TV-Tipp für den 10. Mai: The Interview

Mai 10, 2018

RTL, 23.45

The Interview (The Interview, USA 2014)

Regie: Evan Goldberg, Seth Rogen

Drehbuch: Dan Sterling

TV-Moderator Dave Skylark (James Franco) und sein Redakteur Aaron Rapaport (Seth Rogen) gelingt das Unmögliche: der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un (Randall Park) lädt die beiden Klatschreporter für ein Interview mit ihm nach Nordkorea ein. Skylark ist begeistert. Auch nachdem die CIA die beiden Medienleute sie auffordert, Kim Jong-un zu ermorden.

TV-Premiere einer Komödie, die zum Politikum wurde, weil Nordkorea zuerst verlangte, dass der Film nicht gezeigt werde und die Computer von Sony gehackt wurden. Danach fiel die Kinoauswertung des Sony-Films deutlich anders als geplant aus.

Der Film selbst ist ein ziemlich infantiler Klamauk, der Blödeleien mit treffender Satire verwechselt.

Mit James Franco, Seth Rogen, Lizzy Caplan, Randall Park, Diane Bang, Timothy Simons, Reese Alexander

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Interview“

Wikipedia über „The Interview“ (deutsch, englisch)

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DVD-Kritik: Zauberhaft. „Die Unfassbaren 2 – Now you see me“ im Heimkino

Februar 15, 2017

Inzwischen ist Jon M. Chus „Die Unfassbaren 2 – Now you see me“ auf DVD und Blu-Ray und 4K Ultra HD (wer’s braucht) erschienen und das Bonusmaterial gesichtet. Zum Kinostart des Films schrieb ich (bereinigt um ein, zwei Dusselfehler):

Wie bei dem ebenfalls heute anlaufendem Jason-Statham-Actionfilm „Mechanic: Resurrection“ hat auch bei der Caper-Komödie „Die Unfassbaren“ niemand wirklich eine Fortsetzung erwartet. Denn die Geschichte der Illusionisten „The Four Horsemen“ war erzählt. Sie verwirklichten, im Auftrag von Dylan Rhodes, einen ziemlich elaborierten Racheplan, der natürlich auch deshalb so elaboriert war, um möglichst gut von den wahren Absichten abzulenken und bei dem, wie es sich für einen guten Zauberertrick gehört, fast alles schon vorher geplant war. Die starbesetzte Krimikomödie war ein großer Spaß und das Einspielergebnis war mit weltweit über 350 Millionen Dollar so überzeugend, dass es jetzt die Fortsetzung gibt, die genau daran leidet, dass die Geschichte fertig erzählt war.

Für die Fortsetzung mussten die Macher nun überlegen, wie sie die „Four Horsemen“, die irgendwo zwischen Ruhestand und Shows auf den großen Las-Vegas-Showbühnen leben könnten, wieder zurück bringen: ob sie zu einer „Ocean’s Eleven“-Verbrecherbande werden oder ob sie ihre Fähigkeiten als moderne Robin Hoods, sozusagen als „Leverage“-Team mit Zaubershow, einsetzen.

Mit Ach und Krach entschlossen sich die Macher für eine Mischung aus komplettem Neuanfang und Weitererzählung der Geschichte von „Die Unfassbaren“, weil jetzt die inhaftierten und blamierten Bösewichter des ersten Teils sich rächen wollen und die „Four Horsemen“ in Richtung Verbrechensbekämpfung auf der großen Showbühne gehen, während Dylan Rhodes (Mark Ruffalo) noch immer beim FBI arbeitet und dort fanatisch jede Spur der spurlos verschwundenen Illusionisten verfolgt. Seine Kollegen zweifeln zwar an seinem Verstand, aber so kann er die spurlos verschwundenen „Four Horsemen“ am besten schützen. Denn er ist der Kopf der „Four Horsemen“ und Mitglied des Magier-Geheimbundes „Das Auge“.

