Neu im Kino/Filmkritik: „Annabelle comes home“ und sieht sich im Haus der Warrens um

Juli 4, 2019

Als wir die Puppe Annabelle zum ersten Mal in einem Film sahen, saß sie auf einem Holzstuhl in einer Glasvitrine im Keller des anonymen Vorstadthaus des Dämonologenehepaares Ed und Lorraine Warren. James Wans gelungener Geisterhorrorfilm „The Conjuring“ (USA 2013) war der Auftakt zu einer Reihe von kommerziell erfolgreichen Horrorfilmen, die alle in der Welt der beiden Dämonologen spielen, die es wirklich gab. Einige Filme basieren auf wahren Fällen des Ehepaares (soweit man hier überhaupt von ‚wahren Fällen‘ sprechen kann). Andere sind frei erfunden. Wie jetzt der dritte eigenständige Annabelle-Film „Annabelle comes home“, der zeitlich zwischen dem Anfang und Ende von „The Conjuring“ spielt.

In den frühen siebziger Jahren müssen Ed (Patrick Wilson) und Lorraine Warren (Vera Farmiga) für eine Nacht weg. Mary Ellen (Madison Iseman) soll als Babysitter auf ihre zehnjährige Tochter Judy (Mckenna Grace) aufpassen. Judy ist, wie ihre Mutter, seherisch begabt und, immerhin lebt sie in einem Haus, in dem Geister und Dämonen ständige Hausgäste sind, ist sie für ihr Alter schon sehr erfahren im Umgang mit diesen Wesen. Sie hat auch fast immer ein Holzkreuz in Reichweite.

Schon am Nachmittag kommt Mary Ellens Freundin Daniela (Katie Sarife) vorbei. Sie trauert noch immer um ihren bei einem Autounfall verstorbenen Vater und sie fühlt sich für seinen Tod verantwortlich. Neugierig ist sie auch. Dabei belässt sie es nicht beim Blättern in den Akten der Warrens, sondern sie schließt auch die Tür zu dem Kellerraum auf, in dem die Warrens von Dämonen besessene Gegenstände lagern. Dazu gehört auch Annabelle, die in einem Glasvitrine eingeschlossen ist, auf der steht, dass man die Tür unter keinen Umständen öffnen solle. Für Daniela ist das selbstverständlich die Anweisung die Tür zu öffnen. Und weil sie vorher alle möglichen Gegenstände in dem Keller berührt hat, hat Annabelle viele Helfer, die ihr in der Nacht in dem Vorstadthaus helfen, die drei Mädchen und Bob (Michael Cimino), den später hinzukommenden, Gitarre spielenden Verehrer von Mary Ellen, zu terrorisieren.

Für Horrorfilmfans ist das ein Best-of aller möglichen Geister. Sogar ein Werwolf ist dabei. Spätestens in dem Moment werden Erinnerungen an die beiden auf den Kinderbüchern von R. L. Stine basierenden „Gänsehaut“-Filme wach. In den beiden Filmen müssen Jugendliche gegen eine Armada höchst unterschiedlicher Geister und Monster kämpfen. Die Filme sind, wobei der erste Film besser als der zweite ist, Horrorkomödien, die sich an ein jüngeres Publikum richten. Sie sollen eine Gänsehaut verursachen. „Annabelle comes home“ ist dagegen ein erstaunlich langsam erzählter Horrorfilm, der mehr an Atmosphäre und Suspense als an Jumpscares interessiert ist. Es ist allerdings auch ein Film, in dem die titelgebende Annabelle kaum auftritt und auch die anderen Geister eher kurze Auftritte haben, die mehr die Funktion eines Zitats erfüllen. Meist stehen sie irgendwo im Bildhintergrund herum und verschwinden dann wieder geräuschlos. Einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt in Gary Daubermans Regiedebüt kein Geist.

Dauberman schrieb bereits die Bücher für die vorherigen „Annabelle“-Filme, „The Nun“ (ebenfalls aus dem Conjuring-Universum) und die Blockbuster-Stephen-King-Verfilmung „It“. Der zweite Teil, angekündigt für 5. September, ist ebenfalls von ihm geschrieben.

Annabelle comes home“ ist ein gemütlicher Gang durch bekannte Geisterhorrortopoi, bei dem sich aufgrund der vielen Geister, die letztendlich austauschbar bleiben, und dem schwachen Finale, keine wirkliche Begeisterung aufkommen will. Mehr als eine leichte Gänsehaut will bei Annabelles neuestem Auftritt nicht aufkommen.

