Neu im Kino/Filmkritik: „Lethal Weapon“ Shane Black macht mit Tony Stark in „Iron Man 3“ „Kiss Kiss Bang Bang“

Mai 1, 2013

 

Iron Man, aka Tony Stark, ist sicher der unernsteste Superheld im Kino und Robert Downey Jr. gelingt es diesen eigentlich sehr unsympathischen Charakter als einen coolen Kumpel erscheinen zu lassen und den teilweise doch sehr militaristischen Hintergrund vergessen zu lassen. Naja fast. Denn auch in „Iron Man 3“ geht es um milliardenschwere Rüstungsaufträge.

Im ersten „Iron Man“-Film, der ein Überraschungserfolg war, ist Tony Stark ein skrupelloser, egomanisch-egozentrischer Waffenhersteller und exzentrischer Playboy, der, als er gerade in Afghanistan dem US-Militär sein neuestes Waffensystem verkaufen will, von der internationalen Terroristengruppe „Die zehn Ringe“ gefangen genommen wird. Er baut sich die Iron-Man-Rüstung und kämpft anschließend auch gegen konzerninterne Gegner.

Im zweiten „Iron Man“-Film ist dann Justin Hammer (Sam Rockwell), Chef einer konkurrierenden Rüstungsfirma, sein Gegner. Und Ivan Vanko (Mickey Rourke), dessen Vater von Tonys Vater ausgebootet wurde, will sich an Tony Stark rächen.

Und im dritten „Iron Man“-Film ist Aldrich Killian (Guy Pearce) sein Gegner. Er hat den „Extremis“-Virus, der Menschen quasi unbesiegbar, macht, weiterentwickelt und er möchte mit Stark Industries optimierte Iron Männer herstellen. Weil Tony Stark sich aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen und Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) die Leitung übertragen hat, führt Killian die Gespräche mit ihr und er versucht dabei alte Gefühle wieder wachzurufen. Außerdem wurde er vor Jahren auf einer Silvesterfeier von Tony in dessen typisch arroganter Manier versetzt – und er scheint darüber immer noch serhr verärgert zu sein.

Aber Tonys Hauptgegner ist der Mandarin (Sir Ben Kingsley), ein international gesuchter Terrorist und Anführer der „Zehn Ringe“, der den USA mit seinen Anschlägen Lehren erteilen will und eine Mischung aus Osama bin Laden und Dr. Fu Manchu ist. Ein wahrer Anti-Gandhi, dessen erste Lehrstunde für Tony Stark, nachdem der sich ihm gegenüber unflätig äußerte (es war so etwas wie „ich werde dich vernichten“), die Vernichtung von Tony Starks mondänem Anwesen ist, das ja schon in den vorherigen „Iron Man“-Filmen nicht gerade pfleglich behandelt wurde. Tony kann in seinem neuesten Iron-Man-Anzug entkommen. Nach einer Bruchlandung in dem Ort Rose Hill, Tennessee (nicht gerade Kansas, aber fast), beginnt er, mit der Hilfe des achtjährigen Harley Keener (Ty Simkins), den Anzug zu reparieren und den Mandarin zu suchen. Denn nur Tony Stark hat die Lizenz, das eigene Haus zu zerstören.

Iron Man 3“, standesgemäß und ziemlich überflüssig in 3D, knüpft gelungen an die vorherigen beiden „Iron Man“-Filme an. Die vertrauten Charaktere sind dabei. Es gibt Action, Humor, köstliche Screwball-Dialoge zwischen Tony Stark und Pepper Potts, seiner ehemaligen Privatsekretärin und jetzigen Firmenleiterin und Quasi-Lebensgefährtin (für sie scheinen Wortgefechte der Ersatz für Sex zu sein), und Happy Hogan ist auch wieder dabei. Zuerst als überpenibler und absolut humorloser Sicherheitschef, danach schwer lädiert im Krankenbett.

Happy-Hogan-Darsteller Jon Favreau gab dieses Mal die Regie an Shane Black ab, der in den Achtzigern und Neunzigern als Drehbuchautor von Action-Krachern „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“, „Last Boy Scout – Das Ziel ist überleben“, „Last Action Hero“ (auch da spielte ein kleiner Junge mit, der seinem Superhelden begegnet) und „Tödliche Weihnachten“ Geld wie Heu verdiente und einer der wenigen Drehbuchautoren war, dessen Namen einem breiteren Publikum bekannt war. 2005 hatte er mit seinem Regiedebüt „Kiss Kiss Bang Bang“ eine triumphale Rückkehr, die für ihn in den nächsten Jahren trotzdem nicht zu weiteren Filmen in Hollywood führte, aber den Karriereneustart von Robert Downey Jr. einläutete.

