DVD-Kritik: Ein „Headshot“, viele Schläge und Tritte, ausgeteilt und eingesteckt von Iko Uwais

Juni 26, 2017

Genrefans kennen Iko Uwais vor allem aus den beiden „The Raid“-Filmen, in denen er sich zuerst durch ein Hochhaus und später durch die Stadt kämpfte. Die von Gareth Evans inszenierten Filme waren ein Fest für Fans von Actionfilmen, die endlich wieder überzeugende Martial-Arts-Kämpfen und Actionszenen, in denen die Schnitte nichts verbergen, sehen wollten, in einem Film, bei dem man sein Gehirn nicht vollkommen abschalten musste.

Auch in seinem neuesten Film „Headshot“ kämpft er sich durch den Film – und die Kamera beobachtet ihn dabei.

Die Filmstory, so eine Art „Jason Bourne im Gangstermilieu“, erreicht allerdings niemals die Qualität der „The Raid“-Geschichten. Die Regisseure Kimo Stamboel und Timo Tjahjanto (auch Drehbuch) erzählen eine ziemlich abstruse Geschichte, die nur dazu dient, die Kämpfe zweckdienlich miteinander zu verbinden.

Uwais spielt einen Mann ohne Gedächtnis, der schwer verletzt an das Ufer eine Insel gespült wird. Die Medizinstudentin Ailin nennt ihn Ishmael.

Schnell bemerkt er, dass einige Männer ihn umbringen wollen und er über außergewöhnlich gute Reflexe verfügt. Er beginnt die Männer zu suchen, die ihn umbringen wollen. Und er will wissen, warum.

Der Weg dorthin ist mit vielen Schlägereien gepflastert, in denen die Kampfsportler in langen, wenig geschnittenen Kämpfen gegeneinander antreten. Das ist gut gemacht, hat in manchen Momente auch die tänzerische Eleganz eines Jackie-Chan-Films, allerdings ohne deren Humor. Das macht „Headshot“ zu einem sehr grimmigen Nonstop-Actionfilm.

Insofern richtet sich der indonesische Actionfilm vor allem an Genrefans, die sich vor allem für die von Iko Uwais grandios choregraphierten Martial-Arts-Kämpfe interessieren und die dafür auf eine ausgefeilte Story verzichten können.

Das Bonusmaterial besteht aus drei Werbe-Featurettes.

Headshot (Headshot, Indonesien 2016)

Regie: Kimo Stamboel, Timo Tjahjanto

Drehbuch: Timo Tjahjanto

mit Iko Uwais, Julie Estelle, David Hendrawan, Chelsea Islan, Zack Lee

DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Indonesisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Behind the Scenes, Trailer, Teaser

Länge: 114 Minuten

FSK: „keine schwere Jugendgefährdung“

Hinweise

Moviepilot über „Headshot“

Metacritic über „Headshot“

Rotten Tomatoes über „Headshot“

Wikipedia über „Headshot“


Neu im Kino/Filmkritik: „The Raid 2“ – Action gut, Story mau

Juli 24, 2014

Als vor zwei Jahren „The Raid“ im Kino anlief, war der Film für Action-Fans eine Wohltat. Regisseur und Drehbuchautor Gareth Evans brannte ein hundertminütiges, extrem hartes Actionfeuerwerk mit einer minimalistischen Geschichte (eine Gruppe Polizisten soll in einem Hochhaus einen Gangster verhaften) und handgemachten Action-Szenen, bei denen man wirklich die beeindruckenden Leistungen der Kämpfer bewundern konnte, ab.

Der Film war ein Erfolg und mit „The Raid 2“ knüpft Gareth Evans unmittelbar an „The Raid“ an, allerdings mit einem größeren Budget und einer größeren Geschichte. Während „The Raid“ eine Kurzgeschichte war, ist „The Raid 2“ ein Epos; was sowohl für als auch gegen den Film spricht.

