Neu im Kino/Filmkritik: „Marie Curie – Elemente eines Lebens“, Teile eines Biopics

Juli 20, 2020

Laut einer BBC-Umfrage von 2018 ist Marie Curie die einflussreichste Frau in der Geschichte der Menschheit. Rosa Parks folgt auf dem zweiten Platz.

Aber wer war Marie Curie, 1867 als Maria Sklodowska in Warschau geboren, und was hat sie gemacht, um so wichtig zu sein? Die zwei Nobelpreise, einer in Physik, einer in Chemie können es nicht sein. Wobei sie es doch irgendwie sind. Marie Curie entdeckte mit ihrem Mann Pierre Curie mehrere Elemente, die die damaligen Theorien in Frage stellten. Es begann mit ihrer Entdeckung, dass Atome nicht die kleinste Einheit sind, sondern in noch kleinere Einheiten geteilt werden können. Sie nannten das Phänomen Radioaktivität. Später entdecken sie die chemischen Elemente Polonium und Radium. 1903 erhielten sie, zusammen mit Professor Henri Becquerel, den Nobelpreis für Physik für die Entdeckung der Radioaktivität.

Marie und Pierre Curie lernten sich 1894 an der Sorbonne kennen. Sie suchte einen Forschungsplatz in einem Labor. Er hatte ein Labor. Er war ihre große Liebe. 1906 starb er bei einem Verkehrsunfall. Er geriet unter die Räder eines Lastfuhrwerks. Sie waren beide brillante Wissenschaftler, die sich über die Arbeit kennen lernten und als erstes den Intellekt der anderen Person bewunderten. Nach dem Tod von Pierre Curie erhielt Marie Curie 1908 an der Pariser Universität als erste Frau überhaupt eine ordentliche Professur.

1911 erhielt sie den Nobelpreis für Chemie, unter anderem für die Entdeckung der Elemente Radium und Polonium.

Während dieser Zeit begann sie eine Affäre mit Paul Langevin, einem verheirateten Arbeitskollegen.

Marie Curies Entdeckungen führten zum Röntgenapparat, der friedlichen Nutzung der Kernenergie (und damit auch Tschernobyl) und der Atombombe.

Marjane Satrapi („Persepolis“, „Huhn mit Pflaumen“) erzählt in ihrem neuesten Film „Marie Curie – Elemente eines Lebens“ das Leben der Wissenschaftlerin, indem sie elegant zwischen den Zeiten hin- und herspringt und immer wieder zeigt, wozu Curies Entdeckungen führten. Eben diese Bilder zeigen, dass Curie nicht für irgendeine wissenschaftlich interessante, aber ansonsten weltfremde Entdeckung geehrt wurde, sondern dass ihre Entdeckungen im Leben von jedem ihre Spuren hinterlassen haben.

Das mild assoziative Biopic zeigt so, wozu Grundlagenforschung – und das machten Marie Curie und ihr Mann Piere um die Jahrhundertwende – dienen kann.

Gleichzeitig, und das ist ein konstantes Thema des Films, zeigt Satrapi die Widerstände und gesellschaftlichen Konventionen gegen die Marie Curie kämpfen musste, wozu auch die öffentliche Anerkennung für ihre Leistung zählt. Marie Curie wird, fabelhaft gespielt von Rosamund Pike, so als Wissenschaftlerin, Frau und Mutter, als Mensch mit Ecken und Kanten, begreifbar.

Formal ist das sehenswertes Biopic konventionell erzählt. Es verlässt sich weitgehend auf die etablierten Biopic-Pfade, die Schauspieler, die Ausstattung und das Drehbuch. Böswillig gesagt ist „Marie Curie – Elemente eines Lebens“ Bildungsfernsehen. Und etwas Bildung hat noch niemand geschadet.

Marie Curie – Elemente eines Lebens (Radioactive, Großbritannien/Frankreich 2019)

Regie: Marjane Satrapi

Drehbuch: Jack Thorne

LV: Lauren Redniss: Radioactive: Marie & Pierre Curie, A Tale of Love and Fallout (2010)

mit Rosamund Pike, Sam Riley, Aneurin Barnard, Anya Taylor-Joy, Simon Russell Beale, Katherine Parkinson, Sian Brooke

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Marie Curie – Elemente eines Lebens“

Metacritic über „Marie Curie – Elemente eines Lebens“

Rotten Tomatoes über „Marie Curie – Elemente eines Lebens“

Wikipedia über „Marie Curie – Elemente eines Lebens“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marjane Satrapis „The Voices“ (The Voices, USA/Deutschland 2014) und der DVD

Ein Gespräch zum Film mit Prof. Jutta Allmendinger (Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB)), Maike Röttger (Vorsitzende der Geschäftsführung, Plan International Deutschland e.V.) und Prof. Kathrin Valerius (Karlsruher Institut für Technologie (KIT), KIT-Centrum Elementarteilchen- und Astroteilchenphysik (KCETA)), moderiert von Barbara Streidl (Vorstand von Frauenstudien München e.V.) (aufgenommen am 16. 7. 2020)

 


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