TV-Tipp für den 3. Dezember: American Sniper

Dezember 3, 2017

Pro7, 20.15

American Sniper (American Sniper, USA 2014)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Jason Hall

LV: Chris Kyle (zusammen mit Scott McEwen und Jim DeFelice): American Sniper, 2012 (Sniper: 160 tödliche Treffer – Der beste Scharfschütze des US-Militärs packt aus)

Clint Eastwoods Biopic über den US-Scharfschützen Chris Kyle, der im Irak zwischen 1999 und 2009 160 Menschen tötete. Das ist die offizielle Zahl.

Der Film war ein Kassenhit und Eastwood liefert in seinem patriotischen Kriegsfilm genug kleine Widerhaken, um auch eine andere Lesart zuzulassen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Bradley Cooper, Sienna Miller, Cole Konis, Ben Reed, Elise Robertson, Keir O’Donnell, Luke Grimes, Eric Close, Sammy Sheik

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „American Sniper“
Moviepilot über „American Sniper“
Metacritic über „American Sniper“
Rotten Tomatoes über „American Sniper“
Wikipedia über „American Sniper“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „American Sniper“

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Die glorreichen Sieben“ reiten wieder im Wilden Westen

September 22, 2016

Einige Tage vor der Pressevorführung von Antoine Fuquas „Die glorreichen Sieben“ habe ich mir noch einmal das Original, also den Westernklassiker von John Sturges, angesehen. Schließlich wollte ich kundig das Original mit dem Remake vergleichen, auf die kleinsten Unterschiede hinweisen (zum Beispiel wenn aus einem Links- ein Rechtshänder wird) und, vielleicht, über die großen Unterschiede jammern.

Außerdem wollte ich mein ursprüngliches Urteil überprüfen. Damals, als Jugendlicher, empfand ich Sturges‘ „Die glorreichen Sieben“ als einen unglaublich langweiligen, prätentiösen und steifen Film, der zu sehr von seiner eigenen Bedeutung überzeugt ist. Die zweite Sichtung bestätigte meinen ersten Eindruck – und damit gehöre ich zu der Minderheit, die den Film nicht mag.

Im Kino stellte ich dann fest, dass ich mir das Original nicht hätte ansehen müssen. Fuqua drehte kein mehr oder weniger werkgetreues Remake von „Die glorreichen Sieben“ (1960). Seine „glorreichen Sieben“ sind bestenfalls eine sehr freie Neuinterpretation, die weiter von dem Original entfernt ist, als einige der unzähligen Fortsetzungen und Rip-Offs, die in den vergangenen Jahrzehnten entstanden. Bis auf einige fast schon willkürlich eingestreute Zitate, die man erkennt, wenn man kurz vorher das Original gesehen hat, und Elmer Bernsteins klassisches Filmthema, das erstmals während des Abspanns erklingt, hat Fuquas Film nichts mit Sturges‘ Film zu tun. Sein Film ist ein wie ein Großstadtthriller inszenierter Western mit viel Action und einer ordentlichen Portion Robert B. Parker, der mit seinen auch verfilmten Virgil-Cole-und-Everett-Hitch-Romanen ja einige Western schrieb, in denen zwei Gesetzeshüter ordentlich in gesetzlosen Orten aufräumen (und der echte Parker-Fan hat vielleicht auch „Potshot“, die noch nicht übersetzte Spenser-Version der glorreichen Sieben, gelesen).

Die Filmgeschichte – sieben Gesetzlose helfen einem Dorf gegen einen übermächtigen Bösewicht – wurde, wenn man sie auf einen Satz verkürzt, übernommen. Außerdem klaute Sturges die Geschichte von Akira Kurosawa. Er erzählte sie in „Die sieben Samurai“, einem grandiosen Film, der seinen Klassikerstatus zu recht hat und immer noch beeindruckt. Vor allem wenn man den Film auf der großen Leinwand sehen kann.

