DVD-Kritik: Das Ende von „Orphan Black“

März 5, 2018

Als Sarah Manning vor fünf Jahren auf einem Bahnsteig den Suizid einer Frau beobachtete, klaute sie anschließend die Tasche der Toten. Sie will die Identität der Toten, die wie ihr Zwilling aussieht,annehmen und sich so aus ihrer desaströsen finanziellen Lage zu retten.

Das war der Auftakt zu der von John Fawcett und Graeme Manson erfundenen und, abgesehen von der zerfaserten dritten Staffel, durchgehend auf hohem Niveau erzählten Science-Fiction-Serie, „Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein“, die jetzt mit der fünften Staffel ihren würdigen und spannenden Abschluss findet.

Schnell fand Sarah Manning heraus, dass sie Teil eines Klon-Experiments ist, dass es noch weitere identische Klone gibt (die alles von Tatiana Maslany gespielt werden), dass dahinter der Konzern Dyad steckt und dass dieser über gute Kontakte zur Regierung, zur Polizei und zum Militär verfügt. Es gibt sogar eine Versuchsreihe mit männlichen Klonen, die hochgezüchtete Soldaten waren. Dieser Erzählstrang mit den männlichen Klonen in der dritten Staffel führte allerdings ins Nichts und wurde schnell fast vollständig fallengelassen.

Zusammen mit ihren Klon-Schwestern, ihrer Pflegemutter Mrs. S., die als Mitglied der „Birdwatchers“-Freiheitskämpfer immer noch über gute Kontakte zu einem Untergrund-Netzwerk verfügt, ihrem Pflegebruder Felix und einigen Freunden und Vertrauten, wie dem Polizisten Art Bell, versucht Sarah Manning in der SF-Serie herauszufinden, wer sie warum gemacht hat. Und sie kämpft um ihr Leben und ihre Identität. Denn wie kann sie eine eigenständige Person sein, wenn sie nur der identische Klon eines andere Klons ist?

Am Ende der vierten Staffel waren Sarah und Cosima (ihre Wissenschaftler-Klonschwester) auf einer malerischen Insel, auf der Percival Westmoreland leben soll. Sarah war schwer verletzt.

Westmoreland, der Gründer des Neolutionismus, hat, wie wir in der fünften Staffel erfahren, auf der Insel sein Reich errichtet. Wie Dr. Moreau experimentiert er an und mit Menschen. Er hat eine treue Gefolgschaft, die zu ihm auf die Insel gekommen sind. Sie wollen, wie er, ewig leben.

Die fünfte „Orphan Black“-Staffel schließt unmittelbar an die vierte Staffel an und bringt die Geschichte zu einem befriedigendem Ende. Auch wenn die große Verschwörung am Ende erstaunlich leicht aufgedeckt und die Verantwortlichen besiegt werden können. Und die Öffentlichkeit sich danach, was ich für sehr unglaubwürdig halte, nicht für die Klonschwestern und -brüder und die illegalen Klonexperimente von Westmoreland und dem Dyad-Konzern zu interessieren scheint.

Gelungen ist die Idee der Macher, in dieser Staffel in mehreren Episoden einzelne Klone und für die Serie wichtige Charaktere in den Mittelpunkt zu stellen. In diesen Episodengeschichte und den Rückblenden sehen wir, wie sehr sie sich in den vergangenen Staffeln veränderten und was für sie jetzt auf dem Spiel steht.

Durch diese Entscheidung steuert die finale Staffel nicht gradlinig auf das Finale zu, sondern sie nimmt sich viel Zeit und lässt einen noch einmal in die unterschiedlichen Welten der verschiedenen Charaktere eintauchen. Damit ist diese Staffel immer wieder sehr kontemplativ.

Zu dieser Stimmung passt auch die Entscheidung der Macher, die Serie nicht mit einer großen Konfrontation, einem Kampf, bei dem kein Stein mehr auf dem anderen bleibt, sondern mit einem langen gemeinsamen Abhängen der Klone und ihrer Familie im Garten von Soccer-Mum Alison Hendrix (die inzwischen auch etwas lockerer geworden ist), zu beenden. In dem Moment kann Tatiana Maslany in einer Szene in einem halben Dutzend Rollen brillieren.

Das Bonusmaterial der DVD besteht aus fünf Featurettes, die insgesamt gut siebzig Minuten dauern und sehr informativ auf die Hintergründe zu bestimmten Episoden eingehen. Mal sind es technische Fragen (wie die Szene, in der zwei Klone in einer ungeschnittenen Szene ihre Kleider tauschen), meistens werden aber bestimmte Aspekte der Geschichte erklärt. Und mehr kann ich über die Featurettes ohne massive Plot-Spoiler nicht sagen. Deshalb sollte das Bonusmaterial auch erst nach dem Genuss der Serie angesehen werden.

Orphan Black: Ein Klon ist niemals allein – Staffel 5 (Orphan Black, Kanada 2017

Regie: John Fawcett, David Wellington, Helen Shaver, Grant Harvey, David Frazee, Aaron Morton

Drehbuch: Graeme Manson, Jeremy Boxen, Alex Levine, Greg Nelson, Jenn Engels, David Bezmozgis, René St. Cyr, Aisha Porter-Christie

Erfinder: John Fawcett, Graeme Manson

Mit Tatiana Maslany (Sarah Manning/Alison Hendrix/Cosima Niehaus/Rachel Duncan/Helena), Jordan Gavaris (Felix ‚Fee‘ Dawkins), Kevin Hanchard (Detective Art Bell), Evelyne Brochu (Delphine Cormier), Maria Doyle Kennedy (Siobhán Sadler, aka Mrs. S), Ari Millen (Ira Blair), Skyler Wexler (Kira Manning), Kristian Bruun (Donnie Hendrix), James Frain (Ferdinand Chevalier), Rosemary Dunsmore (Susan Duncan), Lauren Hammersley (Adele), Josh Vokey (Scott Smith), Cynthia Galant (Junge Rachel Duncan/Charlotte Bowles), Matt Frewer (Dr. Aldous Leekie), Rosemary Dunsmore (Susan Duncan), Kyra Harper (Virginia Coady), Stephen McHattie (Percival ‚P. T.‘ Westmoreland/John Paterick Mathieson), Elyse Levesque (Detective Maddy Enger)

DVD

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch)

Bonusmaterial (67 Minuten): Island of lost souls, The epic clone shot, Clone-centric, The Beginning of the End, Out of the Black

Länge: 450 Minuten (10 x 45 Minuten) (3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

BBC über „Orphan Black“

BBC America über “Orphan Black”

Moviepilot über “Orphan Black”

Rotten Tomatoes über “Orphan Black” (bei Serien ist die Bewertung einfach zu positiv)

Wikipedia über „Orphan Black“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Orphan Black – Ein Klin ist niemals allein: Staffel 1“ (Orphan Black, Kanada 2013)

Meine Besprechung von „Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein: Staffel 2“ (Orphan Black, Kanada 2014)

Meine Besprechung von „Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein: Staffel 4“ (Orphan Black, Kanada 2016)

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