Privatdetektive: Hap Collins und Leonard Pine sind „Bissige Biester“ – und „Die Storys“ gibt es auch noch

Januar 9, 2019

Inzwischen arbeiten Hap Collins und sein Freund Leonard Pine mehr oder weniger regelmäßig und zuverlässig als Privatdetektive. Ihre Methoden haben sie dagegen kaum geändert. Eigentlich ist es nur eine Methode: kopflos in eine gefährliche Situation hineinstürzen, Chaos verursachen, die Situation verschlimmern und am Ende doch irgendwie lebendig das Abenteuer überstehen. Dabei erfreuen sie uns mit ihren Weisheiten über Gott und die Welt.

Die beiden Freunde könnten kaum gegensätzlicher sein. Hap Collins ist weiß, hetero und Peacenick. Ein desillusionierter Hippie. Leonard Pine ist schwarz, schwul, Republikaner und Vietnamveteran. Großmäulig sind beide und sie haben keine Abneigung gegen Gewalt. Wobei Hap, der Erzähler der Geschichten, da etwas skrupulöser ist. Oh, und beide sind Texaner. Also, genaugenommen Osttexaner.

Ihr erstes Abenteuer erlebten sie 1990 in „Wilder Winter“ (Savage Season). Thematisch ging es – sehr gelungen! – um die Auswirkungen von 1968 und was aus den damaligen revolutionären Idealen wurde. In schneller Folge schrieb Joe R. Lansdale weitere Collins/Pine-Romane, in denen die beiden immer wieder in Kriminalfälle hineinstolperten und die Gewaltspirale immer eskalierte. Nach sechs sehr vergnüglich-rauhbeinigen Abenteuern gab es ab 2001 eine mehrjährige Pause, die Lansdale 2009 mit „Das Dixie-Desaster“ (Vanilla Ride) beendete. 2011 erschien „Roter Drache“ (Devil Red). Seit 2016 erschienen insgesamt fünf neue Bücher mit Hap Collins und Leonard Pine, in denen sie älter, aber nicht viel klüger sind. Sie sind auch nicht viel älter. Denn nach dem sechsten Roman, „Machos und Macheten“ (Captain Outrageous, 2001) lässt Lansdale sie nicht mehr altern.

In ihrem neuen Abenteuer „Bissige Biester“ bittet Louise Elton sie herauszufinden, warum die Cops ihren Sohn Jamar ermordeten. Weil Leonard gerade unterwegs ist, beginnt Hap zunächst allein mit den Ermittlungen im Schwarzenviertel von Camp Rapture. Das sorgt für einige erwartbare Konfrontationen. Zunächst mit der lokalen jugendlichen Bevölkerung, später mit der Polizei.

Zusammen finden sie dann heraus, dass in einem stillgelegtem Sägewerk illegale Boxkämpfe durchgeführt werden, wenigstens einige Polizisten darin involviert sind und Jamar ihnen hinterherschnüffelte.

Gerade am Anfang plätschert die Geschichte vor sich hin. Lansdale, oder der Ich-Erzähler Hap Collins, erzählt mehr aus dem Alltag von Hap und seinen Unterhaltungen mit Leonard über Gott und die Welt. Das ist teils amüsant, oft eher zotig und bringt die Handlung nicht voran. Es wirkt sogar, als fülle Lansdale einfach Seiten mit Blödeleien, bis dann am Ende alles rasend schnell aufgeklärt wird.

Bissige Biester“ ist wahrlich nicht das beste Abenteuer von Hap und Leonard. Es ist eher eine auf Romanlänge aufgeblähte Kurzgeschichte.

Fast zeitgleich erschien „Die Storys“. Der Sammelband enthält alle bislang erschienenen Kurzgeschichten mit Hap Collins und Leonard Pine und zwei Texte, in denen Joe R. Lansdale weitere Details über die beiden, ähem, Ermittler verrät. Enthalten sind:

Hyänen (Hyenas, 2011)

Veils Besuch (Veil’s Visit, 1999)

Mordsgutes Chili (Death by Chili, 1999)

Todsicher (Dead aim, 2013)

Der Junge, der unsichtbar wurde (The Boy who became invisible, 2009)

Keiner von uns (Not our kind, 2016, Erstveröffentlichung in diesem Band)

