TV-Tipp für den 1. Mai: 12 Years a Slave

April 30, 2018

Pro7, 20.15

12 Years a Slave (12 Years a Slave, USA 2013)

Regie: Steve McQueen

Drehbuch: John Ridley

LV: Solomon Northup: Twelve Years a Slave, 1853

New York, 1841: Solomon Northup wird von Sklavenhändlern entführt und in die Südstaaten verkauft.

Steve McQueens grandioser Film schildert die wahre Geschichte von Solomon Northup. Der vielfach ausgezeichnete und hochgelobte Film erhielt, unter anderem, den Oscar als Bester Film.

Mehr über den Film gibt es in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Lupita Nyong’o, Benedict Cumberbatch, Brad Pitt, Paul Dano, Paul Giamatti, Sarah Paulson, Alfre Woodard

Wiederholung: Mittwoch, 2. Mai, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film (dito)

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „12 Years a Slave“

Moviepilot über „12 Years a Slave“

Metacritic über „12 Years a Slave“

Rotten Tomatoes über „12 Years a Slave“

Wikipedia über „12 Years a Slave“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steve McQueens „Shame“ (Shame, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Steve McQueens „12 Years a Slave“ (12 Years a Slave, USA 2013)

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Neu im Kino/Filmkritik: „Ben Hur“ – neue Version, selbstverständlich wieder mit einem Wagenrennen

September 1, 2016

Die Blaupause für jede neue Verfilmung von General Lew Wallaces Roman „Ben Hur: Eine Erzählung aus der Zeit Christi“ ist das gut vierstündige Epos von 1959 mit Charlton Heston als Judah Ben Hur. Aus heutiger Sicht ist der mit elf Oscars ausgezeichnete Film, unter anderem als Bester Film des Jahres, erstaunlich holprig und oft langatmig erzählt. Und mit so viel Pathos getränkt, dass wir den Film inzwischen nur noch durch die Brille von „Das Leben des Brian“ sehen können. Berühmt ist das heute wahrscheinlich kaum noch gesehene Epos wegen des entsprechend epischen Wagenrennens, das es schon in de Stummfilmverfilmung des Romans gab.

Das Wagenrennen gibt es auch in Timur Bekmanbetovs flüssiger erzähltem Remake. Er beginnt sogar damit – und springt dann gut zehn Jahre zurück in die Vergangenheit. Damals waren Judah Ben Hur (Jack Huston) und Messala Severus (Toby Kebbell) beste Freunde und Brüder. Messala verlässt Judäa, um als römischer Soldat zu Ruhm und Ehre zu gelangen.

Nach Jahren kehrt er zurück nach Judäa, das er befrieden will. Also von den aufständischen Juden, die gegen die römische Besatzung kämpfen, bereinigen will. Ben Hur, der sich eigentlich aus der Politik heraushält, will seine jüdischen Brüder nicht verraten und in den Tod schicken. Damit beginnt der Konflikt zwischen Ben Hur und Messala.

Als bei der Ankunft des neuen Statthalters in Jerusalem ein Aufständischer von Ben Hurs Anwesen einen Pfeil auf ihn abschießt (das ist eine der zahlreichen Änderungen zu William Wylers Film), verhaftet Messala Ben Hur und seine Familie. Ben Hur wird Galeerensklave. Die allesamt überaus ansehnlichen Frauen des Patrizierhauses Ben Hur wandern in den Kerker.

Nach Jahren, wenige Tage vor dem Tod von Jesus (der hier auch mehrmals auftritt) kehrt Ben Hur zurück. Er will sich an Messala rächen. Während eines Wagenrennens.

