Neu im Kino/Filmkritik: „Magic Mike XXL“ für die Mädels

Juli 23, 2015

Als „Magic Mike“ vor drei Jahren in die Kinos kam, war es ein kleiner Indie-Film. Ein weiterer Steven-Soderbergh-Film mit einem Thema, das so unkommerziell war, dass wirklich niemand mit dem anschließenden Kassenerfolg rechnete. Denn Soderbergh erzählte aus dem Leben einiger Stripper aus Tampa, Florida. Die beiden Hauptdarsteller, Channing Tatum und Matthew McConaughey, waren damals beide nicht so angesagt wie heute. McConaugheys Karriere steckte, höflich formuliert, in einer Sackgasse und Tatums große Kinoerfolge lagen noch vor ihm.
Nach dem Erfolg von „Magic Mike“ lag natürlich eine Fortsetzung nahe. Steven Soderbergh übernahm zwar nicht die Regie, weil er keine Spielfilme mehr drehen will. Matthew McConaughey, zuletzt „True Detective“ und „Interstellar“, ist derzeit mit anderen Projekten beschäftigt und verlangte als Oscar-Gewinner mehr Geld. Aber viele, die bei dem ersten Film dabei waren, sind jetzt auch dabei. Soderbergh ist einer der Produzenten. Außerdem übernahm er als Peter Andrews die Kamera und als Mary Ann Bernard den Schnitt. „Magic Mike“-Drehbuchautor Reid Carolin schrieb das Buch für „Magic Mike XXL“. Die Regie übernahm Gregory Jacobs, ein langjähriger Mitarbeiter von Soderbergh. Oft als Second Unit Regisseur. Er kennt also Soderberghs Stil und künstlerischen Ansatz. Bei „Magic Mike“ war er „First Assistant Director“. Und etliche der Darsteller von „Magic Mike“ sind bei „Magic Mike XXL“ wieder dabei.
Das weckt die Hoffnungen auf einen gelungenen zweiten Film. Und „Magic Mike XXL“ gehört zu den Fortsetzungen, die nicht einfach nur die Geschichte des ersten Films noch einmal erzählen. Nur mit einem höheren Budget (okay, es ist höher, aber mit geschätzten 15 Millionen immer noch gering), mehr von den Attraktionen des ersten Teils (hm, jetzt habe ich die Tanzszenen nicht gezählt, aber es dürften mehr sein, mit neuen Tänzern an neuen Orten) und schlechter. Das kann jetzt nicht unbedingt gesagt werden, denn „Magic Mike“ und „Magic Mike XXL“ sind doch zwei sehr verschiedene Filme.
„Magic Mike“ war eine Bestandsaufnahme der US-Gesellschaft. Das Strippen diente als Spiegel der kapitalistischen Gesellschaft und Soderbergh lieferte, wie schon in „The Girlfriend Experience“ (über ein von einer Pornodarstellerin gespieltes Callgirl) einen quasi soziologischen und dokumentarischen Blick in ein unbekanntes Milieu. Neben den nackten Männerkörpern für’s Auge gab es auch etwas für den Verstand. Gregory Jacobs erzählt in „Magic Mike XXL“ einfach die Geschichte eines Wochenendes.
Mike Lane (Channing Tatum) hat inzwischen seine Schreinerei. Er schlägt sich so durch, bis er einen Anruf seiner alten Kumpels erhält. Die „Kings of Tampa“ wollen in Myrtle Beach bei einer Stripper-Convention noch einmal auftreten. Ihr alter Chef, ist zwar nicht dabei, aber, hey, sie werden eine Menge Spaß haben und es noch einmal richtig krachen lassen.
„Magic Mike XXL“ erzählt dann, wie die Jungs sich an die Vergangenheit erinnern, über ihr jetziges Leben und ihre Pläne reden, und einige Abenteuer auf dem Weg zur Convention erleben, wo sie mit einer neuen Show auftreten.
Mehr passiert nicht in den zwei Stunden, in denen vor allem die Gespräche der Stripper sehr natürlich klingen. Aber oft auch einen Tick zu lang sind. So als seien sie improvisiert. Und so wahnsinnig interessant sind die Gespräche über damals, heute und demnächst, inszeniert im schönsten quasi-dokumentarischen New-Hollywood-Stil, dann doch nicht.
Die Hauptattraktion sind sowieso die Stripper, die immer wieder, an den unmöglichsten Orten mehr oder weniger unbekleidet auftreten und in einer Mischung aus Softporno (ersetzt einfach die Männer durch Frauen) und Musical ihre durchtrainierten Körper zeigen. Das ist ein hundertprozentig auf die Zielgruppe Frauen und homosexuelle Männer zugeschnittenes Werk, das genau jene soziale Relevanz vermissen lässt, die „Magic Mike“ hatte.
„Magic Mike XXL“ ist nur das Äquivalent zu einem Jungswochenende. Inszeniert für ein weibliches Publikum. In den USA bestand das Publikum in der ersten Woche fast nur aus Frauen.
Für uns Jungs gibt es ja das „World’s End“, das zwischen Bier und Außerirdischen-Invasion sogar etwas tiefgründiger ist.

Magic Mike XXL - Plakat

Magic Mike XXL (Magic Mike XXL, USA 2015)
Regie: Gregory Jacobs
Drehbuch: Reid Carolin
mit Channing Tatum, Matt Bomer, Joe Manganello, Kevin Nash, Adam Rodriguez, Gabriel Iglesias, Amber Heard, Donald Glover, Andie MacDowell, Jada Pinkett Smith, Elizabeth Banks
Länge: 115 Minuten
FSK: ab 12 Jahre (immerhin in den USA gab es ein R-Rating)

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Magic Mike XXL“
Moviepilot über „Magic Mike XXL“
Metacritic über „Magic Mike XXL“
Rotten Tomatoes über „Magic Mike XXL“
Wikipedia über „Magic Mike XXL“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Magic Mike“ (Magic Mike, USA 2012)

Werbeanzeigen

%d Bloggern gefällt das: