TV-Tipp für den 17. Juli: Mandela: Der lange Weg zur Freiheit

Juli 17, 2018

ARD, 22.45

Mandela – Der lange Weg zur Freiheit (Mandela: Long Walk to Freedom, USA 2013)

Regie: Justin Chadwick

Drehbuch: William Nicholson

LV: Nelson Mandela: Long Walk to Freedom, 1995 (Der lange Weg zur Freiheit)

TV-Premiere. Sehenswertes Biopic über Nelson Mandela.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Idris Elba, Naomi Harris, Tony Kgoroge, Riaad Moosa, Fana Mokonea

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Moviepilot über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Metacritic über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Rotten Tomatoes über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Wikipedia über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ (deutsch, englisch) und Nelson Mandela

Meine Besprechung von Justin Chadwicks „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ (Mandela: Long Walk to Freedom, USA 2013)

Meine Besprechung von Justin Chadwicks „Tulpenfieber“ (Tulip Fever, USA/Großbritannien 2017)

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Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Tulpenfieber“, eine außereheliche Affären, ein uneheliches Kind und viel Liebe

August 27, 2017

 

Heute ist es, außer man hat sich mal mit Volkswirtschaft und Spekulationsblasen beschäftigt, unvorstellbar, dass Tulpenzwiebeln ein begehrtes Gut, ein Spekulationsobjekt mit unglaublichen Gewinnaussichten sind. Aber in den Niederlande kam es zwischen 1634 und 1637 zu einer Tulpenmanie, die noch heute in ökonomischen Lehrbüchern besprochen wird. Die Preise stiegen in kurzer Zeit ins Unermessliche. Auch weil schon damals an der Börse alles das gemacht wurde, was vor zehn Jahren zur Banken- und Finanzkrise führte.

Insofern ist „Tulpenfieber“, das während der Tulpenmanie in Amsterdam spielt, auch ein Lehrstück über das Funktionieren von Börsen und Spekulation. Im Film mehr als in Deborah Moggachs Roman.

Im Zentrum der von ihr erfundenen Geschichte steht die Mittzwanzigerin Sophia (Alicia Vikander). Sie ist mit dem deutlich älteren Gewürzhändler Cornelis Sandvoort (Christoph Waltz) verheiratet. Als er von ihnen ein Porträt malen lässt, verliebt sie sich in den Maler Jan van Loos (Dane DeHaan).

Im Haushalt der Sandvoorts ist auch das Dienstmädchen Maria (Holliday Grainger). Sie ist in den Fischhändler Willem (Jack O’Connell) verliebt. Als er glaubt, dass Maria ihn betrügt, begibt er sich auf große Seefahrt. Im Film wird er schanghait, im Buch ist es sein eigener Entschluss. Für die Handlung ist das Detail unerheblich. Tom Stoppard und Deborah Moggach veränderten in ihrem Drehbuch noch einige weitere Details. Wichtig ist vor allem, die Hinzuerfindung einer Äbtissin (Judi Dench), die Sophia erzog und die in ihrem Klostergarten Tulpenzwiebeln züchtet. Und Dr. Sorgh (Tom Hollander) hat im Film als Doktor eine größere Präsenz als im Film. Er hilft bei der Geburt und bei der Durchführung des verwegenen Plans von Sophia, Maria und Jan. Denn Maria will sich von Cornelis trennen, aber er würde niemals einer Scheidung zustimmen und er will unbedingt ein Kind haben. Und Maria will kein uneheliches Kind von dem Mann haben, der spurlos verschwunden ist.

