TV-Tipp für den 2. Juni: Girl on the Train

Juni 1, 2019

Pro7, 20.15

Girl on the Train (Girl on the Train, USA 2016)

Regie: Tate Taylor

Drehbuch: Erin Cressida Wilson

LV: Paula Hawkins: Girl on the Train, 2015 (Girl on the Train)

Auf ihren täglichen Zugfahrten beobachtet Rachel ein junges Liebespaar. Eines Tages ist die Frau verschwunden. Rachel befürchtet das Schlimmste und sie will herausfinden, was geschah.

TV-Premiere der auf einem Bestseller basierenden Thrillerschmonzette von Tate Taylor. Sein neuester Film „Ma“ läuft seit Donnerstag im Kino.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Emily Blunt, Rebecca Ferguson, Haley Bennett, Justin Theroux, Luke Evans, Allison Janney, Edgar Ramírez, Lisa Kudrow, Laura Prepon, Darren Goldstein

Wiederholung: Montag, 3. Juni, 00.05 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage mit Filmcover

Girl on the TrainDu kennst sie nicht aber sie kennt dich von Paula Hawkins

Paula Hawkins: Girl on the Train

(übersetzt von Christoph Göhler)

Blanvalet, 2016

448 Seiten

12,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Blanvalet, 2015

Originalausgabe

Girl on the Train

Doubleday, 2015

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Girl on the Train“

Metacritic über „Girl on the Train“

Rotten Tomatoes über „Girl on the Train“

Wikipedia über „Girl on the Train“ (deutsch, englisch)

Homepage von Paula Hawkins

Perlentaucher über „Girl on the Train“

Meine Besprechung von Tate Taylors „The Help“ (The Help, USA 2010)

Meine Besprechung von Tate Taylors „Get on Up“ (Get on Up, USA 2014)

Meine Besprechung von Tate Taylors „Girl on the Train“ (Girl on the Train, USA 2016)

Meine Besprechung von Tate Taylors „Ma“ (Ma, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Berufung“ der Ruth Bader Ginsburg

März 7, 2019

Sie war 1956 nicht die einzige Frau, die in der Austin Hall der Universität Harvard von Dekan Erwin Griswold als neue Studierende begrüßt wurden. Neben ihr waren noch acht weitere Frauen im Saal. Und fünfhundert Männer.

Das hinderte Ruth Bader Ginsburg nicht daran, ihr Studium als Jahrgangsbeste abzuschließen. Wäre sie ein Mann gewesen, hätten nach diesem Abschluss alle renommierten Kanzleien sich um sie gerissen. Stattdessen sammelt Bader Ginsburg Absagen und muss unterrichten.

Erst 1970 erhält sie ihre große Chance. Ihr Mann Martin Ginsburg ist Steueranwalt. Während seiner Arbeit stieß er auf den Fall von Charles Moritz. Der alleinstehende Moritz kümmert sich um seine kranke Mutter. Allerdings erhält er keine steuerliche Vergünstigungen, weil die Pflege von Angehörigen eine Aufgabe für Frauen ist. Es geht um eine Steuerrückzahlung von 296 Dollar.

Auf den ersten Blick ist das nur eine kleine Ungerechtigkeit im Steuersystem. Eine vernachlässigbare Absurdität, wie es viele weitere in den Steuergesetzen gibt und über die Steueranwälte stundenlang reden können.

Bader Ginsburg sieht allerdings das große Bild. Denn die verweigerte Steuerrückzahlung an Moritz ist eine Diskriminierung ‚on the basis of sex‘ (so der Originaltitel des Films). Bader Ginsburg, die bislang erfolglos versuchte, gegen gesetzliche Diskriminierungen wegen des Geschlechts vorzugehen, sieht ihre Chance. Es ist ein glasklarer Fall von Diskriminierungen. Nur ist dieses Mal keine Frau, sondern ein Mann diskriminiert. Bader Ginsburg will einen Präzedenzfall schaffen.

Mimi Leder kehrt mit dem Biopic „Die Berufung“ über Ruth Bader Ginsburg wieder zurück ins Kino. Sie inszenierte einige Kinofilme wie „Projekt: Peacemaker“ und „Deep Impact“ und unzählige Filme für das Fernsehen und Episoden für TV-Serien, wie „Emergency Room“, „Shameless“ und „The Leftovers“. Diese Erfahrung im schnörkellosen Inszenieren einer Geschichte bemerkt man auch in „Die Berufung“.

