DVD-Kritik: Florian Gallenbergers Siegfried-Lenz-Verfilmung „Der Überläufer“

Mai 11, 2020

2016 erschien posthum der von Siegfried Lenz bereits 1951 geschriebene Roman „Der Überläufer“. Er schrieb ihn ganz am Anfang seiner Schriftstellerkarriere. Die autobiographisch inspirierte Geschichte des jungen Wehrmachtssoldaten Walter Proska sollte als sein zweiter Roman erscheinen. Aber sein Verlag hatte Einwände gegen die Geschichte. Das Manuskript verschwand in der Schublade. Lenz schrieb danach „Duell mit dem Schatten“, „So zärtlich war Suleyken“ und viele weitere Romane und Erzählungen.

2014 starb Siegfried Lenz. In seinem Nachlass wurde das Manuskript entdeckt und vor vier vier Jahren veröffentlicht. Der Roman entwickelte sich zum Bestseller, den Florian Gallenberger („John Rabe“, „Colonia Dignidad“) jetzt mit einer hochkarätigen Besetzung als TV-Zweiteiler verfilmte.

Im Sommer 1944 stößt Proska nach einem Heimaturlaub zu einem einsam im sumpfigen polnischen Niemandsland gelegenem Posten, der die Bahnstrecke an die Front sichern soll. Partisanen belagern sie, während sie selbst sich gegenseitig nerven. Später (in der zweiten Hälfte des Romans und im zweiten Teil des Films) wechselt Proska die Seiten und kämpft auf der Seite der Roten Armee gegen deutsche Soldaten. Nach dem Krieg arbeitet er weiter für sie – und er sucht noch immer seine große Liebe Wanda. Er traf die junge Polin und Partisanin, zum ersten Mal in einem Zug, den sie in die Luft sprengen wollte.

Diese Liebesgeschichte nimmt im Film einen größeren Raum ein als im Roman. Dabei wird sie auch unglaubwürdiger. Einerseits weil ich Jannis Niewöhner und Malgorzata Mikolajczak nie das Liebespaar abkaufte, andererseits weil Wanda immer auch etwas als eine nicht von dieser Welt stammende Traumgestalt inszeniert wird. Sie ist mehr eine Fantasie als eine reale Person, die im Sumpf als Partisanin gegen Nazis kämpft.

Bernd Lange (Drehbuch) und Florian Gallenberger (Drehbuch, Regie) folgen vor allem im ersten Teil Siegfried Lenz‘ skizzenhaftem und episodischen Roman sehr genau. Sie übernehmen, bis auf wenige Ausnahmen, alle Szenen und viele Dialoge direkt aus dem Buch. Damit überträgt sich auch der alptraumhafte Stillstand aus dem Roman in den Film.

Im zweiten Teil, wenn der Roman noch skizzenhafter wird, füllen sie die Lücken aus, erfinden Episoden, legen auch eigene Schwerpunkte und präsentieren ein 1956 in Hamburg spielendes Ende, das sich von dem Romanende unterscheidet. Diese Hälfte ist dann konventioneller als die erste Hälfte.

Am Ende ist „Der Überläufer“ gediegene TV-Unterhaltung, die brav dem Roman und seinem sich durch die Geschichte treibendem und rätselhaftem Protagonisten folgt.

Dabei hätte man vor allem aus der ersten Hälfte von „Der Überläufer“ einen experimentellen Alptraum im Geist von „Apocalypse Now“ machen können. Das waren jedenfalls die Bilder, die ich beim Lesen im Kopf hatte.

Das Bonusmaterial ist mit über fünfzig Minuten erfreulich umfangreich ausgefallen. Qualitativ überzeugt die Mischung aus lobenden Schauspielerstatements und Bildern von den Dreharbeiten kaum. Immerhin wurden auch der Regisseur und die Produzenten befragt, warum sie den Film so machen wollten.

Der Überläufer (Deutschland/Polen 2020)

Regie: Florian Gallenberger

Drehbuch: Bernd Lange, Florian Gallenberger

LV: Siegfried Lenz: Der Überläufer, 2016

mit Jannis Niewöhner, Malgorzata Mikolajczak, Sebastian Urzendowsky, Rainer Bock, Bjarne Mädel, Florian Lukas, Katharina Schüttler, Alexander Beyer, Leonnie Benesch, Ulrich Tukur

Die DVD (und Blu-ray)

Pandastorm

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch DD 2.0

Untertitel: –

Bonusmaterial: Making of, Interviews mit Cast & Crew

Länge: 171 Minuten (2 x 85 Minuten)

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Siegfried Lenz: Der Überläufer

Hoffmann und Campe, 2016

368 Seiten

25 Euro

Taschenbuch-Ausgabe, jetzt mit Filmcover

Atlantik, 2020

12 Euro

Hinweise

Das Erste über „Der Überläufer“

Pandastorm über „Der Überläufer“

Filmportal über „Der Überläufer“

Moviepilot über „Der Überläufer“

Wikipedia über „Der Überläufer“ (Verfilmung) und Siegfried Lenz

Hoffman und Campe über Siegfried Lenz

Offizielle deutsche Homepage von Siegfried Lenz

Perlentaucher über Siegfried Lenz‘ „Der Überläufer“

Meine Besprechung von Florian Gallenbergers „Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“ (Deutschland/Luxemburg/Frankreich 2015)

Meine Besprechung von Christian Schwochows Siegfried-Lenz-Verfilmung „Deutschstunde“ (Deutschland 2019)


TV-Tipp für den 8. April: Der Überläufer – Teil 1 (+ Buch- und DVD-Hinweis)

April 8, 2020

ARD, 20.15

Der Überläufer – Teil 1 (Deutschland/Polen 2020)

Regie: Florian Gallenberger

Drehbuch: Bernd Lange, Florian Gallenberger

LV: Siegfried Lenz: Der Überläufer, 2016

Zweiteilige Verfilmung von Siegfried Lenz‘ posthum erschienenem Roman „Der Überläufer“, den er schon 1951, ganz am Beginn seines Schriftstellerlebens, schrieb.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der junge Wehrmachtssoldat Walter Proska. Im Sommer 1944 stößt er nach einem Heimaturlaub zu einem einsam im sumpfigen polnischen Niemandsland gelegenem Posten, der die Bahnstrecke an die Front sichern soll. Partisanen belagern sie, während sie selbst sich gegenseitig nerven. Später (in der zweiten Hälfte des Romans und im zweiten Teil des Films) wechselt Proska die Seiten und kämpft auf der Seite der Roten Armee gegen deutsche Soldaten. Nach dem Krieg arbeitet er weiter für sie – und er sucht noch immer seine große Liebe Wanda, eine junge Polin und Partisanin, die er zum ersten Mal traf, als sie einen Zug, in dem er mitfuhr, in die Luft jagen wollte.

Diese Liebesgeschichte nimmt im Film einen größeren Raum als im Roman ein. Dabei wird sie auch unglaubwürdiger. Einerseits weil ich Jannis Niewöhner und Malgorzata Mikolajczak nie das Liebespaar abkaufte, andererseits weil Wanda immer auch etwas als eine nicht von dieser Welt stammende Traumgestalt inszeniert wird. Sie ist mehr eine Fantasie als eine reale Person, die als Partisanin gegen Nazis kämpft.

Bernd Lange (Drehbuch) und Florian Gallenberger (Drehbuch, Regie) folgen vor allem im ersten Teil Siegfried Lenz‘ skizzenhaftem und episodischen Roman sehr genau. Sie übernehmen, bis auf wenige Ausnahmen, alle Szenen und viele Dialoge direkt aus dem Buch. Damit überträgt sich auch der alptraumhafte Stillstand aus dem Roman auf den Bildschirm.

Im zweiten Teil, wenn der Roman noch skizzenhafter wird, füllen sie Lücken aus, erfinden Episoden, legen auch eigene Schwerpunkte und präsentieren ein 1956 in Hamburg spielendes Ende, das sich von dem Romanende unterscheidet.

