TV-Tipp für den 4. Juli: Jack Taylor: Der Ex-Bulle

Juli 4, 2016

ZDFneo, 23.15

Jack Taylor: Der Ex-Bulle (Irland 2010, Regie: Stewart Orme)

Drehbuch: Tom Collins, Anne McCabe, Ralph Christians

LV: Ken Bruen: The Guards, 2001 (Jack Taylor fliegt raus)

Galway, Irland: Nachdem Jack Taylor wegen eines gezielten Fausthiebs aus der Polizei fliegt, beginnt er als Detektiv zu arbeiten. Obwohl es in Irland keine Privatdetektive gibt. Jetzt soll er Anne Hendersons verschwundene Tochter suchen – und er wühlt dabei, wenn er nicht gerade trinkt oder zusammengeschlagen wird – ziemlich viel Schmutz auf.

Jack Taylor ist der bekannteste Charakter von Noir-Autor Ken Bruen. Die grandiosen Bücher bestechen vor allem durch Ken Bruens lyrische Sprache, die sich kaum übersetzen lässt. Die Plots sind dagegen eher krude und nebensächlich. Immerhin ist Taylor der erfolgloseste Privatdetektiv, den es gibt und er löst seine Fälle eher zufällig und trotz seiner Ermittlungen.

„The Guards“ war für den Edgar- und Macavity-Preis nominiert und erhielt den Shamus-Preis als bester Roman.

Der erste Jack-Taylor-Film bietet zwar etliche Jack-Taylor-Weisheiten, die bekannten Privatdetektiv-Klischees (die im Buch nicht so sehr auffallen) und ist insgesamt eher fahrig inszeniert. Also eine durchaus zwiespältige Angelegenheit, die nicht die Qualität der Vorlage erreicht, aber mit Iain Glen einen überzeugend kaputten Jack Taylor hat.

Mit Iain Glen, Nora-Jane Noone, Ralph Brown, Tara Breathnach, Frank O’Sullivan

Hinweise

Homepage zur TV-Serie

ZDF über Jack Taylor (und, unschöner, hier)

Wikipedia über die Jack-Taylor-Filme

Thrilling Detective über Jack Taylor

Deutschsprachige Ken-Bruen-Seite (Atrium-Verlag)

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Füchsin“ (Vixen, 2003)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans “Tower” (Tower, 2009)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte

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TV-Tipp für den 15. Dezember: Jack Taylor: Der Ex-Bulle

Dezember 15, 2015

ZDFneo, 23.15

Jack Taylor: Der Ex-Bulle (Irland 2010, Regie: Stewart Orme)

Drehbuch: Tom Collins, Anne McCabe, Ralph Christians

LV: Ken Bruen: The Guards, 2001 (Jack Taylor fliegt raus)

Galway, Irland: Nachdem Jack Taylor wegen eines gezielten Fausthiebs aus der Polizei fliegt, beginnt er als Detektiv zu arbeiten. Obwohl es in Irland keine Privatdetektive gibt. Jetzt soll er Anne Hendersons verschwundene Tochter suchen – und er wühlt dabei, wenn er nicht gerade trinkt oder zusammengeschlagen wird – ziemlich viel Schmutz auf.

Jack Taylor ist der bekannteste Charakter von Noir-Autor Ken Bruen. Die grandiosen Bücher bestechen vor allem durch Ken Bruens lyrische Sprache, die sich kaum übersetzen lässt. Die Plots sind dagegen eher krude und nebensächlich. Immerhin ist Taylor der erfolgloseste Privatdetektiv, den es gibt und er löst seine Fälle eher zufällig und trotz seiner Ermittlungen.

„The Guards“ war für den Edgar- und Macavity-Preis nominiert und erhielt den Shamus-Preis als bester Roman.

Der erste Jack-Taylor-Film bietet zwar etliche Jack-Taylor-Weisheiten, die bekannten Privatdetektiv-Klischees (die im Buch nicht so sehr auffallen) und ist insgesamt eher fahrig inszeniert. Also eine durchaus zwiespältige Angelegenheit, die nicht die Qualität der Vorlage erreicht, aber mit Iain Glen einen überzeugend kaputten Jack Taylor hat.

