TV-Tipp für den 23. Mai: Die Mörder sind unter uns

Mai 23, 2016

Arte, 20.15

Die Mörder sind unter uns (Deutschland 1946)

Regie: Wolfgang Staudte

Drehbuch: Wolfgang Staudte

Die Mörder sind unter uns“ war nach dem Zweiten Weltkrieg der erste deutsche Film, der hergestellt wurde, und weil die anderen Besatzungsmächte Wolfgang Staudtes Drehbuch nicht akzeptierten (vor allem wegen des ursprünglich geplanten Selbstjustiz-Endes), war es auch der erste Defa-Film. Er ist auch ein Klassiker des deutschen Films und eine quälende, von Verunsicherung geprägte Bestandsaufnahme.

Im zerstörten Berlin leidet der Arzt Hans Mertens (Ernst Wilhelm Borchert) an seinen Kriegserlebnissen, die er versucht mit Alkohol und Barbesuchen zu betäuben. Er wohnt bei Susanne Wallner (Hildegard Knef), die in einem KZ war. Als sie in seinen Sachen den Abschiedsbrief von seinem Kompaniechef Brückner entdeckt, erfährt Mertens von ihr, dass Brückner (Arno Paulsen) noch lebt. Mertens möchte ihn für seine Kriegsverbrechen büßen lassen.

Staudte inszenierte diese Geschichte mit Bildern aus dem zerstörten Berlin in typischen Noir-Bildern und zahlreichen Nahaufnahmen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Deutschen mit ihrer Schuld und wie sie mit den Tätern umgehen sollen. Es ist ein in hohem Maß selbstreflexiver, von Verunsicherung, auch über das eigene Tun, geprägter Film, der gerade daraus auch heute noch seine erzählerische Wucht gewinnt.

Ein historisches Dokument ist er sowieso.

Dieser erste Trümmerfilm war ein hoffnungsvoller Ansatz, die deutsche Vergangenheit zu bewältigen.“ (Christa Bandmann/Joe Hembus: Klassiker des deutschen Tonfilms, 1980)

Mit Ernst Wilhelm Borchert, Hildegard Knef, Erna Sellmer, Arno Paulsen, Michael Günther, Robert Forsch

Hinweise

Arte über „Die Mörder sind unter uns“

Filmportal über „Die Mörder sind unter uns“

Moviepilot über „Die Mörder sind unter uns“

Rotten Tomatoes über „Die Mörder sind unter uns“

Wikipedia über „Die Mörder sind unter uns“ (deutsch, englisch)

Bonushinweis

Nies - Deutsche Selbstbilder in den Medien

Eine längere Analyse des Films von Eckhard Pabst gibt es in dem von Martin Nies herausgegebenem Sammelband „Deutsche Selbstbilder in den Medien – Film 1945 bis zur Gegenwart“.

Martin Nies (Herausgeber): Deutsche Selbstbilder in den Medien (Schriften zur Kultur- und Mediensemiotik Band 4)

Schüren Verlag, 2012

256 Seiten

24,90 Euro


TV-Tipp für den 22. Dezember: Fedora

Dezember 22, 2014

Arte, 20.15
Fedora (Deutschland/Frankreich 1978, Regie: Billy Wilder)
Drehbuch: Billy Wilder, I. A. L. Diamond
LV: Thomas Tryon: Crowned Heads, 1976 (Kurzgeschichte)
Filmproduzent Barry Detweiler will den seit Jahren zurückgezogen auf Korfu lebenden Filmstar Fedora überzeugen, in seinem nächsten Film mitzuspielen.
„übersteigertes Melodram (…) das mit bitterem Spott einen Abgesang auf das Kino alter Schule anstimmt.“ (Lexikon des internationalen Films)
Ein zweites „Boulevard der Dämmerung“ ist Billy Wilders vorletzter Film nicht. Dafür war er damals von der Kritik zu wenig geliebt worden (damals erschien der Film altmodisch, neuere Kritiken sind da wesentlich positiver, teils euphorisch), er floppte an der Kinokasse und ist heute fast unbekannt. Dabei fand ich ihn, als ich ihn vor Ewigkeiten sah, ziemlich gut und, allein schon wegen der Besetzung, ist „Fedora“ einen Blick wert.
mit William Holden, Marthe Keller, José Ferrer, Hildegard Knef, Mario Adorf, Frances Sternhagen, Henry Fonda, Michael York, Stephen Collins, Gottfried John
Wiederholung: Dienstag, 23. Dezember, 11.10 Uhr
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Fedora“
Turner Classic Movies über „Fedora“
Wikipedia über „Fedora“ (deutsch, englisch)


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