Cover der Woche

Februar 21, 2017

rankin-ehrensache

Das Cover der deutschen Erstausgabe von „Strip Jack“.

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Über Ian Rankins „Rebus – Alle Inspector-Rebus-Stories“

Februar 21, 2017

REBUS von Ian Rankin

Da war wohl auch Ian Rankin überrascht, als er für „Rebus – Alle Inspector-Rebus-Stories“ die in den vergangenen Jahrzehnten, seit dem ersten Rebus-Roman „Verborgene Muster“ (Knots and Crosses, 1987), von ihm geschriebenen Kurzgeschichten mit dem kantigen Inspector zusammenfasste. Denn im Zentrum von Rankins schriftstellerischem Schaffen standen und stehen die Rebus-Romane. Kurzgeschichten schrieb er, wenn er für einen Sammelband oder eine Zeitungsbeilage angefragt wurde. Die Fans, vor allem natürlich die englischsprachigen Fans, nahmen sie dankbar als kleinen Zwischenhappen auf. Preise, wie den Dagger und Edward Award, erhielt er für seine Romane.

Vor neun Jahren erschien mit „Eindeutig Mord“ schon einmal ein Sammelband mit Rebus-Geschichten. Er enthielt zwölf Geschichten, hatte 320 Seiten und war ein richtiges Taschenbuch.

Warum schreibe ich das?

Weil „Rebus“ 31 Geschichten enthält und 768 Seiten umfasst. Oder zwei Rebus-Romane; was dann höchstens in eine große Jackentasche passt.

Zehn der Geschichten des Sammelbandes sind erstmals auf Deutsch erhältlich. Die anderen Kurzgeschichten erschienen in den nicht mehr erhältlichen Sammelbänden „Eindeutig Mord“ und „Der Tod ist erst der Anfang“ (dort sind auch mehrere Nicht-Rebus-Geschichten enthalten). „Schöne Bescherung“ erschien nur als E-Book.

Im Original erschienen die Geschichten über die vergangenen Jahrzehnte an den verschiedenen Orten.

Für „Rebus“ ergänzte Ian Rankin die Geschichten um ein 22-seitges Nachwort, in dem er von seinen schriftstellerischen Anfängen, dem ersten, als Einzelroman geplantem Rebus-Roman (der ihm heute nicht mehr so gefällt, weil John Rebus einfach zu belesen ist), wie er schnell wieder zu Rebus zurückkehrte und wie er mit der Pensionierung von Rebus umging. Rebus erreichte 2007 mit sechzig Jahren die damals für Polizisten geltende Pensionsgrenze und weil Ian Rankin seinen Charakter in Echtzeit altern ließ, musste er ihn in den Ruhestand schicken, der dann doch nicht so endgültig war. Über die Kurzgeschichten schreibt er leider nichts.

Aber das muss er auch nicht: sie sind die kleinen, süchtig machenden „Einer geht noch“-Happen für Zwischendurch, in denen Rebus schnell einen Fall aufklären kann, der nicht unbedingt ein Mord sein muss. Und, auch wenn so ein Sammelband immer gerne als Einstieg in das Werk eines Autors bezeichnet wird, ist es eher die Ergänzung für den Fan, der die Romane schon gelesen hat.

Seitdem – die Originalausgabe erschien bereits 2014 – hat Ian Rankin weitere Geschichten mit John Rebus geschrieben, zum Beispiel „Im allerletzten Augenblick“, zusammen mit Peter James (der Erfinder von Roy Grace) für den Sammelband „FaceOff – Doppeltes Spiel“.

