Neu im Kino/Filmkritik: Ein Treffen mit vielen alten Bekannten in „Zombieland: Doppelt hält besser“

November 9, 2019

Mit dieser Fortsetzung hat keiner mehr wirklich gerechnet. Vor zehn Jahren, so ungefähr auf dem Höhepunkt der Zombiewelle, war „Zombieland“ eine Überraschung. Da wurden gleichzeitig die Regeln der Zombiefilme befolgt und durch den Kakao gezogen. Von einem spielfreudigen Ensemble und mit mehr als einer Portion schlagkräftigem Humor und kunstvoll über die Leinwand spritzender Zombiehirne. Der Film kam bei den Horrorfans gut an. Schnell wurde über eine Fortsetzung gesprochen. Und jetzt ist sie da. Wieder geschrieben von Rhett Reese und Paul Wernick, wieder inszeniert von Ruben Fleischer und wieder mit Jesse Eisenberg als Columbus, Woody Harrelson als Tallahassee, Emma Stone als Wichita und Abigail Breslin als Little Rock. Sogar Bill Murray, der im ersten Teil als Bill Murray das Zeitliche segnete, ist in „Zombieland: Doppelt hält besser“ wieder dabei. Und einige bemerkenswerte Neuzugänge mit unterschiedlich kurzen Lebenserwartungen.

Nachdem Columbus, Tallahassee, Wichita und Little Rock sich im Weißen Haus eingerichtet haben, beginnen sie ein fast schon normales WG-Leben. Als Columbus der auf ihre Unabhängigkeit bedachten Wichita einen Heiratsantrag macht, verlässt sie empört das Weiße Haus. Ihre jüngere Schwester Little Rock, die endlich gerne andere Männer kennen lernen möchte, ist selbstverständlich dabei.

In einer Shopping-Mall trifft der todunglückliche Columbus auf die auch für eine Klischeeblondine extrem nervige und dumme Madison (Zoey Deutch), die ihn am liebsten sofort vernaschen würde. Schließlich gibt es nach der Zombieapokalypse nicht mehr viele Männer.

Als Wichita ins Weiße Haus zurückkehrt, erwischt sie die beiden Turteltauben und der eh schon schief hängende Haussegen hängt noch schiefer. Sie wollte Columbus und Tallahassee um Hilfe bei der Suche nach ihrer Schwester bitten. Jetzt würde sie Columbus am liebsten umbringen. Und dann noch einmal umbringen.

Um Little Rock vor herumstreunenden Zombies und falschen Liebhabern zu retten, entschließen sie sich, gemeinsam aufzubrechen. Letztendlich sind sie doch eine Familie.

Auf ihrer mit Zombieattacken, Beziehungsproblemen und kleinen Gemeinheiten gepflasterten Reise in Richtung Graceland und später Babylon treffen sie Nevada (Rosario Dawson), die ein Elvis-Presley-Motel bewohnt, Nevads Mitbewohner Flagstaff (Thomas Middleditch) und Albuquerque (Luke Wilson), die Zwillinge von Columbus und Tallahassee sein könnten, Berkeley (Avan Jogia), ein singender Pazifist, der gegenüber Little Rock Bob Dylans Verse als die eigenen ausgibt und viele Zombies, mit teils neuen Fähigkeiten und treffenden Namen, wie Homer und T-800. Selbstverständlich endet alles mit einem großen Kampf zwischen Menschen und Zombies.

Zombieland: Doppelt hält besser“ wiederholt, mit einigen neuen Figuren und neuen Zombies, „Zombieland“ und vermeidet dabei die üblichen Fortsetzungsfallen. Weder wird der erste Film mit mehr Explosionen und Gewalt noch einmal inszeniert, noch wird sich an einer vollkommen neuen Geschichte versucht, die all das ignoriert, was den ersten Teil zu einem Erfolg machte. So erzählt „Zombieland: Doppelt hält besser“ eine sehr vertraute Geschichte mit einigen netten Variationen. Dafür nehmen die Macher sich mehr Zeit als beim ersten Film und es gibt Szenen im und am Ende des Abspanns.

