DVD-Kritik: „Detroit“, Kathryn Bigelows Thriller über einige Tage im Sommer 1967

April 11, 2018

Zum Kinostart schrieb ich:

Emotionale Wucht hat Kathryn Bigelows neuer Film „Detroit“ unbestritten. Sie zeichnet, wieder mit Drehbuchautor Mark Boal, die mehrtägigen Rassenunruhen in Detroit im Juli 1967 nach, bei denen 43 Menschen starben. 33 von ihnen waren Afroamerikaner. 24 von ihnen wurden von Polizisten und National Guardsmen erschossen.

Im Mittelpunkt des 144-minütigen Films stehen die fast in Echtzeit geschilderten Ereignisse im Algier Motel in der Nacht vom 25. zum 26. Juli. Wir sind mit den Akteuren in einem Hotelflur und ein, zwei Zimmern eingesperrt. Die Anspannung und Angst sind spürbar. Auch weil die weißen Polizisten gnadenlos ihre Macht gegenüber den afroamerikanischen Verdächtigen und den zwei weißen jungen Frauen ausnutzen und auch einige von ihnen töten.

Allerdings begeht Bigelow in „Detroit“ die gleichen Fehler wie in „Zero Dark Thirty“. Sie verwendete auch die gleiche Struktur. Wieder verhindert die rein deskriptisch-dokumentarische Bearbeitung des Themas eine Analyse. Wieder kann es, gewollt oder ungewollt, leicht zu Fehlschlüssen kommen. In „Zero Dark Thirty“ war das die Legitimierung von Folter. In „Detroit“ ist das die Konzentration auf einen Polizisten als Täter und das Fehlen der Vorgeschichte der Rassenunruhen. Der Film beginnt mit einer Polizeirazzia in einem illegalen Club, bei dem weißen Polizisten sich im Rahmen der Gesetze bewegen. Diese Razzia war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die Gründe für die Unruhen waren allerdings der Mangel an bezahlbarem Wohnraum für Afroamerikaner als Folge von Stadterneuerungsprojekten und die vorherrschende, rassistisch motivierte Polizeigewalt. Die Polizei bestand fast ausschließlich aus weißen Männern.

Im Film ist die Razzia die Begründung für die durchgehend von Afroamerikanern ausgehende Gewalt und Plünderungen. Dagegen versuchen die Weißen, Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten. Dieses Setting führt dazu, dass die gesamte Vorgeschichte, die damalige Stimmung, der strukturelle Rassismus und die Machtverhältnisse ausgeblendet werden.

Auch bei den Ereignissen im Algier Motel bleibt diese Zuordnung von Täter und Opfer vorhanden. So ist Philip Krauss zwar ein paranoider Rassist, der seine Macht auskostet und die anderen Polizisten zu Mittätern macht. Er hat auch vorher einen Afroamerikaner durch einen Schuss in den Rücken schwer verletzt. Aber der Afroamerikaner war ein Plünderer und er flüchtete. Krauss hat auch Angst vor den Afroamerikanern und er ist eindeutig überfordert. Als er und seine Kollegen in das Motel stürmen, reagierten sie auf Schüsse aus dem Hotel auf sie (mit einer Startpistole für Wettkämpfe). Sie wollen einen Scharfschützen (den es nicht gibt) verhaften. Sie reagieren über. Sie nutzen auch ihre Macht aus und genießen es. Aber durch die im Film gezeigte Vorgeschichte erscheinen die Opfer dann als Täter und die Täter als die Opfer der Umstände.

Immer wieder leisten Bigelow und Boal in ihrem Film durch die Auswahl und Anordnung der akribisch recherchierten Fakten der Rationalisierung Vorschub, dass die Gewalt grundlos von den Afroamerikanern ausging und die weißen Polizisten nur das Richtige tun wollten. Sie ignorieren den Kontext. Über die Hintergründe der tagelangen Gewaltexplosion, die gesellschaftliche Situation und Strukturen erfährt man nichts. Entsprechend eruptiv und aus dem Nichts erfolgen die Gewalttätigkeiten.

So ist „Detroit“ brillant inszeniert als Terrorkino, aber analytisch so oberflächlich, dass es einfach ärgerlich ist.

 

Beim zweiten Ansehen bestätigt sich mein erster Eindruck.“Detroit“ ist spannend, hat viel Zeitkolorit und ist politisch höchst bedenklich.

