Neu im Kino/Filmkritik: Halloween für Kinder: „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“ für Kinder, für Erwachsene nicht so sehr

Oktober 26, 2018

Wardenclyffe, New York, ist eine beschauliche All-American-Kleinstadt, in der nie etwas passiert. Jedenfalls nichts schlimmes. Das ändert sich, als die beiden Schulfreunde Sonny und Sam, die ihr Taschengeld als „Junk Brothers“ mit Entrümpelungen aufbessern wollen, in einem alten, halb verfallenem Haus, das wie ein typisches Film-Geisterhaus aussieht, eine Kiste entdecken, das in ihr liegende Buch von R. L. Stine öffnen und so die Bauchredner-Puppe Slappy zum Leben erwecken.

Als erstes weist Slappy den Halbstarken Tommy und seine Freunde, die Sonny und Sam schikanieren, in die Schranken. Danach hätte Slappy gerne eine Familie und er denkt, dass Sonny, Sonnys Schwester Sarah und ihre alleinerziehende Mutter Kathy dafür geeignet sind. Die Begeisterung der Familie Quinn hält sich in Grenzen und Slappy macht sich an Halloween (!!!) auf den Weg, einige neue und alte, teils aus dem vorherigen „Gänsehaut“-Film, teils aus den „Gänsehaut“-Büchern bekannte Freunde zu finden. Mit diesen Monstern will er Halloween feiern.

Auch wenn der Titel „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“ einen vermuten lässt, dass es sich bei diesem Gruselfilm um die Fortsetzung von „Gänsehaut“ handelt, ist Ari Sandels Film das nicht. Jedenfalls nicht im engeren Sinn. Zwar hat Jack Black, der in „Gänsehaut“ herrlich miesepetrig R. L. Stine spielte, einen kurzen Auftritt. Aber mehr als ein langes Cameo ist das nicht. All die anderen menschlichen Charaktere aus „Gänsehaut“ treten in „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“ nicht auf. Drehbuch und Regie wurden von anderen Männern übernommen.

Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“ knüpft mit seiner extra für den Film erfundenen Geschichte eher an die erfolgreichen „Gänsehaut“-Bücher von R. L. Stine an. Es geht um Kinder und Jugendliche, die sich gegen Monster wehren müssen und die Kinderbücher sollen bei den jungen Lesern vor allem eine wohlige Gänsehaut verursachen. Wenn sie dann einige Jahre älter sind, können sie sich mit Stephen King gruseln.

So ist „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“ ein Gruselfilm für Kinder mit sympathischen Kindern, einer taffen großen Schwester, gruseligen, aber nicht zu gruseligen Monstern, einer kurzen Laufzeit und einer einfachen Geschichte, die für Erwachsene etwas zu einfach ist.

Dagegen ist „Gänsehaut“ in jeder Beziehung der bessere Film. Mit R. L. Stine als wichtigen Charakter wird auch mühelos über das Leben eines Schriftstellers und dem Verhältnis von Fiktion und Realität philosophiert, während die Genreregeln kundig und liebevoll bedient werden. Garniert mit einem wahren Best-of-Horrorfilm-Soundtrack von Danny Elfman. Nicht nur wegen ihm hat Rob Lettermans Film ein beständiges Tim-Burton-Feeling.

In Sandels Film fehlt das zugunsten eines, wie gesagt, Gruselfilms für Kinder, die hier etwas Gänsehaut und einen neuen Blick auf Gummibärchen bekommen.

Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween (Goosebumps 2: Haunted Halloween, USA 2018)

Regie: Ari Sandel

Drehbuch: Rob Lieber (nach einer Geschichte von Rob Lieber und Darren Lemke)

LV: „Gänsehaut“-Bücher von R. L. Stine

mit Wendi McLendon-Covey, Madison Iseman, Jeremy Ray Taylor, Caleel Harris, Chris Parnell, Ken Jeong, Avery Lee Jones, Bryce Cass, Peyton Wich, Jack Black, R. L. Stine (Cameo)

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (gerade so, eigentlich eher bis 12 Jahre)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“

Metacritic über „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“

Rotten Tomatoes über „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“

Wikipedia über „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“

Meine Besprechung von Rob Lettermans „Gänsehaut“ (Goosebumps, USA 2015)

Meine Besprechung von R. L. Stines Filmroman „Gänsehaut“ (Goosebumps, 2015)

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Neu im Kino/Filmkritik: Stephen Kings „Es“ – die Horrorversion von „Stand by me“