Zombieland: Doppelt hält besser (Zombieland: Double Tap, USA 2019

Regie: Ruben Fleischer

Drehbuch: Rhett Reese, Paul Wernick

mit Woody Harrelson, Jesse Eisenberg, Emma Stone, Abigail Breslin, Rosario Dawson, Zoey Deutch, Avan Jogia, Luke Wilson, Thomas Middleditch, Bill Murray

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Zombieland: Doppelt hält besser“

Metacritic über „Zombieland: Doppelt hält besser“

Rotten Tomatoes über „Zombieland: Doppelt hält besser“

Wikipedia über „Zombieland: Doppelt hält besser“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ruben Fleischers „Venom“ (Venom, USA 2018)


TV-Tipp für den 23. März: American Ultra

März 23, 2018

RTL II, 22.50

American Ultra (American Ultra, USA 2015)

Regie: Nima Nourizadeh

Drehbuch: Max Landis

Mike lebt dauerbekifft und wunschlos glücklich mit seiner Freundin Phoebe in einer Kleinstadt. Das friedliche Leben endet, als eine Frau wirres Zeug zu ihm sagt und zwei Männer an seinem Auto herumfummeln. Mit der Hilfe von einem Kaffeebecher und einem Plastiklöffel bringt er sie um. Kurz darauf wimmelt es in der Kleinstadt von schießwütigen CIA-Agenten, die Mike aufgrund seiner Vergangenheit als gemeingefährliche Killermaschine umbringen wollen. Aber Mike hat nichts verlernt und einiges neues gelernt.

Herrlich abgefahrene, brutal durchgeknallte Kiffer-Actionkomödie.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jesse Eisenberg, Kristen Stewart, Topher Grace, Connie Britton, Walton Goggins, John Leguizamo, Bill Pullman, Tony Hale, Stuart Greer

Wiederholung: Samstag, 24. März, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
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Film-Zeit über „American Ultra“
Moviepilot über „American Ultra“
Metacritic über „American Ultra“
Rotten Tomatoes über „American Ultra“
Wikipedia über „American Ultra“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Nima Nourizadeh „American Ultra“ (American Ultra, USA 2015)


TV-Tipp für den 7. Oktober: Night Moves

Oktober 6, 2017

One, 21.45
Night Moves (Night Moves, USA 2013)
Regie: Kelly Reichardt
Drehbuch: Jon Raymond, Kelly Reichardt
Drei junge Öko-Aktivisten wollen einen Staudamm sprengen.
Insgesamt sehenswerter Arthaus-Thriller, der gelungen die gängigen Thrillerkonventionen unterläuft und ein Nicht-Hollywood-Bild von den USA zeichnet.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Jesse Eisenberg, Dakota Fanning, Peter Sarsgaard, Alia Shawkat, Logan Miller, Kai Lennox, Katherine Waterston, James Le Gros

Wiederholung: Montag, 9. Oktober, 03.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Night Moves“

Moviepilot über „Night Moves“

Metacritic über „Night Moves“

Rotten Tomatoes über „Night Moves“

Wikipedia über „Night Moves“ 

Meine Besprechung von Kelly Reichardts “Night Moves” (Night Moves, USA 2013 – mit zahlreichen O-Tönen von Kelly Reichardt und den Schauspielern)

Meine Besprechung von Kelly Reichardts „Night Moves“ (Night Moves, USA 2013 – zur DVD-Veröffentlichung)

Meine Besprechung von Kelly Reichardts „Certain Women“ (Certain Women, USA 2016)


DVD-Kritik: Zauberhaft. „Die Unfassbaren 2 – Now you see me“ im Heimkino

Februar 15, 2017

Inzwischen ist Jon M. Chus „Die Unfassbaren 2 – Now you see me“ auf DVD und Blu-Ray und 4K Ultra HD (wer’s braucht) erschienen und das Bonusmaterial gesichtet. Zum Kinostart des Films schrieb ich (bereinigt um ein, zwei Dusselfehler):

