TV-Tipp für den 14. März: Die Axt

März 14, 2018

Arte, 22.45

Die Axt (Le Couperet, Frankreich/Belgien/Spanien 2005)

Regie: Constantin Costa-Gavras

Drehbuch: Constantin Costa-Gavras, Jean-Claude Grumberg

LV: Donald E. Westlake: The Ax, 1997 (Der Freisteller)

Der nicht mehr ganz junge Chemiker Bruno hat nach zwei Jahren erfolgloser Jobsuche die Faxen dicke. Er gibt eine Stellenanzeige auf und bringt seine Jobkonkurrenten um.

Bitterböse Satire auf den Kapitalismus, die von Jobsuchenden hoffentlich nicht als Vorbild genommen wird.

Stellvertretend für die vielen positiven Besprechungen: „Im Zeichen von Massenarbeitslosigkeit, Chancenlosigkeit und Globalisierungsdruck drehte Costa-Gavras … eine rabenschwarze Farce, die die Gegenwart nicht gerade in freundliches Licht taucht, und bei der das Lachen mehr als einmal ihm Halse stecken bleibt. Erschreckend an dieser Moritat auf der Folie einer durch und durch sexistisch aufgeladenen Gesellschaft ist vor allem, dass hier ein wohlsituierter Kleinbürger unter dem Druck der Umstände nicht nur zum Verbrecher und Mörder wird, sondern unter dem scheinbaren Zwang, seine Familie schützen zu müssen, ohne weiteres faschistoides Gedankengut produziert.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit José Garcia, Karin Viard, Geordy Monfils, Christa Theret, Ulrich Tukur, – in Nebenrollen einige Autoren und Regisseure – Jean-Claude Grumberg, John Landis, Julie Gavras (Tochter von Constantin Costa-Gavras), Donald E. Westlake (Cameo als alter Mann im Arbeitsamt)

Auch bekannt als “Jobkiller – Eine mörderische Karriere”

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Axt“

Wikipedia über „Dia Axt“ (deutsch, englisch)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Roman “Irgendwann gibt jeder auf” (Flashfire, 2000)

Meine Besprechung von Taylor Hackfords Richard-Stark-Verfilmung “Parker” (Parker, USA 2013)

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Meine Besprechung von Darwyn Cookes Richard-Stark-Adaption „Parker“ (Richard Stark’s Parker – The Hunter, 2009)

Richard Stark in der Kriminalakte

 Thrilling Detective über Parker

The Violent World of Parker (1-A-Fanseite!)

 

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Neu im Kino/Filmkritik: Die französische Komödie „Verstehen Sie die Béliers?“

