TV-Tipp für den 21. März: A most violent Year

März 21, 2019

3sat, 22.25

A most violent Year (A most violent Year, USA 2014)

Regie: J. C. Chandor

Drehbuch: J. C. Chandor

New York, 1981: Heizölhändler Abel Morales will ehrlich bleiben, während die Stadt im Verbrechen versinkt und seine Laster am helllichten Tag überfallen werden. Seine aus einer Gangsterfamilie stammende Frau rät ihm, zurückzuschlagen. Und die Polizei verdächtigt ihn, wie alle Geschäftsleute aus der Branche, mit der Mafia Geschäfte zu machen.

TV-Premiere. Starker Wirtschaftsthriller in der Tradition von Sidney Lumet.

A most violent Year“ ist ein düsteres, sich langsam entwickelndes Drama, ein Noir über einen Mann, der ehrlich bleiben möchte (jedenfalls so weit das in seiner Branche möglich ist) und der sich zwischen seinen hehren Prinzipien und seiner Existenz, der seiner Familie und ihrem durchaus gehobenem Lebensstil entscheiden muss. Weil Chandor „A most violent Year“ wie einen Weiße-Kragen-Gangsterfilm inszeniert und die Geschichte sich im Bereich der alltäglichen Graustufen, in denen es nur mehr oder weniger richtige und falsche Entscheidungen gibt, geht es vor allem um die Frage, welche und wie viele Kompromisse Abel Morales eingehen muss, um als Unternehmer erfolgreich zu sein. Und, auch das ist von Anfang an klar: Morales wäre nicht so weit gekommen, wenn er sich immer hundertprozentig an die Gesetze gehalten hätte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Oscar Isaac, Jessica Chastain, David Oyelowo, Albert Brooks, Alessandro Nivola, Elyses Gabel, Catalina Sandino Moreno

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „A most violent Year“
Moviepilot über „A most violent Year
Metacritic über „A most violent Year“
Rotten Tomatoes über „A most violent Year“
Wikipedia über „A most violent Year“
Meine Besprechung von J. C. Chandors „All is lost“ (All is lost, USA 2013)

Meine Besprechung von J. C. Chandors „A most violent Year“ (A most violent Year, USA 2014)


TV-Tipp für den 19. Juni: All is Lost – Überleben ist alles

Juni 19, 2017

ZDF, 22.15

All is lost – Überleben ist alles (All is lost, USA 2013)

Regie: J. C. Chandor

Drehbuch: J. C. Chandor

Großartiger Quasi-Stummfilm mit Robert Redford als Segler, dessen Schiff im Ozean von einem Container gerammt wird und unerbittlich sinkt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit vielen Videoclips).

mit Robert Redford

Wiederholung: Mittwoch, 21. Juni, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „All is lost“

Moviepilot über „All is lost“

Metacritic über „All is lost“

Rotten Tomatoes über „All is lost“

Wikipedia über „All is lost“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. C. Chandors „All is lost“ (All is lost, USA 2013)

Meine Besprechung von J. C. Chandors „A most violent Year“ (A most violent Year, USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: Über J. C. Chandors „A most violent Year“

