TV-Tipp für den 27. Januar: Blitz

Januar 27, 2020

Kabel 1, 22.25

Blitz (Blitz, Großbritannien 2011)

Regie: Elliott Lester

Drehbuch: Nathan Parker

LV: Ken Bruen: Blitz or Brant Hits the Blues, 2002 (Brant)

London: Detective Sergeant Brant jagt einen Polizistenmörder und kümmert sich dabei wenig um Recht und Gesetz.

Harter Copfilm nach einem harten Polizeiroman von Ken Bruen, dem Erfinder von Jack Taylor. Von seinen sieben „Inspector Brant“-Romane sind inzwischen (wenn ich mich nicht verzähle) drei Romane auf Deutsch veröffentlicht.

mit Jason Statham, Paddy Considine, Aidan Gillen, David Morrisey, Luke Evans

Wiederholung: Mittwoch, 29. Januar, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Blitz“

Wikipedia über „Blitz“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ken Bruen

Mein Besprechung von Ken Bruens „Brant“ (Blitz – or… Brant hits the Blues, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Füchsin“ (Vixen, 2003)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans “Tower” (Tower, 2009)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 11. Dezember: Collateral

Dezember 10, 2019

Kabel Eins, 22.55

Collateral (Collateral, USA 2004)

Regie: Michael Mann

Drehbuch: Stuart Beattie

Max ist ein nett-harmloser Los-Angeles-Taxifahrer, der von einem eigenen Unternehmen träumt, aber seit zwölf Jahren sein Leben als Angestellter fristet. Da steigt Vincent ein und bietet ihm 600 Dollar, wenn er ihn in den kommenden Stunden zu fünf Freunden fährt. Nach dem ersten Stopp, weiß Max, dass Vincent ein Autragkiller ist und er ihn zu den nächsten Opfern bringen soll.

„Collateral“ ist ein kleiner, ökonomisch erzählter Neo-Noir-Thriller über das tödliche Aufeinandertreffen zweier Charaktere ihrer vollkommen gegensätzlichen Lebensauffassungen; ist ein grandios besetzter Schauspielerfilm; ist eine Liebeserklärung an das nächtliche Los Angeles und wahrscheinlich der beste Film von Michael Mann.

Mit Tom Cruise, Jamie Foxx, Jada Pinkett Smith, Mark Ruffalo, Peter Berg (Regisseur von “Operation: Kingdom” und „Hancock“), Bruce McGill, Javier Bardem, Jason Statham (Miniauftritt auf dem Flughafen)

Wiederholung: Donnerstag, 12. Dezember, 03.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Collateral“

Wikipidia über „Collateral“ (deutsch, englisch)

IndieLondon: Interview mit Michael Mann

Sight & Sound: Interview mit Michael Mann

The Dialogue: Stuart Beattie: Tricks of the Trade (Teil eines Interview)

Drehbuch „Collateral“ von Stuart Beattie, bearbeitet von Frank Darabont (12. September 2000) (und bereits teilweise von Michael Mann, Stand: 10. Juli 2003 – Änderung des Handlungsortes von New York nach Los Angeles)

Drehbuch „Collateral“ von Stuart Beattie, bearbeitet von Frank Darabont und Michael Mann  (24. August 2003)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ kloppen und verbrüdern sich

August 1, 2019

Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ ist ein Filmtitel wie eine Produktbeschreibung, die später durch einen richtigen Filmtitel ersetzt werden soll. Aber dann lässt man es, wie bei den anderen Titeln des Franchise, bleiben, weil der Titel „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ die wichtigsten Informationen in der knappsten möglichen Form übermittelt. Das ist ein Film aus dem bekannten, beliebten und sehr erfolgreichen „Fast & Furious“-Actionfranchise. Dieses Mal stehen die Muskelpakete Luke Hobbs (Dwayne Johnson) und Deckard Shaw (Jason Statham) im Mittelpunkt. Johnson und Statham kloppten sich schon durch einige „Fast & Furious“-Filme. Dabei waren ihre Hahnenkämpfe und gegenseitigen Beleidigungen so übertrieben, dass jeder wusste: die beiden verstehen sich bombig.

Jetzt haben sie im Rahmen des „Fast & Furious“-Franchise einen eigenen Film bekommen, der sich wohltuend von den „Fast & Furious“-Filmen unterscheidet und den man auch sehen und verstehen kann, ohne einen der anderen Filme gesehen zu haben. Die Action kann gerade noch so und mit zugedrückten Augen und Hühneraugen als halbwegs realistisch bezeichnet werden. In den „Fast & Furious“-Filmen wurde sie zuletzt immer übertriebener. Die von Chris Morgan, der seit „The Fast and The Furious: Tokyo Drift“ (2006, nicht der beste Film der Serie) dabei ist, und Drew Pearce („Mission Impossible – Rogue Nation“, „Hotel Artemis“) erfundene Story für „Hobbs & Shaw“ geht dann in Richtung „Buddy-Movie meets James Bond“.

Um zu verhindern, dass ein Virus, der die Menschheit innerhalb weniger Stunden vernichten kann, in die falschen Hände gerät, injiziert die MI6-Agentin Hattie Shaw (Vanessa Kirby) sich den Krankheitserreger. Den Bösewichtern, der internationalen Organisation Eteon und ihrem genetisch optimierten und quasi unbesiegbarem Soldaten Brixton Lorr (Idris Elba), gelingt es, die Situation für den MI6 so darzustellen, dass Hattie Shaw ihre Kollegen ermordete und mit dem „Schneeflocke“ genannten Virus flüchtete.

Der amerikanische und der britische Geheimdienst setzen Hobbs und Shaw auf die flüchtige Hattie an. Schnell finden die beiden miteinander verfeindeten Männer heraus, wer der wirkliche Übeltäter ist und dass der Erreger innerhalb weniger Tage aus Hatties Körper extrahiert werden muss. Sonst stirbt sie und „Schneeflocke“ wird freigesetzt.

Weil Deckard Shaw nicht zulassen kann, dass seine Schwester stirbt, beginnen er, Hattie und Hobbs nach dem Erfinder von „Schneeflocke“ zu suchen. Die Jagd beginnt in London und führt sie immer weiter Richtung Osten.

David Leitch, der vorher bei „John Wick“ ungenannter Co-Regisseur war und danach „Atomic Blonde“ und „Deadpool 2“ inszenierte, übernahm die Regie. Sein Film ist ein sich nie sonderlich ernst nehmender Comic, der näher bei „Deadpool“ als bei „Atomic Blonde“ ist. Die meist am helllichten Tag spielende Action ist over the top. Oft ist auch erkennbar, wie viel CGI eingesetzt wurde. Das liegt nicht daran, dass die Spezialeffekt schlecht sind, sondern dass die Szenen anders nicht hätten gedreht werden können. So fährt Brixton Lorr einmal wie ein Terminator durch einen Bus. Danach ist der Bus Schrott. Brixton hat keinen Kratzer abbekommen. Oder Brixton, Hobbs und Shaw kloppen sich auf der Ladefläche eines durch unwegsames Gelände rasenden Lasters. Da hätte der Actionfan gerne etwas mehr handgemachte „John Wick“/„Atomic Blonde“-Action gehabt.

Zwischen den um den Welt verteilten Action-Set-Pieces überziehen die Alphamänner Hobbs und Shaw sich mit Beleidigungen. Dass Dwayne Johnson und Jason Statham diese teils improvisierten Wortgefechte genossen, ist in jeder Sekunde spürbar. Ihre Verbündeten versuchen den Streit zu schlichten. Manchmal mütterlich, manchmal schwesterlich und manchmal im „Deadpool“-Stil. Auch Idris Elba genießt seine Rolle als unbesiegbarer Oberbösewicht sichtbar (Kurze Randnotiz: Ich will sein Motorrad haben!).

Für die Cineasten gibt es einige Anspielungen und mehr oder weniger ausführliche Filmzitate.

Das in den „Fast & Furious“-Filmen von Dom Toretto (Vin Diesel) bis zum Erbrechen wiederholte Mantra von „Wir sind eine Familie“ wird hier anders und weniger penetrant behandelt. Torettos Familie ist eine Wahlfamilie, die bei aller Inklusivität von Ethnien und Geschlechtern, letztendlich utilitaristisch und auch diktatorisch ist. Bei Hobbs und Shaw ist Familie dann wieder durch Blutsbande und eine starke Rolle der Mütter (Lori Tuisano und Helen Mirren) definiert. Es ist, in beiden Fällen, eine Familie, in der die einzelnen Familienmitgliedern letztendlich den anderen Familienmitgliedern uneigennützig helfen und beide Familien sind inklusiv. So werden die Shaw-Geschwister auf Samoa, wo das Finale des Films spielt, ohne große Diskussion in die Hobbs-Familie aufgenommen und gemeinsam kämpfen sie gegen Brixton und seine Eteon-Armee. Es ist ein Kampf von Low Tech gegen High Tech.

Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ ist genau das Actionfeuerwerk, das man bei den beiden Hauptdarstellern in diesem Franchise erwarten konnte.