Auch in „Iron Man 3“ ist Shane Blacks Handschrift, soweit bei einem Blockbuster und einem Film aus einer Serie davon gesprochen werden kann, zu erkennen. So gibt es für einen Action-Film erstaunlich wenig Action. Dafür widmet Black sich ziemlich ausführlich den Charakteren und auch die Beziehung von Tony Stark zu Harley, der ihn als Helden verehrt, nimmt viel Platz ein. Er wird für ihn zu einem Quasi-Vater.

Die Action, auch wenn die Iron-Man-Anzüge oft genug benutzt werden, erinnert eher an die 80er-Jahre-Action-Filme, in denen es ordentlich im Mann-gegen-Mann-Kampf krachte und wenn am Ende Robert Downey Jr. und Don Cheadle, nur bewaffnet mit ihren Pistolen, auf ein Schiff stürmen, dann sind wohlige Erinnerungen an Mel Gibson und Danny Glover und ihre „Lethal Weapon“-Wortgefechte nicht fern.

Und weil in „Iron Man 3“ Nick Fury und S.H.I.E.L.D. nicht auftreten und die Ereignisse in New York mit den Avengers nicht angesprochen werden (Tony will darüber nicht reden und kriegt, wenn er sich doch daran erinnert oder darauf angesprochen wird, Panikattacken; – hm, wie Martin Riggs in „Lethal Weapon“), knüpft „Iron Man 3“ an den ersten „Iron Man“-Film an und ist deutlich weniger militaristisch als „Iron Man 2“, der teilweise wie eine kaum getarnte Leistungsschau des Militärs aussieht..

Iron Man 3“ ist gutes Blockbuster-Kino mit selbstironischen Tönen, einem altmodischen Erzählduktus ohne 25 überraschende Plotwendungen am Ende und einer bedeutungsschwer vor sich hin getragenen Botschaft. Dafür ist Tony dann doch der falsche Charakter, auch wenn er einige neue Facetten erhält.

Der Film liefert genau das, was man inzwischen von einem „Iron Man“-Film erwartet und nach dem erfreulich kurzen Abspann gibt es noch eine kleine Sequenz und den Hinweis, dass es einen weiteren „Iron Man“-Film geben wird.

Iron Man 3 - Hauptplakat

Iron Man 3 (Iron Man 3, USA 2013)

Regie: Shane Black

Drehbuch: Drew Pearce, Shane Black

mit Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow, Don Cheadle, Sir Ben Kingsley, Guy Pearce, Jon Favreau, Ty Simpkins, Rebecca Hall, James Badge Dale, Stephanie Szostak, William Sadler, Miguel Ferrer, Dale Dickey

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Iron Man 3“

Metacritic über „Iron Man 3“

Rotten Tomatoes über „Iron Man 3“

Wikipedia über „Iron Man 3“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Shane Black und Kevin Feige zum Film

Den of Geek: Interview mit Shane Black zum Film

 

 

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DVD-Kritik: Über John Hillcoats grandiosen 30er-Jahre-Gangsterfilm „Lawless – Die Gesetzlosen“

März 28, 2013

Es ist – – – verdammt ärgerlich. Da kommt nach einigen enttäuschenden Prä-1955-Gangsterfilmen, wie Michael Manns „Public Enemies“ und Ruben Fleischers „Gangster Squad“ (nach dem Kritikerkonsens ein verheerend uninteressanter Film), endlich ein richtig gutes, top-besetztes Gangsterdrama heraus und dann findet sich aus unerfindlichen Gründen kein Verleih.

Am Film kann es nicht liegen. Denn „Lawless“ ist das, was „Public Enemies“ sein wollte und vor elf Jahren „Road to Perdition“ war: eine glaubwürdige Geschichte aus der Prohibitionszeit, als in den Großstädten in Speakeasies Schnaps verkauft wurde und Gangsterimperien entstanden und im Hinterland einige noch heute bekannte Gangster, die quasi Volkshelden waren, wie Bonnie Parker, Clyde Barrow, John Dillinger und Pretty Boy Floyd, von FBI-Agenten gnadenlos verfolgt und Schnaps gebrannt wurde.

