Neu im Kino/Filmkritik: „Godzilla II: King of the Monsters“ bei der kollektiven Städteplanung

Mai 29, 2019

Fünf Jahre nach den Ereignissen von „Godzilla“ wissen die Menschen, dass es, ähem, sehr sehr große Tiere gibt. Wie mit diesen Titanen umgegangen werden soll, ist allerdings noch etwas unklar. Letztendlich stehen sich Wissenschaftler und Militärs gegenüber. Erstere möchten die Tiere beobachten und sind an einem friedlichen Umgang, einer Koexistenz, mit ihnen interessiert. Letztere möchten, nach bewährter Soldatentradition, die Monster am liebsten atomisieren. Bis die Politik sich entschieden hat, was getan wird, werden die bis jetzt siebzehn bekannten Riesenmonster in ihren Verstecken von der kryptozoologischen Agentur Monarch beobachtet und erforscht. Selbstverständlich ohne sie aus ihrem schon seit Ewigkeiten andauerndem Tiefschlaf zu wecken.

Als eine von Alan Jonah (Charles Dance) geführte Gruppe Ökoterroristen die Monarch-Station in China überfällt, ist das fragile Gleichgewicht gestört. Er lässt das Monster frei und entführt die Wissenschaftlerin Dr. Emma Russell (Vera Farmiga), die gerade ein Gerät entwickelt hat, mit dem man das Verhalten der Tiere beeinflussen kann, und ihre Tochter Madison („Stranger Things“ Millie Bobby Brown in ihrem Spielfilmdebüt). Die Terroristen wollen alle bis jetzt bekannten Monster auf die Menschheit loslassen. Ihre erste Station ist die Monarch-Station in der Antarktis. Im Eis schläft der dreiköpfige King Ghidorah.

Währenddessen wird Emmas Mann Mark (Kyle Chandler) von dem wichtigen Monarch-Wissenschaftler Dr. Ishiro Serizawa (Ken Watanabe) in das aus Wissenschaftlern und Soldaten bestehende Team, das die Terroristen finden soll, aufgenommen. Mark kombiniert in Sherlock-Holmes-Manier (also für Normalsterbliche ohne Erklärung nicht nachvollziehbar und Zeit für Erklärungen gibt es in „Godzilla II: King of the Monsters“ nicht), dass die Entführer seiner Frau und Tochter zu der streng geheimen Monarch-Station in der Antarktis wollen.

Dort erlebt Mark seine erste große Überraschung und über einige Umwege und Atombombenzündungen geht es in die USA in seine Heimatstadt.

Während Gareth Edwards‘ „Godzilla“ noch eine ziemlich dröge Angelegenheit war, liefert Michael Dougherty in „Godzilla II: King of the Monsters“ fast pausenlose Action. Eine richtige Fortsetzung von „Godzilla“ ist sein Film nicht. Bis auf Ken Watanabe, Sally Hawkins (die ziemlich schwuppdiwupp zwischen zwei Bildern zertrampelt wird) und David Strathairn (ungefähr eine Szene als Admiral William Stenz) ist niemand vom ersten „Godzilla“-Film dabei. Die Organisation Monarch spielt in „Godzilla“, „Godzilla II“ und „Kong: Skull Island“ eine so austauschbare Rolle, dass sie mühelos durch einen beliebigen anderen Organisationsnamen ersetzt werden könnte.

Godzilla selbst ist auch gar nicht so oft im Bild. Dafür gibt es viele andere Monster. Vor allem das dreiköpfige Wesen King Ghidorah hat eine größere Rolle. King Ghidorah ist dann auch noch ein Alien und entsprechend schwer zu besiegen.

Im Mittelpunkt des Films stehen die epischen Monsterkloppereien, die man problemlos auch ohne die Kenntnis der anderen Filme nachvollziehen kann. Meistens tragen sie sich vor einem sehr dunklen Himmel zu. Viele Soldaten dürfen als Statisten ballern und sterben, während die Monster sich gerade als rücksichtslose, Hochhäuser im Dutzend zerstörende Abrissunternehmer betätigen, Weil das alles aus dem Computer kommt, fehlt auch Doughertys Monsterfilm der Charme der alten japanischen „Godzilla“-Filme, die früher in den Bahnhofslichtspielen und dem TV-Nachmittagsprogramm liefen. Damals wurde ein Mann in ein Affenkostüm gesteckt und er stampfte durch Spielzeuglandschaften. Das war ein kindischer Spaß, der immer wieder ernste Untertöne hatte.

So etwas wie eine tiefere Botschaft sucht man in „Godzilla II: King of the Monsters“ vergebens. Falls man beim lustigen Zünden von Atombomben und einer neuen Bombe, die alles Leben im Radius von zwei Meilen vernichtet, überhaupt jemals daran denkt. Denn das Drehbuch bemüht sich nur, die einzelnen, bevorzugt in Großstädten stattfindenden Zerstörungsorgien halbwegs schlüssig miteinander zu verbinden.

Die Schauspieler – ein durchaus beeindruckender Cast gestandener Mimen – hat wenig zu tun. Schauspielerischen Leistungen werden von keinem verlangt. Sie müssen nur präsent sein und mal grimmig, mal schockiert, selten überrascht, in die Kamera starren. Das gelingt ihnen. Was sie sehen, wurde später im Computer erschaffen.

Und so ist „Godzilla II: King of the Monsters“ die Big-Budget-Ausgabe eines alten Monsterheulers, ohne den kindlich-naiven Charme des alten Monsterheulers, aber mit viel besseren Tricks und vielen, riesigen, ziemlich echt aussehenden Tieren, die sich leinwandfüllend schlagen und dabei die Tonanlage des Kinos ausreizen.

Es gibt eine Post-Credit-Szene, die, nun, die Story bzw. Godzillas Gegner in dem nächsten „Godzilla“-Film andeutet. Inwiefern diese Szene, falls überhaupt, auch mit „Godzilla vs. Kong“ zusammenhängt, erfahren wir Mitte März 2020. Dann sollen Godzilla und King Kong im Kino aufeinandertreffen.