Wie bei dem ebenfalls heute anlaufendem Jason-Statham-Actionfilm „Mechanic: Resurrection“ hat auch bei der Caper-Komödie „Die Unfassbaren“ niemand wirklich eine Fortsetzung erwartet. Denn die Geschichte der Illusionisten „The Four Horsemen“ war erzählt. Sie verwirklichten, im Auftrag von Dylan Rhodes, einen ziemlich elaborierten Racheplan, der natürlich auch deshalb so elaboriert war, um möglichst gut von den wahren Absichten abzulenken und bei dem, wie es sich für einen guten Zauberertrick gehört, fast alles schon vorher geplant war. Die starbesetzte Krimikomödie war ein großer Spaß und das Einspielergebnis war mit weltweit über 350 Millionen Dollar so überzeugend, dass es jetzt die Fortsetzung gibt, die genau daran leidet, dass die Geschichte fertig erzählt war.

Für die Fortsetzung mussten die Macher nun überlegen, wie sie die „Four Horsemen“, die irgendwo zwischen Ruhestand und Shows auf den großen Las-Vegas-Showbühnen leben könnten, wieder zurück bringen: ob sie zu einer „Ocean’s Eleven“-Verbrecherbande werden oder ob sie ihre Fähigkeiten als moderne Robin Hoods, sozusagen als „Leverage“-Team mit Zaubershow, einsetzen.

Mit Ach und Krach entschlossen sich die Macher für eine Mischung aus komplettem Neuanfang und Weitererzählung der Geschichte von „Die Unfassbaren“, weil jetzt die inhaftierten und blamierten Bösewichter des ersten Teils sich rächen wollen und die „Four Horsemen“ in Richtung Verbrechensbekämpfung auf der großen Showbühne gehen, während Dylan Rhodes (Mark Ruffalo) noch immer beim FBI arbeitet und dort fanatisch jede Spur der spurlos verschwundenen Illusionisten verfolgt. Seine Kollegen zweifeln zwar an seinem Verstand, aber so kann er die spurlos verschwundenen „Four Horsemen“ am besten schützen. Denn er ist der Kopf der „Four Horsemen“ und Mitglied des Magier-Geheimbundes „Das Auge“.

Während einer Produktpräsentation geht ein arg amateurhafter Überraschungsauftritt der „Four Horsemen“, bei dem sie die schändlichen Absichten des Veranstalters der Welt verraten wollen, gründlich schief. Die tapferen vier Reiter, bestehend aus Illusionist J. Daniel Atlas (Jesse Eisenberg), Mentalist Merritt McKinney (Woody Harrelson), Kartentrickser Jack Wilder (Dave Franco) und Neuzugang Lula (Lizzy Caplan), die sich zur Begrüßung schon einmal selbst enthauptet, müssen untertauchen.

Sie alle reisen, mehr oder weniger freiwillig, nach Macau, wo Walter Mabry (Daniel Radcliffe) sie in seinem Penthouse empfängt. Für den zurückgezogen lebenden Milliardär sollen sie einen unvorstellbar leistungsfähigen Computerchip/-software (der MacGuffin des 21. Jahrhunderts) stehlen. Die fünf Illusionisten sind einverstanden. Allerdings wissen sie nicht, dass Mabry der Sohn von Arthur Tressler (Michael Caine), dem Bösewicht des vorherigen Films, ist und Mabry und Tressler sich an ihnen für die damaligen Ereignisse rächen wollen.

Außerdem kann Thaddeus Bradley (Morgan Freeman), der ebenfalls aus „Die Unfassbaren“ bekannte, jetzt inhaftierte Berufsenttarner von Zauberertricks, aus dem Gefängnis entkommen.