Timur Bekmanbetov, der die Geschichte in zwei Stunden erzählt, beschreitet in seiner Verfilmung bis zum Ende durchaus eigene Wege, die mal mehr, mal weniger gelungen sind. So war es in Wylers Film ein herabfallender Ziegel, der Pontius Pilatus bei seinem Einzug in die Stadt verletzte. Es war ein Unfall. In Bekmanbetovs Film ist es ein von einem Aufständischen abgeschossener Pfeil. Es ist ein Attentat und Ben Hur deckt den Täter. Diese Änderung hätte die gesamte Geschichte auf jeder Ebene beeinflussen können. Aber sie bleibt letztendlich folgenlos.

Auch später gibt es immer wieder Unterschiede. So kommt Ben Hur in der aktuellen Version niemals nach Rom. Und das bei Wyler aus heutiger Sicht unerträgliche Pathos und der religiöse Kitsch sind bei Bekmanbetov nicht vorhanden. Es gibt bis auf einige kurze Auftritte von Jesus Christus und der Kreuzigung keine religiösen Symbolismen und wenig christliches Pathos. Daher erstaunt die in den USA gemachte Werbekampagne für die christlichen Filmbesucher, die aus kommerzieller Perspektive ein wichtiger Faktor sind und die eine, nun, sehr spezielle Art von Filmen lieben, in denen der rechte Glaube der einzige Qualitätsmaßstab ist.

Diese Änderungen verschieben dann Akzente in der Geschichte und den Motivationen der Charaktere und lassen Bekmanbetovs „Ben Hur“ zu einer durchaus eigenständigen Verfilmung werden. Allerdings keiner gelungen. So werden all die auf der Hand liegenden politischen Anspielungen nicht weiter ausgeführt. Der Konflikt zwischen Ben Hur und Messala erscheint forciert. Dabei entzündet sich der Konflikt an dem fehlgeschlagenem Anschlag auf Pontius Pilatus. Ben Hur, der den Täter beschützt, nennt seinem Freund nicht den Namen. Damit paktiert er mit den Aufständischen, vulgo Terroristen. Aber die in diesem Moment angelegte Frage nach den Formen des Widerstandes gegen ein Regime, werden nicht weiter verfolgt. Auch das Thema der Freundschaft wird nicht weiter verfolgt. So bleiben die immer wieder eingestreuten politischen und gesellschaftlichen Anspielungen in der Luft hängen.

Die Nebenfiguren sind schön aussehende Staffage und Morgan Freeman ist Morgan Freeman; mit einer „Battefield Earth“-Gedächtnisfrisur. Und, ja, das ist eine wenig subtile Anspielung auf das Niveau dieses bierernsten Sandalenfilms, der höchstens in einigen Momenten einen unfreiwilligen Humor verströmt.

Zum Schluss kommen wir, wie der Film, wieder zum Wagenrennen, das auch in dieser „Ben Hur“-Verfilmung das große Action-Set-Piece ist. Es ist lang, es ist blutig, es ist langweilig, weil die Action zwischen Schnitten und CGI-Effekten so konfus ist, dass man kurz nach dem Start den Überblick verliert. Da ist man von Timur Bekmanbetov, dem Regisseur von „Wächter der Nacht“, „Wächter des Tages“ und „Wanted“, aber auch „Abraham Lincoln, Vampirjäger“, besseres gewohnt.

Er sagt dazu: „Wir haben die Actionszenen so gefilmt, wie man das heute mit seinen privaten Handy-Kameras machen würde.“

John Ridley, der für „12 Years a Slave“ einen Oscar erhielt, wird wohl nur aufgrund irgendwelcher vertraglicher Verpflichtungen als einer der Drehbuchautoren genannt. Ridley ist der Autor von „12 Years a Slave“, „Three Kings“ (nur Story-Credit), „U-Turn“ und einiger leider nicht übersetzter Romane und der Erfinder der hochgelobten TV-Serie „American Crime“. In seinen Werken setzte er sich immer kritisch mit der US-amerikanischen Geschichte und oft auch der Geschichte der Afroamerikaner auseinander. Dass er ein so unpolitisches und in jeder Hinsicht unentschlossenes Drehbuch abliefert, will ich nicht glauben.

