Neu im Kino/Filmkritik: „Die Erscheinung“: göttlich oder betrügerisch?

Dezember 17, 2018

Nachdem die 18-jährige Anna, eine Novizin, behauptet, die Jungfrau Maria gesehen zu haben, steht ihr Dorf im Südosten Frankreich Kopf. Gläubige pilgern zum Ort der Marienerscheinung. Der Handel mit Devotionalien und religiösem Kitsch floriert. Ein deutscher Priester plant schon die weltweite Vermarktung und der Vatikan schickt eine Untersuchungskommission los. Sie soll prüfen, ob es sich wirklich um eine Marienerscheinung oder um einen gigantischen Schwindel handelt. Ein Mitglied der Gruppe ist der renommierte Kriegsjournalist Jacques Mayano (Vincent Lindon). Der Zweifler ist nicht als Anhänger der katholischen Kirche bekannt und genau das prädestiniert ihn für die Mitgliedschaft in dem kanonischen Untersuchungsausschuss.

In seinem neuen Film „Die Erscheinung“ benutzt Regisseur Xavier Giannoli („Madame Marguerite oder Die Kunst der schiefen Töne“) einen typischen Thrillerplot für eine Erörterung in Glaubensfragen und ein Selbstfindungsdrama. Denn Mayano ist durch den Tod eines langjährigen Freundes bei einer Reportage schwer traumatisiert und nicht arbeitsfähig. Jedenfalls nicht als Journalist. Er zweifelt daher auch am Sinn des Lebens. Durch die Begegnung mit Anna muss er sich dieser Frage stellen. Gleichzeitig gerät er in ein Geflecht unterschiedlicher Interessen, die teilweise Anna als ihren Goldesel sehen, teilweise noch nicht wissen, ob sie Anna als Goldesel oder als Betrügerin sehen sollen oder beschützen wollen. Wobei das auch bedeuteten könnte, dass Anna vielleicht wirklich der Jungfrau Maria begegnet ist, es aber besser wäre, wenn das nicht bestätigt würde. Immerhin ist sie eine junge Novizin mit problematischer Kindheit.

Ausgehend von dem zentralen Konflikt über die Echtheit der Marienerscheinung kann Giannoli viele Fragen ansprechen und Ansichten präsentieren, ohne jemals die Ausgangsfrage aus dem Blick zu verlieren. Er konzentriert sich auf den skeptischen Ermittler Mayano und die ebenso reine, wie rätselhafte Anna, überzeugend gespielt von Vincent Lindon und Galatéa Bellugi. Die streng gläubige Anna bleibt lange Zeit ein Enigma. Es ist unklar, ob sie wirklich die Jungfrau Maria gesehen hat und wenn, ob sie, angesichts des Massenauflaufs von Gläubigen, die sie in eine Heilsbringerinnenrolle drängen, das weiterhin behaupten möchte.

Mayano ist ein Schweiger, ein Beobachter, der sich berufsbedingt seine Gefühle nicht anmerken lässt, während er sich immer tiefer in Annas Vergangenheit hineingräbt und sich dabei mit seinem Glauben beschäftigt.

Giannoli inszniert das so offen, dass der Zuschauer sich ebenfalls mit der Echtheit der Marienerscheinung beschäftigen muss. Als universelle Suche nach Spiritualität ist das auch für Nicht-Katholiken interessant.

Allerdings ist „Die Erscheinung“ mit 144 Minuten etwas lang geraten. Sehenswert bleibt die filigrane Suche nach der Wahrheit trotzdem.

Die Erscheinung (L’Apparition, Frankreich 2018)

Regie: Xavier Giannoli

Drehbuch: Xavier Gianoli, Jacques Fieschi (Co-Autor), Marcia Romano (Co-Autor)

mit Vincent Lindon, Galatéa Bellugi, Patrick d’Assumcao, Anatole Taubman, Elina Löwensohn, Claude Lévèque, Gérard Dessalles, Bruno Georis

Länge: 144 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Erscheinung“

AlloCiné über „Die Erscheinung“

Metacritic über „Die Erscheinung“

Rotten Tomatoes über „Die Erscheinung“

Wikipedia über „Die Erscheinung“

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TV-Tipp für den 5. Februar: Place Vendôme – Heiße Diamanten

Februar 5, 2015

3sat, 22.30

Place Vendôme – Heiße Diamanten (Frankreich 1998, Regie: Nicole Garcia)

Drehbuch: Nicole Garcia, Jacques Fieschi

Die Witwe eines Nobeljuweliers übernimmt sein Geschäft und verstrickt sich in eine riskante Geschichte mit Diamanthändlern und Mafiosi.