Während in „Die Unfassbaren“ noch viel Zeit auf die Tricks der Illusionisten und deren Erklärung verwandt wurde, spielen sie in „Die Unfassbaren 2“ eigentlich keine Rolle mehr. Die meisten Tricks sind so elaboriert und groß, dass die Macher auf jede Erklärung verzichten. Es wäre ihnen auch nicht gelungen. Für den Rest gibt es dann gut versteckte Falltüren und Kartentricks, die keiner Erklärung bedürfen.

Stattdessen konzentriert Regisseur Jon M. Chu sich auf die Action und die Drehbuchautoren Peter Chiarelli und Ed Solomon, einer der Autoren des ersten Films, schrieben eine Geschichte, die in der Tradition der klassischen Pulp-Geschichten und B-Pictures aus den Dreißigern und Vierzigern, wie den „Mr. Moto“-Filmen mit Peter Lorre, steht. Immer wenn es nicht weiter geht, gibt es eine ausgewalzte Actionszene, immer wieder taucht plötzlich jemand aus dem Nichts auf, immer wieder gibt es, wenn man sich gerade in eine erzählerische Sackgasse manövrierte, eine Erklärung, die alle vorherigen Ereignisse auf den Kopf stellt, und es passiert so viel so schnell, dass man über die Geschichte nicht weiter nachdenkt. Denn aus den einzelnen Szenen ergibt sich keine wirklich sinnvolle Geschichte.

Die Action inszenierte Jon M. Chu, der vorher vor allem die „Step Up“-Tanzfilme und das kindische Actiondesaster „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ (USA/Kanada 2013) inszenierte, in „Die Unfassbaren 2“ nachvollziehbar, mit weniger Schnitten als in „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ und, wenn unsere Helden gerade einen komplizierten Diebstahl aus einem bestens bewachtem Gebäude unter den wachsamen Augen des Sicherheitspersonals durchführen, mit viel Slo-Mo, wie einen Tanz. Das bringt die Handlung zwar genauso wenig voran wie eine Fred-Astaire-Tanznummer in einem Musical, aber das Auge (vielleicht auch „Das Auge“) verfolgt entzückt die überaus komplizierte Aktion, während das Hirn anmerkt, dass die Zauberer auch leichter und schneller an ihr Ziel kommen könnten.

Als gut gemachte, durchaus familienfreundliche Samstagabendunterhaltung mit gut aufgelegten Schauspielern (und Woody Harrelson in einer Doppelrolle) im Stil eines Vierziger-Jahre-B-Pictures funktioniert „Die Unfassbaren 2“ gut.

Es ist aber auch ein Film, der gerade die besonderen Aspekte des ersten Films – die Tricks der Illusionisten und der große Plan, in dem alles miteinander zusammenhängt (wobei ich immer noch glaube, dass der Plan bei einer genaueren Betrachtung schneller als ein Soufflé in sich zusammenfällt) – zugunsten einer 08/15-Gaunergeschichte links liegen lässt, die noch nicht einmal versucht, die Szenen in eine kohärente Geschichte oder einen großen Zauberertrick, der sich erst am Ende enthüllt, einzufügen.

Schon vor dem US-Kinostart wurde ein dritter „Die Unfassbaren“-Film angekündigt, bei dem Jon M. Chu wieder die Regie übernehmen soll. Über den Plot und die Besetzung ist noch nichts bekannt.

 

Daran hat sich immer noch nichts geändert. Der dritte „Die Unfassbaren“-Film ist für 2019 angekündigt. Weil das Einspielergebnis des zweiten Teils sich mit 334 Millionen Dollar weltweitem Einspiel kaum vom ersten Teil unterscheidet und das Ensemble seinen Spaß hatte, dürfte es dabei bleiben.