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Ben Hur (Ben-Hur, USA 2016)

Regie: Timur Bekmanbetov

Drehbuch: Keith Clarke, John Ridley

LV: General Lew Wallace: Ben-Hur: A tale of the Christ, 1880 (Ben Hur: Eine Erzählung aus der Zeit Christi)

mit Jack Huston, Toby Kebbell, Rodrigo Santoro, Nazanin Boniadi, Morgan Freeman, Sofia Black D’Elia, Ayelet Zurer, Moises Arias, Pilou Asbaek

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Ben Hur“

Metacritic über „Ben Hur“

Rotten Tomatoes über „Ben Hur“

Wikipedia über „Ben Hur“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Timur Bekmanbetovs „Abraham Lincoln, Vampirjäger (Abraham Lincoln: Vampire Hunter, USA 2012)

Ein sehr kurzes Featurette über den Dreh des Wagenrennens

Und hier Charlton Heston als Ben Hur in der Arena. Die beiden Ausschnitte vermitteln einen guten Eindruck von der Szene. Eine komplette Version habe ich nicht gefunden.

 


TV-Tipp für den 16. Mai: 12 Years a Slave

Mai 15, 2016

Pro7, 20.15

12 Years a Slave (12 Years a Slave, USA 2013)

Regie: Steve McQueen

Drehbuch: John Ridley

LV: Solomon Northup: Twelve Years a Slave, 1853

New York, 1841: Solomon Northup wird von Sklavenhändlern entführt und in die Südstaaten verkauft.

Steve McQueens grandioser Film schildert die wahre Geschichte von Solomon Northup, für die er, unter anderem, den Oscar als Bester Film erhielt.

Mehr über den Film gibt es in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Lupita Nyong’o, Benedict Cumberbatch, Brad Pitt, Paul Dano, Paul Giamatti, Sarah Paulson, Alfre Woodard

Wiederholung: Dienstag, 17. Mai, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film (dito)

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „12 Years a Slave“

Moviepilot über „12 Years a Slave“

Metacritic über „12 Years a Slave“

Rotten Tomatoes über „12 Years a Slave“

Wikipedia über „12 Years a Slave“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steve McQueens „Shame“ (Shame, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Steve McQueens „12 Years a Slave“ (12 Years a Slave, USA 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Steve McQueens dritter Streich: „12 Years a Slave“

Januar 16, 2014

 

Aktueller Stand: fast hundert gewonnene Filmpreise, unter anderem den Golden Globe als bester Film des Jahres, 142 Nominierungen und es dürften bis zur Oscar-Nacht noch einige Preise hinzukommen. Dieser beeindruckende Preisregen, der auch mit der Inflation von Filmpreisen in den vergangenen Jahren zusammenhängt, sagt vor allem eines: „12 Years a Slave“ ist ein guter Film; was niemand, der Steve McQueens beiden vorherigen Filme „Hunger“ und „Shame“ gesehen hat, bezweifelt. Es ist auch sein zugänglichster Film, der am nächsten an den bekannten Hollywood-Erzählkonventionen ist.

McQueen erzählt nach einem Drehbuch von John Ridley („U-Turn“, „Three Kings“, mehrere Romane, vor allem in Richtung Noir) die wahre Geschichte von Solomon Northup, der 1841 gesellschaftlich anerkannt und glücklich verheiratet mit zwei Kindern in Saratoga, New York, lebt. Als er einen gut bezahlten Job als Geiger in Washington, DC, annimmt, beginnt seine Leidensgeschichte. Denn er wird betäubt, gefangen genommen und in die Südstaaten nach Louisiana verschifft. Jetzt ist er ein Sklave, dem niemand glaubt, dass er in New York ein freier Mann war.

In den kommenden zwölf Jahren arbeitet er auf verschiedenen Plantagen unter Besitzern, die ihn verschieden schlecht behandeln, ihm aber immer seiner Würde berauben, ihn nicht als Menschen, sondern als Sache, über die sie nach Belieben verfügen können, betrachten.