Durch ihre Entscheidung den Thriller in einem semidokumentarischen Stil mit unruhiger Handkamera zu inszenieren, konzentriert Kathryn Bigelow sich auf die packend inszenierte Dokumentation von Abläufen. Über die Personen erfahren wir allerdings nichts. Sie bleiben Figuren auf einem Schachbrett. Es gibt keine Erklärungen und keine Hintergrundinformationen. In jeder Zeitungs- oder TV-Reportage über die Unruhen und den Vorfall im Algier Motel gäbe es das. Als Zuschauer des Kinofilms muss man sich aus den gezeigten Bildern eigene Erklärungen zurechtbasteln. Als Zuschauer wird man allerdings auch manipuliert, weil Bigelow und Boal nur einen Ausschnitt zeigen und Informationen weglassen. Sie begünstigen so, wahrscheinlich sogar ungewollt, eine bestimmte Interpretationen der damaligen Ereignisse.

Denn obwohl Afroamerikaner die meisten Rollen spielen, bestimmt die Sicht des weißen Mannes den Film und damit auch die Interpretation der Unruhen. Die Afroamerikaner kommen da, bis auf den von John Boyega gespielten Wachmann, nur als passive Beobachter, Hausfrauen und Randalierer vor. Die Polizei muss gegen eine aus dem Nichts kommende Gewalteruption vorgehen. Sie versucht gegen Plünderer, Brandstifter und aus anonymen Gruppen agierende Gewalttäter das Gesetz durchzusetzen.

Die von ihr beiläufig immer wieder gezeigte Polizeibrutalität wird da zu einem für die Filmhandlung bedeutungslosen Hintergrundrauschen. Und rassistische Polizisten scheint es, bis auf Philip Krauss (Will Poulter), 1967 nicht gegeben zu haben. Das ist Unfug. Damals und heute. Mit dieser Sicht fehlt dann auch der Blick auf strukturelle Probleme bei der Polizei und den alltäglichen Rassismus. Letztendlich steht in „Detroit“ ein Ereignis im Mittelpunkt und die Täter werden, aufgrund den Ermittlungen von weißen Polizisten, angeklagt.

Detroit“ zeigt fast schon exemplarisch die Grenzen eines rein dokumentarischen, auf jede Analyse verzichtenden erzählerischen Ansatzes auf. Weil es aber keinen objektiven Blick gibt, übernehmen der Blick der Kamera, die Inszenierung, die Auswahl und Präsentation der Ereignisse diese Analyse. Ein Beitrag zur Lösung der Probleme entsteht so nicht. Es fällt auch schwer, anhand von „Detroit“ über die Probleme zu reden.

Aber auf der reinen emotionalen Ebene als kurzweiliges, durchgehend hochenergetisch erzähltes Spannungskino funktioniert „Detroit“ prächtig.

Das Bonusmaterial für den Thriller wäre ärgerlich, wenn es nicht so lächerlich wäre. Es besteht aus fünf Minifeaturettes, die man sich in neun Minuten ansehen kann, einem Music Video, dem Trailer (deutsch und englisch) und einer vierzigsekündigen, aus Filmbildern bestehenden Bildergalerie. Warum hat man, wenn man schon kein Geld ausgeben will, nicht schnell ausführliche Interviews mit Bigelow, Boal und einem Historiker geführt? Die hätten ausführlich über die historischen Hintergründe und den Dreh äußern können. So gibt es nur einige belanglose Werbeschnipsel.

Detroit (Detroit, USA 2017)

Regie: Kathryn Bigelow

Drehbuch: Mark Boal

mit John Boyega, Anthony Mackie, Will Poulter, Algee Smith, Samira Wiley, John Krasinski, Hannah Murray, Jacob Latimore, Jason Mitchell

Blu-ray

Concorde Home Entertainment

Bild: 1080p High Definition, 1.81:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1, DD 2.0), Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Featurettes (Die Wahrheit von Detroit, Die Besetzung von Detroit, Die Invasion von Detroit, Die Hoffung von Detroit, Damals und heute), Musikvideo „Grow“ mit Algee Smith und Larry Reed, Bildergalerie, Deutscher und Originaltrailer (13 Minuten; laut Concorde)

Länge: 144 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

DVD und 4K UHD sind identisch ausgestattet.

