TV-Tipp für den 19. Mai: Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones

Mai 19, 2018

ZDFneo, 22.20

Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones (A Walk among the Tombstones, USA 2014)

Regie: Scott Frank

Drehbuch: Scott Frank

LV: Lawrence Block: A Walk among the Tombstones, 1992 (Endstation Friedhof, Ruhet in Frieden)

Matt Scudder, Ex-Polizist, Ex-Alkoholiker und Privatdetektiv ohne Lizenz, soll für den Dealer Kenne Kristo die Mörder seiner Frau suchen. Dass Kristo sie umbringen will, stört ihn nicht sonderlich.

Feine Verfilmung eines gewohnt feinen Matt-Scudder-Romans.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Liam Neeson, Dan Stevens, Boyd Holbrook, Brian ‘Astro’ Bradley, Ólafur Darri Ólafson, David Harbour, Adam David Thompson

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Ruhet in Frieden“
Moviepilot über „Ruhet in Frieden“
Metacritic über „Ruhet in Frieden“
Rotten Tomatoes über „Ruhet in Frieden“
Wikipedia über „Ruhet in Frieden“ (deutsch, englisch)
Kriminalakte über „Ruhet in Frieden“ und Scott Frank

Meine Besprechung von Scott Franks „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“ (A Walk among the Tombstones, USA 2014) und DVD

Thrilling Detective über Matt Scudder

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Neu im Kino/Filmkritik: „The Commuter“ Liam Neeson erlebt eine mörderische Zugfahrt

Januar 11, 2018

In diesem Fall sagt der Spruch „Wenn Ihnen ‚Unknown Identity‘, ‚Non-Stop‘ und ‚Run all Night‘ gefallen haben, wird ihnen ‚The Commuter‘ gefallen“ alles. Denn die vierte Zusammenarbeit von Regisseur Jaume Collet-Serra und Liam Neeson liefert, wieder einmal, gut abgehangenes Thriller-Entertainment mit einer ordentlichen Portion Action, einer vertrauten Geschichte, die mit etlichen überraschenden Twists hochenergetisch präsentiert wird und einem beachtlichen, spielfreudigem Ensemble. Neben Liam Neeson sind Vera Farmiga, Patrick Wilson, Sam Neill und Elizabeth McGovern in oft kleinen, aber wichtigen Rollen dabei.

Neeson spielt Michael MacCauley, einen glücklich verheirateten Ex-Polizisten, der seit zehn Jahren in Manhattan als Versicherungsmakler arbeitet und jeden Tag aus den Suburbs in die Millionenstadt pendelt. Diese Monotonie des täglichen Pendelns zeigt Jaume Collet-Serra in den ersten Minuten in einer schönen Montage, die auch als eigener Kurzfilm funktioniert. Am Ende ist klar: MacCauley ist ein ganz gewöhnlicher, unauffälliger Mann mit ganz gewöhnlichen Problemen.

Heute erlebt er allerdings einen echten Scheißtag. Weil er nicht genug Versicherungen verkauft, wird der Sechzigjährige fristlos entlassen. Damit sind auch all seine finanziellen Pläne in Richtung Haus und Uni-Ausbildung seines Sohnes obsolet.

Auf der Heimfahrt sitzt ihm im Pendlerzug eine Frau (Vera Farmiga), die er noch nie in diesem Zug gesehen hat, gegenüber. Denn, und das wissen alle Pendler, mit den Jahren kennt man, jedenfalls vom Sehen, all die anderen Passagiere, die tagtäglich mit einem die Strecke fahren. Sie fragt ihn, was er täte, wenn er für eine kleine Gefälligkeit, die nicht ungesetzlich sei, eine große Menge Geld bekäme. Zum Beispiel die 25.000 Dollar, die im Zug-WC versteckt seien und eine Anzahlung auf die 100.000 Dollar seien, die er am Ende bekäme. Dafür müsse er nur eine Person identifizieren, die ebenfalls im Zug sitzt und an einem bestimmten Bahnhof aussteigt.

Natürlich hält MacCauley Joannas hypothetische Frage zuerst für einen Scherz.

Natürlich sucht er auf der Zug-Toilette das Geld, findet es und steckt es ein. Dass er jetzt auch die andere Seite des Deals ausführen muss und dass Joanna und ihre Hintermänner darauf bestehen, zeigen sie ziemlich schnell. Gleich als Warnung töten sie einen Menschen. Und sie sind bereit, weitere Menschen, auch MacCauleys Familie, zu töten, um MacCauley an seine Seite des Deals zu erinnern. Ein Teil des Deals ist, dass MacCauley niemand über seine Situation und seine Aufgabe informieren darf.