Die Filmgeschichte basiert auf einem Drehbuch von Daniel Stiepleman. Er ist ein Neffe von Ruth Bader Ginsburg und er konnte sich beim Schreiben des Buches intensiv mit ihr austauschen. Bader Ginsburg war dabei wichtig, dass die juristischen Feinheiten genau dargestellt wurden.

Leder inszenierte die Geschichte von Bader Ginsburgs Ausbildung und ihrem ersten großen Fall als klassisches Hollywood-Erzählkino. In ihrem Biopic zeigt sie Bader Ginsburg, gespielt von Felicity Jones, bei der Arbeit und mit ihrer Familie. Ihren Mann Martin Ginsburg, gespielt von Zwei-Meter-All-American-Boy Armie Hammer, heiratete sie bereits 1954. 1955 kam ihre Tochter Jane zur Welt. Während ihres Studiums wurde Ginsburg wegen Hodenkrebs behandelt und sie besuchte auch seine Universitätskurse. 1965 bekamen sie ihr zweites Kind. Der 2010 verstorbene Ginsberg unterstützte seine Frau während ihrer gesamten Ehe bedingungslos.

1993 ernannte Präsident Bill Clinton Bader Ginsburg zur Richterin am Obersten Gerichtshof. Heute ist die Vorkämpferin für die Gleichberechtigung immer noch Richterin am Obersten Gerichtshof und eine Ikone der Liberalen.

Der Film setzt ihr zu Lebzeiten ein gelungenes Denkmal. Gelungen wechselt Leder in ihrem Bader-Ginsburg-Biopic zwischen Privatleben und klassischem Gerichtsdrama. Das ist lehrreich, gut gespielt und inszeniert in der Tradition des klassischen Hollywood-Erzählkinos.

Wer nach dem Film mehr über Ruth Bader Ginsburg erfahren will, sollte die aktuelle, Oscar-nominierte Doku „RBG“ ansehen. Im Kino läuft sie seit dem 13. Dezember 2018. Die DVD-Ausgabe ist für den 25. April 2019 angekündigt.

Die Berufung (On the Basis of Sex, USA 2018)

Regie: Mimi Leder

Drehbuch: Daniel Stiepleman

mit Felicity Jones, Armie Hammer, Justin Theroux, Kathy Bates, Sam Waterston, Stephen Root, Jack Reynor, Cailee Spaeny, Chris Mulkey, Ruth Bader Ginsburg (Cameo)

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Berufung“

Metacritic über „Die Berufung“

Rotten Tomatoes über „Die Berufung“

Wikipedia über „Die Berufung“ (deutsch, englisch)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Käfer „Bumblebee“ ist ein guter Transformer

Dezember 20, 2018

Nach fünf „Transformers“-Spielfilmen, in denen Michael Bay seine Form subtiler Unterhaltung präsentierte, weiß man, wie ein an der Kinokasse erfolgreicher „Transformers“-Film aussieht: hirnlose Action, eine von Film zu Film zunehmend chaotischere Handlung, konsequent unterforderte Schauspieler (die dafür viel Schmerzensgeld erhalten) und junge Damen, deren für den Film notwendige Fähigkeiten sich in ihrem vollbusigen Aussehen erschöpfen.

Dass das bei dem neuen „Transformers“-Film anders wird, hat niemand wirklich erwartet. Schließlich hat Bay den Film produziert und der von ihm für diesen „Transformers“-Film engagierte Regisseur hat vorher nur den Animationsfilm „Kubo – Der tapfere Samurai“ gedreht.

Die ersten Minuten sind dann auch im bekannten Michael-Bay-Stil inszeniert: Es beginnt mit einer riesigen Schlacht. Auf dem Planeten Cybertron kloppen sich die Autobots mit den Deceptions. Als die Autobots die Schlacht verlieren, schickt Optimus Prime Bumblebee (aka B-127) auf die Erde. Er soll den Planeten bewachen und alles für die friedliche Ankunft der Autobots vorbereiten.

Auch auf der Erde geht es gleich mit viel Kampfgetöse weiter. Denn Bumblebee landet, verfolgt von den terminatormäßig auf ihr Ziel fokussierten Deceptions Shatter und Dropkick, mitten auf einem Militärübungsplatz und das Militär geht mit der bewährten Militärtaktik „erst ballern, dann weiterballern“ vor.

