TV-Tipp für den 9. Juli: Die Sieger – Director’s Cut

Juli 8, 2019

BR, 22.00

Die Sieger – Director’s Cut (Deutschland 1994/2019)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Günter Schütter (nach einer Idee und Vorlage von Peter Hollweg und Klaus Maas)

Bei einem Einsatz, der schief geht, glaubt SEK-Mann Karl Simon einen toten Kollegen gesehen zu haben. Er beginnt ihn zu suchen.

Toller harter Polizeithriller, der sich vor der internationalen Konkurrenz nicht verstecken muss. Damals floppte der actionhaltige Film an der Kinokasse.

Auf der diesjährigen Berlinale wurde eine digital restaurierte, um einige verschollen geglaubte Szenen (die nur in schlechterer Bildqualität auf der Rohschnitt-VHS vorhanden waren) ergänzte Fassung gezeigt. Insgesamt ist diese Fassung ungefähr fünfzehn Minuten länger.

Dominik Graf zu dieser Fassung (in epd film): „Im Prinzip ist das Vorliegende nun als die Endfassung zu sehen, ja. Mehr gab es beim Drehen 1993 nicht. Günter Schütter hatte ursprünglich ein längeres Drehbuch geschrieben, ein Jahr vor den Dreharbeiten, das bis auf den jetzigen Schluss – der war anders – noch epischer, inhaltlich gewaltiger war und mit mehr verblüffenden Details aufwartete. »Szenen aus dem SEK-Leben« zu erzählen lag aber nicht in der Absicht des Produzenten Günter Rohrbach, und nachdem sich auch Bernd Eichingers Verleihinteresse verflüchtigt hatte, weil es sich hier – Zitat – ja mehr um »Verlierer als Sieger« handele, wurden die Drehbuchfassungen, auch wegen finanziellen Defiziten, allmählich immer weiter eingedampft. Das finale Skript war dann zweifellos ein Kompromiss. Aber alte Filme verändern sich auch im Lauf der Jahre, sie bleiben immer wie in einem flüsternden Dialog mit der laufenden Jetzt-Zeit, sie verlieren oder gewinnen mal an Attraktivität, weil sie dem filmischen Zeitgeschehen einen Spiegel vorhalten. In diesem Fall auch dem politischen Geschehen. Einen Korruptions- und Entführungs-Fall wie den hier beschriebenen, der mit Hilfe von kriminellen Elitepolizisten in Zusammenarbeit mit gierigen Politikern abläuft – das wollte sich 1993 in der Jubel-BRD niemand vorstellen. Obwohl wirtschaftlicher Betrug und politische Champagnerparties auf Kosten der gewendeten Menschen im Osten ja ungeheure Ausmaße annahmen. Das könnte heute anders sein, wir trauen, glaube ich, den Volks-Vertretern heute fast alle Betrügereien zu ihrem eigenen Vorteil zu.“

mit Herbert Knaup, Hansa Czypionka, Heinz Hoenig, Katja Flint, Hannes Jaenicke, Heinrich Schafmeister, Michael Breitsprecher, Meret Becker, Natalia Wörner

Hinweise

Filmportal über „Die Sieger“

Moviepilot über „Die Sieger“

Wikipedia über „Die Sieger“

Berlinale über „Die Sieger – Director’s Cut“

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte

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