DVD-Kritik: Cozy, cozy, die Welt des „Father Brown“

August 6, 2014

Dank der regelmäßigen Wiederholungen der beiden Spielfilme „Das schwarze Schaf“ und „Er kann’s nicht lassen“ ist für uns natürlich Heinz Rühmann der einzig wahre Father Brown und deshalb dauerte es, jedenfalls bei mir, einige Zeit, bis ich Mark Williams (Arthur Weasley in den „Harry Potter“-Filmen) als Geistlichen akzeptierte. Er spielt in der neuen, in den Fünfzigern spielenden BBC-Serie „Father Brown“ den titelgebenden Geistlichen ähnlich verschmitzt und liebenswürdig wie Heinz Rühmann, bringt aber eine Pfunde mehr auf die Waage.

Der englische Film „Die seltsamen Wege des Pater Brown“ (Father Brown) von 1954 mit Alec Guiness als Priester und die ITV-TV-Serie „Father Brown“ aus den Siebzigern mit Kenneth More sind dagegen bei uns fast vollkommen unbekannt.

Alle diese Filme basieren auf dem von Gilbert Keith Chesterton (1874 – 1936) erfundenem Charakter.

Er schrieb die fünfzig Father-Brown-Geschichten, die in fünf Büchern veröffentlicht wurden, zwischen 1911 und 1936 und gerade die Verbindung von Glaube und rationaler Verbrechensaufklärung verhalfen den Geschichten zum Klassikerstatus. Denn der nach außen hin so unscheinbare Father Brown ist ein genauer Beobachter und ein Menschenkenner, der in zahlreichen Beichten zahllose Schandtaten und Verstöße gegen die zehn Gebote anhören und dann den Sündern, im Namen Gottes, verzeihen musste.

Neben den „Father Brown“-Geschichten schrieb Chesterton zahlreiche weitere Geschichten, Biographien und Essays, die in seiner Heimat auch sehr populär waren. Bei uns sind sie, auch weil sie nicht oder erst sehr spät übersetzt wurden, kaum bekannt.

Die erste Staffel der von Tahsin Guner und Rachel Flowerday erfundenen BBC-Serie „Father Brown“ verlegt Chestertons Geschichten in die fünfziger Jahre in ein malerisches englisches Städtchen irgendwo auf dem Land mit einer intakten religiösen Gemeinde, einer Adligen und einem Kriminalpolizisten, der auch als Gemeindepolizist (sozusagen die weltliche Ausgabe von Father Brown, mit weniger Witz und mehr harter Polizistenschale) fungiert, und immer versucht, den Geistlichen aus den Ermittlungen herauszuhalten. Erfolglos.

Die TV-Serie ist sehr cozy, aber auch kurzweilig und selbstverständlich absolut unrealistisch. Denn, wie in „Inspector Barnaby“, wird in einem kleinen, abseits der Großstadt liegendem Ort, in dem sich auf den ersten Blick alle gern haben, hemmungslos gemordet. Und genau wie „Inspector Barnaby“ richtet „Father Brown“ sich schnell in einer Parallelwelt ein, die ein verklärtes Bild vom Leben auf dem Land in den Fünfzigern zeichnet. „George Gently – Der Unbestechliche“ (neue Fälle gibt es ab Sonntag, den 10. August, um 22.00 Uhr im ZDF) ist da ganz anders: in dieser in den Sechzigern spielenden Serie werden die damaligen Konflikte und gesellschaftlichen Veränderungen zum Ausgangspunkt der Fälle genommen. „George Gently“ ist ohne den sozialpolitischen und historischen Hintergrund nicht denkbar. Für „Father Brown“ ist das Gegenteil konstitutiv.

Außerdem ist der religiöse Anteil in den „Father Brown“-Episoden auf ein allgemeinverträgliches Maß hinuntergebrochen worden. Eigentlich zeugt nur noch das große Verständnis des weltoffenen und neugierigen Geistlichen für die menschlichen Schwächen und sein Glaube an das Gute im Menschen, auch bei einem Verbrecher, von einem religiösem Hintergrund. So will er in „Das blaue Kreuz“ einen Profidieb von einem Diebstahl abhalten. In anderen Episoden will er den Mörder zu einem Geständnis bewegen.

In England wurden bereits zwanzig Fälle mit Mark Williams als Father Brown gezeigt. Eine dritte Staffel, dann mit fünfzehn Fällen, ist in Arbeit.

Father Brown“ ist eine mehr entspannende als spannende TV-Serie, garantiert jugendfrei, durchaus witzig und mit einigen Einblicken in das Leben vor sechzig Jahren auf dem Land, als es noch keinen Fernseher gab.

Father Brown - Staffel 1 - DVD-Cover

 

Father Brown – Staffel 1 (Großbritannien 2013)

Erfinder: Tahsin Guner, Rachel Flowerday

LV: Charakter von Gilbert K. Chesterton

mit Mark Williams (Father Brown), Sorcha Cusack (Mrs. McCarthy), Nancy Carroll (Lady Felicia), Alex Price (Sid Carter), Hugo Speer (Inspector Valentine), Kasia Koleczek (Susie Jasinski)

DVD

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: –

Länge: 466 Minuten (10 x 46 Minuten) (3 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Die ersten Bekehrungen von Father Brown

Der Hammer Gottes (The Hammer of God)

Regie: Ian Barber

Drehbuch: Tahsin Guner

Die fliegenden Sterne (The Flying Stars)

Regie: Ian Barber

Drehbuch: Rachel Flowerday

Die falsche Form (The wrong Shape)

Regie: Dominic Keavey

Drehbuch: Nicola Wilson

Der Mann im Baum (The Man in the Tree)