Godzilla II: King of the Monsters (Godzilla II: King of Monsters, USA 2019)

Regie: Michael Dougherty

Drehbuch: Michael Dougherty, Zach Shields (nach einer Geschichte von Max Borenstein, Michael Dougherty und Zach Shields)

mit Kyle Chandler, Vera Farmiga, Millie Bobby Brown, Ken Watanabe, Ziyi Zhang, Bradley Whitford, Sally Hawkins, Charles Dance, Thomas Middleditch, Aisha Hinds, O’Shea Jackson Jr., David Strathairn, CCH Pounder

Länge: 132 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Godzilla II: King of the Monsters“

Metacritic über „Godzilla II: King of the Monsters“

Rotten Tomatoes über „Godzilla II: King of the Monsters“

Wikipedia über „Godzilla II: King of the Monsters“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Michael Doughertys „Krampus“ (Krampus, USA 2015)

Meine Besprechung von Gareth Edwards‘ „Godzilla“ (Godzilla, USA 2014)

Meine Besprechung von Jordan Vogt-Roberts‘ „Kong: Skull Island“ (Kong: Skull Island, USA 2017)


DVD-Kritik: „Die Geiselnahme“ ist bel canto

März 15, 2019

Der japanische Industrielle Katsumi Hosokawa (Ken Watanabe) freut sich auf einen Auftritt der von ihm bewunderten weltbekannten Sopranistin Roxane Coss (Julianne Moore). Sie wurde nach Südamerika eingeladen, um dort in der Villa des Vizepräsidenten vor einem ausgewählten Publikum zu singen. Die Sängerin hatte Auftritt in dem gefährlichen Land so lange abgelehnt, bis die Gage eine Höhe erreichte, bei der sie nicht mehr ablehnen konnte. Die Regierung möchte, dass Hosokawa an dem Abend mit dem Präsidenten ein lukratives Geschäft beschließt. Der Präsident kommt allerdings nicht zu dem Privatkonzert. Er will sich lieber eine Telenovela ansehen. Dafür taucht eine Gruppe Terroristen auf, die den Präsidenten entführen will. Weil der nicht da ist, nehmen sie spontan alle Gäste als Geisel.

Die Geiselnahme“ beginnt wie ein gewöhnlicher Geiselnahme-Thriller mit Sebastian Koch als Mann vom Internationalen Roten Kreuz, der der Verhandler sein wird.

Aber dann hat Paul Weitz, der hier den Roman „Bel Canto“ von Ann Patchett verfilmte, wenig Interesse daran, dem bekannten Regeln eines Thrillers zu folgen. Er konzentriert sich auf die Geisel und die Geiselnehmer, die eine besondere Abart des Stockholm-Syndroms entwickeln. Ihr Leben in der Villa wird zunehmend zu einem absurden Theaterspiel, in dem sie in einer Zwischenwelt verschwinden. Es ist ein Stillstand, den sie mit persönlichen Gesprächen, Liebeleien, Schach, Gesang und, nun, der gegenseitigen Fortbildung von Sprachen, Gesang, Kochkunst und auch Liebe verbringen. Die Grenzen zwischen den Gefangenen und den Guerilleros verschwimmen dabei zunehmend.

Das ist als vorsichtiger Ausbruch aus den Konventionen des Genres durchaus interessant.

Produzent, Regisseur und Drehbuchautor Paul Weitz inszenierte mehrere Folgen der Amazon Original Serie „Mozart in the Jungle“. Zu seinen Spielfilmen, für die er auch oft das Drehbuch schrieb, gehören „American Pie – Wie ein heißer Apfelkuchen“ (American Pie, 1999), „About a Boy oder: Der Tag der toten Ente“ (About a Boy, 2002), „Meine Frau, unsere Kinder und ich“ (Little Fockers, 2010), „Being Flynn“ (Being Flynn, 2012, ebenfalls mit Julianne Moore) und „Grandma“ (Grandma, 2015).

Reneé Fleming übernahm für Julianne Moore den Gesang.

Ann Patchetts Inspiration für ihren in einem nicht genannten südamerikanischen Land spielenden Roman war die weltweit aufsehen erregende Geiselnahme in der japanischen Botschaft in Lima, Peru, 1996/97. Damals nahmen Mitglieder der Movimiento Revolucionario Túpac Amaru hundertzwanzig hochrangige Geschäftsleute und Politiker als Geisel. Die Geiselnahme wurde nach 126 Tage am 22. April 1997 blutig beendet.

Die Geiselnahme (Bel Canto, USA 2018)

Regie: Paul Weitz

Drehbuch: Paul Weitz, Anthony Weintraub

LV: Ann Patchett: Bel Canto, 2001 (Bel Canto)

mit Julianne Moore, Ken Watanabe, Sebastian Koch, Christopher Lambert, Ryo Kase, Tenoch Huerta, Noé Hernández, Johnny Ortiz, María Mercedes Coroy, Ethan Simpson, Gabo Augustine, Carmen Zilles, Eddie Martinez

DVD

DCM World/Universum Film

Bild: 2.40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Featurette „Charaktere“, Featurette „Geschichte des Films“, Wendecover

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Geiselnahme“

Metacritic über „Die Geiselnahme“

Rotten Tomatoes über „Die Geiselnahme“

Wikipedia über „Die Geiselnahme“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 27. Januar: The Unforgiven

Januar 27, 2019

Pro7, 23.25

The Unforgiven (Yurusarezaru Mono, Japan 2013)

Regie: Lee Sang-Il

Drehbuch: Lee Sang-Il (nach dem Drehbuch „Unforgiven“ von David Webb Peoples)

Ein inzwischen als Bauer lebender Samurai wird von einem alten Kampfgefährten überredet, noch einmal in den Kampf zu ziehen. Einige Huren haben nämlich ein Kopfgeld auf zwei Freier, die eine Hure verunstalteten, ausgesetzt.