P. S.: Weil „Hobbs & Shaw“ einen auf Marvel machen, lohnt es sich, beim Abspann sitzen zu bleiben.

Fast & Furious: Hobbs & Shaw (Fast & Furious presents: Hobbs & Shaw, USA 2019)

Regie: David Leitch

Drehbuch: Chris Morgan, Drew Pearce

mit Dwayne Johnson, Jason Statham, Vanessa Kirby, Idris Elba, Helen Mirren, Eiza González, Eddie Marsan, Cliff Curtis, Eliana Sua, Kevin Hart, Ryan Reynolds, Lori Tuisano

Länge: 136 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“

Metacritic über „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“

Rotten Tomatoes über „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“

Wikipedia über „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Justin Lins „Fast & Furious Five“ (Fast Five, USA 2011)

Meine Besprechung von Justin Lins „Fast & Furios 6“ (Furios Six; Fast & Furious Six, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „Fast & Furious 7“ (Furious 7, USA 2015)

Meine Besprechung von F. Gary Grays „Fast & Furious 8“ (The Fate of the Furious, USA 2017)

Meine Besprechung von David Leitchs „Atomic Blond“ (Atomic Blonde,USA 2017)

Meine Besprehung von David Leitchs „Deadpool 2“ (Deadpool 2, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „Meg“ tut das, was Haie so tun. Im Film

August 9, 2018

Etwas böswillig könnte man sagen, dass Dwayne Johnson zwischen „Rampage“ und „Skyscraper“ keine Zeit hatte und deshalb Jason Statham gegen den Monsterhai kämpfen darf. Aber Stathams Version des Helden ist etwas weniger poliert als bei dem immer sympathischen Johnson. Es geht, dank Stathams gepflegtem Drei-Tage-Bart, in einer homöopathischen Dosis, in Richtung britische Arbeiterklasse. Und George Clooney war mal für die Rolle des tapferen Jonas Taylor im Gespräch.

Nachdem ein kleines Forschungs-U-Boot im Pazifik vor der Küste Chinas in der tiefsten Tiefsee havarierte, wird Taylor zur Hilfe gerufen. Sie entdeckten unter einer als Barriere funktionierenden Schwefelwasserstoff-Schicht eine neue, noch vollkommen unerforschte Unterwasserwelt. Die dreiköpfige Besatzung hat nur noch für wenige Stunden Sauerstoff und sie wird von irgendetwas Großem angegriffen. Taylor hat dieses Ding schon einmal vor fünf Jahren bei einer Tiefseetrettungsmission getroffen. Damals starben zwei Kameraden. Danach hörte er mit dem Tauchen auf und ertränkt sein Selbstmitleid heroisch in Bier. Das würde Dwayne Johnson niemals tu.

Weil Taylor der beste Mann für eine so gefährliche Rettungsaktion ist, bittet die Mannschaft der Forschungsstation, zu der auch zwei alte Bekannte von Taylor gehören, ihn um Hilfe. Und weil Taylors Ex-Frau in dem jetzt gesunkenen U-Boot ist, begibt er sich auf eine Rettungsmission, bei der er zwei der drei Besatzungsmitglieder, unter anderem seine Frau, retten kann. Dabei sehen sie und wir sensationsgierigen Zuschauer zum ersten mal das gefährliche Wesen: es ist ein Megalodon, ein 25 Meter großer Hai, der seit Ewigkeiten als ausgestorben gilt. Und dieser Meg (eigentlich sogar zwei) verlässt sein Unterwassergefängnis, um auf die Jagd zu gehen.

Die Filmgeschichte basiert auf Steve Altens 1997 erschienener Debütroman „The Meg“. Alten schrieb mehrere Buchfortsetzungen zu seinem erfolgreichen Thriller. Hollywood kaufte sich damals sofort die Filmrechte, aber nach „Deep Blue Sea“ wurde das Projekt erst einmal auf die lange Bank geschoben. Einmal waren auch Guillermo del Toro und Eli Roth involviert. Jetzt verfilmte Jon Turteltaub den Roman und der Film ist „Der weiße Hai“ mit einem größeren Hai und, nun, auch größeren Booten. Es gibt auch, – siehe „Alien“ -, einen fiesen Großkapitalisten.

Turteltaub erzählt die bekannte Geschichte mit viel Wumms und Spaß in unter zwei Stunden noch einmal nach für eine Generation, die Spielbergs Klassiker „Der weiße Hai“ nicht im Kino gesehen hat. Es gibt zahlreiche gut platzierte Anspielungen und Inside-Jokes auf „Der weiße Hai“ und seine unzähligen Fortsetzungen und Rip offs. Dafür hatte Turteltaub ein erkleckliches Budget von 150 Millionen Dollar. Das Geld sieht man auf der Leinwand.

Es ist auch, wie in „Der weiße Hai“, eine kluge Entscheidung, den riesigen Hai erst spät und oft nur in Teilansichten zu zeigen. Manchmal sieht man auch nur die Auswirkungen eines seiner Angriffe. So wirkt er etwas bedrohlicher, wenn er sich die bunt zusammengewürfelten Mitglieder der internationalen Forschungsmission vornimmt. Diese ist, und das ist ein augenfälliger Unterschied zu den älteren Blockbustern, deutlich multikultureller und weiblicher als im Siebziger-Jahre-Blockbuster-Kino.

The Meg“ ist angenehm altmodisches Blockbuster-Kino, das bewusst auf die nervigen Modernismen der letzten Saisons verzichtet und seine Geschichte unaufgeregt präsentiert. Perfekt Sommerunterhaltung eben. Für das Open-Air-Strandkino.

P. S.: In „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ gibt es auch einen Riesenhai. Aber der hat mit diesen Megs nicht zu tun. Sie fressen sich durch vollkommen verschiedene Filmwelten.

Meg (The Meg, USA 2018)

Regie: Jon Turteltaub

Drehbuch: Dean Georgaris, Jon Hoeber, Erich Hoeber

LV: Steve Alten: Meg: A Novel of Deep Terror, 1997 (Meg)

mit Jason Statham, Li Bingbing, Winston Chao, Rainn Wilson, Ruby Rose, Page Kennedy, Jessica McNamee, Ólafur Darri Ólafsson, Robert Taylor, Sophia Shuya Cai, Masi Oka, Cliff Curtis

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Meg“

Metacritic über „Meg“

Rotten Tomatoes über „Meg“

Wikipedia über „Meg“

Homepage von Steve Alten

Meine Besprechung von Jon Turteltaubs „Last Vegas“ (Last Vegas, USA 2013)

Nachtrag (24. August 2018)

MEG von Steve Alten

Manchmal läuft’s dumm. Denn erst jetzt trudelte bei mir die lang ersehnte Neuausgabe von „Meg“ ein. Zum Filmstart veröffentlichte der Heyne Verlag nämlich eine Neuausgabe von Steve Altens jetzt erfolgreich verfilmtem Debütroman „Meg“. Wobei „Neuausgabe“ etwas irreführend ist. Denn es wurde nicht einfach der alte, 1997 erschienene Bestseller genommen und mit einem neuen Umschlag neu veröffentlicht, sondern die „Vom Autor erweiterte und komplett überarbeitete Neuausgabe“, die in den USA 2015 erschien und jetzt erstmals auf Deutsch erschien.

Die Neuausgabe beginnt mit der 2011 geschriebenen, sieben Jahre vor der Romangeschichte spielenden Vorgeschichte zum ursprünglichen Roman. Alten veröffentlichte die achtzigseitige Geschichte als E-Book. Ausgehend von den Ereignissen in der Vorgeschichte nahm er für die Neuausgabe am ursprünglichen Roman notwendige Änderungen vor, erweiterte Szenen, vertiefte Figuren und überarbeitete ihn auch sprachlich, weil, so Alten, er sich stilistisch weiterentwickelt hat.

Die Story ist natürlich immer noch die gleiche: Tiefseeforscher Jonas Taylor will im Marianengraben einen Carcharodon mealodon, kurz Meg, entdecken. Nach seiner Entdeckung begibt sich der riesige Hai in den oberen Wasserregionen und sucht Nahrung.

Steve Alten: Meg

(vom Autor erweiterte und komplett überarbeitete Neuausgabe)

(übersetzt von Bernd Kleinschmidt)

Heyne, 2018

400 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe dieser Ausgabe

Meg

Viper Press, 2015


TV-Tipp für den 27. Oktober: Bank Job

Oktober 27, 2017

ZDFneo, 23.30

Bank Job (GB 2008, Regie: Roger Donaldson)

Drehbuch: Dick Clement, Ian La Frenais

Dick Clement und Ian La Frenais sind zwei alte Hasen im britischen Filmgeschäft. Sie schrieben unter anderem die Drehbücher zu „Commitments“, „Wasser – Der Film“, etlichen Lovejoy-Folgen (in Deutschland nie gezeigt) und zu „Die alles zur Sau machen“ (Villain).

Mit ihrem Edgar-nominierten Film „Bank Job“ kehrten sie wieder in die frühe Siebziger und dem von ihnen mit „Villain“ mitbegründeten britischen Gangsterfilm zurück. Dieses Mal lassen sie sich von einem wahren Bankraub inspirieren. Am 11. September 1971 raubten einige Kleingauner aus der Lloyd’s Bank 500.000 Pfund (was heute sechs Millionen Euro wären). Die Zeitungen füllten ihre Spalten mit Sensationsberichten über den „Walkie-Talkie-Einbruch“. Vier Tage lang. Dann untersagte die Regierung aus Gründen der nationalen Sicherheit weitere Berichte, vier Räuber wurden verhaftet, ihren Namen wurden nie bekannt, das Strafmaß ist unbekannt, große Teile der Beute verschwunden und die Akten darüber sind bis 2054 unter Verschluss. Das Team Clement/La Frenais hat jetzt mit „Bank Job“ eine Geschichte erfunden, die die Wahrheit sein könnte.