Am Ende ist „Der Überläufer“ gediegene TV-Unterhaltung, die brav dem Roman und seinem rätselhaftem Protagonisten, der sich durch die einzelnen Episoden treiben lässt, folgt.

Dabei hätte man vor allem aus der ersten Hälfte von „Der Überläufer“ einen experimentellen Alptraum im Geist von „Apocalypse Now“ machen können. Das waren jedenfalls die Bilder, die ich beim Lesen im Kopf hatte.

Der zweite Teil (mit Ulrich Tukur in einem kurzen Auftritt) wird am Freitag, den 10. April, um 20.15 Uhr gezeigt.

mit Jannis Niewöhner, Malgorzata Mikolajczak, Sebastian Urzendowsky, Rainer Bock, Bjarne Mädel, Florian Lukas, Katharina Schüttler, Alexander Beyer, Leonnie Benesch, Ulrich Tukur

Wiederholung: Donnerstag, 9. April, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage

Siegfried Lenz: Der Überläufer

Hoffmann und Campe, 2016

368 Seiten

25 Euro

Taschenbuch-Ausgabe, jetzt mit Filmcover

Atlantik, 2020

12 Euro

Die DVD (und Blu-ray)

mit fünfzig Minuten Bonusmaterial angekündigt für den 8. Mai 2020

Pandastorm

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch DD 2.0

Untertitel: –

Bonusmaterial: Making of, Interviews mit Cast & Crew

Länge: 171 Minuten (2 x 85 Minuten)

FSK: ? (wahrscheinliche ab 12 Jahre)

Hinweise

Das Erste über „Der Überläufer“

Pandastorm über „Der Überläufer“

Filmportal über „Der Überläufer“

Moviepilot über „Der Überläufer“

Wikipedia über „Der Überläufer“ (Verfilmung) und Siegfried Lenz

Hoffman und Campe über Siegfried Lenz

Offizielle deutsche Homepage von Siegfried Lenz

Perlentaucher über Siegfried Lenz‘ „Der Überläufer“

Meine Besprechung von Florian Gallenbergers „Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“ (Deutschland/Luxemburg/Frankreich 2015)

Meine Besprechung von Christian Schwochows Siegfried-Lenz-Verfilmung „Deutschstunde“ (Deutschland 2019)


TV-Tipp für den 8. August: Die Welt der Wunderlichs

August 8, 2018

Arte, 20.15

Die Welt der Wunderlichs (Deutschland/Schweiz 2016)

Regie: Dani Levy

Drehbuch: Dani Levy

Allein unter Irren – das ist für Mimi der gelebte Normalzustand. Sie ist die einzige Normale in der Familie Wunderlich. Als sie bei einem Casting mitmachen will, möchte sie das ohne die Hilfe ihrer Familie tun…

Herrlich unaufgeräumte, gewollt dysfunktionale Komödie, die gerade deshalb gefällt. Auch wenn das Ende schwach ist.

Mehr in meiner ausführlichen Kritik der heutigen TV-Premiere.

mit Katharina Schüttler, Ewi Rodriguez, Peter Simonischek, Christiane Paul, Martin Feifel, Steffen Groth, Hannelore Elsner, Arabella Kiesbauer, Thomas Anders, Sabrina Setlur, Friedrich Liechtenstein

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Welt der Wunderlichs“

Moviepilot über „Die Welt der Wunderlichs“

Wikipedia über Dani Levy

Meine Besprechung von Dani Levys „Die Welt der Wunderlichs“ (Deutschland/Schweiz 2016)


TV-Tipp für den 26. Mai: Oh Boy

Mai 25, 2018

Arte, 00.40
Oh Boy (Deutschland 2012, Regie: Jan-Ole Gerster)
Drehbuch: Jan-Ole Gerster
Der Endzwanziger und gescheiterte Langzeitstudent Niko driftet durch Berlin. Er trifft seltsame Menschen und fragt sich nach dem Sinn des Lebens.
Wunderschöne Berlin-Komödie, die bei Kritik und Publikum gleichermaßen gut ankam. Wir warten immer noch auf Jan-Ole Gerstes zweiten Spielfilm.
mit Tom Schilling, Marc Hosemann, Friederike Kempter, Justus von Dohnány, Ulrich Noethen, Katharina Schüttler, Frederick Lau, Michael Gwisdek
Hinweise
Filmportal über „Oh Boy“
Film-Zeit über „Oh Boy“
Moviepilot über „Oh Boy“
Rotten Tomatoes über „Oh Boy“
Wikipedia über „Oh Boy“