Regie: Dominic Keavey

Drehbuch: Rebecca Wojciechowski

Das Auge Apollos (The Eye of Apollo)

Regie: Matt Carter

Drehbuch: Tahsin Guner

Die Braut Christi (The Bride of Christ)

Regie: Ian Barber

Drehbuch: Jude Tindall

Der Staub des Teufels (The Devil’s Dust)

Regie: Dominic Keavey

Drehbuch: Dan Muirden

Im Angesicht des Todes (The Face of Death)

Regie: Matt Carter

Drehbuch: Lol Fletcher

Der Bürgermeister und der Zauberer (The Mayor and the Magician)

Regie: Dominic Keavey

Drehbuch: Nicola Wilson

Das blaue Kreuz (The blue Cross)

Regie: Ian Barber

Drehbuch: Paul Matthew Thompson

Hinweise
BBC-Homepage zur Serie
ZDFneo über die Serie
Wikipedia über „Father Brown“ (deutsch, englisch) und Gilbert K. Chesterton (deutsch, englisch)
Kirjasto über Gilbert K. Chesterton
Alle Father-Brown-Geschichten von Gilbert K. Chesterton

G. K. Chesterton im Projekt Gutenberg (derzeit fünf Texte, zwei mit Pater Brown)

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TV-Tipp für den 28. April: Father Brown: Der Hammer Gottes/Die fliegenden Sterne

April 28, 2014

ZDFneo, 20.15/21.00
Father Brown: Der Hammer Gottes/Die fliegenden Sterne (Großbritannien 2013, Regie: Ian Barber)
Drehbuch: Tahsin Guner (Episode 1), Rachel Flowerday (Episode 2)
Erfinder: Tahsin Guner, Rachel Flowerday
LV: Charakter von Gilbert K. Chesterton
Dank der regelmäßigen Wiederholungen der beiden Spielfilme „Das schwarze Schaf“ und „Er kann’s nicht lassen“ ist für uns natürlich Heinz Rühmann der einzig wahre Father Brown und deshalb verglich ich beim Ansehen der ersten beiden Folgen der neuen BBC-Serie „Father Brown“ Mark Williams, der den Geistlichen in der Serie spielt, auch immer mit Heinz Rühmann. Außerdem spielt die Serie in den Fünfzigern.
Der englische Film „Die seltsamen Wege des Pater Brown“ (Father Brown) von 1954 mit Alex Guiness als Priester und die TV-Serie „Father Brown“ aus den Siebzigern mit Kenneth More sind dagegen bei uns fast bis vollkommen unbekannt.
Gilbert Keith Chesterton (1874 – 1936) schrieb die fünfzig Father-Brown-Geschichten, die in fünf Büchern veröffentlicht wurden, zwischen 1911 und 1936 und gerade die Verbindung von Glaube und rationaler Verbrechensaufklärung verhalten den Geschichten zum Klassikerstaut. Denn der nach außen hin so unscheinbare Father Brown ist ein genauer Beobachter und ein Menschenkenner, der in zahlreichen Beichten zahllose Schandtaten anhören musste.
Neben den „Father Brown“-Geschichten schrieb Chesterton zahlreiche weitere Geschichten, Biographien und Essays, die in seiner Heimat auch sehr populär waren. Bei uns sind sie, auch weil sie nicht oder erst sehr spät übersetzt wurden, kaum bekannt.
In der ersten „Father Brown“-Episode, „Der Hammer Gottes“, wird während der Einweihungsfeier der neuen Glocken der Dorfkirche der allgemein unbeliebte Bruder von Pastor Wilfred mit einem Hammer erschlagen. Bevor die Polizei die Verdächtigen auseinandersortieren kann, gesteht Elizabeth Barnes, die Frau des Schmiedes, die von Norman Bohun zum Sex erpresst wurde, die Tat. Aber Father Brown zweifelt.
In „Die fliegenden Sterne“ stirbt Anne-Marie Adams. Father Brown hält einen Unfall für unwahrscheinlich, aber wer aus Anne-Maries Famile hat die Alkoholikerin getötet? Denn ihr nach langer Abwesenheit aus Nairobi gekommener Bruder, dem Father Brown am ehesten die Tat zutrauen würde, hat ein wasserdichtes Alibi.
Die TV-Serie ist sehr cozy, aber auch kurzweilig und selbstverständlich absolut unrealistisch. Denn, wie in „Inspector Barnaby“, wird in einem kleinen, abseits der Großstadt liegendem Ort, in dem sich auf den ersten Blick alle gern haben, hemmungslos gemordet.
Zwanzig Fälle wurden in England bereits gezeigt. Eine dritte Staffel, dann mit fünfzehn Fällen, ist in Arbeit. ZDFneo zeigt jetzt, immer in Doppelfolgen, die erste, aus zehn Episoden bestehende Staffel.
Am 30. Mai veröffentlicht Polyband die erste Staffel auf DVD.
Früher hätte das ZDF die Serie im Vorabendprogramm gezeigt. Aber da ermitteln inzwischen ja die verschiedenen Sokos.
mit Mark Williams (Father Brown), Sorcha Cusack (Mrs. McCarthy), Nancy Carroll (Lady Felicia), Alex Price (Sid Carter), Hugo Speer (Inspector Valentine)
Father Brown - Staffel 1 - DVD-Cover
Hinweise
BBC-Homepage zur Serie
ZDFneo über die Serie
Wikipedia über „Father Brown“ (deutsch, englisch) und Gilbert K. Chesterton (deutsch, englisch)
Kirjasto über Gilbert K. Chesterton
Alle Father-Brown-Geschichten von Gilbert K. Chesterton

G. K. Chesterton im Projekt Gutenberg (derzeit fünf Texte, zwei mit Pater Brown)


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