Und Roger Donaldson hat im Retro-Look einen angenehm altmodischen Ganovenfilm über den großen Coup, gewürzt mit einer Prise Polit-Thriller, gedreht.

Mit Jason Statham, Saffron Burrows, Stephen Campbell Moore, Daniel Mays, James Faulkner, Alki David

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Bank Job“

Rotten Tomatoes über “Bank Job”

Wikipedia über „The Bank Job“ (Englisch, mit Informationen zu den wahren Hintergründen)

Mirror über die wahren Hintergründe: Bank job that opened the door on a royal sex scandal (16. Februar 2008 )

Telegraph schreibt über die wahren Hintergründe und redet mit Dick Clement: Revisiting the riddle of Baker Street (15. Februar 2008 )

Noir of the Week über “The Bank Job”

Meine Besprechung von Roger Donaldsons “The November Man” (The November Man, USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: „Fast & Furios 8“ – nächste Runde mit der bekannten Familie und unbekannten Blechschäden

April 14, 2017

Die Ein-Satz-Besprechung für das Publikum mit Twitter-Aufmerksamkeitsspanne: Wenn dir die vorherigen zwei, drei „Fast & Furious“-Filme gefallen haben, wird dir „Fast & Furious 8“ gefallen.

Alles ist halt noch eine Nummer größer und es gibt einige neue Familienmitglieder.

Und ab jetzt geht es mit ein, zwei Spoilern weiter, die beim Ansehen des Films dann doch nicht so überraschend sind. Das Plakat verrät auch einiges.

Aber Hey!, die Filme dieser an der Kinokasse unglaublich erfolgreichen Actionserie haben sich nie für den David-Mamet-Preis beworben.

In „Fast & Furious 8“ trifft Dom Toretto (Vin Diesel) auf Kuba (Fun Fact: erster Dreh einer US-Produktion auf Kuba) Cipher (Charlize Theron). Sie erpresst ihn, seine Freunde zu betrügen. Er tut es und stiehlt von ihnen eine äußerst gefährliche Waffe, die sie im Auftrag der US-Regierung kurz vorher von irgendwelchen gesichtslosen Bösewichter geklaut haben.

Seine langjährigen Freunde sind fassungslos über Doms Verrat. Denn für ihn ist, wie wir aus den vorherigen Filmen wissen, Familie alles und seine Freunde sind seine ständig wachsende Familie, die er niemals betrügen oder verraten würde. Er würde für sie durch die Hölle gehen.

Sie, also Doms Freundin Letty (Michelle Rodriguez), Hobbs (Dwayne Johnson), der Rest der Gang – Roman Pierce (Tyrese Gibson), Tej (Chris ‚Ludacris‘ Bridges) und Ramsey (Nathalie Emmanuel) -, unterstützt von Mr. Nobody (Kurt Russell), seinem paragraphenreitendem Lehrling (Scott Eastwood), der vor allem als willkommener Punchingball für Gags benutzt wird, und ihrem früheren Gegner und jetzigen Mr.-Nobody-Zwangsverpflichtung Deckard Shaw (Jason Statham), beginnen Cipher und Dom zu jagen, während Dom weitere Verbrechen begeht, die Cipher mit all den Dingen ausrüstet, die sie braucht, um einen Weltkrieg zu entfesseln. Denn Cipher ist nicht nur eine begnadete Hackerin, die überall und nirgends ist (weshalb ihre Zentrale in einem Flugzeug ist), sondern auch ein waschechter James-Bond-Bösewicht.

Ihre Aktionen gehorchen dabei dem Prinzip „mehr ist besser“; was spannungstechnisch keine gute Idee ist. In Manhattan muss Dom den Koffer mit den Nuklearcodes von dem russischen Verteidigungsminister klauen. Cipher unterstützt ihn dabei, indem sie alle Autos im Umkreis von mehreren Wohnblocks fernsteuert. Dann rasen ganze Armeen von Zombieautos durch die engen Häuserschluchten, verursachen Massenkarambolagen und hunderte Autos nehmen aus einem Parkhaus die Abkürzung. Sie stürzen vom Himmel und begraben die Reste des russischen Autokonvois unter sich.

Im Writers‘ Room mag das wie eine gute Idee geklungen haben. Auf der Leinwand ist es ein unglaubwürdiger Overkill. Es sind einfach zu viele Autos. Sie sehen einfach zu sehr nach Computertricks aus.

Immerhin gibt es in New York dann noch eine konventionelle „Fast & Furious“-Autoverfolgungsjagd, die sogar tagsüber spielt. Deshalb kann man halbwegs sehen, was passiert. Denn F. Gary Gray schneidet hier, wie in allen Action-Szenen, mehr als nötig. Gray inszenierte auch „Verhandlungssache“, „The Italian Job – Jagd auf Millionen“ und, zuletzt, „Straight Outta Compton“. Bei „Fast & Furious 8“ fungiert er, ohne eine erkennbare persönliche Note, als williger Erfüllungsgehilfe eines erfolgreichen Franchise.

Das große Action-Set-Piece ist am Filmende nimmt mindestens ein Drittel des Films, eher sogar eine gute Stunde, ein. Und das ist gut so. In einer geheimen U-Boot-Station an der Barentssee soll Dom für Cipher eine Atomrakete in, uh, Besitz bringen (Frag nicht nach der einfachen Lösung, wenn es auch mit viel Rumms geht).

Nachdem im vorherigen „Fast & Furious“-Film eine Startbahn ewig lang war, liefern sie sich jetzt auf dem Eis, unter Wasser und in der Luft ein Wettrennen mit einem U-Boot, das durch eine Schleuse ins freie Meer fahren könnte. Während das U-Boot sich unter dem Eis seinem Ziel nähert, rasen Dom und seine Gang, verfolgt und beschossen von allerlei meist anonymen Bösewichtern, auf dem Eis in Richtung Schleuse. Und sie scheinen mit ihren Flitzern nicht wesentlich schneller als ein U-Boot voranzukommen. Dabei – schnelle Internetrecherche – fährt das modernste russische Atom-U-Boot höchstens 31 Knoten, also 57 Stundenkilometer.

Während des gesamten Films werden viele Szenen nur für die Lacher gespielt. Dazu gehört, am Filmanfang, Hobbs Minuten dauernde große, zum verlustreichen Kampf anstachelnde Ansprache direkt in die Kamera (wir können uns die Pointe denken, die immerhin direkt danach eine schöne Fortsetzung findet), die Neckereien von Hobbs und Deckard Shaw im Hochsicherheitsgefängnis (die deutlich länger als notwendig ausgespielt werden) oder Shaws liebevolle Betreuung eines Babys, das er befreien muss. Während er sich liebevoll um das Baby kümmert, tötet er nebenbei Dutzende Bösewichter.

Die Story selbst, wieder geschrieben von Chris Morgan, fügt wenig innovativ oder überraschend, aber zweckdienlich die einzelnen Actionszenen zusammen. Dass Dom dabei, wie wir gegen Ende erfahren, nur zum Schein auf Ciphers Erpressung einging, können wir uns von der ersten Minute an Denken. Warum er allerdings nicht gleich mit seiner Familie über die Erpressung redet, erfahren wir nie.

Doms Familie wird, auch wenn ab und an Familienmitglieder sterben, immer größer und damit wird der Film auch etwas behäbig. Schließlich muss jedes Familienmitglied seinen Auftritt haben – und dann kommen noch die mehr oder weniger bösen Neuzugänge hinzu. Das sind dieses Mal Charlize Theron als Bösewicht (Resozialisierung ist im Dom-Universum möglich) und Helen Mirren als – das soll eine Überraschung bleiben.

An einigen Stellen bezieht sich „Fast & Furious 8“, der von Universal Pictures als Auftakt der finalen Trilogie gelabelt wird, auf die vorherigen Filme. Aber das sind nur Nebensätze, die das Herz des langjährigen Fans erfreuen. Zum Verständnis des aktuellen Films sind sie nicht nötig.

Mit dem achten Film des Franchise sind Dom und seine Familie, nachdem sie am Anfang Verbrecher waren, endgültig zu den Guten geworden, die jetzt für einen geheimen US-Geheimdienst die Welt retten. Mit, wie James Bond, einem Spesenkonto ohne Limit und gigantischen Kollateralschäden, die locker zwei große Versicherungen ruinieren könnten.

Insofern schließt „Fast & Furious 8“, der genau das liefert, was die Fans erwarten, nahtlos an die vorherigen Filme an. Ohne die Qualität von „Fast & Furious Five“ (das ist der Teil mit dem ersten Auftritt von Dwayne Johnson und dem unkonventionellen Transport eines riesigen Safes durch Rio de Janeiro) zu erreichen.