Notgedrungen beginn der auf sich allein gestellte MacCauley in dem Zug die unbekannte Person zu suchen. Gleichzeitig will er herausfinden, warum sie für die Verschwörer so wichtig ist und welche Rolle er in der Verschwörung spielen soll.

Während sich einige Hintergründe der Verschwörung, jedenfalls für den Genrejunkie, ziemlich schnell herauskristallisieren, rätselt man bis zuletzt, wer die Person ist, die MacCauley identifizieren soll und warum sie so wichtig ist. Denn Collet-Serra besetzte den Zug durchgehend mit unbekannten Schauspielern, die sich durch ihr Verhalten mehr oder weniger verdächtig machen. Die bekannten Schauspieler übernehmen dagegen Rollen wie Ex-Kollege und Ehefrau von MacCauley.

The Commuter“ ist ein spannender Verschwörungsthriller mit etwas Old-School-Action, einem zugzerstörendem Finale, viel Suspense von der ersten bis zur letzten Minute und mehr als einem Hauch Hitchcock. Dabei gewinnen die Macher der bekannten Geschichte genug neue Facetten und überraschende Wendungen ab, um bis zum Ende der Zugfahrt glänzend und äußerst kurzweilig zu unterhalten. Das hohe Erzähltempo, die engagiert aufspielenden Schauspielern und die druckvolle Regie, die in hundert Minuten eine ziemlich verwickelte Geschichte erzählt, tragen dazu bei. Dass sie, vor allem natürlich die große Verschwörung, wenn man genauer darüber nachdenkt, wenig plausibel ist, stört nicht in diesem Moralstück.

Und ich werde jetzt garantiert nicht auf die Zugtoilette stürmen, um nach dem Briefumschlag mit Geld zu suchen…

The Commuter (The Commuter, USA/Großbritannien 2017)

Regie: Jaume Collet-Serra

Drehbuch: Byron Willinger, Philip de Blasi

mit Liam Neeson, Vera Farmiga, Patrick Wilson, Sam Neill, Elizabeth McGovern, Jonathan Banks, Florence Pugh, Andy Nyman, Killian Scott, Shazad Latif, Roland Moller, Kobna Holdbrook-Smith, Colin McFarlane

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Commuter“

Metacritic über „The Commuter“

Rotten Tomatoes über „The Commuter“

Wikipedia über „The Commuter“

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Non-Stop“ (Non-Stop, USA 2013; ebenfalls mit Liam Neeson)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Run all Night“ (Run all Night, USA 2015; dito)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „The Shallows – Gefahr aus der Tiefe“ (The Shallows, USA 2016)


TV-Tipp für den 30. November: Unknown Identity

November 30, 2017

Vox, 22.50

Unknown Identity (Japan/Kanada/USA/Deutschland 2010, Regie: Jaume Collet-Serra)

Drehbuch: Oliver Butcher, Stephen Cornwell

LV: Didier van Cauwelaert: Hors de moi, 2003 (Unknown Identity)

Berlin: Auf einer Vortragsreise hat der US-Wissenschaftler Martin Harris einen Autounfall. Als er danach mit seiner Frau reden will, behauptet sie, dass sie ihn nicht kennt und irgendwelche Dunkelmänner wollen ihn umbringen. Harris will die Wahrheit herausfinden.

Für die Verfilmung wurde die Handlung von Didier van Cauwelaerts spannendem Pulp-Thriller, dank der hiesigen Filmförderung, von Paris nach Berlin verlegt; die Prämisse, einige Charaktere und die Erklärung für Martin Harris’ Amnesie wurden übernommen. Allerdings ist das Ende im Film wesentlich explosiver und der gesamte Film mit zahlreichen Morden, Schlägereien und Verfolgungsjagden zu Fuß und im Auto viel actionlastiger. Das ist zwar nicht besonders logisch und glaubwürdig (eigentlich sogar noch unglaubwürdiger als der Roman), aber ziemlich unterhaltsam. Und die Berlin-Bilder, inclusive einem Zusammenstoß mit einer Tram und einer Explosion im Hotel Adlon, erfreuen natürlich das lokalpatriotische Herz.

mit Liam Neeson, Diane Kruger, January Jones, Aidan Quinn, Bruno Ganz, Sebastian Koch, Frank Langella, Stipe Erceg