Gebogener Zweig (Bent Twig, 2014)

Joe R. Lansdale interviewt Hap Collins und Leonard Pine (Joe R. Lansdale interviews Hap Collins and Leonard Pine, 1999)

Wie ich Hap und Leonard hegte und pflegte, fütterte und großzog (The Care and Feeding and Raising Up of Hap and Leonard, 2016)

Für alte Collins/Pine-Fans ist „Die Storys“ natürlich essentiell. Endlich sind alle kürzeren Texte über die beiden in einem Buch gesammelt. Dabei sind auch Geschichten, die bislang nur schwer erhältlich waren. Auf Deutsch wurde, wenn ich nichts übersehe, noch keine Geschichte veröffentlicht.

Für Neueinsteiger ist „Die Storys“ dagegen eine zwiespältige Angelegenheit. So gibt es mit „Hyänen“ eine grandiose Kurzgeschichte, die als längste Geschichte des Buches alles hat, was man von einem Collins/Pine-Abenteuer erwartet und die die ideale Einstiegsdroge ist.

Todsicher“ ist die zweite lange Geschichte des Sammelbands. In ihr sollen die beiden Privatdetektive eine Frau vor ihrem zukünftigen Exmann, der sie belästigt, beschützen. In „Gebogener Zweig“ hilft Hap seiner Freundin Brett. Ihre Tochter Tillie ist verschwunden. „Veils Besuch“, geschrieben mit Andrew Vachss, ist ebenfalls sehr gelungen. Weil Leonard wegen vorsätzlicher Brandstiftung an einem Crackhaus im Gefängnis sitzt, hilft ihm der aus New York kommende Anwalt Veil mit einer sehr abenteuerlichen Verteidigungsstrategie. Das ist ein urkomischer Lesespaß, aber keine typische Collins/Pine-Geschichte. „Mordsgutes Chili“ ist letztendlich nur ein Gespräch zwischen den beiden über einen rätselhaften, vor Jahren geschehenen Todesfall, bei dem unklar ist, ob es ein Mord oder ein Suizid war. „Der Junge, der unsichtbar wurde“ und „Keiner von uns“ erzählen Geschichten aus Hap Collins‘ Jugend. Es sind eindrückliche Geschichten über den alltäglichen Rassismus in Texas und wie Gewalt entsteht.

In den letzten beiden Texten erzählt Joe R. Lansdale über Hap Collins, Leonard Pine, ihre Welt, wie sie sich in den vergangenen Jahren veränderten und die Romane. Sie sind, wie die kürzeren Kurzgeschichten, primär Texte für die Fans von Hap Collins und Leonard Pine, die noch mehr über ihre Lieblinge erfahren wollen.

P. S.: „Zu viele Knarren sind was anderes als zu viele Gitarren.“ (Hap Collins)

Joe R. Lansdale: Bissige Biester

(übersetzt von Robert Schekulin)

Golkonda, 2018

272 Seiten

16,90 Euro

Originalausgabe

Rusty Puppy

Mulholland Books, 2017

Joe R. Lansdale: Hap & Leonard – Die Storys

(übersetzt von Robert Schekulin)

Golkonda, 2018

280 Seiten

16,90 Euro

Originalausgabe

Hap and Leonard

Tachyon Publications, 2016

Die Abenteuer von Hap Collins und Leonard Pine

Wilder Winter (Savage Season, 1990)

Texas Blues; Mucho Mojo (Mucho Mojo, 1994)

Mambo mit zwei Bären; Bärenblues (The Two-Bear Mambo, 1995)

Schlechtes Chili (Bad Chili, 1997)

Rumble Tumble (Rumble Tumble, 1998)

Machos und Macheten (Captain Outrageous, 2001)

Das Dixie-Desaster (Vanilla Ride, 2009)

Roter Drache (Devil Red, 2011)

Krasse Killer (Honky Tonk Samurai, 2016)

Hap & Leonard – Die Storys (Hap and Leonard, 2016)

Bissige Biester (Rusty Puppy, 2017)

Blood and Lemonade, 2017 (Kurzgeschichten, die einen Roman ergeben; bei Golkonda geplant für Frühjahr 2019)

Jackrabbit Smile (2018 bei Golkonda geplant für Herbst 2019)

The Elephant of Surprise (angekündigt für März 2019)

