Neu im Kino/Filmkritik: „Beach Bum“ Moondog, glücklich beduselt in Florida

März 29, 2019

Moondog ist der ultimative Abhänger. Vor Ewigkeiten schrieb er ein erfolgreiches Buch mit Gedichten. Später heiratete er die vermögende Minnie (Isla Fisher), die ihn bedingungslos liebt, mit ihm eine inzwischen 22-jährige Tochter hat und ihn finanziell durchfüttert. Dabei braucht Moondog nicht viel. Er lebt auf einem Hausboot, was in Florida nicht ungewöhnlich ist. Er konsumiert die Drogen, die schon die Beatniks in rauen Mengen genossen. Er hat Affären mit anderen Frauen. Und er torkelt fröhlich bekifft, das Leben genießend, über die Strandpromenade.

Diesen Mann verkörpert Matthew McConaughey als einen grenzdebilen, immer freundlichen und allseits toleranten Freigeist, der die Anforderungen der Konsumgesellschaft nonchalant ignoriert. Und der dabei, wegen des Vermögens seiner Frau, hemmungslos von ihr profitiert. Er ist ein Schnorrer, Faulenzer und Kiffer. Er verkörpert nicht das philosophische Gegenmodell zum Kapitalismus. Er ist ein zu Gefühlen unfähiger Parasit, dessen Rechnungen im Zweifelsfall immer von Minnie bezahlt werden.

Harmony Korine idolisiert diesen Menschen in seinem neuen Film „Beach Bum“. Mit ihm kehrt er, sieben Jahre seinem letzten Film, dem erfolgreichen „Spring Breakers“, zurück in den Sunshine State. Wieder hat er kein Interesse am konventionellen Erzählen einer Geschichte. Er ignoriert all die bekannten Drehbuchregeln. Wieder glorifiziert er den Lebensstil seiner in rauen Mengen Drogen konsumierenden Charaktere. Unklar ist dabei, ob es sich nicht vielleicht doch um eine sehr versteckte und subtile Art der Kritik am US-Lebensstil handeln könnte.

Beach Bum“ ist, mit einigen Nebencharakteren, eine Charakterstudie über einen Mann, der keine Lust hat, sich zu verändern und die Studie eines fröhlichen Stillstands. Das was Korine als Handlung anbietet, ist weniger als nichts. So soll Moondog nach dem von ihm mitverschuldetem Tod seiner Frau nur dann sein Erbe erhalten, wenn er sein lange geplantes neues Buch endlich vollendet. Das führt dazu, dass Korine in der zweiten Filmhäfte einige Male Moondog an verschiedenen Orten mit einer alten mechanischen Schreibmaschine zeigt. Dann haut der Poet fröhlich bekifft, fotogen am Strand sitzend, in die Tasten. Dass er dabei irgendetwas verwertbares herstellt, erscheint unwahrscheinlich. Und dass dieser Vollzeitkiffer jetzt noch irgendeinen bemerkenswerten Gedanken formuliert, erscheint unmöglich. Denn während des gesamten Films hat Moondog zwar eine klare und eindeutige Haltung zum Leben, aber dass er in der Lage ist, diese in Poesie zu überführen, wird noch nicht einmal angedeutet. Es wird nur von seiner Frau, seinen Freunden und seinem Manager behauptet, dass er früher einmal ein großer Poet war.

Heute hat der Aussteiger noch nicht einmal die Energie, um sich dem uramerikanischen Leistungsprinzip zu verweigern. Das wäre zu viel Aktivität. Dazu müsste er eine Haltung dazu entwickeln, ein Ziel haben und es verfolgen. Stattdessen trinkt und kifft er sich, wie ein Haustier, einfach durch den Tag. Den nächsten und den übernächsten.

Weil ein Tag wie der andere ist und weil Moondog keine Entwicklung durchmacht und Minnies Tod keinerlei Auswirkung auf sein Leben hat, könnten die Erlebnisse von Moondog auch in irgendeiner anderen Reihenfolge gezeigt werden.

Dieser Moondog ist nämlich eine Person ohne Geheimnisse. Entsprechend schnell weiß man alles über ihn und die Komödie erscheint, trotz schöner Bilder, witziger Szenen, Starauftritten und einer mit etwas über neunzig Minuten (mit Abspann) kurzen Laufzeit ziemlich lang.