September 28, 2017

In den USA wird die neue Stephen-King-Verfilmung seit dem Kinostart von der Kritik abgefeiert, die Fans jubeln und an der Kinokasse ist „Es“ ein richtiger Blockbuster. Er hat an der US-Kinokasse das beste Einspielergebnis, das jemals eine Stephen-King-Verfilmung hatte. Weltweit ist „Es“ schon jetzt der nach seinem Einspiel erfolgreichste Horrorfilm. „Es“ hat bereits über 480 Millionen US-Dollar eingespielt und das ist, schon jetzt, mehr als ein verdammt gutes Ergebnis. Denn ein Ende ist noch nicht abzusehen.

Dabei ist die Geschichte auf den ersten Blick eine 08/15-Horrorgeschichte, die man schon hunderttausendmal gesehen hat: ein Dämon sucht eine Stadt heim und nur eine handvoll Menschen, denen niemand glaubt, können etwas dagegen tun.

Und die Vorlage, der Klassiker „Es“ von Stephen King, ist mit tausendfünfhundert Seiten so umfangreich geraten, dass man sofort Mitleid mit den Machern bekommt, die dieses Opus in zwei Kinostunden pressen sollen. Zuletzt, bei „Der dunkle Turm“, gelang das ja nicht so gut. Aber „Der dunkle Turm“ ist auch eine aus acht Romane bestehende, entsprechend umfangreiche Fantasy-Saga von Stephen King. „Es“ ist dagegen ein fast schon handlicher, auf zwei Zeitebenen (1958 und 1985) spielender Roman und die Macher entschlossen sich, einfach nur das halbe Buch zu verfilmen (ohne jetzt genau auf die Seiten zu achten). Das heißt: der Film spielt nur auf einer Zeitebene.

Außerdem verlegten sie die Geschichte von 1958 in das Jahr 1989. Das ist allerdings fast egal. Einerseits weil die Geschichte in einer dieser typischen, lauschigen Stephen-King-Kleinstädte spielt, die sich in den vergangenen Jahrzehnten kaum veränderten, andererseits weil die Welt für Elfjährige doch ziemlich gleich aussieht. Vor allem wenn sie gegen das Böse, verkörpert durch den Clown Pennywise, kämpfen müssen.

Und jetzt bin ich faul und zitiere die offizielle Synopse:

Im Mittelpunkt stehen sieben junge Außenseiter, die in dem Städtchen Derry in Maine aufwachsen – sie bezeichnen sich als Club der Loser. Aus dem einen oder anderen Grund sind sie alle ausgegrenzt worden, die Rowdys des Ortes haben sie ins Visier genommen…und alle haben erlebt, wie ihre innere Angst plötzlich real wurde als uralter, aggressiver Gestaltwandler, den sie einfach nur „Es“ nennen.

Seit es den Ort gibt, ist Derry immer schon das Jagdrevier dieses Monsters gewesen: Alle 27 Jahre steigt es aus der Kanalisation herauf, um sich vom Schrecken seiner bevorzugten Beute zu ernähren: nämlich den Kindern von Derry. Innerhalb eines ebenso grauenhaften wie mitreißenden Sommers tun sich die Loser zusammen und bilden eine unverbrüchliche Gemeinschaft, um so ihre eigene Angst zu überwinden und den mörderischen Amoklauf zu beenden, der an einem Regentag begonnen hat: Ein kleiner Junge rannte seinem Papierschiffchen hinterher, das in einen Gully gespült wurde, … und geriet so in die Fänge des Clowns Pennywise.“

Dieser Junge ist der jüngere Bruder von Bill Denbrough (Jaeden Lieberher), der so etwas wie der Anführer dieses Clubs der Verlierer ist und der Monate später immer noch hofft, seinen verschwundenen Bruder George zu finden, während weitere Kinder verschwinden. Den Erwachsenen, die in „Es“ nur eine Nebenrolle, irgendwo zwischen Cameo und Minirolle, haben, ist das Verschwinden der Kinder egal. Sie sind passive Nebenfiguren oder, mehr oder weniger unwissentliche Helfer von dem Bösen, das bevorzugt in der Gestalt eines Clowns auftaucht.

Im Mittelpunkt des Films stehen nämlich die Kinder, gespielt von Jaeden Lieberher, Jeremy Ray Taylor, Finn Wolfhard, Chosen Jacobs, Jack Dylan Grazer, Wyatt Oleff und Sophia Lillis (die Entdeckung des Films, obwohl auch die anderen Kinderdarsteller überzeugen), ihre Probleme, Gefühle und Sehnsüchte. Diese Konzentration auf sie ist eine der großen Stärken des Films.