Wiederholung: Freitag, 1. Dezember, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Unknown Identity“

Rotten Tomatoes über “Unknown Identity”

Wikipedia über “Unknown Identity” (deutsch, englisch)

Homepage von Didier van Cauwelaert

Meine Besprechung von Didier van Cauwelaerts Roman “Unknown Identity”

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Non-Stop“ (Non-Stop, USA 2013; ebenfalls mit Liam Neeson)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Run all Night“ (Run all Night, USA 2015; dito)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „The Shallows – Gefahr aus der Tiefe“ (The Shallows, USA 2016)

Am 11. Januar startet die nächste Zusammenarbeit von Jaume Collet-Serra und Liam Neeson, auf die ich mich schon sehr freue: The Commuter


Neu im Kino/Filmkritik: „The Secret Man“ Mark Felt ist Deep Throat

November 2, 2017

Über Jahrzehnte war er nur als Deep Throat bekannt. So hatte die Tageszeitung „Washington Post“ ihn genannt. Für die „Washington Post“-Reporter Carl Bernstein und Bob Woodward war er ihre Quelle im Regierungsapparat, die sie mit brisanten Informationen versorgte, die den Watergate-Skandal befeuerten und letztendlich zum Rücktritt von US-Präsident Richard Nixon führten.

Alan J. Pakula verewigte ihre Arbeit in „Die Unbestechlichen“ (All the President’s Men, USA 1976). Mit Robert Redford als Bob Woodward und Dustin Hoffman als Carl Bernstein. Der Film ist ein Klassiker.

Das kann über Peter Landesmans „The Secret Man“ nicht behauptet werden. Er erzählt die Geschichte von FBI-Vizechef Mark Felt. 2005 sagte Felt, über seinen Anwalt in einem „Vanity Fair“-Artikel von John D. O’Connor, dass er Deep Throat sei. Woodward bestätigte die Enthüllung des damals schon länger an Demenz leidenden alten Mannes.

Landesman, selbst ein ehemaliger Enthüllungsjournalist und Kriegsreporter, der auch das Drehbuch für „Kill the Messenger“ schrieb und „Erschütternde Wahrheit“ nach seinem Drehbuch inszenierte, war von dieser Enthüllung fasziniert. Immerhin wurde schon seit Ewigkeiten über die wahre Identität von Deep Throat, dem bekanntesten unbekannten Whistleblower, spekuliert. Schon damals erhielt er den Auftrag, ein Drehbuch über Felt zu schreiben. Bei seinen Recherchen traf er Felt (17. August 1913 – 18. Dezember 2008) mehrmals und jetzt, nach einigen Umwegen, konnte er Felts Geschichte, die in Deutschland den nichtssagenden Titel „The Secret Man“ hat (der knackige Originaltitel ist „Mark Felt – The Man who brought down the White House“), inszenieren. Wie Pakula bleibt Landesman nah an den Fakten. Aber während Pakula uns mit den beiden Protagonisten, die bei ihren Recherchen erst langsam das gesamte Ausmaß der Verschwörung begreifen – immerhin begann es relativ unspektakulär am 17. Juni 1972 mit einem banalen Einbruch in ein Zimmer des Watergate-Hotels, bei dem die Einbrecher Abhörausrüstung bei sich trugen und das Hotel auch das Hauptquartier der Demokratischen Partei war – , geht Landesman die Sache anders an.

Er erzählt aus der Perspektive von Felt, einem Mann, der sich seit Ewigkeiten in Washington bewegt, der alle Winkelzüge der Macht kennt, der die richtigen Leute kennt und der jetzt beginnt gegen seinen Arbeitgeber, seinen Vorgesetzten, den Präsident der USA, zu intrigieren. Dabei ist, in der Realität wie im Film, unklar, warum Mark Felt zum Whistleblower wurde. Bis dahin war er ein loyaler Beamter und FBI-Agent der alten Schule war. Er begann 1942 beim FBI, stieg unter J. Edgar Hoover auf und war von Mai 1972 bis zu seiner Pensionierung im Juni 1973 Associate Director und damit stellvertretender Direktor in Washington, D. C.. Er war das Sinnbild des ehrenwerten FBI-Agenten. Er war allerdings auch in seiner Eitelkeit gekränkt. Nach dem Tod von J. Edgar Hoover am 2. Mai 1972 sah er sich als künftigen FBI-Direktor. Nixon ernannte allerdings L. Patrick Gray zum Diensthabenden FBI-Direktor. Gray hatte keinen FBI-Stallgeruch. Dafür war der U-Boot-Kommandant ein Vertrauter Nixons, der auch brav dessen Anweisungen ausführte. In diesem Moment, und das ist Felts zweites mögliche Motiv, sorgte er sich um die Integrität des FBI als unabhängige Organisation. Das FBI war niemandem Rechenschaft schuldig und sie befolgte auch keine Anordnungen von Politikern. Oder Felt sorgte sich wirklich um die US-amerikanische Demokratie, die von Nixon und seinen Gefolgsleuten missachtet wurde.