Grandioses Samurai-Remake von Clint Eastwoods Westernklassiker „Erbarmungslos“ (Unforgiven, USA 1992), das der bekannten Geschichte fast schon sklavisch folgt und ihr trotzdem neue Facetten abgewinnt. Sehr, sehr sehenswert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ken Watanabe, Jun Kunimura, Shiori Kutsuna, Yuya Yagira, Akira Emoto, Eiko Koike, Yoshimasa Kondo

Hinweise
Japanische Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Unforgiven“
Moviepilot über „The Unforgiven“
Rotten Tomatoes über „The Unforgiven“
Wikipedia über „The Unforgiven“
Kriminalakte über „Erbarmungslos“

Meine Besprechung von Lee Sang-Ils „The Unforgiven“ (Yurusarezaru Mono, Japan 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Wes Anderson besucht die „Isle of Dogs – Ataris Reise“ wird erzählt

Mai 11, 2018

Beginnen wir gleich mit dem größten Problem von „Isle of Dogs – Ataris Reise“: die Synchronisation. Im Original verleihen Hollywoodstars Hunden und Menschen ihre Stimme. Bei uns sind es dann deutlich unbekanntere Synchronsprecher.

Die meisten Zuschauer werden sich, im Gegensatz zu den Cineasten und „ich will jeden Film von xyz sehen“-Fans, daran nicht stören. Sie kennen eh nur die Synchronstimmen von Scarlett Johansson und Greta Gerwig. Und die Fans von Originalfassungen, zu denen ich gehöre, sind eine überschaubare Minderheit. Sogar im CineStar im Berliner Sony Center, das nur Originalfassungen zeigt, wird man an der Kasse immer gefragt, ob man die Originalfassung sehen möchte.

Damit ist, ehrlich betrachtet, die Synchronisation und das damit verbundene Verschwinden der Starpower, etwas zwischen Schein- und Luxusproblem. Der Reiz der Bilder bleibt in dem witzigen Stop-Motion-Film in jeder Fassung erhalten.

Stop-Motion ist eine altbewährte Filmtechnik, die auch sehr aufwendig ist. Zuerst werden dreidimensionale Objekte, in diesem Fall Hunde und Menschen, gefertigt. Diese werden für jede Aufnahme minimal bewegt. Erst wenn man die so entstandenen Aufnahmen schnell zeigt, entsteht der Eindruck von Bewegung. Weil „Isle of Dogs“-Regisseur Wes Anderson statt der normalen 24 Bilder pro Sekunde eine Vorliebe für 12 Einzelbilder pro Sekunde hat, mussten für den Film nur 130.000 handgefertigte Standbilder angefertigt werden. Die Bewegungen erscheinen so etwas abgehackter als normal. Am Arbeitstempo änderte sich dadurch wenig. Täglich konnten nur wenige Sekunden Film entstehen. Insgesamt dauerte die Produktion des Films fast zwei Jahre. Und davor wurde das Drehbuch geschrieben und in einem Storyboard die einzelnen Einstellungen festgelegt. „Isle of Dogs“ ist daher kein Film, in dem mal schnell etwas improvisiert wurde.

Stop-Motion-Szenen hat jeder schon gesehen. Meistens in Science-Fiction- und Fantasy-Filmen. In „King Kong und die weiße Frau“ und den „Krieg der Sterne“-Filmen wurde die Technik für einige Szenen verwandt. Ray Harryhausen war ein Meister dieser Technik. Seine Arbeit kann in „Sindbads 7. Reise“, „Jason und die Argonauten“, „Eine Million Jahre vor unserer Zeit“ und „Kampf der Titanen“ bewundert werden. In den letzten Jahren inszenierten Tim Burton („Nightmare before Christmas“ [Regie: Henry Selick], „Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche“ und „Frankenweenie“) und, für Erwachsene, Charlie Kaufman („Anomalisa“) Stop-Motion-Kinofilme. Mit „Der fantastische Mr. Fox“ inszenierte Wes Anderson bereits einen Stop-Motion-Animationsfilm.

In seinem neunten Spielfilm „Isle of Dogs – Ataris Reise“ erzählt Anderson die Geschichte von Atari Kobayashi (Koyu Rankin). Er ist der zwölfjährige Pflegesohn des autoritären Bürgermeisters von Megasaki City. Aufgrund einer grassierenden Hundegrippe werden alle Hunde aus der Stadt nach Trash Island verbannt. Die Insel, eigentlich eine Müllkippe, liegt in Sichtweite von Megasaki City.

Eines Tages wird Spots, der Wachhund von Atari, nach Trash Island deportiert.

Atari will seinen Freund retten. Er klaut ein Flugzeug, legt auf der Insel eine ordentliche Bruchlandung hin und will auf der riesigen Insel seinen besten Freund finden. Das ist eine ziemlich hoffnungslose Aufgabe, bis eine kleine Hundegruppe – bestehend aus Rex (Edward Norton), Boss (Bill Murray), King (Bob Balaban), Duke (Jeff Goldblum) und Chief (Bryan Cranston) – beschließt, dem Jungen zu helfen. Immerhin ist es das, was Hunde tun.

In diesem Moment sind wir schon mitten drin in einem Abenteuer, das Kindern und Erwachsenen gefallen dürfte. Für Kinder gibt es eine Geschichte über die Suche nach einem Hund, Freundschaft und den Kampf gegen einen Bösewicht. Denn die Hundegrippe wurde von Menschen verursacht. Genauso wie die Ausgrenzung und Deportation der einstmals geliebten Haustiere in den sicheren Tod. Denn auf Trash Island gibt es keine Nahrung. Anderson erzählt die Abenteuer von Atari und seinen Hundefreunden, mit vielen sehr vergnüglichen Um- und Abwegen, detailfreudig, voller Humor, Slapstick und Situationskomik.

