Neu im Kino/Filmkritik: „Eltern“ und ihre Probleme mit Kindern, Jobs und Au-Pair-Mädchen

November 14, 2013

Die beiden Kinder überzeugten mich von dem Film. Denn sie sind rechte Biester und Plagegeister, die in einer Woche ungefähr alles machen, was Kinder sonst innerhalb eines Jahres machen – und man sie dennoch liebt.

In seinem neuesten Film „Eltern“ erzählt Robert Thalheim nach „Am Ende kommen Touristen“ und „Westwind“ eine Woche im Leben einer normalen, gut situierten, linksliberalen Großstadtfamilie mit berufstätigen Eltern und zwei kleinen Kindern. Es ist eine turbulente Woche. Konrad (Charly Hübner), der jahrelang allseits beliebte und geliebte Traumdaddy für die zehnjährige Käthe (Paraschiva Dragus) und die fünfjährige Emma (Emilia Pieske), will wieder als Regisseur arbeiten. Er soll am Theater die Nibelungen inszenieren.

Seine Frau Christine (Christiane Paul), eine Anästhesistin am Krankenhaus, soll sich währenddessen mehr um die Kinder kümmern. Aber der Schichtdienst, Patienten, die ihre besondere Zuneigung wollen und aasige Chefs, die ihr mit der Aussicht auf die Oberarzt-Stelle hemmungslos die Arbeitszeit ausweiten, verhindert das. Und, so gut Christine auch mit ihren Patienten umgehen kann, mit ihren beiden Mädchen gelingt ihr das nicht.

Zu ihrer Entlastung haben sie ein Au-Pair-Mädchen aus Argentinien eingeladen. Dummerweise ist Isabel (Clara Lago) schwanger, hat ihren Eltern nichts davon gesagt und möchte am liebsten abtreiben, was Konrad für keine grandiose Idee hält.

Außerdem ist die Regiearbeit am Theater mit renitenten Schauspielern und sexy Kolleginnen aufreibender, als er dachte.

Das klingt jetzt nach genug Konfliktstoff für ein halbes Dutzend Filme, aber „Eltern“ ist eine absolut vorhersehbare Familienkomödie, eine RomCom mit Kindern, in der sich alle Konflikte schnell in Wohlgefallen auflösen. Halt wie in einem Fünfziger-Jahre-Film. Nur dieses Mal mit vertauschten Geschlechterrollen, hundsgemeinen Kindern und einem dokumentarischem Gestus, der gerade, weil Thalheim oft etwas zu spät die Szene beendet, immer wieder gnadenlos die Verunsicherung der Eltern dokumentiert, die von der neuen Situation überfordert sind.

Eltern“ ist ein Film für Eltern, die sicher viel von ihrem Leben und ihrem Verhältnis zu ihren Kindern in dem Film entdecken.

Eltern - Plakat

Eltern (Deutschland 2013)

Regie: Robert Thalheim

Drehbuch: Jane Ainscough, Robert Thalheim

mit Charly Hübner, Christiane Paul, Paraschiva Dragus, Emilia Pieske, Clara Lago, Maren Eggert, Alex Brendemühl, Thilo Nest

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Eltern“

Moviepilot über „Eltern“

Wikipedia über „Eltern“

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Neu im Kino/Filmkritik: Benno Fürmann ist „Der fast perfekte Mann“

Oktober 24, 2013

 

Ulf (Benno Fürmann) ist ein bindungsscheuer Single, Starmoderator bei Hanse TV, einem Sender, der TV Berlin in einem wirklich hellem Licht strahlen lässt, und ziemlich glücklich. Auch wenn die letzte Live-Sendung nicht gut lief, weil ein Gast eine Giftschlange dabei hatte und diese vor laufender Kamera entkommen konnte, und seine Freundin Anni (Jördis Triebel) ihn nach drei Jahren verlässt, weil in seiner Wohnung nichts von ihr ist. Dass sie auch schwanger ist, erfahren wir erst später.

In diesem Moment liefert eine Mitarbeiterin vom Jugendamt seinen Neffen Aaron (Louis Hofmann, 1997 geboren) bei ihm ab. Er hat Aaron seit dessen Geburt einmal vor einer Ewigkeit gesehen und Aarons Mutter, seine Halbschwester, hat er ebenfalls seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Aber der dickköpfig-renitente Aaron will, weil es so im Drehbuch steht, unbedingt bei seinem Onkel bleiben.

Und wir können uns jetzt die weitere Geschichte denken. Sie verläuft, weitgehend humorfrei und vollkommen überraschungsfrei als schmalziges Melodrama in den bekannten Bahnen.

Von Regisseurin Vanessa Jopp hätte man, nach „Vergiss Amerika“ und „Engel & Joe“ mehr als eine 08/15-Beziehungskomödie mit durchaus fein beobachteten Szenen und einem Kind, das zwischen nervig und autistisch schwankt, erwarten können.

Für Drehbuchautorin Jane Ainscough liegt „Der fast perfekte Mann“ nach „Wo ist Fred?“, „Hanni & Nanni“, Hanni & Nanni 2“ und, demnächst „Eltern“ vollkommen ihm Rahmen ihres bisherigen Schaffens: Filme, die harmloser als harmlos sind und mit aktuellen Problemen, der Realität, nichts zu tun haben.

Und so ist „Der fast perfekte Mann“ einfach nur das Update einer Fünfziger-Jahre-Schmonzette mit einer ähnlich biederen, das traute Familienleben verklärenden Moral.

Verzichtbar.

Der fast perfekte Mann - Plakat

Der fast perfekte Mann (Deutschland 2013)

Regie: Vanessa Jopp

Drehbuch: Jane Ainscough

mit Benno Fürmann, Louis Hofmann, Jördis Triebel, Maria Happel, Ross Antony, Harald Schrott, Uwe Bohm

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der fast perfekte Mann“

Moviepilot über „Der fast perfekte Mann“

 

 


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