Während einer Produktpräsentation geht ein arg amateurhafter Überraschungsauftritt der „Four Horsemen“, bei dem sie die schändlichen Absichten des Veranstalters der Welt verraten wollen, gründlich schief. Die tapferen vier Reiter, bestehend aus Illusionist J. Daniel Atlas (Jesse Eisenberg), Mentalist Merritt McKinney (Woody Harrelson), Kartentrickser Jack Wilder (Dave Franco) und Neuzugang Lula (Lizzy Caplan), die sich zur Begrüßung schon einmal selbst enthauptet, müssen untertauchen.

Sie alle reisen, mehr oder weniger freiwillig, nach Macau, wo Walter Mabry (Daniel Radcliffe) sie in seinem Penthouse empfängt. Für den zurückgezogen lebenden Milliardär sollen sie einen unvorstellbar leistungsfähigen Computerchip/-software (der MacGuffin des 21. Jahrhunderts) stehlen. Die fünf Illusionisten sind einverstanden. Allerdings wissen sie nicht, dass Mabry der Sohn von Arthur Tressler (Michael Caine), dem Bösewicht des vorherigen Films, ist und Mabry und Tressler sich an ihnen für die damaligen Ereignisse rächen wollen.

Außerdem kann Thaddeus Bradley (Morgan Freeman), der ebenfalls aus „Die Unfassbaren“ bekannte, jetzt inhaftierte Berufsenttarner von Zauberertricks, aus dem Gefängnis entkommen.

Während in „Die Unfassbaren“ noch viel Zeit auf die Tricks der Illusionisten und deren Erklärung verwandt wurde, spielen sie in „Die Unfassbaren 2“ eigentlich keine Rolle mehr. Die meisten Tricks sind so elaboriert und groß, dass die Macher auf jede Erklärung verzichten. Es wäre ihnen auch nicht gelungen. Für den Rest gibt es dann gut versteckte Falltüren und Kartentricks, die keiner Erklärung bedürfen.

Stattdessen konzentriert Regisseur Jon M. Chu sich auf die Action und die Drehbuchautoren Peter Chiarelli und Ed Solomon, einer der Autoren des ersten Films, schrieben eine Geschichte, die in der Tradition der klassischen Pulp-Geschichten und B-Pictures aus den Dreißigern und Vierzigern, wie den „Mr. Moto“-Filmen mit Peter Lorre, steht. Immer wenn es nicht weiter geht, gibt es eine ausgewalzte Actionszene, immer wieder taucht plötzlich jemand aus dem Nichts auf, immer wieder gibt es, wenn man sich gerade in eine erzählerische Sackgasse manövrierte, eine Erklärung, die alle vorherigen Ereignisse auf den Kopf stellt, und es passiert so viel so schnell, dass man über die Geschichte nicht weiter nachdenkt. Denn aus den einzelnen Szenen ergibt sich keine wirklich sinnvolle Geschichte.

Die Action inszenierte Jon M. Chu, der vorher vor allem die „Step Up“-Tanzfilme und das kindische Actiondesaster „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ (USA/Kanada 2013) inszenierte, in „Die Unfassbaren 2“ nachvollziehbar, mit weniger Schnitten als in „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ und, wenn unsere Helden gerade einen komplizierten Diebstahl aus einem bestens bewachtem Gebäude unter den wachsamen Augen des Sicherheitspersonals durchführen, mit viel Slo-Mo, wie einen Tanz. Das bringt die Handlung zwar genauso wenig voran wie eine Fred-Astaire-Tanznummer in einem Musical, aber das Auge (vielleicht auch „Das Auge“) verfolgt entzückt die überaus komplizierte Aktion, während das Hirn anmerkt, dass die Zauberer auch leichter und schneller an ihr Ziel kommen könnten.

Als gut gemachte, durchaus familienfreundliche Samstagabendunterhaltung mit gut aufgelegten Schauspielern (und Woody Harrelson in einer Doppelrolle) im Stil eines Vierziger-Jahre-B-Pictures funktioniert „Die Unfassbaren 2“ gut.

Es ist aber auch ein Film, der gerade die besonderen Aspekte des ersten Films – die Tricks der Illusionisten und der große Plan, in dem alles miteinander zusammenhängt (wobei ich immer noch glaube, dass der Plan bei einer genaueren Betrachtung schneller als ein Soufflé in sich zusammenfällt) – zugunsten einer 08/15-Gaunergeschichte links liegen lässt, die noch nicht einmal versucht, die Szenen in eine kohärente Geschichte oder einen großen Zauberertrick, der sich erst am Ende enthüllt, einzufügen.