Am Ende trat Nixon zurück und Felt leugnete über Jahrzehnte glaubhaft, dass er nicht Deep Throat sei.

1980 wurde Felt für seine Gesetzesübertretungen bei der Verfolgung der linken Terrororganisation „Weather Underground“ in den frühen Siebzigern zu einer geringen Geldstrafe verurteilt und von US-Präsident Ronald Reagan begnadigt. Er betrachtete sie als ausländische Agenten. Daher gelte für sie nicht der vierte Verfassungszusatz, der vor willkürlicher Durchsuchung, Festnahme und Beschlagnahme von Eigentum schütze, und deshalb autorisierte er entsprechende Maßnahmen gegen sie und ihre Familien.

Dass Landesman die Frage nach Felts Motiv nicht eindeutig beantwortet, ist nicht unbedingt ein Problem. Sie könnte sogar das Interesse an Felt und seinem moralischen Dilemma steigern.

Dummerweise konterkariert seine Inszenierung diese Absicht. Sein Drehbuch ist nicht analytisch genug und er findet deshalb niemals einen eigenen Zugang zu seinem Material. Er präsentiert es nur in der denkbar ungeschicktesten Form. Anstatt ein packendes Drama über Loyalitäten zu inszenieren, sehen wir nur mittelalte und noch ältere Anzugträger, die alle beim gleichen Schneider waren, und die in dunklen Büros miteinander reden. Sie kennen sich schon seit Ewigkeiten. Wir kennen keinen einzigen von ihnen, wir wissen nicht, was für sie auf dem Spiel steht, welche Loyalitäten und Werte sie haben und wie sie reagieren. Wir wissen auch nicht, wer sie sind und weshalb sie für die Geschichte wichtig sind. Und wenn man sich das alles mühsam aus Halbsätzen zusammengereimt hat, ist es zu spät.

Auch wenn man die Geschichte des Watergate-Skandals kennt, sind diese Szenen nur eine Abfolge von Auf- und Abtritten von stoisch blickenden Anzugträger, die sich gegenseitig irgendetwas erzählen und sich dabei, erfolgreich, bemühen, möglichst keine Emotionen zu zeigen.

Liam Neeson, der eigentlich im richtigen Alter ist, um Mark Felt zu spielen, wirkt mit seiner grauen Betonfrisur und seinem maskenhaften Gesicht, wie ein jüngerer Schauspieler, der einen deutlich älteren Mann spielen muss und dafür schlecht auf alt geschminkt wurde.

Auch die restliche Besetzung ist hochkarätig, aber keiner der bekannten Schauspieler beeindruckt nachhaltig. Wir sehen Bruce Greenwood, aber nicht den vom ihm gespielten „Time Magazine“-Reprter Sandy Smith und wir wissen nicht, wer Smith war. Wir sehen Tom Sizemore als FBI-Agent Bill Sullivan, aber wir wissen nichts über die Beziehung zwischen ihm und Felt. Landesman verweigert die zum Verständnis nötigen Hintergrundinformationen.

Das alles inszenierte Landesman in einem gerontologischen Erzähltempo konsequent in gedeckten Brauntönen, die jede Farbe und Helligkeit vermissen lassen. Die bewusst unterbelichten Bilder sind auch Dank der Innenausstattung und der Anzüge eine Ode aus Braun, Dunkelbraun und Schwarz, die eine Bedeutung vorgaukelt, die der Film nie hat.

Dabei ist das Thema von „The Secret Man“ in der Trump-Ära von brennender Aktualität. Die Vergleiche zwischen damals und heute drängen sich förmlich auf. Über die Unterschiede werden lange Artikel geschrieben. Und wahrscheinlich murmelt ganz Washington „Wo ist unser Mark Felt?“.

