Sascha Mamczak macht sich Gedanken über „Die Zukunft“

Juni 11, 2014

Mamczak - Die Zukunft - 2

Wer in Büchern das Kleingedruckte liest und wer Vorworte liest, dem sagt Sascha Mamczak etwas. Er ist nämlich seit über zehn Jahren der Herausgeber der Heyne-Science-Fiction-Reihe, die es jetzt schon über ein halbes Jahrhundert gibt; was deutlich länger ist, als die Krimireihen bei verschiedenen Verlagen. Dabei gelingt der Heyne-Science-Fiction-Reihe immer noch der Spagat zwischen Klassikern, literarischer Science-Fiction (also den Romanen, die auch die minimale Chance auf eine Besprechung im Feuilleton haben), Weltraumopern und aktuellen Trends (wie Zombies und Genre-Mischformen), zwischen bekannten Namen und Neuentdeckungen. Als Liebhaberprojekt erscheint dort seit fast dreißig Jahren das Jahrbuch „Das Science-Fiction-Jahr“. Die nächste Ausgabe ist für August angekündigt und wird, wie die vorherigen Bände, von Sascha Mamczak, Sebastian Pirling und Wolfgang Jeschke, dem legendären und langjährigen Herausgeber der Heyne-Science-Fiction-Reihe, herausgegeben.
Vor dem Jahrbuch machte Sascha Mamczak sich in dem schmalen Band „Die Zukunft – Eine Einführung“, der auch als Begleitband zu der Jubiläumsausgabe von fünf Neuauflagen von Science-Fiction-Klassikern, dient, Gedanken über die Zukunft. Also nicht seine persönliche Zukunft, sondern darüber was der Begriff „Zukunft“ im Gegensatz zu „Gegenwart“ und „Vergangenheit“ bedeutet. In dem Essay versucht er den Begriff zu klären und stellt dabei verschiedene wissenschaftliche und literarische Konzepte vor. Er leitet den Begriff historisch her, von Gesellschaften, die noch keine Vorstellung von Zukunft hatten, hin zu Gesellschaften, die die Zukunft gestalten wollen. Es gibt auch einen sehr kurzten Ritt durch die Geschichte der Science-Fiction-Literatur und einige Bemerkungen zur Zukunftsforschung.
Das ist vor allem in der ersten Hälfte, wenn Mamczak versucht, den Begriff zu klären, mühsam zu lesen. Denn wie soll man etwas erklären, das man nicht wirklich erklären kann? Dass in diesen Momenten der Gedanke und die Argumentation nicht besonders klar ist und dass Mamczak in schönster deutscher Tradition Bandwurmsätze schreibt (wie ich jetzt), hilft in diesen Kapiteln nicht. In der zweiten Hälfte, wenn er auch eine kleine Literaturgeschichte schreibt und chronologisch voranschreitet, wird es besser. Hier gibt es zahllose, den Fans bekannte Beispiele aus der Literatur und wie diese mit der Wirklichkeit zusammenhängen. Vor allem natürlich als Utopien, die mal eine „Brave New World“, mal „1984“ zeichneten, auch mal hoffnungsvoll utopisch waren und die alle irgendwie die Zukunft vorhersahen. Jedenfalls Teile davon. Trotzdem irrten Science-Fiction-Autoren und Zukunftsforscher sich auch oft. Wobei manche Irrtümer auch erfolgreiche Warnrufe gewesen sein können, wie der legendäre Bericht des Club of Rome zu den Grenzen des Wachstums.
Dank der Kürze ist „Die Zukunft – Eine Einführung“ eine schnelle und auch inspirierende Lektüre, die zum Nachdenken anregt. Es ist allerdings kein Begleitbuch zu den fünf „Bücher, die Zukunft machen“, die gleichzeitig als Jubiläumsausgaben erschienen. Mamczak erwähnt sie – außer William Gibsons „Neuromancer“ (enthalten in „Die Neuromancer-Trilogie“) – überhaupt nicht. Es ist ein Essay, das sich schreibend seinem Begriff nähert und versucht diesen schreibend zu erfassen. Das ist allerdings ein philosphischer Stil, der mir nicht sonderlich gefällt, weil er zum mäandern einladt.
Wie dieser Text.

