TV-Tipp für den 13. Februar: Die Brautjungfer

Februar 12, 2017

Arte, 22.00

Die Brautjungfer (Frankreich/Deutschland 2004, Regie: Claude Chabrol)

Drehbuch: Pierre Leccia, Claude Chabrol

LV: Ruth Rendell: The Briedesmaid, 1989 (Die Brautjungfer)

Auf der Hochzeitsfeier seiner Schwester verliebt sich Philippe in die Brautjungfer Senta. Ein böser Fehler, denn sie fordert von ihrem Liebhaber als Beweis seiner Liebe einen Mord.

Wie gewohnt seziert Chabrol auch in „Die Brautjungfer“ das Bürgertum. Hier konzentriert er sich auf eine fatale Liebesbeziehung und zeigt wieder einmal, wie schnell ganz normale Menschen bereit sind andere umzubringen. Natürlich ist „Die Brautjungfer“, trotz einer unglaubwürdigen Liebesbeziehung und der Konzentration auf zwei Personen, auf dem gewohnt hohen Standard seines Spätwerks

Mit Benoit Magimel, Laura Smet, Aurore Clément

Wiederholung: Dienstag, 14. Februar, 14.05 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Brautjungfer“

Wikipedia über „Die Brautjungfer“ (deutsch, englisch), Ruth Rendell (deutsch, englisch) und Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Mein Nachruf auf Claude Chabrol

Claude Chabrol in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Yves Saint Laurent“ und sein Freund Pierre Bergé

April 18, 2014

Alles das, was Ron Howard in „Rush“ über den erbitterten Kampf um den Weltmeistertitel zwischen den Formel-1-Piloten Niki Lauda und James Hunt oder Brian Helgeland in „42“ über Jackie Robinson, der als erster Afroamerikaner, trotz massiver Vorurteile, in der Major League Baseball spielte oder Margarethe von Trotta in „Hannah Arendt“ über die Philosophin und ihr Werk „Eichmann in Jerusalem – Ein Bericht über die Banalität des Bösen“ richtig machten und auch noch Justin Chadwick in „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ über den südafrikanischen Freiheitskämpfer mit Einschränkungen gelang, macht Jalil Lespert in seinen Biopic „Yves Saint Laurent“ falsch. Denn bei ihm wird nie deutlich, warum wir uns für den Modeschöpfer interessieren sollten, was wir aus seinem Leben lernen könnten oder auch nur gegen welche Widerstände er kämpfte.
Im Film wirkt Yves Saint Laurent wie das geborene Glückskind. Er ist modebegeistert. Als 21-jähriger übernimmt er 1957, nach dem plötzlichen Tod von Christian Dior, das Haute-Couture-Haus. Er trifft Pierre Bergé, der sein Freund, Geliebter und Geschäftspartner wird. Bergé, der auch der Erzähler des Films ist, ist die Frau im Hintergrund. Als sie 1961 das Modelabel „Yves Saint Laurent“ gründen, lässt er Yves Saint Laurent in der Öffentlichkeit und hält ihm die alltäglichen Geschäftsprobleme vom Hals. Laurents Kollektionen werden begeistert aufgenommen. Sie sind glücklich und genießen ihren Reichtum, ohne mit ihm zu protzen. In dieser rosaroten Modewelt ist alles perfekt und alle haben sich lieb.
Dass die Wirklichkeit nicht so rosig war, erfährt man im Film nicht. Im Film hat Yves Saint Laurent keine Probleme und er muss auch gegen keine Widerstände kämpfen. Im Film hatte er ein vollkommen langweiliges Leben. Das ist dann für einen Film, vor allem wenn man über Yves Saint Laurent nur weiß, dass er ein bedeutender Modeschöpfer war, einfach nur todlangweilig. Denn man erfährt im Film nicht, warum die gezeigten Kollektionen so wichtig sind. Man erfährt auch nicht, warum Laurent sich als Künstler sah, er die Mode als eine Kunst ansah und seine Kollektionen so revolutionär waren.
Und die im Zentrum des Films stehende Liebesgeschichte ist für einen Film ziemlich uninteressant. Denn für einen Film ist „Konflikt“ der notwendige Treibstoff. In Konflikten und wie sie damit umgehen, zeigt sich der Charakter der verschiedenen Personen. Die perfekte Liebe, die man natürlich jedem gönnt, ist dagegen die vollkommene Abwesenheit von Konflikt.
Für ein Biopic ist das dann aber nicht besonders lehrreich. Denn, wie gesagt, bei einem Biopic wollen die Macher uns Zuschauern erzählen, warum dieses Leben so ungewöhnlich war und was wir aus diesem Leben lernen können. Auch was wir anders machen würden oder wo der Porträtierte das vollkommen falsche getan hat. Am Ende des Films sollten wir mehr über den Protagonisten wissen, seine Handlungen verstehen und auch wissen, warum er eine so ungewöhnliche Person ist.
„Yves Saint Laurent“ versagt hier leider komplett.
Das verklärende Biopic ist nur ein vollkommen unkritischer Werbefilm. Aber wer will zwei Stunden Werbung sehen, wenn er im Fernsehen schon nach zwei Minuten den TV-Kanal wechseln würde?

Yves Saint Laurent - Plakat

Yves Saint Laurent (Yves Saint Laurent, Frankreich 2013)
Regie: Jalil Lespert
Drehbuch: Jacques Fieschi, Marie-Pierre Huster, Jalil Lespert, Jérémie Guez (Mitarbeit)
LV: Laurence Benaïm: Yves Saint Laurent
mit Pierre Niney, Guillaume Gallienne, Charlotte Le Bon, Laura Smet, Marie de Villepin, Nikolai Kinski
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Yves Saint Laurent“
Moviepilot über „Yves Saint Laurent“
Metacritic über „Yves Saint Laurent“
Rotten Tomatoes über „Yves Saint Laurent“
Wikipedia über „Yves Saint Laurent“ (deutsch, englisch, französisch)


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