Erwachsene und Cineasten werden in diesen Momenten auch etliche lässig eingestreute Anspielungen und Zitate erkennen. Stilistisch ist „Isle of Dogs“ unverkennbar inspiriert vom japanischen Film, vor allem von Akira Kurosawa („Die sieben Samurai“), und der japanische Kultur. Im Film wird auch ziemlich viel japanisch gesprochen. Anderson erzählt die Geschichte aus der Sicht der Hunde, die sich natürlich untereinander blendend verstehen. Sie sprechen daher, im Original, englisch. Japanisch verstehen die Hunde nicht. Deshalb gibt es, wenn Menschen japanisch sprechen, auch keine Untertitel. Wenn es wirklich wichtig ist, übersetzt eine Dolmetscherin (Frances McDormand im Original) ins Englische. Das ist nötig, weil eine junge US-Austauschstudentin, Hundefreundin und Journalistin eine gewaltige Verschwörung gegen die Hunde wittert.

Diese Verschwörung gegen die Hunde, ihre Ausgrenzung und die Pläne für ihre Vernichtung können mühelos als warnender Kommentar zum aktuellen politischen Geschehen gelesen werden. Dabei hat Wes Anderson den Film schon 2015 ankündigt und die Produktion begann 2016. Seine Premiere hatte er auf der diesjährigen Berlinale. Dort erhielt Anderson den Silbernen Bären als bester Regisseur.

Isle of Dogs – Ataris Reise (Isle of Dogs, USA 2018)

Regie: Wes Anderson

Drehbuch: Wes Anderson (nach einer Geschichte von Wes Anderson, Roman Coppola, Jason Schwartzmann und Kunichi Nomura)

mit (im Original den Stimmen von) Liev Schreiber, Edward Norton, Bill Murray, Bob Balaban, Jeff Goldblum, Bryan Cranston, Scarlett Johansson, F. Murray Abraham, Tilda Swinton, Harvey Keitel, Ken Watanabe, Koyu Rankin, Kunichi Nomura, Akira Takayama, Greta Gerwig, Akaira Ito, Yoko Ono, Frances McDormand, Nijiro Murakami, Mari Natsuki, Yojiro Nada, Frank Wood, Courtney B. Vance (Wuff, ein All-Star-Voice-Film)

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Isle of Dogs“

Metacritic über „Isle of Dogs“

Rotten Tomatoes über „Isle of Dogs“

Wikipedia über „Isle of Dogs“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Isle of Dogs“

Meine Besprechung von Wes Andersons „The Grand Budapest Hotel“ (The Grand Budapest Hotel, USA/Deutschland 2014)

Q&A bei der Film Society of Lincoln Center

 


TV-Tipp für den 29. April: The Unforgiven

April 28, 2018

Pro7, 23.40

The Unforgiven (Yurusarezaru Mono, Japan 2013)

Regie: Lee Sang-Il

Drehbuch: Lee Sang-Il (nach dem Drehbuch „Unforgiven“ von David Webb Peoples)

Ein inzwischen als Bauer lebender Samurai wird von einem alten Kampfgefährten überredet, noch einmal in den Kampf zu ziehen. Einige Huren haben nämlich ein Kopfgeld auf zwei Freier, die eine Hure verunstalteten, ausgesetzt.

Grandioses Samurai-Remake von Clint Eastwoods Westernklassiker „Erbarmungslos“ (Unforgiven, USA 1992), das der bekannten Geschichte fast schon sklavisch folgt und ihr trotzdem neue Facetten abgewinnt. Sehr, sehr sehenswert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ken Watanabe, Jun Kunimura, Shiori Kutsuna, Yuya Yagira, Akira Emoto, Eiko Koike, Yoshimasa Kondo

Wiederholung: Montag, 30. April, 03.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Japanische Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Unforgiven“
Moviepilot über „The Unforgiven“
Rotten Tomatoes über „The Unforgiven“
Wikipedia über „The Unforgiven“
Kriminalakte über „Erbarmungslos“

Meine Besprechung von Lee Sang-Ils „The Unforgiven“ (Yurusarezaru Mono, Japan 2013)


TV-Tipp für den 4. November: Inception

November 4, 2017

Vox, 20.15

Inception (USA/GB 2010, R.: Christopher Nolan)

Drehbuch: Christopher Nolan

Leonardo DiCaprio spielt einen Spion, der sich in die Gehirne von anderen Menschen einloggt. Jetzt soll er allerdings nichts ausspionieren, sondern eine schädliche Idee in das Gehirn seines Opfers implantieren.

Die Kritiker waren begeistert von “Batman“ Christopher Nolans Mindfuck. Die Zuschauer ebenso. Die Kinobetreiber zählten strahlend die verkauften Eintrittskarten. Denn „Inception“ ist ein inzwischen seltenes Beispiel für Blockbusterkino, bei dem man sein Gehirn nicht an der Kinokasse abgeben muss.

mit Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page, Tom Hardy, Ken Watanabe, Cillian Murphy, Tom Berenger, Marion Cotillard, Pete Postlethwaite, Michael Caine, Lukas Haas

Wiederholung: Sonntag, 5. November, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zu „Inception“

Deutsche Homepage zu „Inception“

Film-Zeit über „Inception“

Rotten Tomatoes über “Inception”

Wikipedia über “Inception” (deutsch, englisch)

Nolan Fans (umfangreiche Homepage, auch mit den Drehbüchern zu seinen Filmen, u. a. “Inception”)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Interstellar“ (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Dunkirk“ (Dunkirk, USA/Frankreich/Großbritannien 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: „Transformers: The Last Knight“ rettet die Welt

Juni 22, 2017

Der neueste Transformers-Film „Transformers: The Last Knight“ ist kein typischer Michael-Bay-Film. In zwei Punkten. Es gibt eigentlich kein Product Placement. Keine übergroßen, sinnlos im Bild herumstehenden Werbetafeln für Damenunterwäsche. Das liegt auch daran, dass der Film zu großen Teilen an Orten spielt, die naturgegeben werbefrei sind. Wobei Michael Bay schon immer eine herzliche Ignoranz gegenüber der Logik hatte.