Schon vor dem US-Kinostart wurde ein dritter „Die Unfassbaren“-Film angekündigt, bei dem Jon M. Chu wieder die Regie übernehmen soll. Über den Plot und die Besetzung ist noch nichts bekannt.

 

Daran hat sich immer noch nichts geändert. Der dritte „Die Unfassbaren“-Film ist für 2019 angekündigt. Weil das Einspielergebnis des zweiten Teils sich mit 334 Millionen Dollar weltweitem Einspiel kaum vom ersten Teil unterscheidet und das Ensemble seinen Spaß hatte, dürfte es dabei bleiben.

Das Bonusmaterial der Blu-ray ist mit einem Audiokommentar und drei Featurettes, die insgesamt eine gute Stunde dauern, umfangreicher als bei der DVD ausgefallen. Die hat nur das viertelstündige Featurette „Guck genau hin!“. Die Featurettes geben einen kurzweiligen Einblick in verschiedene Aspekte des Films und der Dreharbeiten. Jon M. Chus Audiokommentar ist informativ, konzentriert sich aber zu sehr auf Erklärungen über die Drehorte und wie sehr er die verschiedenen Schauspieler bewundert. Interessant sind seine Hinweise auf verschiedene Kürzungen (und warum die Szenen gekürzt wurden) und wie viel von den Tricks der „Four Horseman“ echt ist. Um uns zu zeigen, dass die Schauspieler die Tricks beherrschten und live präsentierten, schnitt er in diesen Szenen sehr wenig.

die-unfassbaren-2-blu-ray-cover

Die Unfassbaren 2 – Now you see me (Now you see me 2, USA 2016)

Regie: Jon M. Chu

Drehbuch: Ed Solomon, Peter Chiarelli

mit Jesse Eisenberg, Mark Rufallo, Woody Harrelson, Dave Franco, Daniel Radcliffe, Lizzy Caplan, Jay Chou, Sanaa Lathan, Michael Caine, Morgan Freeman

Blu-ray

Concorde Home

Bild: 1080p HD 2,40:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 7.1, Dolby Digital 2.0), Englisch (DTS-HD Master Audio 7.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Magie von Cast und Crew, Guck genau hin!, Hier kommt Magie, Audiokommentar von Regisseur Jon M. Chu, Deutscher und Original-Kinotrailer, Wendecover

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Unfassbaren 2“

Metacritic über „Die Unfassbaren 2“

Rotten Tomatoes über „Die Unfassbaren 2“

Wikipedia über „Die Unfassbaren 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Louis Letteriers „Die Unfassbaren – Now you see me“ (Now you see me, USA 2013) und der DVD

Meine Besprechung von Jon M. Chus „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ (G.I. Joe: Retaliation, USA/Kanada 2013)

Meine Besprechung von Jon M. Chus „Die Unfassbaren 2 – Now you see me“ (Now you see me 2, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Die Weltkrieg-II-Spionageschmonzette „Allied – Vertraute Fremde“

Dezember 22, 2016

Auf den ersten Blick – Autor, Regisseur, Hauptdarsteller, Budget, Prämisse – wirkt „Allied – Vertraute Fremde“ wie eine willkommene Rückkehr zum klassischen Abenteuerfilm, der Romantik mit Abenteuer verbindet. Historisch nicht unbedingt hundertprozentig akkurat, aber höchst unterhaltsam. Und dann zündet der Film ähnlich furios wie ein nasser Silvesterkracher.

Die Gründe für dieses Scheitern sind das Drehbuch und die beiden Hauptdarsteller Brad Pitt und Marion Cotillard, denen man das Liebespaar niemals abnimmt.

Brad Pitt spielt den Geheimagenden Max Vatan. Ein Kanadier, der für die britische Special Operations Executive (SOE) arbeitet. 1942 wird er zu einem Geheimdienst-Einsatz nach Casablanca geschickt. Es gibt, um jetzt eine mehr als offensichtliche Inspiration zu nennen, zwar ein Café, aber keinen Humphrey Bogart und keine Ingrid Bergman. Dafür trifft Max Marianne Beauséjour (Marion Cotillard). Die französische Widerstandskämpferin ist seine lokale Kontaktperson, die ihn in die Kreise der deutschen Besatzer einführt. Sie wollen während einer Feier den deutschen Botschafter erschießen.