Hinweise

Thrilling Detective über Hap Collins & Leonard Pine

Homepage von Joe R. Lansdale

Stuttgarter Zeitung: Thomas Klingenmaier hat Joe R. Lansdale getroffen (25. März 2013)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Rumble Tumble“ (Rumble Tumble, 1998 )

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Gott der Klinge” (The God of the Razor, 2007)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Teufelskeiler” (The Boar, 1998)

Meine Besprechung  von Joe R. Lansdales „Akt der Liebe“ (Act of Love, 1981)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Die Wälder am Fluss“ (The Bottoms, 2000)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Kahlschlag” (Sunset and Sawdust, 2004)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Gauklersommer” (Leather Maiden, 2008)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Ein feiner dunkler Riss” (A fine dark Line, 2003)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Dunkle Gewässer“ (Edge of Dark Water, 2012)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Straße der Toten“ (Deadman’s Road, 2010)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Machos und Moneten“ (Captains Outrageous, 2001)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Wilder Winter“ (Savage Season, 1990)

Mein Interview mit Joe R. Lansdale zu „Das Dickicht“ (The Thicket, 2013)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Mucho Mojo“ (ursprünglich „Texas Blues“) (Mucho Mojo, 1994)

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Hap Collins, Leonard Pine, Joe R. Lansdale und Robert Schekulin

November 4, 2018

Weil Joe R. Lansdale an den Schreibtisch gefesselt ist, darf sein Übersetzer Robert Schekulin am Mittwoch, den 7. November, um 20.00 Uhr in der Buchhandlung „Otherland“ (Bergmannstraße 25, 10961 Berlin) den brandneuen „Hap & Leonard“-Roman „Bissige Biester“ vorstellen, aus dem Kriminalroman lesen und über den Roman, die Serie und Lansdale reden.

In dem zehnten Roman mit den beiden nie um einen flotten Spruch und eine Schlägerei verlegenen Kumpels Hap Collins und Leonard Pine schlagen sie sich in ihrer Heimat Texas mit Polizisten, die einem jungen schwarzen Mann ermordeten, einem geheimen Zirkel von Nachwuchsboxern, rostfarben überzogenen Kampfhundekadavern und dem Diebstahl von Leonards Vanillekeksen herum.

Bei Golkonda sind auch Lansdales ältere, durchgehend empfehlenswerten, schwarzhumorige Romane mit Hap Collins (weiß, hetero, Kriegsdienstverweigerer) und Leonard Pine (schwarz, schwul, Republikaner) erhältlich

Der Eintritt ist frei.

Joe R. Lansdale: Bissige Biester

(übersetzt von Robert Schekulin)

Golkonda Verlag, 2018

296 Seiten

16,90 Euro

Originalausgabe

Rusty Puppy

Mulholland Books/Little, Brown and Company, 2017

Hinweise

Homepage von Joe R. Lansdale

Stuttgarter Zeitung: Thomas Klingenmaier hat Joe R. Lansdale getroffen (25. März 2013)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Rumble Tumble“ (Rumble Tumble, 1998 )

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Gott der Klinge” (The God of the Razor, 2007)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Teufelskeiler” (The Boar, 1998)

Meine Besprechung  von Joe R. Lansdales „Akt der Liebe“ (Act of Love, 1981)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Die Wälder am Fluss“ (The Bottoms, 2000)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Kahlschlag” (Sunset and Sawdust, 2004)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Gauklersommer” (Leather Maiden, 2008)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Ein feiner dunkler Riss” (A fine dark Line, 2003)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Dunkle Gewässer“ (Edge of Dark Water, 2012)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Straße der Toten“ (Deadman’s Road, 2010)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Machos und Moneten“ (Captains Outrageous, 2001)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Wilder Winter“ (Savage Season, 1990)

Mein Interview mit Joe R. Lansdale zu „Das Dickicht“ (The Thicket, 2013)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Mucho Mojo“ (ursprünglich „Texas Blues“) (Mucho Mojo, 1994)