Bumblebee kann, schwer lädiert, entkommen und jetzt nimmt der von Travis Knight inszenierte Film eine sehr erfreuliche Wendung hin zu kindgerechter, ihre Protagonisten ernst nehmender herzerwärmender Disney-Unterhaltung.

Jetzt ist auch die Zeit, um kurz zu erklären, dass die Autobots und die Deceptions Roboter sind, die sich schwuppdiwupp in Autos verwandeln können. Bumblebee verwandelt sich in einen gelben VW Käfer und versteckt sich in dem nordkalifornischen Küstenort Brighton Falls auf einem Schrottplatz.

Dort lebt auch Charlie Watson (Hailee Steinfeld). Die Einzelgängerin gehört nicht zur angesagten Clique in der Schule. Lieber fährt sie mit ihrem Moped herum (ohne Helm), schraubt in der Garage an der 1959er Corvette ihres verstorbenen, über alles geliebten Vaters herum, trauert ihm immer noch nach und verdient sich etwas Geld hinzu. Sie ist definitiv kein Bay-Babe, sondern ein erfrischend normal aussehender Teenager mit alltäglichen Problemen und Sorgen. Wobei Jungs nicht dazu gehören.

Auf einem Schrottplatz entdeckt sie einen alten, gelben, hundertfünfzigprozentig schrottreifen VW Käfer. Sie verliebt sich in das Auto und kann den Besitzer des Schrottplatzes überzeugen, ihn ihr zum 18. Geburtstag zu schenken.

Als sich, kurz darauf, in der heimischen Garage, Bumblebee ihr gegenüber als Autobot zu erkennen gibt, reagiert sie erstaunlich gefasst. Denn der 1987 spielende Film spielt vor den anderen „Transformers“-Filmen und damals waren Transformers auf der Erde noch unbekannt. Schnell schließt sie den sehr herzigen Bumblebee in ihr Herz. Er wird, soweit man das bei einem Auto sagen kann, zu ihrem ständigen Begleiter, der auch in ihr Leben eingreift.

Die Idylle zwischen Charlie und Bumblebee ist allerdings nur von kurzer Dauer. Die Deceptions und das Militär wollen Bumblebee unbedingt finden und vernichten. Ein in Charlie verliebter Nachbarjunge entdeckt das Geheimnis des Käfers. Und dann ist da noch Charlies Familie, – ihr kleiner Bruder, ihre Mutter und ihr neuer Vater – , die sich fragt, was Charlie in der Garage treibt.

Weil Bumblebee ein VW Käfer mit besonderen Fähigkeiten ist, werden sofort Erinnerungen an vor Ewigkeiten gesehene Filme mit Herbie (Disneys Superkäfer) und Dudu (die deutsche Ausgabe in gelb) wach. Der 80er-Jahre-Soundtrack mit all den Hits, die man damals an jeder Straßenecke hörte, verbreitet ebenfalls ein angenehmes Retro-Gefühl. Die Songs sind dabei auch ein Teil des Gesprächs zwischen Bumblebee und Charlie. Weil Bumblebee nicht sprechen kann, drückt er seine Gedanken über das Autoradio mit Musik aus. Auch optisch und erzählerisch knüpft Travis Knight mit seinem Film an die achtziger Jahre an, als John Hughes, Steven Spielberg und die von ihm in seiner Firma Amblin Entertainment produzierten Filme, an der Kinokasse triumphierten. Man kann „Bumblebee“ ohne große Mühe als gelungene Neuinterpretation von „E. T. – Der Außerirdische“ sehen.

Das Zielpublikum des neuen Films aus dem „Transformers“-Universum sind dieses Mal eindeutig Kinder bis vierzehn Jahre. Für sie gibt es, im Rahmen einer in sich abgeschlossenen Geschichte sympathische Charaktere, Humor (zum Beispiel wenn Bumblebee tapsig das Haus der Watsons zerlegt) und, wenn die Transformers gegeneinander kämpfen, auch mehr als handfeste Action. Im Zentrum steht allerdings immer die glaubwürdige Beziehung zwischen Charlie und ihrem neuen Gefährten Bumblebee.

Bumblebee“ ist der sympathischste, erfreulichste und gelungenste „Transformers“-Film. Dass Travis Knight einen hundertprozentigen Anti-Michael-Bay-Film abliefert, hätte vor wenigen Wochen niemand erhofft und erwartet.