Feines noirisches Thrillerdrama, das für zwölf Cesars nominiert war, unter anderem Bester Film, Regie, Drehbuch und Hauptdarstellerin.

mit Catherine Deneuve, Jena-Pierre Bacri, Emmanuelle Seigner, Jacques Dutronc, Bernard Fresson, Lászlo Szabo

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Place Vendôme – Heiße Diamanten”

Wikipedia über „Place Vendôme – Heiße Diamanten“ (deutsch, englisch, französisch) und Catherine Deneuve


TV-Tipp für den 21. Oktober: Place Vendôme – Heiße Diamanten

Oktober 21, 2014

Bei ZDFkultur sitzt wohl ein kleiner Catherine-Deneuve-Fan. Am 22. Oktober hat sie Geburtstag und heute gibt es gleich drei Filme mit ihr. Nach dem Tagestipp läuft um 22.10 Uhr „Die schönen Wilden“ und um 23.50 „Belle de jour – Schöne des Tages“ und alle Filme werden in der Nacht wiederholt.

ZDFkultur, 20.15

Place Vendôme – Heiße Diamanten (Frankreich 1998, Regie: Nicole Garcia)

Drehbuch: Nicole Garcia, Jacques Fieschi

Die Witwe eines Nobeljuweliers übernimmt sein Geschäft und verstrickt sich in eine riskante Geschichte mit Diamanthändlern und Mafiosi.

Feines noirisches Thrillerdrama, das für zwölf Cesars nominiert war, unter anderem Bester Film, Regie, Drehbuch und Hauptdarstellerin.

mit Catherine Deneuve, Jena-Pierre Bacri, Emmanuelle Seigner, Jacques Dutronc, Bernard Fresson, Lászlo Szabo

Wiederholung: Mittwoch, 22. Oktober, 04.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Place Vendôme – Heiße Diamanten”

Wikipedia über „Place Vendôme – Heiße Diamanten“ (deutsch, englisch, französisch) und Catherine Deneuve


Neu im Kino/Filmkritik: „Yves Saint Laurent“ und sein Freund Pierre Bergé

April 18, 2014

Alles das, was Ron Howard in „Rush“ über den erbitterten Kampf um den Weltmeistertitel zwischen den Formel-1-Piloten Niki Lauda und James Hunt oder Brian Helgeland in „42“ über Jackie Robinson, der als erster Afroamerikaner, trotz massiver Vorurteile, in der Major League Baseball spielte oder Margarethe von Trotta in „Hannah Arendt“ über die Philosophin und ihr Werk „Eichmann in Jerusalem – Ein Bericht über die Banalität des Bösen“ richtig machten und auch noch Justin Chadwick in „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ über den südafrikanischen Freiheitskämpfer mit Einschränkungen gelang, macht Jalil Lespert in seinen Biopic „Yves Saint Laurent“ falsch. Denn bei ihm wird nie deutlich, warum wir uns für den Modeschöpfer interessieren sollten, was wir aus seinem Leben lernen könnten oder auch nur gegen welche Widerstände er kämpfte.
Im Film wirkt Yves Saint Laurent wie das geborene Glückskind. Er ist modebegeistert. Als 21-jähriger übernimmt er 1957, nach dem plötzlichen Tod von Christian Dior, das Haute-Couture-Haus. Er trifft Pierre Bergé, der sein Freund, Geliebter und Geschäftspartner wird. Bergé, der auch der Erzähler des Films ist, ist die Frau im Hintergrund. Als sie 1961 das Modelabel „Yves Saint Laurent“ gründen, lässt er Yves Saint Laurent in der Öffentlichkeit und hält ihm die alltäglichen Geschäftsprobleme vom Hals. Laurents Kollektionen werden begeistert aufgenommen. Sie sind glücklich und genießen ihren Reichtum, ohne mit ihm zu protzen. In dieser rosaroten Modewelt ist alles perfekt und alle haben sich lieb.
Dass die Wirklichkeit nicht so rosig war, erfährt man im Film nicht. Im Film hat Yves Saint Laurent keine Probleme und er muss auch gegen keine Widerstände kämpfen. Im Film hatte er ein vollkommen langweiliges Leben. Das ist dann für einen Film, vor allem wenn man über Yves Saint Laurent nur weiß, dass er ein bedeutender Modeschöpfer war, einfach nur todlangweilig. Denn man erfährt im Film nicht, warum die gezeigten Kollektionen so wichtig sind. Man erfährt auch nicht, warum Laurent sich als Künstler sah, er die Mode als eine Kunst ansah und seine Kollektionen so revolutionär waren.
Und die im Zentrum des Films stehende Liebesgeschichte ist für einen Film ziemlich uninteressant. Denn für einen Film ist „Konflikt“ der notwendige Treibstoff. In Konflikten und wie sie damit umgehen, zeigt sich der Charakter der verschiedenen Personen. Die perfekte Liebe, die man natürlich jedem gönnt, ist dagegen die vollkommene Abwesenheit von Konflikt.
Für ein Biopic ist das dann aber nicht besonders lehrreich. Denn, wie gesagt, bei einem Biopic wollen die Macher uns Zuschauern erzählen, warum dieses Leben so ungewöhnlich war und was wir aus diesem Leben lernen können. Auch was wir anders machen würden oder wo der Porträtierte das vollkommen falsche getan hat. Am Ende des Films sollten wir mehr über den Protagonisten wissen, seine Handlungen verstehen und auch wissen, warum er eine so ungewöhnliche Person ist.
„Yves Saint Laurent“ versagt hier leider komplett.
Das verklärende Biopic ist nur ein vollkommen unkritischer Werbefilm. Aber wer will zwei Stunden Werbung sehen, wenn er im Fernsehen schon nach zwei Minuten den TV-Kanal wechseln würde?