Das Bonusmaterial der Blu-ray ist mit einem Audiokommentar und drei Featurettes, die insgesamt eine gute Stunde dauern, umfangreicher als bei der DVD ausgefallen. Die hat nur das viertelstündige Featurette „Guck genau hin!“. Die Featurettes geben einen kurzweiligen Einblick in verschiedene Aspekte des Films und der Dreharbeiten. Jon M. Chus Audiokommentar ist informativ, konzentriert sich aber zu sehr auf Erklärungen über die Drehorte und wie sehr er die verschiedenen Schauspieler bewundert. Interessant sind seine Hinweise auf verschiedene Kürzungen (und warum die Szenen gekürzt wurden) und wie viel von den Tricks der „Four Horseman“ echt ist. Um uns zu zeigen, dass die Schauspieler die Tricks beherrschten und live präsentierten, schnitt er in diesen Szenen sehr wenig.

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Die Unfassbaren 2 – Now you see me (Now you see me 2, USA 2016)

Regie: Jon M. Chu

Drehbuch: Ed Solomon, Peter Chiarelli

mit Jesse Eisenberg, Mark Rufallo, Woody Harrelson, Dave Franco, Daniel Radcliffe, Lizzy Caplan, Jay Chou, Sanaa Lathan, Michael Caine, Morgan Freeman

Blu-ray

Concorde Home

Bild: 1080p HD 2,40:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 7.1, Dolby Digital 2.0), Englisch (DTS-HD Master Audio 7.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Magie von Cast und Crew, Guck genau hin!, Hier kommt Magie, Audiokommentar von Regisseur Jon M. Chu, Deutscher und Original-Kinotrailer, Wendecover

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Unfassbaren 2“

Metacritic über „Die Unfassbaren 2“

Rotten Tomatoes über „Die Unfassbaren 2“

Wikipedia über „Die Unfassbaren 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Louis Letteriers „Die Unfassbaren – Now you see me“ (Now you see me, USA 2013) und der DVD

Meine Besprechung von Jon M. Chus „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ (G.I. Joe: Retaliation, USA/Kanada 2013)

Meine Besprechung von Jon M. Chus „Die Unfassbaren 2 – Now you see me“ (Now you see me 2, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Besuchen Sie mit Woody Allen das „Café Society“

November 10, 2016

Der jährliche Woody-Allen-Film entführt uns wieder einmal in die Dreißiger Jahre an die Ost- und Westküste, nach Hollywood und in einen New Yorker Nachtclub, in dem sich die bessere Gesellschaft trifft.

Aber zuerst muss Bobby Dorfman (Jesse Eisenberg als Woody Allen) nach Los Angeles. Der jüdische Junge will nicht im Geschäft seines Vaters arbeiten. Weil die Dorfmans mit Phil Stern (Steve Carell) einen erfolgreichen Hollywood-Agenten in der Familie haben, gibt es auch gleich familiäre Beziehungen, die ausgenutzt werden können. Onkel Phil soll sich um Bobby kümmern. Und wie das so ist mit lästigen Verwandten, hat der großkotzige Agent keine Zeit für das entfernte Familienmitglied. Also lässt er ihn von seiner Sekretärin Vonnie (Kristen Stewart) durch Hollywood kutschieren. Dabei verlieben sich die beiden.

Dummerweise ist Vonnie auch mit Onkel Phil liiert und dieser überlegt jetzt ernsthaft, seine Frau für die Geliebte zu verlassen.

Dieses Liebesgeschichte steht zwar einerseits so halbwegs im Zentrum von „Café Society“, andererseits erzählt der Film, den Woody Allen nach eigenem Bekunden wie einen Roman strukturierte, vor allem ein Jahr aus dem Leben von Bobby, ergänzt um zahlreiche Episoden aus dem Leben seiner Familienmitglieder. Diese Episoden sind durchaus vergnüglich. Oft als Gags. Aber sie bringen den Hauptplot nicht voran. Und auch der Hauptplot ist eher eine Nebensache.