Regisseur Andy Muschietti („Mama“) erzählt die Geschichte aus ihrer Perspektive, während der langen Sommerferien, in denen sie in Derry, dem Dorf, das ihre Welt ist, festsitzen und noch Kinder sind. Mehr vor der Pubertät als an der Schwelle zur Pubertät. Sie sind in dem Alter, in dem sie nicht mehr an das Monster unter dem Bett glauben, aber in der Kanalisation könnte eines seines.

Von seiner Stimmung und seinen Bildern erinnert „Es“ immer wieder, vor allem weil der halbstarke, sie herumstoßende Henry Bowers (Nicholas Hamilton) wie ein Wiedergänger von John ‚Ace‘ Merrill (Kiefer Sutherland) aussieht, an „Stand by me“. In dieser, ebenfalls sehr gelungenen Stephen-King-Verfilmung, sucht eine Gruppe Zwölfjähriger im Sommer 1959 die Leiche eines spurlos verschwundenen Gleichaltrigen.

Eine andere Stärke des Horrofilms ist natürlich der von Bill Skarsgård gespielte Pennywise, ein überhaupt nicht netter Clown, der in der Kanalisation lebt, alle 27 Jahre auftaucht und Kinder tötet.

Ohne die makellose, elegante Inszenierung von Andy Muschietti, der gekonnt an der Spannungsschraube dreht und uns in die Welt des selbsternannten Clubs der Verlierer (Hey, das sind wir Leseratten!) eintauchen lässt, wäre das alles höchstens ein laues Sommerlüftchen.

Diese Beschränkung auf den Kampf des Clubs der Verlierer gegen das Böse Es führt dann dazu, dass „Es“ wunderbar als in sich abgeschlossener Einzelfilm funktioniert.

Die Fortsetzung, die 27 Jahre später spielen wird und die andere Hälfte des Romans enthält, spielt dann in der Gegenwart und sie läuft am 6. September 2019 in den US-Kinos an. In einem Interview meinte Muschietti, dass sie auch einige Rückblenden enthalten solle, die natürlich gedreht werden müssen, bevor die Kinder zu alt werden.

Bis dahin kann man dann auch den Roman nochmal (?) lesen.

Es (It, USA 2017)

Regie: Andy Muschietti (eigentlich Andres Muschietti)

Drehbuch: Chase Palmer, Cary Fukunaga, Gary Dauberman

LV: Stephen King: It, 1986 (Es)

mit Jaeden Lieberher, Jeremy Ray Taylor, Sophia Lillis, Finn Wolfhard, Chosen Jacobs, Jack Dylan Grazer, Wyatt Oleff, Bill Skarsgård, Nicholas Hamilton, Jake Sim, Logan Thompson, Owen Teague, Jackson Robert Scott, Stephen Bogaert, Stuart Hughes

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Es von Stephen King

in der ungekürzten Übersetzung und daher bestens geeignet für lange Flüge, lange Winterabende ohne die doofe Verwandtschaft, ausgedehnte Strandurlaube ohne die Liebsten und Zugfahrten mit den üblichen, niemals angekündigten, mental fest eingeplanten Verspätungen.

Zum Filmstart spendiert der Verlag ein neues Titelbild.

Stephen King: Es

(übersetzt von Alexandra von Reinhardt und Joachim Körber, bearbeitet und teilweise neu übersetzt von Anja Heppelmann)

Heyne, 2017 (Movie Tie-In)

1536 Seiten

14,99 Euro

Erstausgabe der ungekürzten Übersetzung: 2011

Ältere Ausgaben enthalten eine gekürzte Übersetzung.

Originalausgabe

It

Viking, 1986

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film (dein Kinoticket)

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Es“

Metacritic über „Es“

Rotten Tomatoes über „Es“

Wikipedia über „Es“ (deutsch, englisch) und Stephen King (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis „Mama“ (Mama, Spanien/Kanada 2012)

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung “Carrie” (Carrie, USA 2013)

Meine Besprechung von Tod Williams‘ Stephen-King-Verfilmung „Puls“ (Cell, USA 2016)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Der dunkle Turm: Schwar“ (The Dark Tower: The Gunslinger, 1982) und von Nikolaj Arcels Romanverfilmung „Der dunkle Turm“ (The dark Tower, USA 2017)


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