DVD-Kritik: Die routinierte „Verschwörung auf Fort Clark“

Januar 13, 2014

 

In der Gegend um Fort Clark töten Indianer Weiße. Der Fortkommandant unternimmt nichts; außer das eigene Lager zu sichern. Aber Major Howell Brady, der den Auftrag hat, etwas gegen die Indianerangriffe zu unternehmen, beginnt zuerst durch die Gegend zu patrouillieren und verfällt dann auf einen verwegenen Plan: er will Indianer mit Indianern (wenn auch von einem anderen Stamm) bekämpfen.

Dazu gibt es noch etwas Liebe (was wir uns ja mit einem Blick auf die Besetzungsliste denken konnten), Führungsgerangel im Fort, einige Witze (denn ein Sidekick darf nicht fehlen), einige Landschaftsaufnahmen und am Schluss, wenn dann auch das Rätsel um den Tod von Armeeoffizier Corwin, der während einer Erkundungsmission getötet wurde, geklärt ist, eine große Schlacht um das Fort.

Verschwörung auf Fort Clark“ ist ein Routinewestern. Von der ersten bis zur letzten Minute, der verdächtig an „Vorposten im Wilden Westen“ erinnert und einfach der Reihe nach, durchaus kurzweilig, aber nicht besonders innovativ, die Standardsituationen abruft. Der Western ist wirklich kein Film, den man gesehen haben muss.

Auch wenn die Besetzung mit Jeff Chandler (hier mal als Weißer), Maureen O’Hara und Henry Brandon (nach dem „Western-Lexikon“ von Joe Hembus der einzige Western, in dem Brandon einen sympathischen Indianer spielt. Er war in John Fords „Der schwarze Falke“ Chief Scar [Häuptling Schwarzer Falke].) prominent ist. Auch wenn George Sherman Inszenierte. Er war ein versierter Direktor, aber auch ein Routinier, der unter anderem „Die Teufelspassage“, „Duell in Socorro“ und „Big Jake“ (mit John Wayne) drehte. Auch wenn das Drehbuch von John Michael Hayes stammt, der danach für Alfred Hitchcock „Das Fenster zum Hof“, „Über den Dächern von Nizza“, „Immer Ärger mit Harry“ und „Der Mann, der zuviel wusste“ schrieb.

Verschwörung auf Fort Clark - DVD-Cover

Verschwörung auf Fort Clark (War Arrow, USA 1953)

Regie: George Sherman

Drehbuch: John Michael Hayes

mit Jeff Chandler, Maureen O’Hara, Suzan Ball, John McIntire, Henry Brandon, Dennis Weaver, Noah Beery

DVD

Koch-Media (Edition Western-Legenden)

Bild: 1.85:1 (16:9)

Sprachen: Deutsch, Englisch

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Originaltrailer, Bildergalerie

Länge: 75 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Verschwörung auf Fort Clark“

Turner Classic Movies über „Verschwörung auf Fort Clark“

Wikipedia über „Verschwörung auf Fort Clark“

 

 

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DVD-Kritik: Robert Wises vergessener Western „Vorposten in Wildwest“

September 11, 2013

 

Während des Bürgerkriegs bot US-Präsident Abraham Lincoln gefangenen Südstaaten-Soldaten an, dass sie ihre Freiheit erlangen könnten, wenn sie den Nordstaatlern im Kampf gegen die Indianer helfen. Colonel Clay Tucker (Joseph Cotten) und seine Männer lassen sich auf das Angebot ein. In Fort Thorn werden sie von Major Henry Kenniston (Jeff Chandler) frostig empfangen. Der Lagerkommandant misstraut den Südstaatlern. Gleichzeitig hat er sich inzwischen zu einem hasserfüllten Mann verwandelt, der Indianer grundlos ermordet und Elena Kenniston (Linda Darnell), die schöne Frau seines gefallenen Bruders, quasi gefangen hält.

Trotz der prominenten Besetzung ist „Vorposten in Weltwest“ heute fast unbekannt. Ein Grund ist sicher, dass der Film nie im Fernsehen läuft. Ein anderer, dass der Western sich eher an ein erwachsenes Publikum richtet. Immerhin geht es vor allem um Fragen von Ehre und Gewissen. Soll man sich an ein gegebenes Wort halten? Welchen Befehlshabern soll man folgen? Und wann soll man sich gegen unfähige Vorgesetzte auflehnen? Fragen, die Robert Wise nicht endgültig beantwortet. Und einige Antworten fallen ziemlich ernüchternd aus. So ist der auf den ersten Blick glänzende Held und kluge Südstaaten-Colonel Tucker doch eher ein biederer, von den Ereignissen getriebener Befehlsempfänger, der aus verschiedenen Gründen Chancen für eine Flucht und den Kampf gegen die verhassten Nordstaatler nicht nutzt. Sein Gegenspieler Kenniston ist ein Lügner und eine Gefahr für alle in dem Fort lebenden Menschen.

