TV-Tipp für den 13. September: The Birt of a Nation – Aufstand zur Freiheit

September 12, 2019

Pro7, 23.30

The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit (The Birth of a Nation, USA 2016)

Regie: Nate Parker

Drehbuch: Nate Parker (nach einer Geschichte Nate Parker und Jean McGianni Celestin)

Nachdem Quentin Tarantino „Django Unchained“ hat, präsentiert Pro 7 zu fast mitternächtlicher Stunde die TV-Premiere eines Historiendramas, das die Geschichte der USA nicht aus der Geschichte des weißen Mannes, sondern aus der Sicht der Sklaven erzählt. Im Mittelpunkt steht Nat Turner, der 1831 in Virginia einen Sklavenaufstand initiierte.

Nate Parkers von der US-Kritik auch und gerade wegen seiner politischen Botschaft abgefeiertes Drama ist trotz gewisser Schwächen sehenswert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Nate Parker, Armie Hammer, Mark Boone jr., Colman Domingo, Aunjanue Ellis, Dwight Henry, Aja Naomi King, Esther Scott, Roger Guenveur Smith, Gabrielle Union, Penelope Ann Miller, Jackie Earle Haley

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Birth of a Nation“

Metacritic über „The Birth of a Nation“

Rotten Tomatoes über „The Birth of a Nation“

Wikipedia über „The Birth of a Nation“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Nate Parkers „The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit“ (The Birth of a Nation, USA 2016)

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Neu im Kino/Filmkritik: Was eine Mutter für ihre Kinder tut: „Breaking in“

August 16, 2018

Shaun Russell will das malerisch gelegene, riesige Anwesen ihres Vaters verkaufen. Er starb bei einem Unfall, der in Wirklichkeit ein Mord war. Und die Mörder sind gerade in dem Russell-Anwesen. Irgendwo in dem Haus ist ein randvoll mit Geld gefüllter Safe, den sie schnell finden und öffnen müssen. Denn neunzig Minuten nachdem sie die Telefonleitung gekappt haben, wird die Polizei informiert.

Das ahnt Shaun nicht, als sie mit ihren beiden Kindern, Jasmine und Glover, vorfährt und durch das Haus streift, das sie seit Ewigkeiten nicht mehr betreten hat. Sie will sich einmal umsehen und alles für den Verkauf herrichten. Dabei bemerkt sie, dass ihr Vater das Haus zu einem Hochsicherheitsgebäude umfunktioniert hat. Kurz gesagt: das Haus kann mühelos als einziger riesiger Safe Room funktionieren.

Als sie die Eindringlinge entdeckt, kommt es zu einigem Hin und Her. Am Ende steht sie vor dem einbruchsicheren Haus und im Haus sind die vier Einbrecher und ihre beiden Kinder. Shaun versucht jetzt, sie zu befreien.

Einen Innovationspokal wird „Breaking in“ nicht erhalten. Dafür ist die Geschichte zu vorhersehbar und auch mit zu vielen offenen Fragen und zu großen Logiklücken versehen. So beschäftigen die Verbrecher sich lieber damit, Shaun durch den anliegenden Wald zu verfolgen und mit ihr um und im Haus Katz und Maus zu spielen, anstatt den Safe zu suchen, auszuräumen und schnell zu verschwinden.

Interessant ist allerdings die Besetzung der Hauptrolle. Gabrielle Union spielt eine Action-Rolle, die früher von Männern gespielt wurde. Außerdem ist sie eine Afroamerikanerin. Und gerade das ist heutzutage immer noch ungewöhnlich.

Das ändert aber nichts daran, dass alle Charaktere, vor allem die Gangster, reinste Reißbrettcharaktere sind (der pseudokluge Anführer mit dem Plan, der blutrünstig-psychopathische Killer, die beiden austauschbaren Gehilfen), und die Story sich schnell zwischen Straight-to-DVD und „TV-Film der Woche“ einpendelt. Dazu trägt auch die kurze Laufzeit von knapp neunzig Minuten bei.

Immerhin versucht Shaun lange Zeit die Bösewichter auszutricksen und weckt damit die wahnwitzige Hoffnung auf eine kluge Heldin, die ihr Ziel auch ohne Gewaltanwendung erreicht. Am Ende wird der Konflikt zwischen den Einbrechern und der Hausbesitzerin nach dem vertrauten Muster gelöst, das der Justiz viel Arbeit erspart (Hm, man sollte mal einen Film darüber machen, wie eine solche Heldin sich vor Gericht gegen die Mordanklage von den Angehörigen der toten Verbrecher und dem Staatsanwalt verteidigt.).