März 21, 2015

Zuletzt sank in New York die Mordrate auf ein über fünfzigjähriges Rekordtief. Vielleicht sogar auf den tiefsten Stand, seitdem dort eine Kriminalitätsstatistik erhoben wird. Letztes Jahr wurden in der Millionenstadt 328 Menschen ermordet. Auch die Zahl der Gewaltverbrechen sank auf Zahlen, die man vor einigen Jahren noch für utopisch hielt.
Zum Beispiel gab es 1981 1826 Morde. 1981 war auch das Jahr mit der höchsten Kriminalitätsrate. So wird jedenfalls am Anfang von J. C. Chandors neuem, bei den Oscars seltsamerweise vollkommen übergangenem Film „A most violent Year“ gesagt und, obwohl ich jetzt keinen Beleg dafür finde, könnte es stimmen. Denn New York war damals keine harmlose Stadt.
Auch die Heizöllaster von Abel Morales (Oscar Isaac) werden regelmäßig überfallen. Aber im Gegensatz zu seinen Konkurrenten will der Einwanderersohn ehrlich bleiben. Und er vertraut der Polizei. Dennoch ermittelt der Stellvertretende Bezirksstaatsanwalt Lawrence (David Oyelowo) gegen ihn. Er vermutet, dass Morales Kontakte zur Mafia hat. Die Gründe dafür liegen, neben dem allgemeinen Geschäftsgebaren der Branche, auf der Hand: Abel Morales ist mit Anna (Jessica Chastain), der Tochter eines bekannten Gangsters, verheiratet und er hat das Geschäft von ihrem Vater übernommen.
Die aus seiner Sicht ebenso lästigen wie überflüssigen Ermittlungen des Staatsanwalts werden, neben den Überfällen auf seine Fahrzeuge und dem damit verbundenem Diebstahl seiner kostbaren Ladung, allerdings zu einer Bedrohung seiner Existenz, als er eine Option auf ein Industriegelände am Fluss erwirbt. Mit den auf diesem Gelände stehenden Tanks hätte er die Grundlage für eine ordentliche Geschäftsvergrößerung. Er könnte größer als seine Konkurrenten werden. Die Besitzer des Grundstücks verlangen, dass in einem Monat die restliche Kaufsumme im sechsstelligen Bereich bezahlt wird. Da würden polizeiliche Ermittlungen bei seiner Hausbank seine Kreditwürdigkeit nur unnötig schmälern und seine Expansionspläne gefährden. Wenn es dumm läuft, könnte er sogar pleite gehen.
In seinem dritten Spielfilm, nach dem Finanzthriller „Der große Crash – Margin Call“ und dem Ein-Mann-Segler-Thriller „All is Lost“, die beide von der Kritik abgefeiert wurden, legt J. C. Chandor grandios nach. „A most violent Year“ ist ein düsteres, sich langsam entwickelndes Drama, ein Noir über einen Mann, der ehrlich bleiben möchte (jedenfalls so weit das in seiner Branche möglich ist) und der sich zwischen seinen hehren Prinzipien und seiner Existenz, der seiner Familie und ihrem durchaus gehobenem Lebensstil entscheiden muss. Weil Chandor „A most violent Year“ wie einen Weiße-Kragen-Gangsterfilm inszeniert und die Geschichte sich im Bereich der alltäglichen Graustufen, in denen es nur mehr oder weniger richtige und falsche Entscheidungen gibt, geht es vor allem um die Frage, welche und wie viele Kompromisse Abel Morales eingehen muss, um als Unternehmer erfolgreich zu sein. Und, auch das ist von Anfang an klar: Morales wäre nicht so weit gekommen, wenn er sich immer hundertprozentig an die Gesetze gehalten hätte.
Während Abel Morales noch hadert, hat seine Frau Anna schon längst Fakten geschaffen. Das ist, vor allem nachdem sie fast während des gesamten Films als treue, die Buchhaltung erledigende, sich um die Kinder kümmernde Hausfrau mit Hang zu teuren Kleidern gezeigt wurde, eine Überraschung, die von Chandor aber – wie alles in dem Film – gut vorbereitet wurde. Bereits bei einem Wildunfall reagierte sie schneller und konsequenter als ihr Mann. Außerdem sahen wir sie nie bei der Hausarbeit und die Kinder tauchen kaum auf, weil sie im Geschäftsleben von Abel und Anna nicht im Mittelpunkt stehen.
Gleichzeitig zeigt J. C. Chandor präzise, wie Strukturen und kurzfristige Interessen zu Ergebnissen führen, die niemand wirklich will.
„A most violent Year“ ist ein düsteres Drama mit einem bitteren Ende, obwohl es keine Schuldigen gibt und auch niemand wirklich böse ist. Das ist klassisches, gut gespieltes Schauspielerkino in der Tradition von Sidney Lumet mit stimmigem Zeitkolorit, klug platzierten Anspielungen, einem feinen Blick auf die vielen Gruppen, die in New York leben und um ihren Platz kämpfen, und moralischen Ambivalenzen und Fragen, die auch heute noch aktuell sind.