Der harte Action-Thriller beginnt wenige Minuten nach dem Ende von „The Raid“ und führt in die Unterwelt von Jakarta. Der Polizist Rama (Iko Uwais) nimmt, nachdem sein Bruder ermordet wurde, einen Undercover-Auftrag an. Er soll sich mit dem Verbrechersohn Uco befreunden. Dafür muss Rama im Gefängnis als Verbrecher Ucos Vertrauen gewinnen. Nach seiner zweijährigen Haftstrafe wird er in Ucos Familie aufgenommen und er gerät in einen Gangsterkrieg, weil der ehrgeizige Uco den Posten seines Vaters Bangun übernehmen will. Bangun hat vor einem Jahrzehnt mit der japanischen Mafia eine Vereinbarung geschlossen. Seitdem sind die Reviere in Jakarta aufgeteilt. Uco beginnt den Frieden zu stören. Schnell entsteht, vor allem nachdem Uco sich mit dem skrupellosem Bejo verbündet, ein blutiger Kampf zwischen den verschiedenen Gangstergruppen. Rama, dessen Loyalität zu seinem Diensteid und seine Freundschaft zu Uco unvereinbar sind, steht zwischen den Fronten – und wir bekommen einen Gangsterfilm und einen Undercover-Polizeithriller mit viel Action serviert.

Dabei ist die Action, wie schon in „The Raid“, spektakulär und der Grund sich diesen Thriller anzusehen. Denn sie wurde ohne die heute üblichen CGI-Hilfsmittel inszeniert. Es wurde ganz altmodisch live gekämpft und Autos geschrottet. Es wurde wenig geschnitten, was die Szenen noch spektakulärer macht und die Schauspieler sind teilweise Kampfsportler, die wissen, wie sie sich bewegen müssen. Es gibt, unter anderem, einen Massenkampf auf einem Gefängnishof, wo ungefähr vier Gruppen im Matsch gegeneinander kämpfen. Es gibt eine innerstädtische Autoverfolgungsjagd mit Faustkämpfen in den fahrenden den Autos. In einer voll besetzten U-Bahn tötet Hammer Girl mit einem Hammer ihre Opfer – und versprüht dabei den Charme eines komplett fehlgeleiteten Hit Girls. Es gibt, mit allem, was den Kämpfern in die Finger gerät, Kämpfe in geschlossenen Räumen, wie einer Discothek, in der der ziemlich durchgeknallte Prakoso ermordet werden soll. Dabei ist Prakoso eine Reinkarnation von Ramas Gegner Mad Dog aus dem ersten „The Raid“-Film. Kampfsportler Yayan Ruhian spielt beide Rollen, Und am Ende, stürmt Rama allein die Zentrale der Verbrecher, was Gareth Evans die Gelegenheit gibt, die Kampfkünste von Iko Uwais ausführlich zu zeigen in der Garage des Hauses, in Gängen, in der Küche und schließlich im Restaurant, in dem Uco und Bejo sind.

Jede diese Action-Szenen inszenierte Evans nach der Methode „mehr ist besser“.

Aber dieses Mal gibt es zwischen der Action auch einen unnötig komplizierten Plot, in dem Gangster sich gegenseitig aufs Kreuz legen und jeder Charakter wird, in schönster Quentin-Tarantino-Manier, episch eingeführt. Auch wenn das für die weitere Geschichte egal ist und die Geschichte nur unnötig verlängert. Deshalb braucht Evans für seinen nach Schema F ablaufenden Gangsterfilmplot dann epische 150 Minuten, die man mit einem stringenterem Drehbuch locker um etliche Minuten auf zwei Stunden hätte kürzen können.

So ist „The Raid 2“, der mit seinem Titel unnötige Vergleiche mit „The Raid“ provoziert, eine milde Enttäuschung. Denn während „The Raid“ gerade wegen seiner von jeglichem erzählerischem Ballast befreiten Geschichte, die im Dienst der Action-Szenen standen, begeisterte, wird in „The Raid 2“ viel zu viel unnötiger Ballast mitgeschleift und die klare, auf das nötigste reduzierte Geschichte des ersten Teils wird hier zu einem ausuferndem Gangsterepos, das gerade auf der erzählerischen Ebene nur die bekannten Gangsterfilmtopoi unoriginell abhandelt.

Aber die Action ist wieder einmal atemberaubend – und den Kinobesuch wert.

The Raid 2 - Plakat

 

The Raid 2 (The Raid 2, Indonesien/USA 2014)

Regie: Gareth Evans

Drehbuch: Gareth Evans

mit Iko Uwais, Yayan Ruhian, Arifin Putra, Oka Antara, Tio Pakusadewo, Alex Abbad, Julie Estelle, Cok Simbara, Ken’ichi Endô, Ryûhei Matsuda, Kazuki Kitamura

Länge: 150 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Raid 2“

Moviepilot über „The Raid 2“

Metacritic über „The Raid 2“

Rotten Tomatoes über „The Raid 2“

Wikipedia über „The Raid 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gareth Evans‘ „The Raid“ (The Raid, Indonesien/USA 2011)


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