Harmony Korine: „Ich wollte etwas machen, das einen in Hochstimmung versetzt und völlig respektlos ist. Es soll die Menschen auf den Humor und die Poesie des Lebens einstimmen, man soll eine Weile eintauchen können in einen durch und durch aberwitzigen Trip. Die Welt ist so dunkel und ernst und pedantisch geworden. Ich finde, es ist erfrischend, einem unangepassten Hallodri zu folgen, einem Typ, dem Regeln völlig egal sind, jemandem, der total abgefahren ist, aber einen gleichzeitig mit seinem Charme sofort für sich einnimmt. Die Geschichte mag einem albern erscheinen, aber es geht um echte Menschen und Menschlichkeit.

Im Herzen ist Moondog immer jung geblieben. Er hat jedes Hindernis, das das Leben vor einem aufstellen kann, bezwungen. Am Ende des Tages reicht es ihm, high zu sein, anders zu sein als die Anderen und so viele Frauen und Drinks wie möglich zu haben. Es macht ihm Spaß, andere Leute auf die Palme zu bringen. Die Geschichte von Moondog ist wie eine perverse Jimmy-Buffett-Ballade. Er ist der Held einer modernen Stoner-Rock-Erzählung. In der heutigen Welt kommt uns das wie Fantasy vor. Dieser Typ sagt einfach:,Fickt Euch alle! Ich lasse meine Füße in den Sand baumeln, trinke und genieße das Leben.‘ Für ihn ist es, als würde er seine Poesie jetzt nicht mehr schreiben, sondern einfach nur noch ausleben.

Für mich ist er die Strandversion eines Cheech-und-Chong-Films.“

Isla Fisher: „’Beach Bum‘ ist wie ein Gedicht ohne Pointe.“

Beach Bum (The Beach Bum, USA 2019)

Regie: Harmony Korine

Drehbuch: Harmony Korine

mit Matthew McConaughey, Isla Fisher, Snoop Dog, Zac Efron, Jonah Hill, Martin Lawrence, Stefania LaVie Owen, Jimmy Buffett

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Beach Bum“

Metacritic über „Beach Bum“

Rotten Tomatoes über „Beach Bum“

Wikipedia über „Beach Bum“

Meine Besprechung von Harmony Korines „Spring Breakers“ (Spring Breakers, USA/Frankreich 2012)

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TV-Tipp für den 28. September: Die Regeln der Gewalt

September 28, 2018

ZDFneo, 23.25

Die Regeln der Gewalt (The Lookout, USA 2007)

Regie: Scott Frank

Drehbuch: Scott Frank

Nach einem Autounfall hat Chris sein Kurzzeitgedächtnis fast vollständig verloren. Um seinem Leben Struktur zu geben, ist er Putzmann in einer Bank. Da macht sich ein Pärchen an ihn ran. Er soll ihnen bei einem Banküberfall helfen.

Regiedebüt von Scott Frank, dem Drehbuchautor von „Get Shorty“, „Out of Sight“, „Minorty Report“ und „Logan“.

Heute ist die schon lange überfällige TV-Premiere des feinen Noirs.

mit Joseph Gordon-Levitt, Jeff Daniels, Matthew Goode, Isla Fisher, Carla Gugino, Bruce McGill, Alberta Watson, Alex Borstein, Sergio Di Zio

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Regeln der Gewalt“

Wikipedia über „Die Regeln der Gewalt“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Scott Franks Lawrence-Block-Verfilmung „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“ (A Walk among the Tombstones, USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: „Catch me!“ – Große Jungs speilen Fangen

Juli 26, 2018

Mit dem Hinweis, der folgende Film basiere auf einer wahren Geschichte, beginnt „Catch me!“ (deutscher Titel). Das stimmt allerdings nur bedingt. Außer der Grundidee ist in „Tag“ (Originaltitel) alles erfunden.

Russell Adams schrieb im Januar 2013 für das Wall Street Journal einen kurzen Artikel über zehn Freunde, die seit ihrer Kindheit fangen spielen und so, auch Jahrzehnte nach dem Ende ihrer Kindheit und gemeinsamen Schulzeit, immer wieder zusammenkommen, um ein Kinderspiel zu spielen. Dabei ist es für sie kein normales ‚Fangen‘ mehr. Es gibt einige selbst auferstellte Regeln (so wird nicht zurückgeschlagen) und es wird nur während eines Monats im Jahr gespielt. Inzwischen leben die Schulkameraden über die USA verstreut. Manchmal müssen sie ihre Aktionen langfristig vorbereiten. Immerhin wissen die anderen Spielteilnehmer, dass sie innerhalb eines Monats ‚erwischt‘ werden können. Dafür organisieren sie Ablenkungsmanöver, verkleiden sich und verstecken sich manchmal für mehrere Tage im Gebüsch, Das ist dann gleichzeitig kindisch, rührend und auch bescheuert. Immerhin bleiben sie über das Spiel miteinander in Kontakt.