Mit Iain Glen, Nora-Jane Noone, Ralph Brown, Tara Breathnach, Frank O’Sullivan

Hinweise

Homepage zur TV-Serie

ZDF über Jack Taylor (und, unschöner, hier)

Wikipedia über die Jack-Taylor-Filme

Thrilling Detective über Jack Taylor

Deutschsprachige Ken-Bruen-Seite (Atrium-Verlag)

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans “Tower” (Tower, 2009)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Jack Taylor“, Trinker, Privatdetektiv, Galway

Januar 10, 2014

Als 2001 der erste Jack-Taylor-Roman „The Guards“ von Ken Bruen erschien, wurde er in der angloamerikanischen Krimigemeinde euphorisch aufgenommen. „The Guards“ und der Folgeband „The Killing of the Tinkers“ räumten die wichtigen Krimipreise ab. Unter anderem Edgar- und Anthony-Nominierungen, Shamus- und Macavity-Gewinner. Seinen zweiten Shamus erhielt er für „The Dramatist“.

Und obwohl es auch in Deutschland schon damals einige bekennende Ken-Bruen-Fans gab, erschien erst 2009 die Übersetzung von „The Guards“ als „Jack Taylor fliegt raus“. Übersetzt von Harry Rowohlt, einem der wenigen Übersetzer, dessen Name es auch auf den Buchumschlag schafft und der Käufer anlockt. Dummerweise ist er auch ein Übersetzer mit einem beträchtlichen Ego und entsprechend umstritten sind die Übersetzungen; – wobei die echten Ken-Bruen-Fans seine Noirs eh im Original lesen, weil seine lyrisch-knappe Sprache eben nur im Original (auch wenn man nicht jede Anspielung und jedes Wortspiel versteht) ihren wirklichen Reiz entfaltet. Die Geschichten sind nebensächlich. Denn in einem Jack-Taylor-Roman geht es immer um Jack Taylor, Ex-Polizist, Trinker, Privatdetektiv, der seine Fälle nicht löst, weil er gut ermittelt, sondern trotz seiner Ermittlungen. Er ist ein herumstreifendes Katastrophengebiet, das sich bevorzugt auf die heiligen Kühe von Galway stürzt: Schwäne, die Kirche (die späteren Taylor-Romanen sind undenkbar ohne die Religion; in „The Devil“ trifft er sogar den Leibhaftigen) und den Hass gegen die Tinker, dem herumfahrenden Volk, das dort ungefähr so beliebt ist, wie bei uns die Sinti und Roma (beziehungsweise früher Zigeuner). Seine Freunde sind letztendlich die lesbische Polizistin Ridge, der zum Zen-Meister halbwegs konvertierte Drogenhändler Stewart und Father Malachy, seine Nemesis, Fluch seines Lebens und enger Freund von Jack Taylors Mutter.

Für die Verfilmung durfte Jack Taylor erstaunlich viele Ecken und Kanten behalten. Trotzdem wurde einiges geändert. So hat Taylor in der TV-Serie zwar auch eine Freundin bei der Polizei. Aber seine Vertraute bei der Polizei, Kate Noonan, erscheint nicht besonders lesbisch, eher schon asexuell. Und Cody ist als Privatdetektiv-begeisterter Jüngling, der in der Serie immer dabei ist, der typische Sidekick des Helden, der vor allem die Laufarbeit erledigen darf und mehr schlecht als recht die Detektei von Jack Taylor am Laufen hält.

Außerdem wurden, was bei den Taylor-Fans von der Insel für Kritik sorgte, die Innenaufnahmen in Bremen im Studio gedreht, weil auch die deutsche Firma Molten Rock Media mitproduzierte und es einen Zuschuss von Nordmedia gab. Und mit den Dialekten scheint es auch zu hapern, aber das kann auf der jetzt veröffentlichten DVD-Box mit den ersten sechs Jack-Taylor-Filmen nicht überprüft werden, weil auf die englische Tonspur verzichtet wurde.

Aber der wichtigste Unterschied zwischen Bruens Romanen und den Verfilmungen ist, dass in den Romanen der Ich-Erzähler Jack Taylor der Dreh- und Angelpunkt der Geschichten ist, die vor allem Charakterstudien sind und Taylor die Fälle normalerweise nicht aufgrund eigener Ermittlungen löst. Ken Bruen meinte mal: „He is the world’s worst detective. Cases get solved not because of him but despite him.“

Für die Verfilmungen wurde das geändert. Die Geschichten sind geradliniger und konventioneller, aus verschiedenen Perspektiven erzählt (obwohl Ken Bruen in den späteren Jack-Taylor-Romanen mit verschiedenen Perspektiven experimentiert) und Taylor ist der Ermittler, der die Fälle löst. In den Filmen werden die Fälle wegen Jack Taylor gelöst.