P. S.: Der Film läuft auch im IMAX.

Fast & Furious 8 (The Fate of the Furious, USA 2017)

Regie: F. Gary Gray

Drehbuch: Chris Morgan

mit Vin Diesel, Charlize Theron, Dwayne Johnson, Jason Statham, Michelle Rodriguez, Tyrese Gibson, Chris ‚Ludacris‘ Bridges, Helen Mirren, Nathalie Emmanuel, Elsa Pataky, Scott Eastwood, Kurt Russell, Kristofer Hivju, Luke Evans

Länge: 136 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Fast & Furios 8“

Metacritic über „Fast & Furios 8“

Rotten Tomatoes über „Fast & Furios 8“

Wikipedia über „Fast & Furios 8“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Justin Lins „Fast & Furious Five“ (Fast Five, USA 2011)

Meine Besprechung von Justin Lins „Fast & Furios 6“ (Furios Six; Fast & Furious Six, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „Fast & Furious 7“ (Furious 7, USA 2015)

Meine Besprechung von F. Gary Grays „Straight Outta Compton“ (Straight Outta Compton, USA 2015)


TV-Tipp für den 7. April: Bank Job

April 7, 2017

ZDFneo, 23.15

Bank Job (GB 2008, Regie: Roger Donaldson)

Drehbuch: Dick Clement, Ian La Frenais

Dick Clement und Ian La Frenais sind zwei alte Hasen im britischen Filmgeschäft. Sie schrieben unter anderem die Drehbücher zu „Commitments“, „Wasser – Der Film“, etlichen Lovejoy-Folgen (in Deutschland nie gezeigt) und zu „Die alles zur Sau machen“ (Villain).

Mit ihrem Edgar-nominierten Film „Bank Job“ kehrten sie wieder in die frühe Siebziger und dem von ihnen mit „Villain“ mitbegründeten britischen Gangsterfilm zurück. Dieses Mal lassen sie sich von einem wahren Bankraub inspirieren. Am 11. September 1971 raubten einige Kleingauner aus der Lloyd’s Bank 500.000 Pfund (was heute sechs Millionen Euro wären). Die Zeitungen füllten ihre Spalten mit Sensationsberichten über den „Walkie-Talkie-Einbruch“. Vier Tage lang. Dann untersagte die Regierung aus Gründen der nationalen Sicherheit weitere Berichte, vier Räuber wurden verhaftet, ihren Namen wurden nie bekannt, das Strafmaß ist unbekannt, große Teile der Beute verschwunden und die Akten darüber sind bis 2054 unter Verschluss. Das Team Clement/La Frenais hat jetzt mit „Bank Job“ eine Geschichte erfunden, die die Wahrheit sein könnte.

Und Roger Donaldson hat im Retro-Look einen angenehm altmodischen Ganovenfilm über den großen Coup, gewürzt mit einer Prise Polit-Thriller, gedreht.

Mit Jason Statham, Saffron Burrows, Stephen Campbell Moore, Daniel Mays, James Faulkner, Alki David

Hinweise

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Film-Zeit über „Bank Job“

Rotten Tomatoes über “Bank Job”

Wikipedia über „The Bank Job“ (Englisch, mit Informationen zu den wahren Hintergründen)

Mirror über die wahren Hintergründe: Bank job that opened the door on a royal sex scandal (16. Februar 2008 )

Telegraph schreibt über die wahren Hintergründe und redet mit Dick Clement: Revisiting the riddle of Baker Street (15. Februar 2008 )

Noir of the Week über “The Bank Job”

Meine Besprechung von Roger Donaldsons “The November Man” (The November Man, USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: „Mechanic: Resurrection“ – eine Auferstehung, mit der keiner gerechnet hat

August 25, 2016

Nachdem Jason Statham sich, abgesehen von den „Fast & Furious“-Filmen, in den vergangenen Jahren von seinem unkaputtbaren „Transporter“/“Crank“-Image in Richtung anspruchsvollerer Action-Rollen, also so in Richtung düsterer Siebziger-Jahre-Actionfilm, entwickelte, spielt er jetzt wieder Arthur Bishop; einen Charakter den er bereits vor fünf Jahren in dem Action-Thriller „The Mechanic“ spielte.

Am Ende von „The Mechanic“ tauchte der Profikiller Arthur Bishop, der seine Morde als Unfälle tarnte, unter. Offiziell war er tot.

Jetzt lebt Bishop in Rio de Janeiro und, nach etwas Hin und Her und romantischen Sonnenuntergängen, wird in Phuket seine neue Freundin Gina (Jessica Alba) von Crains Männern entführt. Sein früherer Freund Riah Crain (Sam Hazeldine) erpresst ihn, innerhalb weniger Tage drei Morde zu begehen. Wenn ihm das nicht gelingt, wird Gina sterben.

Bishop geht, weil das Drehbuch es so will, auf die Erpressung ein – und es entwickelt sich eine wenig spektakuläre Geschichte, in der der Profikiller möglichst spektakulär seine Morde an den Köpfen des weltweiten Kinder- und Waffenhandels (also sehr, sehr bösen Menschen) wie Unfälle erscheinen lässt.

Als anspruchsloses B-Picture mit einer durchaus erkleckliche Zahl bekannter Schauspieler, neben Statham sind Jessica Alba, Tommy Lee Jones und Michelle Yeoh dabei, und etlichen für die Actionszenen fotogen in Szene gesetzten Touristenlocations unterhält „Mechanic: Resurrection“ leidlich. Wenn man nicht, vor allem angesichts des Endes und der immer wieder dick aufgetragenen Botschaft, nach der Moral von der Geschichte fragt. Wenn man sich keine Gedanken über die Logik macht. Denn Bishop ist hier der Mann, der nicht schläft und schneller als die Zeit ist. Sonst könnte er die Auftragsmorde, die alle eine aufwendige Planung erfordern, unmöglich innerhalb der wenigen Stunden erledigen, die ihm Crain gewährt. Gleichzeitig versucht Bishop Gina zu befreien. Und wenn man sich mit der formelhaften Dramaturgie zufrieden gibt, nach der nacheinander einige Männer ermordet werden, bis es zu der finalen Konfrontation zwischen Bishop und Crain kommt.

Wenn man sich allerdings fragt, warum die Macher von „Mechanic: Resurrection“ die letztendlich logikfreie Geschichte mit so geringen Ambitionen herunterspulen und dabei niemals den Charakter Bishop ernst nehmen, dann verzweifelt man – und überlegt schon während des Films, was die Macher alles hätten besser machen können.

Denn eigentlich ist Bishop ein schlaues Kerlchen und die Drehbuchautoren hätten einen entsprechend intelligenten Plan von Bishop gegen Crain erfinden können. Bei den Auftragsmorden gelang es ihnen ja auch.

Dann hätte „Mechanic: Resurrection“ ein Film werden können, der sich als Actionfilm mit Hirn nahtlos in Stathams aktuelle Filme einreiht. Stattdessen wurde es ein Film, der sich in Stathams „Transporter“-Phase einreiht. Mit wenig Logik in der Geschichte und den Charakteren, vielen explodierenden Booten und einem Statham, der hier mehr als in all seinen anderen Filmen im Wasser ist.

Das erinnert Statham-Fans dann an seine Karriere als erfolgreicher Wasserspringer. Die war noch vor seiner Filmkarriere.

Mechanic Resurrection - Plakat

Mechanic: Resurrection (Mechanic 2 – Resurrection, Frankreich/USA 2016)

Regie: Dennis Gansel

Drehbuch: Philip Shelby, Tony Mosher

mit Jason Statham, Jessica Alba, Tommy Lee Jones, Michelle Yeoh, Sam Hazeldine, John Cenamtiempo, Toby Eddington, Femi Elufowoju jr.

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Mechanic: Resurrection“

Metacritic über „Mechanic: Resurrection“

Rotten Tomatoes über „Mechanic: Resurrection“

Wikipedia über „Mechanic: Resurrection“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Simon Wests „The Mechanic“ (The Mechanic, USA 2011)


TV-Tipp für den 3. Juni: Blitz

Juni 3, 2016

Pro7, 22.25

Blitz (Großbritannien 2011, Regie: Elliott Lester)

Drehbuch: Nathan Parker

LV: Ken Bruen: Blitz or Brant Hits the Blues, 2002

London: Detective Sergeant Brant jagt einen Polizistenmörder und kümmert sich dabei wenig um Recht und Gesetz.

Harter Copfilm nach einem harten Polizeiroman von Ken Bruen, dem Erfinder von Jack Taylor. Von seinen sieben „Inspector Brant“-Romane sind inzwischen, endlich!, zwei Romane auf Deutsch veröffentlicht und in der Kriminalakte gebührend abgefeiert worden.

mit Jason Statham, Paddy Considine, Aidan Gillen, David Morrisey, Luke Evans

Wiederholung: Sonntag, 5. Juni, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Blitz“

Wikipedia über „Blitz“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Füchsin“ (Vixen, 2003)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 16. April: Bank Job

April 16, 2016

ZDFneo, 20.15

Bank Job (GB 2008, Regie: Roger Donaldson)

Drehbuch: Dick Clement, Ian La Frenais

Dick Clement und Ian La Frenais sind zwei alte Hasen im britischen Filmgeschäft. Sie schrieben unter anderem die Drehbücher zu „Commitments“, „Wasser – Der Film“, etlichen Lovejoy-Folgen (in Deutschland nie gezeigt) und zu „Die alles zur Sau machen“ (Villain).