Dieses Spiel und die Hintergrundgeschichte ist allerdings nur die Idee für einen Film. Was fehlt, ist eine Geschichte.

Die Drehbuchautoren Rob McKittrick und Mark Steilen und Regisseur Jeff Tomsic überlegten sich für ihren Film folgende Geschchte: Jerry Pierce (Jeremy Renner) will nach dreißig Jahren aus dem Spiel aussteigen. Weil er bislang noch nie ‚erwischt‘ wurde, würde er damit ungeschlagen ausscheiden. Hogan ‚Hoagie‘ Malloy (Ed Helms) will das nicht akzeptieren. Zusammen mit Bob Callahan (Jon Hamm), Randy ‚Chilli‘ Cilliano (Jake Johnson) und Kevin Sable (Hannibal Buress) will er Jerry erwischen. Und weil Jerry demnächst in ihrer alten Heimatstadt Spokane, Washington, heiratet, ist das die Gelegenheit. Sie wissen, wann er wo ist und dass er die Hochzeit und die begleitenden Veranstaltungen nicht verlassen kann.

Selbstverständlich erwartet Jerry genau das von seinen alten Spielkameraden.

Die an Lachern arme Komödie erzählt nun, wie die vier Jungs immer wieder versuchen, Jerry zu erwischen und wie er ihnen immer wieder entkommen kann, weil er ihnen hoffnungslos überlegen ist. Dabei ist Jerry nicht nur gut in dem Spiel, sondern er ist so gut, dass er sogar Hawkeye jederzeit mühelos besiegen würde. Das langweilt in seiner endlosen Wiederholung von Versuch und garantiertem Schweitern schnell.

Garniert wird das Spiel durch einige Momente, in denen uns erklärt wird, dass sie dank des Spiels immer noch zusammen sind, dass das Spiel das Beste in ihnen hervorbringt und dass sie dank des Spiels nicht erwachsen werden. Denn erst wenn sie aufhörten zu spielen, seien sie alt.

Am Ende ist „Catch me!“ eine weitere belanglose US-Komödie, die einen eher pubertären Humor, etwas Action und einige Platitüden über Freundschaft hat. Halt genau das, was der Trailer verspricht.

Catch me! (Tag, USA 2018)

Regie: Jeff Tomsic

Drehbuch: Rob McKittrick, Mark Steilen (nach einer Vorlage von Mark Steilen)

LV: Russell Adams: It takes planning, caution to avoid being ‚It‘ (Wall Street Journal, 28. Janur 2013)

mit Ed Helms, Jeremy Renner, Jon Hamm, Jake Johnson, Annabelle Wallis, Hannibal Buress, Isla Fisher, Rashida Jones, Leslie Bibb, Cheryl Deakins

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Catch me!“

Metacritic über „Catch me!“

Rotten Tomatoes über „Catch me!“

Wikipedia über „Catch me!“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 6. Februar: Life of Crime

Februar 6, 2018

Tele 5, 20.15

Life of Crime (Life of Crime, USA 2013)

Regie: Daniel Schechter

Drehbuch: Daniel Schechter

LV: Elmore Leonard: The Switch, 1978 (Wer hat nun wen auf’s Kreuz gelegt?)

1978 hoffen die Ganoven Ordell Robbie and Louis Gara (yep, die in „Rum Punch“/“Jackie Brown“ wieder dabei sind), mit der Entführung der Frau eines Immobilienhais an das große Geld zu kommen. Dummerweise will der Geschäftsmann seine Frau nicht wieder haben. Und die will sich das nicht gefallen lassen.

TV-Premiere: Verfilmung eines alten Elmore-Leonard-Romans, der trotz guter Besetzung bei uns nur auf DVD erschien.

Dabei scheint sie gar nicht so schlecht zu sein: „Dank guter Darsteller und flotter Inszenierung wird aus dem etwas abgegriffenen Komödienstoff halbwegs passable Unterhaltung.“ (Lexikon des internationalen Films).