Wieder aufgelegt: Der „Texas Blues“ ist jetzt „Mucho Mojo“

Januar 29, 2016

Lansdale - Mucho Mojo - 2

Natürlich hat der langjährige Joe-R.-Lansdale-Fan schon „Mucho Mojo“ in seinem Bücherregal stehen. Denn das zweite Abenteuer von Hap Collins und Leonard Pine, die gegensätzlichen Texaner, die zwar immer an Geldnot leiden, aber nie ihren Humor verlieren, erschien bereits 1996 als „Texas Blues“ bei rororo und danach trat Joe R. Lansdale eine kleine Reise durch die bundesdeutsche Verlagslandschaft an. Denn Rowohlt ließ ihn irgendwann fallen. Bei Dumont erschien in der kurzlebigen Noir-Reihe das Collins/Pine-Abenteuer „Schlechtes Chili“. Seit einigen Jahren veröffentlicht Golkonda die Hap-Collins-Leonard-Pine-Romane und nimmt sich neben den neuen Abenteuern des chaotischen Duos auch deren ältere Abenteuer vor. Vor der Neuveröffentlichung werden die Übersetzungen noch einmal durchgesehen. Dieses Mal tat das der Übersetzer der Erstausgabe. Christoph Schuenke änderte an seiner alten, gut lesbaren Übersetzung, so meine kursorischer Vergleich, wenig bis nichts.
Dieses Mal beginnt das Abenteuer des Duos auf den Rosenfeldern von Osttexas, wo Hap als schlecht bezahlter Tagelöhner schuftet. Als Leonard ihm erzählt, dass sein Onkel Chester tot ist, gehen sie zur Beerdigung und dort erfährt Leonard, dass Onkel Chester, der ihn vor Jahren wegen seiner Homosexualität enterbte, jetzt doch im Testament berücksichtigte.
Als die beiden sich Onkel Chesters zugemülltes Haus in LaBorde ansehen, entdecken sie im Keller eine Kinderleiche und weil sie dem Verstorbenen die Tat nicht zutrauen, suchen sie den Täter und, wer auch nur ein Collins/Pine-Abenteuer gelesen hat, weiß, dass das der Beginn einer abgedrehten Kriminalgeschichte ist, in der respektlos und humorvoll die dunkle Seite von Texas beschrieben wird.
Gut, wer die alte Übersetzung hat, muss sich „Mucho Mojo“ nicht unbedingt zulegen, aber das einheitlichere Layout sieht im Buchregal natürlich schöner aus. Wer „Texas Blues“ nicht hat und keine Mondpreise bezahlen will (bei Amazon kann man derzeit zwischen 37 und 165 Euro für das Buch ausgeben [Will ich jetzt meine alte Ausgabe verkaufen? Gibt es Angebote?]) sollte natürlich zuschlagen.

Joe R. Lansdale: Mucho Mojo
(übersetzt von Christoph Schuenke)
Golkonda, 2015
272 Seiten
16,90 Euro

Originalausgabe
Mucho Mojo
Mysterious Press/Warner Books, 1994

Deutsche Erstausgabe
Texas Blues
rororo, 1996

Hinweise

Homepage von Joe R. Lansdale

Stuttgarter Zeitung: Thomas Klingenmaier hat Joe R. Lansdale getroffen (25. März 2013)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Rumble Tumble“ (Rumble Tumble, 1998 )

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Gott der Klinge” (The God of the Razor, 2007)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Teufelskeiler” (The Boar, 1998)

Meine Besprechung  von Joe R. Lansdales „Akt der Liebe“ (Act of Love, 1981)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Die Wälder am Fluss“ (The Bottoms, 2000)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Kahlschlag” (Sunset and Sawdust, 2004)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Gauklersommer” (Leather Maiden, 2008)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Ein feiner dunkler Riss” (A fine dark Line, 2003)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Dunkle Gewässer“ (Edge of Dark Water, 2012)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Straße der Toten“ (Deadman’s Road, 2010)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Machos und Moneten“ (Captains Outrageous, 2001)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Wilder Winter“ (Savage Season, 1990)

Mein Interview mt Joe R. Lansdale zu „Das Dickicht“ (The Thicket, 2013)