Mit ihrem Edgar-nominierten Film „Bank Job“ kehrten sie wieder in die frühe Siebziger und dem von ihnen mit „Villain“ mitbegründeten britischen Gangsterfilm zurück. Dieses Mal lassen sie sich von einem wahren Bankraub inspirieren. Am 11. September 1971 raubten einige Kleingauner aus der Lloyd’s Bank 500.000 Pfund (was heute sechs Millionen Euro wären). Die Zeitungen füllten ihre Spalten mit Sensationsberichten über den „Walkie-Talkie-Einbruch“. Vier Tage lang. Dann untersagte die Regierung aus Gründen der nationalen Sicherheit weitere Berichte, vier Räuber wurden verhaftet, ihren Namen wurden nie bekannt, das Strafmaß ist unbekannt, große Teile der Beute verschwunden und die Akten darüber sind bis 2054 unter Verschluss. Das Team Clement/La Frenais hat jetzt mit „Bank Job“ eine Geschichte erfunden, die die Wahrheit sein könnte.

Und Roger Donaldson hat im Retro-Look einen angenehm altmodischen Ganovenfilm über den großen Coup, gewürzt mit einer Prise Polit-Thriller, gedreht.

Mit Jason Statham, Saffron Burrows, Stephen Campbell Moore, Daniel Mays, James Faulkner, Alki David

Wiederholung: Sonntag, 17. April, 04.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Bank Job“

Rotten Tomatoes über “Bank Job”

Wikipedia über „The Bank Job“ (Englisch, mit Informationen zu den wahren Hintergründen)

Mirror über die wahren Hintergründe: Bank job that opened the door on a royal sex scandal (16. Februar 2008 )

Telegraph schreibt über die wahren Hintergründe und redet mit Dick Clement: Revisiting the riddle of Baker Street (15. Februar 2008 )

Noir of the Week über “The Bank Job”

Meine Besprechung von Roger Donaldsons “The November Man” (The November Man, USA 2014)


TV-Tipp für den 15. März: Collateral

März 15, 2016

Pro7 Maxx, 20.15

Collateral (USA 2004, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Stuart Beattie

Max ist ein nett-harmloser Los-Angeles-Taxifahrer, der von einem eigenen Unternehmen träumt, aber seit zwölf Jahren sein Leben als Angestellter fristet. Da steigt Vincent ein und bietet ihm 600 Dollar, wenn er ihn in den kommenden Stunden zu fünf Freunden fährt. Nach dem ersten Stopp, weiß Max, dass Vincent ein Autragkiller ist und er ihn zu den nächsten Opfern bringen soll.

„Collateral“ ist ein kleiner, ökonomisch erzählter Neo-Noir-Thriller über das tödliche Aufeinandertreffen zweier Charaktere ihrer vollkommen gegensätzlichen Lebensauffassungen; ist ein grandios besetzter Schauspielerfilm; ist eine Liebeserklärung an das nächtliche Los Angeles und wahrscheinlich der beste Film von Michael Mann.

Mit Tom Cruise, Jamie Foxx, Jada Pinkett Smith, Mark Ruffalo, Peter Berg (Regisseur von “Operation: Kingdom” und „Hancock“), Bruce McGill, Javier Bardem, Jason Statham (Miniauftritt auf dem Flughafen)

Wiederholung: Mittwoch, 16. März, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

IndieLondon: Interview mit Michael Mann

Sight & Sound: Interview mit Michael Mann

The Dialogue: Stuart Beattie: Tricks of the Trade (Teil eines Interview)

Wikipidia (englisch) über „Collateral“

Drehbuch „Collateral“ von Stuart Beattie, bearbeitet von Frank Darabont (12. September 2000) (und bereits teilweise von Michael Mann, Stand: 10. Juli 2003 – Änderung des Handlungsortes von New York nach Los Angeles)

Drehbuch „Collateral“ von Stuart Beattie, bearbeitet von Frank Darabont und Michael Mann  (24. August 2003)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 13. Juni: Bank Job

Juni 13, 2015

ZDFneo, 20.15/23.45

Bank Job (GB 2008, Regie: Roger Donaldson)

Drehbuch: Dick Clement, Ian La Frenais

Dick Clement und Ian La Frenais sind zwei alte Hasen im britischen Filmgeschäft. Sie schrieben unter anderem die Drehbücher zu „Commitments“, „Wasser – Der Film“, etlichen Lovejoy-Folgen (in Deutschland nie gezeigt) und zu „Die alles zur Sau machen“ (Villain).

Mit ihrem Edgar-nominierten Film „Bank Job“ kehrten sie wieder in die frühe Siebziger und dem von ihnen mit „Villain“ mitbegründeten britischen Gangsterfilm zurück. Dieses Mal lassen sie sich von einem wahren Bankraub inspirieren. Am 11. September 1971 raubten einige Kleingauner aus der Lloyd’s Bank 500.000 Pfund (was heute sechs Millionen Euro wären). Die Zeitungen füllten ihre Spalten mit Sensationsberichten über den „Walkie-Talkie-Einbruch“. Vier Tage lang. Dann untersagte die Regierung aus Gründen der nationalen Sicherheit weitere Berichte, vier Räuber wurden verhaftet, ihren Namen wurden nie bekannt, das Strafmaß ist unbekannt, große Teile der Beute verschwunden und die Akten darüber sind bis 2054 unter Verschluss. Das Team Clement/La Frenais hat jetzt mit „Bank Job“ eine Geschichte erfunden, die die Wahrheit sein könnte.

Und Roger Donaldson hat im Retro-Look einen angenehm altmodischen Ganovenfilm über den großen Coup, gewürzt mit einer Prise Polit-Thriller, gedreht.

Mit Jason Statham, Saffron Burrows, Stephen Campbell Moore, Daniel Mays, James Faulkner, Alki David

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Bank Job“

Rotten Tomatoes über “Bank Job”

Wikipedia über „The Bank Job“ (Englisch, mit Informationen zu den wahren Hintergründen)

Mirror über die wahren Hintergründe: Bank job that opened the door on a royal sex scandal (16. Februar 2008 )

Telegraph schreibt über die wahren Hintergründe und redet mit Dick Clement: Revisiting the riddle of Baker Street (15. Februar 2008 )

Noir of the Week über “The Bank Job”

Meine Besprechung von Roger Donaldsons „The November Man“ (The November Man, USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: Melissa McCarthy ist „Spy – Susan Cooper Undercover“

Juni 5, 2015

Die Idee ist so einfach, wie genial: wir lassen einfach eine Frau das tun, was normalerweise ein Mann macht. In „Taffe Mädels“ (The Heat, USA 2013) durfte Melissa McCarthy, unter der Regie von Paul Feig, als harter Straßenbulle böse Jungs jagen, verkloppen und erschießen. Weil es die feministische Version eines Buddy-Movies war, half ihr eine stocksteife, aktenfressende Sandra Bullock. Der Film war ein Hit.
Jetzt schickt Paul Feig Melissa McCarthy als Geheimagent um die halbe Welt und sie muss das tun, was normalerweise James Bond tut: das Ende der Welt verhindern. Und ein beträchtlicher Teil des Vergnügens von „Spy – Susan Cooper Undercover“ ist eben das liebevolle Spiel mit den sattsam bekannten James-Bond-Klischees, wobei dieses Mal die Frauen die Hosen an haben, während die wenigen Männer nur noch Trottel sind.
Die blasse Büromaus Susan Cooper, die nach ihrer Agentenausbildung in der CIA-Zentrale bislang die Missionen im Hintergrund steuerte, darf, nachdem Bradley Fine (Jude Law) von dem Bösewicht Rayna Boyanov (Rose Byrne) erschossen wird, ihren ersten Außeneinsatz machen. Denn Boyanov kennt alle CIA-Agenten und sie will sie auch alle umzubringen. Aber sie kennt Cooper nicht.
Also schickt die CIA-Chefin Cooper auf ihren ersten Außeneinsatz. Die erste Station ist Paris. Cooper soll Boyanov nur beobachten und so herausfinden, wo sie die in einen Koffer passende Atombombe, die sie an Terroristen verkaufen will, versteckt hat. Natürlich nimmt Cooper gleich Kontakt zu ihr auf und die ungefährliche Beobachtungsmission wird zu einer James-Bond-Aktion mit Schlägereien, liebestollen Schönlingen, taffen Frauen auf beiden Seiten des Gesetzes und abenteuerlichen Aktionen, die ein Minimum an Planung mit einem Maximum an Improvisation vereinigen.
Das ist dann, auch wegen der vielen Referenzen (allein schon die Pre-Title-Sequenz mit Jude Law als ferngesteuertem James Bond auf einem mondänem Anwesen und der mit Maurice-Binder-würdigen Bildern unterlegte Titelsong), die feministische Unterwanderung des James-Bond-Agentenfilmgenres, die daran leidet, dass die Bond-Filme auch immer eine Parodie von sich und dem Agentenfilmgenre sind (weshalb es so schwer ist, eine überzeugende Bond-Parodie zu drehen), dass die Bond-Filme ein wesentlich größeres Budget haben (was man spätestens bei der lustvollen Zerstörung der überdimensionierten Zentrale des Bösewichts sieht) und dass die Idee „eine unscheinbare Frau als taffe Agentin“ schon in der TV-Serie „Agentin mit Herz“ (Scarecrow and Mrs. King, USA 1983 – 1987) verarbeitet wurde.
Deshalb bleibt bei „Spy – Susan Cooper Undercover“ immer das Gefühl vorhanden, dass man das alles schon einmal gesehen hat und Feigs durchaus kurzweiliger und witziger Film, bei all seinen Gags und Anspielungen, dem nichts wesentliches hinzufügt.