Sascha Mamczak: Die Zukunft – Eine Einführung
Heyne, 2014
112 Seiten
8,99 Euro

Die „Bücher, die Zukunft machen“
Zum fünfzigjährigem Bestehen der Heyne-Science-Fiction-Reihe gibt es einige Science-Fiction-Klassiker mit einem neuen Umschlag. Science-Fiction-Fans dürften die Romane schon in mindestens einer Ausgabe in ihrem Regal stehen haben. Etliche erschienen auch 2000 zum vierzigjährigem Bestehen der Reihe, damals noch mit Vorworten von bekannten Science-Fiction-Autoren, wie Stephen Baxter, Jack Womack, Kim Stanley Robinson, Ben Bova, Davd Brin und Norman Spinrad.
In der Edition „50 Jahre Science Fiction bei Heyne“ (wie der Sticker verrät) sind jetzt erschienen:

Le Guin - Die linke Hand der Dunkelheit - 2014 - 2Haldeman - Der ewige Krieg - 2014 - 2
Ursula K. Le Guin: Die linke Hand der Dunkelheit
Joe Haldeman: Der ewige Krieg

Gibson - Die Neuromancer-Trilogie - 2014 - 2Banks - Bedenke Phlebas - 2014 - 2
William Gibson: Die Neuromancer-Trilogie
Iain Banks: Bedenke Phlebas

Glukhovsky - Metro 2033 - Metro 2034 - 2014 - 2
Dmitry Glukhovsky: Metro 2033/Metro 2034
Eine feine Auswahl und ein guter Einstieg in die Welt der Zukunftsliteratur.

Hinweise

„Die Zukunft“ bloggt bei Heyne

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2008″

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2009“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2010“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2011“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2012“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2013“

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Cover der Woche: Iain-Banks-Tag

Juni 11, 2013

Banks - Die Wespenfabrik

Banks - Barfuss über Glass

Banks - Die Brücke

Banks - Straße der Krähen

wegen


R. i. P. Iain Banks

Juni 10, 2013

R. i. P. Iain Banks (16. Februar 1954 in Dunfermline, Fife, Schottland, – 9. Juni 2013)

 

So ganz überraschend kommt der Tod von Iain Menzies Banks, der als Iain Banks Thriller und als Iain M. Banks Science-Fiction-Romane veröffentlichte, nicht. Am 3. April 2013 schrieb er auf seiner Homepage, dass er Gallenblasenkrebs im fortgeschrittenen Stadium habe und bald sterben werde. Davor heiratete er noch seine Lebensgefährtin Adele Hartley und schrieb seinen letzten Roman „The Quarry“ (erscheint am 20. Juni) fertig.

Sein erster Roman „Die Wespenfabrik“ (The Wasp Factory) erschien 1984 (deutsche Ausgabe 1991) und war ein Bestseller. Seitdem waren in England die Bücher des enorm produktiven Schotten ständig auf den Bestsellerlisten. Die „New York Times“ nannte ihn „den bedeutendsten Science-Fiction-Autor“ der Gegenwart. Die „Times“ zählte ihn 2008 zu den „größten britischen Schriftsteller seit 1945“. Seine Romane waren für den Hugo, den Arthur-C.-Clarke-Award und viele andere Preise nominiert und einige, wie den Kurt-Laßwitz-Preis, der deutsche Science-Fiction-Preis, für „Die Wespenfabrik“, erhielt er. 

In Deutschland wurde er weitgehend als Science-Fiction-Autor ignoriert. Denn sein Stammverlag Heyne veröffentlichte auch seine Nicht-Science-Fiction-Romane in der Science-Fiction-Reihe und Goldmann veröffentlichte in den Neunzigern nur drei seiner Mainstream-Romane („Straße der Krähen“ [The Crow Road, 1992], „Verschworen“ [Complicity, 1993], „Die Auserwählte“ [Whit, 1995]), die mich allerdings zu einem Banks-Fan machten. Mit seinen Science-Fiction-Romanen, vor allem dem Kultur-Zyklus, wurde ich dagegen nie so richtig warm; was aber auch an den Übersetzungen gelegen haben kann.

Weitere Informationen über Iain Banks gibt es auf seiner Homepage, Wikipedia (deutsch, englisch) und Banksophilia: Friends of Iain Banks (für 

Nachrufe gibt es bei Spiegel Online, Los Angeles Times, The TelegraphBBC, Daily Mail, The Guardian (Nachruf, Statements von Freunden, u. a. Ian Rankin) und Tor.


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