Bumblebee (Bumblebee, USA 2018)

Regie: Travis Knight

Drehbuch: Christina Hodson

mit Hailee Steinfeld, John Cena, Jorge Lendeborg Jr., Jason Drucker, Pamela Adlon, Stephen Schneider, Ricardo Hoyos, John Ortiz, Glynn Turman, – und im Original den Stimmen von Dylan O’Brien, Peter Cullen, Angela Bassett, Justin Theroux, David Sobolov

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Bumblebee“

Metacritic über „Bumblebee“

Rotten Tomatoes über „Bumblebee“

Wikipedia über „Bumblebee“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Michael Bays „Transformers: Ära des Untergangs (Transformers: Age of Extinction, USA 2014)

Meine Besprechung von Michael Bays „Transformers: The Last Knight“ (Transformers: The Last Knight, USA 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: „Bad Spies“ sind auch Spione

August 31, 2018

Was ist schlimmer? Wenn der Freund via SMS die Beziehung beendet oder wenn er ein Spion ist? Also kein langweiliger Sesselfurzer, sondern eher so der durchtrainierte, smarte James-Bond-Typ.

Audrey (Mila Kunis) glaubt zuerst ersteres. Aber dann eröffnet ihr ihr lange spurlos verschwundener Freund, dass er ein Spion sei und gerade mächtig Ärger habe. Angesichts der wilden Schießerei in ihrer Wohnung hätte sie das eh vermutet. Kurz bevor er vor ihren Augen erschossen wird, bittet er sie, einen superwichtigen USB-Stick nach Wien zu bringen. Die supergeheimen und in den falschen Händen extrem gefährlichen Informationen dürfen unter keinen Umständen in die falschen Hände fallen.

Zusammen mit ihrer Kindergartenfreundin Morgan (Kate McKinnon) macht Audrey sich von den USA auf den Weg nach Europa zu dem Übergabeort: ein nobles Café in Wien.

Dort geraten sie in die nächste Schießerei. Denn alle Restaurantgäste sind schwerbewaffnete und extrem tötungswillige Agenten., Killer und Verbrecher. So genau kann man das nicht auseinanderhalten.

Audrey und Morgan können unverletzt entkommen und beginnen ihre Tour durch Europa als extrem schusseliges Damenduo, das den extrem gefährlichen Agenten zeigt, dass „Bad Spies“ in diesem Fall die besseren Spione sind. Dabei haben die beiden chaotischen Quasselstrippen die meiste Zeit überhaupt keine Ahnung davon, in welchen Schlamassel sie hineingeraten sind, wer die Guten und wer die Bösen sind, wem sie vertrauen können und gegen wen sie kämpfen.

Vor drei Jahren schickte Paul Feig Melissa McCarthy in „Spy – Susan Cooper Undercover“ (Spy, USA 2015) auf eine ähnliche Mission und sein Film ist ungleich gelungener als Susanna Fogels „Bad Spies“. Das liegt vor allem an den Witzen, die in „Bad Spies“ nicht besonders witzig sind und oft sogar nerven, wenn Mila Kunis und Kate McKinnon ewig improvisieren, ohne zu einem Punkt zu kommen. Es ist der auch aus anderen US-Komödien bekannte Impro-Klamauk.

Die Action ist dagegen gut gemacht, knackig und ziemlich brutal. Das liegt sicher auch daran, dass Stunt-Koordinator und Second-Unit-Regisseur Gary Powell verpflichtet wurde. Er war bei „Ready Player One“, „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“, den letzten James-Bond-Filmen und den Jason-Bourne-Filmen für die Stunts verantwortlich. Und auch für „Bad Spies“ inszenierte er einige beeindruckende Stunt-Sequenzen. Die Härte bei diesen Szenen war von Regisseurin Fogel gewollt: „Es war mir wichtig, dass die Action genauso skrupellos ist wie in einem Film mit männlichen Helden und dass wir nichts zurückhalten oder abmildern.“.

Diese Härte verträgt sich dann nicht besonders gut mit dem leichten Ton der Comedy.

Die Story bemüht sich gar nicht, mehr als der lose Kitt zwischen Action und Blödeleien zu sein. So ist die Actionkomödie mäßig unterhaltsam und schnell vergessen.

Bad Spies (The Spy who dumped me, USA 2018)

Regie: Susanna Fogel

Drehbuch: David Iserson

mit Mila Kunis, Kate McKinnon, Justin Theroux, Gillian Anderson, Sam Heughan, Hasan Minhaj, Ivanna Sakhno, Paul Reiser, Jane Curtin

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Bad Spies“

Metacritic über „Bad Spies“

Rotten Tomatoes über „Bad Spies“

Wikipedia über „Bad Spies“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 19. Mai: Miami Vice

Mai 19, 2017

ZDFneo, 23.10

Miami Vice (USA 2006, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Michael Mann

Die Polizisten Crockett und Tubbs jagen einen mächtigen Drogenhändler.