Frühere Verfilmungspläne wurden wegen einer zu großen Ähnlichkeit zur erfolgreichen Komödie „Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone“ (USA 1986) gecancelt.

mit Jennifer Aniston, Yasiin Bey (aka Mos Def), Isla Fisher, Will Forte, Mark Boone Junior, Tim Robbins, John Hawkes, Kevin Corrigan

Wiederholung: Freitag, 9. Februar, 03.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Life of Crime“

Wikipedia über „Life of Crime“

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Über Tom Fords „Nocturnal Animals“

Dezember 22, 2016

Susan Morrow (Amy Addams) erhält von ihrem Ex-Mann Edward Sheffield (Jake Gyllenhaal), von dem sie seit Jahren nichts gehört hatte, ein Exemplar seines noch nicht veröffentlichten Debütromans „Nocturnal Animals“. Während die Kunsthändlerin den Kriminalroman liest, erinnert sie sich an ihre Beziehung zu Edward.

Der zweite Spielfilm des bekannten Modedesigners und „A single Man“-Regisseurs Tom Ford „Nocturnal Animals“ ist ein durchgehend elegantes Werk, das sich formschön und funktionell zwischen den verschiedenen Ebenen bewegt ohne jemals zu verunsichern. Alles, jeder Erzählstrang, jede Szene, jedes Bild, ist sauber voneinander getrennt, eindeutig in jeder Beziehung und es überfordert niemanden. Auch wenn Jake Gyllenhaal eine Doppelrolle spielt. Er ist Susans Ex-Mann und der Protagonist des Romans, was verdeutlicht, dass der Roman aus Susans Sicht (aber auch aus Edwards und der Sicht des Zuschauers) eine literarische Verarbeitung ihrer Beziehung ist.

Edward erzählt in seinem Roman letztendlich eine simple Rachegeschichte, für die Stephen King an einem schlechten Tag zwanzig Seiten benötigt hätte. Während einer nächtlichen Autofahrt durch West-Texas werden Tony Hastings und seine Familie von Ray Marcus (Aaron Taylor-Johnson) und seinen Kumpels bedrängt und zu einem Unfall provoziert. Anschließend entführt Marcus Tonys Familie. Als er sie wieder sieht, sind sie tot und Tony möchte sich rächen.

Dass in der Gegenwart Susans Ehemann fremdgeht und damit ihre Vergangenheit und die Fiktion gespiegelt werden, überrascht dann nicht mehr, bringt aber auch keine neuen Erkenntnisse.

Nocturnal Animals“ ist ein Manufactum-Film, bei dem der Stil, die richtige Geste, die richtige Ausleuchtung und der äußere Schein wichtiger als der Inhalt ist. Alles ist höchst elegant, gut besetzt und in jeder Beziehung gut inszeniert (was ihn unbedingt sehenswert macht), aber auch immer eine Spur zu offensichtlich und zu eindeutig, um wirklich zu verunsichern oder emotional zu bewegen. Im Gegensatz zu den Horrorfilmen von David Cronenberg, zum Beispiel „Crash“ oder sein Hollywood-Film „Maps to the Stars“, und zahlreichen anderen Horrorfilmen, in denen die Protagonisten sich mit ihren Ängsten herumschlagen müssen (Hat Susan überhaupt vor etwas Angst? Will sie überhaupt ihr Leben ändern? Verändert die Lektüre des Romans sie irgendwie?). Man fragt sich auch nie, wie bei Olivier Assayas „Die Wolken von Sils Maria“, wo die Grenzen zwischen den verschiedenen Ebenen verlaufen. In „Nocturnal Animals“ sind Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Fiktion sauber voneinander getrennte Schubladen.

Dabei ruft Tom Ford in den ersten Filmminuten mit betont ästhetischen Bildern von in Zeitlupe tanzenden, übergewichtigen nackten Frauen beim Zuschauer genau die Verunsicherung hervor, die er später erfolgreich vermeidet.