In Franklin County, Virginia, scheint fast jeder irgendwie in die Schnapsbrennerei involviert gewesen zu sein. Zuerst legal, später, wegen der Prohibition, illegal. Das änderte aber nichts am freundlichen Umgang zwischen Schnapsbrennern und örtlichen Polizisten, die gerne auch einen Schluck tranken. Auch die Bondurant-Brüder verdienten damit um 1930 ihr Geld – und „Lawless“ erzählt, basierend auf wahren Ereignissen, angenehm unaufgeregt, fast schon beschaulich, wenn da nicht immer wieder die Gewaltausbrüche wären, aus ihrem Leben. Forrest Bondurant (Tom Hardy) und sein Bruder Howard (Jason Clarke) sind die maulfaulen Oberhäupter der Familie. Ihnen eilt, nachdem sie den Krieg und mehrere Mordanschläge überlebten, der Ruf voraus, unsterblich zu sein. Ihr jüngerer Bruder Jack (Shia LaBeouf) beginnt sich gerade die ersten Sporen im Schnapsbrennergeschäft zu verdienen. Gleichzeitig bewundert er den aus der Großstadt kommenden Gangster Floyd Banner (Gary Oldman), der sich mit seinem Maschinengewehr, mit dem er am hellichten Tag, mitten auf der Straße die Insassen eines sich ihm nähernden Autos erschießt, einen denkwürdigen ersten Auftritt verschafft.

Dieses ruhige Landleben, in dem Polizisten und Schnapsbrenner biotopisch-friedlich zusammenleben, wird durch das Auftauchen des skrupellosen und psychopathischen Bundesagenten Charlie Rakes (Guy Pearce) gestört. Er will die Bondurant-Brüder vernichten.

In diese Geschichte weben Drehbuchautor Nick Cave (Ja, der Musiker, der mit Warren Ellis auch die stimmige Musik für den Film schrieb.) und Regisseur John Hillcoat in ihrer dritten Zusammenarbeit zwei zarte Liebesgeschichten. Jack verliebt sich in die Pfarrerstochter Bertha Minix (Mia Wasikowska, die wir demnächst im Kino neben Nicole Kidman in Chan-wook Parks „Stoker“ bewundern können). Tom verliebt sich in die neue, wie Rakes aus Chicago kommende, bei ihnen im Lokal arbeitende Kellnerin Maggie Beauford (Jessica Chastain), die letztendlich die Initiative ergreift.

Das alles mündet in einem historisch verbürgten Schusswechsel an einer Brücke, der für Matt Bondurant die Initialzündung für seinen Roman „The wettest County in the World“ war, in dem er, anscheinend nur leicht fiktionalisiert, von seinen Vorfahren erzählt und der jetzt als „Lawless“ verfilmt wurde. Den Titel habe man, so John Hillcoat im informativen Audiokommentar, geändert, weil die Leute bei dem Titel nicht an ein Gangsterdrama, sondern einen Dokumentarfilm oder einen Porno dachten. Denn die Bondurant-Brüder haben sich nicht als Gesetzlose gesehen.

Aber selbstverständlich waren sie es und sie verteidigten ihr Eigentum auch mit Gewalt. Gewalt, die von John Hillcoat ungeschönt gezeigt wird. Im Gegensatz zu den Dreißiger-Jahre-Gangsterfilmen, die „Lawless“ auch inspirierten, spritzt hier das Blut, wenn ein Fausthieb im Gesicht landet oder mit einem Messer zugestochen wird. Wir sehen die Wunden, die blauen Flecken und Schwellungen und auch einen von Rakes‘ als Warnung an die Bondurants geteerten und gefederten Mann. Doch Gewalt, die teilweise atemberaubend schnell vorbei ist, wird in „Lawless“ nie zum Selbstzweck, sondern sie reflektiert auch die damalige Zeit, in der im Zweifelsfall das wenige Jahrzehnte früher im Wilden Westen erprobte Faustrecht herrschte.