Anführer der siebenköpfigen Gruppe ist in Fuquas Ensemblefilm Sam Chisolm (Denzel Washington). Er ist ein Gesetzeshüter, der immer wieder betont, dass er „a duty sworn warrant officer from Wichita, Kansas and a licensed peace officer in Arkansas,Indian Territory, Nebraska, and seven other states“ ist. Als er 1879 von der Witwe Emma Cullen (Haley Bennett) gebeten wird, in Rose Creek gegen Barholomew Bogue (Peters Sarsgaard) vorzugehen, ist er einverstanden. Bogue ist der Besitzer der örtlichen Mine, er unterdrückt die Bevölkerung, seine Minenarbeiter und die ehrlichen Bauern, und er ermordete Cullens gottesfürchtigen Mann auf offener Straße.

Chisolm sucht sich eine Gruppe tapferer, mehr oder weniger gesetzloser Revolvermänner zusammen, die er teilweise von früher kennt und die alle ziemlich eindrucksvolle Charaktere sind: Josh Farraday (Chris Pratt), Goodnight Robicheaux (Ethan Hawke), Jack Horne (Vincent D’Onofrio, kaum erkennbar und mit bärigem Kampfstil), Billy Rocks (Byung-Hun Lee), Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo) und der Komantsche Red Harvest (Martin Sensmeier).

Nachdem die extrem multikulturelle Männertruppe in Rose Creek eintrifft, kommt es kurz darauf zur epischen Schlacht zwischen ihnen und Bogue, auf die wir Zuschauer von Anfang an gewartet haben. Und wir werden nicht enttäuscht.

Jedenfalls wenn wir einen ordentlichen Western wollen. Gerne mit einigen nie besonders vertieften Bezügen zur Gegenwart.

Und jetzt will ich mir mal wieder Akira Kurosawas „Die sieben Samurai“ ansehen. Den fand ich schon beim ersten Ansehen grandios.

die-glorreichen-sieben-plakat

Die glorreichen Sieben (The Magnificent Seven, USA 2016)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Richard Wenk, Nic Pizzolatto (basierend auf dem Drehbuch von Akira Kurosawa, Shinobu Hashimoto und Hideo Oguni)

mit Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Vincent D’Onofrio, Byung-hun Lee, Manuel Garcia-Rulfo, Martin Sensmeier, Haley Bennett, Peter Sarsgaard, Luke Grimes, Matt Bomer

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Die glorreichen Sieben“

Metacritic über „Die glorreichen Sieben“

Rotten Tomatoes über „Die glorreichen Sieben“

Wikipedia über „Die glorreichen Sieben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Southpaw” (Southpaw, USA 2015)

Die TIFF-Pressekonferenz

und noch eine Gesprächsrunde mit den glorreichen Jungs

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Freeheld – Jede Liebe ist gleich“, aber nicht jeder Pensionsanspruch

April 7, 2016

Die Frau erhält die Pension ihres verstorbenen Mannes. Das ist ein ganz einfaches, uns wohlvertrautes Prinzip. Manchmal gibt es Probleme. Wenn, zum Beispiel, sie ihn erkennbar nur wegen Pension heiratete.

Manchmal gibt es auch andere Probleme und von einem erzählt Peter Sollett in seinem auf einem wahren Fall basierendem Spielfilm. In „Freeheld“ geht es um eine Polizistin, die dafür kämpft, dass ihre Pension nach ihrem Tod an ihren Partner ausgezahlt wird. Es gibt nur ein kleines Problem: ihr Partner ist eine Frau – und die fünf gewählten, republikanischen Ocean-County-Bezirksvertreter (die sich Freeholders nennen) meinen, dass eine Pension nur an einen andersgeschlechtlichen Partner ausgezahlt werden könne. Schließlich gelte es die Familie zu schützen und eine Familie bestehe nun einmal aus Mann und Frau, die dann auch Kinder bekommen.

