Neu im Kino/Filmkritik: Gruselig, „The Hole in the Ground“ im Wald in der Einöde

Mai 2, 2019

Wenn eine Mutter mit ihrem Kind in eine Gegend fährt, in der es mehr Bäume als Fliegen gibt, das neue Haus, eine renovierungsbedürftige Bruchbude, abgelegener als das Overlook-Hotel liegt und alle Farben kränklich blass sind, dann muss man kein Horrorfilmfan sein, um zu wissen, dass die Mutter Sarah O’Neill und ihr achtjähriger Sohn Chris bald höllische Probleme bekommen werden. Das alles hat etwas mit dem titelgebenden „The Hole in the Ground“ zu tun: einem riesigen, im Wald liegendem Erdloch, das einfach so da ist.

Schon vor ihrem Einzug lernen Sarah und Chris ihre neuen Nachbarn, die Bradys, kennen. Sie, glänzend gespielt in einem Kurzauftritt von Aki-Kaurismäki-Schauspielerin Kati Outinen, ist eine verwirrte Person, die sie zu Tode erschreckt. Ihr Mann ist das ruhige Gegenteil. Er sagt ihnen, dass Noreen vor Jahren ihren Sohn ermordete. Sie glaubte, dass ihr Sohn durch einen Doppelgänger ersetzt wurde. Kurz darauf ist sie tot.

Aber nicht nur der bizarre Tod von Noreen – sie wurde mit dem Kopf in der Erde ihres Gartens entdeckt – beunruhigt Sarah. Sie ist nämlich ein seelisches Wrack. Der Grund für den Umzug von ihr und ihrem Sohn ist, dass sie von ihrem Mann seelisch und körperlich misshandelt. Sie hat immer noch Angst vor ihm. Ihr einziger Halt ist ihre Beziehung zu Chris, den sie abgöttisch liebt.

Nachdem er in der Nähe des Erdlochs war, glaubt sie, dass ihr Sohn sich von ihr entfernt. Sie befürchtet, dass er ihr Sohn, sondern ein Doppelgänger,ein Wechselbalg, ist. Aber wie kann sie das beweisen?

In seinem Spielfilmdebüt baut Lee Cronin die Spannung langsam auf. Er verzichtet auf blutige Exzesse. Eine mitten auf der Straße stehende Kati Outinen, ein gut frisierter, gut angezogener, höflicher Junge und die Frage, ob Sarah Wahnvorstellungen hat, tun es auch. Und natürliche etliche Zitate aus Horrorfilmen.

Allerdings gelingt Cronin es in seinem chaotischen dritten Akt nicht, auf die aufgeworfenen Fragen eine befriedigende Antwort zu geben. Es ist, als habe er sich mehr für das Aufzeigen von möglichen Antworten interessiert. So ist Cronins Debüt vor allem eine Talentprobe.

The Hole in the Ground (The Hole in the Ground, Irland/Belgien/Finnland 2019)

Regie: Lee Cronin

Drehbuch: Lee Cronin, Stephen Shields

mit Seána Kerslake, James Quinn Markey, Kati Outinen, James Cosmo, Simone Kirby

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „The Hole in the Ground“

Metacritic über „The Hole in the Ground“

Rotten Tomatoes über „The Hole in the Ground“

Wikipedia über „The Hole in the Ground“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Aki Kaurismäki erkundet „Die andere Seite der Hoffnung“

März 29, 2017

Die andere Seite der Hoffnung“ heißt der neue Film von Aki Kaurismäki, der nach einer sechsjährigen Spielfilmpause (unterbrochen von zwei Kurzfilmen) in unsere Kinos kommt und es ist ein echter Kaurismäki. In jeder Beziehung. Von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Der junge Syrer Khaled kommt als blinder Passagier in Helsinki an und bittet um Asyl. Während sein Asylverfahren läuft, er sich mit einem anderen Asylbewerber befreundet, sein Antrag abgelehnt wird und er untertaucht, trennt sich der Männerhemdenvertreter Wikström von seiner Frau, löst sein Geschäft auf, gewinnt bei einem Poker-Spiel genug Geld für sein neuestes Projekt: ein Restaurant. Es liegt in Helsinki in einer menschenleeren Gasse in einem Viertel, in dem die Zeit stehen geblieben ist und es wurde, – nun, wir sind in einem Kaurismäki-Film -, spätestens seit den fünfziger Jahren nicht mehr renoviert. Das Personal ist vorbildlich desinteressiert und ambitionslos, aber ehrbar. Wikström kauft das Lokal und übernimmt die eingeschworene Mannschaft.