Annabelle comes home (Annabelle comes home, USA 2019)

Regie: Gary Dauberman

Drehbuch: Gary Dauberman (nach einer Geschichte von James Wan und Gary Dauberman)

mit Vera Farmiga, Patrick Wilson, Mckenna Grace, Madison Iseman, Katie Sarife, Michael Cimino, Samara Lee, Steve Coulter

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Auch bekannt als „Annabelle 3“ (mehr oder weniger der Arbeitstitel und mehr oder weniger der inoffizielle Titel)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Annabelle comes home“

Metacritic über „Annabelle comes home“

Rotten Tomatoes über „Annabelle comes home“

Wikipedia über „Annabelle comes home“ (deutsch, englisch)

Das „Conjuring“-Universum in der Kriminalakte

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring“ (The Conjuring, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring 2″ (The Conjuring 2, USA 2016)

Meine Besprechung von John R. Leonettis „Annabelle“ (Annabelle, USA 2014)

Meine Besprechung von David F. Sandbergs „Annabelle 2″ (Annabelle: Creation, USA 2017)

Meine Besprechung von Corin Hardys „The Nun“ (The Nun, USA 2018)

Meine Besprechung von Michael Chaves‘ „Lloronas Fluch“ (The Curse of La Llorona, USA 2019)

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Neu im Kino/Filmkritik: „Aquaman“ Arthur Curry sucht einen Dreizack

Dezember 20, 2018

Neben Marvel ist DC Comics das andere große Unternehmen, das mit seinen Superheldencomics seit Jahrzehnten unendlich viele Kinder zum Lesen verführte. Bei den Filmen hat Marvel seit Jahren die Nase vorn. Die Kritiken sind gut. Die Einspielergebnisse fantastisch. Die Fans begeistert. Bei DC Comics kann man sich dagegen nur so halbwegs über die Einspielergebnisse des DC Extended Universe freuen. „Man of Steel“ (2013), „Batman v Superman: Dawn of Justice“ (2016), „Suicide Squad“ (2016) und „Justice League“ (2017) waren mehr oder weniger missratene Geduldsproben. Nur „Wonder Woman“ (2017) überzeugte.

Aquaman“ ist wieder eine Geduldsprobe. Gut aussehend, mit viel Action und durchaus sympathischen Darstellern, aber mit einem konfusem Nichts an Story.

Arthur Curry (Jason Momoa), der titelgebende Aquaman, Sohn von Atlanna (Nicole Kidman), Königin von Atlantis, und dem Leuchtturmwächter Tom Curry (Temuera Morrison), kann mühelos im Wasser und auf der Erde leben. Als erster Sohn von Königin Atlanna könnte er den Thron von Atlantis für sich beanspruchen. Aber der Einzelgänger ist daran nicht interessiert. Viel lieber lebt er das Leben eines ungebundenen Drifters, der ab und an selbstlos einigen Menschen hilft.

Als er erfährt, dass sein machtgieriger Halbbruder Orm (Patrick Wilson) alle Ozean-Königreiche vereinigen und gegen die Landbewohner in den Krieg ziehen will, beschließt Arthur um den Thron zu kämpfen. Denn er möchte nicht, dass die Landbewohner getötet werden. Auch wenn sie seit Jahrzehnten die Ozeane verschmutzen. Orm benutzt diese Umweltsünden als Rechtfertigung für seinen Krieg gegen die Menschen.

Bevor Arthur die Königswürde zugestanden wird, muss er den verlorenen Dreizack von Atlan findet und sich so als legitimer Herrscher des Meeres erweisen. Weil niemand weiß, wo der Dreizack ist, muss Curry mit Mera (Amber Heard), der Prinzessin des Meereskönigreichs Xebel, um die halbe Welt reisen. Von einem Abenteuer zum nächsten.

Diese Story ist die Entschuldigung für eine Abfolge viel zu lang geratener Actionszenen, die auch in einem „Fast & Furious“-Film nicht auffielen (naja, bis auf die Unterwasser-Action), langweiligen Erklärdialogen und Szenen, die anscheinend aus einem anderen Film stammen. Oder wie will man sonst damit umgehen, dass zwischen zwei Actionszenen Aquaman und Mera auf Sizilien Zeit haben, gemütlich wie ein frisch verliebtes Paar über den Markt zu schlendern, während ein bekannter Song die Boxen des Kinos austestet? Immerhin wird nach dem Song die Harmonie von einer wilden Hatz über die Dächer des Dorfes abgelöst. Oder dass, als sie auf ihrer globalen Schnitzeljagd in der Wüste die nächste Spur zum Ziel suchen, er sich wie ein pubertierender Teenager, der keine Lust auf eine Wanderung hat, benimmt? Das sind Szenen, die von ihrer Tonalität in einen vollkommen anderen Film gehören und die auch einen vollkommen anderen Arthur Curry zeichnen. Das ist, als ob James Bond plötzlich Mr. Bean würde.