Optisch überzeugendes, inhaltlich schwaches Remake der erfolgreichen von Michael Mann und Anthony Yerkovich erfundenen bahnbrechenden TV-Serie. Denn in dem Spielfilm zeigt Mann nichts, was er nicht schon besser in der Serie gezeigt hat. Der Film ist nur ein optisch (also Mode, Musik und Technik) auf den aktuellen Stand gebrachtes Best-of der ersten Staffel von „Miami Vice“.

Mit Colin Farrell, Jamie Foxx, Gong Li, Naomie Harris, Ciarán Hinds, Justin Theroux

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Miami Vice“

Rotten Tomatoes über „Miamic Vice“

Wikipedia über „Miami Vice“ (deutsch, englisch)

Spielfilm.de: Interview mit Michael Mann zum Film

Confessions of a film critic: Interview mit Michael Mann zum Film

Drehbuch “Miami Vice” von Michael Mann (First Draft, 22. September 2004)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Die Bestseller-Verfilmung „Girl on the Train“

Oktober 27, 2016

Jeden Wochentag fährt Rachel im Pendlerzug nach London (im Film New York) und beobachtet dabei ein verliebtes Paar in einem lauschigen Vorstadthaus. Sie malt sich in den rosigsten Farben deren glückliches und erfülltes Leben aus.

Eines Tages beobachtet sie Megan beim Sex mit einem anderen Mann. Rachel ist schockiert, dass ihre Seifenblasen über das glückliche Eheleben von Megan und Scott zerplatzen.

Kurz darauf ist Megan spurlos verschwunden – und Rachel wacht in ihrem Bett mit einem Riesenkater, Verletzungen und einem Blackout auf.

Vor dem Film meinte ich, ohne das Buch zu kennen und ohne die Synopse genau studiert zu haben, zu einem Kumpel, die Lösung sei offensichtlich und nannte den Bösewicht, der es dann auch war.

Nach dem Film grummelte ich „typische missratene Bestseller-Verfilmung, die zu nah am Buch bleibt“. Und dabei hatte Drehbuchautorin Erin Cressida Wilson doch versucht aus einer Charakterstudie einen Thriller zu machen. Sie änderte auch etliche Details in der Geschichte.

Aber sie übernahm, anstatt beherzt und nach Lust und Laune die Romangeschichte so lange zu ändern, bis eine mitreisende Filmgeschichte entsteht, die Struktur des Romans, die im Roman besser als auf der Leinwand funktioniert. Die Geschichte wird aus den Perspektiven von Rachel Watson (Emily Blunt), Megan Hipwell (Haley Bennett) und Anna Watson (Rebecca Ferguson) erzählt. In der Gegenwart und der Vergangenheit. Und, bei Rachel, mit einigen Flashbacks, die mehr oder weniger wahr sind. Man ist also, auch wenn im Film immer wieder die Handlungszeit eingeblendet wird, mehr mit dem Auseinanderfriemeln der verschiedenen Zeitebenen und Perspektiven, als mit dem Sich-Einlassen in die Geschichte beschäftigt. Dass Megan und Anna, wie im Roman, zwei gutaussehende, schlanke, gleichaltrige Blondinen sind, sorgt immer wieder für kurzzeitige Irritationen, in denen man sich fragt, ob man jetzt gerade Megan oder Anna in der Gegenwart oder der Vergangenheit sieht. Entsprechend distanziert und gelangweilt folgt man den durchschaubaren Geschehnissen auf der Leinwand, die Tate Taylor („The Help“, „Get on Up“) reichlich uninspiriert in Richtung austauschbarer ‚TV-Film der Woche für weibliche Zuschauer‘ inszenierte. Für die Frauen im Publikum gibt es dann auch mehrere Identifikationsangebote.

Da ist Rachel, eine schon seit Langem arbeitslose Alkoholikerin, die immer noch ihrer Ehe mit Tom Watson (Justin Theroux) hinterhertrauert, ihren Erinnerungen nicht trauen kann und die versucht, zu helfen. Denn selbstverständlich muss der Liebhaber, den sie auf der Terrasse gesehen hat, der Mörder sein. Nur: wen hat sie wirklich auf der Terrasse beim Sex mit Megan gesehen? Und woher kommen die Verletzungen, die sie sich an dem Abend als Megan verschwand zufügte oder ihr zugefügt wurden?

