Neu im Kino/Filmkritik: „Porto“ – ein Amerikaner und eine Französin begegnen sich

September 15, 2017

Das Beste, was „Porto“ passieren konnte war Anton Yelchin.

Das Schlimmste, was „Porto“ passieren konnte, war Anton Yelchin.

Denn „Porto“ ist eine der letzten Filme von Anton Yelchin („Green Room“, Pavel Chekov in den neuen „Star Trek“-Filmen). Am 19. Juni 2016 starb er bei einem wirklich bescheuerten Autounfall: er wurde in der Einfahrt seines Hauses von seinem Auto überrollt.

Er spielt Jake, einen in der portugiesischen Hafenstadt Porto mehr oder weniger freiwillig gestrandeten Amerikaner. Eines Tages trifft er die Archäologiestudentin Mati (Lucie Lucas) und sie verbringen die Nacht zusammen.

Der Film hatte seine Weltpremiere nach Yelchins Tod am 19. September 2016 beim San Sebastián International Film Festival und selbstverständlich wird die Rezeption des Films und all seiner Fehler von seinem Tod überschattet. Auf der einen Seite ist faszinierend, wie Anton Yelchin sich in die Rolle hineinsteigert und Jake, abgemagert und mit tiefliegenden Augen, als den introvertierten, manischen Quartalsirren spielt, mit dem man sich in der Kneipe nicht unterhalten will.

Auf der anderen Seite ist durch Yelchins Tod auch vollkommen unklar, wie sehr der Tod den Film beeinflusste. Denn viele Szenen wirken improvisiert, vieles wiederholt sich aus verschiedenen Perspektiven, Realität und Fantasie, Vor- und Rückblenden sind unklar und Gabe Klinger wechselte in seinem Spielfilmdebüt zwischen 35 mm, 16 mm und Super-8-Film, ohne dass ein wirkliches Konzept erkennbar wird. Das kann schon so im Drehbuch, das Klinger mit Larry Gross („48 Stunden“, „Streets of Fire“) schrieb, gestanden haben. Das kann auch daran liegen, dass die Dreharbeiten noch nicht wirklich abgeschlossen waren und jetzt aus den vorhandenen Bildern ein Film zusammengeschnitten wurde, der es durch zahlreiche Wiederholungen und impressionistische Bilder auf 74 Minuten bringt.

Jim Jarmusch ist Executive Producer. Klinger nennt ihn „spirit guide“ und der Jarmusch-Einfluss ist im ganzen Film spürbar. Jake ist ein typischer, zielloser Jarmusch-Charakter, der durch Porto driftet. Er ist auf Permanent Vacation. Und als „spirit guide“ hat Jarmusch Klinger sicher einige Tipps gegeben, was er aus dem vorhandenen Material machen kann. Ein Torso bleibt „Porto“ trotzdem. Ob gewollt oder ungewollt, ist unklar.

Am Ende gibt es nur zwei Gründe, sich „Porto“ anzusehen: eine lange, sich stilistisch fundamental vom restlichen Filmstil unterscheidende, auf der großen Leinwand ihre volle Wirkung entfaltende Plansequenz, in der Jake und Mati sich in einem Diner anscheinend zum ersten Mal begegnen (später wird deutlich, dass sie sich schon vorher gesehen haben) und Anton Yelchins intensives Spiel, das durch seinen Tod eine neue Dimension erhielt. Denn er sieht weniger wie ein Dauerurlauber, sondern wie ein lebender Toter aus.

Porto (Porto, Portugal/USA/Frankreich/Polen 2016)

Regie: Gabe Klinger

Drehbuch: Larry Gross, Gabe Klinger

mit Anton Yelchin, Lucie Lucas, Francoise Lebrun, Paulo Calatré

Länge: 74 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Porto“

Metacritic über „Porto“

Rotten Tomatoes über „Porto“

Wikipedia über „Porto“

 

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