressene Mutter einer potentiellen Olympia-Teilnehmerin, die alles tun würde, damit ihre Tochter ihren Traum erfüllt – und sie die größere Wohnung bekommt.

Das wird durchgehend grundsolide präsentiert, aber mit einem Ende, das als Ende einer Miniserie in keinster Weise akzeptabel ist. Dass in der ZDF-Fassung am Ende in Schrifteinblendungen, die in der DVD-Fassung fehlen, die Geschichte weitererzählt wird, macht es nur noch schlimmer.

Das ZDF zeigt den zweiten Teil am Mittwoch, den 29. März, um 20.15 Uhr (Nachtwiederholung um 01.30 Uhr) und den dritten Teil am Donnerstag, den 30. März, ebenfalls um 20.15 Uhr (Nachtwiederholung am Samstag, den 1. April, um 02.15 Uhr [Taggenau!]) .

Polyband veröffentlicht die DVD am Freitag, den 31. März. Als Bonusmaterial gibt es ein „Making of“ (9:11 Minuten), das Featurette „Die Musik zu ‚Der gleiche Himmel’“ (4:47 Minuten), „Interviews mit den Darstellern Tom Schilling, Friederike Becht und Sofia Helin“ (7:26 Minuten) und ein „Interview mit Autorin Paula Milne“ (9:52 Minuten). Sie sind fast auch online, z. B. auf der ZDF-Homepage, verfügbar und eher oberflächlich in dem erwartbaren Promo-Rahmen. Wobei das Interview mit Paula Milne etwas aus dem Rahmen fällt, weil Drehbuchautorinnen normalerweise nicht befragt werden. Mit Oliver Hirschbiegel wurde dagegen, obwohl er im „Making of“ und dem Musik-Featurette dabei ist, anscheinend kein längeres Interview geführt.

mit Tom Schilling, Friederike Becht, Sofia Helin, Ben Becker, Claudia Michelsen, Anja Kling, Stephanie Amarell, Muriel Wimmer, Jörg Schüttauf, Godehard Giese, Jascha Rust, Hannes Wegener, Steffi Kühnert, Daniel Zillmann

DVD (erhältich ab dem 31. März)

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Making of, Die Musik zu „Der gleiche Himmel“, Interviews mit den Darstellern Tom Schilling, Friederike Becht und Sofia Helin, Interview mit Autorin Paula Milne

Länge: 270 Minuten (3 x 90 Minuten) (2 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

ZDF über „Der gleiche Himmel“

Moviepilot über „Der gleiche Himmel“

Wikipedia über „Der gleiche Himmel“ (deutsch, englisch)

Variety unterhält sich mit Oliver Hirschbiegel über die Serie

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Five Minutes of Heaven“ (Five Minutes of Heaven, GB 2009)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Diana“ (Diana, USA/GB 2013)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Elser“ (Deutschland 2015)  (mit Interviews mit Oliver Hirschbiegel über den Film) (und der DVD)