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Detroit“

Metacritic über „Detroit“

Rotten Tomatoes über „Detroit“

Wikipedia über „Detroit“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Detroit“

Meine Besprechung von Kathryn Bigelows „Zero Dark Thirty“ (Zero Dark Thirty, USA 2012)

Meine Besprechung von Kathryn Bigelows „Detroit“ (Detroit, USA 2017)

Die Pressekonferenz

Peter Travers unterhält sich mit Kathryn Bigelow über den Film

Ein kurzer Bericht über die damaligen Ereignisse , die Gegenwart und den Film

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Neu im Kino/Filmkritik: Über Kathryn Bigelows Drama „Detroit“

November 24, 2017

Emotionale Wucht hat Kathryn Bigelows neuer Film „Detroit“ unbestritten. Sie zeichnet, wieder mit Drehbuchautor Mark Boal, die mehrtägigen Rassenunruhen in Detroit im Juli 1967 nach, bei denen 43 Menschen starben. 33 von ihnen waren Afroamerikaner. 24 von ihnen wurden von Polizisten und National Guardsmen erschossen.

Im Mittelpunkt des 144-minütigen Films stehen die fast in Echtzeit geschilderten Ereignisse im Algier Motel in der Nacht vom 25. zum 26. Juli. Wir sind mit den Akteuren in einem Hotelflur und ein, zwei Zimmern eingesperrt. Die Anspannung und Angst sind spürbar. Auch weil die weißen Polizisten gnadenlos ihre Macht gegenüber den afroamerikanischen Verdächtigen und den zwei weißen jungen Frauen ausnutzen und auch einige von ihnen töten.

Allerdings begeht Bigelow in „Detroit“ die gleichen Fehler wie in „Zero Dark Thirty“. Sie verwendete auch die gleiche Struktur. Wieder verhindert die rein deskriptisch-dokumentarische Bearbeitung des Themas eine Analyse. Wieder kann es, gewollt oder ungewollt, leicht zu Fehlschlüssen kommen. In „Zero Dark Thirty“ war das die Legitimierung von Folter. In „Detroit“ ist das die Konzentration auf einen Polizisten als Täter und das Fehlen der Vorgeschichte der Rassenunruhen. Der Film beginnt mit einer Polizeirazzia in einem illegalen Club, bei dem weißen Polizisten sich im Rahmen der Gesetze bewegen. Diese Razzia war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die Gründe für die Unruhen waren allerdings der Mangel an bezahlbarem Wohnraum für Afroamerikaner als Folge von Stadterneuerungsprojekten und die vorherrschende, rassistisch motivierte Polizeigewalt. Die Polizei bestand fast ausschließlich aus weißen Männern.

Im Film ist die Razzia die Begründung für die durchgehend von Afroamerikanern ausgehende Gewalt und Plünderungen. Dagegen versuchen die Weißen, Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten. Dieses Setting führt dazu, dass die gesamte Vorgeschichte, die damalige Stimmung, der strukturelle Rassismus und die Machtverhältnisse ausgeblendet werden.

Auch bei den Ereignissen im Algier Motel bleibt diese Zuordnung von Täter und Opfer vorhanden. So ist Philip Krauss zwar ein paranoider Rassist, der seine Macht auskostet und die anderen Polizisten zu Mittätern macht. Er hat auch vorher einen Afroamerikaner durch einen Schuss in den Rücken schwer verletzt. Aber der Afroamerikaner war ein Plünderer und er flüchtete. Krauss hat auch Angst vor den Afroamerikanern und er ist eindeutig überfordert. Als er und seine Kollegen in das Motel stürmen, reagierten sie auf Schüsse aus dem Hotel auf sie (mit einer Startpistole für Wettkämpfe). Sie wollen einen Scharfschützen (den es nicht gibt) verhaften. Sie reagieren über. Sie nutzen auch ihre Macht aus und genießen es. Aber durch die im Film gezeigte Vorgeschichte erscheinen die Opfer dann als Täter und die Täter als die Opfer der Umstände.