Es gibt nur zwei größere Frauenrollen im Film. Die eine ist ein vierzehnjähriges Mädchen, das wie eine jüngere Version der Heldinnen der letzten beiden „Star Wars“-Filme aussieht. Die andere ist eine super gebildete Wissenschaftlerin, die schon vor einigen Jahren ihren zwanzigsten Geburtstag hatte. Beide kriegen zwar ein, zwei Michael-Bay-Shoots, aber sie sind mehr Pflicht als Kür.

In allen anderen Punkten ist der fünfte Transformers-Film ein typischer Michael-Bay-Film. Allerdings erschreckend lustlos inszeniert.

Es gibt wieder eine Story zum Haare ausraufen. Im Endeffekt geht es um ein wichtiges Artefakt, das von den Transformers (äh, das sind Roboter-Wesen von einem anderen Planeten, die sich in Autos verwandeln können) zu König Artus Zeiten auf die Erde gebracht wurde. Später wurde es über den Globus verstreut. Jetzt wollen die bösen Transformers und ein gehirngewaschener Optimus Prime (eigentlich einer der Guten) das Artefakt wieder zusammenfügen und die Erde vernichten. Die guten Transformers kämpfen dagegen. Und Cade Yeager (Mark Wahlberg, der schon durch den vorherigen Transformers-Film stolperte) ist der titelgebende letzte Ritter, der die Katasrophe verhindern kann.

Begleitet wird er von der Waisen Izabella (Isabelle Moner), der Historikerin Vivian Wembley (Laura Haddock [Fun Fact: sie ist älter als Megan Fox]), Lord Edmund Burton (Anthony Hopkins) und seinem putzigen Droiden. Gejagt und später begleitet werden sie von einer Trupp unerschrockener Kanonenfutter-Soldaten.

Der Weg zur großen Endschlacht im und unter Wasser, in der Luft, in Raumschiffen und bei Stonehenge (liegt in Bay-Welt alles direkt nebeneinander) ist mit epischen Kämpfen, Frotzeleien, Logiklöchern und Anschlussfehlern gepflastert, die von einem erschreckenden Desinteresse an der Geschichte und dem Publikum zeugen. Da liegt eine Metropole neben einem Wüstenkaff. Da hat Yeager sein Artus-Schwert in der Hand. Sekunden später ist es verschwunden. Und man hat immer die passenden Kleider dabei.

Die Story selbst, soweit sie überhaupt erkennbar ist, wirkt wie eine Resteverwertung aus den letzten „Star Wars“-Filmen (die Story, das Finale, Burtons Hausroboter, Izabellas Roboterfreund,…), gekreuzt mit der Artus-Sage. In der Version von Guy Ritchies vor wenigen Wochen gestartetem „King Arthur: Legend of the Sword“. Da werden einfach Bilder, Szenen und Dialoge hintereinander geklatscht, ohne dass jemals darauf geachtet wird, wie das alles miteinander zusammenhängt und man sich schon fast einen Extended Cut zum Stopfen der schlimmsten Drehbuchlöcher wünscht; – nein, nur ein Witz.

Unter den Schauspielern finden sich einige aus den vorherigen Filmen bekannte Namen und einige prominente Neuzugänge; und wenn man deren Name nicht kennt, kennt man ihr Gesicht. Sie alle haben nur kurze, teilweise nur knapp über der Cameo-Länge liegende Auftritte und sie alle sind nur wegen des Geldes dabei. Es sind Mark Wahlberg, Josh Duhamel (ein „Transformers“-Veteran), Stanley Tucci (kurz, sehr kurz), John Turturro (dito), Anthony Hopkins, Glenn Morshower (als, reden wir über kreative Namenswahl, General Morshower) und die schon erwähnten Bay-Babes Isabelle Moner und Laura Haddock. In der Originalfassung werden die Roboter, unter anderem, von Peter Cullen (wieder als Optimus Prime), John Goodman, Ken Watanabe, Jim Carter (von „Downtown Abbey“) und Omar Sy gesprochen; falls jemand ihre Stimmen erkennt.

Wie die vier vorherigen, kommerziell sehr erfolgreichen „Transformers“-Filme ist „The Last Knight“ ein Film für Kinder. Mit hundertfünfzig Minuten ist er für sie allerdings zu lang geraten. Und auch sie verdienen gute Filme. Davon ist „Transformers: The Last Knight“ meilenweit entfernt.

Wirklich ärgerlich an dem Film ist die durchgehende Abwesenheit einer auch nur irgendwie erkennbaren Bemühung zu unterhalten. Michael Bays neueste CGI-Actionplotte ist das filmische Äquivalent zu einem Überfall, bei dem der Räuber, weil er weiß, dass er seine Beute erhalten wird, jegliches Engagement vermissen lässt.

In Interviews bekundeten Michael Bay und Mark Wahlberg, dass sie beim nächsten „Transformers“-Film nicht dabei sein wollen.

Aber auch ohne sie – wobei Michael Bay als Produzent involviert ist – wird es mit den Transformers weitergehen. Die nächsten Filme sind schon angekündigt.

Transformers: The Last Knight (Transformers: The Last Knight, USA 2017)

Regie: Michael Bay

Drehbuch: Matt Holloway, Art Marcum, Ken Nolan (nach einer Geschichte von Akiva Goldsman, Art Marcum, Matt Holloway und Ken Nolan)

mit Mark Wahlberg, Anthony Hopkins, Stanley Tucci, John Turturro, Josh Duhamel, Laura Haddock, Isabela Moner, Santiago Cabrera, Jerod Carmichael, Peter Cullen (Stimme), Frank Welker (Stimme), John Goodman (Stimme), Ken Watanabe (Stimme), Jim Carter (Stimme), Omar Sy (Stimme)

Länge: 150 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Transformers: The Last Knight“

Metacritic über „Transformers: The Last Knight“

Rotten Tomatoes über „Transformers: The Last Knight“

Wikipedia über „Transformers: The Last Knight“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Michael Bays „Pain & Gain“ (Pain & Gain, USA 2013)