Neu im Kino/Filmkritik: „Becks letzter Sommer“ mit Christian Ulmen

Juli 24, 2015

Robert Beck (Christian Ulmen) ist Musiklehrer an einem Gymnasium und er ist schon seit Langem ziemlich frustiert von seiner Arbeit. Da bemerkt er das musikalische Talent des aus Litauen kommenden Rauli (gespielt von dem Argentinier Nahuel Pérez Biscayart, der wie ein französischer Chansonier aussieht). Beck erinnert sich an seine Jugend als Frontman der Rockband „Cash Punk“ und er beschließt, Rauli als Musiker aufzubauen. Er will ihm einen Plattenvertrag vermitteln. Bei einem so oft erwähnten Majorlabel, dass man schon nicht mehr von Schleichwerbung sprechen kann und sich spätestens nach der dritten Nennung des Labels fragt, warum Beck seinen begnadeten Schützling nur einem einzigen Label anbieten kann. Sowieso erfährt man in „Becks letzter Sommer“ nichts über das Musikgeschäft. Das wäre, wie man so schön sagt, ein anderer Film.
Außerdem verliebt Beck sich in die Kellnerin Lara (Friederike Becht), die in Italien eine Lehre als Schneiderin (ihr Zweitstudium!) beginnen möchte. Und sein seelisch labiler Nachbar Charlie (Eugene Boateng), den er noch aus „Cash Punk“-Tagen kennt, ist ein ständiger Gast in seiner lauschigen Studenbude.
Das plätschert, ziemlich konzentriert auf die Lehrer-Schüler-Beziehung zwischen Beck und Rauli, so vor sich hin, bis in der Filmmitte Charlie behauptet, seine Mutter läge in Istanbul im Sterben. Beck, Rauli und Charlie machen sich im Auto auf den Weg von Berlin nach Istanbul und geraten dabei in eine blutige Drogenschmuggelgeschichte. Diese Hälfte zitiert dann die bekannten Gangsterfilmklischees, während die Geschichte zunehmend unplausibel wird. Zum Beispiel bringen sie den schwer verletzten Charlie nicht zu einem Arzt, sondern fahren fröhlich pfeifend weiter zu ihrem Reiseziel.
Um zu betonen, dass beide Filmhälften nichts miteinander zu tun haben, wird als Insert A- und B-Seite eingeblendet. So als sei ein Spielfilm eine LP, die man umdrehen muss. Ein Spielfilm ist aber, um im Bild zu bleiben, eine A- oder eine B-Seite, ein Song, ein Thema. Auch „Becks letzter Sommer“ hat ein Thema. Selbstfindung sagen die Macher und das stimmt schon. Aber es ist für Beck eine Selbstfindung in sicheren Gewässern. Immerhin hat er als Lehrer (sogar mit dem Posten als Korektor in Aussicht) eine gesicherte Existenz und als Single keine Verantwortung für einen anderen Menschen. Er könnte jederzeit die Koffer packen. Er könnte jederzeit neben seinem Brotjob jeden Abend als Musiker auftreten. Er hat höchstens einen liebevoll Scheinkonflikt zwischen seinen Träumen und der Wirklichkeit.
Auch die anderen Charaktere haben nur Scheinkonflikte, die ihre dramaturgische Funktion – nämlich die Probleme von Beck aus anderen Perspektiven zu beleuchten – nie ausfüllen.
Deshalb plätschert Frieder Wittichs Film, in der zweiten Hälfte zunehmend unplausibel, einfach so vor sich hin. Immer vermeidet er die nötigen Zuspitzungen, weil er sich nie für eine Geschichte und einen zentralen Konflikt entscheidet.
Und der Titel „Becks letzter Sommer“ täuscht eine Finalität vor, die der Film nicht einlöst. Auch niemals einlösen möchte. Denn, auch wenn ich ein anderes Ende bevorzugt und glaubwürdiger gefunden hätte, ist „Becks letzter Sommer“ ist sein letzter Sommer als Lehrer (mit Rückkehrgarantie?).
Dass der Film auf einem Roman basiert, in dem das scheinbar so alles steht (ich habe ihn nicht gelesen), ist egal. Denn bei einer Verfilmung muss die Romangeschichte dem anderen Medium angepasst und auch, wenn nötig, verändert werden. Dazu kann dann schon einmal ein großer Teil des Romans, wie bei der John-Irving-Verfilmung „The Door in the Floor – Die Tür der Versuchung“ (die nur das erste Drittel des Romans zeigt), wegfallen. Dem Film hat es nicht geschadet.

Becks letzter Sommer - Plakat

Becks letzter Sommer (Deutschland 2015)
Regie: Frieder Wittich
Drehbuch: Oliver Ziegenbalg, Frieder Wittich
LV: Benedict Wells: Becks letzter Sommer, 2008
mit Christian Ulmen, Nahuel Pérez Biscayart, Eugene Boateng, Friederike Becht, Fabian Hinrichs, Anna Lena Klenke, Boris Gaza, Ernst Stötzner, Rainer Reiners, Hermann Beyer
Länge: 99 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Becks letzter Sommer“
Film-Zeit über „Becks letzter Sommer“
Moviepilot über „Becks letzter Sommer“
Wikipedia über „Becks letzter Sommer“
Perlentaucher über Benedict Wells