Und natürlich fehlt, auch wenn es etwas Voice-Over gibt und Dialoge übernommen wurden, Ken Bruens knappe, schwarzhumorig-lakonische Sprache, die Zitate und die Leselisten der Leseratte Jack Taylor, die veritable Einkaufslisten sind.

In „Der Ex-Bulle“ soll er ein spurlos verschwundenes Mädchen suchen. Weil kurz vorher vier Mädchen, deren Leichen aus dem Wasser gezogen wurden, sich angeblich selbst umbrachten, befürchtet Taylor, dass bald eine fünfte Wasserleiche gefunden wird.

In „Auge um Auge“ gerät Jack Taylor an die Pikemen, eine Bürgerwehr, die Verbrecher, die vor Gericht nicht verurteilt wurden, final bestraft.

In „Gefallene Mädchen“ wühlt Jack Taylor in der Vergangenheit von Galway. Denn er soll eine Nonne finden, von der er nur ihren Spitznamen „Lucifer“ kennt, und die in einem Magdalenen-Heim, in dem „Gefallene Mädchen“ wieder auf den Pfad der Tugend zurückgeführt werden sollten, ein besonders drakonisches Regime führte.

In „Königin der Schmerzen“ beauftragt ein sich merkwürdig verhaltender Literaturprofessor Jack Taylor den Tod einer Studentin aufzuklären. Am Ende gerät Taylors Freundin Kate Noonan in Lebensgefahr.

In „Tag der Vergeltung“ wird Father Royce, der lange in den USA war, ermordet. Father Malachy möchte, dass Taylor den Fall aufklärt. Denn Father Royce verging sich an Messdienern – und das könnte das Motiv sein.

In „Das schweigende Kind“ wird Jack Taylor von einem Tinker-Clan beauftragt, den Mörder von Rosies Mutter zu finden. Rosie, die den Mord beobachtete, schweigt und die Polizei interessiert sich nicht sonderlich für diesen Streit unter Tinkern.

Letztendlich sind die Jack-Taylor-Filme ordentliche Privatdetektiv-Filme mit einem kantigen Helden und Fällen, die sich tief in die unschönen Seiten der irischen Geschichte begeben. Aber die Bücher sollte man trotzdem lesen. Denn sie sind etwas ganz anderes.

Die DVD-Ausgabe

Eigentlich ist die deutsche DVD-Ausgabe der ersten sechs Jack-Taylor-Filme ein Fall für die Mülltonne. Denn es gibt keine Untertitel und keinen Originalton. Beides gehört für mich zur Standardausstattung.

Es gibt Interviews mit Hauptdarsteller Iain Glen, Noonan-Darstellerin Nora Jane Noone, Cody-Darsteller Killian Scott, Regisseur Stuart Orme, Produzent Ralph Christians, Drehbuchautor Marteinn Thorisson und Kameramann John Conroy, teils untertitelt, teils mit Voiceover, teilweise auch ohne Nennung des Interviewten.

Nein, einen besonders liebevollen Eindruck hinterlässt die „Jack Taylor“-Box nicht.

Dummerweise sieht die Situation in anderen Ländern nicht viel besser aus. In England gibt es nur die ersten drei Filme auf DVD.

Es gibt außerdem eine „Complete Collection One & Two“ mit den ersten fünf Fällen. Denn „Das schweigende Kind“ wurde bislang in Irland noch nicht gezeigt.