In dem Moment hat man schon lange alle Fragen von Logik, storyinterner Stimmigkeit und Plausibilität ad acta gelegt. Da können Meeresbewohner mal mühelos Luft atmen, mal nicht. Da wird die Reise zum nächsten Ziel zunächst mit einem alten Fischerboot tuckernd begonnen, bevor Aquaman und Mera den Rest des Weges superflott im Wasser zurücklegen und so im Sturm den sie attackierenden Seemonstern entkommen. Da gibt es in Atlantis einen eigentümlichen Mix aus High Tech und tiefster Urzeit. Da ist die Gesellschaft immer noch wie ein uraltes Königreich aufgebaut, das sich in den vergangenen Jahrhunderten nicht veränderte. Das ist der verstaubte Mythenquark, der vor Jahrzehnten in den Zimmern pubertierender Jungs abgeladen wurde.

Da hilft auch kein muskelbepackter Jason Momoa als breit grinsender Aquaman.

Am Ende des mit gut zweieinhalb Stunden viel zu lang geratenen Wasserfilms bleibt eine große Frage: Warum ist es so schwer, einen gescheiten Superheldenfilm zu drehen? Oder anders formuliert: Was macht Marvel so viel besser als DC bei seinen Filmen?

Aquaman (Aquaman, USA 2018)

Regie: James Wan

Drehbuch: David Leslie Johnson-McGoldrick, Will Beall (nach einer Geschichte von Geoff Johns, James Wan und Will Beall) (nach einem Charakter von Mort Weisinger und Paul Norris)

mit Jason Momoa, Amber Heard, Willem Dafoe, Patrick Wilson, Nicole Kidman, Dolph Lundgren, Yahya Abdul-Mateen II, Temuera Morrison, Michael Beach, Randall Park, Graham McTavish, Leigh Whannell

Länge: 144 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche WarnerBrosDC-Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Aquaman“

Metacritic über „Aquaman“

Rotten Tomatoes über „Aquaman“

Wikipedia über „Aquaman“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Wans „Insidious: Chapter 2“ (Insidious: Chapter 2, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring“ (The Conjuring, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „Fast & Furious 7″ (Furious 7, USA 2015)

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring 2″ (The Conjuring 2, USA 2016)

 


Neu im Kino/Filmkritik: „The Nun“ erweitert das „Conjuring“-Universum in Richtung Transsylvanien

September 7, 2018

Wenn es erfolgreich ist, wird weitergemacht. Und dass die bis jetzt nach und im Zusammenhang mit „Conjuring“, einem gut besetzten, altmodischen Geisterhaushorrorfilm von James Wan, entstandenen Filme erfolgreich sind, kann niemand bestreiten. Weltweit spielten die nicht besonders teuren Filme weit über eine Milliarde US-Dollar ein.

Das erste Spin-Off waren die beiden „Annabelle“-Filme über eine dämonisch besessene Puppe. Gary Daubermann schrieb die Drehbücher für die beiden „Annabelle“-Filme und für die unglaublich erfolgreiche Stephen King-Verfilmung „Es“ (It).

Mit „The Nun“, ebenfalls von Daubermann geschrieben, gibt es jetzt das nächste Spin-Off. Die Alpträume verursachende Nonne hatte ihren ersten Auftritt in „Conjuring 2“. Es war ein Kurzauftritt, der die „Conjuring“-Fans beeindruckte und für die gibt es auch kleine Rahmenhandlung, die die Verbindung zwischen den „Conjuring“-Geisterjägern Ed und Lorraine Warren und der Nonne erklärt. Die Hauptgeschichte spielt 1952 in Rumänien

In dem einsam gelegenen Kloster St. Carta begeht eine Nonne Suizid. Für Katholiken eine Todsünde. Zur Aufklärung werden ein Priester mit einschlägiger Erfahrung und eine Novizin, die Nonne werden möchte, nach Transsylvanien zum Ort des Geschehens geschickt. Dort treffen Vater Burke (Demian Bichir) und Schwester Irene (Taissa Farmiga, die jüngere Schwester von ‚Lorraine Warren‘ Vera Farmiga) Frenchie (Jonas Bloquet), der die Leiche gefunden hat.

Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zum Kloster, das eine sehr starke und sehr böse dämonische Präsenz beherbergt, die aus ihrem Gefängnis ausbrechen möchte.

The Hallow“-Regisseur Corin Hardy inszenierte „The Nun“ als Geisterhorrorfilm, der nichts zeigt, was nicht schon zu Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Zeiten gezeigt wurde und der sehr laut ist. Einige Effekte sind besser, aber es gibt nichts, was man nicht auch vor fünfzig Jahren hätte machen können. Und es wirkt immer noch. Der kurze Schrecken, wenn, mit infernalischer Begleitung auf der Tonspur, Hände aus dem Nichts auftauchen oder der lange Schrecken, wenn man lebendig begraben wird. Das passiert Vater Burke. Natürlich mitten in der Nacht auf dem Friedhof des Klosters.