Immer wieder leisten Bigelow und Boal in ihrem Film durch die Auswahl und Anordnung der akribisch recherchierten Fakten der Rationalisierung Vorschub, dass die Gewalt grundlos von den Afroamerikanern ausging und die weißen Polizisten nur das Richtige tun wollten. Sie ignorieren den Kontext. Über die Hintergründe der tagelangen Gewaltexplosion, die gesellschaftliche Situation und Strukturen erfährt man nichts. Entsprechend eruptiv und aus dem Nichts erfolgen die Gewalttätigkeiten.

So ist „Detroit“ brillant inszeniert als Terrorkino, aber analytisch so oberflächlich, dass es einfach ärgerlich ist.

Detroit (Detroit, USA 2017)

Regie: Kathryn Bigelow

Drehbuch: Mark Boal

mit John Boyega, Anthony Mackie, Will Poulter, Algee Smith, Samira Wiley, John Krasinski, Hannah Murray, Jacob Latimore, Jason Mitchell

Länge: 144 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Detroit“

Metacritic über „Detroit“

Rotten Tomatoes über „Detroit“

Wikipedia über „Detroit“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Detroit“

Meine Besprechung von Kathryn Bigelows „Zero Dark Thirty“ (Zero Dark Thirty, USA 2012)


TV-Tipp für den 3. Dezember: Zero Dark Thirty

Dezember 2, 2016

ZDFneo, 22.00

Zero Dark Thirty (Zero Dark Thirty, USA 2012)

Regie: Kathryn Bigelow

Drehbuch: Mark Boal

Gut versteckte TV-Premiere von Kathryn Bigelows nicht unproblematischen Film über die Jagd auf Osama Bin Laden, erzählt aus der Sicht der Geheimdienste mit einer CIA-Analytikerin als Protagonistin.

Zum Kinostart schrieb ich unter anderem: „Nach dem gelungenen „The Hurt Locker“, der ersten Zusammenarbeit von Mark Boal und Kathryn Bigelow, ist „Zero Dark Thirty“ eine ziemlich herbe Enttäuschung, die unter einem unfokussiertem Drehbuch und der Absicht, den Menschen im Schatten, die Osama bin Laden jagten und töteten ein Denkmal zu setzen, leidet. Für ein solches Heldenporträt muss man nicht gleich den gesamten Film ausschließlich und ohne jegliche Distanz aus der Perspektive der CIA-Agenten und Soldaten erzählen.“

mit Jessica Chastain, Jason Clarke, Jennifer Ehle, Fares Fares, James Gandolfini, Kyle Chandler, Harold Perrineau, Reda Kateb, Mark Strong, Edgar Ramirez, Frank Grillo, Mark Valley

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Zero Dark Thirty“

Metacritic über „Zero Dark Thirty“

Rotten Tomatoes über „Zero Dark Thirty“

Wikipedia über „Zero Dark Thirty“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Kathryn Bigelows „Zero Dark Thirty“ (Zero Dark Thirty, USA 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: Extrem sportlich zum „Point Break“