Bis der Restaurantbesitzer und der abgelehnte Flüchtling sich treffen und Wikström ihn bei sich als Verstärkung seines Personals aufnimmt, vergeht einige Zeit.

Im Gegensatz zu seinem vorherigen Film „Le Havre“, der eine ähnliche Geschichte in Frankreich erzählte, funktioniert in „Auf der anderen Seite der Hoffnung“ die Verknüpfung einer Flüchtlingsgeschichte mit dem vertrauten Kaurismäki-Kosmos nicht so gut. Es vergeht einfach zu viel Filmzeit, bis Khaled und Wikström aufeinandertreffen. Bis dahin erzählt Kaurismäki eine 08/15-Flüchtlingsgeschichte, die sich an dem Asylverfahren entlanghangelt und letztendlich nur die bekannten Bilder von Flüchtlingen in einer fremden Umgebung wiederholt, und eine typische Kaurismäki-Geschichte, die in ihrer atemberaubenden Lakonie in ein, zwei Bildern, ein, zwei Sätzen, ganze Geschichten erzählt. Zum Beispiel: wenn Wikström sich von seiner Frau trennt, wird kein Wort gesagt. Er packt seine Sachen, gibt ihr den Ehering und geht. Sie raucht ihre Zigarette zu Ende und legt den Ring in den schon gut gefüllten Aschenbecher.

Es gibt, wie immer, wunderschöne Bilder vom Zusammenhalt der ewigen Verlierer, die von den bekannten Kaurismäki-Stars und einigen Neuzugängen gespielt werden. Es gibt einen Oldtimer und ein Plakat von Jimi Hendrix, das so gar nicht in Wikströms Lokal passt. Und es gibt, selbstverständlich, herrlich abgehangene Rockmusik, live vor der Kamera eingespielt.

Auf der Berlinale erhielt Kaurismäki für sein pathosfreies Flüchtlingsdrama den Silbernen Bären für die beste Regie.

Ich gebe offen zu, dass ‚Die andere Seite der Hoffnung‘ bis zu einem gewissen Grad das ist, was man unter einem tendenziösen Film versteht. Es ist ein Film, der ohne Skrupel die Ansichten und Meinungen seiner Zuschauer verändern will, indem er, um dieses Ziel zu erreichen, ihre Gefühle manipuliert.

Ein solcher Versuch muss natürlich scheitern. Was aber, so hoffe ich, davon übrig bleiben wird, ist eine integre und etwas melancholische Geschichte, die der Humor vorwärts trägt. Ein ansonsten fast realistischer Film über gewisse menschliche Schicksale in der Welt, in der wir heute leben.“ (Aki Kaurismäki über seinen Film)

P. S.: Am 4. April feiert er seinen sechzigsten Geburtstag.

Die andere Seite der Hoffnung (Toivon Tuolla Puolen, Finnland 2017)

Regie: Aki Kaurismäki

Drehbuch: Aki Kaurismäki

mit Sherwan Haji, Sakari Kuosmane, Ilkka Koivula, Janne Hyytiäinen, Nuppu Koivu, Kaija Pakarinen, Niroz Haji, Simon Hussein Al-Bahoon, Kati Outinen

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Die andere Seite der Hoffnung“

Metacritic über „Die andere Seite der Hoffnung“

Rotten Tomatoes über „Die andere Seite der Hoffnung“

Wikipedia über „Die andere Seite der Hoffnung“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Die andere Seite der Hoffnung“

Deutsche Homepage von Aki Kaurismäki (Pandora Filmverleih)

Meine Besprechung von Aki Kaurismäkis „Le Havre“ (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschland 2011)

Die Berlinale-Pressekonferenz


TV-Tipp für den 29. März: Le Havre

März 29, 2017

Arte, 20.15

Le Havre (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschland 2011, Regie: Aki Kaurismäki)

Drehbuch: Aki Kaurismäki

Die Kaurismäki-Version eines Feelgood-Movies: Schuhputzer Marcel hilft einem afrikanischem Flüchtlingskind und schnell ist das gesamte Stadtviertel involviert.