Die Menschen in dem Ort bei dem Kloster leben noch wie im 18. Jahrhundert. Im Kloster scheint sich seit dem Mittelalter nichts verändert zu haben. Entsprechend leicht konnte Hardy die Atmosphäre der alten Gruselfilme wiederbeleben, als tapfere Männer und, selten, Frauen, sich in Transsylvanien mit Vampiren, Untoten, Geistern und Fledermäusen herumschlugen. In „The Nun“ kommen jetzt als Inkarnation des Bösen noch Nonnen dazu. Und so eine Gruppe Nonnen, die in Formation einen Raum betritt und sich um die tapferen Geisterjäger versammelt, wirkt schon ziemlich furchterregend. Mit und ohne Latein.

The Nun“ ist gut abgehangener, durchaus kurzweiliger, aber auch schnell vergessener Retro-Gothic-Horror. Er ist, wie die bisherigen vier Filme aus dem „Conjuring“-Universum, für schreckhafte Geister gemacht, die solche Filme nicht schon hundertmal gesehen haben. Wobei die sich an der Atmosphäre, den Bildern, den Schauspielern und auch den gut gemachten Schock-Sequenzen in alten Gemäuern erfreuen können.

The Nun (The Nun, USA 2018)

Regie: Corin Hardy

Drehbuch: Gary Dauberman (nach einer Geschichte von James Wan und Gary Dauberman)

mit Demian Bichir, Taissa Farmiga, Jonas Bloquet, Bonnie Aarons, Ingrid Bisu, Charlotte Hope, Sandra Teles, Maria Obretin, Patrick Wilson, Vera Farmiga

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Nun“

Metacritic über „The Nun“

Rotten Tomatoes über „The Nun“

Wikipedia über „The Nun“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood exorziert „The Nun“

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring“ (The Conjuring, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring 2″ (The Conjuring 2, USA 2016)

Meine Besprechung von John R. Leonettis „Annabelle“ (Annabelle, USA 2014)

Meine Besprechung von David F. Sandbergs „Annabelle 2″ (Annabelle: Creation, USA 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: „Annabelle 2“ erzählt wie alles begann; – naja, fast

August 24, 2017

Vor einer Woche überschritten mit „Annabelle 2“ die Filme des „The Conjuring“-Cinematic-Universe die Schwelle von einer Milliarde Dollar weltweitem Einspiel. Dieser Erfolg war vor vier Jahren, als James Wans angenehm altmodischer Horrorfilm „The Conjuring“ in den Kinos anlief, nicht absehbar. Am Ende des Films zeigte Wan, eingesperrt in einer Glasvitrine im Keller des Hauses der Geisterjäger Ed und Lorraine Warren, erstmals die besonders böse Puppe Annabelle. In „Annabelle“ wurde dann ein Teil ihrer Geschichte erzählt. In „Annabelle 2“ (bzw. im Original „Annabelle: Creation“) geht es noch weiter zurück in die Vergangenheit der Puppe und das Prequel ist deutlicher gelungener als „Annabelle“.

Annabelle wurde in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts von dem Puppenmacher Samuel Mullins (Anthony LaPaglia) in Handarbeit hergestellt. Er lebt glücklich mit seiner Frau Esther (Miranda Otto) und ihrer Tochter Bee in einem einsam gelegenem Farmhaus. Durch einen tragischen Unfall stirbt ihre Tochter und, nun, sagen wir es mal etwas pathetisch, die Freude zieht aus ihrem Haus aus.

Zwölf Jahre später laden sie, auf Bestreben von Samuels zurückgezogen in ihrem Schlafzimmer vor sich hin dämmernder Frau, sechs Waisenmädchen ein. Die Mädchen sollen fortan, beaufsichtigt von Schwester Charlotte (Stepanie Sigman), in dem Haus leben und eine glückliche Jugend haben.

Aber schnell geschehen seltsame Dinge und Janice (Talitha Bateman) entdeckt in Bees Kinderzimmer, eingesperrt in einem Wandschrank, Annabelle, die unbedingt ihr Kabuff verlassen will.

Wie die vorherigen Filme aus dem „Conjuring“-Universum ist auch „Annabelle 2“ unblutig, liebevoll ausgestattet, altmodisch inszeniert und gut gemacht. Jedenfalls wenn man Geisterhorrorfilme mag und sich nicht daran stört, den x-ten Aufguss einer vertrauten Geschichte zu sehen, in dem pubertierende Mädchen gegen angsteinflößende Geister kämpfen müssen. „Lights out“-Regisseur David F. Sandberg lässt hier, abgesehen von episch eingestreuten christlichen Kreuzen, weitgehend jeden Subtext weg. Er konzentriert sich auf die edel gestalteten Thrills und, weil er, wenn der oder die Geister auftauchen, bei jedem einzelnen Mädchen bleibt, bis die Gefahr vorüber ist, kann man in diesen Momenten mühelos ihre Angst mitfühlen. Die Mädchen, bis auf Janice und ihre Freundin Linda (Lulu Wilson), bleiben dabei zwar austauschbar, aber immerhin fühlt man in diesen Momenten mit ihnen. Für das Zielpublikum – in den USA war das Publikum bis jetzt überwiegend weiblich und fast die Hälfte unter 25 Jahren – ist das wahrscheinlich genau die richtige Art Film.