Während der Mission verlieben sie sich, heiraten, kriegen ein Kind (begleitet von den Bomben, die die Deutschen über London abwerfen) und, während sie in ihrer neuen Rolle als fürsorgliche Mutter aufgeht, arbeitet er als Offizier in der SOE-Zentrale. Max und Marianne führen in London ein zutiefst bürgerliches Leben, bis Max von seinen Vorgesetzten darüber informiert wird, dass seine Frau eine deutsche Agentin sei. Er soll sie, nach dem Beweis ihrer Schuld, töten. Aber er will ihre Unschuld beweisen.

Ab diesem Moment erwartet der Genrejunkie ein Spiel, in dem es in jeder Minute Dinge gibt, die Marianne belasten oder entlasten. Schließlich will Max nicht nur Mariannes Unschuld beweisen, sondern auch den Verräter finden.

Das klingt doch noch einem klassischen Weltkrieg-II-Spionagethriller, verbunden mit einer prickelnden Liebesgeschichte, wie man ihn heute nicht mehr im Kino, aber im Fernsehen aus unzähligen Nachmittagswiederholungen kennt und immer wieder gerne sieht.

Das war auch von den Machern, immerhin „Eastern Promises“-Autor Steven Knight und „Forrest Gump“-Regisseur Robert Zemeckis geplant.

Geliefert bekommt man eine mehr als lauwarme Spurensuche, in die Marianne nicht involviert ist. Sie bleibt in der zweiten Filmhälfte in jeder Beziehung passiv. Er sucht währenddessen, ohne ihr etwas davon zu sagen Beweise für ihre Unschuld. Im Krieg gestaltet sich das etwas schwierig, aber letztendlich folgt diese Suche der Logik eines Weihnachtseinkaufs mit festem Wunschzettel, der in einem gut sortiertem Geschäft erledigt wird. Spannung wird dagegen anders buchstabiert.

Ein weiteres Problem ist, dass bis zu dem Moment, in dem Max mit dem auf seiner Frau lastendem Verdacht unglaublich viel Filmzeit vergeht. Schon der erste Akt in Casablanca entwickelt sich im Rahmen der anvisierten Geschichte und des damit verbundenen Konflikts zäh und ist mit vierzig Minuten viel zu lang geraten. In London vergehen dann wieder um die zwanzig Minuten in denen uns das glückliche, bürgerliche, konflikt- und verdachtsfreie Familienleben von Max und Marianne gezeigt wird. Erst danach erfährt Max (und wir als Zuschauer), dass seine Frau eine deutsche Spionin sein soll. Erst in diesem Moment, der in einem besser konstruiertem Film spätestens nach einer halben Stunde hätte kommen sollen (bewährter Syd-Field-Ratschlag), steht er vor der Frage, ob er ihr vertrauen kann; ob sie die Person ist, die sie behauptet zu sein. Bis dahin ist „Allied – Vertraute Fremde“ eine ganz banale, spannungsfreie Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Krieges und der von Misstrauen geprägten Welt der Geheimdienste und ihrer abenteuerlichen Aktionen.

Es ist allerdings auch eine Liebesgeschichte, in der auf der Leinwand zwischen Brad Pitt und Marion Cotillard erschreckend wenig Leidenschaft herrscht. Um zu zeigen, wie aufgewühlt und verliebt sie sind, bietet Robert Zemeckis einen ganzen Sandsturm auf, der um ihr Auto tobt, während sie das tun, was verliebte Paare halt so tun, wenn sie gemeinsam in einem Auto sitzen. Nur: es hilft nicht.