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Nocturnal Animals (Nocturnal Animals, USA 2016)

Regie: Tom Ford

Drehbuch: Tom Ford

LV: Austin Wright: Tony & Susan, 1993 (Tony & Susan) (manchmal auch „Tony and Susan“ bzw. „Tony und Susan“, US-Neuausgabe unter „Nocturnal Animals“)

mit Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Michael Shannon, Aaron Taylor-Johnson, Isla Fisher, Karl Glusman, Armie Hammer, Laura Linney, Andreas Riseborough, Michael Sheen

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Nocturnal Animals“

Metacritic über „Nocturnal Animals“

Rotten Tomatoes über „Nocturnal Animals“

Wikipedia über „Nocturnal Animals“ (deutsch, englisch)

DP/30 unterhält sich mit Tom Ford

Im AOL Building wird Tom Ford von Amy Addams, Michael Shannon und Aaron Taylor-Johnson unterstützt


Neu im Kino/Filmkritik: „Visions“ – sie sieht schlimme Dinge

April 21, 2016

Für was es nicht alles Preise gibt. Aber andererseits: warum nicht? „Visions“ war in der Kategorie „Location Team of the Year – Independent Feature Film“ 2014 für den California on Location Awards, kurz Cola, nominiert. Und, ja, die Locations gefallen. „Visions“ spielt in den kalifornischen Weinbergen, die Landschaft ist rural, die Sonnenuntergänge fotogen, die Leute, auch die mexikanischen Arbeiter, schön. Traditionsbewusst sind sie alle. Dient natürlich dem Verkauf des alkoholhaltigen Saftes.

Visions“, eine der aktuellen Blumhouse-Productions-Filme (bei dem Output der Firma kann nicht wirklich von dem neuesten Film gesprochen werden), erzählt die Geschichte des jungen, aus der Großstadt kommenden Ehepaares Eveleigh (Isla Fisher) und David Maddox (Anson Mount), die sich gerade ein Weingut zugelegt haben. Er möchte damit endlich seine Träume verwirklichen. Sie ist schwanger. Die Nachbarn sind nett, auch wenn die schon etwas ältere Weinexpertin während ihres Begrüßungsempfangs wunderlich reagiert.

Alles könnte perfekt sein, wenn Eveleigh, die immer noch an den Nachwirkungen eines schweren Autounfalls leidet, nicht Dinge sehen würde, die außer ihr niemand sieht. Ob es sich dabei um Ereignisse aus der Vergangenheit oder Zukunft handelt, ist unklar. Oder ob es sich nur um ein ausgewachsenes Schwangerschaftstrauma handelt. Ich vermutete jedenfalls lange eine Lösung in Richtung „Rosemaries Baby“.

Regisseur Kevin Greutert („Saw VI“, „Saw 3D“, „Jessabelle – Die Vorhersehung“) wählte dann eine andere Lösung, die in ihrem Bemühen wirklich jede ihrer Visionen und jeden Punkt, der irgendwann im Film verbal oder visuell angesprochen wurde, miteinander zu verbinden so hoffnungslos überladen ist, dass die dann präsentierte Lösung, die wirklich alle Teile miteinander verbindet, absolut unglaubwürdig ist.

Bis dahin ist „Visions“ ein milder Grusler, professionell aufgenommen, ordentlich gespielt (Drehbuch und Schauspieler zahlen sich halt aus) und ohne hysterische Blutbäder, aber letztendlich auch ohne große Überraschungen.

Visions (Visions, USA 2015)

Regie: Kevin Greutert

Drehbuch: L.D. Goffigan, Lucas Sussman

mit Isla Fisher, Anson Mount, Gillian Jacobs, Joanna Cassidy, Eva Longoria, Jim Parsons, Michael Villar, Bryce Johnson, John de Lancie