John Ridley sagt dazu: „Wenn man heute über die Sklaverei spricht, geht man landläufig davon aus, dass Schwarze in den Baumwollfeldern unter besseren oder unter schlechteren Bedingungen schufteten. Fertig! Aber das ganze System war viel komplexer. Es zielte auf eine totale Entmenschlichung ab. Den Weißen gegenüber wurde behauptet, dass Schwarze dazu geboren waren, Sklaven zu sein. Sie wurden als minderwertige Rasse dargestellt, der von Geburt an überhaupt keine Rechte zustanden. Davon wollten Steve und ich erzählen – und gleichzeitig zeigen, welches Unrecht Solomon zugefügt wurde.“

Auf den Plantagen kann McQueen, der „12 Years a Slave“ strikt chronologisch und aus der Perspektive von Northup erzählt, eine kleine Starparade abfeiern. Denn die Sklavenhalter werden von Benedict Cumberbatch und Michael Fassbender gespielt. Paul Dano spielt einen gemeinen Vorarbeiter und Brad Pitt einen aus Kanada kommenden Zimmermann.

Getragen wird der Film allerdings von Chiwetel Ejiofor, für den die Rolle der Durchbruch sein könnte. Denn als Solomon Northup ist er von der ersten bis zur letzten Minute das Zentrum der Geschichte.

Im Gegensatz zu „Django Unchained“ oder „Lincoln“, die sich zuletzt mit der Sklaverei beschäftigten, ist Steve McQueens Film kein poppiger Rache-Western mit Hang zum plakativen Spaghetti-Western-Humor oder ein wortlastig-gediegenes Hinterzimmer- und Parlamentskammerspiel, sondern die nüchtern erzählte Geschichte eines Mannes, der vom freien Mann zum Sklaven wird und der sich nur durch eine glückliche Begegnung aus seinem Martyrium befreien kann. Dabei zeigt McQueen, der schon in „Hunger“ und „Shame“ kompromisslos seine künstlerische Vision verfolgte und auch dort nie vor unangenehmen Bildern zurückschreckte, die er aber, ohne das Leiden seiner Protagonisten kunstgewerblich zu ästhetisieren, wie wunderschöne Visionen des Leidens inszenierte und die deshalb durchaus in einer Ausstellung einen adäquaten Platz finden könnten. In beiden Filmen verlangte er dabei seinem Hauptdarsteller Michael Fassbender auch körperlich einiges ab. In seinem neuen Film, der das System Sklaverei nüchtern analysiert, nimmt Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor diesen Platz ein. Besonders unangenehm sind dabei die Auspeitschungen, die, teils in paradiesischer Landschaft, in langen, ungeschnittenen Szenen als Marter gezeigt werden. Oder als Northup, mit einem Strick um seinen Hals, eine Ewigkeit auf seinen Zehen tänzeln muss, bis darüber entschieden ist, ob er gehängt wird oder nicht. Im Hintergrund geht dabei das normale Plantagenleben weiter.

12 Years a Slave - Plakat - 4

12 Years a Slave (12 Years a Slave, USA 2013)

Regie: Steve McQueen

Drehbuch: John Ridley

LV: Solomon Northup: Twelve Years a Slave, 1853

mit Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Lupita Nyong’o, Benedict Cumberbatch, Brad Pitt, Paul Dano, Paul Giamatti, Sarah Paulson, Alfre Woodard

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film (dito)

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „12 Years a Slave“

Moviepilot über „12 Years a Slave“

Metacritic über „12 Years a Slave“

Rotten Tomatoes über „12 Years a Slave“

Wikipedia über „12 Years a Slave“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steve McQueens „Shame“ (Shame, Großbritannien 2011)

Und noch einige O-Töne:

Die TIFF-Pressekonferenz

Q&A beim New York Filmfestival

DP/30 spricht mit Steve McQueen und Kameramann Sean Bobbitt


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