Neu im Kino/Filmkritik: „Before I wake“ sollte ich einschlafen

November 11, 2016

Cody (Jacob Tremblay) hat Angst vor dem Einschlafen. Dabei hat der achtjährige Waisenknabe es gut erwischt. Nach dem Unfalltod ihres Kindes nehmen Jessie (Kate Bosworth) und Mark (Thomas Jane) Cody bei sich auf und sie bemühen sich wirklich, die Traumeltern zu sein, die sich jedes Kind wünscht.

Codys Einschlafunwille hat aber einen sehr nachvollziehbaren Grund: wenn er schläft, werden seine Träume Realität. Nicht immer eine unbedingt schöne Realität. Vor allem nachdem durch Codys Träume Jessies in der heimischen Badewanne ertrunkener Sohn zurückkehrt – und wir wissen alle, was für Probleme zurückkehrende Tote verursachen. Egal in welcher Form.

Bevor Mike Flanagan den gelungenen Sechziger-Jahre-Horrorfilm „Ouija: Ursprung des Bösen“, der vor einigen Tagen in unseren Kinos anlief, drehte, drehte er „Before I wake“, den er eine „Gute-Nacht-Geschichte für Erwachsene“ nennt. Das Drehbuch schrieb er mit seinem Standard-Schreibpartner Jeff Howard. Mit Kate Bosworth und Thomas Jane konnte er für die Hauptrollen auch zwei bekannte Namen verpflichten. Jacob Tremblay, der das Pflegekind spielt, ist bekannt aus „Raum“, wo er die männliche Hauptrolle spielt. Demnächst spielt er in dem Horrorfilm „Shut in“ neben Naomi Watts – und festigt seinen Ruf als Junge, den man nicht in sein Haus lassen sollte.

In „Before I wake“ geht die Bedrohung für das trauernde Ehepaar nämlich von ihm aus. Obwohl er selbst eine gequälte Seele ist. Die Idee von Träumen, die Realität werden, ist natürlich faszinierend, aber auch etwas idiotisch. Denn ohne Schlaf kann niemand lange leben. Aber jedes Mal, wenn Cody einschläft, werden seine Träume und Alpträume, die mehr oder weniger seine Träume sind, Realität. Und, ja, Träume haben in diesem Fall auch etwas mit Verdrängung zu tun.

Before I wake“ ist ein netter kleiner, nicht besonders spektakulärer oder länger im Gedächtnis bleibender Horrorfilm, der sich nicht auf den bekannten Schockmomenten ausruht. Die sind, weil Flanagan seinen Film auch eher als übernatürliches Drama sieht, rar. Stattdessen versucht er wirklich etwas über die Auswirkungen eines tragischen Unfalls – der Sohn von Jessie und Mark ertrinkt in der Badewanne, während Jessie einen kurzen Moment weg ist – auf eine glückliche, normale Familie zu zeigen. Gleichzeitig, was erst im Finale wirklich wichtig wird, hat Cody seine Eltern verloren. Im dritten Akt gibt es dann den erwartbaren Kampf der Mutter gegen das Monster.

before-i-wake-plakat

Before I wake (Before I wake, USA 2015)

Regie: Mike Flanagan

Drehbuch: Mike Flanagan, Jeff Howard

mit Kate Bosworth, Thomas Jane, Jacob Tremblay, Annabeth Gish

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Facebook-Seite  zum Film

Moviepilot über „Before I wake“

Metacritic über „Before I wake“

Rotten Tomatoes über „Before I wake“

Wikipedia über „Before I wake“

Meine Besprechung von Mike Flanagans „Ouija: Ursprung des Bösen“ (Ouija: Origin of Evil, USA 2016)

Ein „Collider“-Gespräch mit Mike Flanagan und seiner Frau und Partnerin Kate Siegel über „Ouija: Ursprung des Bösen“, „Before I wake“ und, vor allem, „Hush“


Neu im Kino/Filmkritik: „Ouija: Ursprung des Bösen“ – ein sehenswertes Prequel

Oktober 20, 2016

San Francisco, 1967: Alice Zander verdient als Medium ihr Geld und sie ist dabei nicht ehrlicher als Blanche Tyler in Alfred Hitchcocks „Familiengrab“. Ihre beiden Töchter, die neunjährige Doris und die fünfzehnjährige Paulina, helfen der alleinerziehenden Mutter bei ihrem Hokuspokus, den sie als Lebenshilfe verkauft. Immerhin sind ihre Kunden, nachdem sie bezahlt und die beruhigenden Stimmen aus dem Jenseits gehört haben, glücklicher.