In der Filmmitte beginnt eine vollkommen neue Geschichte, die im Gegensatz zur Hollywood-Filmhälfte lustlos, ziellos und unkonzentriert heruntergespult wird. Bobby zieht zurück nach New York. Er betreibt, was für Ärger sorgen wird, zusammen mit seinem Verbrecher-Bruder einen Nachtclub, verliebt sich in eine andere Frau (Blake Lively) und heiratet sie. Erst als Phil mit seiner neuen Frau im Nachtclub wieder auftaucht, trifft Bobby seine erste Liebe wieder. Beide haben wir, während wir uns fragte, wie die Geschichte enden soll, nicht wirklich vermisst. Aber dann ist Silvester und das Jahr und der Film sind um, ohne dass wir klüger sind. Auch wenn die letzten Bilder eine bestimmte Interpretation nahe legen, hat das abrupte Ende von „Café Society“ nicht die Eleganz des Endes von „Match Point“. Und auch nie dessen erzählerische Stringenz und Eleganz.

Denn „Café Society“ ist ein Desaster. Da helfen auch nicht die stilbewusste Ausstattung, die schönen Hollywood-Locations, fein fotografiert von Vittorio Storaro, der beschwingte Jazz-Soundtrack, und die sympathischen, engagiert spielenden Schauspieler; auch wenn Steve Carell einfach nur wieder den bösen Kapitalisten spielt. Es hilft nicht, weil das Drehbuch einfach nur, zusammengehalten durch einen Erzähler (im Original von Woody Allen gesprochen), Episoden aneinanderreiht. Oft mit dem bekannten Allen-Witz, aber auch vollkommen beliebig austauschbar. Man hätte auch locker die Hälfte der Szenen durch andere Szenen ersetzen können, ohne dass man es bemerken würde. Eisenberg als Woody-Allen-Imitator wird von Szene zu Szene geschoben, ohne dass jemals klar wird, was er den will. Naja, eigentlich will er nichts. Weder in Hollywood, noch in New York. Dabei wiederholt Allen seine vertrauten Themen, die er in früheren Filmen deutlich besser behandelte als in dieser redundanten Abfilmung seiner Notizzettel.

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Café Society (Café Society, USA 2016)

Regie: Woody Allen

Drehbuch: Woody Allen

mit Jesse Eisenberg, Jeannie Berlin, Steve Carell, Blake Lively, Parker Posey, Kristen Stewart, Corey Stoll, Ken Stott

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Café Society“

Metacritic über „Café Society“

Rotten Tomatoes über „Café Society“

Wikipedia über „Café Society“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)

Meine Besprechung von Woody Allens “Magic in the Moonlight” (Magic in the Moonlight, USA 2014)

Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)

Meine Besprechung von Woody Allens “Irrational Man” (Irrational Man, USA 2015)

Woody Allen in der Kriminalakte  


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Unfassbaren 2 – Now you see me“ im Rückspiel

August 25, 2016

Wie bei dem ebenfalls heute anlaufendem Jason-Statham-Actionfilm „Mechanic: Resurrection“ hat auch bei der Caper-Komödie „Die Unfassbaren“ niemand wirklich eine Fortsetzung erwartet. Denn die Geschichte der Illusionisten „The Four Horsemen“ war erzählt. Sie verwirklichten, im Auftrag von Dylan Rhodes, einen ziemlich elaborierten Racheplan, der natürlich auch deshalb so elaboriert war, um möglichst gut von den wahren Absichten abzulenken und bei dem, wie es sich für einen guten Zauberertrick gehört, fast alles schon vorher geplant war. Die starbesetzte Krimikomödie war ein großer Spaß und das Einspielergebnis waren mit weltweit über 350 Millionen Dollar so überzeugend, dass es jetzt die Fortsetzung gibt, die genau daran leidet, dass die Geschichte fertig erzählt war.

Für die Fortsetzung mussten die Macher nun überlegen, wie sie die „Four Horsemen“, die irgendwo zwischen Ruhestand und Shows auf den großen Las-Vegas-Showbühnen leben könnten, wieder zurück bringen: ob sie zu einer „Ocean’s Eleven“-Verbrecherbande werden oder ob sie ihre Fähigkeiten als moderne Robin Hoods, sozusagen als „Leverage“-Team mit Zaubershow, einsetzen.