Aber das sind kleinere Änderungen, die die Hauptgeschichte kaum beeinflussen. Wichtiger ist, obwohl Buch und Film zwischen verschiedenen Handlungssträngen und Erzählperspektiven wechseln, der Wechsel der Ich-Erzählerin. Im Roman ist es Sophia, die ja auch die Hauptperson der Geschichte ist. Im Film ist es die Dienstmagd Maria, die eine unglückliche Position zwischen direkt Beteiligte und unbeteiligte Beobachterin hat. Dadurch vergrößert sich die Distanz zwischen dem Geschehen auf der Leinwand und der emotionalen Involvierung des Zuschauers. Immer dann, wenn man ungehemmt mit Sophia mitfühlen möchte, unterbricht die Erzählerin den Handlungsfluss, die vieles nicht weiß, was wir als Zuschauer sehen. Gleichzeitig sinkt die Sympathie gegenüber Sophia. Sie ist zwar mit einem alten Mann verheiratet (laut Roman ist er 61 Jahre alt) und es war keine Liebesheirat; wobei die Idee einer Liebesheirat erst in der Romantik populär wurde. Aber Cornelis ist kein schlechter Mensch. Der Witwer ist vielleicht etwas unbeholfen und eitel, aber er hat seine erste Frau und seine beiden Kinder verloren. Von Maria will er nur einen Erben haben. Dafür erfüllt er ihr jeden Wunsch und ein Leben im Wohlstand. Denn Maria wuchs mittellos in einem Kloster auf. Diesen Menschen betrügt Maria dann und sie will ihm noch mehr Leid zufügen. Sie ist damit der Bösewicht des Films. Allerdings wird das im Film nicht thematisiert. Stattdessen sollen wir für sie Sympathie empfinden, weil sie verliebt ist und Liebe alles rechtfertigt. Das ist, wie in dem Science-Fiction-Film „Passengers“, eine problematische Ausgangslage, die im Film nie thematisiert wird.

Dazu kommt, dass Justin Chadwick („Mandela: Der lange Weg zur Freiheit“) nie die richtige Balance zwischen Liebes-, Krimi- und Finanzdrama findet und damit die Möglichkeiten verschenkt, die die Geschichte hätte. Aber diese Unentschlossenheit ist schon im Drehbuch angelegt, das sich nicht zwischen Liebes- und Finanzdrama entscheiden will und eine problematische Haltung zur Protagonistin Sophia hat.

Fans von historischen Liebesschmonzetten werden dagegen gut bedient. Die Schauspieler sind gut. Die Kulisse gefällt (auch wenn nur in Großbritannien gedreht wurde). Danny Elfman schrieb die Musik. Sie müssen nur akzeptieren, dass die Geschichte nicht das typische Schmonzettenende hat.

Tulpenfieber (Tulip Fever, USA/Großbritannien 2017)

Regie: Justin Chadwick

Drehbuch: Tom Stoppard, Deborah Moggach

LV: Deborah Moggach: Tulip Fever, 1999 (Tulpenfieber)

mit Alicia Vikander, Christoph Waltz, Judi Dench, Dane DeHaan, Cara Delevingne, Zach Galifianakis, Holliday Grainger, Tom Hollander, Jack O’Connell

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Die Vorlage

Deborah Moggach: Tulpenfieber

(übersetzt von Ursula Wulfekamp)

Insel Verlag, 2016

288 Seiten

10 Euro

Frühere deutsche Ausgaben bei Verlag Fretz & Wasmuth (1999) und S. Fischer Verlag (2007)

Originalausgabe

Tulip Fever

Verlag William Heinemann, London, 1999

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Tulpenfieber“

Metacritic über „Tulpenfieber“

Rotten Tomatoes über „Tulpenfieber“

Wikipedia über „Tulpenfieber“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Justin Chadwicks „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ (Mandela: Long Walk to Freedom, USA 2013)

Homepage von Deborah Moggach

 


Neu im Kino/Filmkritik: Das Biopic „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Januar 31, 2014

 

Als traditionelles Biopic kämpft „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ natürlich mit dem bekannten Biopic-Problem, dass innerhalb einer begrenzten Zeit ein ganzes Leben abgehandelt werden muss. Da hilft auch nicht die Biopic-übliche Überlänge. Im Sauseschritt geht es durch die Geschichte, die in Nelson Mandelas Geburtsort, dem Dorf Mvezo in der Transkei, beginnt, dann einen Sprung nach Johannesburg macht und Nelson Mandela in den frühen vierziger Jahren als jungen Anwalt zeigt, der durch sein Township geht. Schon in diesem Moment ist, dank der Kamera, Idris Elbas energischen Schritten und den ihn bewundernd ansehenden Bewohnern, klar, dass hier ein geborener Führer in seiner Gemeinschaft ist. Weitere Erklärungen sind überflüssig.