Jack Taylor - DVD-Cover - 4

Jack Taylor (Irland 2010/2011/2013)

mit Iain Glen (Jack Taylor), Nora Jane Noone (Kate Noonan), Killian Scott (Cody), Frank O’Sullivan (Superintendent Clancy), Paraic Breathnach (Father Malachy)

DVD

Edel

Bild: Pal 16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Interviews mit den Darstellern und Machern der Serie

Länge: 540 Minuten (6 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Jack Taylors Ermittlungen

Der Ex-Bulle (The Guards, Irland 2010)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Tom Collins, Anne McCabe, Ralph Christians

LV: Ken Bruen: The Guards, 2001 (Jack Taylor fliegt raus)

Auge um Auge (The Pikemen, Irland 2011)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Marteinn Thorisson

Gefallene Mädchen (The Magdalen Martyrs, Irland 2011)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Marteinn Thorisson

LV: Ken Bruen: The Magdalen Martyrs, 2002 (Jack Taylor fährt zur Hölle)

Königin der Schmerzen (The Dramatist, Irland 2013)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Marcus Fleming

LV: Ken Bruen: The Dramatist, 2004 (Ein Drama für Jack Taylor)

Tag der Vergeltung (Priest, Irland 2013)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Marteinn Thorisson

LV: Ken Bruen: Priest, 2006 (Jack Taylor und der verlorene Sohn)

Das schweigende Kind (Cross; Shot Down, Irland 2013)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Marteinn Thorisson

LV: Ken Bruen: Cross, 2007 (Jack Taylor auf dem Kreuzweg)

Die Jack-Taylor-Romane

1) Jack Taylor fliegt raus (The Guards, 2001)

2) Jack Taylor liegt falsch (The Killing Of The Tinkers, 2002)

3) Jack Taylor fährt zur Hölle (The Magdalen Martyrs, 2003)

4) Ein Drama für Jack Taylor (The Dramatist, 2004)

5) Jack Taylor und der verlorene Sohn (Priest, 2006)

6) Jack Taylor auf dem Kreuzweg (Cross, 2007)

7) Jack Taylor gegen Benedictus (Sanctuary, 2008)

8) Jack Taylor geht zum Teufel (The Devil, 2010)

9) Ein Grabstein für Jack Taylor (Headstone, 2011)

10) Purgatory, 2013

Hinweise

Homepage zur TV-Serie

ZDF über Jack Taylor (und, unschöner, hier)

Wikipedia über die Jack-Taylor-Filme

Thrilling Detective über Jack Taylor

Deutschsprachige Ken-Bruen-Seite (Atrium-Verlag)

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Ken Bruen in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Ein Blick auf sechs Filme von Jess Franco

Januar 8, 2014

 

Ob sich das heutige Jugendliche noch vorstellen können? Immerhin können sie auf solche Seiten klicken.

Aber damals in den siebziger Jahren gab es noch kein Internet. Es gab aber eine Explosion von, hm, Freizügigkeit, die in Deutschland zu den Aufklärungsfilmen, wie dem „Schulmädchenreport“ führte. Natürlich war die postulierte Aufklärung nur der verlogene pädagogische Mantel für das Ansehen von höchstens spärlich bekleideten jungen Frauen, deren Dialoge eine Mischung aus Stöhnen („Ah! Aah! Aaaah!“) und wenigen Worten („Ja! Jaa! Jaaa! Mehr! Du bist so gut!“) war. Und die billig produzierten Filme waren an der Kinokasse – auch wenn sie jetzt keiner gesehen haben will – erfolgreich.

Irgendwann ließ man auch das Aufklärungsmäntelchen weg und die meisten dieser pornographischen Filme waren billig produzierter Mist, der sich erfolgreich jeder Kritik entzog und im Bahnhofskino die Bedürfnisse der jüngeren Zuschauer befriedigen sollte, während die noch Jüngeren sich überlegten, wie sie in diese Erwachsenenfilme kommen konnten. Immerhin sahen die Plakate (Titten!), die Aushangbilder (Titten!) und die Trailer (Titten! Stöhnen! Gern auch etwas Gewalt.) vielversprechend aus.

Einer, vielleicht sogar der Meister des Euro-Trashs war der Spanier Jess Franco, der für ein Taschengeld in atemberaubender Geschwindigkeit und ohne jeden Kunstanspruch Filme herunterdrehte, die so eindeutige Titel wie „Voodoo Passion“, „Das Haus der mannstollen Frauen“, „Ilsa, the Mad Butcher“ und „Frauen für Zellenblock 9“ (das war dann Sex und Gewalt im Gefängnis) hatten.