Gleichzeitig mäandert, eben weil die Konflikte eher angesprochen als ausgetragen werden, die Geschichte ziemlich planlos in netten Episoden vor sich hin und bis auf den großen Kampf gegen die Indianer am Filmende gibt es kaum Action. Stattdessen wird endlos geredet. Das ist dann nur mäßig unterhaltsam. Der ambitionierte Kavallerie-Western „Vorposten in Wildwest“ gehört sicher nicht zu Robert Wises besten Werken.

 

Wer war Robert Wise?

 

Wahrscheinlich hat jeder schon einige Filme von Robert Wise (10. September 1914 – 14. September 2005) gesehen und obwohl er einer der erfolgreichsten Regisseure Hollywoods war, ist er auch, obwohl er selbst zahlreiche prestigeträchtige Preise, unter anderem vier Oscars, erhielt und seine Filme durch mehrere Jahrzehnte hindurch mit Preisen überschüttet wurden, einer der unterschätztesten und unbekanntesten Regisseure. Denn eine Auteurschaft, wie seinen Kollegen Alfred Hitchcock, John Ford oder Howard Hawks, wurde ihm nie zugesprochen.

So schrieb John Russell Taylor: „Robert Wise zählt zu den erstaunlich vielseitigen Handwerkern Hollywoods, die sich jedem Genre mit Erfolg zuwenden können, stets eine sehr achtbare Arbeit abliefern und eine lange Reihe hervorragender Filme aufweisen, ohne in ihnen je ein persönliches Zeichen von sich zu hinterlassen zu haben – vielleicht hat Wise dies auch gar nicht versucht.“

Er schnitt für Orson Welles „Citizen Kane“ (1941) und „Der Glanz des Hauses Amberson“ (The magnificent Ambersons, 1942). Später inszenierte er den Boxfilm-Klassiker „Ring frei für Stoker Thompson“ (The Set-Up, 1949), den Science-Fiction-Klassiker „Der Tag, an dem die Erste stillstand“ (The Day the Earth stood still, 1951), das Boxer-Biopic „Eine Handvoll Dreck/Die Hölle ist in mir“ (Somebody up there likes me, 1956, mit Paul Newman), das Todesstrafe-Drama „Lasst mich leben“ (I want to live, 1958), das grandiose Heist-Movie „Wenig Chancen für morgen“ (Odds against tomorrow, 1959, mit Harry Belafonte), das mit zehn Oscars ausgezeichnete Musical „West Side Story“ (1961, unter anderem gab es einen Oscar für die Regie und den Oscar als bester Film), den Horrorfilmklassiker „Bis das Blut gefriert“ (The Haunting, 1963), den Science-Fiction-Klassiker „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ (The Andromeda Strain, 1971), den Katastrophenfilm „Die Hindenburg“ (The Hindenburg, 1975), den Horrorfilm „Audrey Rose – Das Mädchen aus dem Jenseits“ (Audrey Rose, 1977) und „Star Trek – Der Film“ (Star Trek – The Motion Picture, 1979).

Die zahlreichen Remakes von seinen Filmen sind durchgehend schlechter.

Vorposten in Wildwest - Blu-ray-Cover

Vorposten in Wildwest (Two Flags West, USA 1950)

Regie: Robert Wise

Drehbuch: Casey Robinson (nach einer Geschichte von Frank S. Nugent und Curtis Kenyon)

mit Joseph Cotten, Jeff Chandler, Linda Darnell, Cornel Wilde, Dale Robertson, Jay C. Flippen, Noah Beery

Blu-ray

Koch Media (Edition Western-Legenden #24)

Bild: 1.33:1 (4:3)

Ton: Deutsch (Original- und bearbeitete Synchronisation), Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0)

Untertitel: Deutsch (teilweise)

Bonusmaterial: Deutscher Trailer, Originaltrailer, Bildergalerie

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

AFI über „Vorposten in Wildwest“

Rotten Tomatoes über „Vorposten in Wildwest“

Turner Classic Movies über „Vorposten in Wildwest“

Wikipedia über „Vorposten in Wildwest“ und Robert Wise (deutsch, englisch)

Not the Baseball Pitcher über „Vorposten in Wildwest“

Lesetipp

Beier - Der unbestechliche Blick

Der unbestechliche Blick – Robert Wise und seine Filme“ von Lars-Olav Beier, mit einem Werkstattgespräch und vielen Bildern. Das 1996 bei Bertz (der Vorläufer von „Bertz + Fischer“) erschienene Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich.

 

 

 


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