Ian Rankin: Rebus – Alle Inspector-Rebus-Stories

(übersetzt von Giovanni und Ditte Bandini und Conny Lösch)

Goldmann, 2017

768 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

The Beat goes on – The complete Rebus Short Stories

Orion Books, London 2014

Hinweise

Homepage von Ian Rankin

Deutsche Homepage von Ian Rankin (Goldmann-Verlag)

Ian Rankin: The very last drop (16. – 18. Februar 2010; – eine neue Inspector-Rebus-Geschichte)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Ein reines Gewissen“ (The Complaints, 2009)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der Mackenzie Coup“ (Doors Open, 2008)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Rebus’s Scotland – A personal journey“ (2005)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Eindeutig Mord – Zwölf Fälle für John Rebus“ (A good hanging, 1992)

Meine Besprechung von Ian Rankins “Ein Rest von Schuld“ (Exit Music, 2007)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Im Namen der Toten” (The Naming of the Dead, 2006)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Die Seelen der Toten“ (Dead Souls, 1999)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der diskrete Mr. Flint“ (Watchman, 1988)

 Meine Besprechung von Ian Rankins „Mädchengrab“ (Standing in another Man’s Grave, 2012)

Meine Besprechung von Ian Rankins Geschichte „The Lie Factory“ für Rory Gallaghers „Kickback City“

Ian Rankin in der Kriminalakte

 


Thriller-Autoren betreiben in „FaceOff – Doppeltes Spiel“

Dezember 9, 2014

Baldacci HRSG - FaceOff - 2

Die Idee für den neuesten Sammelband der International Thriller Writers (ITW), der internationalen Vereinigung von Thriller-Autoren hat etwas: bekannte Autoren lassen in einer Kurzgeschichte ihre bekannten Charaktere aufeinandertreffen. Das sind
Patrick Kenzie trifft Harry Bosch (geschrieben von Dennis Lehane und Michael Connelly)
John Rebus trifft Roy Grace (geschrieben von Ian Rankin und Peter James)
Slappy, der Puppenmann trifft Aloysius Pendergast (geschrieben von R. L. Stine, Douglas Preston und Lincoln Child)
Malachai Samuels trifft D. D. Warren (geschrieben von M. J. Rose und Lisa Gardner)
Paul Madriani trifft Alexandra Cooper (geschrieben von Steve Martini und Linda Fairstein)
Lincoln Rhyme trifft Lucas Davenport (geschrieben von Jeffery Deaver und John Sandford)
Michael Quinn trifft Handyman Jack (geschrieben von Heather Graham und F. Paul Wilson)
Sean Reilly trifft Glen Garber (geschrieben von Raymond Khoury und Linwood Barclay)
Wyatt Hunt trifft Joe Troma (geschrieben von John Lescroat und T. Jefferson Parker)
Cotton Malone trifft Gray Pierce (geschrieben von Steve Berry und James Rollins)
Jack Reacher trifft Nick Heller (geschrieben von Lee Child und Joseph Finder)
Und die Idee, das muss ehrlich gesagt werden, ist auch das beste an „FaceOff – Doppeltes Spiel“. Denn was auf dem Papier wie ein Zusammentreffen von James Bond und George Smiley oder von Georg Wilsberg und Frank Thiel/Karl-Friedrich Börne klingt, hat in der Ausführung mit einigen Problemen zu kämpfen. So sind die Romancharaktere nicht so bekannt wie die eben genannten Filmcharaktere, was dazu führt, dass man nicht alle Charaktere kennt. Außerdem sind die Seriencharaktere in Romanen etwas austauschbarer, weil sie vor allem bestimmte Prinzipien und eine Sicht auf die Welt verkörpern. Sie lösen im Roman die Ereignisse aus oder kanalisieren sie in einer bestimmten Form. Aber ein unverwechselbares und für alle sofort erkennbares Gesicht haben sie nicht. So ist die Aufregung über das Gesicht des neuen James-Bond-Darstellers jedesmal sehr laut, aber wenn ein Autor eine bekannte Serie fortführt, ist die Aufregung geringer und, siehe die verschiedenen Post-Ian-Fleming-James-Bond-Romane, anders. Denn es geht darum, wie sehr der neue Autor den Geist, vulgo den Tonfall, des Erfinders bewahrt.
Eben dieser unverwechselbare Erzählton eines Autors fehlt in „FaceOff“, weil hier immer zwei Autoren ihre Geschichten zusammen geschrieben haben. Es kann auch etwas am Übersetzer liegen. Denn während die Autoren normalerweise verschiedene Übersetzer haben, übersetzte hier Leo Strohm alle Geschichten.
Und normalerweise haben die Autoren einen ganzen Roman von oft deutlich über vierhundert Seiten, um ihre Geschichte zu erzählen. In „FaceOff“ haben sie nur so um die vierzig Seiten, was letztendlich ungefähr die Länge einer Action-Szene ist.
Das gesagt, ist „FaceOff“ natürlich für Thriller-Fans ein sehr interessanter Sammelband, weil hier erstmals bekannte Charaktere zusammen auftreten und bekannte Autoren gemeinsam eine Geschichte erzählen. Einige Autoren, wie Lee Child, schreiben fast nie Kurzgeschichten und natürlich ist der Kneipenabend von Jack Reacher und Nick Heller in „Entgeltliche Gegenleistung“ vergnüglich, wenn sie sich blind verstehen und während eines Baseballspiels schnell und handgreiflich für etwas Gerechtigkeit sorgen. Bei Wyatt Hunt und Joe Trona artet ein Angelausflug in eine Schlacht mit einem Drogenkartell aus. Sean Reilly und Glen Garber beginnen nach einem kurzen Stop in einer Raststätte, nachdem ein Bösewicht Glens Tochter entführt, eine halsbrecherische Autoverfolgungsjagd über die Autobahn. Die Begegnung von John Rebus und Roy Grace bewegt sich dann in den ruhigeren Gewässern einer Polizeiermittlung und Michael Quinn und Handyman Jack erleben eine infernalische Nacht.
Für Thriller-Novizen geben die elf Geschichten mit den kurzen Einführungen und den ziemlich ausführlichen Autorenbiographien einen guten Einblick in die derzeitige Thriller-Szene und zeigen auch ihre Bandbreite von traditionellen Detektivgeschichten (vor allem der fast achtzigseitige Auftritt von Lincoln Rhyme und Lucas Davenport) über halbe Gangstergeschichten bis hin zu Action-Thrillern, von rein rationalen Geschichten mit realistischen Protagonisten bis hin zu Begegnungen mit mehr oder weniger übersinnlichen Charakteren.
Und so ist „FaceOff“ eine unterhaltsame Zusammenstellung, die etwas an ein Benefiz-Konzert erinnert: die Stimmung ist gut, auch wenn die Musiker nicht ihr bestes Konzert geben.