Für ältere Horrorfilmfans ist „Annabelle 2“ nur ein Horrorfilm, der eine vertraute Geschichte mit den vertrauten Effekten erzählt. Das ist, wie gesagt, gut gemacht, aber wenn gegen Ende Bees Eltern uns erzählen, was zwischen dem tragischen Autounfall, bei dem ihre Tochter starb und der Einladung der Waisenmädchen geschah und warum Annabelle eingesperrt wurde, dann wünscht man sich, dass die Macher genau diese Geschichte erzählt hätten. Eine solche Geschichte über den Verlust eines über alles geliebten Kindes und den Versuch damit klarzukommen im Rahmen eines Genrefilms wäre natürlich eher eine Geschichte für ein älteres Publikum. Aber es wäre auch eine Geschichte abseits der in jeder Beziehung sicheren Bahnen einer Geschichte über Mädchen, die von einem Dämon gejagt werde, geworden.

Bei „Annebelle 2“ gingen die Macher dagegen auf Nummer sicher und erzählen uns eigentlich schon mehr über Annabelle, als wir wissen wollten.

Ein dritter „The Conjuring“-Film und zwei weitere Spinoffs, „The Nun“ und „The Crooked Man“ sind bereits geplant.

Annabelle 2 (Annabelle: Creation, USA 2017)

Regie: David F. Sandberg

Drehbuch: Gary Dauberman

mit Anthony LaPaglia, Samara Lee, Miranda Otto, Brad Greenquist, Lulu Wilson, Talitha Bateman, Stephanie Sigman, Mark Bramhall, Grace Fulton, Philippa Coulthard, Tayler Buck, Lou Lou Safran, Joseph Bishara, Alicia Vela-Bailey

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Annabelle 2“

Metacritic über „Annabelle 2“

Rotten Tomatoes über „Annabelle 2“

Wikipedia über „Annabelle 2“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Annabelle 2“

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring“ (The Conjuring, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring 2″ (The Conjuring 2, USA 2016)

Meine Besprechung von John R. Leonettis „Annabelle“ (Annabelle, USA 2014)

Meine Besprechung von David F. Sandbergs „Lights out“ (Lights out,USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: „Conjuring 2“ – das Ehepaar Warren jagt Geister

Juni 16, 2016

1977 in einem typischen englischen Reihenhaus im Norden Londons geschehen unheimliche Dinge. Anscheinend treibt Bill Wilkins, der Geist des Vorbesitzers, ein alter grummeliger Mann, die Familie Hodgson, eine allein erziehenden Mutter mit vier Kindern, zwei Mädchen, zwei Jungen, in den Wahnsinn. Vor allem die elfjährige Janet ist von dem Poltergeist besessen.

Das Ed und Lorraine Warren werden von der katholischen Kirche beauftragt, herauszufinden, ob es sich bei den Ereignissen in Enfield wirklich um einen Geist oder nur einen Betrug handelt.

Natürlich kennen Horrorfilmfans, mit anderen Namen und an anderen Orten, die Geschichte von „Conjuring 2“ in und auswendig. Und natürlich erzählt „Conjuring 2“ einfach die Geschichte von „Conjuring“ noch einmal. Damals war ein einsam in Harrisville, Rhode Island, gelegenes Farmhaus der Ort des Geschehens und die Geisterjäger mussten der Familie Perron helfen. Dieses Mal ist es eines dieser kleinen englischen Häuser, die es nur auf der Insel gibt. Und natürlich wird im Film wieder darauf hingewiesen, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt. Immerhin sind Ed und Lorraine Warren in den USA bekannte Dämonologen und mit einem besonders fiesen Dämonen müssen sie sich auch dieses Mal herumschlagen.

Und trotzdem ist „Conjuring 2“, wie „Conjuring“, ein in seinen selbst gesteckten Grenzen, ein enorm spannender Geisterhorrorfilm. Regisseur James Wan ist ein Genrefan, der gekonnt an der Spannungsschraube dreht, dabei die üblichen und erwartbaren Schocks liefert. Aber in der gelungenen Variante. Gleichzeitig schafft er durch seine Inszenierung und die Sets eine latent klaustrophobische Stimmung. So ist das Haus der Hodgsons grauer als es in Wirklichkeit wäre; als ob es seit den Fünfzigern musealisiert wurde und nicht als ob eine Frau mit vier Kindern in ihm leben würde. Auch die Poster der damaligen Stars in dem Mädchenzimmer wirken vergilbt. Das Haus ist immer einen Tick zu groß für ein beengtes englisches Reihenhaus und der Keller des Hauses ist riesig und düster. Ein Moloch, aber kein Keller, der, trotz der Waschmaschine, irgendeine Funktion für die Hodgsons hat. Die Ausstattung ist liebevoll in ihrer genauen Rekonstruktion der siebziger Jahre, die hier betont unglamourös daherkommen.