Januar 21, 2016

Gut, Ericson Core, Kameramann von „The Fast and the Furious“ (ihr wisst schon: der Actionthriller, in dem ein junger Undercover-Polizist sich mit einem autoverrücktem Verbrecher befreundet), hat wirklich einige Namen und ein, zwei Details von Kathryn Bigelows Actionthriller „Gefährliche Brandung“(Point Break, USA 1991), der die Blaupause für etliche weitere Thriller war, übernommen, aber zu einem Remake macht ihn das nicht. Eher zu einer sehr freien Interpretation bekannter Elemente, die behauptet, etwas mit dem Original zu tun zu haben. So wie Paul Schraders „Katzenmenschen“ nicht mehr viel mit Jacques Tourneurs „Katzenmenschen“ oder F. Gary Grays „The Italien Jobs“ kaum Gemeinsamkeiten mit Peter Collinsons „Charlie staubt Millionen ab“ (so der deutsche Titel des ersten „Italien Jobs“) zu tun hat. Beides sind auch gute Filme, was man über „Point Break“ nicht unbedingt sagen kann.
In Cores „Point Break“ (nach einem Drehbuch von Kurt Wimmer [„Equilibrium“, „Ultraviolet“ und „Total Recall“]) begibt sich der junge FBI-Agent Johnny Utah (Luke Bracey), der gerade seine Agenten-Ausbildung beendet, auf einen gefährlichen Undercover-Einsatz. Denn er glaubt, dass die Verantwortlichen für mehrere spektakuläre Überfälle an verschiedenen abgelegenen Orten auf unserem Globus eine Gruppe Extremsportler sind. Angeführt werden sie von Bodhi (Edgar Ramirez). Da ist es gut, dass der FBIler selbst eine Vergangenheit als Extremsportler hat und das gut gefüllte Spesenkonto des FBI ihm einen Trip quer durch Europa und Südamerika gestattet.
Das ist auch nötig, weil der Bösewicht ihn zuerst einmal prüft. Weniger, ob er zum Verbrecher taugt, sondern ob er sportlich ist. Denn, das hat der junge FBI-Agent Johnny Utah durch Aktenstudium herausgefunden: der Bösewicht Bodhi verfolgt bei seinen Verbrechen einen viel größeren Plan. Ihm geht es nicht um Geld. Mit seinen Verbündeten will er die acht Prüfungen von Ono Ozaki absolvieren. Der legendäre Extremsportler und Öko-Krieger überlegte sich diese Prüfungen als Weg zur spirituellen Erleuchtung und Aussöhnung mit Mutter Erde. Ozaki starb bei der dritten Prüfung. Und nachdem wir diese Information verdaut haben, wird der Ozaki-Weg zu einem beliebig austauschbarem MacGuffin für eine muntere Weltreise. Auch wenn der Film hauptsächlich in Europa spielt.
Diese mit etwas esoterischem Geschwurbel verkleisterten Mutproben, – Big-Wave-Surfing vor der französischen Küste (die im Film zu bestaunenden Wellen wurden vor Tahiti gefunden), Freeclimbing in Venezuela, Wingsuit-Fliegen und Snowboarden in den Alpen, undsoweiter -, stehen im Mittelpunkt des Films, der auch noch etwas konventionellere Action bietet, während die Krimihandlung noch nicht einmal halbherzig mitgeschleift wird und mit der Logik so freizügig umgegangen wird, wie wir es aus der Luc-Besson-Fabrik kennen, wenn sie gerade einen schlechten Tag hat.
So wird aus dem Versprechen eines Actionthrillers schnell ein banales Werbevideo für Extremsport, das als überlanger Werbeclip bei den Landschaftsaufnahmen und Actionszenen natürlich einige Schauwerte hat. Nur eine Handlung und damit ein nachvollziehbarer Grund, in diesen Spielfilm zu gehen, existiert nicht.

Point Break - Plakat

Point Break (Point Break, USA/Deutschland 2015)
Regie: Ericson Core
Drehbuch: Kurt Wimmer (nach einer Idee von Rick King und W. Peter Iliff)
mit Luke Bracey, Edgar Ramirez, Teresa Palmer, Clemens Schick, Ray Winstone, Delroy Lindo, Matias Varela, Tobias Santelmann, Max Thieriot, Nikolai Kinski
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Point Break“
Metacritic über „Point Break“
Rotten Tomatoes über „Point Break“
Wikipedia über „Point Break“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 17. Juli: Blue Steel

Juli 17, 2015

3sat, 22.35
Blue Steel (USA 1990, Regie: Kathryn Bigelow)
Drehbuch: Kathryn Bigelow, Eric Red
Während ihres ersten Einsatzes erschießt Streifenpolizistin Megan Turner in einem Supermarkt einen bewaffneten Räuber. Ein klarer Fall von gerechtfertigtem Einsatz der Schusswaffe, wenn nicht ein Kunde, Eugene Hunt, die Waffe des Räubers eingesteckt hätte. Kurz darauf beginnt Hunt mit dieser Waffe (und Megans Name auf den Kugeln) Menschen zu erschießen. Außerdem nähert er sich ihr als verständnisvoller Liebhaber.
In Bigelows optisch überzeugendem, spekulativem Polizistinnenthriller erlebt und tut eine Frau all die Dinge, die sonst nur ein Mann tut. Das war damals noch verdammt ungewöhnlich.
mit Jamie Lee Curtis, Ron Silver, Clancy Brown, Elizabeth Pena, Louise Fletcher, Philip Bosco, Kevin Dunn, Richard Jenkins, Tom Sizemore
Wiederholung: Sonntag, 19. Juli, 02.15 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Blue Steel“
Wikipedia über „Blue Steel“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Kathryn Bigelows „Zero Dark Thirty“ (Zero Dark Thirty, USA 2012)


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