David Baldacci (Herausgeber): FaceOff – Doppeltes Spiel
(übersetzt von Leo Strohm)
Goldmann, 2014
448 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
FaceOff
Simon & Schuster, 2014

Hinweis
Homepage der International Thriller Writers


Ian Rankin lässt John Rebus ein „Mädchengrab“ suchen

Mai 29, 2013

 

Rankin - Mädchengrab - 2

John Rebus ist nach einer sechsjährigen Pause zurück. Damals musste Ian Rankin seinen allseits beliebten Detective Inspector mit „Ein Rest von Schuld“ (Exit Music) in Rente schickten, weil er die Pensionsgrenze erreichte. Rankin hatte Rebus in seinen ersten Romanen vor über zwanzig Jahren ein präzises Alter verpasst und ihn in Echtzeit altern gelassen. Anfangs war das noch kein Problem, aber als die Romane Bestseller wurden und Rankin ein Buch nach dem nächsten schrieb, wurde aus dem vierzigjährigen ein sechzigjähriger Mann. Nach „Ein Rest von Schuld“ schrieb er den Einzelroman „Der Mackenzie-Coup“ (Doors Open), einen netten Heist-Roman, und die Romane „Ein reines Gewissen“ (The Complaints) und „Die Sünden der Gerechten“ (The Impossible Dead) mit dem internen Ermittler Malcolm Fox, den er als Gegenteil von John Rebus entwarf und die nicht wirklich überzeugten.

 

Währenddessen konnten in der Wirklichkeit – und die Rebus-Romane leben gerade von ihrem Bezug zur Realität – pensionierte Polizisten in Cold Case Units alte Fälle noch einmal bearbeiten und es gibt auch, weil das Rentenalter geändert wurde, die Möglichkeit einer Wiedereinstellung. So hat Rebus jetzt einen Antrag auf Wiedereinstellung gestellt und Malcolm Fox, der in „Mädchengrab“ noch mehr als humorloser Paragraphenreiter erscheint als in den Fox-Romanen, überprüft John Rebus, der sich inzwischen alle zwei Wochen auf ein Bier mit dem stadtbekannten Gangsterboss Big Ger Cafferty, seinem alten Intimfeind, trifft.