Mit Ach und Krach entschlossen sich die Macher für eine Mischung aus komplettem Neuanfang und Weitererzählung der Geschichte von „Die Unfassbaren“, weil jetzt die inhaftierten und blamierten Bösewichter des ersten Teils sich rächen wollen und die „Four Horsemen“ in Richtung Verbrechensbekämpfung auf der großen Showbühne gehen, während Dylan Rhodes (Mark Ruffalo) noch immer beim FBI arbeitet und dort fanatisch jede Spur der spurlos verschwundenen Illusionisten verfolgt. Seine Kollegen zweifeln zwar an seinem Verstand, aber so kann er die spurlos verschwundenen „Four Horsemen“ am besten schützen. Denn er ist der Kopf der „Four Horsemen“ und Mitglied des Magier-Geheimbundes „Das Auge“.

Während einer Produktpräsentation geht ein arg amateurhafter Überraschungsauftritt der „Four Horsemen“, bei dem sie die schändlichen Absichten des Veranstalters der Welt verraten wollen, gründlich schief. Die tapferen vier Reiter, bestehend aus Illusionist J. Daniel Atlas (Jesse Eisenberg), Mentalist Merritt McKinney (Woody Harrelson), Kartentrickser Jack Wilder (Dave Franco) und Neuzugang Lula (Lizzy Caplan), die sich zur Begrüßung schon einmal selbst enthauptet, müssen untertauchen.

Sie alle reisen, mehr oder weniger freiwillig, nach Macau, wo Walter Mabry (Daniel Radcliffe) sie in seinem Penthouse empfängt. Für den zurückgezogen lebenden Milliardär sollen sie einen unvorstellbar leistungsfähigen Computerchip/-software (der MacGuffin des 21. Jahrhunderts) stehlen. Die fünf Illusionisten sind einverstanden. Allerdings wissen sie nicht, dass Mabry der Sohn von Arthur Tressler (Michael Caine), dem Bösewicht des vorherigen Films, ist und Mabry und Tressler sich an ihnen für die damaligen Ereignisse rächen wollen.

Außerdem kann Thaddeus Bradley (Morgan Freeman), der ebenfalls aus „Die Unfassbaren“ bekannte, jetzt inhaftierte Berufsenttarner von Zauberertricks, aus dem Gefängnis entkommen.

Während in „Die Unfassbaren“ noch viel Zeit auf die Tricks der Illusionisten und deren Erklärung verwandt wurde, spielen sie in „Die Unfassbaren 2“ eigentlich keine Rolle mehr. Die meisten Tricks so elaboriert und groß, dass die Macher auf jede Erklärung verzichten. Es wäre ihnen auch nicht gelungen. Für den Rest gibt es dann gut versteckte Falltüren und Kartentricks, die keiner Erklärung bedürfen.

Stattdessen konzentriert Regisseur Jon M. Chu sich auf die Action und die Drehbuchautoren Peter Chiarelli und Ed Solomon, einer der Autoren des ersten Films, schrieben eine Geschichte, die in der Tradition der klassischen Pulp-Geschichten und B-Pictures aus den Dreißigern und Vierzigern, wie den „Mr. Moto“-Filmen mit Peter Lorre, steht. Immer wenn es nicht weiter geht, gibt es eine ausgewalzte Actionszene, immer wieder taucht plötzlich jemand aus dem Nichts auf, immer wieder gibt es, wenn man sich geade in eine erzählerische Sackgasse manövrierte, eine Erklärung, die alle vorherigen Ereignisse auf den Kopf stellt, und es passiert so viel so schnell, dass man über die Geschichte nicht weiter nachdenkt. Denn aus den einzelnen Szenen ergibt sich keine wirklich sinnvolle Geschichte.