Jetzt veröffentlicht Ascot-Elite in der „Jess Franco Golden Goya Collection“ die Filme, die Jess Franco für Erwin C. Dietrich (ein Meister des billig produzierten Schund) drehte, mit originalgetreuen Covers in den ungekürzten Fassungen wieder auf DVD und erstmals auf Blu-ray und man kann überprüfen, ob die damaligen Urteile noch stimmen. Immerhin hat Jess Franco inzwischen eine Schar von Jüngern und er gehört zu den wenigen Regisseuren, dessen Filme heute noch bekannt sind, währen die „Schulmädchen-Report“-, „St.-Pauli-Report“- und Dirndl-und-Jodel-Filme heute ziemlich erfolgreich aus dem öffentlichem Bewusstsein verschwunden sind.

Damals verrissen Kritiker unisono die Filme, wie auch ein Blick in das „Lexikon des internationalen Films“ zeigt:

Ein Hintertreppen-Produkt, teils läppischer Krimi, teils Sexfilm.“ (Down Town – Die nackten Puppen der Unterwelt)

Der politische Hintergrund dient lediglich als Vorwand für eine Mischung aus Sadismus, Sex und KZ-Mentalität.“ (Greta – Haus ohne Männer)

Sexfilm mit lustlos abgefilmten Stellungsnummern am Strand, im Auto, im Bett, zu zweit oder als Trio, verpackt in eine schwachbrüstige Handlung. (…) Ein in jeder Hinsicht klägliches Machwerk. – Wir raten ab.“ (Die teuflischen Schwestern)

Alberne Mischung aus Erotik und Voodoo-Hokuspokus, blutrünstig und voyeuristisch.“ (Ruf der blonden Göttin)

Schundprodukt.“ (Frauen ohne Unschuld)

Eine Sadistin und ihr Berater, ein Arzt, foltern in einem Lager drei junge Frauen – was der Film mit unverhohlenem Genuss ausspielt. – Wir raten ab.“ (Frauen für Zellenblock 9)

Aber damals fanden auch einige Filme und Regisseure keine Gnade bei den Kritikern, die heute einen deutlich besseren Ruf genießen. Ich sage nur Russ Mayer.

Sehen wir uns, ordentlich vorgewarnt, in einer verwegenen Mischung aus Tapferkeit und Lüsternheit, die bis jetzt erschienenen sechs Veröffentlichungen der „Jess Franco Golden Goya“-Collection an.

In „Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt“ (1975) soll der Privatdetektiv Al Perreira die bildschöne Frau eines Politikers in einer kompromittierenden Situation fotografieren und gerät in ein Intrigenspiel, das sicher von „Chinatown“ (1974) und ungefähr jedem zweiten Privatdetektiv-Krimi, einem damals ungeheuer populärem Genre, inspiriert ist, aber – wie auch die fünf anderen Filme der „Jess Franco Golden Goya Collection“, die hier besprochen werden – die Story nur als vernachlässigbare Klammer für lange Sexszenen ignoriert.

In „Wicked Woman – Das Haus der mannstollen Frauen“ (1977) werden in einer Villa am Lago Maggiore die nackten Leichen eines jungen Ehepaars (dekorativ mit Blut besudelt) gefunden. Die einzige Zeugin der Tat, die junge Margeritta, ist von der Tat so schockiert, dass sie verstummt. Sie wird in die Psychiatrie eingeliefert – und dort beobachtet Margeritta weitere Morde. Oder ist sie inzwischen komplett durchgedreht? Naja, egal. Denn die meiste Zeit beobachtet Jess Franco die spärlich bekleideten Insassinnen, die sich endlos befummeln und stöhnen.

In „Die teuflischen Schwestern – Sexy Sisters“ (1977) erzählt Jess Franco wieder eine Kriminalgeschichte. Denn die eine der titelgebenden Schwestern will die andere wegen des Geldes in den Wahnsinn treiben und diese leidet – immerhin sind wir in einem Jess-Franco-Film – an einer unbezähmbaren Sexsucht, deren Befriedigung – nackte Leiber und Gestöhne – uns ausführlich gezeigt wird. Genrejunkies können jetzt, wie bei „Downtown“, die wesentlich gelungeneren Vorbilder heraussuchen.

In „Voodoo Passion – Ruf der blonden Göttin“ (1977) geht es nach Haiti, wo die frisch vermählte Susan (jung und Franco-knackig) in den Bann des Voodoo gerät, der sich hauptsächlich in ekstatischen Blicken und wild nach dem Klang der Trommeln bewegenden nackten Leibern manifestiert. Am Ende erfahren wir, dass es bei dem ganzen Gestöhne auch eine Kriminalgeschichte gab, die wahrscheinlich von Jess Franco am Ende schnell als Erklärung für den ganzen Mist (jedenfalls wenn man von einem Film mehr als hüpfende Titten und wackelnde Popos erwartet) herhalten muss. Denn auch beim zweiten Sehen sind die Hinweise auf das Komplott so versteckt, dass man sie unmöglich finden kann.