Spy - Plakat

Spy – Susan Cooper Undercover (Spy, USA 2015)
Regie: Paul Feig
Drehbuch: Paul Feig
mit Melissa McCarthy, Jason Statham, Jude Law, Rose Byrne, Miranda Hart, Bobby Cannavale, Allison Janney, Peter Serafinowicz, Morena Baccarin, 50 Cent, Ben Falcone
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Spy“
Moviepilot über „Spy“
Metacritic über „Spy“
Rotten Tomatoes über „Spy“
Wikipedia über „Spy“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Paul Feigs „Taffe Mädels“ (The Heat, USA 2013)
Melissa McCarthy in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 24. Mai: Blitz

Mai 24, 2015

Pro7, 23.00

Blitz (Großbritannien 2011, Regie: Elliott Lester)

Drehbuch: Nathan Parker

LV: Ken Bruen: Blitz or Brant Hits the Blues, 2002

London: Detective Sergeant Brant jagt einen Polizistenmörder und kümmert sich dabei wenig um Recht und Gesetz.

Harter Copfilm nach einem harten Polizeiroman von Ken Bruen, dem Erfinder von Jack Taylor. Seine sieben „Inspector Brant“-Romane sind bis jetzt noch nicht übersetzt, aber das ändert sich ungefähr jetzt. Denn der Polar-Verlag veröffentlicht ungefähr jetzt „Kaliber“ mit dem Herrn Brant auf Mörderjagd.

mit Jason Statham, Paddy Considine, Aidan Gillen, David Morrisey, Luke Evans

Wiederholung: Montag, 25. Mai, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Blitz“

Wikipedia über „Blitz“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Fast & Furious 7“ – die Abschiedsvorstellung von Paul Walker

April 2, 2015

Als Paul Walker am 30. November 2013 tödlich verunglückte, gab es viele Gerüchte und Meldungen über „Fast & Furious 7“ und wie sein Tod die Dreharbeiten, die Filmgeschichte und damit auch den Film beeinflusste. Denn es waren noch nicht alle Szenen mit ihm gedreht. Seine Brüder Caleb und Cody würden und wurden als Doubles eingesetzt. Es sollte auch mit CGI gearbeitet werden. Es wurde über Veränderungen am Drehbuch gesprochen und gesagt, dass dieser Film, der sein letzter Film ist, ein würdiger Abschied von ihm sein solle. Immerhin wurde er mit der „The Fast and the Furious“-Serie zum Star.
Jetzt, wo der Film in den Kinos anläuft, kann man nachvollziehen, wie groß die nötigen Umarbeiten waren und, ohne jetzt etwas über die Handlung zu verraten, Paul Walker hat etliche beeindruckende Actionszenen, die an Spannung gewinnen, weil er dieses Mal jederzeit sterben kann.
Die Story von „Fast & Furious 7“ knüpft unmittelbar an den vorherigen Film an: Deckard Shaw (Jason Statham) will seinen schwer verletzt im Krankenhaus liegenden Bruder Owen rächen. Als großer Bruder will er sich die Männer vorknöpfen, die seinen Bruder umbringen wollten. Als ersten bringt er in Tokio Han (Sung Kang) um. Zur gleichen Zeit platziert er vor Dominic Torettos Haus eine Bombe. In letzter Sekunde können sich Dominic ‚Dom‘ Toretto (Vin Diesel), sein bester Freund Brian O’Conner (Paul Walker), Brians Frau und sein Sohn retten.
Durch ihren FBI-Freund Luke Hobbs (Dwayne Johnson), der nach einer Begegnung mit Shaw mit einigen gebrochenen Knochen im Krankenhaus liegt, erfährt Dom, wer sie jagt – und die Jagd über den halben Globus ist eröffnet.
Überraschende Hilfe erhält die Toretto-Verbrecherbande mit einem Faible für schnelle Autos, die inzwischen fast im Staatsdienst ist (naja, ihr kennt ja die vorherigen Filme), von Mr. Nobody (Kurt Russell), einem Geheimagenten der sehr geheimen Sorte. Sozusagen Nick Fury von S. H. I. E. L. D., aber ohne dessen Avengers-Superheldenteam. Deshalb bittet Mr. Nobody Dom und seine verbrecherischen Freunde um Hilfe bei bei der Jagd nach dem Computergenie Ramsey. Ramsey hat einen Supercode entwickelt, mit dem man alle Computer auf der Welt gleichzeitig ansteuern kann. Neben dem guten Mr. Nobody will auch der skrupellose Terrorist Jakande (Djimon Hounsou, der nur sein Gesicht präsentieren durfte) den Code haben.
Und viel mehr muss man über die Story nicht wissen. Denn sie ist erschreckend vernachlässigbar, absolut unlogisch und wird mit jedem Nachdenken noch abstruser. Aber James Wan erzählt dieses Best-of von Action- und Agentenfilmtopoi ziemlich flott über alle Unwahrscheinlichkeiten hinweg mit einem Blick auf das, was die Ticketkäufer wollen: eine leinwandsprengende Version von „Alarm für Cobra 11“.
Es gibt spärlich bekleidete Schönheiten, getunte Autos, atemberaubende Autostunts, Faustkämpfe, Explosionen, einige Witzeleien, viel Kameradie in der Familie Toretto und fotogene Schauplätze. Angeordnet wurden die Elemente, die den Erfolg der „Fast & Furious“-Serie ausmachen, dann in einer Comic-Manier, in der es nur auf das nächste Panel, das nächste Episödchen in einer scheinbar furchtbar komplexen Mythologie (die Toretto-Familie, ihre Beziehungen, die früheren Filme), ankommt.
Am Ende von „Fast & Furious 7“ sind dann erstaunlich wenige Menschen gestorben. Also von den Helden und den Hauptbösewichtern. Kollateralschäden gibt es dann einige. Wenn irgendwo im aserbaidschanischen Gebirge ein Militärkonvoi überfallen wird, in Abu Dhabi ein teurer Flitzer von einem Hochhaus zum nächsten fliegen darf und in Los Angeles die halbe Innenstadt zerstört wird, dann sterben etliche größtenteils gesichtslose Bösewichter und es gehen etliche Autos zu Bruch, während auch nach den längsten Faustkämpfen Dominics weißes Langarm-Shirt immer noch blütenweiß ist und Hobbs‘ überdimensionale Muskeln auch nach einem Krankenhausaufenthalt jungfräulich glänzen.
Allerdings ist die Action unglaublich konfus geschnitten. Damit steht Horrorfilm-Regisseur James Wan in der neuen Actionfilm-Tradition, in der die Abläufe der Kämpfe und Stunts kaum noch erahnbar sind. Viel zu oft wird geschnitten. Die Kamera ist zu nah. Wan wählt auch oft so ungewöhnliche Perspektiven, dass die Orientierung schwerfällt, sie aber wie Comic-Panels aussehen. Er setzt die Zeitlupe immer wieder falsch ein und immer wieder, zum Beispiel bei den zahlreichen Explosionen, verschenkt er potentielle Schauwerte. Sowieso hinterlässt kein Action-Set-Pieces bleibenden Eindruck und die besten Momente sind, wie das Umsteigen von einem Auto zum anderen Auto bei voller Fahrt und die legendär-unmöglichen Sprüngen, fast immer Reminiszensen an frühere „Fast & Furious“-Filme. Am Ende des über zweistündigen Comic-Films ist man geschüttelt, aber nicht gerührt.

Fast and Furious 7 - Plakat

Fast & Furious 7 (Furious 7, USA 2015)
Regie: James Wan
Drehbuch: Chris Morgan
mit Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Djimon Hounsou, Kurt Russell, Jason Statham, Jordana Brewster, Tyrese Gibson, Ludacris, Kurt Russell, Nathalie Emmanuel, Elsa Pataky, Gal Gadot, John Brotherton, Lucas Black, Luke Evans, Sung Kang, Ronda Rousey
Länge: 137 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Fast & Furios 7“
Moviepilot über „Fast & Furios 7“
Metacritic über „Fast & Furios 7“
Rotten Tomatoes über „Fast & Furios 7“
Wikipedia über „Fast & Furious 7“ (deutsch, englisch) – Achtung: Das Ende wird verraten!