Dennoch ist „Lawless“ in erster Linie ein brillant fotografierter Schauspielerfilm, in dem auch Shia LaBeouf überzeugt. Er kann wirklich mehr, als in „Transformers“ vor irgendwelchen Robotern davonzulaufen oder in „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ sich die Haartolle zu kämmen. Tom Hardy, Guy Pearce, Jason Clarke, Jessica Chastain und Rising-Star Mia Wasikowska sind gewohnt gut und Gary Oldman, der nur zwei größere Szenen hat, bringt, auch wenn er hier so zurückgenommen wie in „Dame, König, As, Spion“ spielt, den Wahnsinn seiner früheren Filme, wie „Bram Stokers Dracula“, „True Romance“, „Romeo is bleeding“, „Leon – Der Profi“ und „Air Force One“, ein.

Damit stellt sich der traditionell erzählte Ensemble-Film gelungen in der Tradition der klassischen Gangsterfilme, wie Arthur Penns „Bonnie & Clyde“, John Milius‘ „Jagd auf Dillinger“ (Dillinger) und Richard Quines sträflich unterschätzten Elmore-Leonard-Verfilmung „Whisky brutal“ (The moonshine war).

 

Das Bonusmaterial

 

Als Bonusmaterial gibt es einen hörenswerten Audiokommentar von Regisseur John Hillcoat und Romanautor Matt Bondurant, die in einem lockeren Gespräch den Film kommentieren und viele interessante Informationen zum Film, zu den Unterschieden zwischen Film und Buch und den wahren Hintergründen liefern. Wahrscheinlich ist es eine gute Idee, einen Audiokommentar nicht von einer Person, die sich manchmal fragt, was sie wem erzählen soll, sondern von zwei Leuten, die sich miteinander über den Film unterhalten, bestreiten zu lassen. Bei „Girlfriend Experience“ funktionierte das Gespräch zwischen Regisseur Steven Soderbergh und Hauptdarstellerin Sasha Grey ja auch gut. Und wenn mehr als zwei Personen den Audiokommentar bestreiten wird es leicht chaotisch.

Es gibt einige geschnittene Szenen und drei ausführliche Featurettes, – eines über den Film, zwei über die wahren Hintergründe -, die den Film gelungen und informativ abrunden.

Lawless - DVD-Cover

Lawless – Die Gesetzlosen (Lawless, USA 2012)

Regie: John Hillcoat

Drehbuch: Nick Cave

LV: Matt Bondurant: The wettest County in the World, 2008

mit Shia LaBeouf, Tom Hardy, Jason Clarke, Guy Pearce, Jessica Chastain, Mia Wasikowska, Dane DeHaan, Chris McGarry, Tim Tolin, Gary Oldman, Lew Temple, Marcus Hester , Bill Camp

DVD

Koch-Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Audiokommentar mit John Hillcoat und Matt Bondurant, Entfallene Szenen, Die wahre Geschichte des feuchtesten Landes in der Welt, Franklin Country: Damals & Heute, Die Geschichte der Bondurant Family, Trailer (deutsch, englisch)

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Es gibt den Film auch in einer schicken Blechdose

Lawless - Blu-ray Steelbook

Hinweise

Homepage zum Film

Metacritic über „Lawless“

Rotten Tomatoes über „Lawless“

Wikipedia über „Lawless“ (deutsch, englisch)

Süddeutsche Zeitung: Interview mit John Hillcoat (27. März 2013)

Meine Besprechung von John Hillcoats Cormac-McCarthy-Verfilmung „The Road“ (The Road, USA 2009)

Ein Gespräch mit Matt Bondurant über seinen Roman und den Film

Ein Gespräch mit John Hillcoat über den Film

Bonushinweis

Wer mehr über die Prohibition erfahren will, sollte sich die gerade erschienene DVD „Prohibition – Eine amerikanische Erfahrung“ (Polyband) anschaffen. Auf ihr ist die fünfteilige, mit einem Primetime Emmy ausgezeichnete PBS-Dokuserie von Ken Burns und Lynn Novick in der Arte-Fassung enthalten.

Prohibition - DVD-Cover

Prohibition – Eine amerikanische Erfahrung (Prohibition, USA 2011)

Polyband

Bild: 16:9 (1,78:1)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Im Studio, Bonusszenen, Interview Outtakes (90 Minuten, im Original mit deutschen Untertiteln)

Länge: 260 Minuten (5 x 52 Minuten) (3 DVDs)

FSK: Infoprogramm

 


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