P. S.: Um nur ein aktuelles Beispiel zu nennen: Oliver Stone zeigte in seinem Film „Snowden“ über den Whistleblower Edward Snowden, dass man einen spannenden Film über eine allseits bekannte Geschichte drehen kann. Wobei Stone auch eine klare Botschaft und Absicht hatte.

The Secret Man (Mark Felt – The Man who brought down the White House, USA 2017)

Regie: Peter Landesman

Drehbuch: Peter Landesman

LV: Mark Felt/Ralph de Toledano: The FBI Pyramid: From the Inside, 1979; Mark Felt/John O’Connor: A G-Man’s Life: The FBI, Being Deep Throat, and the Strggle for Honor in Washington, 2006 (beides Monographien, wobei „A G-Man’s Life“ Teile von „The FBI Pyramid“ enthält)

mit Liam Neeson, Diane Ladd, Marton Csokas, Tony Goldwyn, Ike Barinholtz, Josh Lucas, Wendi McLendon-Covey, Brian d’Arcy James, Maika Monroe, Michael C. Hall, Tom Sizemore, Bruce Greenwood, Julian Morris, Noah Wyle, Eddie Marsan

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 0 Jahre (als hätten Kinder keine Angst vor Grauen Herren in Anzügen)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Secret Man“

Metacritic über „The Secret Man“

Rotten Tomatoes über „The Secret Man“

Wikipedia über „The Secret Man“

Meine Besprechung von Peter Landesmans „Erschütternde Wahrheit“ (Concussion, USA 2015)

Peter Landesman über seinen Film (im Gebäude der „Washington Post“)

Peter Landesman und Brian d’Arcy James im Gespräch über den Film


TV-Tipp für den 20. August: Die Bounty

August 19, 2017

Tele5, 20.15

Die Bounty (Großbritannien 1984, Regie: Roger Donaldson)

Drehbuch: Robert Bolt

LV: Richard Hough: Captain Bligh and Mr. Christian, 1972 (Neuauflage zum Filmstart als „The Bounty“)

Die Geschichte der Meuterei auf der „Bounty“ 1789. Aber dieses Mal wird die wahre Geschichte erzählt und da kommt Fletcher Christian, der Anführer der Meuterer, nicht mehr so gut weg – und Captain Bligh erscheint nicht mehr so böse.

„Dass das Laben die besten Geschichten schreibe, ist zwar nur ein hartnäckig sich behauptendes Gerücht, aber die recht aufwendige ‚Bounty‘-Neufassung vereint tatsächlich Historie und Spannung recht gut – und widerlegt somit streckenweise ein weiteres hartnäckiges Gerücht, nämlich dass ein Remake immer schlechter sein müsse als das Original.“ (Fischer Film Almanach 1986)

An der Kinokasse hat es nicht geholfen. Auch nicht, dass die Besetzung ziemlich prominent war.

mit Mel Gibson, Anthony Hopkins, Laurence Olivier, Edward Fox, Daniel Day-Lewis, Philip Davis, Bernard Hill, Liam Neeson

Wiederholung: Montag, 21. August, 03.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Bounty“

Wikipedia über „Die Bounty“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Roger Donaldsons “The November Man” (The November Man, USA 2014)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Sieben Minuten nach Mitternacht“ kommt das Monster

Mai 5, 2017

Geschichten sind das Gefährlichste von der Welt. Geschichten jagen, beißen und verfolgen dich.

Geschichten sind wichtig. Sie können wichtiger sein als alles andere. Wenn sie die Wahrheit in sich tragen.

(Das Monster bzw. Patrick Ness)

Der dreizehnjährige Conor O’Malley hat schon mehr Probleme als nötig. Seine von ihm über alles geliebte Mutter Lizzie ist todkrank. Krebs. Sein Vater lebt am anderen Ende der Welt in den USA. Seine Großmutter hasst er. Sie ist ihm viel zu streng. In der Schule ist er der Outsider. Er hat einen immer wiederkehrenden Albtraum.

Und dann wird er neuerdings noch jede Nacht um sieben Minuten nach Mitternacht von einem Monster geweckt.

Bei ihrer ersten Begegnung sagt Conor ihm, dass er keine Angst vor ihm habe. Außerdem ist er alt genug, um zu wissen, dass es keine Monster gibt.

