TV-Tipp für den 27. November: Amokspiel

November 27, 2018

Sat.1, 20.15

Amokspiel (Deutschland 2018)

Regie: Oliver Schmitz

Drehbuch: Christian Busche

LV: Sebastian Fitzek: Amokspiel, 2007

Berlin: ein Geiselnehmer kapert die Radiomitmachshow „Cash Call“. Seine Forderung: er will mit seiner Verlobten sprechen. Dummerweise starb sie bei einem Autounfall. Kriminalpsychologin Ira Samin fragt sich, was für ein Spiel der Geiselnehmer treibt, während dieser fröhlich Menschen anruft und, wenn die Angerufenen die Parole nicht kennen, Geisel tötet.

Vor Jahren beschwerte Sebastian Fitzek sich, dass seine Thriller zwar Bestseller seien, aber niemand sie verfilmen wolle. Inzwischen hat sich das geändert. „Abgeschnitten“ läuft noch im Kino und jetzt läuft „Amokspiel“, mit Werbepausen, im Puschenkino. Mal sehen, ob’s ein spannender Thriller oder ein Desaster wird.

Tittelbach.tv ist jedenfalls zufrieden: „Als Spannungsspektakel funktioniert der weitgehend als Kammerspiel inszenierte Film…gut.“

P. S.: die Buchvorstellung in einem Radiosender in Berlin war jedenfalls ziemlich denkwürdig mit allem, was zu einem SEK-Einsatz gehört.

mit Franziska Weisz, Kai Schumann, Eko Fresh, Manuel Mairhofer, Christian Tramitz, Johann von Bülow

Wiederholung: Sonntag, 2. Dezember, 03.30 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage

Sebastian Fitzek: Amokspiel

Knaur, 2007

448 Seiten

9,99 Euro

Hinweise

Sat.1 über den Film

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augensammler” (2010)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augenjäger” (2011)

Meine Besprechung der Sebastian-Fitzek-Verfilmung “Das Kind” (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzek/Michael Tsokos‘ „Abgeschnitten“ (2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Nachtwandler“ (2013)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Joshua-Profil“ (2015)

Meine Besprechung von Max Rhodes (Pseudonym von Sebastian Fitzek) „Die Blutschule“ (2015)

Meine Besprechung von Christian Alvarts Sebastian-Fitzek-Michael-Tsokos-Verfilmung „Abgeschnitten“ (Deutschland 2018)

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Neu im Kino/Filmkritik: „Verfehlung“, Pädophilie und die katholische Kirche

März 26, 2015

In etlichen Kritiken wird Gerd Schneiders Debütspielfilm „Verfehlung“ über einen katholischen Seelsorger, der sich fragt, ob sein Freund Sex mit minderjährigen Schutzbefohlenen hatte, als eindringliches Gewissensdrama gelobt. Und auch ich kann dem Film nicht seine Ernsthaftigkeit absprechen. Schneider, der Theologie studierte, breitet die verschiedenen Aspekte des Themas gut aus. Dabei wählt er eine Beobachterperspektive. Er zeigt die Probleme und Auswirkungen des Missbrauchs. Er verteufelt den Täter nicht. Und er zeigt, wie eine Institution versucht, mit solchen Vorwürfen umzugehen.
Das ist nicht wenig.
Dennoch ist „Verfehlung“ kein guter Film, weil Schneider den falschen Protagonisten wählte und dieser unplausibel handelt. Unser Protagonist Jakob Völz (Sebastian Blomberg) ist ein Gefängnisseelsorger, der sich vorurteilsfrei um seine inhaftierten Schäfchen kümmert. Was sie getan haben ist ihm egal. Er urteilt nie über sie. Er will ihnen helfen und sie so auch zurück zum Glauben führen.
Als sein Freund Dominik Bertram (Kai Schumann) in Untersuchungshaft kommt, weil er einen seiner Schützlinge sexuell missbraucht haben soll, will Jakob den Vorwurf zuerst überhaupt nicht glauben. Sein anderer Freund Oliver (Jan Messutat) ist inzwischen als Stellvertretender Generalvikar ein wichtiger Mann im Bistum. Für ihn ist der Missbrauchsvorwurf nur ein Problem, das die Kirche, wie immer, intern löst.
Und Oliver hat dann auch die besten Szenen. Er ist ein Charakter, der aufgrund seiner Position Entscheidungen treffen muss. Er muss mit dem Problem umgehen. Er will die Kirche, seinen Freund Dominik und die Gläubigen schützen. Aber wie? Sind die alten Mechanismen zum Lösen des Problems heute immer noch tragfähig? Und gelingt es ihm, die widerstreitenden Interessen auszugleichen? Kurz: er muss Entscheidungen treffen und egal was er tut, er wird in jedem Fall gegen mindestens eines seiner Prinzipien verstoßen müssen. Es wird auch, in den wenigen Szenen die er hat, deutlich, in welchen Strukturen er steckt und welche geschriebenen und ungeschriebenen Regeln in der Kirche und zwischen Staat und Kirche existieren. Das ist großartiges Drama, bei dem man sich als Zuschauer letztendlich fragen muss, was man an der Stelle von Oliver tun würde.
Aber Schneider wählte Jakob zum Protagonisten. Jakob, der keines seiner Schäfchen verurteilt und der nichts über ihre Taten wissen will. Der jetzt aber von Dominik unbedingt wissen will, ob an den Vorwürfen etwas dran ist. Der selbst beginnt, zu ermitteln. Der dann auch, entgegen des sattsam bekannten Beichtgeheimnisses und dem dahinter stehendem Gedankengebäude, jetzt unbedingt möchte, dass öffentlich über die Vorwürfe verhandelt wird und dass sein bester Freund Dominik für seine Taten bestraft wird. Da spürt man in jeder Szene, dass der Autor etwas will und weil der Autor es will, muss auch sein Charakter es wollen.
Dabei Jakob muss keine Entscheidungen über das Schicksal von seinem Freund treffen. Aber er will sich entscheiden und er hat sich schon entschieden, als er seinen Freund zum ersten Mal fragt, ob die Vorwürfe stimmen. In diesem Moment verabschiedet sich der mitfühlende Geistliche aus der Handlung.
Und weil Dominik die gegen ihn gerichteten Vorwürfe schnell bestätigt, darf Jakob dann fast den gesamten Film mit sich selbst hadern. Er fragt sich, ob er nun seinen Freunden den Wölfen (ähem, dem Staat, der Justiz und der sensationsgierigen und kirchenfeindlichen Öffentlichkeit) zum Fraß vorwerfen soll. Dabei ist das von der Bevölkerung getragene moralisch korrekte Ende schon von Anfang an absehbar und Schneider weicht auch nie von dieser geraden und langweiligen Linie ab.
Darum ist „Verfehlung“ letztendlich nur ein biederes Drama, bei dem der Protagonist und die Zuschauer von Anfang an auf der richtigen Seite stehen und sie in ihren Werten bestätigt werden.

Verfehlung - Plakat

Verfehlung (Deutschland 2014)
Regie: Gerd Schneider
Drehbuch: Gerd Schneider
mit Sebastian Blomberg, Kai Schumann, Jan Messutat, Sandra Borgmann, Valerie Koch, Rade Radovic, Hartmut Becker
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Verfehlung“
Film-Zeit über „Verfehlung“
Moviepilot über „Verfehlung“

Ein Gespräch mit Gerd Schneider


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