Die Schauspieler, wieder spielen Patrick Wilson und Vera Farmiga das Ehepaar Warren, sind gut. Sie heben den Film allein schon durch ihre Anwesenheit auf ein höheres Level.

Die Geschichte selbst folgt, wie gesagt, der bekannten Formel. Aber das klug konstruierte Drehbuch setzt die Visionen und Erscheinungen des Dämonen punktgenau und entwickelt die Geschichte konsequent hin zur finalen Konfrontation. Auf dem Weg dorthin gibt es genug überraschende Details und Suspense-Momente, um einem mit der Familie Hodgson und den Warrens mitfiebern zu lassen. Denn Lorraine befürchtet, dass ihrem Mann etwas zustoßen könnte.

Conjuring 2“ ist gelungenes Horrorkino mit viel Zeitkolorit, wobei – und das ist eine der selbstgesteckten Grenzen – es keine Verbindung zwischen der damaligen politischen und ökonomischen Situation in Großbritannien und den Ereignissen im Haus der Hodgsons gibt.

Am Ende, nach dem Abspann, gibt es bei dem Blick auf die Uhr eine echte Überraschung: der Film dauerte über hundertdreißig Minuten. Das ist für einen Horrorfilm eine mehr als epische Länge. Trotzdem fühlte er sich während des Ansehens kürzer an und ein größeres Kompliment kann man einem in jeder Sekunde vorhersehbarem Horrorfilm nicht machen.

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Conjuring 2 (The Conjuring 2, USA 2016)

Regie: James Wan

Drehbuch: Chad Hayes, Carey W. Hayes, James Wan, David Leslie Johnson (nach einer Geschichte von Chad Hayes, Carey W. Hayes und James Wan)

mit Patrick Wilson, Vera Farmiga, Madison Wolfe, Frances O’Connor, Lauren Esposito, Benjamin Haigh, Patric McAuley, Franka Potente, Steve Coulter

Länge: 134 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Conjuring 2“

Metacritic über „Conjuring 2“

Rotten Tomatoes über „Conjuring 2“

Wikipedia über „Conjuring 2“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Conjuring 2“

Meine Besprechung von James Wans „Insidious: Chapter 2“ (Insidious: Chapter 2, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring“ (The Conjuring, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „Fast & Furious 7″ (Furious 7, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Fast & Furious 7“ – die Abschiedsvorstellung von Paul Walker