Meine Besprechung von Michael Bays „Transformers: Ära des Untergangs (Transformers: Age of Extinction, USA 2014)

Meine Besprechung von Michael Bays „13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi (13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi, USA 2016)


DVD-Kritik: „The Sea of Trees – Liebe wird dich nach Hause führen“, wenn du willst

Februar 8, 2017

Arthur Brennan (Matthew McConaughey) reist nach Japan, um sich in dem dortigen Selbstmörderwald Aokigahara umzubringen. Kaum hat er die tödlichen Pillen geschluckt, sieht er einen hilflos durch den Wald irrenden Mann (Ken Watanabe), der offensichtlich aus dem Wald heraus will. Brennan zeigt Takumi Nakamura den Weg. Allerdings bemerkt er kurz darauf, dass er ihn in die falsche Richtung geschickt hat. Er verfolgt ihn, um ihm den richtigen Weg aus dem Wald zu zeigen und fortan irren sie orientierungslos durch den riesigen Wald. Dabei erzählen sie sich, warum sie sich umbringen wollen.

Dass der Aokigahara-Wald durchaus unheimlich ist, wissen wir aus „The Forest“. In dem Horrorfilm musste die Heldin sich mit mehr oder weniger realen Geistern, die sie töten wollten, herumschlagen. Dagegen hat Brennan es eindeutig besser erwischt. Er muss sich, während er mit Nakamura durch den Wald stolpert, nur mit den Geistern seiner Vergangenheit, seiner Beziehung zu seiner Frau Joan (Naomi Watts), herumärgern. Und der Frage, ob er wirklich sterben will.

The Sea of Trees – Liebe wird dich nach Hause führen“ ist Gus Van Sants Selbstfindungsdrama mit absehbarer Pointe und Übererklärung in den letzten Minuten. Das ist sicher nicht van Sants bester Film, überhaupt nicht experimentell und nicht besonders anspruchsvoll. Es ist aber bei weitem nicht so schlecht, wie man nach Berichten über Buhrufen während der Cannes-Premiere befürchten musste. Die Schauspieler überzeugen. Die Außenaufnahmen (gedreht wurde im Purgatory Chasm in Massachusetts) ebenso. Die schon im deutschen Untertitel angedeutete Botschaft „Liebe wird dich nach Hause führen“ sagt nichts falsches. Sie ist halt, wie der gesamte Film, wenig überraschend und ungefähr so tiefsinnig wie ein Kalenderspruch. Dabei hätte die Beziehung zwischen Brennan und seiner Frau viel Stoff für ein komplexes Drama geboten. Er ist ein Lehrer, der seinen Schülern etwas beibringen will, und sich gerne in intellektuellen Gedankengebäuden verliert. Sie eine Alkoholikerin, die das Geld verdient. Auch die Beziehung zwischen Brennan und Nakamura hätte als Basis für einen Culture Clash fungieren können. Immerhin stehen sie für verschiedene Kulturen und Weltsichten. Aber der Film bleibt immer an der Oberfläche.

Nennen wir „The Sea of Trees“ einfach Gus van Sants Version eines Selbstfindungsdramas der Nicholas-Sparks-Schule und da gehört Van Sants Film zu den besseren Werken.

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The Sea of Trees – Liebe wird dich nach Hause führen (The Sea of Trees, USA 2015)

Regie: Gus Van Sant

Drehbuch: Chris Sparling

mit Matthew McConaughey, Ken Watanabe, Naomi Watts

DVD

Ascot Elite

Bild: 2.40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Featurette: A Story of Beauty and Tragedy, Trailer, Wendecover

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „The Sea of Trees“

Metacritic über „The Sea of Trees“

Rotten Tomatoes über „The Sea of Trees“

Wikipedia über „The Sea of Trees“

Die Cannes-Pressekonferenz mit Gus Van Sant, Matthew McConaughey und Naomi Watts

 


TV-Tipp für den 27. Januar: Letters from Iwo Jima

Januar 27, 2016

Kabel 1, 23.30
Letters from Iwo Jima (USA 2006, Regie: Clint Eastwood)
Drehbuch: Iris Yamashita (nach einer Geschichte von Iris Yamashita und Paul Haggis)
LV: Tadamichi Kuribayashi/Tsuyoko Yoshido: Picture Letters from Commander in Chief
Unglaublich, aber wahr: heute ist die TV-Premiere von Clint Eastwoods „Letters from Iwo Jima“, den er 2006, direkt im Anschluss, als Gegenstück zu seinem Film „Flags of our fathers“ inszenierte. In dem Film zeigte er die US-amerikanische Seite und Interpretation des Kampfes um die Pazifikinsel Iwo Jima im Zweiten Weltkrieg. In „Letters from Iwo Jima“ schildert er die japanische Seite, auf der sich die Soldaten in eine aussichtslose Schlacht begaben. Auf japanisch. Dafür gab es, neben einigen anderen Preisen, den Golden Globe in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“. Auch bei uns kam der Film als „Original mit Untertiteln“ in die Kinos.
Und: Nein, das Sterben auf der Vulkaninsel ist nicht ehrenhaft.
mit Ken Watanabe, Kazunari Ninomiya, Tsuyoshi Ihara, Ryô Kase, Shidou Nakamura, Hiroshi Watanabe, Takumi Bando, Yuki Matsuzaki
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Letters from Iwo Jima“
Wikipedia über „Letters from Iwo Jima“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “American Sniper” (American Sniper, USA 2014)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „The Unforgiven“, Japan Style