Allied – Vertraute Fremde“ macht erschreckend wenig aus seiner mehr als vielversprechenden Prämisse und angesichts der involvierten Personen ist der Film eine der großen Enttäuschungen des Kinojahres.

allied-plakat

Allied – Vertraute Fremde (Allied, USA 2016)

Regie: Robert Zemeckis

Drehbuch: Steven Knight

mit Brad Pitt, Marion Cotillard, Jared Harris, Lizzy Caplan, Daniel Betts, Matthew Goode, August Diehl

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Allied – Vertraute Fremde“

Metacritic über „Allied – Vertraute Fremde“

Rotten Tomatoes über „Allied – Vertraute Fremde“

Wikipedia über „Allied – Vertraute Fremde“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis “Flight” (Flight, USA 2012)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis „The Walk“ (The Walk, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Unfassbaren 2 – Now you see me“ im Rückspiel

August 25, 2016

Wie bei dem ebenfalls heute anlaufendem Jason-Statham-Actionfilm „Mechanic: Resurrection“ hat auch bei der Caper-Komödie „Die Unfassbaren“ niemand wirklich eine Fortsetzung erwartet. Denn die Geschichte der Illusionisten „The Four Horsemen“ war erzählt. Sie verwirklichten, im Auftrag von Dylan Rhodes, einen ziemlich elaborierten Racheplan, der natürlich auch deshalb so elaboriert war, um möglichst gut von den wahren Absichten abzulenken und bei dem, wie es sich für einen guten Zauberertrick gehört, fast alles schon vorher geplant war. Die starbesetzte Krimikomödie war ein großer Spaß und das Einspielergebnis waren mit weltweit über 350 Millionen Dollar so überzeugend, dass es jetzt die Fortsetzung gibt, die genau daran leidet, dass die Geschichte fertig erzählt war.

Für die Fortsetzung mussten die Macher nun überlegen, wie sie die „Four Horsemen“, die irgendwo zwischen Ruhestand und Shows auf den großen Las-Vegas-Showbühnen leben könnten, wieder zurück bringen: ob sie zu einer „Ocean’s Eleven“-Verbrecherbande werden oder ob sie ihre Fähigkeiten als moderne Robin Hoods, sozusagen als „Leverage“-Team mit Zaubershow, einsetzen.

Mit Ach und Krach entschlossen sich die Macher für eine Mischung aus komplettem Neuanfang und Weitererzählung der Geschichte von „Die Unfassbaren“, weil jetzt die inhaftierten und blamierten Bösewichter des ersten Teils sich rächen wollen und die „Four Horsemen“ in Richtung Verbrechensbekämpfung auf der großen Showbühne gehen, während Dylan Rhodes (Mark Ruffalo) noch immer beim FBI arbeitet und dort fanatisch jede Spur der spurlos verschwundenen Illusionisten verfolgt. Seine Kollegen zweifeln zwar an seinem Verstand, aber so kann er die spurlos verschwundenen „Four Horsemen“ am besten schützen. Denn er ist der Kopf der „Four Horsemen“ und Mitglied des Magier-Geheimbundes „Das Auge“.

Während einer Produktpräsentation geht ein arg amateurhafter Überraschungsauftritt der „Four Horsemen“, bei dem sie die schändlichen Absichten des Veranstalters der Welt verraten wollen, gründlich schief. Die tapferen vier Reiter, bestehend aus Illusionist J. Daniel Atlas (Jesse Eisenberg), Mentalist Merritt McKinney (Woody Harrelson), Kartentrickser Jack Wilder (Dave Franco) und Neuzugang Lula (Lizzy Caplan), die sich zur Begrüßung schon einmal selbst enthauptet, müssen untertauchen.

Sie alle reisen, mehr oder weniger freiwillig, nach Macau, wo Walter Mabry (Daniel Radcliffe) sie in seinem Penthouse empfängt. Für den zurückgezogen lebenden Milliardär sollen sie einen unvorstellbar leistungsfähigen Computerchip/-software (der MacGuffin des 21. Jahrhunderts) stehlen. Die fünf Illusionisten sind einverstanden. Allerdings wissen sie nicht, dass Mabry der Sohn von Arthur Tressler (Michael Caine), dem Bösewicht des vorherigen Films, ist und Mabry und Tressler sich an ihnen für die damaligen Ereignisse rächen wollen.

Außerdem kann Thaddeus Bradley (Morgan Freeman), der ebenfalls aus „Die Unfassbaren“ bekannte, jetzt inhaftierte Berufsenttarner von Zauberertricks, aus dem Gefängnis entkommen.