Meine Besprechung von Justin Lins „Fast & Furious Five“ (Fast Five, USA 2011)

Meine Besprechung von Justin Lins „Fast & Furios 6“ (Furios Six; Fast & Furious Six, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring“ (The Conjuring, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „Insidious: Chapter 2 (Insidious: Chapter 2, USA 2013)

Kurz nachgesehen: zwei Teile aus der legendären Safe-Szene aus „Fast & Furious Five“, die auch eine gute Action-Szene ist:

 


Neu im Kino/Filmkritik: Jason Statham spielt die „Wild Card“

Februar 12, 2015

Ein neuer Film, für den William Goldman das Drehbuch schrieb, ist für Filmfans ein Jubelfest. Goldman schrieb, neben einigen Romanen, die teilweise verfilmt wurden, und seinen beiden äußerst kurzweiligen Hollywood-Erinnerungsbüchern „Das Hollywood Geschäft“ (Adventures in the Screen Trade, 1984) und „Wer hat hier gelogen?“ (Which lie did I tell?, 2000), die Drehbücher für „Ein Fall für Harper“, „Butch Cassidy und Sundance Kid“, „Die Unbestechlichen“, „Der Marathon-Mann“, „Die Braut des Prinzen“, „Misery“, „Absolute Power“, „Wehrlos – Die Tochter des Generals“ und „Dreamcatcher“. Seitdem, also seit über zwölf Jahren, schrieb der 1931 geborene Autor kein verfilmtes Drehbuch mehr. Aber für Simon West, der bereits „Wehrlos – Die Tochter des Generals“ verfilmte, kehrte er aus seinem Ruhestand zurück und was auf den ersten Blick gut klingt, wird schon beim allerersten genaueren Hinsehen bedenklich. Denn „Wild Card“ ist ein Remake von „Heat – Nick, der Killer“ (Heat, USA 1986)“, einem Privatdetektiv-Krimi mit Burt Reynolds, dessen Produktionsgeschichte so chaotisch war, dass William Goldman ihn in „Wer hat hier gelogen?“ nur in einem Halbsatz erwähnt.
Auch abseits der chaotischen Produktion ist „Heat“ ein bestenfalls durchschnittlicher Privatdetektiv-Krimi, den niemand mehr kennt.
Aber für ein Remake ist das eigentlich nicht schlecht. Immerhin stehen die Chancen gut, dass alle das Remake als die bessere Fassung der Geschichte loben. Man kann als Autor alte Fehler beseitigen und, immerhin ist „Heat“ gut dreißig Jahre alt, die Geschichte in die Gegenwart verlagern. Man kann sogar eine mehr oder weniger neue Geschichte erzählen.
Aber „Wild Card“ nimmt keine dieser Möglichkeiten wahr. Stattdessen wirkt der Film, als ob William Goldman einfach sein altes Drehbuch aus dem Regal genommen hat, ein, zwei vollkommen unwichtige Details änderte (Heißa, es gibt Mobiltelefone!) und Simon West das Buch gab, der es dann verfilmte als müsse er eine Folge der immer noch vergnüglichen TV-Serie „Vegas“ (die in den späten Siebzigern/frühen Achtzigern in Las Vegas gedreht wurde) inszenieren. Das gewinnt der einfachen Geschichte keinen einzigen neuen Aspekt ab und Themen, die damals neu (naja, halbwegs neu) im Genre waren, sind heute hoffnungslos veraltet. Denn Nick Wild (damals Burt Reynolds, heute Jason Statham) ist ein Spieler. Ein Süchtiger. Ja, das war damals neu. Damals haderten der von Lawrence Block erfundene New-Yorker-Privatdetektiv-ohne-Lizenz Matt Scudder und der von James Lee Burke erfundene Privatdetektiv-Polizist Dave Robicheaux in grandiosen Privatdetektivkrimis mit ihrem Alkoholismus. Heute gehört eine gepflegte Suchtgeschichte zur Grundausstattung eines erfolgreichen Ermittlers.
Ansonsten ist Privatdetektiv und Bodyguard Nick Wild aus der bewährten Klischeekiste des Privatdetektiv-Genres geformt: harte Schale, weicher Kern, großes Ehrgefühl, allseits beliebt, auch bei den Frauen, die er alle ohne Ausnahme respektvoll behandelt und mit guten Freunden in der ganzen Stadt bei der Polizei, den Verbrechern und den Casinobesitzern. Wenn er eine feste Freundin hätte, könnte er fast Spenser sein.
Die Freundin, der Nick Wild hilft, ist eine Prostituierte, die von Danny DeMarco, dem Sohn eines Gangsterbosses, vergewaltigt wurde. Jetzt will sie sich für die Vergewaltigung rächen. Ja, damals war das noch halbwegs innovativ. Heute fällt vor allem auf, dass man eine Rachegeschichte so nicht mehr erzählen kann.
Die Story, ergänzt um einige Episödchen aus dem Privatdetektivleben, plätschert auf TV-Serienniveau vor sich hin (wobei mir „Vegas“ besser gefiel; „Simon & Simon“ und „Magnum“ waren auch besser) und bis auf ungefähr zwei Slow-Motion-Action-Szenen hätte auch alles so vor dreißig Jahren gedreht werden können. Denn das „Wild Card“-Las Vegas sieht nie so geleckt aus, wie wir es aus „Ocean’s Eleven“ oder „C. S. I.“ kennen, sondern, nun, wie das immer leicht schmuddelige Las Vegas aus „Vegas“.
Besonders störend bei dem schleppend erzähltem Krimi, der eine Charakterstudie sein will, aber dafür zu sehr an der Oberfläche bleibt, ist die seltsame Anlage der Hauptrolle von Jason Statham. Er spielt, ohne einen ersichtlichen Grund, den allseits beliebten Nick Wild immer so, als ob er auf Gott und die Welt wütend ist. Ein echter Stinkstiefel eben, mit dem man keine zwei Minuten verbringen möchte.
Da hat Burt Reynolds im Original einen viel lässigeren Charme versprüht. Oder Robert Urich („Spenser“) als Dan Tanna in – Sie ahnen es – „Vegas“.

Wild Card - Plakat

Wild Card (Wild Card, USA 2015)
Regie: Simon West
Drehbuch: William Goldman
LV: William Goldman: Heat, 1985
mit Jason Statham, Sofia Vergara, Milo Ventimiglia, Stanley Tucci, Anne Heche, Hope Davis, Michael Angarano, Dominik Garcia-Lorido, Max Casella, Jason Alexander
Länge: 93 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Wild Card“
Moviepilot über „Wild Card“
Metacritic über „Wild Card“
Rotten Tomatoes über „Wild Card“
Wikipedia über „Wild Card“
Meine Besprechung von Simon Wests „The Mechanic“ (The Mechanic, USA 2011)
Meine Besprechung von Simon Wests „The Expendables 2“ (The Expendables 2, USA 2012)

William Goldman in der Kriminalakte

Ein ausführliches Interview mit William Goldman, aufgenommen im Mai 2010


TV-Tipp für den 23. Dezember: Collateral

Dezember 23, 2014

Pro7 Maxx, 20.15

Collateral (USA 2004, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Stuart Beattie

Max ist ein nett-harmloser Los-Angeles-Taxifahrer, der von einem eigenen Unternehmen träumt, aber seit zwölf Jahren sein Leben als Angestellter fristet. Da steigt Vincent ein und bietet ihm 600 Dollar, wenn er ihn in den kommenden Stunden zu fünf Freunden fährt. Nach dem ersten Stopp, weiß Max, dass Vincent ein Autragkiller ist und er ihn zu den nächsten Opfern bringen soll.

„Collateral“ ist ein kleiner, ökonomisch erzählter Neo-Noir-Thriller über das tödliche Aufeinandertreffen zweier Charaktere ihrer vollkommen gegensätzlichen Lebensauffassungen; ist ein grandios besetzter Schauspielerfilm; ist eine Liebeserklärung an das nächtliche Los Angeles und wahrscheinlich der beste Film von Michael Mann.

Mit Tom Cruise, Jamie Foxx, Jada Pinkett Smith, Mark Ruffalo, Peter Berg (Regisseur von “Operation: Kingdom” und „Hancock“), Bruce McGill, Javier Bardem, Jason Statham (Miniauftritt auf dem Flughafen)

Wiederholung: Mittwoch, 24. Dezember, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

IndieLondon: Interview mit Michael Mann

Sight & Sound: Interview mit Michael Mann

The Dialogue: Stuart Beattie: Tricks of the Trade (Teil eines Interview)

Wikipidia (englisch) über „Collateral“

Drehbuch „Collateral“ von Stuart Beattie, bearbeitet von Frank Darabont (12. September 2000) (und bereits teilweise von Michael Mann, Stand: 10. Juli 2003 – Änderung des Handlungsortes von New York nach Los Angeles)

Drehbuch „Collateral“ von Stuart Beattie, bearbeitet von Frank Darabont und Michael Mann  (24. August 2003)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 29. Oktober: Snatch – Schweine und Diamanten

Oktober 29, 2014

Kabel 1, 22.35

Snatch – Schweine und Diamanten (Großbritannien/USA 2000, Regie: Guy Ritchie)

Drehbuch: Guy Ritchie

Franky Four Fingers klaut in Antwerpen einen wertvollen Diamanten. Zurück in London kriegt er Ärger mit einem Russengangster, alle wollen den Stein haben, Gangster werden verletzt und sterben, die Gypsies spielen mit und dann gibt es noch einen Boxkampf, bei dem jeder jeden betrügt.

Wie schon in seinem Debüt „Bube, Dame, König, GrAs“ und seinem neuesten Werk „RocknRolla“ ist die Handlung ein einziges Chaos aus größeren und kleineren Katastrophen, die meisten Gangster sind geistig eher minderbemittelt und latschen, zu unserem Vergnügen, von einem Missgeschick in das nächste, meist ebenso blutige, Missgeschick.

Mit Benicio Del Toro, Dennis Farina, Vinnie Jones, Brad Pitt, Rade Sherbedzija, Jason Statham, Alan Ford, Goldie

Wiederholung: Donnerstag, 30. Oktober, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Snatch – Schweine und Diamanten”

Wikipedia über „Snatch – Schweine und Diamanten“

IGN: Interview mit Guy Ritchie und Vinnie Jones zu “Snatch”

Meine Besprechung von Guy Ritchies “Sherlock Holmes: Spiel im Schatten” (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Guy Ritchie in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. Oktober: Blitz

Oktober 14, 2014

Pro7 Maxx, 22.35

Blitz (Großbritannien 2011, Regie: Elliott Lester)

Drehbuch: Nathan Parker

LV: Ken Bruen: Blitz or Brant Hits the Blues, 2002

London: Detective Sergeant Brant jagt einen Polizistenmörder und kümmert sich dabei wenig um Recht und Gesetz.