Das Monster, das aussieht wie die vor dem O’Malley-Haus auf dem Hügel stehende Eibe und behauptet von Conor gerufen worden zu sein, nimmt die Herausforderung an. Er wird dem störrischen Conor Angst einjagen. Es will dem Jungen drei Geschichten erzählen und dann soll ihm Conor eine Geschichte erzählen, die die Wahrheit über Conor O’Malley und seine Ängste verrät.

Mit dieser Begegnung beginnt einer der schönsten, vielschichtigsten und überraschendsten „Monsterfilme“ der letzten Zeit.

Schon die erste Geschichte, die das Monster erzählt, widerspricht Conors Erwartungen. Es ist kein Märchen mit einer eindeutigen, von Anfang an offensichtlichen Moral. Es ist eine Geschichte, die Conors Ansicht von Gut und Böse fundamental widerspricht, weil der gute Prinz seine Geliebte ermordet und das Monster die böse Königin rettet.

Conor ist ziemlich verärgert über das Ende dieser Geschichte. Das sagt er dem Monster auch unverblümt.

Aber das Monster hat noch zwei weitere Geschichten, die den respektlosen Conor das Fürchten lehren sollen. Außerdem spiegeln die von ihm erzählten Geschichten Conors aktuelle Situation. Sie sollen ihn zum Nachdenken, zum Überprüfen seiner Ansichten und Meinungen, anregen.

J. A. Bayonas düsterer Fantasy-Film „Sieben Minuten nach Mitternacht“ basiert auf Patrick Ness‘ Jugendbuch, das mit mehreren Preisen, wie dem Deutschen Jugendliteraturpreis, ausgezeichnet und in fast vierzig Sprachen übersetzt wurde. Für den Film schrieb er das Drehbuch und visuell wurde sich, vor allem bei dem Monster, an den SW-Buchillustrationen von Jim Kay orientiert.

Schon in dem Roman wird die Idee, dass fiktionale Geschichten immer mehr oder weniger verfremdete Metaphern für reale Probleme des Erzählers sind, offen angesprochen; wobei Ness diesen Gedanken lässig auf die Metaebene hebt. Ohne dass dadurch die Geschichte zu einer verkopften und unverständlichen Abhandlung gerät. Außerdem unterläuft er immer wieder die Erwartungen des Publikums. Das beginnt schon mit dem Monster, das lieber Geschichten erzählt als handgreiflich Angst und Schrecken zu verbreiten.

Die Geschichten des Monsters und Conors Lebensumstände – die sich rapide verschlechternde Gesundheit seiner Mutter, der aus den USA nur zu einem kurzen Besuch kommende Vater, die verhasste Großmutter, die ihn aufnehmen will – werden von Ness und Bayona zu einer dichten Entwicklungsgeschichte miteinander verflochten, die sie konsequent aus Conors Perspektive erzählen. Bayona gestaltet sie mit etlichen Tricks und animierten Sequenzen visuell so reichhaltig, dass die Romanvorlage wie das Drehbuch zum Film wirkt.

Bayona inszenierte vorher „Das Waisenhaus“ und „The Impossible“. Sein nächster Film ist die Fortsetzung von „Jurassic World“. Sie soll im Juni 2018 in den Kinos starten.

Sieben Minuten nach Mitternacht (A Monster calls, USA/Spanien 2016)

Regie: J. A. Bayona (bzw. Juan Antonio Bayona)

Drehbuch: Patrick Ness

LV: Patrick Ness: A Monster calls, 2011 (Sieben Minuten nach Mitternacht)

mit Lewis MacDougall, Felicity Jones, Sigourney Weaver, Toby Kebbell, Ben Moor, James Melville, Oliver Steer, Geraldine Chaplin, Liam Neeson (als das Monster, was einerseits eine Hauptrolle, aber andererseits eine Trickfigur ist)

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage (zum Filmstart in einer Filmausgabe mit Filmfotos)

Patrick Ness: Sieben Minuten nach Mitternacht

(nach einer Idee von Siobhan Dowd, mit Illustrationen von Jim Kay)

(übersetzt von Bettina Aberbanell)

cbj, 2017

224 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

cbj, 2011

Originalausgabe

A Monster calls

Walker Books Ltd., London, 2011

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Sieben Minuten nach Mitternacht“

Metacritic über „Sieben Minuten nach Mitternacht“

Rotten Tomatoes über „Sieben Minuten nach Mitternacht“

Wikipedia über „Sieben Minuten nach Mitternacht“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Juan Antonio Bayonas „The Impossible“ (Lo imposible, USA/Spanien 2012)

cbj-Seite zum Buch und zur Verfilmung


Neu im Kino/Soundtrack- und Filmkritik: „Silence“, der neue Film von Martin Scorsese