April 2, 2015

Als Paul Walker am 30. November 2013 tödlich verunglückte, gab es viele Gerüchte und Meldungen über „Fast & Furious 7“ und wie sein Tod die Dreharbeiten, die Filmgeschichte und damit auch den Film beeinflusste. Denn es waren noch nicht alle Szenen mit ihm gedreht. Seine Brüder Caleb und Cody würden und wurden als Doubles eingesetzt. Es sollte auch mit CGI gearbeitet werden. Es wurde über Veränderungen am Drehbuch gesprochen und gesagt, dass dieser Film, der sein letzter Film ist, ein würdiger Abschied von ihm sein solle. Immerhin wurde er mit der „The Fast and the Furious“-Serie zum Star.
Jetzt, wo der Film in den Kinos anläuft, kann man nachvollziehen, wie groß die nötigen Umarbeiten waren und, ohne jetzt etwas über die Handlung zu verraten, Paul Walker hat etliche beeindruckende Actionszenen, die an Spannung gewinnen, weil er dieses Mal jederzeit sterben kann.
Die Story von „Fast & Furious 7“ knüpft unmittelbar an den vorherigen Film an: Deckard Shaw (Jason Statham) will seinen schwer verletzt im Krankenhaus liegenden Bruder Owen rächen. Als großer Bruder will er sich die Männer vorknöpfen, die seinen Bruder umbringen wollten. Als ersten bringt er in Tokio Han (Sung Kang) um. Zur gleichen Zeit platziert er vor Dominic Torettos Haus eine Bombe. In letzter Sekunde können sich Dominic ‚Dom‘ Toretto (Vin Diesel), sein bester Freund Brian O’Conner (Paul Walker), Brians Frau und sein Sohn retten.
Durch ihren FBI-Freund Luke Hobbs (Dwayne Johnson), der nach einer Begegnung mit Shaw mit einigen gebrochenen Knochen im Krankenhaus liegt, erfährt Dom, wer sie jagt – und die Jagd über den halben Globus ist eröffnet.
Überraschende Hilfe erhält die Toretto-Verbrecherbande mit einem Faible für schnelle Autos, die inzwischen fast im Staatsdienst ist (naja, ihr kennt ja die vorherigen Filme), von Mr. Nobody (Kurt Russell), einem Geheimagenten der sehr geheimen Sorte. Sozusagen Nick Fury von S. H. I. E. L. D., aber ohne dessen Avengers-Superheldenteam. Deshalb bittet Mr. Nobody Dom und seine verbrecherischen Freunde um Hilfe bei bei der Jagd nach dem Computergenie Ramsey. Ramsey hat einen Supercode entwickelt, mit dem man alle Computer auf der Welt gleichzeitig ansteuern kann. Neben dem guten Mr. Nobody will auch der skrupellose Terrorist Jakande (Djimon Hounsou, der nur sein Gesicht präsentieren durfte) den Code haben.
Und viel mehr muss man über die Story nicht wissen. Denn sie ist erschreckend vernachlässigbar, absolut unlogisch und wird mit jedem Nachdenken noch abstruser. Aber James Wan erzählt dieses Best-of von Action- und Agentenfilmtopoi ziemlich flott über alle Unwahrscheinlichkeiten hinweg mit einem Blick auf das, was die Ticketkäufer wollen: eine leinwandsprengende Version von „Alarm für Cobra 11“.
Es gibt spärlich bekleidete Schönheiten, getunte Autos, atemberaubende Autostunts, Faustkämpfe, Explosionen, einige Witzeleien, viel Kameradie in der Familie Toretto und fotogene Schauplätze. Angeordnet wurden die Elemente, die den Erfolg der „Fast & Furious“-Serie ausmachen, dann in einer Comic-Manier, in der es nur auf das nächste Panel, das nächste Episödchen in einer scheinbar furchtbar komplexen Mythologie (die Toretto-Familie, ihre Beziehungen, die früheren Filme), ankommt.
Am Ende von „Fast & Furious 7“ sind dann erstaunlich wenige Menschen gestorben. Also von den Helden und den Hauptbösewichtern. Kollateralschäden gibt es dann einige. Wenn irgendwo im aserbaidschanischen Gebirge ein Militärkonvoi überfallen wird, in Abu Dhabi ein teurer Flitzer von einem Hochhaus zum nächsten fliegen darf und in Los Angeles die halbe Innenstadt zerstört wird, dann sterben etliche größtenteils gesichtslose Bösewichter und es gehen etliche Autos zu Bruch, während auch nach den längsten Faustkämpfen Dominics weißes Langarm-Shirt immer noch blütenweiß ist und Hobbs‘ überdimensionale Muskeln auch nach einem Krankenhausaufenthalt jungfräulich glänzen.
Allerdings ist die Action unglaublich konfus geschnitten. Damit steht Horrorfilm-Regisseur James Wan in der neuen Actionfilm-Tradition, in der die Abläufe der Kämpfe und Stunts kaum noch erahnbar sind. Viel zu oft wird geschnitten. Die Kamera ist zu nah. Wan wählt auch oft so ungewöhnliche Perspektiven, dass die Orientierung schwerfällt, sie aber wie Comic-Panels aussehen. Er setzt die Zeitlupe immer wieder falsch ein und immer wieder, zum Beispiel bei den zahlreichen Explosionen, verschenkt er potentielle Schauwerte. Sowieso hinterlässt kein Action-Set-Pieces bleibenden Eindruck und die besten Momente sind, wie das Umsteigen von einem Auto zum anderen Auto bei voller Fahrt und die legendär-unmöglichen Sprüngen, fast immer Reminiszensen an frühere „Fast & Furious“-Filme. Am Ende des über zweistündigen Comic-Films ist man geschüttelt, aber nicht gerührt.

Fast and Furious 7 - Plakat

Fast & Furious 7 (Furious 7, USA 2015)
Regie: James Wan
Drehbuch: Chris Morgan
mit Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Djimon Hounsou, Kurt Russell, Jason Statham, Jordana Brewster, Tyrese Gibson, Ludacris, Kurt Russell, Nathalie Emmanuel, Elsa Pataky, Gal Gadot, John Brotherton, Lucas Black, Luke Evans, Sung Kang, Ronda Rousey
Länge: 137 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Fast & Furios 7“
Moviepilot über „Fast & Furios 7“
Metacritic über „Fast & Furios 7“
Rotten Tomatoes über „Fast & Furios 7“
Wikipedia über „Fast & Furious 7“ (deutsch, englisch) – Achtung: Das Ende wird verraten!