Aki Kaurismäkis seit der Berlinale nicht mehr neuer Film „Le Havre“ ist nach den etwas enttäuschenden „Lichter der Vorstadt“ (zu knappe Dialoge, zu viel ‘going through the motions’) wieder ein richtig guter Kaurismäki-Film, der in vielem an den „Mann ohne Vergangenheit“ erinnert.

Danach, um 21.45 Uhr zeigt Arte die Doku „Es war einmal…Le Havre“ (Frankreich 2014) über den Film und um 22.35 Uhr „Ariel – Abgebrannt in Helsinki“ (Finnland 1988), ein etwas älterer, gewohnt zeitloser Kaurismäki.

Der heutige Abend ist Teil der Aki-Kaurismäki-Filmreihe, die gut als Einstimmung zu seinem neuen Film „Die andere Seite der Hoffnung“ (Kinostart: 30. März, – Jubelkriitk zum Filmstart) dienen kann

mit André Wilms, Kati Outinen, Jean-Pierre Darroussin, Blondin Miguel, Elina Salo, Evelyne Didi, Quoc-Dung Nguyen, Roberto Piazza (aka Little Bob; Denn was wäre ein Kaurismäki-Film ohne Musik?), Jean-Pierre Léaud

Wiederholung: Donnerstag, 30. März, 13.35 Uhr

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Le Havre“

Rotten Tomatoes über “Le Havre”

Wikipedia über „Le Havre“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ralph Eue/Linda Söffkers (Hrsg.) „Aki Kaurismäki“ (2006)

Meine Besprechung von Aki Kaursimäkis “Le Havre” (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschand 2011)


TV-Tipp für den 22. März: Der Mann ohne Vergangenheit

März 22, 2017

Arte, 20.15

Der Mann ohne Vergangenheit (Finlannd/Deutschland/Frankreich 2002, Regie: Aki Kaurismäki)

Drehbuch: Aki Kaurismäki

Kaurismäki erzählt in seinem typischen knappen Stil von einem Mann, der sein Gedächtnis verliert und bei den armen, am Hafen von Helsinki lebenden Menschen ein neues Leben beginnt.

Ein feiner Film und mit etwas über neunzig Minuten für Kaurismäki-Verhältnis ein überlanges Epos.

„Ich erzähle eine Art Märchen mit Happy End. Das suchen wir doch alle im richtigen Leben – vergebens. Es reicht ja, wenn ich selbst in Hoffnungslosigkeit ersaufe. Dabei träume ich in einem Winkel meines Herzens, dass jeder glücklich sein sollte – eine Illusion.“ (Aki Kaurismäki in einem Interview in der AZ, 14. September 2002)

„eine der bewegendsten Kino-Liebesgeschichten der letzten Jahre“, sagt Jan Schulz-Ojala in Eue/Söffkers Sammelband „Aki Kaurismäki“ über den zweiten Teil von Kaurismäkis Verlierer-Trilogie. Teil eins war „Wolken ziehen vorüber“, Teil drei „Lichter der Vorstadt“.

Auftakt einer Aki-Kaurismäki-Filmreihe, die gut als Einstimmung zu seinem neuen Film „Die andere Seite der Hoffnung“ (Kinostart: 30. März, – Jubelkriitk zum Filmstart) dienen kann.

mit Markku Peltola, Kati Outinen, Annikki Tähti, Juhani Niemelä

Hinweise

Wikipedia über „Der Mann ohne Vergangenheit“ (deutsch, englisch)

3sat über “Der Mann ohne Vergangenheit”

Deutsche Homepage von Aki Kaurismäki (Pandora Filmverleih)

Meine Besprechung von Ralph Eue/Linda Söffkers (Hrsg.) „Aki Kaurismäki“ (2006)

Meine Besprechung von Aki Kaurismäkis „Le Havre“ (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschland 2011)


TV-Tipp für den 11. November: Le Havre

November 11, 2015

3sat, 22.25
Le Havre (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschland 2011, Regie: Aki Kaurismäki)
Drehbuch: Aki Kaurismäki
Die Kaurismäki-Version eines Feelgood-Movies: Schuhputzer Marcel hilft einem afrikanischem Flüchtlingskind und schnell ist das gesamte Stadtviertel involviert.
Aki Kaurismäkis immer noch neuer Film „Le Havre“ ist nach den etwas enttäuschenden „Lichter der Vorstadt“ (zu knappe Dialoge, zu viel ‘going through the motions’) wieder ein richtig guter Kaurismäki-Film, der in vielem an den „Mann ohne Vergangenheit“ erinnert.
mit André Wilms, Kati Outinen, Jean-Pierre Darroussin, Blondin Miguel, Elina Salo, Evelyne Didi, Quoc-Dung Nguyen, Roberto Piazza (aka Little Bob; Denn was wäre ein Kaurismäki-Film ohne Musik?), Jean-Pierre Léaud
Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Le Havre“