 

Außerdem arbeitet Rebus in der Serious Crime Review Unit (SCRU), die sich alte Fälle noch einmal vornimmt. Als die fünfzehnjährige Annette McKie an der A 9 verschwindet kommt Nina Hazlitt zu ihm. Ihre Tochter Sally verschwand Silvester 1999 fast an der gleichen Stelle und seitdem verschwanden in dieser Gegend, immer an der A 9, mehrere Mädchen. Sie glaubt, dass ein Serientäter am Werk ist – und Rebus glaubt ihr. Er kann seine alte Partnerin Shioban Clarke, die in dem neuen Fall ermittelt, überzeugen, dass die Fälle miteinander zusammen hängen.

 

Es ist schön, dass John Rebus wieder zurück ist, auch wenn der Fall eher schwach ist und der Subplot mit Malcolm Fox nervt. Denn Fox wird hier von Ian Rankin als biederer Paragraphenreiter porträtiert, für den ein Leben nur innerhalb der Paragraphen existiert, die er buchstabengetreu und ohne Gefühle anwendet, und der Rebus manisch verfolgt, weil dieser einem Verbrecher die Tür aufhält. Das liest sich dann schon wie eine Parodie auf den Biedermann, der in jedem System seine Arbeit verrichtet, aber nicht wie ein Charakter aus einer anderen Serie; – wobei die Fox-Romane daran leiden, dass Fox zu sehr ein Anti-Rebus sein soll.

 

Das lässt für den nächsten Rebus-Roman „Saints of the Shadow Bible“, der im November in England erscheint, das Schlimmste befürchten. Denn dann ist – so die Ankündigung – Rebus wieder zurück im Polizeidienst und Malcolm Fox will ihn wegen eines alten Falles zur Rechenschaft ziehen; vulgo als korrupten Polizisten überführen. Das könnte ein spannender Ausflug in die Vergangenheit von Rebus und ein Sittenbild der Polizei werden, der einem durch Fox versalzen wird.

 

Der Fall selbst in „Mädchengrab“, das spurlose Verschwinden von mehreren Mädchen, leidet daran, dass es um die Suche nach einem Einzeltäter geht, der eigentlich nur zufällig oder durch langwierige, kleinteilige Ermittlerarbeit gefunden werden kann. Das ist für die Rebus-Methode, die gerne für Unruhe bei den Verdächtigen sorgt und dann abwartet, was geschieht, denkbar ungünstig.

 

Aber am Ende fügen sich die verschiedenen Teile der Ermittlungen und die Nebenstränge mit den Edinburgher Gangsterclans fein zusammen und „Mädchengrab“ ist eine mehr als willkommene Rückkehr von John Rebus. 

 

 

Ian Rankin: Mädchengrab

 

(übersetzt von Conny Lösch)

 

Manhattan, 2013

 

512 Seiten

 

19,99 Euro

 

 

Originaltitel

 

Standing in another Man’s Grave

 

Orion Books, 2012

 

 

Hinweise

 

 

 

Homepage von Ian Rankin

 

Deutsche Homepage von Ian Rankin (Goldmann-Verlag)

 

Ian Rankin: The very last drop (16. – 18. Februar 2010; – eine neue Inspector-Rebus-Geschichte)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Ein reines Gewissen“ (The Complaints, 2009)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der Mackenzie Coup“ (Doors Open, 2008)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins „Rebus’s Scotland – A personal journey“ (2005)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins „Eindeutig Mord – Zwölf Fälle für John Rebus“ (A good hanging, 1992)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins “Ein Rest von Schuld“ (Exit Music, 2007)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins „Im Namen der Toten” (The Naming of the Dead, 2006)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins „Die Seelen der Toten“ (Dead Souls, 1999)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der diskrete Mr. Flint“ (Watchman, 1988)

 

Ian Rankin in der Kriminalakte

 

 

 

 

 

 


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