TV-Tipp für den 26. Februar: Elser – Er hätte die Welt verändert

Februar 26, 2018

Arte, 20.15

Elser (Deutschland 2015)

Regie: Oliver Hirschbiegel

Drehbuch: Fred Breinersdorfer, Léonie-Claire Breinersdorfer

Packendes Drama über Georg Elser, der am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller einen Bombenanschlag auf Adolf Hitler verübte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Wenn die Anfangszeiten im TV-Programm stimmen, zeigt Arte als TV-Premiere eine rabiat auf 90 Minuten gekürzte Fassung des 114-minütigen Films.

mit Christian Friedel, Katharina Schüttler, Burghart Klaußner, Johann von Bülow, Felix Eitner, David Zimmerschmied, Rüdiger Klink, Cornelia Köndgen, Martin Maria Abram, Udo Schenk

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Elser“
Film-Zeit über „Elser“
Moviepilot über „Elser“
Rotten Tomatoes über „Elser“
Wikipedia über „Elser“ und Georg Elser

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Five Minutes of Heaven“ (Five Minutes of Heaven, GB 2009)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Diana“ (Diana, USA/GB 2013)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Elser“ (Deutschland 2015)  (mit Interviews mit Oliver Hirschbiegel über den Film) (und der DVD)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Der gleiche Himmel“ (Deutschland 2017)


TV-Tipp für den 30. Juni: Oh Boy

Juni 30, 2017

Arte, 00.40
Oh Boy (Deutschland 2012, Regie: Jan-Ole Gerster)
Drehbuch: Jan-Ole Gerster
Der Endzwanziger und gescheiterte Langzeitstudent Niko driftet durch Berlin. Er trifft seltsame Menschen und fragt sich nach dem Sinn des Lebens.
Wunderschöne Berlin-Komödie, die bei Kritik und Publikum gleichermaßen gut ankam. Wir warten immer noch auf Jan-Ole Gerstes zweiten Spielfilm.
mit Tom Schilling, Marc Hosemann, Friederike Kempter, Justus von Dohnány, Ulrich Noethen, Katharina Schüttler, Frederick Lau, Michael Gwisdek
Wiederholung: BR, Samstag, 1. Juli, 23.30 Uhr
Hinweise
Filmportal über „Oh Boy“
Film-Zeit über „Oh Boy“
Moviepilot über „Oh Boy“
Rotten Tomatoes über „Oh Boy“
Wikipedia über „Oh Boy“


Neu im Kino/Filmkritik: Gar nicht so wunderlich, „Die Welt der Wunderlichs“

Oktober 14, 2016

Familie. Man kann sie sich nicht aussuchen und wenn man sich umhört, scheint es in jeder Familie mindestens eine verhaltensgestörte Person zu geben. Bei den Wunderlichs ist es etwas anders. Da ist Mimi die einzige normale Person. Die alleinerziehender Mutter arbeitet sogar ganz bürgerlich in einem Elektronikgeschäft (so Saturn/Media-Markt-mäßig), wenn sie nicht gerade von der Schuldirektorin angerufen wird, weil ihr hyperaktiver siebenjähriger Sohn mal wieder die Schule ins Chaos stürzte. Zum Beispiel indem Felix die Lehrerin in einen Schrank einsperrt und den Schlüssel in die Toilette wirft. Sie und ihre panischen „Ich will hier raus!“-Schreie sind auch das erste, was wir, während die Leinwand noch schwarz ist, in Dani Levys neuer Komödie „Die Welt der Wunderlichs“ hören.