Rotten Tomatoes über “Le Havre”

Wikipedia über „Le Havre“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ralph Eue/Linda Söffkers (Hrsg.) „Aki Kaurismäki“ (2006)

Meine Besprechung von Aki Kaursimäkis “Le Havre” (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschand 2011)


TV-Tipp für den 17. November: Le Havre

November 17, 2014

Arte, 20.15
Le Havre (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschland 2011, Regie: Aki Kaurismäki)
Drehbuch: Aki Kaurismäki
Die Kaurismäki-Version eines Feelgood-Movies: Schuhputzer Marcel hilft einem afrikanischem Flüchtlingskind und schnell ist das gesamte Stadtviertel involviert.
Aki Kaurismäkis immer noch neuer Film „Le Havre“ ist nach den etwas enttäuschenden „Lichter der Vorstadt“ (zu knappe Dialoge, zu viel ‘going through the motions’) wieder ein richtig guter Kaurismäki-Film, der in vielem an den „Mann ohne Vergangenheit“ erinnert.
Anschließend, um 21.45 Uhr, läuft die brandneue Doku „Es war einmal…“Le Havre“ über den Film.
mit André Wilms, Kati Outinen, Jean-Pierre Darroussin, Blondin Miguel, Elina Salo, Evelyne Didi, Quoc-Dung Nguyen, Roberto Piazza (aka Little Bob; Denn was wäre ein Kaurismäki-Film ohne Musik?), Jean-Pierre Léaud
Wiederholungen
Mittwoch, 19. November, 13.45 Uhr
Donnerstag, 27. November, 13.55 Uhr

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Le Havre“

Rotten Tomatoes über „Le Havre“

Wikipedia über „Le Havre“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ralph Eue/Linda Söffkers (Hrsg.) „Aki Kaurismäki“ (2006)

Meine Besprechung von Aki Kaursimäkis “Le Havre” (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschand 2011)


TV-Tipp für den 17. April: Der Mann ohne Vergangenheit

April 17, 2013

Arte, 20.15

Der Mann ohne Vergangenheit (Fin/D/F 2002, R.: Aki Kaurismäki)

Drehbuch: Aki Kaurismäki

Kaurismäki erzählt in seinem typischen knappen Stil von einem Mann, der sein Gedächtnis verliert und bei den armen, am Hafen von Helsinki lebenden Menschen ein neues Leben beginnt.

Ein feiner Film und mit etwas über neunzig Minuten für Kaurismäki-Verhältnis ein überlanges Epos.

Ich erzähle eine Art Märchen mit Happy End. Das suchen wir doch alle im richtigen Leben – vergebens. Es reicht ja, wenn ich selbst in Hoffnungslosigkeit ersaufe. Dabei träume ich in einem Winkel meines Herzens, dass jeder glücklich sein sollte – eine Illusion.“ (Aki Kaurismäki in einem Interview in der AZ, 14. September 2002)

eine der bewegendsten Kino-Liebesgeschichten der letzten Jahre“, sagt Jan Schulz-Ojala in Eue/Söffkers Sammelband „Aki Kaurismäki“ über den zweiten Teil von Kaurismäkis Verlierer-Trilogie. Teil eins war „Wolken ziehen vorüber“, Teil drei „Lichter der Vorstadt“.

mit Markku Peltola, Kati Outinen, Annikki Tähti, Juhani Niemelä

Wiederholung: Samstag, 20. April, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Der Mann ohne Vergangenheit“ (deutsch, englisch)

3sat über “Der Mann ohne Vergangenheit”

Deutsche Homepage von Aki Kaurismäki (Pandora Filmverleih)

Meine Besprechung von Ralph Eue/Linda Söffkers (Hrsg.) „Aki Kaurismäki“ (2006)

Meine Besprechung von Aki Kaurismäkis „Le Havre“ (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschland 2011)


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