März 6, 2015

Die Béliers sind eine ganz normale Bauernfamilie mit einem kleinen Handicap. Bis auf ihre Tochter Paula sind sie alle taub. Deshalb muss der Teenager nicht nur auf dem Wochenmarkt dolmetschen, sondern auch – neben der Schule – alle Telefonate mit den Geschäftspartnern erledigen. Dennoch ist sie zufrieden. Sie hat eine tolle Familie, die eisern zusammen hält, und gute Freunde. Vor allem mit ihrer Freundin kann sie den Frust, nicht zu einer Party eingeladen werden, zu der sie eh nicht hingehen wollte, weglästern.
Den Musikkurs an der Schule belegt sie dann auch nicht, weil sie singen will, sondern weil sie in der Nähe von ihrem Schwarm sein will. Der fliegt allerdings schon beim Vorsingen aus dem Chor und der Chorleiter, Monsieur Thomasson, ist von ihrer Stimme begeistert. Endlich hört er eine talentierte Stimme. Paula könnte sogar in Paris an einer renommierten Musikakademie aufgenommen werden. Paris würde natürlich bedeuten, dass sie ihre Familie verlassen muss.
Zur gleichen Zeit entschließt sich ihr Vater gegen den von allen gehassten Bürgermeister zu kandidieren. Rodolphe sieht keine Probleme bei diesem Selbstmordkommando. Dass er sich bislang nicht politisch engagierte, dass er von Politik keine Ahnung hat, dass er in keiner Partei ist, dass er taub ist; all das stört ihn nicht. Er hat ja Paula, die seine Reden übersetzen kann. Seine Frau Gigi hält zu ihm. Und dann ist da ja noch Paulas Bruder Quentin.
Außerdem steht dieser Polit-Plot, der im Trailer ja ausführlich angesprochen wird, nicht im Mittelpunkt der Komödie „Verstehen Sie die Béliers?“. Es ist ein verzichtbarer Subplot, der nur für einige schnelle Lacher eingefügt wurde. Was schade ist. Denn aus diesem Wahlkampf hätten die Macher viel Komödiengold schöpfen können. Da wäre ein kleines Sittenbild der Provinzpolitik und ein differenziertes Statement zum Umgang der Gesellschaft mit Behinderten möglich gewesen.
Im Mittelpunkt steht dagegen die Tochter Paula, die sich entscheiden muss, ob sie bei ihrer Familie auf dem Land bleibt oder ihr Glück in Paris versuchen soll. Außerdem verliebt sie sich in einen Klassenkameraden.
Éric Lartigau reichert diese durchaus feinfühlig erzählte Coming-of-Age-Geschichte mit einigen witzigen bis klamaukigen Episoden an, die sich immer um die tauben Mitglieder der glücklichen Familie Béliers drehen. Sie unterhalten sich in Gebärdensprache lauter als einige normale Familien. Leider – auch wenn im Presseheft gesagt wird, dass alle Hauptdarsteller längere Zeit in der Gebärdensprache unterrichtet wurden – erinnert ihr Spiel vor allem an das übertriebene, nervig exaltierte Spiel von Stummfilmschauspielern.
Und immer wieder spricht Paula laut aus, was sie ihren Eltern oder ihrem Bruder in Gebärdensprache sagt. Das ist als Service am Untertitel-lesefaulen Publikum zwar okay, aber es stört mich immer wieder, weil es unrealistisch ist. Genauso wie ein normaler Mensch sich selbst keinen Text laut vorliest. Und es zeugt vom mangelnden Mut der Macher, eine Idee konsequent durchzuhalten.
Wobei „Verstehen Sie die Béliers?“ auch kein tiefschürendes Drama sein will. Es ist eine auf Harmonie getrimmte Sommerkomödie, die einige ungewöhnliche Menschen in den Mittelpunkt stellt, ihre Behinderung vor allem als Anlass für Witze sieht und eine ziemlich biedere Moral hat, die so ähnlich auch in anderen französischen Erfolgskomödien auftaucht, die wenig bis nichts mit der aktuellen Wirklichkeit zu tun haben. Denn das glückliche Leben der Béliers auf ihrem Bauernhof und das lauschige Provinzdorf gehören in die fünfziger Jahre, als die Welt noch in Ordnung war.
In Frankreich wurde Lartigaus Film inzwischen von fast sieben Millionen Zuschauern gesehen.

Ach ja: die Idee von Monsieur Bélier, in die Politik zu gehen, ist gar nicht so unrealistisch. In Deutschland zog 2011 Martin Zierold als erster Gehörloser in ein deutsches Parlament, in Berlin in die Bezirksverordnetenversammlung Mitte ein. Und, ich kenne ihn von einigen Veranstaltungen: er ist ein sehr ruhiger Typ.

Verstehen Sie die Beliers - Plakat

Verstehen Sie die Béliers? (La Famille Béliers, Frankreich 2014)
Regie: Éric Lartigau
Drehbuch: Victoria Bedos, Stanislas Carré de Malberg, Éric Lartigau (Adaption), Thomas Bidegain (nach einer Originalgeschichte von Victoria Bedos)
mit Karin Viard, Francois Damiens, Éric Elmosnino, Louane Emera, Luca Gelberg, Roxane Durand, Ilian Bergala, Stephan Wojtowicz
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Verstehen Sie die Béliers?“
Moviepilot über „Verstehen Sie die Béliers?“
Rotten Tomatoes über „Verstehen Sie die Béliers?“
AlloCine über „Verstehen Sie die Béliers?“
Wikipedia über „Verstehen Sie die Béliers?“ (englisch, französisch)


Buch- und DVD-Kritik: „Liebe ist das perfekte Verbrechen“ – Über die Verfilmung von Philippe Djians „Die Rastlosen“

