DVD-Kritik: „Alex Cross“ jagt einen wirklich bösen Killer

März 6, 2013

Krimileser kennen den von Bestsellerautor James Patterson erfundenen Polizeipsychologen Alex Cross schon seit zwanzig Jahren. Filmfans dürften sich an die beiden Alex-Cross-Filme „Denn zum Küssen sind sie da“ (Kiss the Girls, USA 1997) und „Im Netz der Spinne“ (Along came a Spider, USA 2001) mit Morgan Freeman in der Hauptrolle erinnern. Aber das ist schon über zehn Jahre her.

Jetzt gibt es mit „Alex Cross“ den Versuch, eine neue Serie von Alex-Cross-Filmen zu etablieren. Und auf dem Papier sah es auch gut aus. Rob Cohen übernahm die Regie. Kein Kritikerliebling, aber mit „Daylight“, „The Fast and the Furious“, „XXX“ und „Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers“ (The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor) reüssierte er an der Kinokasse.

Das Drehbuch ist von Kerry Williamson und Marc Moss, der bereits das Buch für die Alex-Cross-Verfilmung „Im Netz der Spinne“ schrieb.

Die Schauspieler sind vielleicht nicht die wirklich großen Stars und bei uns in Deutschland eher unbekannt, aber in den USA kennt man Tyler Perry, Matthew Fox, Edward Burns und Jean Reno. Gut, Reno kennen wir hier auch, aber man muss sich nicht wirklich jeden Film mit ihm ansehen.

Kleinere Rollen übernahmen bekannte Gesichter wie John C. McGinley („Scrubbs“) und Giancarlo Esposito (zuletzt unter anderem „Breaking Bad“).

Das hört sich vielversprechend an, aber irgendwann ging irgendetwas vollkommen schief bei „Alex Cross“, das zwar auf dem Roman „Cross“ von James Patterson basieren soll, mit dem Buch aber eigentlich nichts mehr gemein hat. Im Film ist Alex Cross ein Polizist des Detroit Police Department und glücklich verheiratet mit zwei Kindern. Er ist psychologisch geschult und kann beim Betreten eines Tatortes sofort, Sherlock-Holmes-würdig, den Tathergang rekonstruieren und ein Täterprofil erstellen. An seinem neuesten Tatort hat ein Killer in einer Villa eine Konzern-Managerin und ihre Leibwächter ermordet. Die Managerin hat er vorher noch gefoltert. Cross schließt messerscharf, dass der Killer die Konzernspitze (Jean Reno) töten will und sich dafür die Hierarchieebenen nach oben mordet. Den zweiten Mord des Killers, dessen Motiv bis zum Schluss im Dunkeln bleibt, können die tapferen Polizisten verhindern. Dabei geht etwas Mobiliar zu Bruch und einige deutsche Leibwächter (die in der Originalfassung auch Deutsch reden) sterben.

Doch dann ändert der Killer seine Pläne und – Gähn! – er nimmt auch Alex Cross und dessen glückliche Familie ins Fadenkreuz.

Aber viel schlimmer als die ausgelutschte 08/15-Geschichte des Films ist die inkompetente Regie, die niemals auch nur einen Hauch von Atmosphäre oder Spannung aufkommen lässt, und die Neuorientierung im Charakter von Alex Cross, die ihn zu einem x-beliebigem Cop, der im Zweifelsfall erst zuschlägt und dann fragt, werden lässt. Alex Cross setzt im Kampf gegen den Killer nicht mehr auf sein Gehirn, sondern auf seine Fäuste und großkalibrige Schusswaffen. Das ganze kulminiert in einem erschreckend schlecht inszeniertem Schlusskampf.

Insgesamt sieht und wirkt „Alex Cross“, abgesehen vom Breitwandbild, immer wie ein schlecht inszenierter TV-Film, der in den USA zu recht von den Kritikern verrissen wurde und bei uns, ebenfalls zu recht, keinen Kinostart erlebte. Es ist einfach ein langweilig-schlechter, klischeebeladener und -triefender Cop-Thriller ohne Thrill.

Das Bonusmaterial bewegt sich so gerade an der Wahrnehmbarkeitsschwelle. Es gibt den Trailer und dieses Gespräch zwischen James Patterson und Tyler Perry (der für seine Interpretation der Rolle eine Razzie-Nomierung erhielt):

Alex Cross - DVD-Cover

Alex Cross (Alex Cross, USA 2012)

Regie: Rob Cohen

Drehbuch: Marc Moss, Kerry Williamson

LV: James Patterson: Cross, 2006 (Blood [jaja, das ist der deutsche Titel])

mit Tyler Perry, Matthew Fox, Edward Burns, Jean Reno, Carmen Ejogo, Cicely Tyson, Rachel Nichols, John C. McGinley, Werner Daehn, Yara Shahidi, Sayeed Shahidi, Bonnie Bentley, Stephanie Jacobsen, Giancarlo Esposito

DVD

Ascot-Elite

Bild:1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Im Gespräch mit Tyler Perry und James Patterson, Deutscher Trailer, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Metacritic über „Alex Cross“

Rotten Tomatoes über „Alex Cross“

Wikipedia über „Alex Cross“

Homepage von James Patterson

The Rap Sheet über James Patterson

Fantastic Fiction über James Patterson 

James Patterson auf der Krimi-Couch

Meine Besprechung von James Patterson/Michael Ledwidges „Im Affekt“ (The Quickie, 2007)

James Patterson in der Kriminalakte

Und noch zwei Gespräche mit James Patterson zum Filmstart. Im ersten Clip spricht er auch darüber, wie wichtig es ist, dass wir unsere Kinder zum Lesen bringen:

 

 

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