A most violent year - Plakat

A most violent Year (A most violent Year, USA 2014)
Regie: J. C. Chandor
Drehbuch: J. C. Chandor
mit Oscar Isaac, Jessica Chastain, David Oyelowo, Albert Brooks, Alessandro Nivola, Elyses Gabel, Catalina Sandino Moreno
Länge: 125 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
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Film-Zeit über „A most violent Year“
Moviepilot über „A most violent Year“
Metacritic über „A most violent Year“
Rotten Tomatoes über „A most violent Year“
Wikipedia über „A most violent Year“
Meine Besprechung von J. C. Chandors „All is lost“ (All is lost, USA 2013)

DP/30 bittet J. C. Chandor und Oscar Isaac zum Verhör

 


Neu im Kino/Filmkritik: Über das grandiose Robert-Redford-Solo „All is lost“

Januar 9, 2014

 

Zwei Menschen werden „All is lost“ hassen: der Autor des deutschen Dialogdrehbuchs und Robert Redfords Synchronsprecher. Denn mehr als ein paar Sätze werden in J. C. Chandors Film nicht gesprochen. Neben einem „Fuck“ (Oder waren es sogar zwei?) und einem Notruf gibt es am Filmanfang ein etwas längeres Statement, in dem der von Robert Redford gespielte namenlose Segler sagt, dass er bis zum Ende gekämpft habe. Aber das Statement hätte man auch streichen können. Denn das sehen wir ja in dem Ein-Personen-Stück, das unmittelbar nach der Kollision zwischen einem Segelboot und einem auf dem Indischen Ozean herumschwimmendem Frachtcontainer beginnt. Der Segler kann den Container, der die Schiffswand durchbrach und sich in seinem Boot verhakte, entfernen und das Leck notdürftig abdichten. Dennoch dringt Wasser in sein Boot, sein Funkgerät funktioniert nicht und es kommt noch schlimmer. Ein Sturm zieht auf, er muss sein Segelboot verlassen und in ein Rettungsboot steigen.

J. C. Chandor, der vorher „Der große Crash – Margin Call“ über die Bankenkrise inszenierte, verlässt sich in seinem zweiten Spielfilm, der trotz der Weite des Ozeans, auch weil der Segler immer weniger Optionen hat, sehr klaustrophobisch wirkt, vollkommen auf seinen Hauptdarsteller, der als schweigsamer Segler tut, was getan werden muss. Gerade in seiner Reduktion auf einen Charakter und eine Situation liegt die Stärke von Chandors Parabel.

Schon jetzt wurde der 77-jährige Robert Redford für mehrere Preise, unter anderem den Golden Globe, als bester Schauspieler nominiert – und es ist wirklich beeindruckend, wie er mit seinem minimalistischen Spiel den gesamten Film trägt. Denn alles, was wir über den Segler erfahren, erfahren wir über seine Handlungen oder über die Gegenstände, die es auf dem Boot gibt. Das lässt zwar fast alle Fragen zu seinem bisherigen Leben offen, aber dafür lenkt auch nichts von der Frage ab, wie sehr wir um unser Leben kämpfen sollen und wann, falls überhaupt, wir den Kampf aufgeben sollen, auch wenn anscheinend alles verloren ist.

Der Segler ist jedenfalls der Mann, der niemals aufgibt.

All is lost - Plakat

All is lost (All is lost, USA 2013)

Regie: J. C. Chandor

Drehbuch: J. C. Chandor

mit Robert Redford

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „All is lost“

Moviepilot über „All is lost“

Metacritic über „All is lost“

Rotten Tomatoes über „All is lost“

Wikipedia über „All is lost“ (deutsch, englisch)

Und ein Gespräch mit dem Filmkomponisten Alex Ebert, der für seinen „All is lost“-Soundtrack eine Golden-Globe-Nominierung erhielt:


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