Meine Besprechung von Justin Lins „Fast & Furious Five“ (Fast Five, USA 2011)

Meine Besprechung von Justin Lins „Fast & Furios 6“ (Furios Six; Fast & Furious Six, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring“ (The Conjuring, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „Insidious: Chapter 2 (Insidious: Chapter 2, USA 2013)

Kurz nachgesehen: zwei Teile aus der legendären Safe-Szene aus „Fast & Furious Five“, die auch eine gute Action-Szene ist:

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Annabelle“ ist keine nette Puppe

Oktober 10, 2014

In „The Conjuring – Die Heimsuchung“ war Annabelle eine Puppe, die in einem Glasschrank eingesperrt war. Sie war das eindrucksvollste Objekt im Keller der Geisterjäger Ed und Lorraine Warren.
In „Annabelle“ erfahren wir jetzt etwas mehr über die Puppe, die auch ohne Dämonenhokuspokus ziemlich gruselig aussieht. Trotzdem freut sich in den späten Sechzigern, als Charles Manson und seine Familien in der Nachbarschaft wüteten, die hochschwangere Mia Form, als ihr Mann John ihr die Puppe schenkt. Denn die Annabelle-Puppe fehlte noch in ihrer Puppensammlung.
Kurz darauf ermorden Satanisten mitten in der Nacht ihre netten Nachbarn. Anschließend dringen sie in das Haus der Forms ein. Die Polizei erschießt die Täter in ihrer Wohnung. Mia fühlt sich, auch weil es einige rätselhafte Ereignisse gibt, Unwohl in ihrer Vorstadt-Wohnung. Sie glaubt, dass Annabelle etwas damit zu tun hat. Ihr Mann wirft sie weg.
Kurz darauf ziehen sie, als umfassender Neustart, in eine riesige Mietwohnung in einem Hochhaus um. Annabelle ist in einem der Umzugkartons und Mia setzt die Puppe, jetzt hocherfreut, dass sie doch mitgekommen ist, in das Regal zu ihren anderen Puppen, die alle im Kinderzimmer stehen.
Aber auch in ihrer neuen Wohnung in Pasadena geschehen, immer wenn ihr Mann als Arzt in der Klinik arbeitet, unheimliche Dinge. Gegenstände bewegen sich. Elektrogeräte springen von alleine an. Manchmal, so erfährt sie von einer Buchhändlerin und einem Pater, sind nicht Häuser, sondern Gegenstände von Dämonen besessen und der in Annabelle lebende Dämon ist ein sehr böser Dämon, der es auf Frau und Kind abgesehen hat.
Wie schon „The Conjuring“ und die beiden „Insidious“-Filme, die alle von James Wan inszeniert wurden, ist der von ihm produzierte „Annabelle“ ein altmodischer Geisterhorrorfilm. Und während „The Conjuring“ in den Siebzigern spielte, geht es dieses Mal, optisch überzeugend, zurück in die Sechziger an die Westküste in eine WASP-Familie, weshalb auch die innige Freundschaft von Mia zur afroamerikanischen Buchhändlerin unstimmig erscheint.
Weil „Annabelle“ in jeder Beziehung an die damaligen Horrorfilme anknüpft, ist der Film sehr unblutig und es dauert, abgesehen von den Satanistenmorden, schon eine Weile, bis etwas Schreckliches passiert, wobei die Tonspur für die größten Schreckmomente sorgt. Wenn plötzlich Türen von alleine auf und zu gehen, Elektrogeräte ein Eigenleben entwickeln oder auch Geister durch die Wohnung schleichen, toben die Soundleute sich schamlos und überlaut aus.
Die Story ist spätestens seit „Rosemary’s Baby“ (mit Mia Farrow), bis auf einige, wenige Überraschungen altbekannt. Eigentlich gibt es nur zwei Überraschungen: dass bereits nach wenigen Minuten die Nachbarn ermordet werden und dass es am Ende keinen pompösen Exorzismus gibt.
Oh, und wie schlimm eine eigentlich harmlose Nähmaschine sein kann. Jedenfalls wenn man jede Sekunde erwartet, dass Mia sich in den Finger sticht.
„Annabelle“ ist ein vernachlässigbarer Horrorfilm über eine sich nie bewegende, trotzdem Angst und Schrecken verbreitende Puppe, der niemals auch nur halbwegs die Qualität von dem grandiosen „The Conjuring“ erreicht.
Und weil Annabelle am Ende des Films noch nicht bei der Familie Warren gelandet ist, kann es noch viele weitere Filme mit ihr geben, die sich wahrscheinlich im plumpen Wiederkäuen der bekannten Geschichte – Puppe kommt in Familie, schlimme Dinge geschehen, Mensch(en) sterben, Puppe verschwindet – erschöpfen.

Annabelle - Plakat

Annabelle (Annabelle, USA 2014)
Regie: John R. Leonetti
Drehbuch: Gary Dauberman
mit Annabelle Wallis, Ward Horton, Tony Amendola, Alfre Woodard, Kerry O’Malley, Brian Howe, Eric Ladin
Länge: 99 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Annabelle“
Moviepilot über „Annabelle“
Metacritic über „Annabelle“
Rotten Tomatoes über „Annabelle“
Wikipedia über „Annabelle“
History vs. Hollywood untersucht den Fall „Annabelle“


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