Yves Saint Laurent - Plakat

Yves Saint Laurent (Yves Saint Laurent, Frankreich 2013)
Regie: Jalil Lespert
Drehbuch: Jacques Fieschi, Marie-Pierre Huster, Jalil Lespert, Jérémie Guez (Mitarbeit)
LV: Laurence Benaïm: Yves Saint Laurent
mit Pierre Niney, Guillaume Gallienne, Charlotte Le Bon, Laura Smet, Marie de Villepin, Nikolai Kinski
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Yves Saint Laurent“
Moviepilot über „Yves Saint Laurent“
Metacritic über „Yves Saint Laurent“
Rotten Tomatoes über „Yves Saint Laurent“
Wikipedia über „Yves Saint Laurent“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 22. Oktober: Meine liebste Jahreszeit/Place Vendôme – Heiße Diamanten

Oktober 22, 2013

 

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Catherine Deneuve!

3sat, 20.15

Meine liebste Jahreszeit (Frankreich 1993, R.: André Techiné)

Drehbuch: André Techiné, Pascal Bonitzer

An Weihnachten kommt eine Familie, die sich lange nicht mehr gesehen hat, zusammen und alte Konflikte brechen auf. Und das ist noch nicht das Ende der Geschichte.

Das klingt jetzt nicht besonders aufregend, aber bei André Techiné entsteht daraus ein sehenswertes Stück Kino, das damals in den wichtigen Kategorien (Bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptdarsteller, Hauptdarstellerin) für den Cesar nominiert war.

Eine Fülle kompliziert verstrickter Themen, die Téchiné in einer einfachen und lebensnah inszenierten Geschichte zusammenführt. Überzeugend ist vor allem das Zusammenspiel von Catherine Deneuve, Daniel Auteuil und Martha Villalonga.“ (Fischer Film Almanach 1995)

mit Catherine Deneuve, Daniel Auteuil, Marthe Villalonga, Carmen Chaplin

Hinweise

Wikipedia über „Meine liebste Jahreszeit“ (deutsch, englisch, französisch)

3sat, 22.15

Place Vendôme – Heiße Diamanten (Frankreich 1998, R.: Nicole Garcia)

Drehbuch: Nicole Garcia, Jacques Fieschi

Die Witwe eines Nobeljuweliers übernimmt sein Geschäft und verstrickt sich in eine riskante Geschichte mit Diamanthändlern und Mafiosi.

Feines noirisches Thrillerdrama, das für zwölf Cesars nominiert war, unter anderem Bester Film, Regie, Drehbuch und Hauptdarstellerin.

mit Catherine Deneuve, Jena-Pierre Bacri, Emmanuelle Seigner, Jacques Dutronc, Bernard Fresson, Lászlo Szabo

Wiederholung: Mittwoch, 23. Oktober, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Place Vendôme – Heiße Diamanten“

Wikipedia über „Place Vendôme – Heiße Diamanten“ (deutsch, englisch, französisch) und Catherine Deneuve


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