Januar 5, 2015

Eigentlich hat der 53-jährige Literaturprofessor Marc, ein gescheiterter Schriftsteller, es ganz gut getroffen. Er unterricht an einer Universität, lebt mit seiner Schwester in einem malerisch in den Bergen gelegenem Chalet und er geht mit möglichst vielen Studentinnen ins Bett. Eine seiner Bettgesellinnen, die 23-jährige Barbara, überlebt dummerweise die Nacht mit ihm nicht. Wahrscheinlich hat sie zu viel von den falschen Drogen genommen. Marc ruft allerdings nicht den Notarzt oder die Polizei. Immerhin ist sie mausetot und die öffentliche Aufregung über eine tote Studentin in seinem Bett würde ihn garantiert für nichts und wieder nichts die Stelle kosten. Vor allem, weil sie sein Seminar besuchte.
Also schleppt er sie vor seiner ersten Unterrichtsstunde in den Wald und wirft sie in eine Felsspalte, die er vor Jahren zufällig mit seiner Schwester entdeckte.
Problem gelöst. Und dem Kommissar, der die verschwunden Studentin sucht, sagt man, dass man nicht wisse, wohin Barbara verschwunden ist.
Kurz darauf trifft Marc Myriam, die gut fünfzigjährige und, so Marcs Schürzenjägermeinung, verdammt gut aussende Stiefmutter von Barbara. Von Marc möchte sie mehr über Barbara erfahren – und der Universitätslehrer macht eine neue Erfahrung: denn er verliebt sich in die verheiratete Myriam, die deutlich älter als alle seine bisherigen Eroberungen ist.
„Liebe ist das perfekte Verbrechen“, der neue Film der Brüder Arnaud und Jean-Marie Larrie, basiert auf dem Roman „Die Rastlosen“ von Philippe Djian, dessen Bestseller „Betty Blue“ erfolgreich verfilmt wurde und der in seinen Romane immer wieder das Feld zwischen Sex, außergewöhnlicher Liebe und Verbrechen auslotet. Auch „Liebe ist das perfekte Verbrechen“ ist ein, hm, erotischer Kriminalfilm, der die Krimi-Aspekte in Djians Geschichte betont.
Denn nach dem flotten Auftakt beginnt im Roman die Geschichte zunehmend vor sich hin zu plätschern, während Marc sich mit Myriam zu Schäferstündchen trifft, er um seine ungeliebte Arbeit kämpft (immerhin ist er zu alt, um etwas Neues anzufangen) und wir mehr über die seltsame Beziehung zwischen ihm und seiner Schwester erfahren, ehe alles mit eine Knalleffekt endet. Dabei sind die Charaktere und ihre verkorksten Beziehungen durchaus interessant.
Die werkgetreue Verfilmung überzeugt dagegen als ruhiger Noir-Psycho-Thriller. Der von Mathieu Amalric gespielte Hochschullehrer ist von der ersten Minute an viel zwiespältiger als im Roman – und man erinnert sich an Amalrics ähnlich gelagerte Rollen in Roman Polanskis „Venus im Pelz“ und in seiner Georges-Simenon-Verfilmung „Das blaue Zimmer“ (ab 5. Februar 2015 im Kino). Beide Male verstrickt der Mann sich hoffnungslos und eher passiv in die Netze schöner Frauen und taumelt dem Abgrund entgegen.
Auch Myriam umgibt von Anfang an ein Geheimnis. Denn warum sollte die frisch Verheiratete sich ausgerechnet mit dem Lehrer ihrer Stieftochter einlassen, während ihr Mann auf einer lebensgefährlichen Auslandsmission ist?
Das Bonusmaterial der DVD ist mit einem Making of und Interviews erfreulich informativ ausgefallen. Vor allem wenn Arnaud und Jean-Marie Larrie über den Film sprechen.

Liebe ist das perfekte Verbrechen - DVD-Cover 4

Liebe ist das perfekte Verbrechen (L’amour est un crime parfait, Frankreich 2013)
Regie: Arnaud Larrieu, Jean-Marie Larrie
Drehbuch: Arnaud Larrieu, Jean-Marie Larrie
mit Mathieu Amalric, Karin Viard, Maïwenn, Sara Forestier

DVD
Alamode Film
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Französisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Interviews, Making of, Trailer, Wendecover
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Djian - Die Rastlosen

Philippe Djian: Die Rastlosen
(übersetzt von Oliver Ilan Schulz)
Diogenes, 2014
224 Seiten
10,90 Euro

Deutsche Erstausgabe
Diogenes, 2012

Originalausgabe
Incidences
Éditions Gallimard, 2010

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Liebe ist das perfekte Verbrechen“

Perlentaucher über Philippe Djian

Wikipedia über Philippe Djian (deutsch, englisch, französisch) und „Liebe ist das perfekte Verbrechen“ (deutsch, englisch, französisch)


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