Neu im Kino/Filmkritik: Es führt keine „Highway to Hellas“

November 27, 2015

Das ist nicht „Local Hero“. Das ist nicht „Local Hero“. Das ist nicht „Local Hero“, obwohl die Prämisse von „Highway to Hellas“ sehr nach „Local Hero“ klingt, dieser herzigen Komödie von Bill Forsyth, in der ein US-Amerikaner aufgrund seines schottischen Namens ein abgelegen an der Küste gelegenes schottisches Dorf überzeugen soll, dass eine riesige Ölraffinerie vor der Haustür eine tolle Angelegenheit sei.
In „Highway to Hellas“ soll Jörg Geissner für die AVO-Bank die Sicherheiten für einen Kredit, den die Bank der griechischen Insel Paladiki vor Jahren zur Entwicklung des Tourismus gewährte, überprüfen. Die Inselbewohner sind von dem Besuch aus Deutschland nicht begeistert. Aber südländisch gewitzt wie sie sind, wollen sie den stocksteifen deutschen Aktenfresser so lange an der Nase herumführen, bis er bestätigt, dass die in der Realität nicht vorhandenen Sicherheiten für den Kredit vorhanden sind.
Deshalb beginnen die wenigen Inselbewohner (insgesamt scheint die Insel mit einem großen Leerstand bezugsfertiger Wohnungen nur von einer Handvoll Menschen bewohnt zu sein) mit einer Charade, die alles das enthält, was einem halt so einfällt, wenn man die bekannten Klischees über Griechenland und die Südeuropäer so sammelt. Es gibt also bunte Fassadenhäuser, epische Beerdigungen, reichlich Alkohol und wonneproppige Frauen. Es gibt Improvisationen und kleine Gemeinheiten, wenn Herr Geissner (gespielt von Christoph Maria Herbst, der seit Stromberg nur noch einen Typ spielen darf) auf einem Esel reitet oder, tags drauf, Sozius auf dem Motorrad des deutsch-griechischen Klein-Casanova-Einzelhändlers Gigolo Panos (Adam Bousdoukos) sein darf, das natürlich prompt liegen bleibt.
Diese eher weniger witzigen Episoden plätschern dann so aufregend wie eine schlechte „Traumschiff“-Folge bis zum vorhersehbaren und auch unbefriedigenden Ende vor sich hin. Da gibt es dann sogar ein, zwei Überraschungen, die, wenn sie früher präsentiert worden wären, auch aus dieser arg vor sich hin langatmigen Geschichte einen besseren Film gemacht hätten.
Allerdings, das muss auch gesagt werden, taugt das auf Harmonie machende Ende noch nicht einmal als Scheinlösung. Jedenfalls wenn man sich nur eine Zehntelsekunde fragt, was jetzt aus den Plänen der AVO-Bank wird. Diese und der Widerstand der Inselbewohner dagegen hätten die Grundlage für einen guten Film sein können. Aber die Macher drehten einen anderen Film.
So ist „Highway to Hellas“ vor allem behauptete Völkerverständigung mittels sich bestätigender Klischees.

Highway to Hellas - Plakat

Highway to Hellas (Deutschland 2015)
Regie: Aron Lehmann
Drehbuch: Arnd Schimkat, Moses Wolff, Aron Lehmann
LV/Buch zum Film (oder so): Arndt Schimkat/Moses Wolff: Highway to Hellas, 2014
mit Christoph Maria Herbst, Adam Bousdoukos, Akillas Karazisis, Christos Valavanidis, Giorgos Kotanidis, Rosalie Thomass, Eva Bay, Errikos Litsis, Gitta Schweighöfer
Länge: 89 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Highway to Hellas“
Film-Zeit über „Highway to Hellas“
Moviepilot über „Highway to Hellas“

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Neu im Kino/Filmkritik: „Irre sind männlich“ und Frauen sind bekloppt

April 24, 2014

Beginnen wir mit dem Positiven. Das Apartment von Daniel sieht wirklich wie eine Wohnung aus, in der jemand lebt.
Aber der Rest ist mit „eine deutsche Komödie“ nur unzureichend beschrieben. Denn „Irre sind männlich“ ist ein unwitziger Kladderadatsch, der sich auch irgendwie an Wochenendpsychotherapien abarbeiten will, aber nur sattsam bekannte Klischees ohne weiteren Erkenntniswert reproduziert, als hätte es nie Edward Nortons Gang durch die Selbsthilfegruppen in David Finchers grandioser Chuck-Palahniuk-Verfilmung „Fight Club“ gegeben.
Aber Regisseur Anno Saul („Kebab Connection“, „Wo ist Fred?“) und die Drehbuchautoren Philip Voges und Ilja Haller wollten mit „Irre sind männlich“ keine bitterböse Satire, sondern eine deutsche RomCom abliefern.
Denn eigentlich ist Daniel Lukas (Fahri Yardim) ein Traummann, wenn er nicht so furchtbar anhänglich wäre. Deshalb verlässt ihn seine Freundin Mia (Josefine Preuß). Sein Freund Thomas Vierzig (Milan Peschel), gleichzeitig Geschäftspartner in ihrer Computerspielefirma, überredet ihn, mit ihm während verschiedener Wochenendtherapien möglichst viele Frauen flach zu legen. Dafür melden sie sich mit falschen Namen und erfundenen Lebensläufen bei den Therapien an.
Bei einem Therapiewochenende trifft Thomas wieder auf Sylvie (Marie Bäumer), die er bei einem früheren Therapiewochenende versetzte, weil die gleichaltrige Wuchtbrumme nach seiner Berechnung viel zu alt für ihn ist. Sie, die die Wochenenden ebenfalls für folgenlose Bettgeschichten benutzt, will sich jetzt an Thomas rächen und erpresst ihn zum Geschlechtsverkehr.
Gleichzeitig trifft Daniel wieder auf Bernadette (Peri Baumeister), eine bekannte Schauspielerin – und die beiden Kontrollfreaks verlieben sich ineinander.
Uups, habe ich jetzt etwas verraten?
Die interessantere Liebesgeschichte in dem Film ist die zwischen Thomas und Sylvie, zwei vergnügungssüchtigen Menschen, die Bindungen wie der Teufel das Weihwasser fürchten.
Aber im Rahmen einer erfolgreichen Konfliktvermeidungsstrategie wird sich auf das langweilige Paar konzentriert, es gibt einige Witzeleien über die Psychotherapie und etwas RomCom-Sauce, wobei die Konflikte, die von Anno Saul, Philip Voges und Ilja Haller aufgebaut werden, noch nicht einmal als Scheinkonflikte taugen.
„Irre sind männlich“ ist ein deprimierender, in einem Paralleluniversum spielender Film, in dem schon andere furchtbare deutsche Filme entstanden, die heute niemand gesehen haben will.

Irre sind männlich - Plakat

Irre sind männlich (Deutschland 2014)
Regie: Anno Saul
Drehbuch: Philip Voges, Ilja Haller
mit Fahri Yardim, Milan Peschel, Marie Bäumer, Peri Baumeister, Josefine Preuß, Tom Beck, Carolin Kebekus, Herbert Knaup, Gitta Schweighöfer
Länge: 93 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Irre sind männlich“
Moviepilot über „Irre sind männlich“


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