Neu im Kino/Filmkritik: Ein Staatsanwalt ermittelt „Im Labyrinth des Schweigens“

November 6, 2014

Am 20. Dezember 1963 begann im Frankfurter Rathaus, dem Römer, der Auschwitz-Prozess, der erstmals vor einem deutschen Gericht die Verbrechen in den Konzentrationslagern thematisierte. Der Prozess war ein nationales Ereignis, das auch zu einem Bewusstseinswandel bei den Deutschen beitrug.
Vor dem Prozessbeginn mussten Staatsanwälte jahrelang in mühseliger Kleinarbeit die Beweise für die Anklage sammeln und entscheiden, wenn sie anklagen. Da wurden, weil es keine deutschlandweite Datenbank mit allen Einwohnern gab und die Behörden mauerten, schon einmal alle deutschen Telefonbücher besorgt und in mühseliger Kleinarbeit auf der Suche nach Namen durchgeblättert. Und damit auch kein Täter gewarnt wurde, geschah das unter größter Geheimhaltung.
Diese Geschichte, die in der Wirklichkeit untrennbar mit Generalstaatsanwalt Fritz Bauer verbunden ist, erzählt Giulio Ricciarelli in „Im Labyrinth des Schweigens“ in einer stimmigen Balance zwischen Fakten und Fiktion, wobei der größte Schritt weg von der Realität der erfundene Protagonist Johann Radmann (Alexander Fehling) ist. Er ist ein junger Jurist, der sich gerade seine ersten Sporen als Staatsanwalt verdient, indem er engagiert, aber unterfordert Verkehrdelikte zur Anklage bringt, an das Recht glaubt und der noch nie etwas von den Verbrechen, die in Auschwitz geschahen, gehört hat, weil man fünfzehn Jahre nach Kriegsende nicht darüber sprach. Damals wollte man nur vergessen. Radmann soll, nachdem er Bauer, einige vielversprechende Ermittlungsansätze vorgelegt hat, die Beweise für eine Anklage sammeln. Dabei werden, auch weil er erfährt, dass sein im Krieg verschollener Vater ein NSDAP-Mitglied war, seine Überzeugungen auf eine harte Probe gestellt. Angetrieben wird er bei seiner Suche von dem „Frankfurter Rundschau“-Journalisten Thomas Gnielka (den es ebenfalls gab) und dessen Dokumente die Initialzündung für den Auschwitz-Prozess waren. Behindert wird er von Kollegen, Polizisten und einer Gesellschaft, die nicht über die zwölfjährige Nazi-Diktatur reden, sondern diese Jahre aus ihrer Erinnerung streichen wollen.
Ricciarellis Debütspielfilm gehört zu den seltenen Glücksfällen im deutschen Kino, bei denen alles stimmt. Die dicht erzählte Geschichte ist spannend. Sie zeichnet, auch dank der gelungenen Kameraarbeit, ein genaues Bild der damaligen bleiernen Zeit. Die historischen Gebäude wecken Erinnerungen und weil an den historischen Orten gedreht wurde, wirkt die Filmgeschichte noch authentischer. Die Ausstattung ist ebenso authentisch. Nie hat man den Eindruck, dass in einer sorgfältig ausgestatteten Kulisse gedreht wurde. Die Dialoge klingen immer natürlich und sie umschiffen die Fallen des Stoffes, die zu didaktischen Dialogen und Monologen einladen. Sie zeichnen auch nebenbei ein Bild der damaligen Gesellschaft, in der es genau austarierte Hierarchien gab.
Das einzige, was man dem Film vorwerfen kann, ist dass Fritz Bauer zu einem grumpy old man wird, der in seinem Büro sitzt und Aufträge vergibt. Dabei hat er das Team von jungen Staatsanwälten, die damals die Beweise suchten, für ihr Leben beeinflusst und Bauer war einer der liberalen Denker, der das Gespräch mit Jüngeren suchte und ein besseres Deutschland wollte. Dieser Teil seines Charakters wird in dem Drama nicht beleuchtet. Dennoch, oder wahrscheinlich genau sogar deshalb, könnte Bauer, der nicht sich selbst, sondern die Sache in den Vordergrund stellte, der Film gefallen.
Denn „Im Labyrinth des Schweigens“ ist ein spannender Polit-Thriller, der gelungen die Genre-Muster vom Kampf des Einzelnen gegen die Gesellschaft bedient, ein Gefühl der damaligen Zeit vermittelt, informativ und aufklärerisch ist, neugierig auf die Vergangenheit und die damaligen Ereignisse macht und intelligent unterhält. Damit steht er gelungen in der Tradition von Filmen wie „Die Unbestechlichen“ (All the President’s Men).

Im Labyrinth des Schweigens - Plakat

Im Labyrinth des Schweigens (Deutschland 2014)
Regie: Giulio Ricciarelli
Drehbuch: Elisabeth Bartel, Giulio Ricciarelli
mit Alexander Fehling, André Szymanski, Friederike Becht, Gert Voss, Johannes Krisch, Hansi Jochmann, Johann von Bülow, Robert Hunger-Bühler, Lukas Miko, Lisa Martinek
Länge: 123 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Im Labyrinth des Schweigens“
Film-Zeit über „Im Labyrinth des Schweigens“
Moviepilot über „Im Labyrinth des Schweigens“
Wikipedia über „Im Labyrinth des Schweigens“ (deutsch, englisch)
taz: Interview mit Ex-Staatsanwalt Gerhard Wiese (einer der Ankläger im Auschwitz-Prozess und eines der Vorbilder für Johann Radmann) über die historischen Hintergründe (6. November 2014)

Vorankündigung
Vor dem Filmstart unterhielt ich mich mit Regisseur Giulio Ricciarelli über den Film und die historischen Hintergründe. Das Interview erscheint in der nächsten Ausgabe der „vorgänge – Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftpolitik“.


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