An Kinder hat Detective Laurel Hester (Julianne Moore) nie gedacht. Als der Film 2002 beginnt, hat sie seit zwanzig Jahren als unerschrockene und gute Polizistin gearbeitet. Sie ist respektiert und aufgrund ihrer Arbeit und ihres Charakters auch ein Vorbild für ihre Kollegen in Ocean County, New Jersey. Als sie bei einem Volleyballspiel die neunzehn Jahre jüngere Automechanikerin Stacie Andree (Ellen Page) kennen lernt, ist es Liebe auf den ersten Blick. Trotzdem zögert Hester. Sie will Privatleben und Beruf strikt trennen, was aufgrund der unter Polizisten verbreiteten Homophobie vernünftig ist. Aber Andree möchte mit ihrer großen Liebe zusammen sein. Auch in der Öffentlichkeit.

Sie ziehen in ein typisches Vorstadthaus, renovieren es und könnten glücklich sein, wenn nicht 2005 bei Hester nach 23 Dienstjahren Lungenkrebs im Endstadium diagnostiziert würde. Hesters einziger und letzter Wunsch ist, dass ihre Pensionsansprüche auf ihre Lebenspartnerin übertragen werden, damit sie weiterhin im gemeinsamen Haus leben kann. Als die Bezirksvertreter ihr diesen Wunsch verweigern, den sie jedem anderen Staatsdiener, der eine andersgeschlechtliche Person heiratet, problemlos erfüllen (auch wenn die Ehe nur wenige Tage dauerte), beginnt Hester für ihr Recht auf gleiche Behandlung zu kämpfen. Denn Partnerschaft ist Partnerschaft. Unterstützt wird sie dabei von dem großspurig und theatralisch auftretendem Bürgerrechtsaktivisten Steve Goldstein (Steve Carell), der aus den Anhörungen vor den Freeholders ein großes, öffentlichkeitswirksames Theater macht.

Dieses Theater steht natürlich in der Tradition der großen Gerichtsfilme, in denen dann auch die Werte der amerikanischen Gesellschaft und auch die Werte liberaldemokratischer Gesellschaften verhandelt werden. Aber „Freeheld“ ist kein Gerichtsfilm, sondern ein konventionell erzähltes, durchaus auf die Tränendrüse drückendes Liebesdrama, das eben deshalb sehenswert ist. Schließlich richtet Peter Solletts Film, nach einem Drehbuch von „Philadelphia“-Autor Ron Nyswaner, sich nicht an die ohnehin überzeugte LGBT-Gemeinschaft sondern an das Mainstream-Publikum. Diese Zuschauer müssen von dem Anliegen überzeugt werden. Emotional und rational. Für die emotionale Seite sind dann Julianne Moore und Ellen Page zuständig. Steve Carell für die rationale. Und Michael Shannon, der Hesters Kollegen Dane Wells spielt, zeigt die Wandlung eines konservativen Mannes, der sich niemals für die Rechte von Homosexuellen interessierte und der jetzt für die Rechte seiner Arbeitspartnerin kämpft.

Der wahre Fall, der auch in der Oscar-gekrönten Dokumentation „Freeheld“ von Cynthia Wade, die die Inspiration für den Spielfilm war, geschildert wird, und die mit ihm verbundene Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit war in den USA einer der Marksteine auf dem Weg zur Entscheidung des United States Supreme Court vom 26. Juni 2015, die allen Amerikanern, auch gleichgeschlechtlichen, die Heirat erlaubt. In Deutschland ist das immer noch nicht möglich.