März 3, 2017

Alle paar Jahre dreht der bekennende Katholik Martin Scorsese einen Film, bei dem der Glaube im Mittelpunkt steht und sich alles darum dreht. „Die letzte Versuchung Christi“ war ein veritabler Skandal und eine spannende Neuinterpretation von Jesus Christus und seinen letzten Tagen. „Kundun“ war ein bestenfalls schöner Bilderbogen über die Kindheit und Jugend des vierzehnten Dalai Lama. Und jetzt „Silence“, die Verfilmung eines japanischen Romans von 1966, den er 1988 las und seitdem verfilmen wollte. Die Shusaku-Endo-Verfilmung ist, wenn man nicht gerade in einer Glaubenskrise steckt oder ein brennendes Interesse an theologischen Fragen hat, ein erschreckend langweiliger Film, der sein Thema auf die denkbar uninteressanteste Art behandelt.

1637 erhalten Pater Sebastiao Rodrigues (Andrew Garfield) und Pater Francisco Garpe (Adam Driver) in Portugal die Nachricht, dass in Japan der geachtete Jesuitenpater Cristovao Ferreira (Liam Neeson) vom Glauben abgefallen und zum Buddhismus konvertiert ist. Er soll sogar eine Japanerin geheiratet haben. Seine beiden Schüler Rodrigues und Garpe wollen das nicht glauben. Sie wollen im Namen des Ordens die Nachricht überprüfen. Und nebenbei etwas missionieren.

In Japan findet derweil eine historisch verbürgte Christenverfolgung statt. Christen werden gefoltert und gemartert, bis sie ihrem Glauben abschwören oder sterben. Trotzdem praktizieren einige Christen im Untergrund weiterhin ihren Glauben.

Rodrigues und Garpe treffen in Japan kurz nach ihrer Ankunft auf eine solche Gemeinde. Sie beginnen dort als Geistliche zu praktizieren. Gleichzeitig suchen sie weiter nach dem anscheinend spurlos verschwundenen Ferreira.

Auf ihrer Reise treffen sie auch auf den gefürchteten Inquisitor Inoue (Issey Ogata). Mit salbungsvollen Worten und dem Angebot, keine weiteren Gläubigen bis zu ihrem Tod zu foltern, will er Pater Rodriques überzeugen, seinem Glauben abschwört. Sein Kollege und Freund Garpe wurde schon von Inoues Leuten getötet. Rodrigues, der sich in seiner christlichen Überzeugung nicht erschüttern lässt und sich immer wieder als Wiedergänger von Jesus Christus sieht, trifft auch auf Ferreira. Das ist der erwartbare Höhepunkt des Films. Wie in „Apocalypse Now“ der Auftritt von Marlon Brando am Filmende. Aber während Coppolas Vietnam-Film eine Reise in das Herz der Finsternis war, ist Scorseses Film eine, zugegeben optisch sehr ansprechende, Reise in das Herz der Langeweile. Denn die im Zentrum stehende Frage, warum der allseits geachtete, tiefgläubige Ferreira dem Glauben abschwor, während andere Gläubige auch unter einer immer schlimmer werdender Folter an ihrem christlichen Glauben festhielten, wird in „Silence“ als eine rein theologische und philosophische Frage für die verfolgten Jesuiten betrachtet. Die historischen Hintergründe werden, abseits der detailgenauen Nachstellung des damaligen Lebens, nicht weiter beachtet.

Scorsese und sein langjähriger Drehbuchautor Jay Cocks („Zeit der Unschuld“, „Gangs of New York“) reduzieren den Glaubenskonflikt letztendlich auf eine rein utilitaristische Frage: Wie viele Christen sollen für meinen Glauben sterben? Das ist dann, über hundertsechzig Minuten, eine arg eingeschränkte Behandlung des Konflikts, die schon in den ersten Minuten, wenn Ferreira die Folter von Glaubensgenossen mit kochendem Wasser beobachten muss, beantwortet wird. Immerhin schwor er da dem christlichen Glauben ab und beendete die weitere Folter seiner Gläubigen. Später werden dem Konflikt keine neuen Facetten abgewonnen oder die von Ferreira gegebene Antwort in Frage gestellt. Rodrigues beharrt einfach auf seinem Glauben, weil es der wahre Glaube ist.