Mandela politisiert sich bei seiner Arbeit. Denn in der Apartheid-Gesellschaft haben Schwarze keine Rechte. Er wird ANC-Mitglied, hält Reden, nimmt den politischen Kampf auf, trennt sich von seiner ersten Frau, verliebt sich in Winnie Mandela, geht als bewaffneter Kämpfer in den Untergrund, wird verhaftet, 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt, lebt danach auf der Gefängnisinsel Robben Island, kommt 1990 frei und wird 1994 Präsident von Südafrika.

Es wird auch gezeigt, wie Winnie für die Freiheit ihres Mannes kämpft, Repressalien ausgesetzt ist und ebenfalls verhaftet wird.

Eben diese Beziehung zwischen Winnie und Nelson Mandela steht dann auch halbwegs im Zentrum von „Mandela“, während sich Nelson Mandelas politisches Wirken auf einige Allgemeinplätze beschränkt. Er fordert ein Ende der Apartheid, Gleichheit und „ein Mann, eine Stimme“. Wer kann etwas dagegen haben? Aber warum er sich radikalisierte und vom Anwalt zum Terroristen wurde, bleibt unklar. Es bleibt auch unklar, warum gerade er so bekannt wurde und warum er zum weltweit bekannten Symbol im Kampf gegen die Apartheid wurde. Ältere dürften sich noch an die weltweite Solidaritätsbewegung für Nelson Mandela in den achtziger Jahren mit ihren zahlreichen Aktionen, wie dem Konzert im Wembley-Stadion zu seinem 70. Geburtstag am 11. Juni 1988, erinnern. Da saß er bereits ein Viertel Jahrhundert ohne Kontakt zur Außenwelt im Gefängnis. Im Film gibt es einige Ausschnitte von Konzerten und Demonstrationen.

In Justin Chadwicks Spielfilm wird das Politische immer wieder zugunsten des Privaten vernachlässigt. Zwar werden ihm die Bürgerrechte energisch verteidigt; was nach 9/11 und der allumfassenden Überwachung der Bürger durch die Geheimdienste nötiger denn je ist und der Film hier Parallelen hätte aufzeigen können, aber die Verteidigung der Bürger- und Menschenrechte geht nie über die allgemein akzeptierten Gemeinplätzen hinaus. Das mag aus kommerziellen Erwägungen vernünftig sein, das mag sogar den Wünschen von Nelson Mandela, der in die Produktion des Films involviert war, entsprechen.

Aber so bleibt am Ende von „Mandela“ dann nur große Bewunderung für Idris Elba, der Nelson Mandela glaubwürdig vom 23-jährigen bis zum 76-jährigen Mann spielt und dafür eine Golden-Globe-Nominierung erhielt, und für Naomi Harris, die Winnie Mandela spielt, übrig.

Es bleibt auch die Hoffnung, dass „Mandela“ dazu führt, sich genauer mit Nelson Mandela, seinen politischen Ansichten und seinem Wirken zu beschäftigen.

Denn langweilig ist das viel zu unpolitische, viel zu sehr privatisierende und notgedrungen oberflächliche Biopic „Mandela“ nie. Es gehört sogar zu den besseren Biopics, die ein ganzes Leben schildern.

Aber die gelungenen Biopics der letzten Jahre, wie „Hannah Arendt“ und „42“ (um nur zwei sehr gegensätzliche Beispiele zu nennen), konzentrierten sich auf einen kurzen, aber entscheidenden Abschnitt im Leben des Porträtierten.

Mandela - Plakat

Mandela – Der lange Weg zur Freiheit (Mandela: Long Walk to Freedom, USA 2013)

Regie: Justin Chadwick

Drehbuch: William Nicholson

LV: Nelson Mandela: Long Walk to Freedom, 1995 (Der lange Weg zur Freiheit)

mit Idris Elba, Naomi Harris, Tony Kgoroge, Riaad Moosa, Fana Mokonea

Länge: 147 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Moviepilot über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Metacritic über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Rotten Tomatoes über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Wikipedia über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ (deutsch, englisch) und Nelson Mandela

 

 


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