Freeheld - Plakat

Freeheld – Jede Liebe ist gleich (Freeheld, USA 2015)

Regie: Peter Sollett

Drehbuch: Ron Nyswaner (basierend auf dem Dokumentarfilm „Freeheld“ von Cynthia Wade)

mit Julianne Moore, Ellen Page, Steve Carell, Michael Shannon, Luke Grimes, Gabriel Luna, Skip Sudduth, William Sadler

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

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Moviepilot über „Freeheld“

Metacritic über „Freeheld“

Rotten Tomatoes über „Freeheld“

Wikipedia über „Freeheld“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Der „American Sniper“ Chris Kyle ist ein guter Patriot aus Texas

Februar 26, 2015

In den USA ist „American Sniper“ ein Überraschungserfolg, der auch der erfolgreichste Film von Clint Eastwood sein soll. Jedenfalls brach er in den vergangenen Wochen einige Einspielrekorde und er sorgte in den USA für eine ordentliche Diskussion über die Botschaft des Films. Immerhin steht im Mittelpunkt des Biopics U.S. Navy SEAL Chris Kyle, ein waschechter Texaner, der während vier Kampfeinsätzen als Scharfschütze im Irak 160 Menschen tötete. 160 ist jedenfalls die Zahl der bestätigten Tötungen. Es können aber auch einige Morde mehr gewesen sein.
Für die einen ist Kyle ein Kriegsheld. Für die anderen das Gegenteil. Und Clint Eastwood, der mit „Flags of our Fathers“ und „Letters from Iwo Jima“ zwei grandiose Kriegsfilme inszenierte, ist intelligent genug, um kein plattes Hurra-Patriotisches Manifest abzuliefern. Er bringt durchgehend eine Rauhheit in die Geschichte, die ihr gut tut – und die Steven Spielberg, der zuerst die Regie führen sollte, vermieden hätte.
Es gibt auch immer wieder kurze Episoden und Details, die angenehme Widerhaken in diese reaktionäre Geschichte schlagen und die von liberalen Geistern dankbar aufgegriffen werden. Immerhin eröffnen sie die Möglichkeit einer anderen Perspektive.
So wird Kyle von seinem christlichen Vater streng erzogen. Für ihn gibt es nur drei Sorten von Menschen: Schafe, Wölfe und Hirtenhunde. Die ersten beiden Gruppen verachtet der Vater. Sein Sohn soll mal ein Hirtenhund werden. Er soll seine Familie beschützen und deren Feinde schlagen. Dieses banale und niemals hinterfragte Bild wird dann zum Leitmotiv von Kyles Leben. Er glaubt an Gott, sein Land und seine Familie und bringt alle Bedrohungen für diese einfachen Werte um. Vor allem die Iraker, die für ihn keine Menschen sind. Es werden auch die psychischen Folgen der Kampfeinsätze gezeigt. So ist Kyle, wenn er von einem Einsatz zurückkehrt, mental noch im Kriegsgebiet. Beeindruckend in ihrer Eastwood-typischen Schlichtheit ist, zum Beispiel, diese Szene: Kyle sitzt im Wohnzimmer und starrt auf den Fernseher, in dem gerade ein Action-Film läuft, während seine Frau das Zimmer betritt. Die Kamera bewegt sich durch den Raum hinter Kyle und wir sehen den Fernseher. Er ist schwarz.
Eastwood zeigt auch die physischen Folgen des Irak-Kriegs. Denn viele Veteranen haben nicht nur seelische Probleme, sondern sind Krüppel mit künstlichen Gelenken oder sitzen im Rollstuhl.
Das sind kurze Szenen, die eine andere Lesart ermöglichen. Aber insgesamt erzählt „American Sniper“ die Geschichte ausschließlich aus der Perspektive von Chris Kyle, einem Hurra-Patrioten, der immer das Richtige tut. Dessen einfache Weltsicht legt sich über das gesamte Epos, das vor allem von seinen Einsätzen im Irak erzählt. Sein Leben vor dem Militär, seine Ausbildung und seine Auszeiten bei seiner Familie werden knapp abgehandelt. Sein Leben nach dem letzten Irak-Einsatz ebenso und sein Tod mit einer Texttafel. Kyle wurde am 2. Februar 2013 von dem jüngeren Kriegsveteranen Eddie Ray Routh während eines Schießtrainings, das gegen dessen postraumatische Belastungsstörung helfen sollte, erschossen. Anfang der Woche wurde Routh zu einer lebenslänglichen Haft verurteilt.