Und wie in jedem Geschäft muss auch ab und an in die Ausrüstung investiert werden. Alice hält ein Ouija-Brett für eine gute Ergänzung bei ihren Geisterbeschwörungen.

Aber dieses Ouija-Brett entwickelt schnell ein unangenehmes Eigenleben. Doris ist besonders empfänglich dafür und schnell von einem besonders fiesen Geist besessen.

Zum Glück – oder habt er geglaubt es geht ohne? – interessiert der katholische Geistliche Pater Tom sich für Alice und ihre beiden Kinder.

Wenn die Tricks nicht wären, könnte man „Ouija: Ursprung des Bösen“ für einen verschollenen Horrorfilm aus den Sechzigern halten. Die Ausstattung ist liebevoll im damaligen Stil gehalten; wobei im lauschigen Zander-Haus die Einrichtung schon einige Jahre und Jahrzehnte älter ist. Schließlich richtet man seine Wohnung nicht alle paar Tage neu ein. Die Geschichte wird, wie es sich für einen Geisterhorrorfilm gehört, eher gemächlich bis zum großen Finale erzählt. So lernen wir die Hauptpersonen kennen und der Schrecken kann langsam sein Wirkung entfalten.

Lulu Wilson als vom Bösen besessene Doris, die dann mit ihrem ausdruckslosen Kindergesicht, den geweiteten Augen und der unemotionalen, vom Bösen besessenen Stimme einem nachhaltiger Angst einjagt als die auch irgendwann körperlich in Erscheinung tretenden bösen Geister. Das bemerkt auch Paulinas Freund.

Ouija: Ursprung des Bösen“ ist, – immerhin ist der Film in den USA PG-13 und auch in Deutschland war eine FSK-12-Freigabe beantragt -, eher ein sanfter Grusler, ein Geisterhorrorfilm mit wenig Blut, vielen Schreien und furchterregenden Geräuschen. Er ist auch das Prequel zu dem 2014er Horrorfilm „Ouija“, der an der Kinokasse sein bescheidenes Budget mehr als einspielte und von der Kritik gehasst wurde. Dabei kann der „Ursprung des Bösen“ kann ganz gut für sich alleine stehen als Geisterhorrrorfilm, der gelungen die bekannte Formel ausfüllt und dabei einige eigene Akzente setzt.

P. S.: Es gibt eine Post-Credit-Szene.

P. P. S.: Mike Flanagans bereits 2013 gedrehter, aufgrund diverser Probleme und Startterminverschiebungen erst 2016 der Öffentlichkeit gezeigter Horrorfilm „Before I wake“ läuft am 24. November in unseren Kinos an. Das Drehbuch schrieb er mit Jeff Howard.

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Ouija: Ursprung des Bösen (Ouija: Origin of Evil, USA 2016)

Regie: Mike Flanagan

Drehbuch: Mike Flanagan, Jeff Howard (nach dem Hasbro-Spiel Ouija)

mit Elizabeth Reaser, Annalise Basso, Lulu Wilson, Henry Thomas, Parker Mack, Sam Anderson, Halle Charlton, Alexis G. Zall, Kate Siegel

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Ouija: Ursprung des Bösen“

Metacritic über „Ouija: Ursprung des Bösen“

Rotten Tomatoes über „Ouija: Ursprung des Bösen“

Wikipedia über „Ouija: Ursprung des Bösen“

Ein „Collider“-Gespräch mit Mike Flanagan und seiner Frau und Partnerin Kate Siegel über „Ouija: Ursprung des Bösen“, „Before I wake“ und, vor allem, „Hush“


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