Inszeniert wurde „Breaking in“ ohne eine spürbare eigene Handschrift von James McTeigue, der seit seinem Debüt „V wie Vendetta“ bei jedem Film über ein kleineres Budget verfügt. Das Drehbuch ist von Ryan Engle, der auch die Drehbücher für die Liam-Neeson-Actionfilme „Non-Stop“ und „The Commuter“ und für den Dwayne-Johnson-Aktionkracher „Rampage“ mit schrieb.

Am Ende ist bei „Breaking in“ das einzig ungewöhnliche die Hautfarbe der Hauptdarstellerin. Damit reiht sich der Thriller in die Reihe der Filme ein, die einfach noch einmal eine sattsam bekannte Geschichte erzählen. Nur dieses Mal nicht mit Weißen, sondern mit Afroamerikanern als Protagonisten. Spannender oder besser wird der Film dadurch nicht.

Breaking in (Breaking in, USA 2018

Regie: James McTeigue

Drehbuch: Ryan Engle (nach einer Geschichte von Jaime Primak Sullivan)

mit Gabrielle Union, Billy Burke, Richard Cabral, Ajiona Alexus, Levi Meaden, Jason George, Seth Karr, Christa Miller

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

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Moviepilot über „Breaking in“

Metacritic über „Breaking in“

Rotten Tomatoes über „Breaking in“

Wikipedia über „Breaking in“


Neu im Kino/Filmkritik: „The Birth of a Nation“, die afroamerikanische Version

April 17, 2017

In den USA wird seit seiner Premiere auf dem Sundance Filmfestival am 25. Januar 2016 über Nate Parkers Regiedebüt „The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit“ diskutiert. Das Drama wurde schon damals, lange vor dem US-Kinostart und über ein Jahr vor der nächsten Oscar-Verleihung als heißer Oscar-Kandidat gehandelt. Für eine Oscar-Nominierung ist ein Kinostart notwendig. Nate Parker, der neben der Regie auch das Drehbuch schrieb, produzierte und die Hauptrolle spielt, wurde als aufstrebender Star gehandelt. Bis er Probleme wegen eines alten, lange bekannten Vergewaltigungsvorwurfes bekam (er wurde freigesprochen), die uns hier nicht interessieren sollen.

Parker spielt Nat Turner (2. Oktober 1800 – 11. November 1831), einen Sklaven in Virginia, der auf der Farm von Samuel Turner (Armie Hammer) gegenüber den anderen, ihm andächtig lauschenden Sklaven das Wort Gottes verkündet. Er kann, damals selten, lesen. Die Bibel ist das einzige Buch, das er besitzt. Sie ist seine Bibel. Seine Dienste werden auch von anderen Sklavenhaltern angefordert. Er soll mit seinen Predigten für ein friedliches Verhalten der Sklaven sorgen.

Samuel Turner lässt sich die Dienstleistungen von Nat Turner gut bezahlen. So kann er den drohenden Bankrott abwenden. Er ist auch ein eher liberaler Sklavenhalter. Im Gegensatz zu den anderen Sklavenhaltern, die ihre Sklaven schlechter als ihr Vieh behandeln, lässt er ihnen gewisse Freiheiten und er hört auch auf die Ratschläge und Wünsche von Nat Turner.

Langsam erwacht bei Nat Turner ein Bewusstsein für die Unterdrückung und das Gefühl, etwas dagegen tun zu müssen. Es mündet in dem historisch verbürgten und in der Werbung für den Film breit angekündigtem „Aufstand zur Freiheit“.

Der war im August 1831 und endete in einem Blutbad. Sechzig Weiße und Hunderte von Sklaven sterben. Die meisten Sklaven wurden dabei von Weißen bei Vergeltungsmaßnahmen getötet. Die genaue Zahl der ermordeten Afroamerikaner ist unbekannt.