Mimis Eltern sind für sie keine Hilfe. Ihr in einer Klinik lebender Vater ist manisch-depressiv. Er hat sich mal wieder selbst entlassen und verwettet Mimis Geld beim Pferderennen. Mimis Mutter pflegt dagegen im Bett schon seit Ewigkeiten ihre Depression über die durch ihre Töchter vergeigte Musikerinnenkarriere. Mimis Schwester Manuela führt tagsüber erfolgreich einen Frisörsalon, nachts stürzt sie sich in Sexabenteuer und Alkoholexzesse. Für ihre verkorkste Familie hat Manuela selbstverständlich keine Zeit.

Und dann gibt es noch Mimis Ex-Mann, der als Felix‘ Erzieher ausfällt. Denn er ist, in einem Hotelzimmer lebend, das wandelnde Klischee eines Rockmusikers irgendwo zwischen Udo Lindenberg und Keith Richards. Aber ohne deren gut gefüllte Bankkonten.

Kurz: die Wunderlichs sind ein Katastrophengebiet und Mimi kann höchstens Schadensbegrenzung betreiben.

Da erhält sie einen Anruf aus der Schweiz. Sie soll in der TV-Castingshow „Second Chance“ auftreten. Sie erinnert sich an ihre frühere, eher kurze Karriere als Musikerin und sie beschließt, in der TV-Sendung aufzutreten. Allein. Ohne ihre Familie, die immer alles kaputt macht.

Dass das nicht funktioniert, kann man sich denken. Denn Mimis Reise, zunächst allein, aber schon schnell mit ihrer Familie, die Mimi natürlich nicht im Stich lassen kann und ihr bestmöglich helfen will, und ihr Auftritt in der TV-Sendung stehen im Mittelpunkt von Dany Levys neuem Film.

Und die Schauspieler – Katharina Schüttler als Mimi, Ewi Rodriguez als ihr Sohn, Peter Simonischek als ihr Vater, Hannelore Elsner als ihre Mutter, Christiane Paul als ihre Schwester, Martin Feifel als ihr Ex-Mann und Steffen Groth als über beiden Ohren in sie verliebter Jüngling – hatten sichtbar ihren Spaß mit ihren durchgeknallten Leinwandcharaktere, die sie in einer demaskierenden, aber auch liebevollen Mischung aus Komödie und Tragödie spielen.

Ärgerlich ist dann, nachdem die Welt der Wunderlichs durchgehend als ein wunderschöner funktional-dysfunktionaler Gegenkosmos zur normal-bürgerlichen Welt gezeichnet wurde, Mimis Auftritt in der Castingshow, die sich überhaupt nicht von all den anderen Castingshows unterscheidet. Mit Arabella Kiesbauer als Moderatorin, Thomas Anders, Sabrina Setlur und Friedrich Liechtenstein als Juroren sind dann eigentlich schon die üblichen Verdächtigen versammelt und dass die Rockerbraut Mimi wirklich auch nur einen Cent auf die Meinung von „Modern Talking“-Schlagerfuzzi Thomas Anders gibt, das kann und will ich nicht glauben.

Bis dahin sieht man eine herrlich unaufgeräumte, sozusagen dysfunktionale Komödie über gesellschaftliche Außenseiter, die sich nicht als Außenseiter sehen und deren Leben von „Alles auf Zucker!“-Regisseur Dani Levy mit spürbarer Sympathie und, zwischen den leisen Momenten, einem Hang zum Klamauk und theatralischen Auftritt gezeichnet wird.

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Die Welt der Wunderlichs (Deutschland/Schweiz 2016)

Regie: Dani Levy

Drehbuch: Dani Levy

mit Katharina Schüttler, Ewi Rodriguez, Peter Simonischek, Christiane Paul, Martin Feifel, Steffen Groth, Hannelore Elsner, Arabella Kiesbauer, Thomas Anders, Sabrina Setlur, Friedrich Liechtenstein

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Welt der Wunderlichs“

Moviepilot über „Die Welt der Wunderlichs“

Wikipedia über Dani Levy

und ein längeres Interview mit Dani Levy, von 2011


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