Das alles wird von Eastwood gewohnt effizient erzählt. Die Kriegsszenen sind mitreisend und bei der Action verliert man nie den Überblick. Insofern ist „American Sniper“ mit einem gewohnt beeindruckenden Bradley Cooper als Chris Kyle ein gelungener Kriegsfilm.
Es ist aber auch ein Kriegsfilm, der erzählerisch nichts zeigt, was nicht von Kathryn Bigelow in „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ über eine Gruppe von Bombenentschärfern besser und auch pessimistischer gezeigt wurde. Denn „American Sniper“ verklärt einen kaltblütigen Massenmörder zu einem Helden, der keine Reue über seine Taten verspürt und der auch keinerlei Gewissensbisse hat. Für ihn sind die Iraker, gemäß seiner Erziehung, Wölfe, die seine Familie bedrohen. Und Wölfe, die Schafe töten wollen, tötet man halt. Jedenfalls wenn man die Möglichkeit dazu hat.
Außerdem wird konsequent der historische Hintergrund ausgeblendet. Denn der Irakkrieg war „eine völkerrechtswidrige Invasion des Iraks durch die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreichs, unterstützt von einer ‚Koalition der Willigen‘.“ (Wikipedia). In „American Sniper“ ist der Krieg gerechtfertigt. Die Motive der Bush-Regierung und der Vorgesetzten werden nie hinterfragt. Dabei hat es schon vor dem Krieg zahllose Diskussionen über die Motive gegeben und danach stellten sich die Kriegsgründe als falsch heraus.
Nur einmal, wenn Kyle im Fernsehen Bilder von den Bombenanschlägen 1998 auf die Botschaften in Tansania und Kenia sieht und sich danach als guter Hütehund beim Militär verpflichtet, wird der „war on terror“, bevor er losging, angesprochen. Dabei sind die Terroristen schon in diesem Moment das moderne Äquivalent zu den Indianern im alten Hollywood-Western oder zu den Deutschen und Japanern im Weltkrieg-II-Propagandakriegsfilm. Gesichtsloses Schlachtvieh. Das ultimative Böse, dessen Vernichtung moralisch gerechtfertigt ist. In „American Sniper“ auch aus dem Hinterhalt.
Und so verschwinden dann die wenigen Ambivalenzen und Widerhaken, die eine andere Lesart ermöglichen, im großen Bild, das eben diese Punkte zugunsten eines Porträts eines Kriegshelden, dessen Handeln und dessen Mythos niemals hinterfragt wird, vernachlässigt.
Eben diese Eindeutigkeiten – die bösen Iraker, die guten Amerikaner, der moralisch integere Kriegsheld aus Texas – dürften dann auch zum Erfolg des konservativen Films beigetragen haben.
„American Sniper“ ist vielleicht Clint Eastwoods erfolgreichster Film, aber es nicht sein bester Film.

American Sniper - Plakat

American Sniper (American Sniper, USA 2014)
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Jason Hall
LV: Chris Kyle (zusammen mit Scott McEwen und Jim DeFelice): American Sniper, 2012 (Sniper: 160 tödliche Treffer – Der beste Scharfschütze des US-Militärs packt aus)
mit Bradley Cooper, Sienna Miller, Cole Konis, Ben Reed, Elise Robertson, Keir O’Donnell, Luke Grimes, Eric Close, Sammy Sheik
Länge: 132 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „American Sniper“
Moviepilot über „American Sniper“
Metacritic über „American Sniper“
Rotten Tomatoes über „American Sniper“
Wikipedia über „American Sniper“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „American Sniper“

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Clint Eastwood in der Kriminalakte

DP/30-Interview mit Bradley Cooper über „American Sniper“

Und ein kurzes mit Clint Eastwood


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