Da ist Megan, die verschwundene Frau, die unter dem Kontrollwahn von ihrem Mann Scott (Luke Evans) leidet und bei einem Psychiater (Edgar Ramírez) war, den sie bei den Sitzungen versuchte, zu verführen. Außerdem arbeitete sie kurz als Babysitterin bei den Watsons.

Und da ist Anna, die jetzige Frau von Tom, die ihm das Kind schenkte, das Rachel ihm nicht schenken konnte. Sie ist verärgert über Rachels ständige SMS-Nachrichten und nächtlichen Anrufe.

Weil die Polizei keine Hinweise auf Megans Liebhaber findet, richtet sich ihr Interesse schnell auf Rachel, die sich ungefragt, mit oft falschen Angaben, in die Ermittlungen einmischt. Ungefähr ebensoschnell können wir uns ausrechnen, wer der Täter ist. Auch wenn die drei Damen, die im Roman alle unzuverlässige Ich-Erzählerinnen sind, noch ein, zwei weitere Geheimnisse haben.

Für mich sind diese Krimischmonzetten, die auch als Romantic-Thriller beworben werden und in denen es nur um die Probleme der labilen Protagonistin mit ihrem Traummann geht, nichts. Dabei fehlen im Roman sogar die wenigen Spannungsmomente des Films. Hawkins‘ enorm erfolgreicher Bestseller, weltweit 15 Millionen verkaufte Exemplare und der am schnellsten verkaufte Roman für Erwachsene in der Geschichte, ist vor allem eine langweilige Charakterstudie dreier einsamer, in der Vorstadt lebender, gut situierter, junger Frauen.

girl-on-the-train-hauptplakat

Girl on the Train (Girl on the Train, USA 2016)

Regie: Tate Taylor

Drehbuch: Erin Cressida Wilson

LV: Paula Hawkins: Girl on the Train, 2015 (Girl on the Train)

mit Emily Blunt, Rebecca Ferguson, Haley Bennett, Justin Theroux, Luke Evans, Allison Janney, Edgar Ramírez, Lisa Kudrow, Laura Prepon, Darren Goldstein

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage mit Filmcover

Girl on the TrainDu kennst sie nicht aber sie kennt dich von Paula Hawkins

Paula Hawkins: Girl on the Train

(übersetzt von Christoph Göhler)

Blanvalet, 2016

448 Seiten

12,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Blanvalet, 2015

Originalausgabe

Girl on the Train

Doubleday, 2015

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

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Moviepilot über „Girl on the Train“

Metacritic über „Girl on the Train“

Rotten Tomatoes über „Girl on the Train“

Wikipedia über „Girl on the Train“ (deutsch, englisch)

Homepage von Paula Hawkins

Perlentaucher über „Girl on the Train“

Meine Besprechung von Tate Taylors „The Help“ (The Help, USA 2010)

Meine Besprechung von Tate Taylors „Get on Up“ (Get on Up, USA 2014)


TV-Tipp für den 19. Mai: Miami Vice

Mai 19, 2016

Vox, 22.00

Miami Vice (USA 2006, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Michael Mann

Die Polizisten Crockett und Tubbs jagen einen mächtigen Drogenhändler.

Optisch überzeugendes, inhaltlich schwaches Remake der erfolgreichen von Michael Mann und Anthony Yerkovich erfundenen bahnbrechenden TV-Serie. Denn in dem Spielfilm zeigt Mann nichts, was er nicht schon besser in der Serie gezeigt hat. Der Film ist nur ein optisch (also Mode, Musik und Technik) auf den aktuellen Stand gebrachtes Best-of der ersten Staffel von „Miami Vice“.

Mit Colin Farrell, Jamie Foxx, Gong Li, Naomie Harris, Ciarán Hinds, Justin Theroux

Wiederholung: Freitag, 20. Mai, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Miami Vice“

Rotten Tomatoes über „Miamic Vice“

Wikipedia über „Miami Vice“ (deutsch, englisch)

Spielfilm.de: Interview mit Michael Mann zum Film

Confessions of a film critic: Interview mit Michael Mann zum Film

Drehbuch “Miami Vice” von Michael Mann (First Draft, 22. September 2004)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


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