Länge: 83 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Visions“

Rotten Tomatoes über „Visions“

Wikipedia über „Visions“


Neu im Kino/Filmkritik: „Der Spion und sein Bruder“ sind die Brothers Grimsby

März 12, 2016

Vor 28 Jahren hat Nobby (Sacha Baron Cohen) seinen kleinen Bruder Sebastian zuletzt gesehen. Trotzdem sucht er ihn immer noch und auch Sebastians Kinderzimmer in dem viel zu kleinen Haus ist unverändert.
Sebastian (Mark Strong) arbeitet inzwischen als Top-Agent für den MI6 und er denkt überhaupt nicht mehr an Nobby. Nobby und das im Nordosten England liegende, heruntergekommene, von der Moderne übersehene Arbeiterdorf Grimsby sind schon lange nicht mehr Teil seiner Welt.
Als Nobby erfährt, dass Sebastian noch lebt und er demnächst in London einen Wohltätigkeitsball der oberen Zehntausend besuchen wird, schleicht er sich ebenfalls ein und sabotiert ein von langer Hand geplantes Mordkomplott so gründlich, dass nicht nur der Anschlag schief geht (es gibt dafür andere Verletzte und Tote), sondern auch die Tarnung von Sebastian auffliegt. Außerdem wird er jetzt von seinen Leuten als Attentäter verfolgt. Soviel zum Vertrauen des MI6 in seinen besten Mann.
Es gibt nur einen Ort, an dem Sebastian – jedenfalls in der kruden Theorie von Nobby, einem wahren Trottel vor dem Herrn – von niemand gesucht wird: Grimsby.
„Der Spion und sein Bruder“ ist vor allem ein Film von Sacha Baron Cohen, der mit der Ali G. Show bekannt wurde, mit „Borat“, „Brüno“ und „Der Diktator“ seinen Ruf als respektloser Komiker zementierte und der sich in „Der Spion und sein Bruder“ den Agentenfilm in der globetrottend-eskapistischen „James Bond“-Tradition und die ultrarealistischen „This is England“-Sozialdramen vornimmt. Dabei schreckt er erwartungsgemäß vor keiner Peinlichkeit zurück. Der Humor ist immer reichlich derb und oft vulgär, wozu auch eine Szene in einem Elefanten gehört. Aber im Gegensatz zu chauvinistisch-reaktionärem US-Klamauk, wie zuletzt „Dirty Grandpa“, gehen die Witze nicht nur auf Kosten von Minderheiten. Es wird gleichmäßig gegen alle ausgeteilt. Oft werden Klischees umgedreht. So liebt Nobby seine Frau, die zu ihren Pfunden steht und auch später, in Südafrika, hält er das sehr kräftige afrikanische Zimmermädchen für das Zielobjekt, während er das wirkliche Zielobjekt, das locker eine Playboy-Photostrecke erhalten könnte, links liegen lässt und sie sogar später für das Zimmermädchen hält, die für ihn eine unangenehme Aufgabe im Badezimmer (denkt euch euren Teil) erledigen soll. In diesem Moment ist „Der Spion und sein Bruder“ schon länger nur noch eine knallige Nummernrevue, die einfach nur, garniert mit etwas Action, mehr oder weniger gelungene Gags aneinanderreiht, während die beiden Brüder von Südafrika nach Chile zum Fußballendspiel fliegen. Dort will der Bösewicht während des Spiels seinen teuflischen Plan in die Tat umsetzten.
Seine stärksten Szenen hat der von „Transporter“- und „Die Unfassbaren – Now you see me“-Regisseur Louis Leterriers inszenierte Film in Grimsby. Dort malt er zuerst das Leben der Arbeiter- und Arbeitslosenklasse breit aus (wegen des Dialekts empfiehlt sich die Originalfassung) und zeichnet dabei ein vor Klischees strotzendes Bild, das nichts, aber auch überhaupt nichts mit der Welt der Hightech-Spionage zu tun hat. Aus diesem Zusammenprall der beiden Welten hätte man etwas machen können. Aus dem Gegensatz von High-Tech-Spionage und der schusswaffenstarrenden Welt der Spione und dem Zusammenhalt der Arbeiterklasse und den trinkfreudigen Fußballhooligans im Pub, die ihr Revier mit ungeahnter Effektivität verteidigen, hätte man viel mehr komödiantisches Gold schöpfen können.
Letztendlich ist „Der Spion und sein Bruder“ nur ein derber Cartoon mit übertriebener Action, reichlich Klamauk und zotigem Humor.

Der Spion und sein Bruder - Hauptplakat

Der Spion und sein Bruder (The Brothers Grimsby, USA 2016)
Regie: Louis Leterrier
Drehbuch: Sacha Baron Cohen, Phil Johnston, Peter Baynham (nach einer Geschichte von Sacha Baron Cohen und Phil Johnston)
mit Sacha Baron Cohen, Mark Strong, Isla Fisher, Rebel Wilson, Gabourey Sidibe, Penélope Cruz
Länge: 84 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
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Rotten Tomatoes über „Der Spion und sein Bruder“
Wikipedia über „Der Spion und sein Bruder“

Meine Besprechung von Louis Letteriers „Die Unfassbaren – Now you see me“ (Now you see me, USA 2013) und der DVD

Und so hört sich die Originalversion an


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