Während in „Die Unfassbaren“ noch viel Zeit auf die Tricks der Illusionisten und deren Erklärung verwandt wurde, spielen sie in „Die Unfassbaren 2“ eigentlich keine Rolle mehr. Die meisten Tricks so elaboriert und groß, dass die Macher auf jede Erklärung verzichten. Es wäre ihnen auch nicht gelungen. Für den Rest gibt es dann gut versteckte Falltüren und Kartentricks, die keiner Erklärung bedürfen.

Stattdessen konzentriert Regisseur Jon M. Chu sich auf die Action und die Drehbuchautoren Peter Chiarelli und Ed Solomon, einer der Autoren des ersten Films, schrieben eine Geschichte, die in der Tradition der klassischen Pulp-Geschichten und B-Pictures aus den Dreißigern und Vierzigern, wie den „Mr. Moto“-Filmen mit Peter Lorre, steht. Immer wenn es nicht weiter geht, gibt es eine ausgewalzte Actionszene, immer wieder taucht plötzlich jemand aus dem Nichts auf, immer wieder gibt es, wenn man sich geade in eine erzählerische Sackgasse manövrierte, eine Erklärung, die alle vorherigen Ereignisse auf den Kopf stellt, und es passiert so viel so schnell, dass man über die Geschichte nicht weiter nachdenkt. Denn aus den einzelnen Szenen ergibt sich keine wirklich sinnvolle Geschichte.

Die Action inszenierte Jon M. Chu, der vorher vor allem die „Step Up“-Tanzfilme und das kindische Actiondesaster „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ (USA/Kanada 2013) inszenierte, in „Die Unfassbaren 2“ nachvollziehbar, mit weniger Schnitten als in „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ und, wenn unsere Helden gerade einen komplizierten Diebstahl aus einem bestens bewachtem Gebäude unter den wachsamen Augen des Sicherheitspersonals durchführen, mit viel Slo-Mo, wie einen Tanz. Das bringt die Handlung zwar genauso wenig voran wie ein Fred-Astaire-Tanznummer in einem Musical, aber das Auge (vielleicht auch „Das Auge“) verfolgt entzückt die überaus komplizierte Aktion, während das Hirn anmerkt, dass die Zauberer auch leichter und schneller an ihr Ziel kommen könnten.

Als gut gemachte, durchaus familienfreundliche Samstagabendunterhaltung mit gut aufgelegten Schauspielern (und Woody Harrelson in einer Doppelrolle) im Stil eines Vierziger-Jahre-B-Pictures funktioniert „Die Unfassbaren 2“ gut.

Es ist aber auch ein Film, der gerade die besonderen Aspekte des ersten Films – die Tricks der Illusionisten und der große Plan, in dem alles miteinander zusammenhängt (wobei ich immer noch glaube, dass der Plan bei einer genaueren Betrachtung schneller als ein Soufflé in sich zusammenfällt) – zugunsten einer 08/15-Gaunergeschichte links liegen lässt, die noch nicht einmal versucht, die Szenen in eine kohärente Geschichte oder einen großen Zauberertrick, der sich erst am Ende enthüllt, einzufügen.

Schon vor dem US-Kinostart wurde ein dritter „Die Unfassbaren“-Film angekündigt, bei dem Jon M. Chu wieder die Regie übernehmen soll. Über den Plot und die Besetzung ist noch nichts bekannt.

Die Unfassbaren 2 - Plakat

Die Unfassbaren 2 – Now you see me (Now you see me 2, USA 2016)

Regie: Jon M. Chu

Drehbuch: Ed Solomon, Peter Chiarelli

mit Jesse Eisenberg, Mark Rufallo, Woody Harrelson, Dave Franco, Daniel Radcliffe, Lizzy Caplan, Jay Chou, Sanaa Lathan, Michael Caine, Morgan Freeman

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Unfassbaren 2“

Metacritic über „Die Unfassbaren 2“

Rotten Tomatoes über „Die Unfassbaren 2“

Wikipedia über „Die Unfassbaren 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Louis Letteriers „Die Unfassbaren – Now you see me“ (Now you see me, USA 2013) und der DVD

Meine Besprechung von Jon M. Chus „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ (G.I. Joe: Retaliation, USA/Kanada 2013)


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