Dezember 5, 2014

Wer die Originaltitel von Filmen kennt, denkt bei „The Unforgiven“ ziemlich schnell an „Unforgiven“, den Western-Klassiker von und mit Clint Eastwood, der auch den Oscar als bester Film des Jahres erhielt und bei uns als „Erbarmungslos“ in den Kinos lief. Über zwanzig Jahre später inszenierte Lee Sang-Il ein Remake, in dem er die Geschichte vom Wilden Westen nach Japan verlegte und die Revolver oft durch Schwerter ersetzte, aber ansonsten der vertrauten Geschichte fast schon sklavisch, inclusive der legendären Mann-besteigt-Pferd-Szene, aber mit mehr Schnee, folgt: wieder macht sich ein im Ruhestand lebender Kämpfer (im Original ein Revolverheld, im Remake ein Samurai, der auf der falschen Seite kämpfte) auf Bitten eines alten Kampfgefährten und weil Jubei Kamata (Ken Watanabe in der Clint-Eastwood-Rolle) das Geld für seinen kleinen Bauernhof und seine Kinder braucht, auf den Weg zu einer Kleinstadt, in der einige Huren ihr Geld zusammenlegten, um zwei Kunden zu bestrafen, der eine Kollegin von ihnen verunstaltete. Sie setzten das Kopfgeld aus, weil der brutale und selbstherrlich seine Version des Rechts ausübende Ortssheriff nicht daran denkt, die Freier zu bestrafen. Jubei macht sich mit seinem alten Kampfgefährten und einem Möchtegern-Kämpfer auf den Weg und das Verhängnis nimmt seinen Lauf.
Lee Sang-Ils Remake ist ein grandioser Samurai-Western, der dem Original treulich folgt und ihm einige neue Facetten hinzufügt. Es ist deshalb auch kein besonders dringendes, aber ein optisch überaus prächtiges Remake, bei dem, wie in einem Sam-Peckinpah-Film, der durchgehend melancholische und resignative Ton auffällt. Die Geschichte spielt 1880, während der die japanische Gesellschaft radikal verändernden Meiji-Zeit, und die müden Kämpfer ziehen fast schon gelangweilt in den Kampf. Denn sie wissen, dass ihre Zeit um ist, dass sie nur noch ein letztes Gefecht austragen, bei dem es nicht mehr um das Gewinnen, sondern nur noch um einen halbwegs ehrenvollen Abgang geht. So sagt Jubei zu seinem sterbendem Freund „Wir sehen uns in der Hölle.“.
Letztes Jahr lief Lee Sang-Il „The Unforgiven“ in Venedig, die Kritiker waren begeistert und jetzt läuft der Samurai-Western mit seinen wunderschönen Breitwand-Bildern in einigen deutschen Kinos. Hier in Berlin läuft er in zwei Kinos: das eine Kino liegt am Stadtrand, das andere zeigt ihn nur um 23.15 Uhr. Und wenn nächste Woche „Der Hobbit“ anläuft, dürfte die Zahl der Spielstätten sich auf Null reduzieren.

The Unforgiven - Plakat

The Unforgiven (Yurusarezaru Mono, Japan 2013)
Regie: Lee Sang-Il
Drehbuch: Lee Sang-Il (nach dem Drehbuch „Unforgiven“ von David Webb Peoples)
mit Ken Watanabe, Jun Kunimura, Shiori Kutsuna, Yuya Yagira, Akira Emoto, Eiko Koike, Yoshimasa Kondo
Länge: 135 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Japanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Unforgiven“
Moviepilot über „The Unforgiven“
Rotten Tomatoes über „The Unforgiven“
Wikipedia über „The Unforgiven“
Kriminalakte über „Erbarmungslos“