Schon im Titel postuliert Nate Parker einen hohen Anspruch. Auch wenn heute fast niemand D. W. Griffiths rassistisches Stummfilmepos „The Birth of a Nation“ (Die Geburt einer Nation, USA 1915) kennt, ist der Titel bekannt und dass Griffith die Geburt der USA aus der Perspektive des weißen Mannes, mit dem Ku-Klux-Klan als Macht des Guten, erzählte. Da kann, soll und ist ein Film mit dem gleichen Titel, aber einer hundertprozentig konträren Geschichte und Weltsicht, nur als Gegenentwurf und als Überschreibung des älteren Films verstanden werden. Es ist eine Kampfansage, die schon im Titel formuliert wird.

Denn Parker erzählt in seinem Film die Geschichte vom Geburt der Nation aus der afroamerikanischen Perspektive. Und, betrachtet aus der distanzierten europäischen Perspektive, ist Parkers Film nicht so gelungen, wie man es nach dem selbstgesteckten Anspruch und dem US-Kritikerlob erhofft.

Schließlich gab es in den vergangenen Jahren mehrere Filme, die dieses und ähnliche Themen besser behandelten. Zu nennen sind hier fast alle Filme von Spike Lee, Mario Van Peebles Western „Posse“ (USA 1993), Steve McQueens „12 Years a Slave“ (USA 2013) (allerdings ist McQueen Engländer), Ava DuVernays „Selma“ (USA 2014) oder Theodore Melfis „Hidden Figures“ (USA 2016). Um nur einige Beispiele zu nennen.

Dagegen ist Parkers „The Birth of a Nation“ nur ein konventionelles Agitprop-Biopic, das bis zu dem blutigen Aufstand, vor sich hin plätschert. Er reiht Episoden aus dem Leben von Nat Turner aneinander, die im Rückblick ein Entwicklungsroman sind, der in der von Nat Turner angeführten Revolte mündet. Beim Ansehen ist das allerdings nicht erkennbar. Nat Turner sieht und erlebt schlimme Dinge. Aber sie scheinen keine unmittelbare Wirkung auf ihn zu haben. Deshalb erscheint Turners Aufstand dann auch weniger als Konsequenz aus dem vorher erlebten, sondern mehr als Konsequenz aus der Laufzeit des Films.

Wenn man „The Birth of a Nation“ nur als weiteren Teil aktueller afroamerikanischer Geschichtsschreibung betrachtet, der die Lücken der traditionellen Geschichtsschreibung in der Wissenschaft, der Literatur und in Hollywood bewusst macht, und die historisch sehr einseitige Geschichtsschreibung des Weißen Mannes (vulgo der Trump-Wähler) angreift, dann hat Nate Parkers „The Birth of a Nation“ seine unbestreitbaren Verdienste. Er stieß in den USA auch Diskussionen an.

Für uns Europäer dürfte vor allem das von Parker vielschichtig gezeichnete Bild der Sklavenhaltergesellschaft in den Südstaaten interessant sein. Er zeigt die Unterdrückung und die Mechanismen der Unterdrückung. Aber auch, dass die Verhältnisse zwischen Sklaven und Sklavenhaltern teilweise komplizierter waren, als es den äußeren Anschein hatte. Er wirft auch ein Bild auf die damit zusammenhängenden ökonomischen Strukturen.

Auf dem Sundance Filmfestival erhielt der Film den Audience Award und den Grand Jury Price. Letzteren mit folgender, die Botschaft des Films ansprechenden Begründung: „In the words of the recently and dearly departed Alan Rickman, ‚The more we’re governed by idiots and have no control over our destinies, the more we need to tell stories to each other about who we are, why we are, where we come from, and what might be possible.‘ This year the winner embodies this notion singularly and accomplishes it with grand cinematic vision. Most of all, it challenges each of us to carry a riotous disposition for injustice and the system that preserve it everywhere and in doing so, it is both timeless and right on time.“

The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit (The Birth of a Nation, USA 2016)

Regie: Nate Parker

Drehbuch: Nate Parker (nach einer Geschichte Nate Parker und Jean McGianni Celestin)

mit Nate Parker, Armie Hammer, Mark Boone jr., Colman Domingo, Aunjanue Ellis, Dwight Henry, Aja Naomi King, Esther Scott, Roger Guenveur Smith, Gabrielle Union, Penelope Ann Miller, Jackie Earle Haley

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

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Rotten Tomatoes über „The Birth of a Nation“

Wikipedia über „The Birth of a Nation“ (deutsch, englisch)

 


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