Diese selbstgewählte Beschränkung führt dazu, dass niemals nach dem Konflikt zwischen verschiedenen Glaubens- und Wertesystemen gefragt wird. Also was unterscheidet den von den Jesuiten gepredigten Glauben vom Buddhismus (zu dem die Christen bekehrt werden sollen) und von der japanischen Weltsicht?

Es wird auch nie angesprochen, warum die japanischen Herrscher die Christen verfolgen, foltern und töten. Es wird auch nicht erklärt, warum die Christen bei ihrem Glauben blieben, wenn sie doch durch ein einfaches Bildertreten ihre Folter sofort hätten beenden können. Dafür hätten sie nur auf einem Bild von Jesus, Maria oder eines Kruzifixes treten müssen. Diese Handlung wurde als Beweis der Abkehr vom christlichen Glauben gewertet.

Ein kurzer Blick in die Geschichtsbücher verrät, dass es bei der Christenverfolgung um Machtkämpfe ging, dass es um wirtschaftliche Interessen und die Frage des Handels mit dem Westen ging. In den Jahren, in denen „Silence“ spielt, begann Japan eine radikale Abschottungspolitik, die auch zur längsten Friedensperiode in der japanischen Geschichte führte. Die Edo-Epoche dauerte von 1603 bis 1868 und sie verhinderte eine Kolonisierung durch den Westen.

So ist „Silence“ nur ein religiöses Erbauungstraktat, das mit gut drei Stunden Laufzeit auch die Geduld des langmütigsten Zuschauer über Gebühr strapaziert.

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Silence (Silence, USA 2016)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Jay Cocks, Martin Scorsese

LV: Shusaku Endo: Chinmoku, 1966 (Schweigen)

mit Andrew Garfield, Adam Driver, Liam Neeson, Tadanobu Asano, Ciarán Hinds, Yosuke Kubozuka, Yoshi Oida, Shin’ya Tsukamoto, Issey Ogata, Nana Komatsu, Ryo Kase

Länge: 162 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Der Soundtrack

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Es gibt Filmmusik, die schiebt sich wie ein Pickel in den Vordergrund, ist nicht zu überhören und übertönt alles. Sie ist laut, penetrant und störend.

Und dann gibt es Filmmusik wie die von Kim Allen Kluge und seiner Frau Kathryn Kluge zu Martin Scorseses neuem Film „Silence“. Als ich las, dass es einen Soundtrack zu dem Film gibt, fragte ich mich, ob da überhaupt Musik gewesen war. Natürlich war nicht der übliche Martin-Scorsese-Soundtrack aus bekannten Songs zu hören. Es waren auch kein auftriumphierendes Orchester oder mittelalterliche Choralgesänge oder japanische Klänge zu hören.

Und trotzdem gab es Musik. Auf der Soundtrack-CD sind gut 52 Minuten Musik enthalten. Es ist eine filigrane Soundcollage mit vielen Wind-, Regen- und natürlichen Geräuschen, die die traditionelle „Musik“ dominieren. Diese ist sparsam eingefügt, eher percussiv und nah an der Ambient-Musik eines Brian Eno. Damit unterstützt die Musik der Kluges die Stimmung des Films und sie funktioniert auch ausgezeichnet ohne die Bilder als beruhigende Ambient-Musik, in der natürliche Klänge und kleine Änderungen das Klangbild dominieren. Da ist es fast schon konsequent, dass die Musik von Kim Allen und Kathryn Kluge sich nicht für eine Oscar-Nominierung qualifizieren konnte, weil ihre Musik kein „substantial body of music“ sei. Ein gewaltiger Irrtum, auch wenn „Silence“ definitiv nicht zur Hans-Zimmer-Schule der Filmmusik gehört.

Hörenswert!

Kim Allen Kluge, Kathryn Kluge: Silence – Original Motion Picture Soundtrack

Warner Classics

Die (noch nicht gelesene) Vorlage

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Shusaku Endo: Schweigen

(überarbeitete Neuübersetzung, aus dem Japanischen von Ruth Linhart, mit einem Vorwort von Martin Scorsese und einem Nachwort von William Johnson)

Septime Verlag, 2015

312 Seiten

22,90 Euro

Originalausgabe

Chinmoku

Verlag Shinchosha, Tokio, 1966

 

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Silence“

Metacritic über „Silence“

Rotten Tomatoes über „Silence“

Wikipedia über „Silence“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Homepage von Kim Allen Kluge

Ein Gespräch mit Martin Scorsese über „Silence“


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