In „Frauen für Zellenblock 9“ (1977) geht es dann – entsprechend des Titel – ins „Women in Prison“-Subgenre, das uns eine Gefängniswelt aus Sadismus, Sex und Gewalt unter und gegen weibliche Gefangene zeigt. Garniert wird es hier, weil der Film irgendwo in Südamerika spielt, mit etwas Revolutionsromantik und einem komplett gehirnentkernten Plot, der wahrscheinlich aus übriggebliebenen Filmschnipseln von einem anderen Film und einigen Restdrehtagen zusammengeschustert wurde. Immerhin hält der Unglaube das Interesse wach: so flüchten einige der jungen, spärlich bekleideten Gefangenen aus dem besonders gruseligem Zellenblock 9 und anstatt möglichst schnell möglichst weit abzuhauen, nehmen sie zuerst ein Bad in einem Gewässer und vergnügen sich dann miteinander. Naja: Sex geht immer.

Ilsa, the Mad Butcher“ (1977) ist dann der beste und auch der geschmackloseste Film in diesem Sextett. Mit Dyanne Thorne hatte Franco sogar einen echten Hollywood-Star, Unterkategorie Trash an Bord. Für sie sprechen eine beeindruckende Oberweite und, dass sie vorher „Ilsa: She Wolf of the SS“, „Ilsa – Haremswächterin des Scheichs“ und „Ilsa – Die Tigerin“ war.

In „Ilsa, the Mad Butcher“ leitet sie in Südamerika eine Irrenanstalt, in der die Insassinnen, wegen der tropischen Temperaturen höchst spärlich bekleidet, sich die meiste Zeit selbst befriedigen (Klingt bekannt?). Daneben werden sie von der Leiterin Ilsa gequält – und Jess Franco verziert das mit einer Geschichte, die schamlos die Umtriebe von damaligen Folterregimes ausbeutet.

Bei diesem und auch den meisten der hier besprochenen Filme geht die Geschichte für die Protagonistin oder den Protagonisten schlecht aus; was uns dann wieder einiges über die damalige Zeit, als Anti-Helden und ein negatives Ende trendy waren, sagt.

Davon abgesehen entsprechen die schauspielerischen Qualitäten der Schauspieler normalerweise der unterirdischen Qualität der Drehbücher. Vor allem die jungen Damen sind doch allesamt von ihrem Aussehen nicht Playmate-tauglich, aber was macht man nicht alles für einen Südsee-Urlaub.

Irgendwie fühlt man sich nach den Jess-Franco-Filmen schmutzig. Als hätte man etwas verbotenes getan; – naja, wie früher, als man sich in die Filme schlich.

Und nun zum Positiven: Walter Baumgartner schrieb für alle Filme die Musik, die ein herrlich durchgeknallter, angenehm respektloser Mix aller möglichen Stile, oft mit einem starken Jazz- und Easy-Listening-Touch, ist. Da würde sich eine ordentliche CD-Veröffentlichung lohnen.

Downtown - DVD-CoverVoodoo Passion - DVD-Cover

Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt (Schweiz 1975)

Regie: Jess Franco (als Wolfgang Frank)

Drehbuch: Jess Franco (als Wolfgang Frank)

mit Lina Romay,Paul Müller, Martine Stedil

auch bekannt als „Miezen der Unterwelt“

DVD

Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition)

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Wendecover

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Voodoo Passion – Ruf der blonden Göttin (Schweiz 1977)

Regie: Jess Franco

Drehbuch: Manfred Gregor

mit Ada Tauler, Jack Taylor, Karine Bambier, Rita Morena

DVD

Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition)

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Japanisch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 83 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Frauen für Zellenblock 9 - DVD-CoverIlsa - The Mad Butcher - DVD-Cover

Frauen für Zellenblock 9 (Schweiz 1977)