Die Action inszenierte Jon M. Chu, der vorher vor allem die „Step Up“-Tanzfilme und das kindische Actiondesaster „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ (USA/Kanada 2013) inszenierte, in „Die Unfassbaren 2“ nachvollziehbar, mit weniger Schnitten als in „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ und, wenn unsere Helden gerade einen komplizierten Diebstahl aus einem bestens bewachtem Gebäude unter den wachsamen Augen des Sicherheitspersonals durchführen, mit viel Slo-Mo, wie einen Tanz. Das bringt die Handlung zwar genauso wenig voran wie ein Fred-Astaire-Tanznummer in einem Musical, aber das Auge (vielleicht auch „Das Auge“) verfolgt entzückt die überaus komplizierte Aktion, während das Hirn anmerkt, dass die Zauberer auch leichter und schneller an ihr Ziel kommen könnten.

Als gut gemachte, durchaus familienfreundliche Samstagabendunterhaltung mit gut aufgelegten Schauspielern (und Woody Harrelson in einer Doppelrolle) im Stil eines Vierziger-Jahre-B-Pictures funktioniert „Die Unfassbaren 2“ gut.

Es ist aber auch ein Film, der gerade die besonderen Aspekte des ersten Films – die Tricks der Illusionisten und der große Plan, in dem alles miteinander zusammenhängt (wobei ich immer noch glaube, dass der Plan bei einer genaueren Betrachtung schneller als ein Soufflé in sich zusammenfällt) – zugunsten einer 08/15-Gaunergeschichte links liegen lässt, die noch nicht einmal versucht, die Szenen in eine kohärente Geschichte oder einen großen Zauberertrick, der sich erst am Ende enthüllt, einzufügen.

Schon vor dem US-Kinostart wurde ein dritter „Die Unfassbaren“-Film angekündigt, bei dem Jon M. Chu wieder die Regie übernehmen soll. Über den Plot und die Besetzung ist noch nichts bekannt.

Die Unfassbaren 2 - Plakat

Die Unfassbaren 2 – Now you see me (Now you see me 2, USA 2016)

Regie: Jon M. Chu

Drehbuch: Ed Solomon, Peter Chiarelli

mit Jesse Eisenberg, Mark Rufallo, Woody Harrelson, Dave Franco, Daniel Radcliffe, Lizzy Caplan, Jay Chou, Sanaa Lathan, Michael Caine, Morgan Freeman

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Unfassbaren 2“

Metacritic über „Die Unfassbaren 2“

Rotten Tomatoes über „Die Unfassbaren 2“

Wikipedia über „Die Unfassbaren 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Louis Letteriers „Die Unfassbaren – Now you see me“ (Now you see me, USA 2013) und der DVD

Meine Besprechung von Jon M. Chus „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ (G.I. Joe: Retaliation, USA/Kanada 2013)


TV-Tipp für den 11. August: The Social Network

August 11, 2016

Pro 7, 20.15

The Social Network (USA 2010, Regie: David Fincher)

Drehbuch: Aaron Sorkin

LV: Ben Mezrich: The Accidental Billionaires, 2009 (Milliardär per Zufall: Die Gründung von Facebook – Eine Geschichte über Sex, Geld, Freundschaft und Betrug)

Fincher und Sorkin (The West Wing, The Newsroom), der für sein Drehbuch einen Oscar erhielt, erzählen die Geschichte von Facebook und Mark Zuckerberg.

Rasantes dialoglastiges Drama, bei dem jeder Satz trifft und einige junge Schauspieler ihr Können zeigen können.

Mit Jesse Eisenberg, Andrew Garfield, Justin Timberlake, Rooney Mara, John Getz, Armie Hammer

Hinweise

Das Drehbuch von Aaron Sorkin

Rotten Tomatoes über „The Social Network“

Wikipedia über „The Social Network“ (deutsch, englisch)

Chasing the Frog vergleicht die Fiktion mit den Fakten

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ben Mezrichs „21“ (Bringing down the House, 2002)


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