Wieder erhältlich: Joe R. Lansdale: Wilder Winter

November 25, 2014

Lansdale - Wilder Winter - Golkonda 2014 - 2

Die Fans von Hap Collins (weiß, hetero, Kriegsdienstverweigerer) und Leonard Pine (schwarz, schwul, Vietnamveteran) dürfen sich über die Wiederveröffentlichung von „Wilder Winter“ freuen. In den USA erschien der Roman bereits 1990. Aber obwohl der Rowohlt-Verlag in den Neunzigern zwei Collins-Pine-Bücher veröffentlichte und die kurzlebige Dumont-Noir-Reihe 2000 mit einem weiteren Band nachlegte, erschien „Wilder Winter“, der erste Collins-Pine-Roman, erst 2006 auf Deutsch, in der kurzlebigen, aber uneingeschränkt empfehlenswerten „Funny Crimes“-Reihe des Shayol-Verlages, einem Vorläufer vom Golkonda Verlag, wo inzwischen die Abenteuer von Hap Collins und Leonard Pine erscheinen.
In „Wilder Winter“ zerdeppern Hap Collins und Leonard Pine, als wir ihnen zum ersten Mal begegnen, gemütlich auf dem großen Feld hinter Haps Haus Tontauben, als seine frühere Freundin Trudy auftaucht und beide um einen Gefallen bittet. Für den bewaffneten Kampf gegen das System (wir reden von 1990) sollen sie ihr und ihren revolutionären Freunden das nötige Startkapital besorgen. Irgendwo im Sabine River bei einer Brücke liegt die Beute aus einem Banküberfall. Eine Million Dollar. Weil die Revolutionäre die Gegend nicht kennen, bitten sie die beiden Tagelöhner Hap Collins und Leonard Pine, mit dem Versprechen auf einen Teil der Beute, um Hilfe. Nachdem sie die Beute gefunden haben, stellen die Revolutionäre fest, dass es erheblich weniger als die erwartete Million ist und jeder die gesamte Beute für seine Pläne benötigt.
Joe R. Lansdale fragte sich in den späten achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, was aus den Idealen von 1968 wurde. Deshalb lässt er seinen Charakteren besonders im ersten Drittel von „Wilder Winter“ viel Zeit in Gesprächen über ihr Leben zu reflektieren. Wir erfahren, wie aus Revolutionären Kriminelle wurden, sich Menschen aus der Politik zurückzogen, was aus Vietnam-Veteranen wurde, warum einige immer noch an die Ideale von 1968 glauben und wie sich die US-amerikanische Gesellschaft zwischen 1968 und 1990 veränderte.
Dieses Thema integriert Joe R. Lansdale mühelos in die spannende Geschichte einer Schatzsuche und eines anschließenden Kampfes ums Überleben im winterlichen Texas.
Joe R. Lansdales „Wilder Winter“ ist gleichzeitig ein spannender Krimi, eine glänzende schwarzhumorige Komödie und eine illusionslose Abrechnung mit den Idealen von 1968.
Für die Neuausgabe, natürlich mit einem neuen Cover, wurde die Übersetzung durchgesehen.

Joe R. Lansdale: Wilder Winter
(aus dem Englischen von Richard Betzenbichler und Katrin Mrugalla)
Golkonda, 2014
204 Seiten
16,90 Euro

Deutsche Erstausgabe
Shayol, 2006
200 Seiten

Originalausgabe
Savage Season
Bantam, 1990

Hinweise

Homepage von Joe R. Lansdale

Stuttgarter Zeitung: Thomas Klingenmaier hat Joe R. Lansdale getroffen (25. März 2013)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Rumble Tumble“ (Rumble Tumble, 1998 )

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Gott der Klinge” (The God of the Razor, 2007)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Teufelskeiler” (The Boar, 1998)

Meine Besprechung  von Joe R. Lansdales „Akt der Liebe“ (Act of Love, 1981)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Die Wälder am Fluss“ (The Bottoms, 2000)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Kahlschlag” (Sunset and Sawdust, 2004)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Gauklersommer” (Leather Maiden, 2008)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Ein feiner dunkler Riss” (A fine dark Line, 2003)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Dunkle Gewässer“ (Edge of Dark Water, 2012)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Straße der Toten“ (Deadman’s Road, 2010)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Machos und Moneten“ (Captains Outrageous, 2001)

Mein Interview mt Joe R. Lansdale zu „Das Dickicht“ (The Thicket, 2013)


Hap Collins und Leonard Pine treffen in Mexiko auf „Machos und Macheten“

August 27, 2014

Lansdale - Machos und Macheten - 2

Das hat verdammt lange gedauert. Immerhin erschien die Originalausgabe von „Machos und Macheten“ in den USA bereits 2001. Aber ein neues Abenteuer von Hap Collins, weiß, hetero und eher friedliebend, und Leonard Pine, schwarz, schwul und sehr schlagkräftig, ist wie alter Wein. Er wird mit der Zeit besser.

