DVD-Kritik: Ridley Scott stellt „Die Science-Fiction-Propheten“ vor

Juni 12, 2013

Im Kino gehören Science-Fiction-Filme, die oft mehr Fiction als Science sind, zu den erfolgreichsten Filmen. Auch etliche Science-Fiction-Romane, vor allem wenn es um epische Weltraumschlachten und Alien-Invasionen geht, sind eher knallbunte Abenteuergeschichten. Dennoch gab und gibt es immer Autoren, denen der Science-Anteil wichtig ist. Sie entwarfen zukünftige Welten und Techniken. Sie fantasierten von U-Booten und Reisen zum Mond, als man sich hauptsächlich zu Fuß oder auf einem Pferd fortbewegte.

In der achtteiligen, von Ridley Scott produzierten und präsentierten Serie „Die Science-Fiction-Propheten“ werden einige dieser Science-Fiction-Autoren in jeweils etwa 42-minütigen Episoden vorgestellt.

Die Auswahl konzentriert sich dabei weitgehend auf die bekannten und etablierten Namen: Mary Shelley, Jules Verne, H. G. Wells, Isaac Asimov, Arthur C. Clarke, Robert A. Heinlein, Philip K. Dick und, die mit Abstand schwächste Episode der Serie, George Lucas. Die Autoren werden in einem flotten Mix aus Biographie, Werkvorstellung und Wissenschaftsdokumentation vorgestellt, die die sozialen Aspekte ihrer Zukunftsvorstellungen stark vernachlässigt und sich auf die technischen Aspekte konzentriert. So wird immer gezeigt, wie sehr die Visionen der Autoren inzwischen Realität sind, von ihr überholt wurden oder an ihnen geforscht wird. Diese Verknüpfung von Vision und Realität zeigt immer wieder, wie sehr die ausgewählten Autoren wissenschaftliche Erkenntnisse verarbeiteten und teilweise selbst Wissenschaftler und Vordenker für wissenschaftliche Projekte waren. Allerdings werden die aktuellen Forschungen, meist von den Forschern selbst, arg unkritisch, fast schon blind technikeuphorisch, vorgestellt. Hier wäre etwas mehr Distanz oder eine andere Auswahl der Interviewpartner gut gewesen.

Ärgerlich und vollkommen unverständlich ist, dass in der von N24 erstellten deutschen Fassung nie die Namen und Berufe der Gesprächspartner eingeblendet werden. Oft werden noch nicht einmal ihre Namen genannt. Denn sie sind ziemlich hochrangig, mit bekannten Wissenschaftlern, wie Michio Kaku, und Science-Fiction-Autoren, wie David Brin, Kim Stanley Robinson und Harlan Ellison.

Echte Science-Fiction-Fans werden wenig neues in „Die Science-Fiction-Propheten“ entdecken. Sie werden sich höchstens über eine Auffrischung ihres Wissens, einige biographische Details und die Verknüpfung von Vision und Realität erfreuen und, jedenfalls erging es mir so, wieder ein Buch der präsentierten oder interviewten Autoren lesen wollen.

Für Neulinge ist die Serie dagegen eine ziemliche Fundgrube – und Science-Fiction-Verächter können zwar erstaunt darüber sein, wie viele wissenschaftliche Erkenntnisse in die Werke der Autoren einflossen, aber sie sind wahrscheinlich auch über die Machart dieser achtteiligen Discovery-Channel-Serie verärgert, die etwas hastig und damit auch oberflächlich zwischen dem Autor, seinem Werk und der heutigen Wissenschaft hin- und herspringt, oft ohne das alles wirklich sinnvoll einzuordnen und die Rolle der Autoren bei den technischen Entwicklungen, vor allem wenn es um den „Propheten“ George Lucas geht, doch etwas übertreibt.

Die Science Fiction Propheten - DVD-Cover

Die Science-Fiction-Propheten (Prophets of Science-Fiction, USA 2011/2012)

Regie: Declan Whitebloom

Drehbuch: Simon Brown, Thomas Quinn, Kevin Tavolaro

mit Ridley Scott (Präsentator), Jonathan Adams (Erzähler im Original), Michio Kaku, David Brin, Kim Stanley Robinson, Harlan Ellison, Jerry Pournelle, Akiva Goldsman, Roberto Orci, Dan Vebber, Matt Fraction, John Siuntres, Gavin Scott, Andre Fenton, Paul Verhoeven, außerdem Archivaufnahmen der porträtierten Autoren und Ausschnitte aus den Verfilmungen

DVD

Polyband

Bild: 16:9 (1,78:1)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 336 Minuten (8 x 42 Minuten; 2 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Discovery Channel über die Serie

Fernsehserien über „Die Science-Fiction-Propheten“

Wikipedia über „Die Science-Fiction-Propheten“

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TV-Tipp für den 11. Juni: Die Reise zum Mond

Juni 11, 2013

Arte, 23.45

 

Die Reise zum Mond (F 1902, R.: Georges Méliès)

 

Drehbuch: Georges Méliès

 

LV (Inspiration): Jules Verne: De la terre à la lune, 1865 (Von der Erde zum Mond/Die Reise zum Mond); H. G. Wells: The First Men in the Moon, 1901 (Die ersten Menschen im Mond)

 

Professor Barbenfoullis will den Mond erkunden. Nach dem Okay des Astronomischen Clubs baut er eine Rakete, fliegt zum Mond und erlebt dort einige Abenteuer.

 

Das erste Epos der Science-Fiction und das Meisterwerk des Kinos bis zu diesem Zeitpunkt. Schon die epische Länge von 21 Minuten in einer Zeit, da ein Film selten länger als ein oder zwei Minuten dauerte, hätte es zu einem Meisterstück gemacht, selbst dann, wenn man den phantastischen Inhalt nicht berücksichtigen würde.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science Fiction Filmenzyklopädie, 1998)

 

Es ist leicht, über Méliès Tanzhallenschilderung der Weltraumfahrt zu lachen, aber ‘Die Reise zum Mond’ unterscheidet sich nur wenig von den aufgemotzten Produkten der heutigen SF-Film-Macher.“ (John Baxter: Science Fiction in the Cinema, zitiert nach Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science Fiction Films, 1997)

 

Aber „Die Reise zum Mond“ ist kürzer als „Transformers: Die Rache“.

 

Méliès war auch für die Ausstattung zuständig, fertigte Kostüme an und spielte die Hauptrolle. Oh, und vermarktet hat er der enorm produktive Theatermann Méliès seine Werke auch noch selbst.

 

Der Film kann zwar an verschiedenen Orten im Internet kostenlos angesehen werde, aber bei Arte dürfte die vollständigste und optisch perfekteste Version (nämlich die restaurierte und 2011 in Cannes erstmals gezeigte Fassung) laufen; – obwohl die obige Version mit der Musik von Stephan König auch sehr schön ist.

Im Anschluss läuft um 00.00 Uhr (VPS 23.55 Uhr) die einstündige Doku „Georges Méliès‘ ‚Reise zum Mond'“ (Frankreich 2012, Regie: Serge Bromberg, Eric Lange).

Hinweise

 

Arte zu „Die Reise zum Mond“

 

Wikipedia über Georges Mèliès

 

Wikipedia über „Die Reise zum Mond“(deutsch, englisch)

 

Internet Archive: „Die Reise zum Mond“ (11.48 Minuten, Englisch overdubbed)


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