Harter Copfilm nach einem harten Polizeiroman von Ken Bruen, dem Erfinder von Jack Taylor. Seine sieben „Inspector Brant“-Romane sind bis jetzt noch nicht übersetzt.

mit Jason Statham, Paddy Considine, Aidan Gillen, David Morrisey, Luke Evans

Wiederholung: Mittwoch, 15. Oktober, 00.15 Uhr (Taggenau! – Dann müsste auch die ungekürzte Fassung des FSK-18-Films laufen)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Blitz“

Wikipedia über „Blitz“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „The Expendables 3“ – Same procedure as last time

August 21, 2014

In den USA wird derzeit über das maue Einspielergebnis von „The Expendables 3“ diskutiert, weil der Film vor dem Kinostart bereits im Netz in guter Qualität verfügbar war und deshalb so wenige Menschen den Film im Kino ansahen. Immerhin wurde der Film in den USA für eine PG-13-Freigabe verharmlost und damit das potentielle Publikum enorm vergrößert. Das war der Plan.

Aber die Fans der ersten beiden nicht jugendfreien „Expendables“-Filme waren deshalb schon lange vor dem Kinostart verkrätzt. Denn der Charme der ersten beiden „Expendables“-Filme bestand gerade in seiner ungehemmten Glorifizierung der Achtziger-Jahre-Action-Filme mit den von damals bekannten Schauspielern. Sie zeigten noch einmal einfache handgemachte Action.

Für die PG-13-Freigabe wurde in der Originalfassung vor allem auf Schimpfworte, vor allem das immer einsetzbare „Fuck“, verzichtet. Wegen diesem Wort hatten auch „The King’s Speech“ und „Der Ghostwriter“ in den USA Probleme mit der Freigabe. „The King’s Speech“ wurde um einige Schimpfworte gekürzt. Bei „Der Ghostwriter“ führte das zu einer liebevoll erstellten US-Version, die mir sogar besser gefällt, weil es auch im englischen viele schöne Schimpfworte gibt, die nicht mit „f“ anfangen und „k“ enden.

In einem zweiten Schritt wurde dann auf jegliches spritzende Blut verzichtet. Ich habe nicht nachgezählt, aber mehr als drei Blutspritzer habe ich nicht gesehen. Die Action besteht sowieso hauptsächlich auf endlosen Endlosballereien, erledigt von Männern in schwarzen Anzügen. Da sieht man Blut und Einschusslöcher sowieso nicht.

Bei dem Gejammer über das schlechte Einspielergebnis – es reichte immerhin für den vierten Platz – wurde vergessen, dass nicht nur die Kritiker nicht begeistert waren, sondern auch die Begeisterung der Fans sich, wie ein Blick Richtung IMDB und Rotten Tomatoes, in überschaubaren Grenzen hält.

Und sie haben recht: „The Expendables 3“ ist ein überlanger, zugequasselter Action-Film. Der Film dauert epische 127 Minuten, während die beiden Vorgänger ihre Geschichte in hundert Minuten erzählten; also ungefähr der 80er-Jahre-Actionfilm-Länge, was auch für diesen Film eine deutlich bessere Laufzeit gewesen wäre.

Die Story ist noch vernachlässigbarer als in den ersten beiden Filmen. Es beginnt mit einer pompösenen Gefangenenbefreiung von Doctor Death (Wesley Snipes), bei der die „Expendables“-Söldner angführt von Barney Ross (Sylvester Stallone) und Lee Christmas (Jason Statham) einen fahrenden Zug entern, die Wachen töten (meisten erschießen), Doctor Death befreien und schließlich den Zug mit großem Wumm in den Zielbahnhof, ein einsam gelegenes Gefängnis, fahren lassen. Das Gebäude geht in die Luft. Die Bösewichter sind tot. Die Mission ist erfüllt.

Schon bei dieser Action-Szene fällt auf, dass Regisseur Patrick Hughes (Red Hill) so viele Schnitte setzt, dass man nicht mehr richtig nachverfolgen kann, wer was macht. Die weiteren Actionszenen, vor allem in einem Hafen und in einer stillgelegten Fabrik, sind ebenfalls reine Schnittgewitter, die mit Schnitten, Wackelkamera und Nahaufnahmen mal wieder nur ein Gefühl von der Action vermitteln, aber niemals zeigen, was die Stuntmänner wirklich leisten und wie fit die Schauspieler sind. Genau deshalb enttäuscht dann auch das große Action-Finale: es wird endlos geballert, Bomben gehen hoch, Raketen werden abgeschossen und Patrick Hughes schneidet atemlos zwischen den verschiedene Schauplätzen und ungefähr einem halben Dutzen gleichzeitig stattfindender Kämpfe gegen gesichtslose Bösewichter, vulgo „Expendables“-Kanonenfutter, hin und her. Das ist so laut wie langweilig.

In Somalia sollen sie, kurz nach Deaths Befreiung, im Hafen einen Waffendeal verhindern und Conrad Stonebanks (Mel Gibson), hm, ich glaube, in dem Moment noch töten. Bei dem Einsatz, der bombig schiefgeht, entdeckt Expendables-Chef Barney Ross, dass Stonebanks ein alter Kumpel und Gründungsmitglied der Expendables ist. Bis dahin glaubte Ross, dass er Stonebanks vor Jahren, als Stonebanks auf die schiefe Bahn geriet, tötete.

Jetzt will Ross den skrupellosen Stonebanks erledigen, aber CIA-Mann Max Drummer (Harrison Ford) sagt ihm, dass sie Stonebanks lebendig wollen, um ihn als Kriegsverbrecher anzuklagen (Yeah, etwas Suspension of Disbelief ist in dem Moment nötig).

Ross entlässt, weil Stonebanks ein so schlimmer Gegner ist, seine alten Expendables (auch hier ist etwas Suspension of Disbelief hilfreich) und heuert eine Gruppe neuer Expendables an, die dann sofort von Stonebanks gefangen genommen werden.

Also müssen wieder die alten Expendables ran und es kommt zu einer großen Schlacht in einem einsam gelegenem Fabrikgelände, das dem Erdboden gleich gemacht werden kann.

Zwischen den raren Action-Szenen, die eigentlich alles Baller-Szenen sind, gibt es dann, wieder einmal, viele Gespräche der Söldner über ihren Beruf und ihr Leben. Da sind die Rekrutierungen der neuen Expendables fast schon eine willkommene Entspannung.

Wie schon bei den ersten beiden „Expendables“-Filmen beruht ein großer Teil des Charmes der Filme auf der großen Starparade, die dieses Mal aus Sylvester Stallone, Jason Statham, Antonio Banderas, Jet Li, Wesley Snipes, Dolph Lundgren, Kelsey Grammer, Randy Couture, Mel Gibson, Harrison Ford, Arnold Schwarzenegger, Terry Crews, Kellan Lutz, Ronda Roosey, Glen Powell, Victor Ortiz und Robert Davi besteht. Dabei haben die meisten Auftritte ungefähr die Länge eines längeren Cameos und gerade die neuen Expendables (vulgo die Neuzugänge) bleiben vollkommen austauschbar. Auch die aus den vorherigen Filmen bekannten Stars, wie Jason Statham, Dolph Lundgren und Jet Li, kommen kaum über Cameo-Länge hinaus.

Antonio Banderas spielt einen hyperagilen, ewig plappernden und extrem begeisterten Söldner. Das ist anfangs als Comic-Relief witzig, wird aber mit der Zeit nervig. Wenn die Söldner sich durch ein Waldgebiet anschleichen und er dabei endlos plappert, dann ist wieder einmal viel Suspension of Disbelief gefragt.

Mel Gibson als meistens schweigsamer Bösewicht überzeugt; – aber in „Machete Kills“ konnte er ja schon für die Rolle als Bösewicht üben.

Am Ende von „The Expendables 3“ fühlt man sich wie einer der Söldner im Film: man hat die Schlacht überlebt, sie war größtenteils chaotisch und man ist nur froh, noch am Leben zu sein.

The Expendables 3 - Plakat

 

The Expendables 3 (The Expendables 3, USA 2014)

Regie: Patrick Hughes

Drehbuch: Sylvester Stallone, Creighton Rothenberger, Katrin Benedikt (nach einer Geschichte von Sylvester Stallone)

mit Sylvester Stallone, Jason Statham, Antonio Banderas, Jet Li, Wesley Snipes, Dolph Lundgren, Kelsey Grammer, Randy Couture, Mel Gibson, Harrison Ford, Arnold Schwarzenegger, Terry Crews, Kellan Lutz, Ronda Roosey, Glen Powell, Victor Ortiz, Robert Davi (für jeden eine Szene, einmal Ballern, einmal Abtreten)

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Expendables 3“

Moviepilot über „The Expendables 3“

Metacritic über „The Expendables 3“

Rotten Tomatoes über „The Expendables 3“

Wikipedia über „The Expendables 3“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Simon Wests „The Expendables 2“ (The Expendables 2, USA 2012)


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