Neu im Kino/Filmkritik: Kaputtmachen mit „Godzilla“

Mai 15, 2014

Es ist nur ein kleines Problem, das aber auf ein viel größeres Problem hinweist: Beim Ansehen von „Godzilla“ überlegte ich ständig, wie groß die verschiedenen Monster sind und ich hatte immer den Eindruck, dass ihre Größe sich immer wieder veränderte; – was zu einem Teil sicher auch an den irritierendem 3D-Effekt lag, bei dem die Dimensionen immer etwas verschoben waren. Meistens hatte ich den Eindruck, dass die Menschen im Vordergrund zu klein oder zu groß für die etwas hinter ihnen stehenden Fahrzeuge waren.
Wenn ich allerdings, wie bei „King Kong und die weiße Frau“, vollständig in dem Film versunken wäre, hätte es mich nicht gestört.
Außerdem ist „Godzilla“ als zweistündiger Film eine sehr schwerfällige, sich im Schneckentempo auf das Finale zubewegende Angelegenheit, die „Pacific Rim“ (eine ziemlich schamlose „Godzilla“-Kopie) mit „World War Z“ verknüpft und die gelungenen Teile der beiden Filme links liegen lässt.
Gareth Edwards, der mit seinem Low-Budget-Debütfilm „Monsters“ begeisterte, beginnt sein Blockbuster-Debüt mit einer schön gestalteten Titelsequenz, in der auf die Atomexperimente nach dem zweiten Weltkrieg hingewiesen wird.
Nach der Titelsequenz erzählt Edwards in epischer Breite weiter: wie die Monster 1999 auf den Philippinen wieder auftauchen und kurz darauf in Japan das AKW Janjira vernichten. Dabei stirbt Sandra Brody; – gespielt von Juliette Binoche in einer Kürzestrolle.
Fünfzehn Jahre später ist ihr Sohn Ford (Aaron Taylor-Johnson) US-Soldat mit Frau und Kind. Ihr Ehemann Joe (Bryan Cranston), der damals im AKW als Wissenschaftler arbeitete, will immer noch herausfinden, was damals geschah. Denn er glaubt nicht, dass die anormalen Klangmuster, die kurz vor der Katastrophe aufgezeichnet wurden, von einem Erdbeben kamen. Nachdem er wieder einmal im Gefängnis landete, fliegt Ford nach Japan. Joe kann ihn überzeugen, das Sperrgebiet zu betreten – und in dem zerstörten AKW entdecken sie, dass dort ein riesiges Tier von Militärs gefangen gehalten wird und sich, wie die anormalen Ausschläge auf dem Seismographen zeigen, ein weiteres Tier nähert. In der folgenden Schlacht, die natürlich mitten in der Nacht stattfindet, sehen wir erstmals die Monster. Denn in diesem „Godzilla“-Film genügt nicht ein Godzilla, sondern es gibt mehrere Riesenmonster, die sich munter bekämpfen, paaren und Eier legen. Das kennen wir aus „Pacific Rim“, wo es ja auch verschiedene Monsterarten gab, die gerne Großstädte verwüsteten.
Jedenfalls machen sie sich jetzt auf den Weg nach Osten. Über Hawaii (Remember Pearl Harbor?) geht es nach San Francisco. Immer begleitet vom Militär, zwei Wissenschaftlern und Ford, der einfach immer so mitgenommen. Denn vor allem nach dem Tod seines Vaters, der ja immerhin noch über einige nützliche Informationen verfügen könnte, ist Ford aus militärischer Sicht einfach nur Ballast, der – und hier wird die Story zunehmend abstruser – zufälligerweise immer an den Orten ist, wo gerade etwas für die Filmgeschichte wichtiges passiert. Denn Ford ist ein Soldat auf Urlaub, ein Zivilist, ein Mann, der keinen Auftrag und auch kein dramaturgisches Ziel hat. Dass er seine Eltern rächen will oder dass er zu seiner Familie zurück möchte (die zufälligerweise in San Francisco wohnt) können wir uns vielleicht denken, aber für die Filmgeschichte ist es egal. Deshalb ist Ford ein absolut blasser Held. Der langweiligste Charakter im ganzen Film; was jetzt nicht heißt, dass die anderen Charaktere wesentlich interessanter wären.
Gerry Lane, der Held von „World War Z“, dessen Reise um den halben Globus auch teilweise absurde Züge hatte, hat im Gegensatz zu Ford ein Ziel: er musste den Patient Null, den Ausbruch der Zombie-Seuche und ein Gegenmittel finden.
Die wenigen Frauen im Film sind beschränken sich weitgehend auf das Halten von Akten oder das Kreischen. Beides ist nicht sonderlich beeindruckend und unterfordert die Schauspielerinnen – wir reden von Juliette Binoche, Elizabeth Olsen und Sally Hawkins – sträflich.
Und die Filmgeschichte selbst, eigentlich ein unglaublich langer Prolog, der in „Pacific Rim“ in den ersten Minuten beeindruckend konzentriert abgehandelt wurde, der zur finalen Schlacht führt, wird weitgehend von Zufälligkeiten zusammengehalten. Es wird vieles angesprochen, was dann doch keine Folgen für die Geschichte hat. Das gilt auch für viele Episödchen, wie die Rettung eines Kindes auf Hawaii durch Ford oder die Rettung eines mit Kindern vollbesetzten Schulbusses in San Francisco durch den afroamerikanischen Busfahrer. Und vieles ist schlichtweg erschreckend unlogisch. So schickt das Militär immer weitere Flugzeuge los, obwohl es weiß, dass die Monster einen elektronischen Fallout produzieren können, der dazu führt, dass die komplette Elektronik versagt und die Maschinen wie Steine abstürzen lässt.
Allerdings geht es in einem Godzilla-Film nicht wirklich um dreidimensionale Charaktere und eine ausgefeilte Story, sondern um Godzilla, der durch Großstädte stampft und dabei Wolkenkratzer zerstört.
Das wird auch gezeigt und Gareth Edwards gelingen hier einige beeindruckende apokalyptische Bilder. Und Godzilla, der erst nach ungefähr 75 Minuten erstmals in seiner ganzen computergenerierten Pracht zu sehen ist, ist als 108 Meter (Presseheft) großes Monster auch furchterregend. Jedenfalls bis der Wissenschaftler Dr. Ishiro Serizawa (Ken Watanabe) den bösen Godzilla schnell in einen guten Godzilla umdeutet, der die anderen Monster, die Alpha Predator (so eine Art Flugsaurier) vernichten will. Godzilla wird zu einem „Pacific Rim“-Riesenroboter.
Insgesamt ist „Godzilla“ ein ziemlich enttäuschender Monsterfilm, der schwerfällig auf sein Ende zustampft, den gesamten Cast sträflich unterfordert und Godzilla nur selten zeigt.

Godzilla - Plakat

Godzilla (Godzilla, USA 2014)
Regie: Gareth Edwards
Drehbuch: Max Borenstein (nach einer Geschichte von David Callahan)
mit Aaron Taylor-Johnson, Ken Watanabe, Elizabeth Olsen, Juliette Binoche, Sally Hawkins, David Strathairn, Bryan Cranston
Länge: 123 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Godzilla“
Moviepilot über „Godzilla“
Metacritic über „Godzilla“
Rotten Tomatoes über „Godzilla“
Wikipedia über „Godzilla“ (deutsch, englisch)

 


TV-Tipp für den 9. Februar: Inception

Februar 9, 2014

RTL, 20.15 (Wiederholung um 23.50 Uhr)

Inception (USA/GB 2010, R.: Christopher Nolan)

Drehbuch: Christopher Nolan

Leonardo DiCaprio spielt einen Spion, der sich in die Gehirne von anderen Menschen einloggt. Jetzt soll er allerdings nichts ausspionieren, sondern eine schädliche Idee in das Gehirn seines Opfers implantieren.

Die Kritiker waren begeistert von “Batman“ Christopher Nolans Mindfuck. Die Zuschauer ebenso. Die Kinobetreiber zählten strahlend die verkauften Eintrittskarten. Denn „Inception“ ist ein inzwischen seltenes Beispiel für Blockbusterkino, bei dem man sein Gehirn nicht an der Kinokasse abgeben muss.

mit Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page, Tom Hardy, Ken Watanabe, Cillian Murphy, Tom Berenger, Marion Cotillard, Pete Postlethwaite, Michael Caine, Lukas Haas

Hinweise

Amerikanische Homepage zu „Inception“

Deutsche Homepage zu „Inception“

Film-Zeit über „Inception“

Rotten Tomatoes über “Inception”

Wikipedia über “Inception” (deutsch, englisch)

Nolan Fans (umfangreiche Homepage, auch mit den Drehbüchern zu seinen Filmen, u. a. “Inception”)


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