Regie: Jess Franco

Drehbuch: Jess Franco

mit Karine Gambier, Howard Vernon, Susan Hemingway, Aida Gouveia

auch bekannt als „Flucht von der Todesinsel“ (Wo war da eine Insel?) und „Tropical Inferno“

DVD

Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition)

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Italienisch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 75 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Ilsa – The Mad Butcher (Schweiz/Deutschland/USA 1977)

Regie: Jess Franco

Drehbuch: Manfred Gregor (Pseudonym von Erwin C. Dietrich), Jess Franco

mit Dyanne Thorne, Lina Romay, Eric Falk, Tania Busselier, Esther Studer, Jess Franco

auch bekannt als „Greta – Haus ohne Männer“ und „Ilsa, the wicked Warden“

DVD

Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Italienisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch, Japanisch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Interview, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Die teuflischen Schwestern - DVD-CoverWicked Women - DVD-Cover

Die teuflischen Schwestern – Sexy Sisters (Schweiz 1977)

Regie: Jess Franco

Drehbuch: Manfred Gregor

mit Karine Gambier, Pamela Stanford, Jack Taylor, Eric Falk

DVD

Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition)

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0), Spanisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Japanisch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Wicked Women – Das Haus der mannstollen Frauen (Schweiz 1977)

Regie: Jess Franco

Drehbuch: Erwin C. Dietrich, Jess Franco

mit Lina Romay, Monica Swin, Nanda van Bergen

auch bekannt als „Frauen ohne Unschuld“

DVD

Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition)

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Englisch, Niederländisch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Wendecover

Länge: 77 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Wikipedia über Jess Franco (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Mein Nachruf auf Jess Franco

Meine Besprechung von Jess Francos „Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London“ (Jack, the Ripper, Deutschland/Schweiz 1976)

 

 


TV-Tipp für den 27. Oktober: Jack Taylor: Der Ex-Bulle

Oktober 27, 2013

ZDF, 22.00

Jack Taylor: Der Ex-Bulle (Irland 2010, R.: Stewart Orme)

Drehbuch: Tom Collins, Anne McCabe, Ralph Christians

LV: Ken Bruen: The Guards, 2001 (Jack Taylor fliegt raus)

Galway, Irland: Nachdem Jack Taylor wegen eines gezielten Fausthiebs aus der Polizei fliegt, beginnt er als Detektiv zu arbeiten. Obwohl es in Irland keine Privatdetektive gibt. Jetzt soll er Anne Hendersons verschwundene Tochter suchen – und er wühlt dabei, wenn er nicht gerade trinkt oder zusammengeschlagen wird – ziemlich viel Schmutz auf.

Jack Taylor ist der bekannteste Charakter von Noir-Autor Ken Bruen. Die grandiosen Bücher bestechen vor allem durch Ken Bruens lyrische Sprache, die sich kaum übersetzen lässt. Die Plots sind dagegen eher krude und nebensächlich. Immerhin ist Taylor der erfolgloseste Privatdetektiv, den es gibt und er löst seine Fälle eher zufällig und trotz seiner Ermittlungen.

The Guards“ war für den Edgar- und Macavity-Preis nominiert und erhielt den Shamus-Preis als bester Roman.

Der erste Jack-Taylor-Film bietet zwar etliche Jack-Taylor-Weisheiten, die bekannten Privatdetektiv-Klischees (die im Buch nicht so sehr auffallen) und ist insgesamt eher fahrig inszeniert. Also eine durchaus zwiespältige Angelegenheit, die nicht die Qualität der Vorlage erreicht, aber mit Iain Glen einen überzeugend kaputten Jack Taylor hat.

Der zweite Jack-Taylor-Film „Auge um Auge“, der kommenden Sonntag läuft, ist als Film gelungener.

Das ZDF zeigt fünf weitere Jack-Taylor-Filme an den kommenden Sonntagen. Die DVD erscheint am 9. Dezember bei edel – und die deutschen Übersetzungen gibt es bei Atrium und dtv.

Mit Iain Glen, Nora-Jane Noone, Ralph Brown, Tara Breathnach, Frank O’Sullivan

Wiederholung: Montag, 28. Oktober, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zur TV-Serie

ZDF über Jack Taylor (und, unschöner, hier)

Wikipedia über die Jack-Taylor-Filme

Thrilling Detective über Jack Taylor

Deutschsprachige Ken-Bruen-Seite (Atrium-Verlag)

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Ken Bruen in der Kriminalakte


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