TV-Tipp für den 17. September: Agentenpoker

September 16, 2019

Servus TV, 22.10

Agentenpoker (Hopscotch, USA 1980)

Regie: Ronald Neame

Drehbuch: Brian Garfield, Bryan Forbes

LV: Brian Garfield: Hopscotch, 1975

Ein geschasster CIA-Agent will seine Memoiren veröffentlichen. Sie stoßen vor allem in Agentenkreisen auf großes Interesse.

Nette Agentenkomödie, die in Deutschland nur eine Videopremiere erlebte.

„Witzige und größtenteils schwungvolle Agenten-Komödie.“ (Lexikon des internationalen Films)

Der Film war für einen Edgar nominiert, das Drehbuch für den Preis der Writers Guild of America , der Roman erhielt den Edgar als bester Krimi des Jahres und auch Brian Garfield ist mit dieser Verfilmung sehr zufrieden.

mit Walter Matthau, Glenda Jackson, Sam Waterston, Herbert Lom, Ned Beatty, David Matthau, George Baker

Auch bekannt als „Bluff Poker – Ein Schlitzohr packt aus“ (Videotitel)

Alternative Schreibweise „Agenten-Poker“

Wiederholung: Mittwoch, 18. September, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Agentenpoker“ 

Wikipedia über „Agentenpoker“ (deutsch, englisch)

Themroc über „Agenten-Poker“

DVD Savant über „Hopscotch“

New York Times: Vincent Canby über „Hopscotch“ (26. September 1980)

Homepage von Brian Garfield

Meine Besprechung von “The Stepfather” (nach einer Geschichte von Brian Garfield)

Mein Nachruf auf Brian Garfield


DVD-Kritik (jaja, Blu-ray): Der Science-Fiction-Oldie „Unfall im Weltraum“

Oktober 26, 2016

Der deutsche Titel „Unfall im Weltraum“ ist Quatsch. Der Science-Fiction-Film spielt zwar auch im Weltraum, aber einen „Unfall“ gibt es nicht. Der letztendlich gewählte Originaltitel „Journey to the far side of the sun“ ist da schon ziemlich zutreffend und verrät die Pointe nicht. Der heute fast unbekannte UK-Titel „Doppelgänger“ (manchmal auch „Doppelganger“) verrät dagegen die Pointe. Ebenso die Synopse und heute ist „Unfall im Weltraum“ vor allem genau und nur wegen dieser Idee einer Parallelwelt bekannt.

Eine Raumsonde entdeckt auf der anderen Seite der Sonne, genau gegenüber der Erde, einen zweiten Planeten. Eurosec schickt ein Raumschiff los. Nach drei Wochen Flugzeit landen der amerikanische Astronaut Glenn Ross (Roy Thinnes) und der Astrophysiker John Kane (Ian Hendry) auf dem Planeten.

Kane wird bei der Landung schwer verletzt und in ein Krankenhaus gebracht.

Ross wird von dem Eurosec-Direktor Jason Webb (Patrick Wymark) befragt, warum er bereits nach drei Wochen zurückgekehrt sei, obwohl er doch frühestens nach sechs Wochen hätte zurückkehren können.

Als Ross entdeckt, dass in dieser Welt alles spiegelverkehrt ist, hat er – und in dem Moment ist der Film fast um – eine fantastische, aber logische Erklärung: der Planet auf der anderen Seite der Sonne ist eine spiegelverkehrte Version der Erde. Er ist auf der anderen Erde, während sein Alter Ego auf seiner Erde ist – und in diesem Moment dem dortigen Eurosec-Direktor das gleiche erzählt.

Bis es zu diesem Storytwist kommt, vergeht, wie gesagt, viel Filmzeit und außer dieser Idee hatten die Macher nicht viele Ideen für den Hauptplot und die Probleme, die mit dieser Entdeckung zusammenhängen, aber genug Ideen für zahlreiche andere Geschichten. Also erzählen sie in gebotener Gemütlichkeit, wie der Zwillingsplanet entdeckt wird, wie die Raumfahrt vorbereitet wird, zuerst die finanzielle Seite, dann das Training der beiden Raumfahrer, etwas über die Eheprobleme des einen, wie die Rakete startet (okay, das war 1969 noch neu) und nach einer Stunde Filmzeit landen die beiden Astronauten auf dem Planeten. Kane wird dabei schwer verletzt und liegt fortan im Koma. Ross wird mit einer interessanten Technik verhört. Wie er danach entdeckt, dass er auf einem Zwillingsplaneten ist, ist zwar schön inszeniert (er kann im Badezimmerspiegel die Etikette der Parfümflaschen lesen), aber unlogisch. Denn schon davor muss er mehrmals Zahlen und Buchstaben gesehen haben. Aber Logik war in den Sechzigern nichts, was unbedingt zu einem Science-Fiction-Film gehörte.