Am Anfang von „Machos und Macheten“ arbeiten Hap und Leonard als Nachtwächter in East Texas in einer Geflügelfarm. Der Job ist ziemliche Hühnerkacke, bezahlt aber die Miete. Eines Nachts sieht Hap nach Dienstschluss, wie ein Irrer direkt vor der Farm eine Frau vergewaltigen will. Er stürzt sich ins Getümmel und, mit etwas Hilfe von einer Kollegin, gelingt es ihm, den Irren, der vorher einige Drogen eingeworfen hat, zu überwältigen. Weil die Frau die sechzehnjährige Tochter von Elmer Bond, dem Besitzer der Geflügelfarm, ist, erhält Hap eine saftige Belohnung und die Erlaubnis für einen längeren Urlaub, den er dann auch mit seinem Kumpel Leonard nimmt. Eine Kreuzfahrt, die für die Beiden beim ersten Landgang endet. Denn es gelang ihnen, sich auf dem Schiff so viele Feinde zu machen, dass das Schiff ohne sie weiterfuhr.

In Playa del Carmen, Mexiko, treffen sie dann auf einige Strauchdiebe, die sie ausrauben wollen. Noch während sie sich mit ihnen prügeln, taucht Ferdinand auf und schlägt sie mit seiner Machete in die Flucht. Von einer Anzeige sehen sie ab, weil die Strauchdiebe Polizisten waren.

Und es kommt noch schlimmer. Denn das Boot von Ferdinand, der eine hübsche Tochter hat, in die Hap sich sofort verliebt, wurde von einem blonden Arschloch für viel Geld und der Option auf absolute Narrenfreiheit während des Ausflugs gemietet, weshalb er Beatrice als unwillige Gespielin betrachtet. Schnell, ungefragt und gegen Beatrices Wunsch mischen die beiden Kumpels sich ein.

Der Angelausflug endet in einem Desaster, die beträchtliche Heuer wird nicht bezahlt und Beatrice und ihr Vater Ferdinand sitzen in der Patsche. Denn die Heuer sollte ihre Schulden bei dem Kartellchef Juan Miguel begleichen, der jetzt die Schulden anderweitig eintreiben will, was dazu führt, dass Hap und Leonard, mal wieder, Ärger haben und es auch einige Leichen gibt.

Machos und Macheten“, das sechste Collins-Pine-Abenteuer, ist ein herrlich abgedrehter Hardboiled-Krimi-Spaß voller Witze und Gewalt. Denn auch südlich der Grenze machen die beiden Kumpels das, was sie am Besten können: blöde Sprüche, sich mächtig Ärger einhandeln und dabei die Pläne von einigen Verbrechern stören.

Und Joe R. Lansdale erzählt das in seiner üblichen schnörkellosen Prosa mit einer gehörigen Portion schwarzen Humor.

Joe R. Lansdale: Machos und Macheten

(übersetzt von Heide Franck)

Golkonda, 2014

280 Seiten

16,90 Euro

Originalausgabe

Captains Outrageous

Mysterious Press, 2001

Hinweise

Homepage von Joe R. Lansdale

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Wilder Winter“ (Savage Season, 1990)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Rumble Tumble“ (Rumble Tumble, 1998 )

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Gott der Klinge” (The God of the Razor, 2007)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Teufelskeiler” (The Boar, 1998)

Meine Besprechung  von Joe R. Lansdales „Akt der Liebe“ (Act of Love, 1981)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Die Wälder am Fluss“ (The Bottoms, 2000)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Kahlschlag” (Sunset and Sawdust, 2004)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Gauklersommer” (Leather Maiden, 2008)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Ein feiner dunkler Riss” (A fine dark Line, 2003)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Dunkle Gewässer“ (Edge of Dark Water, 2012)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Straße der Toten“ (Deadman’s Road, 2010)

Stuttgarter Zeitung: Thomas Klingenmaier hat Joe R. Lansdale getroffen (25. März 2013)

 

 


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