Bei der damaligen Kritik kam das Werk von Produzent und Drehbuchautor Gerry Anderson (1929 – 2012) nicht besonders gut an: „Aufwendig, aber zähflüssig und verworren inszenierter Science -Fiction-Film. Wissenschaftliche naiv und nur mäßig spannend.“ (Lexikon des internationalen Films; danach erlebte der Film seine Deutschland-Premiere am 7. Januar 1971 in der ARD)

Einen glanzlosen Science-Fiction-Film“ urteilte die von Phil Hardy herausgegebene „Die Science Fiction Filmenzyklopädie“ (1998)

Gerry Anderson produzierte für das Fernsehen „Thunderbirds“ (mit Puppen), „UFO“, „Space: 1999“ (Mondbasis Alpha) und noch einige weitere Serien. David Pringle schreibt über ihn in „Das ultimative Science-Fiction-Lexikon“ (1997): „Bei manchen weckt er nostalgische Kindheitserinnerungen, doch sonst gilt der Puppenspieler Anderson als einer der schlechtesten SF-Produzenten aller Zeiten, dessen Drehbücher vor wissenschaftlichen Fehlern strotzen.“

Unfall im Weltraum“ funktioniert am Besten, wenn man sich nicht an der träge erzählten Geschichte, dem hölzernen Spiel der Schauspieler (die eher wie Puppen als wie Menschen agieren) und den banalen Dialogen stört, sondern ihn ohne große Erwartungen als eine Art Best-of-Sixties genießt. So wird aus dem banalen Film eine durchaus erfreulich nostalgische Angelegenheit, die für SF-Fans ein kurzer Trip in die Vergangenheit ist. Denn das Retro-Design mit den damals noch utopischen Geräten, wie Videotelefonie, den archaischen Computern und den flotten Sportwagen zeigt, wieder einmal, wie sehr Utopien immer in den Moden der Gegenwart verhaftet sind. Daran ändern die auch heute noch überzeugenden Tricks nichts.

Bei der jetzt von Koch Media veröffentlichten Blu-ray fällt das scharfe und detailreiche Bild auf. Als Bonusmaterial gibt es eine umfangreiche Bildergalerie mit über fünfzig Bildern, einen Audiokommentar von Gerry Anderson und die gekürzte deutsche und die Originalfassung.

P. S.: Am Anfang des Films gibt es noch einen James-Bond-würdigen Spionageplot, in dem ein Wissenschaftler ein Auge durch eine Kamera ersetzt, so Geheimdokumente fotografieren kann und sie, nach ausgiebiger Lektüre, zu seinem Auftraggeber schicken kann. Weil dieser Plot nach dem plötzlichen Ableben des Spions absolut keine Rolle mehr spielt, hätte man ihn auch ersatzlos streichen können. Erzählökonomisch betrachtet. Aber in den Sechzigern waren Geheimagenten und ihre Gadgets äußerst beliebt.

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Unfall im Weltraum (Journey to the far side of the moon, Großbritannien 1969)

Regie: Robert Parrish

Drehbuch: Gerry Anderson, Sylvia Anderson, Donald James

mit Ian Hendry, Roy Thinnes, Patrick Wymark, Lynn Loring, Loni von Friedl, Herbert Lom, George Sewell

auch bekannt als „Doppelgänger“

Blu-ray (in der Blechdose, die das Retro-Gefühl angenehm verstärkt; die FSK-Flatsche kann abgezogen werden)

Koch Media

Bild: 1,85:1 (HD 1080p 23,978 fps)

Ton: Deutsch, Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Deutsche Schnittfassung (97 Minuten), Audiokommentar von Autor und Produzent Gerry Anderson, zwei englisch Trailer, Deutscher Vorspann, Britischer Vorspann, Erweiterte Szenen der britischen Fassung, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Unfall im Weltraum“

TCM über „Unfall im Weltraum“

Wikipedia über „Unfall im Weltraum“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 19. Juli: Spartacus

Juli 19, 2015

3sat, 21.40
Spartacus (USA 1960, Regie: Stanley Kubrick)
Drehbuch: Dalton Trumbo
LV: Howard Fast: Spartacus, 1951 (Spartacus)
71 nach Christus: Spartacus führt einen Sklavenaufstand gegen die Römer an – und Stanley Kubrick inszenierte (nachdem Produzent und Hauptdarsteller Kirk Douglas Regisseur Anthony Mann gefeuert hatte) einen der wenigen genießbaren Monumentalfilme.
mit Kirk Douglas, Laurence Olivier, Jean Simmons, Charles Laughton, Peter Ustinov, John Gavin, Tony Curtis, Nina Foch, John Ireland, Herbert Lom, John Dall, Woody Strode
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Spartacus“
Wikipedia über „Spartacus“ (deutsch, englisch)
Stanley Kubrick in der Kriminalakte


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